Der Ringnebel in neuem Licht

Bei diesem Bild muss man schon zweimal hingucken, um einen alten Bekannten wiederzuerkennen: Das Calar-Alto-Observatorium veröffentlichte jetzt die wohl detailreichste Aufnahme des berühmten Ringnebels. Für dieses spektakuläre Bild kombinierten die Astronomen sechs verschiedene Aufnahmen aus unterschiedlichen Spektralbereichen. Insgesamt mussten sie dazu mehr als 20 Stunden lang belichten.

Bildrechte: CAHA/RECTA/DSA 

Der Ringnebel, auch unter seiner Nummer M 57 aus dem Messier-Katalog bekannt, ist ein Paradeobjekt für Amateurastronomen. In kleinen Fernrohren erscheint er als kleiner, geisterhaft wirkender, leicht ovaler Ring – daher sein Name. Es handelt sich um einen so genannten "Planetarischen Nebel", eine Bezeichnung, die historisch zu verstehen ist. Viele Nebel dieses Typs sind klein, rund und relativ hell. Sie sehen deshalb in kleineren Teleskopen entfernt so aus wie die weit entfernten Planeten Uranus oder Neptun. Das ist aber nur eine Täuschung, tatsächlich haben Planetarische Nebel nichts mit Planeten gemein.

 

Aus diesen sechs in verschiedenen Spektralbereichen aufgenommenen Bildern wurde die obige Fotografie zusammengesetzt. Von Links nach Rechts: ionisierter Sauerstoff (O-III), ionisierter Wasserstoff, Infrarotaufnahme (molekularer Wasserstoff), sowie die Farbkanäle Blau, Grün und Rot. Die Ausnahmen entstanden an verschiedenen Teleskopen des Calar-Alto-Observatoriums in Spanien. Bildrechte: CAHA/RECTA/DSA 

Ein Planetarischer Nebel entsteht, wenn ein Stern, dessen Masse in etwa der Masse der Sonne (oder wenig mehr) entspricht, am Ende seines Lebens instabil wird. Ist nämlich sein Brennstoff, also der Wasserstoff in seinem Zentrum aufgebraucht, so bläht sich der Stern zunächst zu einem Roten Riesenstern auf, wobei seine äußeren Wasserstoffhüllen von heftigen Sternwinden ins umgebende Weltall geblasen werden. Später stürzt das Zentrum des Riesensterns in sich zusammen und bildet einen extrem heißen, aber kleinen Weißen Zwerg, und auch die weiter innen liegenden Hüllen bleiben als Gasnebel zurück. Die Gasnebel verflüchtigen sich im Laufe der Zeit im Weltall, der Weiße Zwerg vermag das Gas zuerst noch durch seine hohe Temperatur zum Leuchten anzuregen, bevor er langsam auskühlt und schließlich erlischt. Auf den Aufnahmen erkennt man sehr schön den Weißen Zwergstern im Zentrum des Nebels, seinen inneren Ring und den äußeren Wasserstoffhalo.

Ein Planetarischer Nebel ist also so etwas wie ein "toter" Stern, dessen Leiche noch nicht ganz kalt ist… Auch die Sonne wird dieses Schicksal ereilen, jedoch erst in vier Milliarden Jahren. Als Roter Riese dürfte sie fast bis an die Erde reichen und Merkur und Venus verschlucken, später jedoch wird die Erde als kalter und toter Gesteinsklumpen die Sonne, beziehungsweise den Weiße Zerg, der von ihr übrig ist, umkreisen. Dieser Zwergstern wird in etwa die Größe der Erde haben und als zwar heller, aber längst nicht mehr wärmender Stern am irdischen Firmament zu sehen sein. Alles Leben auf unserem Planeten wird durch den Tod der Sonne ausgelöscht. 

 

Der Abendhimmel Anfang November, Blick nach Westen.

 

Detailkarte des Sternbild Leier mit der Position des Ringnebels (Grafiken erstellt mit Stellarium). 

Ein Blick auf den Ringnebel ermöglicht uns bereits heute einen Blick auf die Zukunft unseres eigenen Sonnensystems. Am Nachthimmel befindet er sich im Sternbild Leier, einem Sommersternbild, das gegenwärtig noch für eine kurze Zeit am Abendhimmel zu sehen ist. Die Aufsuchkarte zeigt die Lage des Ringnebels in diesem Sternbild. Mit einem Fernrohr ab etwa 50facher Vergrößerung erscheint der Nebel bereits als diffuses Objekt, und lässt sich von den Sternen unterscheiden. Das letzte Bild habe ich übrigens vor einiger Zeit selbst gemacht. Es zeigt natürlich nicht annähernd so viel Detail wie die Fotografien der Profis, aber es gibt einen guten Eindruck, was man (abgesehen von den Farben, die erkennt man nur auf Fotografien) vom Ringnebel beim Blick in ein Amateurfernrohr sehen kann.      

 

M 57 als Amateurfoto, aufgenommen mit dem Refraktor der Sternwarte Aachen.

Clear Skies! 

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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