Meteoritenfall über der Ostsee?

Am Samstagabend, gegen 20:10 MEZ, beobachteten zahllose Menschen in Norddeutschland, Dänemark und Schweden einen enorm hellen Lichtblitz am Himmel, doch ein Gewitter war es nicht: Noch in der Mitte Deutschland war die Erscheinung sichtbar. Möglicherweise ging ein Meteorit über der Ostsee nieder.

Ein in Schweden aufgenommenes Video zeigt die spektakuläre Leuchterscheinung. Augenzeugen aus der Ostseeregion sprechen zudem von einem "dumpfen Grollen" in Anschluss an den Lichtblitz. Doch selbst in Süddeutschland war eine Aufhellung des Himmels nachweisbar, wie eine in der Nähe des Tegernsees entstandene Videoaufnahme zeigt.

Diese Beobachtungen sprechen eindeutig für einen sehr hellen Meteor. Zur Zeit laufen viele Sichtungsmeldungen zusammen. Es könnte sein, dass eine Restmasse des Eindringlings als Meteorit in die Ostsee gefallen ist. Wo genau das passiert sein könnte, werden die Auswertungen der Beobachtungsmeldungen zeigen. Für gehöriges Medieninteresse hat der Feuerball bereits gesorgt.

Zur genauen Rekonstruktion der Flugbahn des wahrscheinlichen Meteoriten sind möglichst viele Einzelbeobachtungen von verschiedenen Standorten nowendig. Daher der Aufruf: Wer am Samstag eine ähnliche Beobachtung gemacht hat, sollte sie zum Beispiel in diesem Forum melden. Wichtig dabei ist die Angabe des eigenen Standorts, der Zeitpunkt der Beobachtung und eine möglichst genaue Beschreibung der Dauer und des Verlaufs der Erscheinung. 

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Flugbahn und Größe des Meteors

    Aus den Beobachtungen bei Rostock und dem schwedischen Video lässt sich relativ genau die Flugbahn bestimmen!
    Eintritt: ca 50km Höhe NNO von Rügen fast mittig zu Schweden.
    Beobachtungsende: ca.5-10km Höhe NNW von Rostock fast mittig zu Dänemark.
    Geschwindigkeit: 20km/s +-5km/s
    Freigesetzte Energie: ~0.5Mt TNT +-30%
    Masse: ~ 10kt +-30%
    Die Streuelipse des Restmateriales ist gleichfalls angebbar!
    Karte der wahrscheinlichen Flugbahn und der Streuelipse ist vorhanden.

  2. Die leidige Sache mit dem Wetter

    Das Video erinnert an den Kanada-Boliden vom 20. November 2008. Leider war es in großen Teilen Deutschlands bewölkt. Denn denn so einen Brocken sieht man auch nicht alle Tage und wahrscheinlich nur 1 Mal im Leben.

  3. Pech gehabt…

    In Aachen war es zum fraglichen Zeitpunkt fast klar und über 100 Besucher waren in der Sternwarte – trotzdem hat irgendwie keiner etwas mitbekommen. Pech eben.

  4. Eben, so vor 15min ebenfalls einen Meteoriten über der Ostsee von Eckernförde aus gesichtet. Heller, grünlicher Schweif.. Toll anzusehen. Flog Richtung Kiel, Lübeck…

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