Licht und Schatten im Jupitersystem

Gegenseitige Jupitermonderscheinungen, bei denen also ein Jupitermond einen zweiten bedeckt oder seinen Schatten auf ihn wirft, sind besonders reizvolle, wenn auch nicht einfach zu beobachtende Himmelsschauspiele. Sie finden etwa alle sechs Jahre statt, wenn sich Erde und Sonne nahe der Ebene der Jupitermondbahnen befinden. In diesem Jahr ist das der Fall.

Am 12. Februar etwa bedeckte der innerste der vier Galileischen Monde, Io, den größten Mond des Gesamten Sonnensystems, Ganymed. Dabei kam es zuerst zu einer Bedeckung, bei der Io vor dem von der Erde aus weiter entfernt stehenden Ganymed vorbeizog. Etwas später traf der Io-Schatten den Ganymed. Ganz verfinstern konnte dieser den Ganymed nicht, denn Io ist mit 3643 Kilometern Durchmesser deutlich kleiner als Ganymed mit seinen 5262 Kilometern.

Gegenseitige Bedeckung und Schattenwurf durch Io und Ganymed am 12. Februar 2015. Bildrechte: Hans Kirch, Georg Görgen (Monschauer Sternfreunde)

In Monschau bei Aachen konnte dieses Ereignis von Hans Kirch und Georg Görgen aufgezeichnet werden. Sie nutzten dazu einen 12″-Newtonreflektor und eine ASI 120MM Videokamera. Das Seeing, also die turbulenten Luftbewegungen der Erdatmosphäre, waren laut Georg so stark, dass die Monde visuell zeitweise kaum erkennbar waren. Dennoch gelang es ihnen, das oben gezeigte, wirklich exzellente Video zu erstellen.

Der Vorteil der lichtstarken Kamera in Verbindung mit einem großen Teleskop zeigt sich an er Schärfe des finalen Videos, für das nur die besten (d.h. bei ruhiger Luft) gewonnenen Bilder verwendet wurden. Geholfen hat auch der Einsatz eines Infrarot-Passfilters, welcher die durch das Seeing stärker beeinflussten Teile des Lichtspektrums ausfiltert und (fast) nur nahes Infrarot passieren lässt.

Ein einziges Mal konnte ich ein solches Ereignis visuell ähnlich gut verfolgen, wie es hier im Video zu sehen ist. In Wirklichkeit dauert der Vorbeizug des Mondes bzw. seines Schattens einige Minuten – deutlich langsamer als hier im (Zeitraffer)video zu sehen, aber immer noch recht schnell im Vergleich zu anderen Himmelsphänomenen.

Wer gegenseitige Jupitermonderscheinungen selbst beobachten möchte, hat noch mehrfach Gelegenheit in diesem Jahr. Am besten nutzt man dazu ein mittelgroßes Amateurfernrohr (15cm Öffnung und aufwärts) bei hoher Vergrößerung (150x und mehr). Das Teleskop sollte stabil montiert und möglichst motorisch nachgeführt sein, wobei ersteres wichtiger ist als letzteres (meine Beobachtungen führte ich mit einem azimutal montierten Dobson durch). Ist das Seeing schlecht, erkennt man nur, wie die beidem Monde miteinander zu einem flimmernden Knäuel „verschmelzen“ um sich später wieder zu trennen. Bei sehr ruhiger Luft kann man sie tatsächlich als kleine, runde Scheiben erkennen und mit etwas Übung auch den Schatten des einen auf dem anderen ausmachen.

Eine gute Erklärung zu gegenseitigen Jupitermonderscheinungen mitsamt einer Aufstellung der nächsten Beobachtungsgelegenheiten in Europa findet sich auf den Seiten der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA). Eine vollständige Liste aller Jupitermonderscheinungen für 2015 hält das Institut de Mécanique Céleste et des Calcul des Éphémérides (IMCCE) bereit. Wer tiefer in das Thema einsteigen will, findet auf den IMCCE-Seiten Hinweise über laufende Beobachtungskampagnen.

Viel Spaß beim Beobachten und klaren Himmel!

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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