Laser und Quanten am Himmel: „Lichtverschmutzung“ mal anders

Grüne Laser am Nachthimmel – da krich isch normalerweise dr Plack, wie man im Rheinland so sagt. Vor allem an kanarischen Himmeln, die ja doch unter besonderem Schutz stehen: Auf La Palma beispielsweise ist der Gebrauch von sogenannten Skybeamern verboten, für den Erhalt der Dunkelheit sorgt hier ein Gesetz. Was also war es dann, was ich am Morgen des 4. Juli auf der auch bei Hobbyastronomen so beliebten Insel ablichtete?

Eindeutig ein grüner Laserstrahl, der da horizontal über den Himmel lief! Unbeweglich stand er am Himmel, bis die Dämmerung einsetzte. Zu sehen außerdem: die Milchstraße in den Sternbildern Kassiopeia und Perseus, das Morgenzodiakallicht, Jupiter – das ist der helle „Stern in der Bildmitte, sowie das „Siebengestirn“ links unter Jupiter. Blickrichtung ist Ost, am Horizont sind „Wolken“ aus Saharastaub zu sehen (Anklicken zum Vergrößern).

Richtung Südwesten, das andere „Ende“ des Strahls vor der Sommermilchstraße mit dem Sommerdreieck aus Deneb, Wega und Altair (astronomisch gesehen ist übrigens zur Zeit auch in Deutschland Sommer!)

Ich dachte natürlich gleich weniger an eine Werbemaßnahme der Bespaßungsindustrie, zumal der Strahl direkt von dem astronomischen Observatorium auf dem Roque de los Muchachos zu stammen schien. Eher erinnerte ich mich düster an einen Artikel über ein Experiment, den ich vor ein paar Jahren mal gelesen hatte. Und tatsächlich: ein wenig Recherche ergab, dass es sich bei dem grünen Laserstrahl um den sichtbaren Teil einer höchst ungewöhnlichen Versuchsanordnung handelt.

Vom Roque wurden nämlich einzelne UV-Photonen zur etwa 150 Kilometer entfernten Nachbarinsel Teneriffa geschickt, wo sie mit dem Teleskop der optischen Bodenstation der ESA aufgefangen wurden. Diese Photonen waren „verschränkt„, was so viel heißt wie dass der quantenmechanische Zustand des einen Photons am einen Ende der „Leitung“ mit dem des anderen identisch ist. Kennt man daher den Zustand des einen Photons, so weiss man auch über den des anderen, entfernten bescheit. Mit diesem Prinzip sollen einmal kryptografische Schlüssel entwickelt werden, die eine prinzipiell abhörsichere Kommunikation ermöglichen sollen. Eine derartiger optischer Link könnte bespielsweise zur Satellitenkommunikation eingesetzt werden. Ohne das Ganze jetzt zu vertiefen (und den Anschein zu erwecken, ich würde das alles en Detail verstehen) verweise ich auf diese Website des österreichischen Instituts für Quantenoptik und Quantenkommunikation.

Die UV-Photonen sind natürlich unsichtbar. Was man aber sieht, ist der sogenannte Trackinglaser, der im Grunde nichts anderes als einen überdimensionalen Laserpointer darstellt.

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Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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