Komet ISON mit acht Zoll (und überhaupt: Kometen!)

Jetzt heißt es tapfer sein, die Himmelslichter sind wieder da. Ein Leben ohne Blog ist möglich, aber nicht sinnvoll, deshalb wird dieser Winkel des Internets nun wiederbelebt. Vielleicht nicht mit der gleichen Frequenz wie früher, aber doch halbwegs regelmäßig möchte ich hier wieder zu allem bloggen, was am Himmel passiert. Ein paar Änderungen werde ich vornehmen, dazu aber mehr in einem anderen Post.

Gehen wir lieber in medias res, es ist ja auch eine Menge los da oben zu Zeit. So berichtete Tobias Häusler vor einiger Zeit vom möglicherweise Jahrhundertkometen C/2012 S1 (ISON), und ich wundere mich, wo die Weltuntergangspropheten bleiben: Da kommt ein richtig großer Kometenbrocken auf uns zu, schrammt Ende November 2013 ganz knapp die Sonne, um dann im Januar 2014 in einem (kosmisch gesehen) winzigen Abstand von 0,4 Astronomischen Einheiten (60 Millionen Kilometer) an der Erde vorbei zu fliegen. Ok, ist natürlich erst nach dem 21. Dezember 2012

Sollte der Weltuntergang doch ausfallen, könnte ISON am Tag der Sonnenpassage, dem 28. November 2013, sagenhafte -15mag hell werden — das wäre heller als der Vollmond! Obschon am Taghimmel, könnte man ihn dann mit bloßem Auge sehen. Abwarten. Zwar ist die Bahn von ISON inzwischen gut bekannt, aber wie er sich so entwickelt, wenn er der Sonne näher kommt, weiß man naturgemäß nicht. „Comets are like cats; they have tails, and they do precisely what they want“ — der berühmte Satz vom Kometenexperten David Levy sagt eigentlich alles.

Zur Zeit krebst ISON als Sternchen 17. Größenklasse durch das Sternbild Krebs. Ohne richtig großes Teleskop geht da visuell nichts. Im Netz gibt es schon einige Bilder, aufgenommen mit ziemlich beeindruckenden Optiken und Kameras; ich wollte mal wissen, ob es auch mit für Amateurastronomen erschwinglicherem Equipment geht. Es geht! Diese Aufnahme vom Morgen des 23. Oktober habe ich mit deinem typischen 8 Zoll- (20 cm) Newtonteleskop und einer Canon Spiegelreflexkamera gemacht. Der Komet kommt klar übers Rauschen!


Unterhalb des hellen Sterns links oberhalb des Kometen erkennt man übrigens einen schwachen, länglichen Fleck. Das ist die Galaxie 1822331 des PGC-Katalogs, sie wird mit 18,48mag angegeben. C/2012 S1 hatte am 23.10. eine Helligkeit von 17,6mag.

Einen Tag später habe ich es erneut probiert, um die Eigenbewegung des Kometen zu dokumentieren. Leider war die Transparenz des Himmels schlechter als in der Nacht zuvor, was man auch an der geringeren Grenzgröße sieht (alle Einstellungen blieben die gleichen wie in der Nacht zuvor). Dennoch ist ISON gerade eben als schwacher Licktklecks an der erwarteten Stelle zu sehen:


Ich weiss nicht, ob schon jemand mit einem so kleinen Teleskop beim Ablichten von ISON erfolgreich war. In jedem Fall bin ich recht zufrieden, auch wenn es nur ein paar geschwärzte Pixel sind…

In der Novemberausgabe von Sterne und Weltraum las ich übrigens, dass C/2012 S1 nicht nach seinen Entdeckern Witalij Newskij und Artjom Nowitschonok sondern nach der Abkürzung ihres Teleskopnetzwerks „International Scientific Optical Network“ benannt wurde, weil die beiden nach ihrer Entdeckung nicht auf den „kometaren Charakter“ des Objekts hingewiesen haben. Pech, aber andererseits geht „Komet Ison“ auch leichter von der Zunge als „Komet Newskij-Nowitschonok„…

Aber das ist ja noch nicht alles: Michael Khan wies auf den Kometen 168P/Hergenrother hin, der zwar schon wieder auf dem Weg ins äußere Sonnensystem ist, aber einen Helligkeitssprung (man erinnert sich gerne zurück an einen gewissen Holmes…) erlebt und deshalb zur Zeit auch wie ein „richtiger“ Komet aussieht (mit Schweif und so):


Hier reichten 90 Sekunden Belichtungszeit, und das auch nur auf 800 ASA. Die schnelle Bewegung des Kometen gegen den Sternhintergrund erkennt man an den langgezogenen Sternspuren — es wurde beim Stacking der Bilder auf den Kometen nachgeführt. Insgesamt habe ich 35 Einzelbilder aufgenommen.

Hergenrother durchläuft zur Zeit das Sternbild Pegasus und steht gegen Mitternacht fast im Zenit. Ein kleines Fernrohr reicht aus, um ihn als schwachen, dreieckigen Nebelfleck zu sehen (dunkler, klarer Himmel vorausgesetzt).

Am Abend des 23. Oktober passierte 168P den deutlich lichtschwächeren Kometen C/2012 J1 (Catalina), beide lagen gerade einmal 50 Bogenminuten auseinander. Leider hatte ich an diesem Abend schlechte Sicht (durchziehende Wolken und Dunst), so dass nur dieses ziemlich verrauschte Bild dabei herauskam:


Zwei Kometennächte in Folge haben natürlich ihren Preis, vor allem wenn man tags darauf das goldene Oktoberwetter nicht verschlafen will. Gottseidank regnet es jetzt wieder…

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar


  1. Jetzt heißt es tapfer sein, die Himmelslichter sind wieder da.

    Sehr gut, Jan! Und wenn es zeitlich nicht paßt, dann bleibt es halt bei Deinem Blog mal ruhig.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben