Komet Elenin kaputt

Eigentlich wollte diesen Monat etwas zum Kometen Elenin schreiben – darüber, dass er (hoffentlich) im Oktober für das freie Auge sichtbar wird. Gut, dass ich damit gewartet habe: C2010 X1 Elenin hat sich nämlich offenbar entschieden, auseinanderzubröseln. Der Komet wird seinen Vorbeiflug an der Sonne dann wohl nicht überleben.

Der 10-Tagesvergleich zeigt, wie deutlich die Helligkeit von Elenin durch das Auseinanderbrechen zurückgegangen ist. (Michael Mattiazzo, via spaceweather.com)

Damit täte er es dem Kometen C/1999 S4 LINEAR gleich, der sich 2000 ebenfalls in seine Bestandteile zerlegte. Oder 73P/Schwassmann-Wachmann, dessen fortgesetzen Zerfall man 2006 wunderbar beobachten konnte. Kometen sind eben recht fragile Gebilde –  lose zusammengefügt aus Staub und Eis. Die Sonneneinstrahlung vertragen sie nicht so gut.

Das Auseinanderbrechen des Fragments B von Schwassmann-Wachmann 3, aufgenommen vom Hubbleteleskop. NASA, ESA, H. Weaver (APL/JHU), M. Mutchler and Z. Levay (STScI)

Vor längerer Zeit gemachte Prognosen zur Helligkeitsentwicklung des Kometen sind damit ziemlich sicher obsolet. Leider muss dann auch der angekündigte Weltuntergang entfallen, besonders bitter für diejenigen, die in Erwartung des nahen Endes bereits ihre Altersvorsorge abgefeiert haben. Aber bis 2012 ist ja nicht mehr lange.

Mehr zum Auseinanderbrechen des Kometen Elenin im Blog von Andreas Schnabel.

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kometen machens einem nicht leicht…

    Ich habe hier noch ein fertiges Infoblatt über Elenin zu verschenken, jemand Interesse? 😉

    Wenigstens bleibt und C/2009 P1 Garradd noch eine Weile erhalten. Ansonsten würde es am Kometenhimmel zur Zeit ziemlich Mau aussehen.
    Nun bin ich in freudiger Erwartung auf C/2011 L4 (PANSTARRS). Das dauert aber noch mindestens 16 Monate bis dieser Komet 1. Größenklasse sichtbar wird.

    Ich suche noch aktuelle Beobachtungen von P/2006 T1 Levy, der laut Helligkeitsparameter evtl. im Januar 2012 die 7. Größenklasse erreichen soll und in Ferngläsern sichtbar werden wird.

  2. alles kaputt

    Das ist alles eine Schweinerei, das darf alles nicht wahr sein. Heutzutage taugt nichts mehr, ob nun ein Komet oder mein neues Fernsehgerät, alles fällt nach kurzer Zeit auseinander, geht kaputt, keine Garantie, kein Service, kein gar nichts. Wohin soll ich denn abends jetzt gucken, kein Komet, keine Anne Will, kein James Bond, kein gar nichts? Was soll ich denn jetzt tun?

  3. @Harry von Elverfeldt Du kannst ja mal ein Auge auf C/2009 P1 Garradd werfen, befindet sich jetzt beim Kleiderbügelhaufen (Cr399) im Füchschen. Hübscher Anblick im Fernglas…

    @Jan Der Komet ist aber etwas größer als Elenin. Aber ein Zerfallen ist ja ebenfalls möglich (dann hoffentlich mit einem Helligkeitsausbruch).

  4. Wird dunkler?

    Eigentlich denke ich doch das der Komet beim auseinander brechen heller werden sollte, da seine Oberfläche steigt und er somit mehr Material abgeben kann.
    Dieses Material müsste doch dann einen helleren Schweif bilden.
    Der Kometenkern verteilt sich dann auf eine größere Fläche und deswegen sollte die Reflektion pro Fläche beim Kern zurückgehen.
    Wie ist denn die Helligkeitsverteilung zwischen Kern und Schweif oder bin ich mit meinem Gedanken da völlig auf dem Holzweg?
    Weißt du da was?

  5. @buur

    Was du sagst klingt logisch, eine abschließende Antwort auf deine Frage habe ich aber nicht.

    Ich weiss nur, dass der Komet zunächst sprunghaft heller wurde, aber nur kurzfristig. Und zwar am 19. August, als er von einem CME von der Sonne getroffen wurde. Der könnte wohl auch der Auslöser für das Auseinanderbrechen zu sein:

    http://spaceobs.org/…mass-ejection-from-the-sun/

    Allerdings ist zur Zeit noch Vieles Spekulation. Man wird wohl erst nach dem Perihel (10. September) wissen, ob Elenin wirklich geschreddert wird.

    Warum er nun dunkler wird, dazu gibt es Erklärungsversuche, aber noch weiss man da nichts Endgültiges:

    http://astroblogger.blogspot.com/…nin-fades.html

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