Komet Lulin am Himmel sichtbar

In den vergangenen klaren Nächten habe ich mehrfach den Kometen C/2007 N3 beobachtet, der zur Zeit sehr früh am Morgenhimmel zu sehen ist. Bis Ende Februar nähert der sich nämlich der Erde, und soll dann mit bloßem Auge sichtbar sein.

UPDATE 04.03.2009: Es geschehen noch Zeichen und Wunder – ich habe den Kometen doch noch einmal fotografieren können! 

UPDATE 24.02.2009: Zur Stunde befindet sich der Komet Lulin in Erdnähe, wobei "nah" relativ ist. Zwischen ihm und mir liegen immerhin noch rund 60 Millionen Kilometer, was an sich unproblematisch ist, wären einige 100 Meter davon nicht gefüllt mit Wasserdampf. Somit verpasse ich (wie so viele andere Amateurastronomen in Deutschland) die nahe Begegnung zwischen Lulin und dem Saturn, die man immerhin hier im Bild bewundern kann. Das Wetter kann so gemein sein!

UPDATE 21.02.2009: Die Lulin-Seite auf www.kometen.info sei ebenfalls empfohlen, insbesondere wegen der aktuellen Sammlung von Kometenfotos. 

UPDATE 20.02.2009: Der Komet nähert sich noch bis zum 24. Februar der Erde und ist jetzt problemlos mit einem normalen Fernglas sichtbar. Für das bloße Auge braucht man allerdings einen dunklen Himmel ohne störende Beleuchtung un der Nähe. Leider sind die Wetteraussichten zumindest für den Teil Deutschlands, in dem ich hausen muss, mehr als bescheiden. Daher gibt es wohl keine Bilder von mir. Auf astronomie.de gibt es aber bereit einige schöne Aufnahmen zu bestaunen. Viel zu sehen gibt es in der Galerie auf spaceweather.com. Weiterführende Informationen sowie Aufsuchkarten des Kometen findet man auf der Website von Sterne und Weltraum. Viel Glück allen Kometenjägern!

C/2007 N3 trägt den Beinamen "Lulin", da er im Sommer 2007 auf einer Aufnahme des Lulin-Observatoriums (Taiwan) entdeckt wurde. Lulin bewegt sich entlang einer ekliptiknahen Bahn und hat am 10. Januar sein Perihel, also seinen sonnennächsten Punkt passiert. Nun steuert er sich auf die Erde zu und wird uns am 24. Februar am nächsten stehen – in einer Entfernung von rund 61 Millionen Kilometer (0,4 Astronomische Einheiten).

Bis dahin wird er am Himmel größer und heller werden – wie groß und wie hell genau, das ist nicht hundertprozentig genau vorherzusagen. Die Fachgruppe Kometen der VdS geht von einer maximalen Komagröße von 30’ (also etwa Vollmonddurchmesser) und einer maximalen Helligkeit von 3,5 bis 4mag aus. Lulin sollte also von einem dunklen Standort aus ohne Hilfsmittel zu sehen sein.

Bereits jetzt erkennt man auf lang belichteten Aufnahmen einen Schweif – genauer gesagt zwei Schweife: Einen Ionen- oder Plasmaschweif, der von der Sonne wegzeigt und zur Zeit in Zugrichtung des Kometen weist und einen Staubschweif. Dieser wird aufgrund der Trägheit der Staubpartikel immer ein wenig hinter dem Kometen "hergezogen" und ist daher auf der gegenüberliegenden Seite des Kometen sichtbar. Gegenwärtig sind die Schweife aber nur sehr schwierig zu erkennen, mir ist es bislang weder visuell noch fotografisch gelungen, sie festzuhalten.

Interessant: Die Situation wird sich Ende Februar ändern, denn fast genau zu dem Zeitpunkt der maximalen Erdannäherung steht Lulin in Opposition zur Sonne. Der Ionenschweif dürfte dann kurzfristig hinter der Kometenkoma verschwinden und danach auf der anderen, gegen die Zugrichtung des Kometen weisenden Seite wieder auftauchen.

Die Oppositionsstellung bedeutet gleichzeitig eine optimale Sichtbarkeit des Kometen während der Erdpassage. Am 24. Februar ist Lulin die ganze Nacht über im Sternbild Löwe zu sehen, übrigens nur 2° von Saturn entfernt – das Auffinden des Schweifsterns sollte also kein Problem sein. Noch ein Plus: Am 25. Februar ist Neumond!

Schon Ende dieses Monats lohnt es sich, Ausschau nach Lulin zu halten. Er steht dann zwar noch weiter von der Erde weg und man benötigt einen Feldstecher oder ein Teleskop – die stetige Entwicklung von Schweif, Koma und der zunehmenden scheinbaren Geschwindigkeit am Himmel sind aber dennoch reizvoll zu verfolgen. Die beste Zeit dazu im Januar liegt wiederum um Neumond, also etwa ab dem 23. des Monats.

Aber wer weiß – Kometen sind unstete Gesellen. Viele haben sich nach viel versprechenden Prognosen als Enttäuschung entpuppt und einige waren echte Überraschungen, wie etwa Komet Holmes Ende 2007. Mal sehen, was Lulin uns bringt.

Das Bild entstand am 10. Januar gegen 6:00 MEZ mit dem 8“ f/15-Refraktor der Sternwarte Aachen und einer Canon EOS 350D. Aufnahmedaten: 27x30s auf 800ASA, Dark- und Flatfieldabzug. Korrektur auf die Bahnbewegung des Kometen: er bewegte sich bereits etwa 15“/h relativ zu den Sternen. Der Schweif ist hier nicht sichtbar, das Bild gibt aber gut den visuellen Eindruck wieder. Lulin war zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 8mag hell.

Links: 

Quanzhi Ye, Ko-Entdecker des Kometen, berichtet mit vielen Bildern in seinem Blog

Lulin-Bildergalerie auf spaceweather.com

Lulin-Seite auf kometen.info 

Aufsuchkarte auf redshift-live.com

Karten und Infos auf astrocorner.de

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lulin

    Am 16.Juni 09 hab ich in Dortmund am Nachthimmel einen sehr grossen grünlichen Stern gesehen. Ich konnt die Nacht nicht schlafen und stand am Fenster als mir dieser grosse grüne Stern auffiel.

  2. @Katja

    Lulin war es sicher nicht. Kannst du noch ein paar meihr Angaben zu diesem „Stern“ machen? Was bedeutet „groß“ – meit es „hell“ oder hatte der „Stern“ eine Ausdehnung? Wo stand der Stern (welche Himmelsrichtung)? Wieviel Uhr war es? Bewegte sich das Objekt oder blieb es fest am Himmel? Veränderte sich seine Helligkeit?

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