Jupiters Late-Night-Show

Für den erfahreneren Fernrohrbeobachter bietet Jupiter zur Zeit eine nette Show am Nachthimmel. Der Riesenplanet steht am 14. August in Opposition zur Sonne. Er kann zur Zeit die gesamte Nacht beobachtet werden und steht als auffallend heller Stern am Südhimmel.  

Immer noch ist die Impaktwolke in der südlichen Polarregion gut zu sehen. Mittlerweile hat sie sich deutlich ausgebreitet. In der vergangenen Nacht konnte ich die Wolke bei guten Bedingungen und 180facher Vergrößerung sehr gut beobachten. Sie hebt sich deutlich von den helleren Wolken der Polarregion ab. Die Wolke befindet sich bei einer jovianischen Länge von etwa 210°. Rechnet man zu den Transitzeiten des Großen Roten Flecks (Achtung: Zeiten sind in UT angegeben!) etwa 2 Stunden hinzu, so erhält man die Transitzeiten der Impaktwolke. Das Seeing muss für eine erfolgreiche Beobachtung aber schon brauchbar sein.

In der vergangenen Nacht bedeckte Jupiter den etwa 6mag hellen Stern 45 Cap, ein sehr seltenes Ereignis, das ich ebenfalls beobachten und aufzeichnen konnte. Bilder und Videos dieses Ereignisses tauchen bestimmt in Kürze in den einschlägigen Astronomieforen auf.

Heute Nacht aber geht es gleich weiter mit der Jupitershow: Ganymeds Schatten bedeckt den Mond Europa partiell. Das Ereignis beginnt um 23:44 MESZ und endet am 5. August um  00:01 MESZ. Das Maximum der Finsternis wird gegen 23:52 MESZ erreicht, die Helligkeit von Europa fällt dann um 0,8mag ab, was mit etwas Übung leicht zu beobachten sein sollte. Schon am Samstag findet die nächste gegenseitige Jupitermondfinsternis statt, wenn Io den Ganymed ringförmig verfinstert. Weit Io deutlich kleiner ist als Ganymed fällt der Helligkeitsabfall mit 0,3mag ebenfalls kleiner aus. Weitere (bei uns sichtbare) gegenseitige Jupitermonderscheinungen finden in diesem Monat an folgenden Tagen statt: 12., 15., 16., 17., 23., 24., 25. August. Auf Calsky kann man sich die genauen Daten berechnen und anzeigen lassen.

Natürlich finden auch etliche "normale" Jupitermonderscheinungen wie Transits, Schattenwürfe, Verfinsterungen und Bedeckungen statt. Diese zeigt ebenfalls Calsky an. Auf eine möchte ich kurz noch explizit hinweisen: Am 13. August zwischen 21:50 MESZ und 23:50 MESZ, einen Tag vor der Oppositonsstellung Jupiters, bedeckt Io seinen eigenen Schatten auf dem Planeten. Dieses Ereignis dürfte schwierig zusehen sein und bleibt wohl nur erfahreneren Beobachtern vorbehalten, falls sie über gutes Seeing in dieser Nacht verfügen.

Wem ein Mondschatten nicht reicht, der hat am 12., 20. und 27.8. Gelegenheit, doppelte Mondschattenwürfe auf Jupiter zu beobachten!

In jedem Fall lohnt es sich, in diesen Tagen den Jupiter im Auge zu behalten! Der Nachthimmel bietet in jedem Falle ein spannenderes Programm als das Fernsehen…

Viel Spaß und Clear Skies! 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mysteriöser Blitz kurz vor dem Einschlag

    Die ersten spannenden Ergebnisse der 45-Cap-Bedeckung machen in der Tat schon die Runde: Mindestens eine visuelle Beobachtung und ein Video weisen auf ein helles Aufblitzen des Sterns kurz vor dem Eintritt hin – und es soll auch sehr gute Daten von größeren Teleskopen bis mindestens 2.2 Meter geben.

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