JETZT Jupiter gucken – Neuer Einschlag?! UPDATE (5.6.)

Nein, das ist kein Scherz: So wie es aussieht, wurde in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni ein erneuter Einschlag auf Jupiter beobachtet – und zwar in flagranti! Die Neuigkeit habe ich von Bad Astronomy. Anthony Wesley (ja, der Anthony Wesley, der letztes Jahr schon durch solch eine Entdeckung berühmt geworden ist) hat demnach einen hellen Blitz aufgezeichnet, der sehr nach einem Einschlagblitz aussieht!

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UPDATE (05.06.2010, 05:44 MESZ): Heute morgen, knapp 30 Stunden nach dem Ereignis, konnte ich an der ungefähren Region (Pfeil) nichts Ungewöhnliches entdecken. Allerdings machte es die niedrige Stellung des Jupiter am Horizont und nicht einfach, Details zu erkennen. Die quick-and-dirty-Aufnahme gibt den visuellen Eindruck nur unzureichend wieder, kurzzeitig war das Bild recht klar, aber von Impaktspuren keine Spur. Vielleicht sind sie ja (noch?) zu klein für mein Auflösungsvermögen (Refraktor 8" f/15, 200x)?

 

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Hier ein SW-Video des Blitzes, das Ereignis dauerte etwa 2 Sekunden, und zeigt eine Art "Nachglühen", für mich sieht das sehr nach einem Impakt aus:

Hier das Ganze als RGB-Bild. Das Ereignis spielte sich im südlichen Äquatorialband ab (das zur Zeit nicht sichtbar ist):

Die spannende Frage: Wird wie 2009 eine dunkle Einschlagswolke sichtbar sein? Wenn ja, wann wird sie erstmals sichtbar sein und wie entwickelt sie sich? Amateur- und Profiastronomen sind in Alarmstimmung.

Achtung Beobachter:

Der vermutliche Einschlag fand am 3. Juni um 20:31 UTC (22:31 MESZ) statt. Der Ort des Ereignisses korrespondiert zum Zentralmeridian 300.1° System I, 34.1° System II, und 210.6° System III, bei einer Breite von 16° Süd. Die betreffende Region passiert am 5. Juni um 0:55  UTC (2:55) den Meridian, evtl. hat man kurz nach Jupiteraufgang eine Chance, etwas zu erkennen. Weitere Transitzeiten (via Sky & Telescope): 6. Juni: 6:43, 16:38; 7: 2:34, 12:30, 22:25; 8: 8:21, 18:17; 9: 4:12, 14:08; 10: 0:04, 10:00, 19:55; 11: 5:51, 15:47; 12: 1:43, 11:38, 21:34; 13: 7:30, 17:25; 14: 3:21, 13:17, 23:12; 15: 9:08, 19:04; 16: 5:00, 14:55; 17: 0:51, 10:47, 20:42; 18: 6:38, 16:34; 19: 2:29, 12:25, 22:21; 20: 8:17, 18:12; 21: 4:08, 14:04, 23:59; 22: 9:55, 19:51; 23: 5:46, 15:42; 24: 1:38, 11:33, 21:29; 25: 7:25, 17:20; 26: 3:16, 13:12, 23:08; 27: 9:03, 18:59; 28: 4:55, 14:50; 29: 0:46, 10:42, 20:37; 30: 6:33, 16:29 (Zeiten in UTC).  

Laut Bad Astronomy wurde das Ereignis inzwischen von einem zweiten Amateurastronomen bestätigt. [Nachtrag: Er heißt Christopher Go und beobachtet von den Philippinen, auf seiner Website hat er Bilder dazu veröffentlicht.] Es ist klar, dass es sich heute und in den kommenden Nächten besonders lohnen dürfte, den Planeten zu beobachten! Heute morgen hatte ich ihn im Okular – aber da wusste ich noch von nichts und konnte auch nichts Auffälliges sehen. [Nachtrag: Andere, die gezielt nach Spuren des Ereignisses gesucht hatten, offenbar auch nicht.] Aber das kann sich ändern! Soviel zunächst in aller Kürze. Also – ran an die Teleskope!

PS: Witzig – vor ein paar Tagen schrieb ich noch "Es vergeht wohl keine Nacht, in der nicht irgendwo auf der Welt ein Amateurastronom ein Jupiterbild aufnimmt. So ist es wahrscheinlich, dass der nächste Impakt wieder von einem Amateurastronomen entdeckt wird. Die Frage ist nur, wann!" Das ging ja schnell!

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Viel Erfolg!

    Ich werde morgen früh den 8″-Refraktor der Sternwarte Aachen auf Jupiter richten. Heute Nacht habe ich Jupiter mit einem 10″-Newton unter mäßigen Seeingbedingungen eigentlich genau zur richtigen Zeit beobachtet. Völlig ahnungslos von den Ereignissen der Nacht habe ich das SEB nach Flecken abgesucht, aber nichts gefunden.

    Schon spannend, was da oben alles los ist 🙂

  2. @ubcc

    Dir ist aber schon aufgefallen, dass dieser Artikel ein paar Monate alt ist 😉 Von dem Einschlag war im Teleskop nichts mehr zu sehen.

    Dennoch solltest du in diesen Tagen (November/Dezember 2010) auf Jupiter gucken, denn zur Zeit regeneriert sich das Südliche Equatorialband. Das heißt, wenn du klaren Himmel hast, bei mir ist seit gefühlten drei Wochen alles dicht…

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