ISON jetzt auf dem SOHO-Koronografen

Komet ISON ist seit heute morgen auf dem LASCO C3 Koronografen der Sonnensonde SOHO zu sehen. Im Unterschied zu den STEREO-Sonden sieht SOHO die Sonne und ISON aus der Erdperspektive, sie befindet sich im Lagrangepunkt L1, 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt in Richtung Sonne. Die gute Nachricht: ISON zeigt immer noch keine sichtbaren Anzeichen eines Zerfalls (dass das nicht völlig beruhigend ist, habe ich hier erklärt).

C/2012 S1 ISON (rechts unten) auf dem LASCO C3. Die Sonne (weißer Kreis, mitte) wird durch eine Blende (blauer Kreis) verdeckt. Bild: ESA/NASA/SOHO

C/2012 S1 ISON (rechts unten) auf dem LASCO C3. Die Sonne (weißer Kreis, mitte) wird durch eine Blende (blauer Kreis) verdeckt. Bild: ESA/NASA/SOHO

ISON wird morgen (28.11.) abend gegen 20:00 Uhr MEZ seinen sonnennächsten Punkt (Perihel) erreichen und mit 1,16 Millionen Kilometer Abstand über die 6000°C heiße Sonnenphotosphäre rasen – mit über 600 Kilometer pro Sekunde. Dabei wird sich der Kometenkern (sofern er noch existiert) auf über 2000°C aufheizen. Das Schicksal des Kometen entscheidet sich in den kommenden 48 Stunden!

Gestern gab es eine erste – noch unbestätigte – Behauptung einer Taghimmelsichtung des Kometen aus der Dominikanischen Republik. Mit Hilfe einer Blende und zweier unabhängiger Kameras wollen die Kollegen dort einen hellen Fleck an der Position des Kometen fotografiert haben. Allerdings sind keinerlei andere Objekte (Sterne, Planeten) auf den Aufnahmen sichtbar, wie auf Nachfrage erklärt wurde. Somit bleibt die Behauptung erst mal was sie ist: eine Behauptung. Doch erscheint mir ISON im SOHO-Bild nicht wesentlich schwächer zu sein als Antares, der helle Stern links unten. Antares ist 0,9mag hell. Das es gestern bei transparentem Himmel möglich gewesen ist, ISON am Taghimmel nachzuweisen, ist also nicht völlig abwegig.

ACHTUNG: Von eigenen Versuchen, ISON am Tag neben der Sonne zu sehen rate ich dringend ab! Sofern man nicht genau weiss, was man tut (wie die dominikanischen Kollegen) riskiert man dabei nur allzuleicht sein Augenlicht. Besser SOHOs Bilder angucken, das ist sicher und man sieht auch mehr!

Wie die Bahn des Kometen durch die Bildfelder von SOHO und STEREO verläuft habe ich hier eingehend beschrieben.

 

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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