Gibt es 2011 einen Sternschnuppenregen?

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Hinweis: Dieser Text handelt über einen möglichen Ausbruch der Draconiden im Oktober 2011. Was die Perseiden im August 2011 machen, steht hier!

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Mehrere Forscher sagen einen signifikanten Ausbruch des Meteorstroms der Draconiden für den Abend des 8. Oktober 2011 voraus. Von bis zu 600 Sternschnuppen pro Stunde ist die Rede – etwa dreimal mehr als bei einem normalen Perseidenmaximum im August. Doch noch ist nicht sicher, ob es wirklich dazu kommt. Und die Beobachtungsverhältnisse sind leider alles andere als optimal.

Normalerweise machen die Draconiden wenig von sich reden. Erst letzte Woche erreichte der Strom sein diesjähriges Maximum, mit nicht einmal 20 Meteoren pro Stunde ist er jedoch nicht auffällig und in der Regel nur Experten ein Begriff. Im nächsten Jahr allerdings könnte das – wie etwa alle 13 Jahre – anders sein: Mehrere Meteorforscher, darunter Jérémie Vaubaillon erwarten einen Ausbruch des Meteorstroms mit mehreren hundert Meteoren pro Stunde. Denn um 21:13 MEZ passiert die Erde den Staubgürtel (dust-trail), den der Ursprungskomet der Draconiden 21P/Giacobini-Zinner bei seinem Sonnenumlauf im Jahr 1900 hinterlassen hat. Dieser Staubstrom und ein weiterer aus dem Jahr 1907 waren es, die in den Jahren 1933 und 1946 richtige Draconidenstürme verursachten, in denen in kurzer Zeit etliche tausend Meteore in der Erdatmosphäre verglühten.

Zu einem solchen Sturm wird es 2011 nicht kommen. Denn im Gegensatz zu den früheren Begegnungen wird die Erde den Zentralbereich des dust-trails mit einem Abstand von 0,00136 Astronomischen Einheiten passieren – das sind immerhin gut 200000 Kilometer. Zum Vergleich: 1933 betrug der Abstand der Erde zum dust-trail von 1907 nur 20000 Kilometer, 1946 zu dem Staubstrom von 1907 sogar nur 6000 Kilometer. Vaubaillon und andere Experten schätzen, dass es immerhin zu einem Ausbruch mit bis zu 600 Meteoren pro Stunde kommen wird, ähnlich wie in den Jahren 1952 (Zenitstundenrate 250 Meteore pro Stunde), 1985 (550) und 1998 (500). Allerdings gibt es auch skeptischere Stimmen. So geht Mikhail Maslov von einer deutlich geringeren Zenitstundenrate von 40 bis 50 Meteoren im Maximum aus.

Wer letztlich Recht behält, wird man spätestens am 8. Oktober 2011 wissen. Vaubaillon jedenfalls betonte kürzlich in einem Vortrag auf der International Meteor Conference in Armagh, Nordirland, dass viele Details bezäglich der Draconiden und ihrem Ursprungskometen noch offen sind. So sind die genauen Zenitstundenraten der Stürme von 1933 und 1946 unbekannt, was die Voraussage der zu erwarteten Raten für 2011 schwierig macht. Auch weiss man wenig über die Aktivität des Kometen seit 1900 und über seine Position vor diesem Zeitpunkt (1900 war das Entdeckungsjahr von 21P/Giacobini-Zinner). Die Vorbereitungen zur Beobachtung der Draconiden jedenfalls läuft bereits – so ist eine Flugzeugbeobachtung über Nordeuropa geplant, um von idealer Position aus einen Blick auf den Meteorregen zu haben.
 
Für Amateurbeobachter gestaltet sich die Sache leider schwieriger. Zwar wären europäische Beobachter ideal positioniert zur Beobachtung der Draconiden: Zum Zeitpunkt des Ausbruchs ist es hier bereits dunkel und der Radiant im Sternbild Drache (Draco) steht hoch am Himmel. Doch leider spielt die Mondphase nicht mit: Der fast volle Mond stört während der gesamten Nacht massiv und dürfte die meisten der schwachen Meteore mit seinem Licht überstrahlen. Für eine erfolgreiche Beobachtung ist also ein absolut wolkenfreier, trockener Standort mit geringer Luftfeuchtigkeit erforderlich.

Vielleicht lohnt es sich, im Oktober 2011 eine kleine Astroreise anzutreten. Mal abwarten!  

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. @Jan

    Hallo Jan,

    interessanter Ausblick auf 2011. Vielleicht könntest Du im ersten Absatz noch das Jahr 2011 zu 8.Oktober hinzufügen. Ich war zunächst ein wenig verwirrt, da ja vor kurzem erst der 8.Oktober war.

    Schöne Grüsse,
    Helmut

  2. Die Draconiden 2010

    Ich war dieses Jahr genau an den Tagen zum Spechteln draußen, an denen die Draconiden ihr Maximum erreichten sollten und sah, trotz Superhimmels – gar nichts. Ging’s jemandem anders?

  3. Ich habe das Wochenende beim Sternegucken in den Alpen verbracht, und Schnuppen jede Menge gesehen. Da waren wohl auch ein paar Draconiden dabei, allerdings gingen die in dem Rauschen der anderen schwachen Ströme und der Sporadischen unter. Hatte auch genug mit funzeligen Galaxien und Planetarischen Nebeln zu tun, als Meteore zu zählen 😉

  4. Gut, ich präzisiere mein ‚Gar nichts‘ dahingehend, dass ich wie du, schon eine Menge sah, auch Sternschnuppen, aber keinen aus Richtung Draco.

    Allerdings war ich ziemlich mit Jupiter beschäftigt.

  5. @Hattenbach, @Khan

    Galaxien… planetarische Nebel… Jupiter… Jungs, ihr seid zu beneiden 🙂

    Es war wohl im August ’74, da lag ich in Frankreich auf einem Campingplatz im Gras und blickte in den nachtschwarzen, sternenübersäten Himmel und konnte mich gar nicht satt sehen.

    Dass es die Perseiden waren, die jeden August kommen, wusste ich da noch nicht.

  6. @michi, Kann etwas passieren?

    Die meisten dieser Kometentrümmer sind staubkorngroß und verglühen ungefähr 70-80 Kilometer über dem Erdboden. Selbst größere Brocken (kieselstein- oder faustgroß) verursachen zwar ein beeindruckendes Leuchtspektakel, kommen aber nicht bis zum Boden.

    Natürlich gibt es auch Objekte, die als Meteoriten zur Erde fallen, und auch solche, die potentiell gefährlich sind. Die gibt es aber immer, nicht nur am 8. Oktober 2011. Als „potentiell gefährliches Objekt“ bezeichnen Astronomen Asteroiden und Kometen, die größer als 100 Meter sind und der Erde nahe kommen. Diese Dinger können wirklich Ärger machen, wie Michael Khan vor einiger Zeit eindrucksvoll beschrieben hat: http://www.kosmologs.de/…ein/2007-11-30/apophis1

    Zur Zeit ist aber kein potentiell gefählicher Asteroid oder Komet bekannt, der auf Kollisionskurs mit der Erde wäre.

    Das Ereignis vom 8. Oktober (wie gesagt, ob es wirklich einen richtigen Sternschnuppenschauer gibt, ist noch nicht sicher) ist aber eher etwas, auf dass man sich freuen kann, und nichts, vor dem man Angst haben sollte.

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