Es ist wieder MoFi-Zeit!

Noch ein paar Tage, dann ist es wieder so weit. Am frühen Morgen des 21. Februar findet eine totale Mondfinsternis statt. Wer aufgrund der frühen Stunde mit dem Gedanken spielt dieses Ereignis verschlafen zu wollen – ist schließlich „nur ne MoFi“ – der sollte mal einen Blick in den Kalender werfen. Sage und schreibe siebeneinhalb Jahre werden wir warten müssen, bis in Deutschland wieder ein solches Ereignis in voller Länge zu sehen sein wird!

Mondfinsternis am 27.8.2007 (Jan Hattenbach) Ein guter Grund also, am 21.2. ein bisschen früher aufzustehen. Die Mondfinsternis beginnt um 02:43 Uhr mit dem Eintritt unseres Trabanten in den Halbschatten der Erde. Richtig spannend wird es um 04:01 Uhr, wenn der Kernschatten die helle Mondscheibe langsam „anknabbert“. Die Mitte der Finsternis wird um 04:26 Uhr erreicht. Das Schauspiel endet um 04:51 Uhr mit dem Austritt aus dem Kernschatten und endgültig um 06:09 Uhr mit dem Austritt aus dem Halbschatten, wovon man aber mit bloßem Auge nicht viel von mitbekommt. Alle Zeiten sind in MEZ angegeben. Je nach Beobachtungsort können die tatsächlichen Zeiten um mehrere Minuten davon abweichen. Im Südosten Deutschlands geht der Mond zum Ende der Finsternis bereits unter. Das Bild zeigt die letzte, von Deutschland aus nicht sichtbare totale Mondfinsternis vom 27.8.2007.

Der Verlauf der totalen Mondfinsternis am 21.2.2008. Zeiten in MEZ. (Quelle: NASA Eclipse Homepage)

Die Mondfinsternis ist nicht nur ein Westeuropa, sondern auch in großen Teilen Nordamerikas sowie in ganz Südamerika zu sehen. Das eröffnet die Möglichkeit zu einer interessanten astronomischen Messung, bei der jeder Amateurastronom mit wenig Aufwand mitmachen kann: die Bestimmung der Mondentfernung über die Messung der Mondparallaxe. Der Mond ist uns in kosmischen Maßstäben gesehen sehr nah, viel näher jedenfalls als die viele Lichtjahre entfernten Sterne. Betrachtet man ihn von unterschiedlichen Standorten auf der Erde vor dem Hintergrund der Fixsterne, so scheint er um einen bestimmten Winkel verschoben. Dieser Parallaxenwinkel ist groß genug um ihn mit einfachen Mitteln zu messen und daraus die Entfernung des Mondes zu berechnen.

Sichtbarkeit der Mondfinsternis am 21.2. (Quelle: NASA Eclipse Homepage)

Normalerweise überstrahlt das helle Mondlicht die schwächeren Sterne in seiner Nähe. Eine gute Gelegenheit für eine Parallaxenmessung sind daher die Minuten einer totalen Mondfinsternis. Dann ist das Licht des Mondes weit genug abgeschwächt, um auch schwache Sterne in seiner Umgebung sehen und fotografieren zu können. Die Mondfinsternis am 21.2. bietet eine besonders günstige Gelegenheit, denn während der Totalität wandert der Mond an Regulus (1,35mag) und 31 Leonis (4,35mag) vorbei. Mit Hilfe dieser beiden Sterne sollte die Parallaxe gut sichtbar sein.

In der aktuellen Ausgabe der Sterne und Weltraum beschreibt Martin Federspiel im Detail, wie er eine solche Berechnung anhand verschiedener Fotografien der Mondfinsternis vom 3. März 2007 durchgeführt hat. Er hat es geschafft, die Mondentfernung auf ein Prozent genau zu berechen. Dazu verwendete er zwei Aufnahmen, die in Freiburg beziehungsweise im italienischen Avigliana aufgenommen wurden. Mit einem in Rustenburg, Südafrika gewonnenen Foto konnte er die Mondentfernung sogar noch genauer bestimmen, denn je größer die Basislinie, also der Abstand der beiden Beobachtungsorte, desto größer ist die beobachtete Parallaxe. Es braucht also tatsächlich nicht mehr als zwei zeitgleiche Fotografien und ein wenig Geometrie.

Auf spanischen und südamerikanischen Internetseiten bereitet man sich schon auf dieses Ereignis vor. Es werden sicher viele Fotos auf beiden Seiten des Atlantiks entstehen. Wichtig ist vor allem, dass man zu seiner Aufnahme die genaue Aufnahmezeit und die Koordinaten seines Beobachtungsortes kennt. Für letzteres kann man einen GPS-Empfänger oder Google Earth benutzen. Bei der Uhrzeit kommt es auf Sekundengenauigkeit an – man verwendet also möglichst eine DCF77-Funkuhr oder einen Zeitdienst aus dem Internet.

Wie es der Zufall so will werde ich mir die Mondfinsternis vom südamerikanischen Kontinent aus ansehen. Ob mir das gelingt ist aber noch nicht sicher, denn zur Zeit herrscht hier in Peru Regenzeit und der Himmel ist recht häufig bewölkt. Wenn ich aber klaren Himmel habe, mache ich auch Fotos. Über meine Ergebnisse werde ich dann hier berichten!

Einen klaren Himmel dies- und jenseits des Teichs wünscht:

Jan Hattenbach

Argentinische Seite zur Mondfinsternis (spanisch)

Der Artikel zur Messung der Mondparallaxe ist auch online verfügbar unter www-suw-online.de

In der aktuellen Ausgabe finden sich auch weitere Tipps und Hinweise zur Beobachtung und Fotografie der Mondfinsternis.

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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