Die Lichtverschmutzung messen

Gerade erst ist die Aktion "Globe at Night" des Astronomiejahres zu Ende gegangen, da rufen der Verein Kuffner-Sternwarte aus Wien und die Thüringer Landessternwarte Tautenburg zum nächsten Projekt zum Thema Lichtverschmutzung auf: Mit Hilfe kleiner, kostengünstiger "Lightmeter" soll langfristig und nachvollziehbar dokumentiert werden, wie der Sternenhimmel verschwindet. Mitmachen ausdrücklich erwünscht!

Das "Lightmeter" besteht aus einer knapp 10 mal 10 Zentimeter großen, handelsüblichen Solarzelle in einem Aluminiumgehäuse. Die Zelle ist in der Lage, sowohl direkte Sonnenbestrahlung als auch die Helligkeit eines dunklen, natürlichen Nachthimmels zu messen, wobei die Linearität des Sensors von 0,3 Lux (Vollmondhelligkeit) bis hinunter zu 0,002 Lux (dunkelster Nachthimmel) gegeben ist. Die untere Nachweisgrenze soll ausreichen, selbst das Licht der hellsten Einzelsterne zu registrieren. Der Sensor ist für alle sichtbaren Wellenlängen empfindlich.

Für den Betrieb des Lightmeters benötigt man nur einen normalen PC, an den die Zelle via USB angeschlossen wird. Der 370 Gramm schwere Sensor ist wetterfest und benötigt kein weiteres Gehäuse, kann also auf einem Hausdach mit freiem Blick zum Himmel angeschlossen werden. Das Wichtigste: Ein Lightmeter soll weniger als 100 Euro kosten, das ist zumindest das Ziel der Initiatoren. Damit könnte das Gerät an möglichst vielen Orten, etwa an privaten wie öffentlichen Sternwarten, in Betrieb gehen.

Dieses Ziel kann allerdings nur erreicht werden, wenn möglichst schnell wenigstens 100 Bestellungen eingehen, nur dann ist der Preis von unter 100 Euro zu erreichen. Die Initiatoren des Projekts rufen also Sternfreunde, Schulen oder andere Institutionen auf, sich an der Aktion zu beteiligen und bis zum 11. Mai 2009 ein Lightmeter zu ordern. Zum Betrieb muss der Sensor an einer Stelle mit freiem Blick zum Himmel installiert werden. Die nötige Software sowie weitere Informationen zur Kalibration und Betrieb sind in einem Wiki der Kuffner-Sternwarte zu finden (Login "Guest", Passwort "IYA2009"). Hier gibt es zudem ein Datenblatt mit den Spezifikationen des Sensors.

Die Daten sollen von der Thüringer Landessternwarte und der Kuffner-Sternwarte gesammelt und ausgewertet werden. Ziel ist, neben visuellen Sternzählungen ein möglichst aussagekräftiges Bild der Lichtverschmutzung an vielen Orten der Welt zu erhalten und die Zunahme der Aushellung der Nacht zu dokumentieren. Ein Prototyp des Lightmeters misst seit 2006 den Himmel über der Landessternwarte Tautenburg, weitere 20 sind an verschiedenen anderen Orten bereits im Einsatz. Dabei sind auch internationale Observatorien wie das Inter-American Observatory auf dem Cerro Tololo in Chile als Standorte im Gespräch.

Wir in der Volkssternwarte Aachen erwägen gerade ebenfalls die Teilnahme an diesem wichtigen Projekt. Wenn alles klappt, werde ich in diesem Blog von unseren Erfahrungen berichten. Wer mitmachen möchte, Lightmeter bestellen will oder Fragen hat, wendet sich am besten an diese Kontaktadressen.

Das Lightmeter-Projekt ist Teil der Aktion "Wie viele Sterne sehen wir noch?", die – ganz analog zum "Globe at Night" – dazu aufruft, von möglichst vielen Orten auf der Welt die Zahl der noch sichtbaren Sterne in ausgewählten Himmelsregionen zu zählen und die Ergebnisse per Internet zu melden. Als "Testfelder" dienen dabei die Sternbilder Kleiner Wagen und Orion. Alle Hinweise und die Ergebnisse der bereits mehr als 3000 Einsendungen sind auf der Homepage des Projekts abrufbar.  

Dark Skies,

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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