Die Hoffnung schwindet

Komet ISON ist auf den letzten LASCO C3-Bildern der Sonnensonde SOHO weit schwächer als C/2011 W3 Lovejoy zu diesem Zeitpunkt nach dem Perihel: +5mag und weiter abnehmend (hier in einer Animation der Bilder sehr gut zu sehen). Die Chancen auf eine Sichtbarkeit mit bloßem Auge sind damit wohl ziemlich gering. Ich persönlich denke nicht, dass es überhaupt viel zu sehen gibt, außer für ein paar Spezialisten. Noch bis heute Abend, 24 Uhr MEZ, ist der Komet auf den LASCO C3-Bildern zu sehen, danach werden wir eine Weile nicht viel von ISON erfahren. Eine Sichtbarkeit am Morgenhimmel wird – wenn überhaupt – voraussichtlich Mitte der kommenden Woche möglich sein. Es sei denn, es passiert noch etwas!

ESA/NASA/SOHO

ESA/NASA/SOHO

Genießen wir statt dessen die gelungenen Aufnahmen des Periheldurchgangs vom Donnerstagabend – etwa in diesen beiden Animationen der COR2-Koronografen von STEREO A und B, aus zei unterschiedlichen Perspektiven (Klick auf die Bilder)!  Mehr dazu im heutigen Blogeintrag des CIOC.

NASA/STEREO

NASA/STEREO

NASA/STEREO

NASA/STEREO

 

+++++++++++++++++

UPDATE, 01.12. 14:00: Inzwischen hat ISONs Trümmerwolke das Bildfeld des LASCO C3-Koronografen von SOHO verlassen. Dafür ist er jetzt wieder im HI-Imager von STEREO A sichtbar. Offenbar ist die Nasa bei ihrem Plan geblieben, die Sonde ein wenig zu verkippen, um die Überbleibsel des gescheiterten Jahrhundertkometen zu verfolgen. ISON ist auf den (noch rohen, daher qualitativ nicht besonders guten) Bildern auch nur noch als ein geisterhaftes Etwas zu erkennen:

NASA/STEREO

NASA/STEREO

Die Forscher sind sich inzwischen einig, dass der Komet keinen neuen Staub mehr freisetzt. Was wir sehen ist also eine sich weiter ausbreitende Staub- und Trümmerwolke, aber kein aktiver Komet mehr. Sofern es keine Überraschungen mehr gibt, können wir ISON als Kometen abschreiben. Schade – aber aus wissenschaftlicher Perspektive waren es spannende Tage und Monate!

+++++++++++++++++

UPDATE 2.12. 11:30: Diese Animation zeigt die komplette Perihelsequenz vom 27.11. bis zum 30.11., aufgenommen mit SOHOs LASCO C3. Deutlich zusehen: schon vor Erreichen des sonnennächsten Punkts seiner Bahn nahm die Helligkeit des Kometen wieder ab. Kurz bevor er hinter der Blende verschwand, war ISON bereits zu einem lang gestreckten, kopflosen Schweif zerrissen.

Jan Hattenbach

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Weltraumwetterbericht vom 30.11.2013 + Komet ISON Update - Sonnen-Sturm.info - Weltraumwetter und Sonnenaktivität

  2. Pingback: Weltraumwetterbericht vom 30.11.2013 | alberichswahrheiten

  3. Das wird wohl nichts mit dem „schönen Kometen“, weder am Morgen- noch am Abendhimmel. Wenn man sich die aktuellen LASCO C3 Aufnahmen von heute (12:54 MEZ) anschaut fällt sofort auf, dass die Helligkeit weiter rapide abgenommen hat und die Reste sich wohl auflösen. Sicher kein „Jahrhundert-Flop“, aber ganz gewiss kein „Jahrhundert-Komet“ oder gar „Großer Komet“… War aber auch schon immer recht unsicher, ob er selbiges wird bei dem sonnennahen Perihel…
    Macht nix: Der nächste schöne Komet kommt bestimmt.

  4. Ich denke, es ist mal an derr Zeit, Jan für seine ISON-Berichterstattung Anerkennung und Dank auszusprechen. Nicht nur wegen der Aktualität und Qualität seiner Artikel: Ich habe in den letzten Tagen immer zuerst in den „Himmelslichtern“ nachgelesen, was es neues zu ISON gibt. Ich fand es hier viel kompakter, zuverlässiger und besser zusammengefasst als in der teilweise widersprüchlichen und verwirrenden Vielfalt der Berichte im Web.

    Aber Jan hat zusätzlich auch noch – und das zeichnet seine Artikel besonders aus – nicht nur das Material anderer interpretiert, sondern auch selbst den Kometen fotografiert und das eigene, professionell aufbereitete Bildmaterial Allen verfügbar gemacht. Da auch ich ab und zu astrofotografisch zugegen bin, allerdings lange nicht auf dem Level von Jan, kann ich zumindest recht gut beurteilen, was bei seinen Bildern an Arbeit, Können und nicht zuletzt kalten Fingern und Schlafmangel hineingesteckt wurde.

    Also, von meiner Seite: Hut ab und Danke!

    • @The Karl Bednarik:

      JPL Horizons gibt erschöpfend Auskunft über den Bahnzustand zu jedem Zeitpunkt. ISONs Bahn ist ganz knapp hyperbolisch. Schon seit Oktober 2012. Bei der Exzentrozitzät kommt immer erst 1.0000 und noch mehr Nullen, dann irgendwann andere Zahlen. Anfang November stand da tatsächlich mal 0.999999xxxx, aber das kann auch ein Artefakt der Berechnung sein.

      Notabene: Dass ISONs Bahn im Sonnensystem ganz knapp überparabolisch war, sagt noch nicht, dass sei ganz weit draußen auch so gewesen sein muss.

  5. Hallo Jan,

    auch von mir ein herzliches Dankeschön für die aktuellen Berichte zu ISON!

    Stereo-A hat ihn seit gestern im Bildfeld (wird eigens dafür um einige Grade gedreht). Als längliches Nebelchen ist ISON rechts oben erkennbar (‚mäßige‘ Bildqualität, da aktuelle Rohaufnahmen):

    http://stereo-ssc.nascom.nasa.gov/browse/2013/12/01/ahead/hi1/1024/thumbnail.shtml

    Noch bis 7. Dezember wird der Komet im Feld stehen, ob auch sichtbar, wird sich zeigen…

    CS,

    Gunnar

  6. Vielen Dank für die lobenden Kommentare! Es hat großen Spaß gemacht, die Entwicklung des Kometen mehr als ein Jahr lang zu verfolgen, auch wenn ich natürlich, wie die meisten, auf ein anderes Finale gehofft hatte. Aber gerade die letzten Tage waren ein wirklich spannendes Stück Live-Science!

    Eventuell schreibe ich demnächst mal einige noch ungeordnete Gedanken zu ISON und dem Hype darum zusammen.

    @Gunnar: danke für den Tipp, ich mache gleich mal ein Update dazu!

  7. Jan Hattenbach

    Lieber Kurt,

    danke auch dir für das Lob, auch wenn du mich mit dem Link zwingst, eine kleine Extraschicht am Sonntagabend einzulegen 😉

    Die wirren Äußerungen des Herrn Smirnoff sind natürlich Quark, davon kann sich jeder selbst überzeugen. Man muss einfach nur einen Blick auf die Bahnkurve des Kometen (bzw.. seines Überrests) werfen, um zu sehen, dass er nach seinem Perihel steil aus der Ekliptikebene aufsteigt. Ergo: *Nach* dem Perihel kommt es nicht mehr zu einer Begegnung der Erde mit der Kometenstaubwolke: http://www.solarsystemscope.com/ison/

    *Vor* dem Perihel bewegte sich ISON bekanntlich in Ekliptiknähe, daher kreuzt die Erde Mitte Januar tatsächlich die Kometenbahn. Nur stammen die dort befindlichen ISON-Staubteilchen vom letzten Oktober. Das Thema „möglicher Meteoritenregen durch ISON“ hatten wir demzufolge auch schon vor einer Weile. Bitte zu Ende lesen und nicht von der irreführenden, NASA-Hype-mäßigen Überschrift irritieren lassen: http://science.nasa.gov/science-news/science-at-nasa/2013/19apr_isonids/

    An der Situation ändert ISONs Zerfall genau gar nichts. Die Bahn des Kometenrests *nach* dem Perihel ist natürlich auch i.W. identisch mit der *vor* dem Perihel berechneten Bahn des Kometen.

    Keine Ahnung, wie so ein Artikelunfall wie auf dieser Website der „Russischen Agentur für internationale Informationen“ passieren kann – wäre 1. April und der Herr Smirnow schiebe sich tatsächlich mit doppel-f wie ein geistiges Getränk aus seinem Heimatland, hätte ich nur geschmunzelt.

    „Dank“ sog. News-Seiten wie http://news.astronomie.info/ai.php/201311105 kann ich mir aber durchaus vorstellen, dass aus meinem Kommentar noch ein extra Blogeintrag wird. Generell die Empfehlung: Lieber bei Leutchen lesen, deren Tastatur mehr Knöpfe hat als „Strg“, „c“ und „v“ 😉

  8. Hallo,

    vielen Dank Herr Hattenbach für die Dokumentation von ISON in den vergangenen Monaten, wie meine Vorredner bereits anmerkten: tolles Material, gut rezipierbar aufbereitet und präsentiert. Schade dass es um ISON nun steht wie es steht – aber das war immer eine der bestehenden Optionen. Warten wir, was da noch angeliefert wird, der Vorrat weit draussen sollte noch für einige Durchläufe reichen.

    JW

  9. Pingback: Keine Spur mehr von ISON › Himmelslichter › SciLogs - Wissenschaftsblogs

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben