Der Ostsee-Meteorit ist gefunden

Die Sensation ist perfekt: Ein Meteoritenjäger aus Berlin hat auf der dänischen Insel Lolland Bruchstücke des Meteoriten gefunden, der Mitte Januar dort niedergegangen ist und dessen helle Feuerkugel von unzähligen Menschen gesichtet worden war. Ersten Analysen zufolge handelt es sich um einen seltenen und sehr interessanten Fund: einen kohligen Chondriten.

UPDATE, 24.03.2009: Der glückliche Finder beschreibt hier selbst, wie er den Meteoritenfund erlebt hat. Erstaunlich vor allem seine Erkenntnis: Der Meteorit stinkt! (Herunter scrollen!)

Am Abend des 17. Januar 2009 beobachteten tausende Menschen in Mittel- und Nordeuropa eine extrem helle Leuchterscheinung am Himmel. Schnell war klar, dass es sich um eine Feuerkugel handelte – einen sehr hellen Meteor also. Während in den Wochen danach viele Experten mutmaßten, dass womöglich ein Meteorit in die Ostsee niedergegangen war, verfolgte Thomas Grau aus Bernau bei Berlin eine andere Spur: Er glaubte, dass zumindest ein Teil des außerirdischen Besuchers festes Land erreicht hatte.

Trotz Knieverletzung machte sich Grau, der als Spezialist für Meteor- und Meteoritenkunde gilt, auf nach Dänemark. Was wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen aussieht, war in Wirklichkeit ein systematisches Eingrenzen des möglichen Fallgebiets anhand von Videodaten, vor allem aber mit Hilfe von unzähligen Augen- und Ohrenzeugen. Auch wenn sich so das Suchgebiet einengen ließ, dürfte es am Ende immer noch einige Quadratkilometer groß gewesen sein – eine wahre Sisyphusarbeit für einen einzelnen Mann.

Mehrere Wochen dauerte so auch die Suche. Schließlich wurde das fast nicht zu Glaubende Realität: Auf einer öffentlich zugängigen Wiese auf der Insel Lolland fand Grau die ersehnten Meteoritensplitter, eingebohrt in den feuchten Boden, zusammen kaum mehr als eine tischtennisballgroße Masse, etwa 30 Gramm schwer. Das Gefühl, so einen Fund zu machen, kann wohl nur nachvollziehen, wer selbst schon einmal nach den extraterrestrischen Gesteinsbrocken gesucht hat.

Das Material, dunkel und bröselig, entpuppte sich schnell als ein besonders seltener Meteoritentyp: einen kohligen Chondriten. Bei dieser besonderen Form der Steinmeteorite handelt es sich um Material aus dem solaren Urnebel – mithin also um das älteste Material, das wir in unserem Sonnensystem auffinden können. Die Meteoritenreste von der dänischen Wiese können uns also Aufschlüsse über den Urzustand unseres Sonnensystems liefern.

Es ist wahrscheinlich, dass noch weitere Überreste des ursprünglich etwa eine Tonne schweren Meteoriten irgendwo auf Lolland herumliegen. Grau schätzt, dass es noch zwei Dutzend kleinerer Stücke sein könnten. Aus diesem Grund wird der genaue Fundort geheim gehalten. Für die Forscher ist Eile geboten: Kohlige Chondriten verwittern recht schnell, vor allem in feuchtem Klima. Und spätestens im Frühjahr dürfte so mancher auf Äckern schlummernder Meteorit dem Pflug zum Opfer fallen.

Behalten durfte Grau "seinen" Meteoriten übrigens nicht. In Dänemark gibt es seit 1989 ein Gesetz, das es verbietet, solch extraterrestrische Funde zu behalten oder gar außer Landes zu bringen. Nun ist also das Gesetz zum ersten Mal zur Anwendung gekommen: Die Meteoriten wurden in das naturhistorische Museum des Landes nach Kopenhagen gebracht. Das Gesetz schreibt allerdings auch vor, dass der Finder entsprechend entlohnt werden soll. Bleibt also zu hoffen, das Thomas Grau seinen gerechten Lohn für seine mühevolle Arbeit bekommt. Die mediale Aufmerksamkeit jedenfalls ist ihm derzeit sicher.

Mein herzlicher Glückwunsch geht an Thomas für seinen sensationellen Erfolg! 

 

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Meteoritenfall am 17.01.2009

    Hinweise auf Spuren entlang der Feuerkugelbahn in der Atmosphäre – ähnlich einem Flugzeugkondensstreifen – wurden noch etwa fünf Minuten später mit der Ionosonde über Nord-Rügen gemessen. http://www.dlr.de/…spx/tabid-28/5934_read-15388/
    Die Funkwellen im Bereich von ca. 1,7 – 5,6 MHz wurden in 95 km Höhe reflektiert. Man erkennt dieses im unteren Abschnitt des Diagramms der Ionosonde.

    Schüler aus den 9. und 10. Klassen des E.M.Arndt-Gymnasiums (Bergen auf Rügen) sahen zu Hause (z.B. in Patzig) ein helles kurzes Aufleuchten des ganzen Himmels, ohne irgendeinen Donner zu hören. Manche empfanden das Licht bläulich, andere mehr blau-grünlich.

  2. Gibt es Fotos

    Habe mit meinem Metalldetektor einen sandigen Stein gefunden, wo der Metalldetektor total ausflippte.Woran kann ich erkennen, ob es sich um einen Meteoriten handelt?Viele Grüße aus Großhansdorf

  3. Hat jemand zufällig den Meteor am 28.07.2012 über MVP entdeckt?
    Er brach auf Höhe der Küste auseinander und landete vermutlich im Meer.
    Um in Schweden zu laden hätte er viel höher sein, bzw später runter gehen müssen.
    Dabei hat es einen ohrenbetäubenden Knall gegeben, als er die Schallmauer durchschlug.
    Einen tag später sah man an der vermeintlichen Absturzstelle einige militärisch anmutende, marine Gefährte auf dem Wasser.
    Möglicherweise wurden hier ein paar Dinge damals nicht gern kommuniziert.

    Viele Grüße

  4. Habe die Uhrzeit des Vorkommnisses vergessen – sorry:
    Es war um ca 03:45 Uhr Nachts, daher gab es einen ungeheuren Blau-Weißlichen Lichtblitz, der alles taghell gemacht hat.
    Danach kam der Knall.

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