Der Venustransit auf Hawaii

Der letzte Venustransit des 21. Jahrhunderts ist Geschichte. In weiten Teilen Deutschlands verhinderten Wolken den Blick auf Sonne und Venus, dennoch gab es etliche glückliche Beobachter. Eine Sammlung schöner Bilder aus dem deutschsprachigen Raum gibt es z. B. im Forum des Arbeitskreis Meteore.

Der Venustransit 2012, aufgenommen auf dem Mauna Loa, Hawaii. 70/420mm ED, Canon 350D, 1/3200s, 200 ASA, unbearbeitet. Erst 2117 wird die schwarze Venus wieder zu sehen sein!

Ohnehin war in Mitteleuropa nur der Schluss des Ereignisses zu sehen. Die Himmelsmechanik wollte es, dass bei uns der Transit kurz nach Mitternacht begann, bei Sonnenaufgang war die Venus schon weit vorangeschritten. Dafür gab es spektakuläre Aufnahmen der aufgehenden Sonne mit Venus davor, eine der besten ist sicher das heutige APOD. Auch vom Weltraum aus wurde das Ereignis verfolgt.

Vollständig sichtbar war das Ereignis im pazifischen Raum. Deshalb machte ich mich gemeinsam mit zwei Kollegen von der Sternwarte Aachen auf nach Hawaii. Schließlich war dies die letzte Gelegenheit für praktisch alle heute lebenden Menschen, die „schwarze Venus“ zu sehen – erst 2117 ereignet sich der nächste Transit. Und nach 2004 gehören wir nun zum illustren und überschaubaren Kreis der Menschen, die zwei Venustransits in voller Länge gesehen haben!

Von der Flanke des Mauna Loa, auf etwa 3300 Metern über dem Meer, hatten wir einen spektakulären Blick auf den gesamten Transit. Der Nachbarberg Mauna Kea war mit seinen Observatorien Anlaufstelle hunderter Amateurastronomen, um dem Trubel zu entfliehen, entschieden wir uns gegen diesen „Hot Spot“. Die Entscheidung war goldrichtig. Vom Mauna Loa aus wurde ebenfalls ein Livestream des Transits übertragen. Einen netten Fernsehbericht gab es obendrauf…

Einen ausführlichen Expeditionsbericht soll es bald auf Tobias‘ Nachbarblog geben.  

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ideales Teleskop für Sonnenbeobachtung?

    Oho, ein 70/420 ED, ist es etwa der hier? Falls ja, Willkommen im Klub.

    Kann man eigentlich eine Aussage dazu treffen, welche Art von Teleskop für Sonnenbeobachtungen dieser Art (wo man üblicherweise Wert darauf legt, die gesamte Sonne im Sichtfeld zu haben) am ehesten geeignet ist?

    Ich habe meine Beobachtung der Sonnenfinsternis im Mai mit einem kleinen Mak (90/1250) absolviert. Der Wahl dieses Geräts ging aber keine vergleichende Analyse voraus, es stand ganz allein die Transportabilität im Vordergrund und ich hatte damals gerade dieses Gerät zur Verfügung.

    Zumindest passte die Sonne in ein Quadrat von etwa 2200 x 2200 Pixeln, ich hatte also oben und unten immer noch einige Hundert Pixel Marge fürs Zielen (Auflösung des Chips bei meiner Canon 1000D: 3.888 Pixel horizontal x 2.592 Pixel vertikal). Diese Marge war sehr hilfreich, denn für eine motorgetriebene Montierung war nun wirklich kein Platz im Koffer.

    Was die Brennweite betrifft, war dies Gerät also wohl keine schlechte Wahl.

  2. Venustransit und Tropfenphänomen

    Wir haben uns mit unserer Beobachtertruppe in der Nähe der Förderbrücke F60 im ehemaligen Tagebau Lichterfeld-Schacksdorf bei Finsterwalde (Elbe-Elster-Kreis) versammelt. Die Stimmung, die am Platz vorherrschte war vergleichbar wie die während der Sonnenfinsternis 1999, die ich damals erfolgreich am Chiemsee beobachten konnte.

    An diesem Tag habe ich zum ersten Mal Sonnenaufnahmen mit der Canon EOS 1000D durch meinen Billig-Refraktor Bresser Skylux 70/700 angefertigt. Gewundert habe ich mich, dass das so genannte Tropfenphänomen durch alle Teleskope sichtbar war, obwohl es eigentlich nicht existiert und nur eine optische Täuschung ist. Wir hatten vom Billigrefraktor, über Newton, Maksutov und Apo alle Arten und Preisklassen dort stehen. Offenbar ist es doch mehr vom Seeing als von der Qualität des Fernrohrs abhängig.

  3. Hallo Michael,

    von der Brennweite her hätte ich auch besser etwas mehr gehabt, so wie den Mak etwa. Aber Transportabilität war nun mal das a und o. Wollte zuerst ein zusätzliches Teleobjektiv mitnehmen, aber zwei Objektive, und zwei Stative war einfach zu viel. Der Apo stand zur Verfügung (ist nicht mein eigener), er ist einigermaßen leicht und kurzbauend und hat einen schönen stabilen Auszug.

    (Ja, es ist der aus dem Link, allerdings nicht in der Carbon-Version).

    1000-1500mm sind sicher ideal für Sonne, wenn man sie mit der DSLR komplett drin haben will.

  4. @Jan

    Zur Transportabilität: I hear what you’re saying. Die Erwägung ist mir wohlbekannt.

    Meine Laienfrage bezog sich nicht nur auf Brennweite, sondern auch auf Bauart. Ich wollte einfach wissen, ob es da Präferenzen für den Sonderfall der Sonnenbeobachtung gibt, wo die Karten ja etwas anders gemischt sind als bei allen anderen astrofotografischen Anwendungen und wo es ausnahmsweise mal nicht darum geht, möglichst viel Licht einzufangen.

  5. Bauart

    Sorry für die späte Antwort, bin noch immer unterwegs…

    Ich würde sagen, wenn Öffnung nicht wichtig ist (die Sonne ist hell genug) dann würde ich einen guten APO, oder Fraunhofer mit langer Brennweite, oder auch einen Mak nehmen. Da ich selbst aber kein Sonnenbachter bin, nehme ich, was da ist. Wenn ich sonst mal auf die Sonne gucken will, nehme ich den hier: http://de.wikipedia.org/…imestamp=20050419201425

    200/3000 Zeiss AS-Optik mit Glasfilter, schöne Sache, nur völlig intransportabel 🙂

  6. Pingback: Merkurtransit am 9. Mai › Himmelslichter › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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