Der Sternenhimmel als Welterbe

Die in der vergangenen Woche getroffene Entscheidung der UNESCO, eine Studie zur Einrichtung astronomischer Welterbestätten zu unterstützen, gibt nicht zuletzt auch Hoffnung für den Schutz des Nachthimmels vor der Zerstörung durch menschliche Beleuchtungswut: In fünf Fallstudien wurden Stätten auf ihre Eignung als "Nachthimmelschutzgebiete" untersucht.

Die Entscheidung fiel bereits am 3. August: Auf dem 24. Treffen des Welterbekomitees in Brasília billigte die UNESCO die Unterstützung der Studie "Welterbestätten der Astronomie und Archäoastronomie" (Heritage Sites of Astronomy and Archaeoastronomy in the context of the UNESCO World Heritage Convention: A Thematic Study). Die Studie war im Rahmen des Internationalen Jahrs der Astronomie initiiert worden und beschreibt die wesentlichen Charakteristiken, die eine astronomische Welterbestätte aufweisen sollte. Damit solles letztlich möglich werden, solche Stätten in die Welterbeliste der UNESCO aufzunehmen. Dieser Ankerkennung der Studie ermöglicht den Mitgliedstaaten der UNESCO-Welterbekonvention nun, sich um Welterbe-Nominierungen für astronomische und archaeoastronomische Stätten zu bemühen.

Einen besonders wichtigen Aspekt spricht das Kapitel 16 unter dem Titel "Windows to the Universe: Starlight, Dark Sky Areas, and Observatory Sites" an: Die Möglichkeit, den Sternhimmel selbst unter Schutz zu stellen – vor dem Menschen und seiner Lichtverschmutzung. In besonders ausgewiesenen Gebieten sollen"Dark-Sky Reservate" entstehen, in denen es auch in Zukunft möglich sein soll, das Universum mit eigenen Augen zu erleben. So heißt es zu Beginn dieses Kapitels:

The sky, our common and universal heritage, is an integral part of the environment perceived by humanity. Starting from this general idea, the Declaration in Defence of the Night Sky and the Right to Starlight, adopted in 2007, states that an unpolluted night sky that allows the enjoyment and contemplation of the firmament should be considered an inalienable right of humankind equivalent to all other environmental, social, and cultural rights.

Das Recht auf einen natürlich-dunklen Nachthimmel als unveräußerliches Menschenrecht, ebenso wie andere soziale, kulturelle und umweltpolitische Rechte, wahrlich ein großes Ziel.

Dass ein solches "Reservat" nicht am Ende der Welt liegen muss, beweist eine Initiative aus Österreich. Eine der fünf Fallstudien für mögliche Nacht-Schutzgebiete liegt nur wenige Kilometer außerhalb der Metropole Wien: Die "Sternenlichtoase Großmugl", wo kurz vor Bekanntgabe der UNESCO-Entscheidung ein Sternenfest stattfand. Großmugl will sich denn auch als erste österreichische Gemeinde um die Anerkennung seiner "Sternenlichtoase" bewerben. Bereits im Frühjahr hatte der Gemeinderat die Unterstützung der zitierten La Palma-Deklaration zum Schutz des Nachthimmels erklärt.

Es wird sicher noch eine Weile dauern bis zur Eröffnung des ersten "Sternenlichtreservats" mit dem Segen der UNESCO. Hoffentlich nicht zu lange. Die Nachricht aus Brasilien stimmt zumindest hoffnungsfroh.

Die von ICOMOS und der IAU herausgegebene und vom IAC und der Starlight Initiative unterstützte Studie, ISBN 978-2-918086-01-7 (e-book), immerhin 283 Seiten und 43 MB groß, kann hier heruntergeladen werden. Die oben erwähnte La Palma-Erklärung zum Schutz des Nachthimmels gibt es hier (beides auf Englisch).

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. nicht nur Großmugl…

    … ist es noch dunkel. Am Samstag durfte ich die Konzepte für Sternenparks (Dark Sky Parks, Starlight reserves) beim STATT in St. Andreasberg vortragen, was offenbar nicht nur bei den Sternenfreunden auf Interesse stiess. Denn auf deren Initiative waren auch Lokalpolitiker anwesend (vielleicht weil gerade die Oberharzer Wasserwirtschaft von der UNESCO anerkannt wurde?).
    Sternenreservate (postiver als Dark Sky Reserves) sind auch in Deutschland nicht nur möglich, sondern sollten auch eingerichtet werden, damit man nicht unbedingt nach La Palma oder Namibia fliegen muss.

  2. Tja, Sankt Andreasberg…

    …und Großmugl werben mit Dunkelheit, während das Ruhrgebiet mit – falschen – Lichtsmog-Satellitenkarten wirbt:

    http://www.ruhrbarone.de/…place-to-pee%E2%80%9D/

    Traurig. Offenbar hat sich bei vielen vermeintlich „Kulturschaffenden“ noch nicht herumgesprochen, dass auch eine freie Sicht auf den Sternenhimmel zu den Kulturgütern gehört – statt dessen schmückt man sich lieber damit – vermeintlich – heller zu strahlen als andere…

  3. Ruhrgebiet, verstrahlt

    Ach, wäre es schon, diese Karte wäre echt. Dann müsste man nur einen Bogen um das Ruhrgebiet machen (da gibt es sowieso nichts sehenswertes) und schon könnte man feinsten Sternhimmel genießen. Selbst in Berlin. Aber leider, leider ist sie nur eine weitere bizarre Phantasie, ausgedacht in den unergründlichen Hirnen der „PR-Experten“.

    Danke für den Link, sehr lustig!

  4. Ruhrpott hat auch was zu bieten

    Also, als alter Oberhausener kann ich die Aussage, im Ruhrgebiet gibt es nichts Sehenswertes, natürlich nicht unwidersprochen stehen lassen!

    Abgesehen von erstaunlich viel Kultur erinner ich nur an die BoHeTa, den ATT, die Ausstellung im Gasometer und die Astrohalden. :o)

    Und im übrigen kommt aus dem Pott ein weltbekanntes Wesen: Der WM-Kraken Paul!

    Aber lichttechnisch ist das Ruhrgebiet die Hölle, das muss ich leider zugeben.

  5. Ruhrpott, ich fahr an dir….vorbei

    Tja, Kai, Ruhrpott ist: ein Autobahngewirr, das zwischen mir und Ziel liegt und stört. Und das man beim Durchfahren dort nicht wesentliches verpasst, zeigen ja gerade Werbekampagnen wie diese. Denn was ist die Aussage? Der Ruhrpott hat Lichtdingse. Die aber nur auffallen, wenn man alles drum herum abschaltet. Weiah.

    PS: Die von dir genannten Beispiele steuere ich nicht wegen, sondern trotz Ruhrpott an.

    PPS: 😉

  6. Ruhrpott ich komm aus dihir…

    Ich sehe schon, den Pott kann man nur lieben, wenn man dort geboren wurde und aufgewachsen ist. ;o)

    q.e.d.

  7. @ Neuhaus

    Na, das sehe ich aber ganz anders. Ich bin nicht im Pott geboren, aber weil ich eine DK von Schalke habe oft genug dort und ich bin gerne im Pott. Mein Sitzplatznachbar kommt aus GE und so verbleibe ich dann nach dem Spiel noch oft dort im Pott. Ich mag diesen Menschenschlag dort sehr. Die offene und direkte Art, dieser robuste Charme. Ist natürlich nicht jedermanns Sache, denn wer sich wie A…loch benimmt, bekommt es auch direkt ins Gesicht gesagt, daß er ein A…loch sei.

    Ansonsten hat der Pott auch sehr schöne Stellen zu bieten. Das ist nicht nur Autobahn, heruntergekommen Siedlungen und verfallene Industriehallen.

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