C/2013 US10 Catalina – Wird’s was mit dem Weihnachtskometen? UPDATE

(Fast) alle Jahre wieder – Rätselraten um einen möglichen „Weihnachtskometen“. Der Fall des berühmt-berüchtigten Kometen „ISON“ von 2013 ist noch gut in Erinnerung, letztes Jahr sorgte ein Lovejoy für eine nette Show, und in diesem Jahr heißt der Kandidat C/2013 US10 Catalina. Am 15. November stand der Schweifstern im sonnennächsten Punkt seiner Bahn (Perihel) und in diesen Tagen entscheidet sich, auf was für einen Auftritt im Dezember und Januar wir hoffen können.

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UPDATE 01.12.: Die frühe Prognose der Helligkeit scheint sich zu bestätigen. Dafür werden immer mehr detaillierte Bilder des Kometen veröffentlicht, die seine interessante Schweifstruktur zeigen. Wie es mit Catalina (höchstwahrscheinlich) weitergeht, habe ich für Sterne und Weltraum aufgeschrieben.

UPDATE 06.12.: Schöne Bilder gibt es mittlerweile zuhauf – morgen früh (7.12.) bietet sich darüber hinaus die Gelegenheit, den Kometen mitsamt Mond und Venus auf ein Bild zu bekommen. Wie die Fotografen dabei mit dem gewaltigen Helligkeitskontrast fertig werden, wird interessant zu sehen sein. Es darf vermutet werden, dass sich einige wieder HDR-Tricks bedienen werden, ohne darauf hinzuweisen.

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Zwei Größenklassen schwächer als erwartet

Optimistische Prognosen gingen von einer maximalen Helligkeit von etwa 4mag aus, Catalina wäre damit ein Komet für das bloße Auge. Nach den ersten fotografischen und visuellen Beobachtungen nach seinem Perihel sieht es aber danach aus, als würde der Komet mit höchstens 6.0mag deutlich hinter dieser Voraussage zurückbleiben.

Doch alle Prognosen sind, wie immer, mit Vorsicht zu genießen. Die Beobachtungen werden zur Zeit von der Morgendämmerung erschwert, gegen die Catalina ankämpfen muss. Noch bis Anfang Dezember braucht es einige Erfahrung und sehr klaren Himmel, um den Kometen überhaupt ausmachen zu können.

Diese Aufnahme von C/2013 US10 gelang Chris Schur aus Arizona am Morgen des 22. November 2015. Sie Zeigt den Kometen mit einer deutlich grün gefärbten Koma und zwei Schweifen. Stellarvue SV80s Refraktor und Canon XTi, 1,5 Minuten Belichtungszeit. Mit freundlicher Genehmigung.

Diese Aufnahme von C/2013 US10 gelang Chris Schur aus Arizona am Morgen des 22. November 2015. Sie zeigt den Kometen mit einer deutlich grün gefärbten Koma und zwei Schweifen. Stellarvue SV80s Refraktor und Canon XTi, 1,5 Minuten Belichtungszeit. Mit freundlicher Genehmigung, s.a. hier.

Erste Post-Perihel-Bilder vom 19. und 20. 11. aus Asien zeigten einen höchstens 6-7mag hellen Lichtfleck, spätere aus den USA einen Schweifansatz, das bislang beste mir bekannte Bild des Kometen vom 22.11. aus Arizona einen schönen Kometen mit typisch grün gefärbter Koma und einem Gas- sowie einem Staubschweif. Gleichzeitig melden erfahrene Kometenbeobachter erste visuelle Helligkeitsschätzungen, die mit 6,1 bis 6,5mag am helleren Ende des aus den Fotografien abgeleiteten Bereichs liegen.

Das obige Bild genordet und kontrastverstärkt. Leider mangelt es an geeigneten Vergleichssternen, aber anhand des 6,7mag hellen HD126131 sieht es so aus, als habe der Komet tatsächlich rund 6,0mag. Die Sonne steht östlich des Kometen, der sich in nördlicher Richtung bewegt. So sind auch die beiden Schweife eindeutig zuzuordnen. Bild: Chris Schur

Das obige Bild genordet und kontrastverstärkt. Leider mangelt es an geeigneten Vergleichssternen, aber anhand des 6,7mag hellen HD126131 sieht es so aus, als habe der Komet tatsächlich rund 6,0mag. Die Sonne steht östlich des Kometen, der sich in nördlicher Richtung bewegt. So sind auch die beiden Schweife eindeutig zuzuordnen. Bild: Chris Schur

Woher weiß man, wie hell ein Komet wird? Im Gegensatz zu seiner Bahn weiss man das eben leider nicht genau. Die Helligkeit hängt von der Menge volatilen Materials (Gas und Staub) ab, die durch die Einwirkung der Sonne aus dem Kometen schießt. Seine absolute, d.h. intrinsische Helligkeit ist demnach am größten, wenn er der Sonne am nächsten steht – also während seines Perihels. Heißt: seine hellste absolute Helligkeit hatte Catalina unmittelbar um den 15. November. Da er sich nun wieder von der Sonne entfernt, wird er schon wieder schwächer.

Allerdings hängt seine von der Erde aus wahrgenommene, scheinbare Helligkeit noch von anderen Faktoren ab – von seiner Position am Himmel, dem Blickwinkel und vor allem von seiner Entfernung zur Erde. Da sich Catalina noch bis zum 17. Januar 2016 der Erde nähert, wird die Abnahme seiner absoluten Helligkeit teilweise kompensiert. Wie stark dieser Effekt ist, bleibt abzuwarten, Prognosen dazu sind notorisch unsicher. Es ist möglich (und meiner Meinung nach wahrscheinlich), dass sich die scheinbare Helligkeit des Kometen in den nächsten Wochen kaum ändert, also bei etwa 6mag bleibt.

Komet für Fernglas und Kamera?

Sollte sich das bewahrheiten, dann wird es nichts mit einem freisichtigen Kometen im Dezember. Eher wird Catalina ein Objekt fürs Fernglas sein, seine Schweife könnten darüber hinaus ein schönes Fotomotiv ergeben. Es gibt aber auch Optimisten, die sogar von einer Zunahme der scheinbaren Helligkeit ausgehen.

In den nächsten Nächten werde ich versuchen, den Kometen selbst zu finden und eigene Helligkeitsschätzungen zu machen. Updates gibt es hier im Blog (langsamer) und auf Twitter (schneller).

Lesestoff:

Mehr zu C/2013 Catalina im Dezemberheft von Sterne und Weltraum. Andreas Schnabel hat wieder eines seiner ausgezeichneten Kometendossiers zusammengestellt – es enthält detaillierte Aufsuchkarten und alles, was man zur Beobachtung von Catalina wissen muss (pdf).

Auch Bob King hat Catalina am Sonntagmorgen erfolgreich aufgespürt, und Daniel Fischer hat eine amfangreiche Linksammlung und seine eigene Einschätzung veröffentlicht.

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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