Bodenleuchten sind Blödsinn!

Man kennt diese Dinger: Sie beleuchten Denkmäler, Gebäudefassaden oder einfach nur spirrelige Sträucher – Bodenleuchten. Wobei sie eigentlich etwas anderes erhellen: den Himmel. Der absolute Großteil ihres Lichts geht senkrecht nach oben und trägt maßgeblich zur Lichtverschmutzung bei. Warum gibt es diese Dinger überhaupt?

Zur Beleuchtung der Verkehrswege tragen sie nichts bei, im Gegenteil. Durch ihre Lichtführung von unten nach oben sind sie mindestens eine Belästigung für Fußgänger, im schlimmsten Fall eine echte Verkehrsgefährdung. Wenn ihr Licht nämlich blendet und man blind über den Fußweg stolpert. Wenn man dann lesen muss wieviel dieser Unsinn kostet, kann einem schon mal anders werden. Wie Stefan Oldenburg in Clear Skies kann ich dann gar nicht anders als mich klammheimlich freuen, wenn Städte so pleite sind, dass sie kein Geld mehr für diesen Mist ausgeben können.

"Bodenleuchte" im Einsatz – Bild: Christian Reinboth

Der einzige "Zweck" von Bodenleuchten ist ihr Einsatz als "Designelemente" – zur zweifelhaften "Verschönerung" des Stadtbilds. Wobei die ästhetische Wirkung dieser Form der Beleuchtung erstens Geschmackssache ist und man zweitens fragen darf, ob ein solcher Zweck all die Nachteile rechtfertigt, die mit der Installation und dem Betrieb von Bodenleuchten einhergeht. Dass die nächtliche Lichterflut nämlich nicht nur positive Auswirkungen hat, sollte sich langsam in den Köpfen festsetzen. Daran, dass der Sternenhimmel Stadtplanern nichts wert ist, hat man sich gewöhnt. Richtig ist es dennoch nicht. Und ganz ehrlich: Jeder setzt diese Dinger ein. Wo ist der Stadtplaner, dem mal was wirklich originelles einfällt?

Wem das hier nun alles zu emotional ist (und wer sich von Astronomiefanatikern in Sachen Beleuchtung gar nichts sagen lassen will) der lese eben den Beitrag von Christian Reinboth in seinem Blog Frischer Wind. Christian arbeitet beruflich in Sachen Beleuchtung, ich denke, er kennt sich aus. Ganz rational und mit Hilfe einer Demonstrationssoftware erklärt er, warum Bodenleuchten Blödsinn sind. Stadtplaner: Lesen!  

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schwarze Astronomenfraktion

    Warum sollten Astronomen eigentlich immer zurückstehen. Wäre eigentlich Zeit für eine „schwarze Astronomenfraktion“, die uns mit ihren Aktionen den Nachthimmel zurückgeben.

  2. Lichtverschmutzung

    Sie haben Recht mit der Lichtverschmutzung, doch wenn Baudenkmäler in den Städten angestrahlt werden ist es schon ein Lichtblick im grauen einerlei der Häuser.
    Allerdings wenn ich im Sommer lange auf der Terasse sitzen kann, geniesse ich die Dunkelheit und den Sternenhimmel – es ist immer wieder ein Erlebnis.

  3. Danke fürs Aufgreifen…

    …wobei ich leider bezweifle, dass man tatsächlich viele Stadtplaner mit dem Effizienzargument überzeugen kann, denn darum geht es ja letztendlich gar nicht. Bodenleuchten sind – aus welchen Gründen auch immer – ‚chic‘ und ‚trendy‘ und werden – so zumindest mein Eindruck – auf viele Planungen nachträglich aufgepfropft, weil es ohne Bodenleuchten eben einfach nicht mehr geht. Da hilft vermutlich wirklich nur der Sparzwang (auch wenn man sich knappe kommunale Kassen aus vielen anderen Gründen auf Dauer kaum wünschen kann…). Unschön wird es natürlich, wenn die Leuchten irgendwann günstiger und effizienter (im Sinne der Lichtabgabe, nicht der -verwendung) werden, z.B. durch Bestückung mit derzeit noch kaum verfügbaren, billigen Hochleistungs-LEDs…

    Was die Simulationen anbelangt kann ich nur anbieten, dass, wer mir einen einigermaßen brauchbaren Lageplan und die genauen Herstellerdaten von Boden- und Mastleuchten liefert, von mir gerne eine grobe Simulation mit den entsprechenden Kennzahlen zurückbekommt, so denn die Lampentypen in DIALux verfügbar sind und die Anfragen nicht überhand nehmen. Vielleicht nützt es ja irgendwo doch mal etwas, auf die faktische Null-Effizienz solcher Leuchten hinzuweisen…

  4. „Schwarze Astronomiefraktion“

    Zum Thema „Schwarze Astronomiefraktion“ fällt mir noch ein Kommentar ein, den vor Jahren mal jemand in meinem Blog zum Thema Energisparen hinterlassen hat: „Ich bin kein Grüner, sondern ein Dunkler“

  5. @Trebla

    Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn bestimmte historische Gebäude etc. zu bestimmten Zeiten angeleuchtet werden, solange dies maßvoll geschieht, da stimme ich Ihnen zu.

    Was mich wirklich ärgert, ist dsss Bodenleuchten inzwischen aber auch zum Anleuchten von allem und jedem verwendet werden, und das meist die ganze Nacht lang, auch wenn niemand mehr auf den Straßen ist. Oder gerade Bäume: die werden angeleuchtet, egal, ob sie gerade drei Äste haben (weil gerade erst gepflanzt) oder im Winter völlig laubfrei seind. Da sieht man die Beleuchtung doch praktisch gar nicht!

    Was soll das? Subventionsprogramm für Stromversorger auf Steuerkosten?

  6. @Heidemarie Waldhausler:

    Was Sie anregen, wäre Sachbeschädigung und die ist nach Paragraph 303 StGB verboten. Auch Paragraph 304 StGB koennte hier greifen:

    http://bundesrecht.juris.de/stgb/__303.html
    http://bundesrecht.juris.de/stgb/__304.html

    @Jan, Christian:

    Es wäre doch mal interessant und auch überzeugend (wenn auch aufwändig), zu modellieren, wie ein Denkmal oder ein Gebäude, sagen wir eine Kathedrale, anders als mit Bodenstrahlern von außen beleuchtet werden kann. Gerade bei einer gotischen Kathedrale lassen sich doch sicher im steinernen Stützwerk ohne bauliche Eingriffe auf die Gebäudewand und nach unten gerichtete Strahler installieren.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf diese Weise bei gleicher Wahrnehmbarkeit des beleuchteten Objekts auch nur annähernd so viel Strom verbraucht wird wie mit Bodenstrahlern.

  7. Beleuchtung öffentlicher Gebäude

    @Michael Kahn: Das wäre sicher machbar, vermutlich aber auch mit einem enormen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden, also sicher nur kollaborativ zu stemmen. An der FH Köln gab es im Sommersemester 2006 mal ein spannendes studentisches Projekt, bei dem der Kölner Dom samt Außenbeleuchtung in DIALux simuliert wurde. Die Präsentation lässt erahnen, wie groß der Aufwand dabei in etwa gewesen sein muss:

    http://www.fh-koeln.de/…ner%20Dom%20Schulten.pdf

    Wenn man natürlich irgendwie an dieses Modell herankäme, könnte man sich eine Menge Arbeit sparen – falls also jemand zufällig Prof. Dr. Nickich kennen sollte…

    Ansonsten gibt es in DIALux auch generische Modelle von Brunnen und Kirchen, die man eventuell für ein solches Projekt heranziehen könnte. Schwierig stelle ich mir die Klärung der Frage vor, ob Beleuchtungselemente, die man für eine effizientere Beleuchtung „von oben nach unten“ an den einzelnen Gebäuden selbst anbringen müsste, mit allen jeweils relevanten baulichen und denkmalschutzrechtlichen Vorschriften vereinbar sind…

  8. @Heidemarie Waldhausler

    Liebe Frau Waldhausler,

    Ihr Vorschlag mag zwar eine kurzfristige Abhilfe schaffen, ist aber nicht rechtens und damit nicht empfehlenswert. Werden Sie erwischt, zahlen Sie dem Betreiber der Leuchten seinen Schaden, ansonsten tut es die Versicherung. Im Ergebnis ändert sich nichts, nur stehen die Lichtverschmutzungsgegner einmal mehr als Fanatiker da. Und womöglich haben Sie noch eine Anzeige am Hals.

    Besser ist m.E., die Kritik an solcher Verschwendung und Umweltverschmutzung öffentlich zu äußern, dass kann in Form von Leserbriefen, Beschwerden, Vorträgen an Volkssternwarten oder eben Blogs wie diesem hier geschehen. Gerade Volkssternwarten und Amateurastronomen könnten hier mMn noch mehr tun.

  9. „Stand-on“

    Ich finde die Idee mit dem „Stand-on“ sehr nett. Wir treffen uns um eine Bodenleuchte wie um ein Lagerfeuer und rezitieren als „Club der toten Astronomen“ astronomische Texte.

  10. Stand-on

    …und das Ganze gepaart mit ein bisschen Sidewalk-Astronomie. Ein Dobson auf jeden Bodenstrahler und schon gehts los!

    (Meine Rockerbox ist lichtundurchlässig, btw.)

  11. Licht-Gesetzgebung in Slowenien

    Hier zwei Links zu Medienberichten zu den Anti-Lichtsmog-Gesetzen in Slowenien. Wie es scheint, kommen die Gesetze gegen schlechte Beleuchtung dort ganz gut an (der Untergang des Abendlandes ist dort offensichtlich noch nicht eingetreten):

    http://www.fr-online.de/…82/4623930/-/index.html

    Artikel in der Frankfurter Rundschau

    http://www.zdf.de/…-bekaempft-Lichtverschmutzung

    (ZDF-Sendung, Link verfällt).

  12. … und die EU fördert das auch noch

    so gesehen beim European Dark Sky Symposium in Kaposvar in Ungarn: die Hauptstraße wurde mit EU-Mitteln saniert und eine Vielzahl Bodenleuchten eingebaut. Und ein Teilnehmer aus Rumänien berichtete über den gleichen Unsinn in seinem Land. Zudem werden Straßen und Fassaden viel zu hell erleuchtet – wie lange können dort die Kommunen wohl noch ihre Stromrechnung bezahlen?

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