Besuch bei SOFIA, Dinner im Aquarium

Das 221. AAS-Meeting hat begonnen. Während die Schlange am Registration Desk gerade Außmaße wie bei der Einreise am Flughafen annimmt, nutze ich die Gelegenheit, ein paar Bilder von unserem heutigen Trip zur NASA Dryden Aircraft Operations Facility (DAOF) nach Palmdale zu posten. Dort durften wir uns heute nachmittag die fliegende Sternwarte SOFIA ansehen. Anschließend ging es ins Aquarium of the Pacific, wohin die AAS zum Eröffnungsempfang geladen hatte.

SOFIA ist ein einzigartiges Observatorium: Das Teleskop ist eingebaut in eine verkürzte und modifizierte Boeing 747SP, die in den 1970ern gebaut wurde und zunächst ihren Dienst als Verkehrsflugzeut im Liniendienst tat.

Dryden liegt etwa zwei Autostunden vom Konferenzort Long Beach entfernt, vom Großraum Los Angeles durch die San Gabiel Mountains getrennt. Regenwolken, wie sie heute am Himmel über LA unterwegs waren, regnen sich üblicherweise an diesen Bergen ab, sodaß Dryden fast das gesamte Jahr über exzellentes Flugwetter verfügt. Die NASA hat hier eine Reihe von Forschungsflugzeugen stationiert, unter anderem auch SOFIA.

Der Grund, weswegen man eine Infrarotsternwarte (mindestens) auf einem Flugzeug betreiben muss: Nur oberhalb des atmosphärischen Wasserdampfs ist der Großteil der Wärmestrahlung überhaupt empfangbar. SOFIA fliegt in ca. 14km Höhe, oberhalb der typischen Reiseflughöhe von Verkehrsflugzeugen.

Die große Boeing 747, die man schon ein paar Meilen auf der Zufahrtsstraße sehen konnte, war allerdings nicht SOFIA, sondern eines der beiden Shuttle Carrier Aircraft (SCA), deren Aufgabe der Transport der Space Shuttles war. Nach dem Ende der Shuttle-Ära hat auch das SCA seine beste Zeit hinter sich – es dient als Ersatzteillager für SOFIA.

Die zu 80% von den USA und zu 20% von Deutschland finanzierte fliegende Infrarotsternwarte steht derzeit zur technischen Überholung im Hangar, gleich neben zwei U2-Aufklärungsflugzeugen, die nicht fotografiert werden durften – der nationalen Sicherheit wegen. Zwar sind die U2 nun nicht unbedingt der neueste Schrei der Flugzeugtechnik, dennoch wurde das Fotoverbot streng überwacht…

Am Mittwoch gibt es ein Town Hall Meeting zu SOFIA, auf dem es dann um wissenschaftliche Ergebnisse geht. Evtl. dann mehr dazu!

Mehr zu SOFIA hier in einem SuW-Artikel vom Juni 2011.

Am Abend fand die Opening Reception statt – im Aquarium of the Pacific im Hafen von Long Beach. Eine wirklich gelungene Idee! Komischerweise gab es kein Seafood – Fische gucken ja, Fische essen nein.

Morgen beginnt dann auch mal langsam die Arbeit!

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Fotografierverbot

    Also, wenn Lord Vader persönlich das Fotografierverbot überwacht, sollte man sich besser wirklich daran halten. Viel Spaß noch im hoffentlich sonnigem Kalifornien!

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