Airglow auf der Webcam

Im Sommer und Herbst 2012 sichteten mehrere Amateurastronomen auf ihren langbelichteten Weitwinkelfotografien das so genannte Nachthimmelsleuchten – neudeutsch Airglow genannt. Das entsteht, weil das kurzwellige Sonnenlicht am Tage bestimmte Moleküle in der Hochatmosphäre aufbricht und ionisiert, und diese über komplizierte chemische Reaktionsketten nachts unter Lichtabgabe wieder zusammenfinden. Das Airglow-Leuchten ist normalerweise sehr schwach – schwächer als das in unseren lichtverschmutzten Breiten bereits kaum auffällige Licht der Milchstraße. Insofern war es einigermaßen überraschend, dass es auf den Fotografien so deutlich zu sehen war.

Im Oktoberheft von Sterne und Weltraum hatte ich die Sichtungen aus dem Sommer zusammengefasst und beschrieben, dabei wurden auch einige sehr schöne Fotos abgedruckt (mehr zu den Sichtungen und den Fotos auch im Meteoros-Forum). Leider hatte ich selbst nicht das Glück, eine Sichtung zu machen. Anlaß dieses Blogpost ist nun ein Leserbrief im aktuellen Dezemberheft: Dort bemerkt Florian Mengedoht, dass selbst auf den Aufnahmen einiger automatischer Webcams das grüne Airglowleuchten zu sehen ist. Ich habe mir die Links angeguckt und kann das bestätigen.

Das grüne Leuchten über dem bergkamm (links von der Bildmitte) ist eindeutig grünes Airglow. In der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 2012, als dieses Bild am Kochelsee in den Bayerischen Alpen entstand, beobachteten zahlreiche Amaterastronomen tatsächlich ein intensives Airglowereignis. Bild: addicted-sports.com

Zur gleichen Zeit aufgenommen wurde dieses Bild mit Blickrichtung Norden über das Tauferer Tal in Südtirol. Deutlich zu erkennen auch hier die grünen Airglow-Schlieren am Nachthimmel. Bild: www.foto-webcam.eu.


Hier zum Vergleich ein eigenes Bild, das Airglow-Leuchten ist als grüner Schimmer über der Bergkuppe zu sehen. Aufgenommen ca. 5 Minuten mit einer Canon EOS 450Da und einem 8mm Fisheye-Objektiv. Das entstand allerdings auf La Palma und in 2000m Höhe, unter zugegebenermaßen exzellent dunklem und klarem Himmel.

Die Webcams bestehen immerhin aus digitalen Spiegelreflexkameras mit lichtstarken Objektiven, sind also etwas besser als das, was man vom Laptop zu Hause kennt. Sonst wären die gut belichteten Bilder in tiefster Nacht auch nicht möglich. Einige der Kameras zeigen allerdings nur einen kleinen Himmelsausschnitt oder werden durch helle Lampen geblendet Dennoch lohnt es sich die Bildarchive der Kameras durchzusehen. Vielleicht lässt sich die Liste von Airglowsichtungen in Mitteleuropa, die Stefan Kraus erstellt hat, noch ergänzen.

Natürlich könnte man auch darüber nachdenken, solche Kameras für die systematische Airglowüberwachung einzusetzen. Anleitungen, wie man eine solche aufgemotze Webcam baut und betreibt, gibt es hier

Mit dem Astronomievirus infiziert wurde ich Mitte der achtziger Jahre, als ich als 8-Jähriger die Illustrationen der Planeten auf den ersten Seiten eines Weltatlas stundenlang betrachtete. Spätestens 1986, als ich den Kometen Halley im Teleskop der Sternwarte Aachen sah (nicht mehr als ein diffuses Fleckchen, aber immerhin) war es um mich geschehen. Es folgte der klassische Weg eines Amateurastronomen: immer größere Teleskope, Experimente in der Astrofotografie (zuerst analog, dann digital) und später Reisen in alle Welt zu Sonnenfinsternissen, Meteorschauern oder Kometen. Visuelle Beobachtung, Fotografie, Videoastronomie oder Teleskopselbstbau – das sind Themen die mich beschäftigten und weiter beschäftigen. Aber auch die Vermittlung von astronomischen Inhalten macht mir großen Spaß. Nach meinem Abitur nahm ich ein Physikstudium auf, das ich mit einer Diplomarbeit über ein Weltraumexperiment zur Messung der kosmischen Strahlung abschloss. Trotz aller Theorie und Technik ist es nach wie vor das Erlebnis einer perfekten Nacht unter dem Sternenhimmel, das für mich die Faszination an der Astronomie ausmacht. Die Abgeschiedenheit in der Natur, die Geräusche und Gerüche, die Kälte, die durch Nichts vergleichbare Schönheit des Kosmos, dessen Teil wir sind – eigentlich braucht man für das alles kein Teleskop und keine Kamera. Eines meiner ersten Bücher war „Die Sterne“ von Heinz Haber. Das erste Kapitel hieß „Lichter am Himmel“ – daher angelehnt ist der Name meines Blogs. Hier möchte ich erzählen, was mich astronomisch umtreibt, eigene Projekte und Reisen vorstellen, über Themen schreiben, die ich wichtig finde. Die „Himmelslichter“ sind aber nicht immer extraterrestrischen Ursprungs, auch in unserer Erdatmosphäre entstehen interessante Phänomene. Mein Blog beschäftigt sich auch mit ihnen – eben mit „allem, was am Himmel passiert“. jan [punkt] hattenbach [ät] gmx [Punkt] de Alle eigenen Texte und Bilder, die in diesem Blog veröffentlicht werden, unterliegen der CreativeCommons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0.

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