Wissenschaftskommunikation und Open Access

Nach einer anregenden Diskussion zu meinem letzten Beitrag über eine Petition von Lars Fischer möchte ich meine Argumente für einen anderen, alternativen, zusätzlichen Aufruf in Sachen „Bürger sollen mehr Anteil an der Wissenschaft bekommen“ hier noch einmal gesondert ausbreiten.

Ausgangspunkt ist diese banale Feststellung:

Die öffentliche Hand finanziert einen Großteil unserer Forschung. Daher kann man mit Fug danach fragen, was die Bürger, was die Steuerzahler von der Forschung „zurückgezahlt“ bekommen, wie „die“ Allgemeinheit Anteil erhalten kann an dem, wofür sie bezahlt.

Wofür sie bezahlt, das können zum Beispiel neue Erkenntnisse sein, die auf dem Wege von Anwendungen der Allgemeinheit oder Teilen davon nutzen. Solche Anwendungen sind z.B. neue Medikamente, bessere Materialien usw.

Etliches von dem, was öffentlich finanzierte Wissenschaftler erforschen, kommt jedoch nicht in Form von konkreten Anwendungen an „die“ Allgemeinheit zurück.

Deshalb ist es legitim, darum zu ersuchen, dass „die“ Allgemeinheit mehr Anteil bekommt an dem Wissen, das die von ihr unterstützten Forscher erwerben.

EINE diskutierte Möglichkeit zur Verwirklichung dieses Zieles ist Open Access. Der freie Zugang zu wissenschaftlichen Erstpublikationen, die im Normalfall in hoch spezialisierten, kostenpflichtigen Fachzeitschriften publiziert werden, wird von seinen Befürwortern dabei mit verschiedenen Argumenten gefordert. Das Argument des freien Wissenstransfers aus der Wissenschaft hin zu „der“ Allgemeinheit ist jedoch ein wesentliches von diesen. (Weitere wurden u.a. in der Diskussion meines letzten Posts von verschiedenen Kommentatoren vorgebracht.)

Die Petition, deren unpräzise Formulierung im Hinblick auf die Zielgruppe derer, die sich nicht gut in der Open Access-Diskussion auskennen, ich bemängelt hatte, stellt das Argument des direkten Wissenstransfers von der Forschung zu „dem“ Bürger in den Vordergrund.

EINE ANDERE, zusätzliche Möglichkeit zur Verwirklichung des Zieles, dass „die“ Allgemeinheit mehr Anteil bekommt an dem Wissen, das die von ihr unterstützten Forscher erwerben, habe ich in ebenfalls meinem letzten Post vorgebracht, möchte sie hier aber noch einmal erläutern.

Nota bene: Dabei geht es mir NICHT darum, diese zweite Möglichkeit als Entweder-Oder-Alternative zu Open Access ins Feld zu führen. Dies haben offenbar manche Kommentatoren vermutet. Was ich vorbringe, ist zunächst einmal nur eine weitere Möglichkeit im Hinblick auf das genannte Ziel, die sich von Open Access jedoch in einigen Punkten unterscheidet. Diese Unterschiede möchte ich hier offen legen und eine Diskussion darüber anregen.

Open Access nützt „dem“ Bürger – was das Argument des Zugangs zu neuem Wissen, das er gewissermaßen bezahlt hat, betrifft – zunächst einmal nur dann, wenn „der“ Bürger sich auch dafür interessiert. (Natürlich profitiert „der“ Bürger mittelbar auch von Open Access, wenn sich sein Hausarzt per Open Access schlauer macht, sofern er das ohne Open Access nicht oder nur schlecht kann. Aber das ist ein anderes Argument, es betrifft nicht den Zugang „des“ Bürgers zu den Erkenntnissen der Forschung, wie sie in hoch spezialisierten Fachjournalen publiziert werden.)

Hier tut sich ein erstes Problem auf, da sich – leider – viele Menschen eher durch Desinteresse gegenüber den Wissenschaften auszeichnen und von den prinzipiellen Möglichkeiten von Open Access überhaupt keinen Gebrauch machen dürften. Dieses Problem wird dadurch verschärft, dass „dem“ Bürger bei Open Access eine Holschuld auferlegt wird. „Er“ hat zwar freien Zugang, muss das Wissen aber selbst aktiv „abholen“.

Ein drittes Problem besteht in der Aufbereitung der Ergebnisse, so wie sie innerhalb der Scientific Communities kommuniziert werden. Wir sprechen hier im Wesentlichen von Inhalten, die von ausgewiesenen Fachleuten für andere Fachleute abgefasst sind – und die „dem“ Bürger zunächst einmal nur dann etwas bringen, wenn „der“ Bürger sich die erhebliche Mühe macht, selbst zu einem Fachmann / zu einer Fachfrau zu werden. Das Beispiel einer Kommentatorin zu meinem letzten Post zeigt, dass dies sehr wohl möglich ist. Aber es kostet Zeit und viel Mühe – je nachdem, von wo aus der Einzelne in punkto Vorbildung, wissenschaftliche Sozialisation usw. startet. „Der“ Bürger wird mit den typischen Beiträgen von Fachjournalen nicht viel anfangen können. Sollte er sie zu Gesicht bekommen, wird er im besten Fall in Ehrfurcht erstarren, sich vielleicht aber auch nur entsetzt abwenden.

Zur Verdeutlichung als Kostproben nur zwei aktuelle Überschriften solcher Artikel, über die wir reden:

Serum Amyloid P Inhibits Fibrosis Through FcγR-Dependent Monocyte-Macrophage Regulation in Vivo (Science)

Association of F18-fluoro-ethyl-tyrosin uptake and 5-aminolevulinic acid-induced fluorescence in gliomas
(Acta Neurochirurgica)

Darüber, wie viel Prozent "der" Bürger, die bislang – etwa per Unibibliothek – keinen Zugang zu solchen Artikeln hatten, sich per Open Access für entsprechende Inhalte erwärmen werden, darf gern spekuliert werden.

Allerdings: Ich gebe zu, dass in einigen Fachjournals auch einzelne in Ansätzen „allgemein verständliche“ Beiträge stehen, wie Stephan Schleim richtig bemerkte in einem Kommentar. Sie sind für ein größeres, aber – so meine ich – immer noch kein großes Publikum verständlich.

Der Nutzen von Open Access für „den“ Bürger – was die Teilhabe an dem von ihm finanzierten neuen Wissen anbetrifft – ist also durch verschiedene Faktoren begrenzt. Eindeutig profitieren von Open Access die Forscher: Als Anbieter neuen Fachwissens profitieren sie, weil sie als Autoren zurecht eine breitere Streuung ihrer Forschungsergebnisse erwarten dürfen. (Und das ist ein absolut legitimer Wunsch!). Als Nachfrager von Fachwissen profitieren sie ebenfalls von einem schrankenlosen Zugang auf das neue Wissen von Kollegen, so sie diesen denn zuvor nicht hatten. Als Kommunikatoren profitieren sie, weil sie die herkömmlichen Pfade der Fachkommunikation nicht verlassen müssen. Sie schreiben nach wie vor für die Zielgruppe der Fachkollegen, nur dass sie auf mehr Leser als bislang hoffen dürfen. Sie haben keinen erhöhten Aufwand, was ihre Kommunikationstätigkeit anbelangt.

Noch einmal: Es gibt zahlreiche Gründe, die man für Open Access ins Feld führen kann. Das Argument, dass „der“ Bürger sich per Open Access besser informieren könne und etwas "zurückbekäme", ist jedoch stark verkürzt.

Daher also eine weitere, alternative, zusätzliche Möglichkeit, wie „der“ Bürger mehr Anteil bekommen kann an dem, was er finanziert: mehr und bessere Wissenschaftskommunikation in „seine“ Richtung. M.E. ist es durchaus legitim zu fordern, dass Wissenschaftler einen Teil ihrer kostbaren Zeit, die weitenteils von der öffentlichen Hand bezahlt wird, darauf verwenden, „der“ Allgemeinheit etwas in Form von Wissen und Erkenntnissen zurückzugeben – jedoch in einer Form, die „den“ Bürger dort abholt, wo „er“ sich befindet.

Dabei muss ich sofort einschränken, dass es keine „allgemein verständliche“ Wissenschaftskommunikation gibt.
Wenn es um Kommunikation geht, können wir auch nicht von „dem“ Bürger, „der“ Allgemeinheit, „der“ Öffentlichkeit sprechen, sondern nur von verschiedenen allgemeinen Zielgruppen, deren Mitglieder jeweils vergleichbare Interessen, vergleichbares Vorwissen usw. haben. Es handelt sich m.a.W. um Teil-Öffentlichkeiten.

Allein diese einfache Erkenntnis ist vielen Wissenschaftlern, mit denen ich es beruflich zu tun habe, nicht wirklich bewusst. Geschweige denn, dass sie Handwerkszeug an die Hand bekommen hätten, wie man denn das Wissen zielgruppenadäquat „zurückgibt“, wenn man eine bestimmte Zielgruppe vor Augen hat und schon mal einen Schritt weiter ist, als von „der“ Allgemeinheit zu sprechen. (Natürlich gibt es Ausnahmen: Manche Wissenschaftler betreiben ein greradezu vorbildliches Zielgruppenmanagement!)

Dass für derlei Kommunikation auch die Pressestellen oder populärwissenschaftliche Medien zuständig sind, steht dabei außer Frage. Aber die Forscher könnten durchaus mehr in die Pflicht genommen werden. Vielfach berichten Pressesprecher von Forschungseinrichtungen hinter vorgehaltener Hand von Problemen, Wissenschaftler aus ihren Reihen dazu zu bewegen, an einer Pressemitteilung wenigstens mitzuwirken. Und populärwissenschaftliche Medien, so sehr ich sie schätze und so wichtig ihre Aufgabe im Medienbetrieb ist, können naturgemäß auch nicht über alles berichten, was erforscht wird. Neben diese herkömmlichen Angebote können also sehr wohl weitere 1:1-Angebote von Wissenschaftlern an Zielgruppen von Nicht-Spezialisten treten.

Dazu kommt, dass in Zeiten der modernen elektronischen Medien dem Einzelnen, also auch dem einzelnen Forscher, keine nennenswerten Zutrittsbarrieren zum Medienbetrieb mehr vor die Nase gestellt sind. Jeder kann auf seiner Institutshomepage in einem gesonderten Bereich eine halbwegs „allgemein verständliche“ Darstellung seiner Forschungen hinterlegen. Jeder kann einen Blog betreiben, jeder kann bei wikipedia mitschreiben, jeder kann einen Newsletter anbieten – und natürlich kann jeder wenigstens einmal jährlich zusammen mit Kollegen eine öffentliche Veranstaltung organisieren, sei es eine Podiumsdiskussion, ein Tag der offenen Tür, eine Ausstellung, ein Vortrag, eine Kinderuni… Wer kommunizieren möchte, der kann es. Es gibt keine Ausreden mehr! Nur muss man viele Wissenschaftler erst aus der Reserve locken – und entsprechend befähigen. Hier sehe ich erheblichen Förderbedarf. Dazu kommt der berechtigte Hinweis von Stephan Schleim, dass sich derlei Kommunikation für einen Wissenschaftler auch im Hinblick auf die Karriere rechenen muss. Hier haben wir immer noch ein Mentalitätsproblem.

Fazit: Open Acces würde zwar nicht per se „dem“ Bürger nützen, wenn es um den 1:1-Wissenstransfer "Forscher-Bürger" geht. Dennoch sprechen Gründe für Open Access. Mehr Aufwand für die Forscher, aber aus meiner Sicht mehr Nutzen und einfacher für „den“ Bürger, so sie denn gut gemacht wird, verspricht in meinen Augen eine verbesserte Wissenschaftskommunikation, welche verschiedenste „allgemeine“ Zielgruppen entsprechend dem Vorwissen, den Motiven und den Fähigkeiten der beteiligten Personen mit Information versorgt. Diesen Aufwand könnte „die“ Allgemeinheit m.E. ebenfalls mit Fug einklagen. Auch in Richtung derjenigen, die über die Vergabe von Forschungsmitteln entscheiden!

 

PS: In einer Welt, in der diese 2. Möglichkeit Realität würde, hätte der Wissenschaftsjournalismus eine noch wichtigere Rolle als heute schon. Denn dann wäre in der Sache unabhängige Darstellung von wissenschaftlichen Themen noch wichtiger.

 

Veröffentlicht von

Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Da stimme ich völlig zu. Die Wissenschaftskommunikation allein ist kein hinreichendes Argument für Open Access, aus den genannten Gründen.

    Auf der anderen Seite glaube ich aber, dass Open Access eine wichtige Komponente erfolgreicher Wissenschaftskommunikation sein kann. Es ist ja nicht nur der Bürger, der durch Open Access besseren Zugang zu Publikationen bekommt, sondern auch der Journalist bzw. der Wissenschaftskommunikator generell. Und das ist sicher hilfreich.

  2. Nur mal eine Idee

    Vielleicht sollte man noch einen anderen Punkt bedenken bei der Kommuniaktion: das Veröffentlichen purer wissenschaftlicher Publikationen ist zwar für sich gesehen nicht für jeden wirklich nutzbar bzw. nützlich, wenn man aber im Freundeskreis naturwissenschaftlich gebildete Menschen hat, können die schließlich auch zur Klärung grober Fragen „herhalten“.

  3. D’accord, Lars!

    Open Access und „mein“ Vorschlag (der natürlich schon x-fach von anderen vorgebracht wurde und nicht wirklich „meiner“ ist) sind beides mögliche Komponenten für mehr, für bessere Wissenschaftskommunikation. „Mein“ Vorschlag hat den Vorzug, dass er „dem“ Bürger keine Holschuld auferlegt. Und womöglich den Nachteil, dass er den Wissenschaftlern mehr Arbeit beschert. Ich meine: Arbeit, die sich lohnt. Und die „die“ Allgemeinheit mit Fug stärker einklagen könnte.

  4. Open Access vs. Öffentlichkeitsarbeit

    Ich sehe durchaus, dass wir Wissenschaftler eine Verpflichtung haben, die Denkweisen unserer Disziplinen und wichtige Forschungsergebnisse auf verständliche und transparente Art und Weise an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Diese Verpflichtung ergibt sich nicht vorrangig aus der Tatsache, dass unsere Forschung häufig aus öffentlichen Geldern finanziert wird. Es ist eher eine moralische Verpflichtung, die sich aus dem Anspruch der Wissenschaft ergibt, der einzigen Weg zu echter Erkenntnis zu sein und deshalb im gesellschaftlichen Diskurs eine herausragende Rolle zu spielen. (Um das klar zu stellen: Dieser Anspruch ist voll und ganz gerechtfertigt, Wissenschaft IST der einzige Weg zu echter Erkenntnis. Und auch um das klar zu stellen: Leider wird die Wissenschaft normalerweise KEINE herausragende Rolle im gesellschaftlichen Diskurs zugestanden).

    Ich sehe auch, dass es beim Open Access faktisch nicht vorrangig um den Zugang der Öffentlichkeit zu Forschungsergebnissen geht, sondern um den freien Fluss von Informationen INNERHALB der Wissenschaft.

    Trotzdem halte ich die Rolle, die Lars in seinem Petitionstext diesem Zugang des Normalbürgers zu den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung zugesteht, für mehr als nur eine idealistische Vorstellung. Zugang zu wissenschaftlichen Forschungsergebnissen befreit den Bürger, der ihn in Anspruch nimmt, nicht von der Pflicht, sich mit der Materie umfassend auseinanderzusetzten, eben um zu verstehen, worum es bei diesen Ergebnissen eigentlich geht. Eine derartig umfassende Beschäftigung wird den meisten Bürgern als zu hoher Preis erscheinen, um die offen zugänglichen Artikel tatsächlich zu lesen. Aber wer diesen Preis zu zahlen bereit ist, bei dem scheitert der Zugang dann nicht länger an institutionellen Barrieren.

    Und wer weiß, ob dadurch nicht eine neue bürgerliche Wissenskultur entsteht, in der es plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist, dass man am letzten Schultag alles vergisst, was man gelernt hat, sondern in der es zum guten Ton gehört, ausreichend viel von Chemie, Physik, Soziologie oder Linguistik zu verstehen, um auch spezialisierte Forschungsergebnisse wenigstens in groben Zügen nachvollziehen zu können (genauso, wie es lange Zeit zum guten Ton gehörte, ausreichend viel von Musik, Malerei oder Dichtung zu verstehen, um aktuellen Entwicklungen in der Kulturszene folgen zu können).

    Open Access und Populärwissenschaft sind deshalb kein Gegensatz, es sind zwei verschiedene Wege hin zu einer aufgeklärten Gesellschaft.

  5. @A.S.

    Danke für Ihren Kommentar.

    „Open Access und Populärwissenschaft“ seien „kein Gegensatz“, schreiben Sie. Exakt.

    Was den ins Feld geführten Pro-Open-Access-Punkt ‚Bürger sollen mehr Anteil bekommen an dem, was ihnen zusteht‘ anbetrifft: Es dürfte sogar so sein, dass das Kalkül von Open Access in dieser Hinsicht erst richtig aufgeht, wenn wir eine bessere Wissenschaftskommunikation durch die Wissenschaftler in Richtung ‚des‘ Bürgers haben. Diese dürfte nämlich den einen oder anderen Ottonormalbürger mehr dazu motivieren, sich ggf. auch in Primärpublikationen umzuschauen.

  6. Problem?

    Hier tut sich ein erstes Problem auf, da sich – leider – viele Menschen eher durch Desinteresse gegenüber den Wissenschaften auszeichnen und von den prinzipiellen Möglichkeiten von Open Access überhaupt keinen Gebrauch machen dürften. Dieses Problem wird dadurch verschärft, dass „dem“ Bürger bei Open Access eine Holschuld auferlegt wird. „Er“ hat zwar freien Zugang, muss das Wissen aber selbst aktiv „abholen“.

    Lieber Herr Könneker,

    wo bitte ist denn hier ein Problem? Man verschafft dem Interessierten offenen Zugang und fertig. Das ist das Prinzip einer öffentlichen Bibliothek. Haben Sie schon mal gehört, dass ein Bibliothekar sich darüber beschwert, dass „dem“ Bürger eine „Holschuld auferlegt“ wird?

    Und, bitte bitte, lieber Herr Könneker, bitte befinden Sie nicht darüber, was ich, als einer „der“ Bürger, denn wohl davon hätte, wenn mir freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen gewährt würde.

  7. @Balanus

    Eben. Es geht de facto um „den Interessierten“, wie Sie selbst schreiben! Und nicht um „den“ Bürger, DER JEDOCH INS FELD GEFÜHRT WIRD. Letzterer ist aber der Steuerzahler, „der Interessierte“ ist nicht „der“ Steuerzahler.

    Danke auch für den Vergleich mit der öffentlichen Bibliothek. Es ist ein gutes Beispiel. Denn in einer halbwegs gut sortierten öffentlichen Bibliothek gibt es etwas für „den“ Bürger. Vielerlei Themen in tausenderlei stilistischen und dramatisch organisierten Formen sowie in allerlei Abstraktionsgraden. Für jeden also etwas.

    Das ist bei den Publikationen, die bei Open Access zugänglich gemacht werden, nicht der Fall.

    Und genau daher mein ZUSÄTZLICHER Punkt, um „dem“ Bürger (und nicht nur „den Interessierten“) etwas von der Wissenschaft zurückzugeben: Liebe Wissenschaftler, macht Euch die Mühe, mehr und besser zu kommunizieren! Und zwar in einer Weise, die die Leute zielgruppenweise da abholt, wo sie gerade stehen.

  8. Zugang Forschungergebnisse

    Hallo,

    neben Open Access (ein Thema für sich), gibt es bei jeder Zuwendung in Deutschland die Verpflichtung den Schlußbericht der TIB Hannover zuzusenden. Siehe dazu http://www.tib.uni-hannover.de/…ngsberichte.html

    Das sind die per vielzitiertem Argument „doppelt bezahlten“ Ergebnisse frei Haus!

    Ich streite aber nicht ab, dass es
    a) schwierig zu finden ist und
    b) nicht das Thema Open Access betrifft.
    Nur das o.g. Argument fällt eben in sich zusammen.

    Gruß, Slarti

  9. Warum immer gerade die Wissenschaftler?

    Ja, Forschung wird aus Steuergeldern finanziert.
    ABER:
    Nein, der einzelne Wissenschaftler / die W…in ist darum NICHT „der Allgemeinheit“ auskunftspflichtig!
    Die größten Teile des Steuerkuchens gehen drauf, um Helmuts (Schmidt wie Kohl) leichtfertig aufgenommene Kredite zu bedienen. Gehen die beiden dafür in den Schuldkerker?
    Geben die Hartz-IV-er, die (heutigen) Rentner/inn/en usw. irgendwas von dem zurück, was sie ohne Gegenleistung erhalten?

    Aber die Profs sollen es mal wieder richten, nach der W2/3-Vera…ung.
    Was glaubt „die Allgemeinheit“ eigentlich, wer sie ist?

  10. Am Problem vorbei

    Ob Open Access, Blog, oder was auch immer – sicher ist der Wunsch nach grösstmöglicher Zugänglichkeit neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse legitim, die Diskussion ingoriert aber einen wesentlichen Teil des Problems: den Anspruch des breiten Publikums nach leicht verdaulichen, in attraktiven Häppchen servierten, sensationellen Erkenntnissen. Diese sollen graphisch ansprechend präsentiert werden und ohne Aufwand der Leserschaft von selbiger konsumiert werden können. Geschrieben von Wissenschaftlern die diese Sensationen ‚täglich‘ gewinnen. Das erfordert viel Zeit und Schreibtalent. Ein Blick auf die teilweise, milde gesagt, ’skurrilen‘ Wissenschaftsteile mancher Tageszeitungen lehrt uns Vieles: was keinen direkten Bezug zum Leser hat ist nicht relevant, ‚zu abstrakt‘ ist oft der Kommentar von Journalisten. Redakteure mit notwendigerweise begrenzter Sachkenntnis entscheiden über Relevanz. Die nächste Zeitung erkennt Relevanz anhand der Artikel bei der Konkurrenz. Die vermeintliche Interessenlage der Leserschaft spiegelt sich dann im Stil des Wissenschaftjournalismus wider. Oft muss, um den Sensationseffekt zu erhalten, ein bisschen ‚Kosmetik‘ betrieben werden, die Tatsachen sind dabei auch mal sekundär. Der wissenschaftliche Alltag besteht aber aus kleinen Schritten, grosse Erkenntnisse liegen weit auseinander. Grundlagenforschung ist nicht immer griffig, of trocken. Diese sprachlich aufzubereiten erfordert völlig andere Schreibfertigkeiten als die notwendigen Fachpublikationen. Das ‚die Allgemeinheit‘ das lesen will darf getrost in Zweifel gezogen werden. Der Steuerzahler hat auch ein Recht auf effiziente Nutzung der Mittel. Ich bezweifle, dass eine Flut von Wissenschaftsblogs, von denen die meisten ungelesen bleiben würden, dem Rechnung trägt.
    Zusätzlich gibt es zudem allgemeinverständliche Vorträge, Schülerfortbildungen, Podiumsdiskussionen, etc.. Was öffentliche Fördermittel nicht generieren können ist Zeit, und jeder Geldgeber erwartet, mit Recht, für seine Mittel nicht nur flüchtigen Text im Interent, sondern belastbare Ergebnisse zu bekommen. Woher soll die Zeit kommen um auch noch wenig gelesene Internetforen zu füttern?

  11. Woher?

    „Bürger sollen mehr Anteil an der Wissenschaft bekommen“

    Kann denn „DER“ Bürger sinnvoll entscheiden, welche Forschung den meisten Nutzen in eine Gesellschaft stiftet?

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