Wissenschaft – Blogs – Buchmesse

Auf der gerade zu Ende gegangenen Buchmesse habe ich gleich zweimal über Wissenschaftsblogs diskutiert. Das eine Mal mit Helmut Wicht, Volker Stollorz und Kathrin Zinkant, die mich vorab ja bereits in der Guten Stube besucht hatten. Das zweite Mal war ich Gast auf dem Podium des von science2public veranstalteten Science Sunday. Moderiert von Annette Leßmöllmann (Hochschule Darmstadt sowie Brainlogs), debattierten Christian Dries (sciencegarden), Sven Keßen (Begrenzte Wissenschaft), Mathias Schindler (Wikimedia Deutschland), Marc Scheloske (Scienceblogs.de sowie wissenswerkstatt), Thomas Wanhoff (Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaft) und ich über Wissenschaftskommunikation 2.0. 

Podiumsdiskussion beim Science Sunday, Frankfurter Buchmesse 2008

(Podium des Science Sunday 2008. Sitzend von links nach rechts: Christian Dries, Carsten Könneker, Sven Keßen, Mathias Schindler, Marc Scheloske; zugeschaltet aus Vietnam: Thomas Wanhoff; stehend: Moderatorin Annette Leßmöllmann) 

Einige ausgewählte Statements aus der Diskusison:

"Wissenschaftliche Blogs sind bislang noch ein Nischenphänomen." (Marc Scheloske)

"Egal, ob Sie Wissenschaft oder Wissenschaftsjournalismus machen – Sie brauchen heute eine wesentlich höhere Medienkompetenz als früher." (Christian Dries)

"Grund für den Erfolg von wikipedia ist auch, dass es Wissenschaftlern nicht fremd ist, umsonst zu arbeiten. Der typische Wikipedianer kommt aus einem akademischen Umfeld." (Mathias Schindler)

"Die Verlinkung sagt nichts über die Qualität eines Blogs aus, sondern nur über seine Bekanntheit bei anderen Bloggern." (Thomas Wanhoff)

"Blogs sind im gesamten medialen Zusammenhang nur eine Ergänzung." (Sven Keßen) 

"Wissenschaftsjournalismus schafft Transparenz für die Öffentlichkeit: deckt Abhängigkeiten auf, bringt die zweite Meinung, hinterfragt. Das alles leisten Blogs zunächst einmal nicht." (Carsten Könneker)

Einen kompletten Mitschnitt der rund 75-minütigen Diskussion gibt es – in neun Teile geschnippelt – hier:

Der Mitschnitt wurde von Thomas Wingerter für Pionierfilm angefertigt, wo auch das Copyright liegt. Vielen Dank!

 

 

 

Veröffentlicht von

Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Verbessern Weblogs den Journalismus?

    Lieber Herr Könneker,

    ohne Zeit für all die Video-Schnipsel zu haben – gab es denn in der Diskussion Einigkeit in der Frage, ob Weblogs den Wissenschaftsjournalismus gefährden?

    Meiner Meinung nach können sie ihn verbessern. Denn Journalisten haben durch ihren privilegierten Zugang zu den Medien auch Macht. Und dafür, dass sie damit verantwortungsvoll und sorgsam umgehen, kann es auch beitragen, wenn Wissenschaftler selbst bloggen und den Journalisten gelegentlich auf die Finger klopfen, wenn sie nicht sauber arbeiten.

    In der KlimaLounge müssen wir das immer wieder mal tun, kürzlich hier:
    http://www.wissenslogs.de/…ung-beschleunigt-sich

    Und auch der bislang meistgelesene Wissenslogs-Beitrag war von dieser Art:
    http://www.wissenslogs.de/…-erderwaermung-vorbei

    Herzliche Grüße,
    Stefan Rahmstorf

  2. Einigkeit?

    Nein, Einigkeit gab es nicht. Am euphorischsten von allen Teilnehmern an den beiden Diskussionsrunden, die ich mitgemacht habe, ist in meiner Wahrnehmung Marc Scheloske, was den Wert und die Stärken von Blogs angeht im Vergleich zum Wissenschaftsjournalismus. So seien Zeit und Raum für Journalisten stets limitierende Ressourcen, für Blogger hingegen nicht. Da speziell in den Tageszeitungen vielfach auf Agenturmaterial zurückgegriffen werde, böten die Wissenschaftsblogs in ihrer Gesamtheit zudem mehr Information. Auch könnten Blogs Fehler, die Journalisten unterliefen, aufdecken, wenn die Köpfe dahinter kompetent genug seien.

    Den Gegenpol zu dieser Auffassung brachte für mich Volker Stollorz aus der anderen Diskussionsrunde zum Ausdruck. Er argumentiert in etwa so: Da Blogger immer Partei sind – nämlich ihre eigene –, ist es problematisch, wenn sie wuchern auf Kosten des Journalismus, der eben Ressourcen wie Zeit und Geld benötigt, um unabhängig über Wissenschaft berichten zu können. Stichwort: Recherche. Wenn sich die Aufmerksamkeit aller an Wissenschaft Interessierten immer mehr auf Blogs richtet, wäre Qualitätswissenschaftsjournalismus womöglich kaum mehr bezahlbar, und wir hätten im Extremfall nur noch PR.

    Ich persönlich denke, dass hier zu oft Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die einen halten hervorragend gemachte Blogsposts hoch, die anderen Vorzeigebeispiele aus dem Wissenschaftsjournalismus. Das Problem aber ist jeweils der Durchschnitt und – noch mehr – das Ende der jeweiligen Fahnenstange. Einzelne sehr gut gemachte Weblogs können die Fehler von schludrigem Wissenschaftsjournalismus aufdecken, keine Frage. Umgekehrt können Vorzeigebeispiele guten Wissenschaftsjournalismus unschwer schlechte oder einseitige Blogposts lächerlich erscheinen lassen, wenn man diese dagegenhält.

    Was heißt das also? Es kommt darauf an, sich der Stärken des jeweiligen Mediums zu besinnen und über die Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen das eigene Profil zu schärfen und mehr Qualität im eigenen Reich zu produzieren. Wer als Blogger die Stärken des Mediums geschickt ausnutzt, kann Neues schaffen: Wissenschaft diskutabler, persönlicher, und in einer bestimmten Lesart transparenter machen. In einer Weise, die andere – journalistische – Formen nicht leisten können. Jene Transparenz, die Journalisten herstellen sollen, das unabhängige Gegenüberstellen von verschiedenen Schlüssen z.B., können Blogs, so wie das Medium gestrickt ist, hingegen nicht oder nur in Ausnahmefällen leisten. Will sagen: Ein Blogpost und ein journalistischer Artikel haben unterschiedliche Möglichkeiten, Stärken, aber auch Grenzen. Es kommt auf die Blogger und die Journalisten an, das Beste daraus zu machen.

  3. Danke für die ausführliche Antwort!
    100% Zustimmung. Ich sehe nicht, dass Blogs den Wissenschaftsjournalismus verdrängen. Aber ein gewisser Wettbewerb ist gut für die Qualität – mögen gute Blogs und guter Wissenschaftsjournalismus dabei gewinnen, und die Leser künftig noch besser und umfassender über Forschung informiert sein. Das Interesse der Öffentlichkeit ist ganz klar vorhanden, und m.E. eher wachsend.

    Herzliche Grüße,
    Stefan Rahmstorf

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