SciLogs-Studie: Warum Wissenschaftler bloggen

Was treibt Wissenschaftsbloggerinnen und -blogger an, woher nehmen sie ihre Themen, welche Erfahrungen sammeln sie mit den Kommentatoren? Eine Studie unter den Autorinnen und Autoren von SciLogs.de ergab: Bloggen ist für sie auch ein Stück Selbstfindung. Eine positive Wirkung für die eigene wissenschaftliche Karriere versprechen sich hingegen die wenigsten.

 

Wie jedes Jahr bin ich auch 2012 mit einem Bündel Hausaufgaben aus dem Deidesheimer Bloggerwochenende zu Spektrum der Wissenschaft zurückgekehrt. Gemeinsam mit unseren SciLogs-Preis-Laudatoren, Merja Mahrt von der Uni Düsseldorf und Cornelius Puschmann von der HU Berlin, sollte ich einen Fragenkatalog für eine Studie unter unseren Bloggern entwerfen. Das Ziel: mehr über die Motive, Einstellungen und Erfahrungen der SciLogger zu erfahren. Mein eigenes Motiv dabei war neben echter Neugierde ganz profan: Immer wieder werde ich gefragt, warum Wissenschaftler bloggen, was sie erreichen wollen, an wen sie sich richten, wie lange sie über ihren Blogposts brüten usw.

Merja und Cornelius forschten schon zuvor über Wissenschaftsblogs – und so waren wir uns in Deidesheim schnell einig: Wir erforschen jetzt die SciLogs!

Das geht freilich nur mit Zutun der Bloggerinnen und Blogger. Und so habe ich im SciLogs-internen Forum zunächst einen Entwurf mit Fragen für die kleine Studie gepostet, die Merja, Cornelius und ich zuvor per E-Mail-Pingpong zusammengetragen hatten. Manches Feedback von den SciLoggern floss noch hinein, dann wurde das Ganze von Merja als webbasierte Umfrage aufgesetzt (unipark), ich habe unsere aktiven Bloggerinnen und Blogger per E-Mail zur Teilnahme eingeladen, und 44 machten mit. Danke nochmals dafür! Die anonymisierten Ergebnisse stehen jetzt im Forum allen SciLoggern zur Verfügung; vermutlich wird davon noch manches auf dem Portal diskutiert werden. Ein paar Resultate, die ich besonders spannend finde, möchte ich kurz vorstellen, wissend, dass die Aussagen nicht repräsentativ sind für Wissenschaftsblogs im Allgemeinen. Aber 44 vollständig ausgefüllte Fragebögen, da kann man zumindest ein wenig draus lernen!

Den entscheidenden Schub für eine akademische Karriere erhoffen sich die SciLogger nicht durch ihr Bloggen: Mehr als vier Fünftel bezeichnen dieses Motiv als irrelevant – zu Recht. Denn dass Wissenschaftskommunikation oder gar speziell Bloggen auf das Konto einer wissenschaftlichen Karriere einzahlt, davon sind wir noch sehr weit entfernt. Und so ist es schlicht der Spaß am Schreiben, der die Blogger am meisten antreibt. Das eigene Fach vorzustellen, ein Thema im Netz zu besetzen, Rat zu geben und auf Missstände aufmerksam zu machen sind ebenfalls starke Beweggründe. Nur 28 Prozent der Umfrage-Teilnehmer wollen gezielt auch eigene Arbeitsergebnisse in ihrem Blog publizieren.

 

FRAGE: Was motiviert Dich heute, Dein Blog bei SciLogs zu schreiben?

SciLogs-Studie 2012: Motive der Blogger/innen

 

Für wen schreiben die SciLogger? Nach eigener Einschätzung: vor allem für Interessierte und die breite Öffentlichkeit. Außerdem peilen 45 Prozent der Umfrage-Teilnehmer konkret Studierende des eigenen Fachs und Schüler als weitere Zielgruppen an; ebenso viele haben ihre Fachkollegen als Adressaten vor dem geistigen Auge. Entscheidungsträger in Wissenschaft oder Unternehmen stehen hingegen etwas weniger im Fokus.

 

FRAGE: Wen stellst Du Dir heute als Leser/in Deines Blogs bei SciLogs vor?
(Mehrfachnennungen möglich)

SciLogs-Studie 2012: Zielgruppen

 

In der Tendenz positiv beurteilen die Blogger ihre Erfahrungen mit den Kommentaren. Darin werden, so gaben mehr als drei Viertel der Teilnehmer zu Protokoll, sachliche Dialoge gesucht und sinnvolle Nachfragen gestellt. Von Streitsucht, die sich in den Kommentaren niederschlägt, berichten deutlich weniger, doch auch auf den SciLogs ist das Phänomen als solches bekannt.

 

FRAGE: Leserinnen und Leser können Kommentare zu Blogbeiträgen hinterlassen und Dich als Autor/in auch direkt anschreiben. Wie häufig passiert es Dir, dass Dich Leser/innen auf folgende Weisen ansprechen?

SciLogs-Studie 2012: Erfahrungen der Blogger/innen mit Kommentaren

 

Worüber wird gebloggt? Nur fünf Befragte schreiben in erster Linie meist über ihre eigene Arbeit, während 36 Prozent sich zwar der Forschung in ihrem Feld widmen, dabei aber vorrangig die Arbeit anderer Wissenschaftler behandeln; 34 Prozent tun beides in etwa gleichen Teilen; 8 Personen gaben an, dass sie weder das eine, noch das andere tun. Nicht wenige sehen die Blogs auch als Gegengewicht zu den Mainstream-Medien. Heiße allgemeine Themen sind als Inspiration für Posts ebenso relevant wie Fachveröffentlichungen (je 19 Prozent).

Und wie steht es mit dem Verhältnis der Blogger zum Wissenschaftsjournalismus? Die Mehrheit der SciLoggerinnen und SciLogger wirft durchaus kritische Blicke auf den Journalismus. 63 Prozent der Umfrage-Teilnehmer haben bereits journalistische Beiträge in ihren Posts seziert, etwas mehr als die Hälfte von ihnen sogar häufig. Drei Personen wehrten sich dabei mehrfach gegen falsche Darstellungen ihrer eigenen Forschung, und vier weitere waren zumindest einmal bereits persönlich betroffen. Deutlich häufiger entzündet sich die Medienkritik der Bloggerinnen und Blogger aber an journalistischen Beiträgen über die Forschung anderer; dies gaben 80 Prozent derjenigen zu Protokoll, die Medienkritik geübt haben.

Doch wer glaubt, die SciLogger stimmen damit den Abgesang auf den Wissenschaftsjournalismus an, der täuscht sich: Denn trotz der Kritik glaubt nur eine winzige Minderheit der Befragten, dass wissenschaftliches Bloggen den Wissenschaftsjournalismus langfristig ersetzen könne. Hohe Zustimmungswerte bei einem Fragenkomplex zu den Einstellungen der Blogger erhielten hingegen die Aussagen „Wissenschaftler/innen müssen mehr mit Zielgruppen außerhalb der Fachöffentlichkeit kommunizieren“ sowie „US-amerikanische Wissenschaftler/innen beurteilen Wissenschaftskommunikation positiver als deutsche“.

 

FRAGE: Hier folgt eine Liste mit Meinungen zur Wissenschaftskommunikation, also der Vermittlung von Wissenschaft jenseits der Fachöffentlichkeit. Wie sehr stimmst Du diesen Aussagen zu?

SciLogs-Studie 2012: Einstellungen

 

Abschließend ein paar Worte zur Demografie unserer 44er-Stichprobe: 32 Männer und zehn Frauen haben teilgenommen; zwei Personen machten keine Angabe. Knapp 60 Prozent der Befragten haben ihre Wurzeln in den Naturwissenschaften; 20 Prozent sind in den Geisteswissenschaften beheimatet. Rund die Hälfte trägt einen Doktorhut. 43 Prozent der Befragten bloggen schon mehr als zwei Jahre lang bei SciLogs.de.

 

Teil 2 meiner Auswertung gibt Antworten auf die Frage, wie viel Zeit das Bloggen die SciLogger kostet.

Carsten Könneker

Veröffentlicht von

Carsten Könneker Zu meiner Person: Ich habe Physik (Diplom 1998) sowie parallel Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte (Master of Arts 1997) studiert – und erinnere mich noch lebhaft, wie sich Übungen in Elektrodynamik oder Hauptseminare über Literaturtheorie anfühlen. Das spannendste interdisziplinäre Projekt, das ich initiiert und mit meinen Kollegen von Spektrum der Wissenschaft aus der Taufe gehoben habe, sind die SciLogs, auf deren Seiten Sie gerade unterwegs sind.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Stichprobe erweitern?

    Schöne Studie! Aber es würde sich sicherlich lohnen, den Kreis der Befragten über die SciLog-Community hinaus zu erweitern. Schließlich gibt es ja auch noch jede Menge anderer Wissenschaftsblogs.

  2. zu d-sprachigen wissenschaftsnahen Blogs

    > Merja und Cornelius forschten schon zuvor über Wissenschaftsblogs – und so waren wir uns in Deidesheim schnell einig: Wir erforschen jetzt die SciLogs!

    Der Schreiber hat einige Jahre d-sprachige wissenschaftsnahe Blogs beforscht.

    Die Motivation der Schreiber, die sich naturgemäß nur indirekt feststellen lässt, scheint zum Teil wie folgt:

    1.) Man hat etwas zu sagen und ist sozial genug dieses mitzuteilen.

    2.) Man hat eine Agenda, die Bloggerei folgt ideologischen, politischen und vielleicht wirtschaftlichen Motiven – die eigene Anstellung (was auch für Selbstständige, die self employed sind, gelten kann) kann die Webpublikation sozusagen anfordern

    3.) Man redet gegen, hat sich vielleicht zuvor über bestimmte Aussagen geärgert und will richtigstellen.

    4.) Man hat eine Idee/Hypothese oder bereits eine Theorie/ein Modell und stellt dieses der möglichen Gegenrede vor – um etwas zu lernen

    (Liste unvollständig, Überschneidungen möglich)

    Das nur ergänzend zur ersten Grafik mit ihren Antwortmöglichkeiten…

    MFG
    Dr. Webbaer

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