Visueller Stress

Vorhang zu, Sonnenbrille auf und den Fernseher auf kontrastarm: Dies sind klare Anzeichen für ein Leiden unter visuellem Stress. All diese probaten Maßnahmen kann man sich bald sparen und vielleicht sogar dieses Blog schneller lesen mit individuell getönten Kontaktlinsen, sagt eine Kernspintomographie-Studie.

Wird Dirk Nowitzki seinem Gegner in die Augen gucken können und wenn ja, welche Farbe haben sie? An einen bestimmten Gegner, Dwyane Wade von den Miami Heat, hat er schlimme Erinnerungen aus dem NBA Finale 2005/06. Insbesondere das entscheidende 6 Spiel war ein Spiel Nowitzki gegen Wade. Wade gewann und bekam die NBA Finals Most Valuable Player-Trophäe. Nowitzki bekam sein Trauma. Dwyane Wade ist meinen Lesern vielleicht bekannt. Er trug einmal Anfang 2011 eine stark getönte Sportbrille um die grellen Stadionscheinwerfer abzuschwächen als Migräneprophylaxe. Was die Abwehrspieler der Gegner prompt monierten, da sie seine Augenbewegungen nicht sehen konnten. Ein unerlaubter Vorteil – man hat es nicht leicht, wenn man unter visuellem Stress leidet. Statt Brille wird er vielleicht in drei Stunden mit getönten Kontaktlinsen antreten. Um 3:00 ist Anpfiff (d.h. in Miami ist es noch Dienstag der 31. May 21:00 Ortszeit).


Diese Lichtblitze waren nicht Spiel entscheidend, aber Wade (aka Flash) war es (s. Nachtrag).

Bis dahin ist die Versuchung nun groß, zunächst mit einigen Bildern als Beispiel für visuellen Stress diesen Beitrag zu beginnen. Dann aber besteht die Gefahr, dass viele meiner Leser gar nicht weiter lesen. Sie würden vielleicht wollen, könnten aber nicht. Nicht nur grelle Stadionscheinwerfer auch bestimmte Muster erzeugen visuellen Stress. Zum Beispiel ein Schachbrettmuster, das durch weitere kleinere, geschickt gesetzte Quadrate wellenförmig zu wabbern scheint. Oder quergestreifte Balken, die scheinbar keilförmig zulaufen obwohl sie präzise parallel liegen. Solche und andere Bilder, gut bekannt als optische Täuschungen, erzeugen auch visuellen Stress und sind im höchsten Grade unangenehm für einige anzusehen. Insbesondere für Menschen, die unter Migräne leiden, sie sind besonders anfällig für visuellen Stress. An dieser Stelle also keine solche Bilder sondern gleich zu der neuen Studie.*

In einer wissenschaftlichen Publikation, noch aus dem Jahr 2006, werden spezielle Kontaktlinsen bei Kindern untersucht und man fand, dass sie angeblich helfen visuellen Stress zu reduzieren [1]. Dort heißt es:

The results suggest that it is possible to measure objective correlates of the beneficial subjective perceptual effects of colored lenses, at least in some children who have a history of migraine or severe headaches.
[Die Ergebnisse legen nahe, dass es möglich ist objektive Korrelate der vorteilhaften, subjektiv wahrgenommenen Auswirkungen von farbigen Linsen zu messen, zumindest bei einigen Kindern, die eine Vorgeschichte mit Migräne oder starken Kopfschmerzen haben.]
Übersetzung M.A.D.


Subjektiv wahrgenommene Auswirkungen von farbigen Linsen zu messen ist schwierig. Die Idee solche Kontaktlinsen zu verwenden geht auf die Erfahrung zurück, dass Farbfolien die Wahrnehmung beim Lesen verbessern (Dieser Absatz, zum Beispiel, ist leicht bläulich, wie durch eine blaue Folie gelesen. Lesen Sie ihn schneller?). Lesegeschwindigkeit ist relativ einfach zu erfassen. Kinder, die nun in ihrer Lesegeschwindigkeit von Farbfolien profitierten, bekamen individuell abgestimmte Kontaktlinsen für einen Monat. Sie führten Tagebuch über ihr Schweregefühl der Augenlider, Ermüdung, allgemeines Unwohlsein etc. und auch Kopfschmerzen [2-3]. Es zeigte sich eine Besserung. Trotzdem blieben die Resultate kontrovers. In der neuen Kernspintomographie-Studie [4] vom 26. Mai 2011 heißt es deswegen auch:

The mechanisms for these beneficial effects from coloured filters and POTs [Precision ophthalmic tints] remain obscure, contributing to controversy surrounding their use.
[Die Mechanismen für diese positiven Wirkungen von Farbfiltern und POTs [präzise ophthalmisch abgestimmte Farbtöne] bleiben im Dunklen, was zur Kontroverse um ihre Verwendung beiträgt.]
Übersetzung M.A.D.

Weswegen nun  Kernspintomographie-Daten erhoben wurden, die die zuvor gefundenen Ergebnisse untermauern sollen. Dies gelang auch, zumindest konnte gezeigt werden, dass diese Messdaten weitgehend konsistent zu den Ergebnissen aus den Tagebüchern sind. Ich werde die Studie mir noch etwas genauer anschauen müssen und wahrscheinlich treffe ich den ein oder anderen Autoren diesen Monat in Berlin, auf dem 15. Internationalen Kopfschmerz-Kongress. Dann vielleicht mehr zu diesem Thema.

Was mich aber besonders freut ist, dass mich eine Leserin, welche schon vorangegangenen Post-it Tipp gab, in einem weiteren Kommentar mich auf diese ganz aktuelle Studie aufmerksam gemacht hat. Eine weitere Leserin wiederum hat mir dieses Bild zugesandt.

Nicht nur getönte Kontaktlinsen helfen, sondern es reduziert schon den visuellen Stress die Farben (Hintergrund und Schrift) am Computer bewusst abzustimmen. Fast alle Programme erlauben individuelle Einstellungen.

Einmal mehr zeigt sich, dass Wissenschaftskommuniktion ein Dialog ist, der beidseitig geführt werden kann und dann auch beidseitig Vorteile bringt. Nur ein Blog kann diese Dynamik entfalten. Dies passt gut zu dem Blogbeitrag bei meiner Nachbarin, von Beatrice Lugger, „Patienten als Ratgeber von Forschern (I)„. Ich freue mich zumindest immer über solche Hinweise.

Wie gesagt, jetzt sind es nur noch knapp zwei Stunden bis zum Anpfiff des ersten NBA Finalspiels. Darf ich ausnahmsweise für Dirk Nowitzki hoffen, dass  Dwyane Wade noch keine Kontaktlinsen trägt? Diesmal wird er wohl sowieso eher auf LeBron James achten müssen, beide könnten die Most Valuable Player-Trophäe bekommen. Wie auch immer, wenn ich morgen aufwache, werde ich wissen was Wade gemacht hat.

Wie gut, dass ich mehr als einen auszeichnen kann: für diesen Monat geht an Falter und Alex die Most Valuable Kommentator-Trophäe!

Nachtrag – Ticker zu dem weiteren Verlauf der NBA Finals 2011 

Dieser Teil wurde in den nächsten Beitrag verschoben.

Fußnote

 

* Statt Bilder aber doch der Hinweis auf das „Migraine“ Musikvideo der HipHop Gruppe ArtOfficial. In meinen englischen Blogbeittrag (von dort verlinkt) gehe ich auf Dwyane Wade noch genauer ein.

 

Literatur

[1] Riddell PM, Wilkins A, Hainline L.
The effect of colored lenses on the visual evoked response in children with visual stress.
Optom Vis Sci. (2006) 83:299-305.

[2] Wilkins AJ, Evans BJ, Brown JA, Busby AE, Wingfield AE, Jeanes RJ, Bald J.
Ophthalmic Physiol Opt. 1994 Oct;14(4):365-70. Double-masked placebo-controlled trial of precision spectral filters in children who use coloured overlays.
[3] Lightstone A, Lightstone T, Wilkins A. Both coloured overlays and coloured lenses can improve reading fluency, but their optimal chromaticities differ. Ophthalmic Physiol Opt. 1999 Jul;19(4):279-85

[4] Jie Huang, Xiaopeng Zong, Arnold Wilkins, Brian Jenkins, Andrea Bozoki, Yue Cao
fMRI evidence that precision ophthalmic tints reduce cortical hyperactivation in migraine,
Cephalalgia 26 May, 2011.

Link

Kurze URL zu diesem Beitrag

Bildquelle

Anpfiff des ersten Finalspiels, Thumbnail zur Illustration von visullem Stress (NBA.de)

Logo der NBA Finals 2011 (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

 

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin, am Massachusetts General Hospital und an der TU Dortmund. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wofür sind Augen entwickelt?

    Zum einen, ja frau ist meistens mit getönten Brillengläsern an zu treffen. Gerne gelb beim Autofahren ansonsten braun – weil eben betroffen.

    Eine Frage: Steht die Augenfarbe in einer Beziehung zur Lichtempfindlichkeit?

    Ausserdem: Angesichts unseres Alltags am PC mit Kunstlicht (Neonröhre(!)) sollte man nicht vergessen, dass unsere Spezies sich aus einer ganz andere Realität heraus entwickelt hat. Wie die Anpassung sich zeigen wird, macht immer wieder neugierig und gibt Anlass zu Spekulation. – Manche Individuen haben mehr Probleme dabei und Migräniker sind sicher eine Gruppe davon. Für jeden einzeln Betroffenen ist es allerdings schon mal tragisch.

  2. Augenfarbe & Plastizität

    Ich denke, dass die Augenfarbe keine Rolle spielt.

    Mir ist allerdings noch völlig rätselhaft, wieso Farbe und individuelle Anpassung eine Rolle spielen.

    Will man böse sein, könnte man nun vermuten, dass nur bei individueller Anpassung ein passendes Geschäftsmodell hinter dieser möglichen Migräneprophylaxe steckt. Aber dies will ich gar nicht unterstellen. Trotzdem muss ich mir nochmal genau angucken, inwiefern dies hier eine Doppelblindstudie war, also die Probanden nicht wussten, ob sie die individuell angepassten Kontaktlinsen trugen oder eine beliebige andere Farbe.

    Für mich ist das hochinteressant, da ich selber an visueller Stimulation forsche, die die Übererregbarkeit abmindern kann, eventuell kann man sogar die synaptische Plastizität (Lernfähigkeit) der Hirnrinde nutzen, um Migräne zu „verlernen“. All dies spielt in diesem Zusammenhang mit rein und wird uns in der zukünftigen Forschung beschäftigen.

  3. Kontrasttiefe

    Farbige Linsen oder graue Hintergrundfarbe am Bildschirm verändern die Kontrasttiefe(KT): Differenz zwischen hellstem und dunkelsten optischen Reiz (die lässt sich optisch vermessen). D.h. KT könnte die ReizSTÄRKE bestimmter neuronaler Signale beeinflussen (Erregungsgrad).
    Wenn sich dies bestätigt, dann wäre hier ein interessanter Forschungsansatz

  4. Kontrasttiefe II.

    Unser optisches System verändert sich mit dem Alter: Eintrübung durch Eiweißstoffe und Veränderung der Farbe von (klar transparent, beim Kleinkind) bis zum gelblich braunen Farbton im Alter. Hier wäre die Statistik gefragt: ob die Zahl der durch starke Lichtreize ausgelösten Migräneanfälle mit dem Alter abnimmt?

  5. Migräne Light

    Ein hoher Kontrast ist für visuellen Stress entscheidend, dass zeigen eigentlich alle Studien.

    Die erhöhte Lichtempfindlichkeit (und damit der Trigger visueller Stress) ist nur ein Faktor bei der Migräne. Und auch nur ein möglicher kein notwendiger. Mit einer guten Statistik wird es daher schwer.

    Drüben in Gray Matters habe ich kurz mal eine Publikation „A neural mechanism for exacerbation of headache by light“ erwähnt im Beitrag „Migraine light„. Ich schrieb:

    If light can worsening a headache, can it also help?

    Die „guten“ Lichtreize (welche die entweder Anfallshäufigkeit vermindern oder die akuten Attacke abschwächen) brauchen wahrscheinlich auch einen hohen Kontrast (meine momentane Hypothese). Es kommt eher auch die richtige Kombination von räumlichen und zeitlichen Frequenzen an. Eventuell in einer Rückkopplungsschleife, also unter Einbezug der momentanen Hirnaktivität (Stichwort Biofeedback).

    Das geht in die Richtung der Arbeit von Hinterberger, den Sie (KRickard) in Ihrem Kommentar zum letzten Beitrag erwähnten.

    An diesem Themen forschen viele.

  6. gutes Licht

    Ich frage mich oft ob ich in einer für mich perfekten, das heißt
    kontrastarmen Welt tatsächlich weniger Migräne hätte? Wäre meine
    Lebensqualität höher, könnte ich die Menschen dazu bringen keine karierten
    Hemden mehr zu tragen? Würde sich die Zahl der Anfälle verringern wäre ich
    blind? Vielleicht wäre das so, aber ich denke Migräne hätte ich trotzdem.

    Sommer-Sonnenschein vor allem die Reflexionen, das „weiße Licht“ sind für
    mich schwer zu ertragen, tatsächlich aber habe ich immer Sommer auch nicht
    öfter Migräne als im Winter. Für mich rätselhaft aber so ist es.

    Ich meide starke Kontraste also primär nicht weil sie Migräne auslösen
    sondern weil sie mir extrem unangenehm sind. Die Migräniker Hölle sieht für
    mich so aus, ich stehe bei einem Kollegen im Zimmer, er trägt ein kariertes Hemd, die Neonröhre flackert, der Monitor strahlt hell wie die Sonne –
    Kontrast natürlich schwarz weiß und in der original grellen Herstellereinstellung. Ich kann vor lauter Nachbildern kaum noch etwas
    sehen, das Flackern von Monitor und Hemd machen mich kribbelig, es ist als
    würde es meinem Kopf den Magen umdrehen, ich will nur noch raus. So fühlt sich das an und so ist es alltäglich.

    An einem Training das die Übererregbarkeit abmildern könnte wäre ich sehr interessiert. Wie sieht ein guter Lichtreiz aus? Ich habe absolut keine Vorstellung davon wie „gutes Licht“ aussehen könnte – außer das es möglichst dunkel wäre 😉

  7. NBA Finals und der liebe Schlafrhythmus

    Ein geregelter Schlafrhythmus ist eine wichtige Maßnahme Migräneattacken vorzubeugen.

    Aber auch so sind mir die Finals zu spät. Zumal ich heute keinen Brückentag nehme. Kurzum. Ich weise hier darauf hin, dass ich die Spiele morgens immer zusammenfasse.

    Ich hoffe dabei nicht auf eine Migräne-Schlagzeile im Zusammenhang mit visuellem Stress zu stoßen (wobei jetzt kommen die Heimspiele in Dallas …), die Spiele interessiert mich auch so.

    Zum Schlafrhythmus werde ich vielleicht dann bald mal einen eigenen Beitrag schreiben. Anekdoten oder Tipps zur Prophylaxe nehme ich gerne aus den Kommentaren entgegen.

  8. Gutes Licht für Migräniker?

    Alex‘ Migränehölle könnte auch meine sein. Auch sehr „angenehm“, ein Gespräch führen zu müssen, bei dem der Gesprächspartner vor dem Fenster steht, in das die Sonne reinscheint. Inzwischen nehme ich mir die Freiheit, solche Situationen für mich zu entschärfen, indem ich klipp und klar sage, dass ich nicht ins grelle Licht sehen kann.

    Mich würde die Frage auch interessieren, ob Menschen mit dunklen Augen (starke Pigmentierung) nicht doch einen besseren Lichtschutz haben als z.B. grünäugige Menschen?

    Geregelter Schlafrhythmus ist ein unangenehmes Thema. Es bedeutet nämlich, auch am Wochenende zur gewohnten Zeit aufzustehen, zu frühstücken und danach eventuell nochmal ins Bett zu gehen. Aber wer kann dann noch weiterschlafen, wenn er mindestens eine halbe Stunde wach war?

  9. Fingerspitzengefühl

    Ich denke, es ist den meisten Menschen zumindest nicht angenehm vom Sonnenlicht geblendet zu werden, so dass gleich ein klarer Hinweis (ohne weitere Begründung) immer angebracht ist. Stört einem das karierte Hemd des Gesprächspartners ist da schon mehr Fingerspitzengefühl angebracht …

    Was das frühe Aufstehen am Wochenende betrifft, hätte ich diesbezüglich kein Problem (wie die Uhrzeit dieser Antwort nahelegt). Aber darüber wundere ich mich selbst. Problematisch wird es dann aber bei unregelmäßigen Arbeitszeiten.

  10. Fingerspitzengefühl

    ich bin auch schon wach… wach geworden und vor allem auch wach geblieben, besonders gefährlich ist es, wenn ich mich nochmal „rumdrehe“.

    @Bettina, ich rede mittlerweile mehr darüber was mich stört, seit ich mitbekommen habe das mein Kollege dachte ich könne ihn nicht leiden (!), weil ich vermeide ihn anzuschauen und freiwillig nie in sein Zimmer gehe, vermutlich habe ich diesen Eindruck ungewollt schon öfter erweckt. Oftmals habe ich auch keine andere Wahl, natürlich fällt es auf wenn ich mit Kappe und Sonnenbrille in der Fortbildung sitze – aussehe wie ein Depp(und habe dennoch danach jedesmal Migräne). Das ich ein Rad ab habe gehört halt jetzt zu meinem Image, ich lasse es zu das sie viel Spaß auf meine Kosten haben können – besser sie lachen als das sie sauer sind und ich habe einen Arbeitsplatz an dem ich überleben kann.

    Gibt es denn etwas Positives über all unsere Empfindlichkeiten zu sagen? Gibt es Dinge die wir gut können, weil wir sind wie wir sind? Ich zB habe kürzlich jonglieren gelernt, mir fällt es leicht die Muster zu erkennen die ich sehe und nachzuwerfen. Ich kann recht schnell aus einer Zahlenkolonne bestimmte Zahlen herausfiltern oder Schlüsselworte im Gesetzestext finden, diese Fähigkeiten bringen mir beruflich durchaus Vorteile. Ein kleiner Trost vielleicht…

  11. Kein Tabuthema

    @ Alex: Ich würde mir nicht den Stempel des „Deppen“ aufdrücken lassen. Migräne ist eine Erkrankung, wie jede andere auch. Muss ein Krebskranker nach Chemotherapie ein Kopftuch, oder sonstige Kopfbedeckung tragen, käme doch niemand auf die Idee, diesen Menschen auszulachen oder zu diskriminieren.

    Warum ist die Migräne teilweise immer noch ein Tabuthema? Es hapert wohl immer noch an der Aufklärung. Vielen Nichtbetroffenen ist nach wie vor nicht bewusst, dass Migräne eine extrem einschränkende und sehr belastende Erkrankung ist.

    Mir ging es früher auch so. Meine Einschränkungen waren mir peinlich, da man sie ja nicht sehen konnte. Niemand wusste, wie sehr ich leide, da ich mir selbst auch immer wieder sagte: „Es sind ja nur Kopfschmerzen“.

    In dieser Hinsicht bin ich selbstbewusster geworden und wenn ich mal wieder absagen muss, dann deshalb, weil ich Migräne habe und nicht Magen- Darminfekt, oder welche Ausreden ich sonst noch hatte.

    Diese Offenheit tut mir gut und sie trägt dazu bei, Betroffene aus ihrer Ecke rauszuholen, ebenso die Aufklärung in der Bevölkerung zu optimieren.

  12. Positives zur Migräne

    „Migräniker zu sein, hat nicht nur Nachteile. 😉

    Das Gehirn eines Migränikers läuft ständig auf Hochtouren, daher ist man auch sehr leistungsfähig. Durch die fehlende Reizabschirmung entgeht einem halt nichts, was man andererseits natürlich wieder mit Schmerzen büßen muss. Migräniker sind auch oft feinfühlig, können Stimmungen sehr schnell erkennen und richtig zuordnen, sind empathiefähig und beherrschen zudem noch Multitasking.

    Das heißt natürlich nicht, dass Nichtbetroffene nicht auch dieselben Fähigkeiten haben. 😉

    Wäre ein Arbeitgeber schlau, würde er gerne Migräniker einstellen und ihnen den Arbeitsplatz so einrichten, dass sie ungestört von sonstigen Reizen ihre Arbeit in einer für sie optimalen Umgebung leisten könnten. Dazu aber braucht es natürlich wieder – Aufklärung!

    Aber ich fürchte, davon sind wir noch ein wenig entfernt…

  13. Kontrast

    aber…. es liegt nicht nur am Kontrast oder? Ich habe vorhin unterschiedliche Schriftfarben auf weißem Hintergrund durchprobiert, hellgrüne, aquamarine oder auch gelbe Schriften helfen überhaupt nicht, rote oder grüne Schrift ist besser – obwohl der Kontrast doch höher ist als bei den helleren Schriftfarben.

    Steckt dahinter eine Regel die ich nicht verstehe?

  14. Grauer Hintergrund

    Interessant finde ich den Zusammenhang zwischen der Vermeidung von visuellem Stress und farbigem Hintergrund – oder farbigen Kontaktlinsen bzw. Brillengläsern. Dabei scheint mir, dass die Vorteile vom grauen Hintergrund durchaus physikalisch erklärbar sind. Zeigt sich doch, dass beim Arbeiten mit CAD auf hellgrauer Zeichenfläche eine wesentliche größere Palette farbiger und damit gut unterscheidbarer Linien verwendet werden kann, wie mit der lange Zeit traditionellen schwarzen oder der inzwischen verbreitet eingesetzten, weißen Zeichenfläche. Fallen bei Schwarz alle dunklen Linienfarben flach, sind es bei einer weißen Fläche die hellen Farben, die nicht oder nur schwer erkennbar sind. Auf hellgrauem Hintergrund hingegen sind alle Farben – egal ob hell oder dunkel – erstaunlich gut zu erkennen, außer die Hintergrundfarbe selbst.

    Dass daraus ein Zusammenhang zur Vermeidung von visuellem Stress „konstruiert“ werden kann, will ich nicht behaupten. Doch Stress ist immer irgendwie durch das Abweichen von der „Ideallinie“ hervorgerufen und – mit einem Seitenblick zum CAD – scheint Grau der idealste Hintergrund zu sein.

    Wäre noch interessant zu erfahren, welche Brillen-/Kontaktlinsenfarbe bei wissenschaftlichen Tests am besten abschneidet.

  15. Grau

    Grau ist in der Grauen Substanz immer willkommen.

    Danke für diesen Hinweis!

    Es ist leicht einsichtig, dass mit grauem Hintergrund die Farbdetektion sowohl sehr heller (gelb) als auch sehr dunkler (blau) Farben relativ leicht ist. Was weniger anstrengend ist vermindert Stress im allgemeinem Sinne.

    Über den Einfluss der Farbe habe ich aber bisher noch nicht nachgedacht. Farbsehen und deren Repräsentation in der Großhirnrinde ist ein kompliziertes Forschungsfeld innerhalb des großen und gut untersuchten Forschungsfeld der Sehwahrnehmung.

    Vielleicht ist das eher mal ein Thema für einen Gastbeitrag.

  16. kleinkariertes + sw gestreiftes

    Hat es mit der Migräne zu tun, oder mit meinem Astigmatismus, dass mir beim Anblick von kleinkarierten und gestreiften Gegenständen komisch wird?

  17. mehr grau im Netz

    mich stört der weiße Hintergrund auch im Netz, bislang dachte ich daran nichts ändern zu können, aber zufällig habe ich heute einen Weg herausgefunden um das zu ändern.

    Internetexplorer öffnen > Extras > Internetoptionen > barrierefrei > Häckchen bei Farbangaben auf Websides ignorieren machen.

    Dann dort wieder raus und links von barrierefrei auf Farben klicken eine Farbe aussuchen -in meinem Fall war es grau und tatsächlich jeglicher weißer Hintergrund ist verschwunden.

    Ich dachte ich schreibe es mal hierhin, vielleicht hilft es auch anderen.

    Eine ähnliche Lösung für den Thunderbird habe ich leider noch nicht gefunden.

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