Die Dissertation zwischen Auftragsarbeit und Gesellenstück

In welchem Ausmaß werden in Dissertationen Ideen übernommen ohne das eine eigene signifikante wissenschaftlich kreative Arbeit geleistet wird?

Bloggewitter Ehrlichkeit in der WissenschaftDies ist für mich eine zentrale Frage. Eine Frage nach der Ehrlichkeit unseres deutschen Wissenschaftssystems und nicht nach der Ehrlichkeit seiner einzelnen Mitglieder. Ich halte diese für wichtiger und stelle sie mir seit langem. Erinnert wurde ich gestern daran durch ein Zitat Häberles in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung [1].

"Der Doktorvater", schreibt Häberle, 76, "darf seine eigenen Wunschvorstellungen nicht in seinen Doktoranden projizieren, sondern muss gemeinsam mit ihm ein Thema finden, das dessen Talenten und Interessen, Möglichkeiten und Grenzen angemessen ist." Dissertationen betrachtet er als "Gesellenstücke".

Meine Sorge gilt nicht Plagiaten im eigentlichen Sinn, sondern der Ausrichtung der Dissertation zwischen Auftragsarbeit und Gesellenstück. Wir haben heute mehr denn je die Möglichkeit Plagiate zu erkennen. In Zukunft erwarte ich durch das neue Bewusstsein dessen sogar einen deutlichen Rückgang.

Meine Befürchtung ist vielmehr, dass in Deutschland der Anteil der Dissertationen ohne eine eigene signifikante wissenschaftlich kreative Leistung höher ist als anderswo. Ich fürchte, dass Doktorväter wie Mütter Wunschvorstellung, ja ganze Forschungspläne auf ihre Doktoranden projizieren und diese sich artig anstellen diese Auftragsarbeit fertig zu stellen – handwerklich ohne Fehler und doch kein wissenschaftlich eigenständiges Gesellenstück.

Warum könnte dies im besonderen Maße ein deutsches Problem sein?

In Deutschland wird Forschung zu einem weit überdurchschnittlich hohen Anteil von wissenschaftlichen Mitarbeitern im Mittelbau betrieben. Also von Doktoranden und Postdoktoranden, die mit einem Anteil von 55% des hauptberuflichen wissenschaftlichen Personals das breite Fundament unserer Forschung bilden [2]. 


Quelle und weitere Information zur Grafik in [2].

Letztlich liegt es natürlich in der Natur des Doktoranden (nicht nur in Deutschland) zur Gruppe der unselbständig Forschenden und Lehrenden zu gehören. Aber eine Unselbständigkeit aufgrund zahlreicher Beratungsgespräche, in denen der Fortschritt eingehend kontrolliert wird – um wieder mit Häberle zu sprechen – ist eine Sache. Eine andere die Unselbständigkeit aufgrund konkret vorgegebener Arbeitsschritte und Methoden, die es nur nach Schema auszuführen gilt, um dann an den unvermeidbar aufkommenden Hindernissen wieder eine kreativ den wegweisende Order zu erhalten.

Denn was ist das eigentliche Ziel einer Dissertation [3]? 

Ziel einer jeden Dissertation sollte sein, der Menschheit etwas grundlegend Neues mitzuteilen. Wenn von vornherein bei dem Doktoranden kein ernsthaftes Interesse daran besteht, eine wissenschaftliche Fragestellung über einen längeren Zeitraum hinweg vertieft zu betrachten, etwas wirklich Neues herauszufinden und sich durch Publikationen und Vorträge in der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu etablieren, ist die Gefahr des Scheiterns groß. „Scheitern“ muss nicht unbedingt heißen, dass die Promotion nicht zustande kommt. Aber auch eine Promotion, die zwar abgeschlossen wurde, die aber im wissenschaftlichen Umfeld auf keinerlei Resonanz stößt, weil ihr kreativer Eigenbeitrag als beschränkt oder nicht relevant eingeschätzt wird, ist letztlich eine gescheiterte Promotion.

Anmerken möchte ich, dass wenn der größte kreative Beitrag vom Betreuer der Arbeit stammt, dies ebenso eine gescheiterte Promotion, wenn auch nicht eine gescheiterte wissenschaftliche Arbeit ist. Deswegen funktioniert das deutsche Wissenschaftssystem sehr gut.

Allein das Verhältnis zwischen selbständig und unselbständig Forschenden, also Professoren und Doktoranden ist in einer bemerkenswerten Schieflage. Die Ironie ist, dass es vielen selbständig Forschenden nur noch möglich ist, eigene Forschung zu machen, in dem sie ihre Ideen delegieren und damit einen Teil ihrer Doktoranden letztlich als Werkzeuge missbrauchen. Um selbst zu forschen fehlt die Zeit.  Forschung wird zur Betreuung. Die Lehre kommt dazu. Viel Zeit braucht auch die Beantragung neuer Drittmittel. Durchaus sinnvolle Zeit in der die ersten kreativen Ideen zu Forschungsplänen geschmiedet werden, die es dann auf die zusätzlichen Doktoranden zu projizieren gilt. Einen Teufelskreis in dem eigenständig forschen nicht mehr selbstständig genannt werden kann. Dadurch werden bei uns vermutlich mehr Doktorarbeiten zum unfreiwilligen Plagiat als in Ländern ohne diese Schieflage. Ein Problem dessen Ausmaß ich zwar nicht einschätzen kann, dass aber sicher größere ist, als das Ausmaß der echten Plagiate.

Dieses in der deutschen Wissenschaft wie Politik längst erkannte Strukturproblem [4] zu beheben ist eine Frage wir ehrlich wir Wissenschaft als Gesellschaft betreiben wollen. Es ist keine Frage wie erfolgreich wir Wissenschaft betreiben. Denn über die vernüpftigen Maße Doktortitel für die Wirtschaft und den Bundestag zu produzieren erzeugt zwar ganz sicher die falsche Erwartungshaltung Einzelner. Doch nicht notwendigerweise werden damit schlechte Ergebnisse in der Forschung erzielt. Zumindest dann nicht, wenn Professoren auch gute Manager sind.

Es lohnt auch ein Blick auf die Kostenrechnung um die Unehrlichkeit zu entlarven. Da drittmittelfinanzierte Doktoranden nicht Vollzeit bezahlt werden, sie sind schließlich nur für die Durchführung der vorgegebenen Forschungspläne eingestellt, die Durchführung der eigenständigen Dissertation erfolgt in der verbleibenden freien Privatzeit, ist dieses System sogar kostengünstig, da de facto weit untertariflich finanziert. Zugleich führen wir den akademischen Karriereweg durch einen Flaschenhals. Dies verschärft die von Beginn an finanziel engen Lebenssituationen der Wissenschaftler auf ihren weiteren Weg und führt all zu oft in prekäre Arbeitsverhältnisse. Neulich wurde einem Kollegen von mir geraten "er müsse bereit sein auch mal ein halbes Jahr arbeitslos weiter zu forschen". Muss er nicht. Er ging.

Dies ist eine Frage der Ehrlichkeit, ja der Ehre unseres Wissenschaftssystems. Dies ist – für mich – die eigentliche Lüge der Bildungsrepublik.

Facebook-Seite

Mit dem Thema zwar verbunden aber letztlich davon unabhängig ist die Frage, wie hoch der Anteil des hauptberuflichen wissenschaftlichen Personals an deutschen Universitäten und gleichgestellten Einrichtungen eigentlich sein sollte. Dazu habe ich eine Facebook-Seite initiert.

Wenn Sie die Idee eines Anteils von ca. 25% des wissenschaftlichen Personals als akademische Juniorposition in Deutschland gut finden (dies sind nicht Stellen für Doktoranden, verbessert aber das Verhältnis Doktoranden zu Betreuern), klicken Sie bitte den Like-Button, oder besuchen Sie zunächste die FB-Seite. Empfehlen möchte ich aber insbesondere die Lektüre [2] als Hintergrundinformation. Link als kurz URL: http://goo.gl/4fRJt

  

Literatur und Quellen

[1] "Schmerzliche Entfremdung" von Rudolf Neumaier, Süddeutsche Zeitung, 24. Feb. 2011 (die Häberle-Zitate stammen aus "Pädagogische Briefe an einen jungen Verfassungsjuristen (Verlag Mohr Siebeck, 2010))

[2] Die Grafik bezieht sich nur auf das hauptberufliche wissenschaftliche Personal, also z.B. nicht auf Lehrbeauftragte, HiWis. Und auch nur auf solche an Universitäten und nicht auch auf Fachhochschulen u.ä.. Genauere Informationen sind in "Die akademische Juniorposition zwischen Beharrung und Reformdruck" von Prof. Reinhard Kreckel. Die Farbabbildung hier stammt allerdings aus "Zur Kooperation verpflichtet" von Prof. Reinhard Kreckel, Forschung und Lehre, 2009 Heft 5, Seite 331)

[3] "Warum promovieren wir?" von Prof. Oliver Günther, Forschung und Lehre, 2009 Heft 7, Seite 484.

[4] So ist z.B. die exzellente Analyse von Prof. Reinhard Kreckel [2] in den Bundesbericht zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses (BuWiN 2008) eingeflossen. Vergl. auch Website  "Wissenschaftlicher Nachwuchs" der Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Quelle Bild im FB-Absatz: modifiziert – Original von Guttbye-Demo am 26. 2. von Sebastian Jabbusch (CC BY-NC-SA 3.0)

 

 

 

Link

Kurze URL zu diesem Beitrag:

http://goo.gl/MADI0

Markus A. Dahlem

Vita des Autoren Ich, Markus Dahlem, entwickle seit nunmehr fast 25 Jahren Computermodelle der Migräne. Mehr als mein halbes Leben und dass ganze berufliche habe ich einer Krankheit gewidmet unter der ich nicht leide. Besser so herum, oder? Von Hause aus bin ich Physiker und studierte in Aachen, Göttingen und Magdeburg sowie mathematische Biologie in Salt Lake City, U.S.A. Tätig war ich unter anderem am Max-Planck-Institut für Ernährungsphysiologie in Dortmund, im Department of Psychology, Stirling University, Großbritannien, an der Universitätsklinik für Neurologie der Otto-von-Guericke Universität, am Leibniz-Institut für Neurobiologie, beide in Magdeburg, als Gastdozent für Dynamische Krankheiten an der Technischen Universität Berlin und am Mathematical Biosciences Institute der Ohio State University, Columbus, U.S.A. Zurzeit forsche ich als Gast an der Humboldt Universität zu Berlin und am Massachusetts General Hospital, dem größten und ältesten Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Harvard University. Wenn ich mal in die Zukunft blicken darf, die Bedeutung bioelektronischer Arzneimittel – sogenannter Elektrozeutika – wird zunehmen, als Beispiel führe ich im neuen Lehrbuch der Migräne (Neurobiological Basis of Migraine, Dalkara und Moskowitz (Hrsg.), John Wiley & Sons Inc, Erscheinungsdatum voraussichtlich 25. Juli 2016.) den Vorteil von Computermodelle gegenüber Tiermodellen der Migräne an, da sie den Weg zu personalisierten Elektrozeutika öffnen. Mal schauen, ob es so kommt. Zusammen mit großartigen Kollegen und Freunden aus den Bereichen Mensch-Technik-Interaktion und Data Science habe ich das Berliner eHealth-Start-up NewsenseLab gegründet, das die Migräne-App M-sense entwickelt, die Betroffenen das Leben erleichtern wird und sei es nur bei der Kommunikation mit den behandelnden Arzt oder Ärztin. Mit über 50 eingeladenen internationalen Fachvorträge über Migräne, über 40 Fachpublikationen sowie mehreren Buchbeiträge bin ich auch ganz klassisch in der Wissenschaftskommunikation aktiv. Aber mit noch mehr Spaß schreibe ich seit 2009 diesen Wissenschaftsblog über Migräne aus der Forschungsperspektive von Gehirnstimulatoren zu mobilen Gesundheitsdiensten. Ich lebe in Berlin zusammen mit meiner Frau, meinem Sohn – und der lieben Schwiegermutter unter einem Dach. Ganz so eng ist es nicht, denn meine Frau arbeitet die Woche über in Zürich als Ärztin. Es kommt immer anders als man denkt.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wissenschaft als Ware

    Ich finde deinen Artikel klasse! Du legst den Finger in die Wunde und bohrst……

    Wie siehst Du denn die Rolle des Hochschulrats in so einem System?
    Ich finde er macht alles nur noch schlimmer. Da wird ja quasi die Unselbständigkeit von der Du in deinem Text sprichst auf höherer Ebene fortgeführt: Die akademische Selbstverwaltung wird teilweise aufgegeben und in Zukunft die Forschung viel mehr an wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet. Wissenschaft wird zur Ware die auf Kosten der wissenschaftlichen Mitarbeiter billig produziert wird.

  2. Sehr richtig, auch in der Schweiz

    Ein interessanter Gedanke, der natürlich in der breiten Oeffentlichkeit niemals Beachtung finden wird.

    Mir wurde damals auch eine Doktorandenstelle am Paul-Scherringer Institut (Schweiz) angeboten, der vorgelegte Forschungsplan enthielt tatsàchlich schon detailierte Angaben, wann was „erforscht“ sein würde, etc. pp.

    Hinzu kommt, dass auch bei vielen MPIs vertraglich explizit gefordert wird, dass die Promotion innerhalb von x-Jahren beendet ist. Das heisst, selbst wenn der Professor wollte, er könnte einen Doktoranden (in einem schwierigen, länger als geplant dauerenden Projekt) nicht länger beschäftigen.

  3. @Jan: Krämerseelen

    „Mir wurde damals auch eine Doktorandenstelle am Paul-Scherringer Institut (Schweiz) angeboten, der vorgelegte Forschungsplan enthielt tatsàchlich schon detailierte Angaben, wann was „erforscht“ sein würde, etc. pp.“

    Man darf sowas nicht überbewerten: Auch wir müssen solche Forschungspläne machen und für Evaulationen bereithalten – unabhängig davon, daß alle wissen, daß die Forschung ganz anders abläuft.

    @Markus: Dein Artikel hat mir sehr gut gefallen. 🙂 Danke dafür.

  4. Fatale Konsequenz

    Das Schlimme ist, daß nicht nur Ehrlosigkeit populären Einzug in die Wissenschaft hält, sondern daß auch das kreative Potential der Wissenschaft mehr und mehr unter dem Phänomen des „Sachzwanges“ zu leiden beginnt. Monologismus (s.a. Th. Bernhard „Über Katafalkismus“ in „Ritter, Dene, Voss“, Gutenberg-Verlag, ISBN 1) statt Entfaltung.

    „Von fröhlicher Wissenschaft kaum noch ein Hauch – warte nur, bald ruhest auch Du.“ – so sagt man neuerdings von der Wissenschaft, wie es heißt.

    Ich habe, um das noch zu erwähnen, persönlich dutzendfaches mentales Dahinsiechen talentierter Kollegen, zermahlen und zermalmt im Wissenschaftsbetrieb, miterleben müssen. Cui bono?

  5. Forschungsverwaltung und Rechtsstaat

    Sehr gelungener Beitrag. Es ist ja eine Absurdität, dass das wissenschaftliche System oft darauf hinausläuft, Leute, die etwas sehr gut können (nämlich forschen) in eine Führungsposition zu bringen, in der sie genau das nicht mehr können (nämlich verwalten müssen statt forschen).

    Da drittmittelfinanzierte Doktoranden nicht Vollzeit bezahlt werden, sie sind schließlich nur für die Durchführung der vorgegebenen Forschungspläne eingestellt, die Durchführung der eigenständigen Dissertation erfolgt in der verbleibenden freien Privatzeit…

    Das denken manche; aber das ist doch nur eine bequeme Rationalisierungsstrategie zur Verringerung der kognitiven Dissonanz. Denn: Wird jemand wirklich zum Forschen eingestellt (und nicht etwa nur zur Projektverwaltung), dann ist doch die Ausbildung des akademischen Nachwuchses Teil des Drittmittelprojekts; und dazu gehört in unserem System eben auch die Promotion. Man beantragt mitunter doch ganz ausdrücklich „Doktorandenstellen“.

    …führt all zu oft in prekäre Arbeitsverhältnisse. Neulich wurde einem Kollegen von mir geraten „er müsse bereit sein auch mal ein halbes Jahr arbeitslos weiter zu forschen“. Muss er nicht. Er ging.

    Besser, als sich ausbeuten zu lassen. Er hätte sich aber auch von einem Arbeitsrechtler beraten lassen können. Denn: Verlangt der Arbeitgeber über das befristete Arbeitsverhältnis hinaus eine Tätigkeit, dann besteht auch ohne neuen Vertrag ein rechtliches Arbeitsverhältnis; und da dieses neue Arbeitsverhältnis nicht befristet ist (mangels Befristungsklausel im Vertrag), gilt es meines Wissens standardmäßig sogar unbefristet. Entsprechende Urteile können online gefunden werden.

    Ich weiß, dass manchen Akademikern der Rechtsstaat nicht schmeckt; aber angesichts der verbreiteten persönlichen und finanziellen Ausbeutung sollte man meines Erachtens im Zweifelsfall nicht davor zurückschrecken, seine Rechte mit rechtsstaatlichen Mitteln einzufordern.

    Antwort:
    Ich musste, als ich eine 1/2 BAT-IIa Stelle zu einer ganzen Stelle zusammenlegte, der DFG gegenüber versichern, dass der Bewerber nicht auf dieser Stelle promoviert wird (was in der Tat er auch nicht wollte). Das wurde als Begründung verlangt. Wobei ich nicht sicher bin, ob dies wirklich ein Grundsatz der DFG ist, oder auch damit zu tun hat, dass zunächst eine halbe Stelle beantragt wurde und nun die Umwidmung einer Begründung bedurfte, ich aber von Beginn an eine volle Stelle hätte beantragen können. Mittlerweile zahlen wir übrigens 3/4 Stellen.

    Beim zweiten Teil stimme ich Dir völlig zu. Ich werde bei Zeiten mehr dazu schreiben. Nur soviel: Der Gang vor Gericht ist immer eine schwierige Entscheidung und ohne Rechtsschutzversicherung ein hohes finanzielles Risiko.

  6. @Markus: youtube

    Übrigens …. ist ein sehr schöne video, daß du auf FB verlinkt hast. Der Vollständigkeit poste ich es hier noch einmal:

    Prof. Oliver Lepsius von der Uni Bayreuth: Guttenberg ist ein Betrüger

    Have fun! 🙂

    Nachträglich bemerkt:

    Das Video wurde nun allerdings auf YouTube gelöscht. Es ist noch auf den Seiten des BR zu sehen.

    „This video is no longer available due to a copyright claim by Bayerischer Rundfunk“.

    Ich glaube ja an das Gute im Menschen und das es hier allein darum geht den Traffic zum BR zu erhöhen und daher das Recht auf Copyright auch wahrzunehmen.

  7. Keine Vermischung bitte.

    Lieber Elmar,

    Eigentlich wollte ich den Fall Guttenberg ganz aus diesem Beitrag und meinem Blog heraus lassen. Natürlich lasse ich Deinen Kommentar stehen. Ich kann mich auch voll hinter Prof. Oliver Lepsius Einschätzung stellen – aber eben mehr als Staatsbürger. Als solcher war ich auch auf der Guttbye-Demo. Mehr aber nicht. Als Wissenschaftler und Blogger möchte ich mich dazu nicht weiter äußern.

    Gerade auch mein Anliegen 25% akademische Juniorpositionen sollte damit nicht vermischt werden.

  8. super – hätte von mir sein können 🙂

    genau diese Probleme sehe ich auch und habe auch entsprechende Kommentare schon vor dieser Lektüre in andere Posts geschrieben. Ich möchte auch an die entsprechenden Beiträge beim Bloggewitter „Bologna“ vor ca zwei Jahren erinnern: selbes Spiel.

    Zu der „prekären Situation“ Forschender habe ich auch zahlreiche Geschichten beizutragen… Ich war jahrelang Freiberuflerin und da ich als solche häufig im Ausland war und mein Doktorvater nicht auf Mail reagieren wollte, hatte ich leider kaum Betreuung. Als ich nach Möglichkeiten suchte, meine Doktorarbeit in Deutschland zu finanzieren, wurde mir etwas ähnliches gesagt, wie dem hier zitierten Kollegen: „Viele Leute promovieren mit ALG II“. – Jemand sollte das mal der Agentur für Arbeit erzählen – ich glaube, die hört das nicht gerne. Zumal man doch m.W. dort nachweisen muss, dass man sich ernsthaft um bezahlte Jobs bemüht – das würde bedeuten: Doktorand schreibt Bewerbungen – Zeit, die für die Forschung verloren geht.
    Also… ich persönlich wechselte bei solchen Aussagen den Doktorvater. (u.a. darum auch mehrfach – ob das vorbildlich ist, kann man streiten: es spricht vllt für meine hohe Moral, aber ob jeder Mensch mit Promotionswunsch so viel Kraft für Organisatorisches aufbringt, halte ich für fragwürdig) Andere machen das offenbar anders.

    Wissenschafts-ehtisch das Schlimmste ist aber für meinen Geschmack, dass manche Doktorväter der Meinung sind, Doktoranden seien dazu da, ihre Ideen aufzuschreiben. Nicht selten erlebte ich dies in Colloquia u.a. und ich finde das falsch: das obige Zitat von Häberle ist darum großartig! Betreuende müssen und sollen Anregungen geben, aber eine Doktorarbeit ist nicht dann gut, wenn sie exakt das ist, was der Professor sich vorstellt, das der Mitarbeiter aufschreibt: Ein Lehrer ist niemals (auch nicht auf Hochschulebene) verantwortlich für die Gedanken seiner Schüler, sondern gerade die Doktorarbeit soll wie keine andere die eigenen Gedanken des Schülers zeigen. Getriggert natürlich durch das Umfeld, durch die Lektüre verschiedener Bücher & Zeitschriftenartikel… aber *verantwortlich* gemacht werden kann kein Professor für die Doktorarbeit seines Doktoranden. – Auch dass dies eben doch der Fall ist, ist ein großes Manko am derzeitigen Hochschulsystem: Selbstverständlich muss man wissen, bei wem jemand studiert/ gelernt hat – aber das sagt noch nicht super viel aus, denn als zweites muss man schauen, ob der Kandidat seinen Lehrern eher hörig oder widersprechend gegenüber trat. Ich habe bei den ca sechs Hochschulen, an denen ich studierte u./o. lehrte beides kennengelernt: Manchmal fand ich die Dozenten viel inspirierender, denen ich widersprechen konnte, weil sie mich zum Denken und kritischen Hinterfragen anregten.

    „Ein Gedanke ist wie ein Virus“ heißt es so treffend in dem Film „Inception“, der letztes Jahr im Kino lief. Es ist wirklich so – aber wissenschaftlich vollendeter Umgang mit dem Gedanken ist, wenn man seine Pro’s und Contra’s sorgfältig und unbefangen abwägt – und auch die Freiheit und Offenheit gegenüber den Betreuenden da ist, dass man sie abwägen darf.

    Wenn wir *das* erreicht haben, dann haben wir m.E. gute Wissenschaft (zumindest in dieser Hinsich).

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