Bildung ist die Quelle des guten Lebens. Oder: Wie man in Enkel investiert

Die Tochter hat Migräne. Was tun? Man investiert 100 Millionen US-Dollar in die Ausbildung der Enkel, der eigenen und der aller anderen – indem man das Geld den Enkeln nicht gibt, sondern einer Universität spendet.

Bei 10 Millionen US-Dollar denkt man nicht an den Nikolaus. Dafür wäre es auch zwei Tage zu spät. Am 8. Dezember bekam Andrew Charles, Inhaber des Luskin-Lehrstuhls für Migräne und Kopfschmerzforschung der University of California, Los Angeles (UCLA), 10 Millionen US-Dollar für seine Migräneforschung. Gespendet wurden das Geld aus privater Hand, von Leonard und Wendy Goldberg.

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Dr. Andrew C. Charles, Professor der Neurologie und Director des »Headache Research and Treatment Program« der Universität von Kalifornien, Los Angeles.

 

Schon 2011, kurz nach dem 15. internationalen Kopfschmerzkongress in Berlin, von dem das Bild oben stammt, wurde eine noch höhere Spende bekanntgegeben werden, 100 Millionen US-Dollar. Diese stammen von Meyer und Renee Luskin, deren Tochter Andrea unter Migräne leidet. Doch zunächst seien kurz die aktuellen Spender vorgestellt:

Leonard J. Goldberg kennt man in Deutschland zumindest indirekt. Er hat u.a. die Fernsehserien “Drei Engel für Charlie”, “Starsky und Hutch” und “Hart aber herzlich” entwickelt und produziert. Außerdem war er Programmchef des Fernsehsenders ABC und Präsident der Filmgesellschaft 20th Century Fox. Seine Frau Wendy Goldberg ist als Ko-Autorin von zwei Büchern wohl eher in den USA bekannt: “Marry Me! Courtships and Proposals of Legendary Couples” und “The Blue Bloods Cookbook: 120 Recipes That Will Bring Your Family to the Table”.

Leonard und Wendy Goldberg haben, so erzählen sie, sowohl bei Freunden als auch bei Familienmitglieder erlebt, wie stark behindernd eine Migräneerkrankung sein kann.

10 Millionen US-Dollar ist wirklich sehr viel, doch ungewöhnlich ist so eine Spende in den USA nicht. Beispielsweise kenne viele Migräneerkrankte (zumindest auch indirekt) den Physiker Robert Fischell, der ein tragbares Gerät zu transkraniellen Magnetstimulation (TMS) gegen Migräne erfunden hat. Robert Fischell hat 30 Millionen US-Dollar an die University of Maryland College Park Foundation gespendet für ein neues Institut für biomedizinische Geräte.

100 Millionen US-Dollar sind allerdings schon eine etwas größere Hausnummer. (Spendet man noch deutlich mehr, macht man eher seine eigene Stiftung auf.) Für UCLA war es die zweitgrößte Einzelspende. Sie wurde auch nur zu einem Teil für die Migräneforschung aufgewand, nämlich für den erwähnten Luskin-Lehrstuhl für Migräne und Kopfschmerzforschung. Des Weiteren floss das Geld in Bildungsprojekte der UCLA. Und es fließt weiter. Denn ausgegeben wird das Geld nicht, sondern angelegt und verzinst, so dass Migräneforschung und Bildung nachhaltig profitieren.

Meyer Luskin ist ein in Los Angeles ansässiger Unternehmer, der mit Recycling von abgelaufene Backwaren zu Tierfutter zu Geld kam. Seine Spende sieht er als Investition für seine Enkel. Seine Begründung finde ich wirklich bemerkenswert.

Für mich ein schöner Jahresabschluss hier im Blog:

„Bildung ist die Quelle des guten Lebens. Es ist die Quelle, die wir suchen sollten. Und wenn eine Person ein gutes Leben hat, verbessert sie die Gesellschaft. Also mache ich eine Investition für das, was ich denke, was wichtig für die Gesellschaft ist, für die Zukunft, für eine Welt, in der meine Enkel leben. Ich mache viel mehr für sie, wenn ich versuche die Gesellschaft zu verbessern, als ihnen ein paar extra Dollar zu geben, die nicht wirklich viel bedeuten – es könnte sie verwöhnen. Das ist die beste Investition, die ich machen kann.“

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Außerdem ist er Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner eHealth-Startup Newsenselab, das die Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entwickelt.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Zukunft verbessern damit alle Zukünftigen besser leben können. Lohnt sich wohl wirklich. Wird auch vermehrt als Argument in der öffentlichen Diskussion verwendet. Heute habe ich ein Interview mit Aubrey de Grey gelesen, dem Forscher, der mit seiner SENS-Foundation Forschung treibt um das Altern zu stoppen und das Leben zu velängern. Dort sagt er: „Mein Job ist es, bessere Medizin zu entwickeln, die es den Leuten erlaubt, gesünder zu bleiben – egal, wie alt sie werden.“

    So lange man gesund ist, nimmt man das meist als selbstverständlich. Das Funktionieren des Körpers wird gar nicht wahrgenommen. Das ist wohl der Grund, dass die meisten Menschen mit technischem Fortschritt vor allem die Entwicklung von neuen Geräten, schnelleren Autos, Zügen und Flugzeugen in Zusammenhang bringen, aber es kaum je estimieren, dass die Aussicht darauf gesund 80 Jahre alt zu werden, heute viel grösser sind als vor 100 Jahren. Dabei sind solche Fortschritte für die menschliche Gesellschaft viel bedeutender, als ein etwas schnellere Fahrzeuge. Denn sie machen dem Einzelnen mehr möglich, sie öffnen Lebenschancen.

    • Im Zusammenhang mit dem Reparaturansatz von SENS gibt es auch gerade eine Online-Petition beim Bundestag. Und die neue Partei für Gesundheitsforschung beschäftigt sich auch mit dem Thema.

  2. Ich würde meinen Kindern sicher zur Lehre raten und nicht zu studieren vor allem wenn das Studium nichts mit Technik oder Wirtschaft zu tun hat.

    Man spart Nerven.

    • Mit Ratschlägen zur Schul- und Berufswahl würde ich vorsichtig sein. Jeder Mensch ist mit gewissen Begabungen und Prägungen, die nur zum Teil mit denen der Eltern korrelieren, versehen. Wenn man nun seine eigenen Vorstellungen, in welcher Form auch immer, Kindern nahelegt, kann dies zu falschen Entscheidungen führen.

      Allerdings würde ich ein interessiertes Kind so früh wie möglich fördern, ihm allerdings das Tempo überlassen.

  3. Schön, dass es Menschen gibt, die nicht vergessen haben, woher das Geld stammt, das ihnen (verdientermaßen) zugeflossen ist. Und es dann nutzbringend zurückfließen lassen.

  4. Ich finde diesen Beitrag sehr schön und inspirierend. Bildung ist tatsächlich das Tor zu dem, was man erreichen möchte. Umso schöner finde ich es, wenn durch solche Spenden der Bereich ausgebaut und die Forschung sogar noch vorangetrieben werden kann.
    Was die Wahl des Studienfaches etc. betrifft, bin auch der Meinung, dass das jeder für sich selbst entscheiden sollte. Es gibt auch so viele Möglichkeiten irgendwo reinzuschnuppern oder sich kompetent beraten zu lassen.

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