Phobos ganz nah!

Vom nahen Vorbeiflug an Phobos am 3.3.2010 wurde bereits berichtet. Hier nun Bilder von einem darauf folgenden Vorbeiflug am 7.3., aufgenommen von der Stereokamera HRSC an Bord von der ESA-Mars-Sonde Mars Express – auch ein anaglyphes (für Nicht-Griechen: 3D). Ich finde sie phänomenal. Enjoy!

Ein anderes Bild auf der verlinkten ESA-Webseite zeigt die vorgesehenen Landestellen der russischen Probenrückführungsmission Fobos-Grunt (Start 2011).

Die naheliegende Frage beim Betrachten der Aufnahmen ist, woher die Rillen kommen. Das ist eine Frage, über die sich Astronomen den Kopf zerbrechen, seit die ersten hochaufgelösten Aufnahmen von Phobos vorliegen, also seit den 1970er Jahren. Wer einmal nach den Stichworten „Phobos grooves“ googelt, sieht schnell, dass es dazu eine Menge Information gibt.

Die nebenstehende schöne Aufnahme der HiRise-Kamera des NASA-Mars-Orbiters MRO (Bildquelle: PIA 10368, NASA/JPL/UA, verlinkt von einem Artikel auf der Webseite der Planetary Society) führt eigentlich unausweichlich zu der Vermutung, dass zwischem dem Einschlag, der den Krater Stickney erzeugte und diesen Rillen ein Zusammenhang bestehen muss.

Wie der Artikel aber ausführt, ist diese Annahme vielleicht irrig – es wird eine Theorie zitiert, nach der es sich um Spuren von Impakten mit Material handeln könnte, das durch einen Asteroideneinschlag von der Marsoberfläche hochgeschleudert wurde und die Phobosbahn kreuzte. Das gefällt mir sogar noch besser als die Theorie, dass die Rillen von der Stickney-Entstehung herrühren.

Weitere Information

Mars-Express-Webseite der ESA. Hier finden Sie Bildmaterial nicht nur vom Phobos, sondern vor allem von der Mars-Oberfläche, sowie Daten und Informationen zu den anderen Instrumenten und deren Messungen

Bauen Sie sich Ihren eigenen Phobos: Die Planetary Society bietet hier ein Schnittmuster für ein Papiermodell dieses Mondes. Fingerfertigkeit ist natürlich unerlässlich.

PIA20368 (das oben gezeigte Farbbild) auf der Webseite von NASA/JPL. Achtung: Die TIFF-Version hat eine Dateigröße von 33.4 MByte!

Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wissenschaftliche Vorbeiflugsmessungen

    Herr Fischer,

    Vielen Dank für die Hinweise! Auch Ihre andere Anmerkung ist sehr wichtig. Es muss ganz klar gesagt werden: Diese Vorbeiflüge dienen NICHT nur der Erstellung von *pretty pictures*. MEX hat eine ganze Batterie von wissenschaftlichen Instrumenten.

    Die Oberflächenzusammensetzung des Asteroiden kann aus dieser kurzen Entfernung mit sehr hoher Aufloesung spektroskopisch untersucht werden. Wenn wir die Zusammensetzung des Materials kennen, kann vielleicht auch eine Aussage über die Herkunft gemacht werden.

    MEX hat dazu auch noch das bodenpenetrierende, langwellige Radar MARSIS, das natürlich auch eingesetzt wurde. Dies sollte eine Aussage über den inneren Aufbau dieses merkwürdigen Mondes gestatten.

    Hinzu kommt die von ihnen angesprochene, sher geringe, aber immer noch messbare Bahnänderung durch die Schwerkraft des Phobos – was auch wieder wichtige Daten liefert.

    Diese Vorbeiflugdistanzen von um die 100 km sind weniger als die Hälfte des minimalen Abstands von Mars Express zur Marsoberfläche. Deswegen kann man hier auch viel genauer und besser aufgeloest messen als am Perizentrum die Marsoberfläche untersucht werden kann.

  2. Radio Science: es bleibt schwierig

    Hier eine Zusammenfassung des Tagungs-Vortrags von gestern: Die Vergrößerung der Vorbeiflugdistanz (jetzt ist von 72 km über der Oberfläche die Rede) hat leider gravierendere Auswirkungen auf die Qualität der aus der Dopplerkurve ableitbaren Informationen als bisher berichtet wurde. Aber man bemüht sich fleißig, und in der Woche vor Ostern ist schon die nächste Tagung der Phobos-Schwerefeld-Forscher, die ich direkt danach mal in Köln besuchen werde.

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