Besonders voller Vollmond am Wochenende

Am Wochenende ist schon wieder Vollmond. Diesmal sollten Sie aber hinschauen, denn der Vollmond in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag mit mit dem Perigäum der Mondbahn zusammenfallen.

Eigentlich ist es falsch, von der Bahn des Mondes um die Erde zu sprechen. Erde und Mond umlaufen einen gemeinsamen Massenmittelpunkt (das Baryzentrum) des Erde-Mond-Systems. Dieser liegt noch innerhalb der Erde, ist aber immerhin gut 3000 km vom Erdmittelpunkt entfernt, wobei seine Position aufgrund der wechselnden Entfernung des Mondes variiert.

Wenn man die Mondbahn relativ zum Mittelpunkt der Erde angibt – was wir hemmungslos geozentristischen Erdlinge einfach so machen; auf dem Mond lebt ja (noch) keiner, der sich darüber beschweren könnte – dann kommt eine erheblich gestörte Keplerbahn heraus.

Schauen wir uns einmal die große Halbachse der Bahn an, einmal über einen langen Zeitraum, einmal über ein Jahr hinweg (Klicken auf die Bilder führt zur vergrößerten Darstellung). So starke Störungen? Wir haben es im Erde-Mond-System halt mit einem Sonderfall zu tun. Bei keinem anderen der acht Planeten gibt es einen Mond, der im Vergleich zu seinem Planeten so groß ist. Immerhin hat der Mond mehr als 1.2% der Erdmasse, sein Durchmesser beträgt über ein Viertel des Erddurchmessers.

20 year evolution of semi-major axois of lunar orbit, source: Michael Khanshort-term evolution of emi-major axis of lunar orbit, source: Michael Khan

 

 

 

Die Mondbahn ist exzentrisch, aber die Exzentrizität variiert stark – auch das ist zum Teil der Tatsache geschuldet, dass die der Berechnung dieses Wertes zugrundeliegende Annahme, die Mondbahn umlaufe den Erdmittelpunkt, deutlich ungenau ist

20 year evolution of lunar orbit eccentricity, source: Michael KhanShort-term evolution of lunar orbit eccentricity, source: Michael Khan

 

 

 

Große Halbachse und Exzentrität sind ja eher abstrakte Kenngrößen, die Astronomen oder Missionsanalytiker und solche Leute interessieren. Unter dem Bahnradius, also der Länge der Linie von Erdmittelpunkt zu Mondmittelpunkt, kann man sich schon eher etwas vorstellen. Man sieht sofort, dass es einen ganz schönen Unterschied macht, ob der Mond sich am Apogäum oder Perigäum seiner Bahn befindet. Zwischen den beiden Punkten können mehr als 50000 Kilometer liegen.

20 year evolution of lunar radius, source: Michael Khanshort-term evolution of lunar orbital radius, source: Michael Khan

 

 

 

Aber auch Perigäum ist nicht gleich Perigäum. Der Mond kommt schon mal auf bis zu knapp 357000 km an die Erde heran. Und, liebe Leser: Genau dies ist am kommenden Wochenende der Fall. Der kommende Perigäumsdurchgang wird am Sonntag, dem 6. Mai 2012 um 5:35 MESZ stattfinden, bei einem Radius von … 356955 km.

Und jetzt kommt’s: Genau in der Nacht haben wir Vollmond. Jeder weiß: Je näher etwas ist, desto größer und heller erscheint es und desto mehr Details kann man erkennen. Am Apogäum erscheint der Mond etwa 29.4 Bogenminuten groß, also etwas weniger als ein halbes Grad. Bei Minimalabstand, wie am kommenden Wochenende, sind es dagegen fast 33.5 Bogenminuten. das macht schon mal einen Unterschied von 14%. Für die Helligkeit ist aber die scheinbare Flächenausdehnung relevant. Da ergibt sich zwischen Minimal und Maximalabstand ein Helligkeitsplus von fast 30%.

Von kurzem habe ich die ringförmige Sonnenfinsternis am 21. Mai angesprochen. Tja, warum die ringförmig sein wird, ergibt sich nun ganz klar und zwingend aus dem oben Gesagten: Wenn am 6. Mai Vollmond und Perigäumsdurchgang ist, dann haben wir 2 Wochen später natürlich Neumond und Apogäumsdurchgang. Am Apogäum erscheint der Mond aber aufgrund seiner größeren Entfernung kleiner und kann deswegen die Sonne nicht ganz bedecken, sodass außen herum ein Ring sichtbar bleibt.

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Bei einem Interview vor ein paar Jahren bedrängte ein Journalist einen Kollegen, ihm den genauen Erde-Mond-Abstand zu sagen. Die Antwort, dass die Bahn exzentrsich sei und die Parameter variieren, wurde nicht akzeptiert und führte zu spontanem Misstrauen: Will dieser Eierkopf etwa meinen Lesern etwas verheimlichen? Auf das hartnäckiges Insistieren hin sagte mein Kollege schließlich: „Also gut … Dreihundertfünfundachtzigtausend, zweihundertachtundvierzig Komma sieben drei zwei Kilometer“. Dann legte er eine Kunstpause ein. Der Journalist hatte bereits sein „Na also, geht doch!“-Gesicht aufgesetzt, da fügte mein Kollege schnell an „… plus minus etwa siebenundzwanzigtausend Kilometer.“

 

Als Nachtrag ein kleines Quiz, während wir auf den Vollmond warten: Was sieht man in dieser Aufnahme?

 

Oceanus Procellarum, Vallis Schroeteri, Herodotus, Aristarchus, Kepler, Reiner Marius and Copernicus' ejecta blanket, Michael Khan, 2012/5/3

Weitere Information

Bei Heavens Above können Sie u.a. Ihren Standort eingeben (oder sich kostenlos registrieren, dannn wird Ihr einmal eingegebener Standort gespeichert) und die Beobachtungsgeometrie für natürliche und künstliche Himmelsobjekte ausrechnen lassen.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So schön habe ich die Mondbahn ja noch nie dargestellt gesehen. Leider kann man bei uns in Bayern den „besonders vollen Vollmond“ nicht sehen, da das Wetter grausam schlecht werden soll. Gestern war ich auf unserer Sternwarte, da bedauerte man das bereits. Dafür werde ich, falls das Wetter passt, beim Venustransit dabei sein.

  2. Sie kommen immer zu dritt

    @Mona: Eine Chance haben Sie noch, da die zwei Vollmonde beiderseits des Perigäums-Vollmonds ununterscheidbar groß am Himmel erscheinen – der im Juni tut’s also auch noch. Und lassen Sie sich nicht irre machen von „aufklärerischen“ Artikeln im Internet, die Ihnen weismachen wollen, die Elliptizität der Mondbahn könne man mit dem Auge nicht wahrnehmen: Man kann, und ich habe dieses ‚Blind-Experiment‘ inzwischen mehrfach wiederholt.

  3. @Mona

    Daniel Fischer hat Recht: Beim Vollmond am 7.4. war der Mond auf seiner Bahn 7 Grad vor dem Perigäum, beim Vollmond am 4 Juni wird er 7 Grad nach dem Perigäum sein, das macht etwa 1500 km mehr Abstand von der Erde aus als kommendes Wochenende, also nicht viel verglichen mit dem Unterschied zwischen Peri- und Apogäum.

    Vielleicht ist diese Webseite von Interesse für die Planung der Venustransit-Beobachtung. Oha, ich sehe grad, bei mir geht an dem Tag die Sonne um 5:24 auf. Danach dauert es noch mehr als eine Stunde, bis die Venus den Rand der Sonne erreicht. Eiwei. Früh aufstehen ist ja nun nicht gerade meins. 🙁

  4. Sichtbarkeit des Venusdurchgangs

    Das dies hier auch ein Thema wird: Schon vor einiger Zeit hatte ich mal die Sichtgeometrie für verschiedene Regionen auf diesem Planeten ausgerechnet, als Hilfe für etwaige Reiseentscheidungen, wenn’s einem in Deutschland dann doch zu knapp (oder auch zu früh 🙂 sein sollte. Persönlich habe ich mich letztlich für Rhodos entschieden, v.a. um der Wettersicherheit willen. Und die Sonne steht beim Austritt schon doppelt so hoch. Oh, und man hat osteuropäische Zeit – alles findet (jedenfalls auf der Uhr) eine gemütliche Stunde später statt …

  5. Venustransit @Michael Khan

    Der frühe Beginn des Venustransfers hat mich ebenfalls etwas gestört, ich stehe nämlich auch nicht gerne so zeitig auf, da haben wir was gemeinsam. Aber so häufig ist der Venustransfer ja nicht, der nächste findet erst wieder im Jahr 2117 statt und den Termin kann ich aus naheliegenden Gründen nicht wahrnehmen.

    Danke auch für die Website zur Planung der Venustransit-Beobachtung. Wahrscheinlich finden sich bei der angegebenen Adresse jetzt sämtliche Beobachter ein, um sich mit mir den Venustransit anzusehen. Aber ich muss sie enttäuschen, ich wohne nicht dort.
    Falls Sie sich doch schwer tun mit dem Aufstehen oder das Wetter zu schlecht ist, dann können Sie den Venustransit auch live im Internet verfolgen:
    http://www.ralf-schoofs.de/…rose-jahr-der-venus/

  6. Habe ebenfalls am 4.5. die Schroeter-Region bei bestem Seeing beobachtet. Auffällig war auch die quadratische Einrahmung des Plateaus wie auf dem Foto ersichtlich. Offenbar war neben der Erdnähe auch die Libration extrem: Nordpol weit zur Erde hin geneigt.

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