LCROSS – Erste Ergebnisse des Einschlag-Experiments

Der Einschlag der Centaur-Oberstufe und der LCROSS-Sonde am 9.10. schien auf den ersten Blick weniger spektakulär als erwartet, was von Manchen vorschnell als Fehlschlag interpretiert wurde. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, wie eine Pressemitteilung der NASA mitteilt.

Aufnahme der Wolke von Auswurfmaterial 15 Sekunden nach dem Centaur-Einschlag, Quelle: NASA/ARCDemnach sind die beteiligten Wissenschaftler von Umfang und Qualität der beim Einschlags-Experiment in den Krater Cabeus gewonnenen Daten begeistert.

Anmerkung

InTeilen der Medien und der weiteren Öffentlichkeit scheint eine falsche Vorstellung von den Kriterien für Erfolg oder Misserfolg dieser Mission vorzuherrschen. Richtig ist: Diese Mission ist nicht nur dann als Erfolg zu werten, wenn eine gewaltige, deutlich sichtbare Trümmerwolke freigesetzt und in ihr eindeutig Wasser nachgewiesen wurde.

Wissenschaft funktioniert nicht so, dass von vorneherein schon alles in der Theorie klar gemacht wird und man sich danach nur noch die experimentelle Bestätigung abholen muss. Das läuft anders: Die Oberstufe und die Sonde haben den anvisierten Krater getroffen und Material freigesetzt. Diese Freisetzung konnte beobachtet (wenn auch nicht im sichtbaren Bereich und schon gar nicht mit Amateurausrüstung) und gemessen werden. Damit war die Mission unbestreitbar erfolgreich.

Was sich nun aus der Analyse der Messdaten ergibt, das wird sich zeigen. Man muss die Ergebnisse so hinnehmen, wie man sie erhalten hat und sie unter Berücksichtigung aller Umstände der Datenerhebung und -erfassung sowie der anderen verfügbaren Informationen zur Mondoberfläche und ihrer Zusammensetzung interpretieren. Aber das ist ein anderes Thema, das noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird,  weit über den Kontext dieser einen Mission hinausgeht und auch nicht abgeschlossen werden kann. Die Erforschung eines Himmelskörpers ist eine große Aufgabe, die nicht dann beendet wird, wenn man nur ein weiteres Puzzle-Stückchen richtig eingebaut zu haben meint.

Weitere Informationen

NASA-Pressemitteilung vom 16.10.2009

Sammlung von Bildern und visualisierten Messdaten vom Ereignis im NASA-Webauftritt

 

 

Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schlechte Kommunikation …

    Leider haben es die NASA und wohl insbesondere das für LCROSS zuständige Ames Research Center in den vergangenen 10 Tagen nicht verstanden, einen ordentlichen „Spannungsbogen“ zu präsentieren: Das fing schon mit dem unzureichenden Livekommentar während der entscheidenden Minuten an (das kann das JPL z.B. bei Marslandungen viel besser), dann folgte eine schlecht strukturierte Pressekonferenz (mit den ersten echten Bildern vom Impakt erst am Ende) – und danach hat man es insbesondere nicht verstanden, den durchaus kontinuierlichen Fluss der erfolgreichen Beobachtungen des Impakts durch andere zentral zu bündeln.

    Dabei hätte es bereits am selben Tag krasse Effekte des Crashs auf die Mond-Exosphäre zu feiern gegeben, die von der Erde aus gemessen wurden. Und die – für die Öffentlichkeit sicherlich interessante – Diskussion darüber, warum es so viel weniger Ejekta gab als (vermeintlich!) alle erwartet hatten, wird bislang ausschließlich über(einige wenige) Medien geführt …

  2. Nicht von der Hand zu weisen….

    Es stimmt, es war rückblickend gesehen vielleicht ein Fehler, die Erwartung auf einen schoenen Crash hochzuschrauben, die Leute zu Viewing Parties aufzurufen usw..

    Allerdings ist man ja bekanntlich hinterher immer schlauer, und die Aussage des Projektwissenschaftlers Tony Colaprete in der PM liest sich auch so, als hätte man mit eeinem besser sichtbaren Einschlag gerechnet: „Within the range of model predictions we made, the ejecta brightness appears to be at the low end of our predictions […]“.

    Eine besser sichtbare Wolke ergab sich wohl aus den Modellrechnungen und wäre auch mit den Beobachtungen beispielsweise beim Einschlag von SMART-1 auf dem Mond konsistent gewesen.

    Die Pressekonferenz war wirklich NASA-untypisch zum Einschlafen. Das hat mich, gerade in Anbetracht der scharfen Konkurrenz zwischen NASA-Zentren, doch gewundert. Es war sicher nicht einfach, den Tatbestand „Wir haben leider nicht gesehen, was wir erwartet haben“ auf die Schnelle zu vermitteln, aber die ermüdende Auflistung aller beteiligten Institute und Observatorien, die Präsentation schlecht erklärter neuer daten vermischt mit schon etwas abgestandenen alten Bildern und die gegenseitige Schulterklopferei war dann doch eine eher suboptimale Art, dieser Herausforderung zu begegnen.

  3. Übergeigt

    Ich finde auch, da wurde kommunikativ viel am Ames Research Center (bzw. im Zusammenspiel mit dem Hauptquartier in Washington) verbockt. Offensichtlich hatte vorher niemand daran gedacht, dass so eine Mission auch schief gehen oder zumindest anders verlaufen kann als gedacht. Aber so ganz verstehe ich Washington auch nicht, dass sie ein Ereignis, das live im Fernsehen übertragen wurde und solch eine mediale Eigendynamik entwickelt hatte, dem in puncto Missionen eher unerfahrenen Ames Research Center überlassen haben.

    Und auch die neue Pressemitteilung finde ich – gemessen an der inhaltlichen Substanz – sprachlich schon wieder ziemlich übergeigt: „smashing success“, „tantalizing data“, „blown away“, „exciting“. Klar, für einen Forscher ist es toll, wenn die Daten eine hohe Qualität haben (was inhaltlich erst einmal nichts bedeuten muss). Aber so eine Pressemitteilung richtet sich ja nicht primär an die Wissenschaftler sondern an die breite Öffentlichkeit. Und die könnte, wenn sie so etwas liest, einmal mehr verständnislos den Kopf schütteln.

  4. Wasser? Antwort am 17. November!

    Die Videokonferenz gerade war wesentlich informativer als die viel gescholtene Pressekonferenz gleich nach Impakt: eine Zusammenfassung der wichtigsten neuen Erkenntnisse. Und ob es Wasser(dampf) in den Ejekta gab, das sollen wir am 17.11. auf einer Mondtagung erfahren.

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