Testaufnahmen mit einer Vollformatkamera

Ich habe die Gelegenheit, eine Vollformatkamera zu testen, und zwar die Canon EOS6D zusammen mit meinen durchweg schon ziemlich angejahrten Leica-R-Objektiven. Hier nur einige Aufnahmen, die ich in den vergangenen klaren Nächten gemacht habe. Ich stelle sie vollkommen unbearbeitet ins Netz, so wie sie vom Chip gezogen wurden (als JPEG, nicht als RAW), bis auf die Verkleinerung, weil ich hier in den Scilogs nur Mediendateien von maximal 4 MB Größe hochladen kann.

Eins vorweg: Ich bin beeindruckt, wie wenig Rauschen die Kamera produziert, in zwei der Aufnahmen immerhin schon bei ISO 10,000 (jawohl, Zehntausend!).

Komet C/2014 Q2 (Lovejoy) in der ersten Aufnahme ist jetzt bei etwa +11 mag angelangt, aber mit einem lichtstarken Objektiv immer noch leicht abzubilden.

In der zweiten Aufnahme ist tatsächlich links oberhalb von Saturn der Titan deutlich aufgelöst, ebenso drei Einzelsterne des Mehrfachsystems ρOph. M4 ist nur ganz schwach auszumachen.

In der dritten Aufnahme gefällt die saubere Farbabstufung des Dämmerungshimmels, wobei einige JPEG-Artefakte zu sehen sind. Ich muss das mal mit dem RAW-Format ausprobieren.

Bis jetzt kann ich nur sagen, dass ich vollends überzeugt bin. Diese Kamera macht Lust auf mehr.

Komet C/2014 Q2 immer noch in der Cassiopeia, 18. April 2015, 22:33 MESZ, canon EOS 6D, Leica Elmarit 180, f/2.8, ISO 10,000, 1 Sekunde

Credit: Michael Khan, Darmstadt / Komet C/2014 Q2 immer noch in der Cassiopeia, 18. April 2015, 22:33 MESZ, Canon EOS6D, Leica Elmarit 180, f/2.8, ISO 10,000, 1 Sekunde

Saturn und das Sternbild Skorpion am 19. April 2015 um 4:31 MESZ, Canon EOS 6D, Leica Elmarit 180, f/2.8, ISO 10000, 1 Sekunde

Credit: Michael Khan, Darmstadt / Saturn und das Sternbild Skorpion am 19. April 2015 um 4:31 MESZ, Canon EOS6D, Leica Elmarit 180, f/2.8, ISO 10000, 1 Sekunde

Das Sternbild Stier mit den Hyaden (Mel20), Venus und den plejaden (M45) am 19.4.2015 um 21:28 MESZ, Canon EOS6D, Leica Elmarit 135, f/4, ISO 800, 1 Sekunde

Credit: Michael Khan, Darmstadt / Das Sternbild Stier mit den Hyaden (Mel20), Venus und den Plejaden (M45) am 19.4.2015 um 21:28 MESZ, Canon EOS6D, Leica Elmarit 135, f/4, ISO 800, 1 Sekunde

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Bei Kameras werde ich leicht schwach. Kameras haben ja auch den Vorteil, dass sie nicht eifersüchtig werden, wenn eine weitere Kamera hinzu kommt.

      Hier aber ist noch gar nichts entschieden. Erst mal sehen, wie sich die Dicke (ok, sie ist eigentlich kaum dicker als die 600D) am Teleskop schlägt. Den ersten Test hat sie jedenfalls bestanden.

    • Danke für die Anregung, das merke ich mir für das nächste Mal vor.

      Mein subjektiver Eindruck ist, dass die 6D „zurückhaltender“ mit den Farben umgeht als andere Kameras, die ich kenne. Das ist aber zugegebenermaßen subjektiv schwer zu beurteilen, weil es immer davon abhängt, welche Einstellungen an der Kamera vorliegen und wie der Bildschirm eingestellt ist, an dem man die Bilder betrachtet.

      Ziemlich sicher ist, dass diverse „Scene“ -Programme, die die Kameras anbieten, die ich aber nur ausgesprochen selten nutze, mit den Farben seltsame Dinge anstellen.

      Mein Eindruck ist aber auch, dass in der Grundeinstellung viele Kameras, gerade die kleinen Digiknipsen, die für Schnappschüsse verwendet werden, zur Überbelichtung und damit zu einem gewissen Kontrastverlust neigen. Ich stelle da schon oft vorbeugend -2/3 EV ein, dann entsprechen die Aufnahmen eher meinem direkten visuellen Eindruck. Wirklich genau nachgemessen habe ich das aber nie.

      • Die Farbwiedergabe wird vom Licht beeinflusst. Ich will jedoch nicht ausschließen, dass es manche Kamerahersteller mit ihren Farbkorrekturen etwas übertreiben. Werden die Fotos nicht gut liegt es oft nicht an der Kamera selbst, sondern an einem falsch belichteten Motiv. Schuld daran kann ein zu hoher Kontrastumfang sein. Die Belichtungsautomatik der Kamera orientiert sich dann entweder an den sehr dunklen oder an den sehr hellen Stellen der aufzunehmenden Szenerie, der Rest wird meist falsch belichtet. Sind bei Fotos lediglich bestimmte Bereiche zu dunkel, während andere Elemente korrekt ausgeleuchtet sind, wie das etwa bei Gegenlichtaufnahmen der Fall ist, dann hilft meist ein Aufhellblitz. Hier ein Beispielbild: http://www.traumflieger.de/desktop/blitzreport/vordergrund_aufhellen.jpg
        Eine Unterbelichtung kann auftreten, wenn vor der Kamera sehr helle Motive dominieren. Eine Überbelichtung, wenn dunkle Motive dominieren. In beiden Fällen muss man gegensteuern indem man den Lichtwert, also Blendenzahl und Belichtungszeit, entsprechend korrigiert. Besser wäre es einen externen Belichtungsmesser zu verwenden, den man direkt vor das Motiv halten kann.

        • Ich kenne mich bei diesen Automatiken gar nicht sehr gut aus, weil ich, wenn mir die Lichtsituation knifflig erscheint, ohnehin die Belichtung manuell einstelle, oder eine Serie mit unterschiedlichen Lichtwerten schieße, aus der ich dann das behalte, das mir am besten belichtet erscheint. Bei Astrofotos mache ich immer eine Serie.

          • Das waren eigentlich „Basics“ , die in der Fotografie allgemein gültig sind. Wenn man die Möglichkeit hat manuell einzustellen, ist das natürlich immer gut. Bei vollautomatischen Kameras geht das leider oft nicht mehr. Falls Sie sich jedoch ausschließlich mit der Astrofotografie beschäftigen, dann brauchen Sie die oben erwähnten Regeln kaum. Dort halten auch die Motive länger still und beschweren sich nicht, wenn mal eine Serie mit unterschiedlichen Lichtwerten geschossen wird. 🙂

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben