Le plagiat, c’est moi!

Im aktuellen deutschen Plagiatsskandal ist zwar noch lange nicht alles aufgearbeitet, egal wie sehr manche wünschen mögen, dass da nun Ruhe einkehrt. Dazu wird es aber so schnell nicht kommen; es ist noch Einiges an Unerfreulichem zu erwarten. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der eigentliche Tatbestand auch nur annähernd die Ausmaße des Skandals annimmt, der unlängst – im Ausland weitgehend unbemerkt – die akademische Welt in Japan erschütterte.

Jener Skandal erwischte ausgerechnet die altehrwürdige Universität von Tokio (toukyou daigaku oder kurz toudai), die angesehenste Uni des Landes und alma mater von sieben Nobelpreisträgern sowie zahlreichen Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern.

Einer ihrer Absolventen ist ein türkischer Staatsbürger namens Serkan Anilir, geboren im Jahr 1973. Über seinen Lebensweg wurde zwar eine Menge publiziert, vor allem von ihm selbst. Weitgehend unklar ist jedoch, wie viel davon zutreffend ist. Anilir scheint es mit großem Elan darauf angelegt zu haben, Legenden zu fabrizieren, die seinen Werdegang in einem glorreichen Licht erscheinen lassen. Allein die schiere Masse seiner angeblichen Leistungen lässt es angeraten erscheinen, alle Behauptungen zu seiner Vita mit großem Misstrauen zu betrachten.

Es gelang Serkan Anilir, an der Uni Tokio zu einem Promotionsstudium immatrikuliert zu werden, und zwar im Fachbereich Architektur. Möglicherweise half auch hier bereits die gekonnte Vorspiegelung falscher Tatsachen kräftig mit. Fest steht jedoch, dass er während und nach seiner Promotion zunehmend haltloser fabulierte, was aber merkwürdigerweise lange Zeit niemand hinterfragte.   

Unter anderem behauptete er von sich – und schrieb sogar Bücher darüber:

Zahlreiche Gastprofessuren an namhaften Universitäten auf verschiedenen Kontinenten innezuhaben 

als Physiker und Kosmologe maßgeblich zu Theorien zur „elfdimensionalen  Struktur des Universums“ beigetragen zu haben (gemeint ist wahrscheinlich die Stringtheorie)

als Abteilungsleiter bei der NASA die dortige Arbeitsgruppe zur Entwicklung des Weltraumfahrstuhls geführt zu haben. Dazu sei er, da die NASA komplett der US-Luftwaffe untersteht und alle NASA-Wissenschaftler Militäroffiziere seien, zum Major der US-Luftwaffe ernannt worden

als erster Türke im Rahmen einer Vereinbarung zwischen der türkischen und der US-Luftwaffe bei der NASA eine Astronautenausbildung durchlaufen zu haben, was er mit einem Foto belegte, das ihn angeblich in einem US-Raumanzug zeigte

als Abteilungsleiter bei der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA für ein Projekt namens ATA zur japanischen Entwickung eines Weltraumfahrstuhls verantwortlich zu sein. Im Zusammenhang mit diesem angeblichen Projekt entstand unter seiner Mitwirkung ein Zeichentrickfilm

Und noch vieles anderes mehr; eine Behauptung war absurder als die nächste. Ganz abgesehen davon, dass er im Jahre 2003, als er seinen Doktortitel an der Uni Tokio erhielt, erst 30 Jahre alt war und somit wie ein shinkansen durch seine weitläufige Karriere gebraust sein müsste, sind die obigen Behauptungen sehr einfach zu widerlegen, allemal im Internet-Zeitalter.

Ein prominenter Kosmologe wäre in Fachkreisen bekannt und könnte zahlreiche relevante Publikationen vorweisen. Gleiches gilt für jemanden, der so kompetent ist, dass er weltweit auf Gastprofessuren berufen wird. Wenn ihn aber keine Sau kennt und er nichts zu seinem angeblichen Fachgebiet veröffentlicht hat – genau das ist bei Serkan Anilir der Fall – dann ist zwangsläufig etwas oberfaul.

Die NASA ist eine zivile Organisation, und selbst wenn dies nicht so wäre, würde man gewiss keinen Ausländer einfach so zum Offizier in der US-Luftwaffe befördern. Außerdem ist keine Raumfahrtagentur der Welt ernsthaft mit der Entwicklung eines Weltraumfahrstuhls beschäftigt.

Dies gilt auch für die japanische Weltraumagentur JAXA. In keiner von ihren Publikationen kommt ein solches Projekt oder der Projektname ATA vor. Anilir scheint dies frei erfunden zu haben, zumindest sind seine Präsentationen zum Thema sehr verdächtig, angefangen beim angeblich mitwirkenden Nobelpreisträger, der gar nicht existiert, und seinem Patent, das es nicht gibt. Auch seine angeblich leitende Position darf als fragwürdig betrachtet werden.

Ganz besonders lächerlich ist die Sache mit der Astronautenausbildung. Das angebliche Beweisfoto ist ganz offensichtlich stümperhaft gefälscht. Der Mann wusste noch nicht einmal, dass jeder Astronaut die Flagge seines eigenen Landes am Anzug trägt, nicht die US-Flagge. Nur gab es – und gibt es bis heute – keinen türkischen Astronauten, sodass ihm zum Faken nur  das Bild eines US-Astronauten blieb, auf das er seinen eigenen Kopf fotomontierte, wenn auch zu groß und anatomisch auffällig. Hier kann die Liste aller bisherigen Astronauten eingesehen werden, die mit der NASA zu tun hatten. 

Fälschung und Original. Das Bild von Serkan Anilir als angeblichem Astronauten und das Originalbild vom NASA-Astronauten Richard Hieb. Mal im Ernst: spätestens hier hätte doch jemand stutzig werden müssen, oder?

  Aber niemand fragte nach. Es fragte auch niemand, wieso ein Kosmologe nun ausgerechnet in Architektur promovierte. Er bekam 2007 sogar eine Assistenzprofessur und eine Anstellung bei einem Institut der Uni, dem Matsumura-Fujita-Lab unter Professor Shuuichi Matsumura. 

Es lief gut. Es lief sogar ganz prima.

Weil alles so gut lief, hielt er sich nicht zurück. Er schrieb (populärwissenschaftliche) Bücher, dichtete sich eine beeindruckende Veröffentlichungsliste an und erfand immer neue Dinge, die er angeblich geleistet hatte. Damit wurde er in Japan mehr und mehr zum Medienstar. Er trat im Fernsehen auf, gründete eine eigene Akademie und hielt Vorträge gegen Entgelt und ließ sich von einer unkritischen Öffentlichkeit feiern.

Das war allerdings ein Fehler. Mit wachsender Popularität fielen Leuten, die nicht so leichtgläubig sind wie anscheinend die Gesamtheit der japanischen Presse, die Ungereimtheiten auf. Besonders schwer war das nicht. Den Ausschlag gab wohl ein Artikel in der angesehenen Tageszeitung Asahi Shinbun, der Anilir auf einer Sonderseite als Forerunner feierte – als Pionier der Wissenschaft. Dies war im Jahre 2009, also war er seit seiner Promotion sechs Jahre lang von unangenehmen Fragen unbehelligt geblieben.

Je genauer man hinschaute, desto bröckeliger wurde das ganze Lügengebäude. Dabei kam nicht nur der blanke Nonsens zum Vorschein, sondern auch massive Plagiate. Viele Veröffentlichungen, die er laut selbsterstellter Referenzliste geschrieben haben wollte, existierten gar nicht. In mindestens einem Fall aber hatte er einfach ein Paper anderer Leute genommen, seinen eigenen Namen an die Stelle eines der Autoren geschrieben, und schwupp – war er ausgewiesener Fachmann der NASA für Weltraumhabitate. Auch seine angeblichen Ergebnisse zum Weltraumfahrstuhl sind offenbar plagiarisiert. Unter anderem bediente sich Anilir ohne Nachfrage und ohne Quellenangabe bei Brad Edwards, einem weltweit bekannten Pionier der space-elevator-Idee.

Als seine selbstfabrizierten Legenden wie Kartenhäuser in sich zusammenstürzten – eine von Grund auf absurde Geschichte hat einer einigermaßen nüchternen Betrachtung nun einmal nichts entgegenzusetzen – schoss sich im Herbst 2009 die Internet-Community, die sich um diesen Skandal herum gebildet hatte – auf seine Doktorarbeit ein. An dieser Stelle ähnelte das Geschehen einer Treibjagd, was wohlunvermeidbar ist, wenn so eine große Sache im Internet losgetreten wird. Anilir hat sich das nur selbst zuzuschreiben … aber es war kein schöner Anblick. 

Der Titel seiner Arbeit war „Study on an Orbital Settlement for a Permanent Presence in Space„. Obwohl die Arbeit an sich nicht technisch war, überforderte das Thema offenbar damals, 2003, die wahrscheinlich aus Architekten zusammengesetzte Jury. Mir kam sie beim Durchlesen reichlich trivial („pedestrian„) vor, aber das war nicht das Hauptproblem. Wirklich kritisch ist, dass Anilir sich frei bei anderen Autoren bedient hatte, Mindestens 59% der Arbeit waren abgeschrieben, ohne dass Quellen genannt worden waren. Insbesondere beim Thema des Weltraumfahrstuhls, zu dem er angeblich besonders beigetragen hatte, kopierte er ungeniert Texte, Ergebnisse und Grafiken prominenter Quellen. 

Wieso ging das überhaupt durch? Ich verstehe es auch nicht. Ich nehme an, sein Doktorvater und auch die mit der Bewertung seiner Arbeit betrauten Stellen waren von seinen vorgeblichen Qualifikationen geblendet, vielleicht sogar geschmeichelt. Als er erst einmal seine Promotion in der Tasche hatte, war das ein solider Schutzschild, der weitere Nachfragen effektiv abblockte. Ein Doktor der toudai ist ein Doktor der toudai. Den verdächtigt man nicht, ein Scharlatan zu sein, jedenfalls nicht in Japan. Was denn nicht noch alles! Wo kämen wir denn da hin? Und überhaupt.

Die Universität Tokio war gezwungen, zu reagieren. Am 2. März 2010  fiel die Entscheidung, ihm aufgrund der zahlreichen Plagiatsfälle seinen sieben Jahre zuvor verliehenen Doktortitel abzuerkennen. Es war das erste Mal in der Geschichte der 1877 gegründeten Universität, dass sie sich zu einem solchen Schritt gezwungen sah. Hier ist die Pressemitteilung, in der die Entscheidung verkündet wird (japanisch). In Folge lud ihn wohl auch sein Arbeitgeber, das Matsumura-Fujita-Lab, ein, sich anderswo nach einer neuen Beschäftigung umzusehen. Zumindest findet sich auf der Webseite dieses Instituts kein Hinweis mehr auf ihn, der dort zuvor an prominenter Stelle figurierte. Die Universität führte danach noch weitere Untersuchungen durch und stieß auf diverse Veröffentlichungen, die entweder nicht existierten und auf die sich Anilir fälschlich bezogen hatte, oder die aufgrund weiterer Plagiate zurückgezogen werden mussten, siehe z.B. diese Pressemitteilung vom 23.7.2010.

Von Serkan Anilir hört man nichts mehr. Seine diversen Blogs werden nicht länger gepflegt. An einer Stelle war von ihm eine Entschuldigung zu lesen, immerhin. Die von ihm selbst geschriebenen Wikipedia-Einträge zu seiner Person sind gelöscht. Hier ist die englische Übersetzung des türkischen Wikipedia-Artikels – eine furchtbare Lobhudelei.

Hätte das alles sein müssen? Ich meine, wenn er den Ball etwas flacher gehalten hätte, wäre ihm vielleicht niemand dahintergekommen. Es war die von ihm selbst gesuchte Prominenz, die ihm letztendlich die Schlinge um den Hals legte. Sonst hätte er sich wohl noch lange im zu Unrecht erworbenen Ruhm sonnen können. 

Schade ist aber eins: Serkan Anilir war durchaus nicht untalentiert. Ich meine nicht seine Erfindungsgabe und sein Talent zur Selbstdarstellung. Er war offenkundig ein begabter Kommunikator. Seine Bücher waren erfolgreich, und immerhin beherrschte er Japanisch in Wort und Schrift. Damit hätte er schon etwas anfangen können, wenn er es ernsthaft und ehrlich versucht hätte.

Ein Hoch auf die weibliche Intuition

Wie allen Nicht-Japanern war mir Serkan Anilir bis 2009, als der Schwindel aufzufliegen begann, vollkommen unbekannt. Ich hörte von ihm von einer japanischen Bekannten, die zwar nichts von Technik und Raumfahrt versteht, aber vielseitig interessiert ist und deswegen eine seiner (kostenpflichtigen) Vorlesungen besucht. Sie vermutete, dass ich von so einem Menschen mit einer derartig brillianten Karriere gehört haben müsste, aber als sie hörte, dass dies nicht so war, sagte sie: „Hm, ganz ehrlich – ich hatte von vorneherein das Gefühl, dass an dem etwas faul ist. Warum auch immer.“ Das glaube ich ihr – da war ihr Bauchgefühl mehr wert als die Qualifikation diverser Professoren.

Der Soundtrack

Sollte Anilirs Geschichte je verfilmt werden, bietet sich folgender Titelsong an: 

 

 

Weitere Information

Webseite des japanischen Bloggers „11jigen“, auf der Anilirs Behauptungen aufgedeckt werden

Die Webseite eines anderen japanischen Serkan-Anilir-Jägers

Blog-Artikel, der einen Artikel aus der Yomiuri Shinbun vom 28. April 2010 zitiert (engl.), der den Ablauf des Skandals und die Reaktion der Universität zum Thema hat

Blog-Artikel, der einen Artikel in Yomiuri Shinbun (engl.) vom 28. April 2010 zitiert, in dem auf verschärfte Regelungen gegen Pagiate an der Uni Tokio in Folge des Anilir-Skandals Bezug genommen wird

Serkan Anilirs türkischer Blog. Der letzte Eintrag dort ist vom 4. Oktober 2009, also in etwa zu der Zeit, als das Kartenhaus abzurutschen begann

Serkan Anilirs japanischer Blog. Dort seit September 2009 eine lange Funkstille. Am 6. März 2010 ein Eintrag von Serkan Anilir, der sich auf die Aberkennung seines Doktortitels bezieht. Am 4. April 2010 dann ein letzter Eintrag von einer Person, die sich selbst als „kanrinin“ (svw. Manager oder Verwalter) bezeichnet, wobei nicht klar ist, ob es sich um Anilirs Manager oder den Blogadministrator handelt. Laut diesem Eintrag ist Serkan Anilir am 30. März 2010 in die Türkei zurückgekehrt, um seinen Wehrdienst anzutreten. Das mag stimmen, vielleicht aber auch nicht. Seitdem nichts Neues.

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Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Placebo

    Zur Überprüfung der Wirksamkeit von neuen Medikamenten verwendet man oft die Blindstudie, bei der die Versuchspersonen nicht wissen, ob sie das Medikament oder einen Placebo bekommen.

    Zur Überprüfung der Fähigkeit von Ärzten könnte man ebenfalls die Blindstudie verwenden, bei der die Versuchspersonen nicht wissen, ob sie von einem echten Arzt oder von einem Placebo-Arzt behandelt werden.

    Die Beschaffung von Placebo-Akademikern kann doch nicht so schwierig sein.

    Vielleicht kann man auf diese Weise sogar eine ganze Placebo-Klinik aufbauen.

    Placebo-Medikamente und Placebo-Flugzeugersatzteile kann man ja ebenfalls problemlos im Internet kaufen.

  2. Blendwerk versus Leistung

    Auch diese Geschichte – von der ich bislang nicht wusste – ist ein typisches Beispiel dafür, dass es heute eher um Äußerlichkeiten geht als um Inhalte. Blendwerk zählt mehr als tatsächlich erbrachte Leistung. Daher erstaunt es auch nur auf den ersten Blick, wenn sich Blender lange ganz weit oben halten können.

    Ein aktueller Beleg hierfür ist die Tatsache, dass die Dissertation des bayerischen Bundesministers erst Jahre nach Drucklegung von juristischen Fachkollegen unter die Lupe genommen worden ist.

  3. Scherz?

    Haben wir den 1. April? Nein, dann ist das Ganze kein Scherz. Das ist ja wirklich unglaublich. Je dreister die Lügen, desto weniger fällt es wohl auf, weil keiner es für möglich hält, so dreist zu sein. Vor ein paar Jahren hatten wir mal so ein Superinformatiker, der sich als Hochstapler entpuppte.

    Naja, aber man sollte das auch nicht so hoch hängen. Was ist denn gegen so eine wenig Schummelei denn einzuwenden. Muß man immer alles sooo bierernst sehen? Es waren doch „nette“ Fälschungen. Es hat ja auch sein Gutes. Bestimmt werden demnächst bei den richtig wissenschaftlichen Arbeiten strengere Maßstäbe angelegt. Es mußte auch erst die Titanic untergehen, bis man für eine genügende Anzahl von Rettungsbooten sorgte. Sehen wir das doch mal postiv. Von der Warte aus betrachtet kann man „Serkan Anilir“ doch nur dankbar sein.
    Außerdem war er ein echter Kommunikator, da hat er doch wirklich gute Arbeit geleistet. Vielleicht hat das auch freundschaftliche Banden zwischen Japan und die Türkei geschaffen (unsere ehemaligen Verbündeten). Und er war doch auch sehr unterhaltsam. Es kann doch nicht angehen, daß wegen so ein paar Scherzen und einer Fotocollage nun alles schlecht gewesen sein soll. Es ist doch keiner ernsthaft zu schaden gekommen. Und Fehler, nun, wer hat denn noch nie einen Fehler gemacht? Aber das ist wieder typisch. Da ist einer sehr erfolgreich, weil er gute Arbeit macht und dann wird die Stecknadel im Heuhaufen gesucht. Hat man sie gefunden wird die Treibjagd eröffnet. Nein, wie schäbig ist das nur. Die gierige Meute, der wütende Mob hetzt hinter dem armen Mann hinterher. Wozu blindwütiger Neid die Leute nur führen kann. Das ist doch einfach schrecklich wie er so gnadenlos verfolgt wird. Manchen Leute haben einfach keinen Anstand mehr!

  4. Blender

    In nahe zu jeder Karriere ist es notwendig, oder hilft zumindest massiv ein guter Verkäufer zu sein. Wie will ein Politiker oder Manager sonst wichtige Dinge auf den Weg bringen? Auch ein Wissenschaftler oder Igenieur muss seine Idee ‚Verkaufen‘. Das heisst ja nicht dass, nicht auch andere hervorragende Qualitäten vorhanden sind. Man sollte mit der Schublade ‚Blender‘ sehr vorsichtig umgehen. Freilich verleitet dieses Talent zum ‚Missbrauch‘, eventuell ohne daß die betreffende Person das bewußt wahrnimmt. Schließlich kommt ja zumeist von allen Seiten Beifall, Erfolg stellt sich ein.
    Dass in Zeiten des Internets jedoch ein solch haarsträbender Fall möglich ist finde ich schon faszinierend. Hat das eventuell etwas mit japanischer Kultur zu tun?

    @Bednarik
    Das Stichwort Placebo-Effekt an dieser Stelle finde ich genial. Hier tut sich ein weites Feld auf. Auch für die Wissenschaft.
    Jedenfalls kann selbst der lupenreine Blender möglicherweise etwas positives bewirken.

  5. @ Khan

    Die Neider habe ich auch erwähnt.

    Wozu blindwütiger Neid die Leute nur führen kann.

    Nur die Intrige fehlte noch. Aber gut, das war ja auch nur mal schnell aus dem Arm geschüttelt.

    Ach, was ist das alles so billig.

  6. Bist Du Dir sicher,

    dass Serkan Anilir sein richtiger Name ist und er eine türkische Nationalität hat? Im Zeitalter der Casting-Shows und der virtuellen Selbstinszenierung via Facebook, muss man sich selbst ja ständig neu „erfinden“

  7. @Joe Dramiga

    Ist die Entität Serkan Anilir wirklich die Entität Serkan Anilir? Kommt sie am Ende gar vom Planeten K-Pax? Wer kann das sagen?

    Ich kann nur jedem Institutsleiter oder Personalverantwortlichen, der diese Zeilen liest, nahelegen, auch bei sehr beeindruckenden Lebensläufen (vielleicht gerade bei sehr beeindruckenden Lebensläufen) vorsichtig zu sein und simple Plausibilitätschecks durchzuführen.

    In Zweifelsfall fragen Sie einfach eine Frau, was sie von dem bewerber hält. Wie wir auch hier gesehen haben, lässt sich weibliche Intuition nicht so leicht hinters Licht führen.

    gez. Michael Khan, Ko-Autor (zusammen mit Karl-Theodor zu Guttenberg) des Papers „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“, Annalen der Physik, 1905

  8. Serkan An1l1r

    Ich kann (fast) kein Wort Türkisch, aber bei meinem Versuch, im Internet zu überprüfen, ob sich Serkan An1l1r vielleicht mit „Baron Münchhausen“ übersetzen ließe, habe ich in der Wikipedia gefunden, dass Serkan „Adeliges Blut“ bedeutet. Bei An1l1r wurde ich leider nicht fündig. Aber vielleicht ist inan1l1r die Verneinungsform? Dieses Wort bedeutet nämlich „glaubhaft“, „glaubwürdig“.

    Aber jetzt mal Scherz und Zynismus beiseite: Michael, Dein Post ist klasse und zeigt mir mal wieder, wie viele kompetente Blogger hier vertreten sind!

  9. Kraken Intuition

    Die weibliche Intuition ist sicher sehr leistungsfähig.

    Aber gegenüber der Intuition der Oktopoden ist sie weit unterlegen.

    Die Krake Paul hat auf Anhieb die eine richtige von 256 möglichen Lösungen gefunden.

    Paul hat das vor zahlreichen Zeugen gemacht, und es handelte sich um acht verschiedene unbestimmbare zukünftige Ereignisse.

  10. doktorat plagiat?

    Manchmal fragt man sich oder sollte sich fragen, was dieser Titel eigentlich Wert ist. Abgeleitet vom lat. würde man annehmen, dass es sich um einen „Lehrer“ handelt, aber einen höheren Lehrer – ein Lehrer muss viel wissen und dies kommunizieren können. Wird das aber bescheinigt (wie wird geprüft) und wird es überhaupt verlangt: Zu welchem Zweck promoviert man denn?

    Ganz utilitaristisch gedacht: Wer eine akademische Karriere anstrebt, braucht den Titel, um selbständig forschen zu dürfen, d.h. eigene wissenschaftliche Projekte beantragen zu dürfen. Dieses Können beweist man, indem man eine wissenschaftliche Arbeit selbstständig anfertigt. Wer in der Öffentlichkeit arbeitet (sei es in den Medien oder vor den Augen der Medien: Politik oder als Arzt/ Jurist…), braucht ihn wie ein modisches Accessoire (wörtliches Zitat eines früheren Arbeitgebers: „Sie können sich den Titel auch kaufen“ – nee, oder? …, für wen dieser Titel so wenig ethische Werte birgt, der hat m.E. das Konzept missverstanden.)

    Vielleicht sollten wir an unserem Wertebewusstsein feilen? … Das schützt natürlich leider nicht vor Diebstahl (z.B. geistigem), aber möglicherweise verringert es die Motivation zu solchem? Wäre zumindest m.E. wünschenswert.

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