Deutschen gelingt Jahrtausendfund!

Durch einen Anruf eines Journalisten wurde ich dankenswerterweise auf eine Neuigkeit aufmerksam gemacht, die sonst glatt an mir vorbeigerauscht wäre … dabei handelt es sich um eine Weltsensation, vielleicht sogar die wichtigste wissenschaftliche Entdeckung aller Zeiten.

Wie eine große und angesehene deutsche Tageszeitung in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet – der Artikel stammt von dem weithin für seine fundierte Berichterstattung über wissenschaftliche Themen bekannten Fachjournalisten dieser Publikation – wurden in Bildern des momentan in einer Sandwehe festsitzenden NASA-Rovers Spirit möglicherweise Trümmer eines abgestürzten außerirdischen Raumschiffs entdeckt. Beratend zur Seite stand dem Journalisten ein berühmter Autor und Experte für Raumfahrtfragen, auf den sich der Zeitungsartikel mehrfach beruft.

Zweifel sind nicht angebracht, denn was in der Zeitung steht, stimmt bekanntlich grundsätzlich. Aber wenn Sie sich dennoch selbst ein, äh, Bild der Sachlage machen möchten: Es geht um diese Panorama-Aufnahme der Troy-Region im Gusev-Krater, wo sich der Mars-Rover Sprit (augenblickliches Missionsmotto: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.„) aufhält. Klicken auf das Bild öffnet einen Presseartikel mit Links zu hochaufgelösten Versionen der Aufnahme. Aber Achtung, einige der Bilder haben über 100 Megabyte Umfang.

 

Übrigens hat, von besagter Zeitung und auch den meisten anderen unbemerkt oder zumindest unkommentiert, der Rover Spirit durchaus etwas wirklich Bemerkenswertes  entdeckt, und zwar Sulfatanreicherungen dicht unter der Oberfläche. Diese wurden freigescharrt, als die Räder des festgefahrenen Gefährts durchdrehten. Offenbar sitzt Spirit am Rand einer alten geothermalen Quelle fest, dank derer der Boden dort vom vormals austretenden Wasser chemisch verändert ist. Genau solche Stellen sind es, an denen man nach Spuren von Leben, zumindest aber nach Informationen über den Wasserzyklus suchen sollte.

Weitere Information

NASA-Webseite zu den Mars-Rovern Spirit und Opportunity

Kosmologs-Artikel zur Bedeutung von Methan in der Mars-Atmosphäre

Kosmologs-Artikel mit Bericht über die Konferenz EMSEC 2007

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielleicht doch?

    Es ist zumindest nicht ganz ausgeschlossen, dass es sich um Überreste eines von Aliens (d.h., hier, nicht von Marsbewohnern) erbauten Raumfahrzeugs handelt – nämlich um eins von unseren.

  2. Ich schlage vor….

    …sie lassen es zukünftig einfach bleiben. Die Bildzeitung ist einschlägig dafür bekannt, dass sie voller Falschmeldungen ist. So. Auch weniger gebildete Menschen und treuste Bildleser wissen das. Sie wird aber dennoch gekauft, weil sie schnell ist, wild und weil selbst Bundeskanzler darin zum Volk sprechen. Aber auch weil es Unterhaltsam ist die Bild zu lesen, wird sie gern verkauft, sie ist fast schon eine Art Realsatire. Sie haben nciht zuletzt aus letztem Grund diesen Zeitungsartikel hier vorgestellt, sie haben quasi am Verkaufskonzept dieser Zeitung teilgenommen. Damit haben sie den Artikel gefressen oder vielleicht besser vormuliert sie haben ihn gekauft.
    Weil die Bild aber auch eine ethisch extrem fragwürdige Zeitung, (schauen sie doch einfach beim Bildblog vorbei) bitte ich sie in Zukunft, diese Unsitte seriöser Medien auf die Unseriösen zu zeigen, nicht mehr nachzugehen. Es gibt keine schlechte Presse, erst recht nicht für die Bild und diese Zeitung lebt grade davon, dass sich die Menschen (Poltiker,andere Zeitungen, Fernsehen etc) sagen: Die Bild ist zwar schlecht, aber wir kommen nicht daran vorbei. Das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung.
    Daher mein Vorschlag: Lassen sie demnächst solche Artikel sein. Damit richte ich mich auch an sämtlichen anderen Journalisten dies nicht sein lassen können.
    Ich wäre dankbar für eine Stellungnahme.

  3. Hier ist die Stellungnahme

    Vorausschicken muss ich, dass ich mir ohnehin nicht dreinreden lasse, worüber ich schreibe. Dies betone ich deswegen, weil wir uns so vielleicht eine lange Diskussion ersparen können. Es ist völlig zwecklos, mich zu etwas überreden zu wollen.

    Ich sage Ihnen aber auch, warum ich es für notwendig halte, auf falsche Presseartikel hinzuweisen, und es auch in Zukunft tun werde.

    Dabei habe ich gar keine Präferenzen, denn die Bild-Zeitung hat in punkto Falschmeldungen keineswegs ein Alleinstellungsmerkmal. Ich schone auch „seriöse“ Medien nicht, warten Sie es mal ab.

    Warum ist das nötig? Weil es nämlich nicht so ist, entgegen Ihrer Annahme, dass eh schon alle wissen, was von dieser bestimmten Zeitung zu halten ist und dass man ihr eh nicht glauben kann.

    Das habe ich im Laufe des heutigen Tages mitgekriegt, es war für mich ein ziemlicher Schock. Es ist aber nun einmal so.

    Die Verkaufszahlen der Bild-Zeitung verändere ich nicht, weder nach oben noch nach unten. Dazu bin ich nicht wichtig genug. So eine Macht will ich auch gar nicht.

    Aber wenn wenigstens ein paar Leute diesen Artikel lesen, die vorher noch nicht wussten, wie sie diese journalistische Glanzleistung einzuordnen haben, dann bin ich schon zufrieden.

  4. Keine Stellungnahme

    nur meine Meinung: Ich verstehe Anton, wenn er meint, dass die BILD durch solche Beiträge erst geadelt wird. Allerdings teile ich auch die Einschätzung von Michael Khan. Ich denke nicht, dass die BILD-Leser wirklich ihre Zeitung als Satiremagazin wahrnehmen. Wenn dieses Blatt in Form einer Mystery-Serie ständig groben Unfug zum Beispiel zu Astronomiethemen äußert und Prä-Astronautiker zu Experten macht, entsteht eine Nebenwirklichkeit deren Realitätsgehalt dann wenigstens graduell akzeptiert wird nach dem Motto: Irgendwas wird schon dran sein. Ich denke schon, dass es eine gewisse Verpflichtung seitens der echten Experten und seriösen Journalisten gibt, hier Wunden zu reißen und Schwachsinn als Schwachsinn zu bezeichnen. Gerade darin besteht meines Erachtens eine große Stärke der Blogosphäre. Ohne sie würde der unkritische Journalismus (der längst die Regel, nicht die Ausnahme ist) ungenannt bleiben.
    Notorischer Journalismus-Bashing ist auf Dauer natürlich auch langweilig, aber davon ist man hier ja weit entfernt.

  5. Scheibenbremse verloren

    Quatsch! Wohl noch nie `ne Enterprise gesehen, was?

    Das ist ganz klar ein Stück einer defekten Scheibenbremse von Spirit. Und der Rest davon hat sich im Rover verklemmt. Daher kommt das Teil jetzt nicht mehr in die Gänge

    😉

  6. Re: Stellungnahme

    Ich möchte mich entschuldigen. Ich wollte ihnen nur vorschlagen, dass sein zu lassen über die Bild zu berichten. Es geht ja nicht darum, dass sie die Bild fördern, sondern sie erhalten den Ist-Zustand und es wird Zeit für ein Veränderung. Daher schlage ich vor sie einfach zu ignorieren. Ich hielte es für viel wichtiger vermeintlich seriöse Medien zu kritisieren, denn die meisten Leute sind sich nicht bewusst, dass die Wissenschaftsteile des Spiegels und Konsorten teilweise ok sind, aber teilweise auch riesiger Schund sind. Das gilt übrigens auch für den Politikteil, wo sich Redakteure bis auf die Knochen blamieren. Ich beziehe mich jetzt mal ganz konkret auf ein Interview aus dem Jahre 1989 mit dem damaligen SonyChef. http://www.spiegel.de/…gel/print/d-13498870.html
    Dann kann auch niemand entgegnen das liege an dem absehbaren Ausdünnung des Zeitungsmarktes oder an der mangelenden Zeit zu recherchieren. – entschuldigen sie die Ausschweifungen – aber was ich zum Ausdruck bringen will, ist dass das Niveau der angeblichen seriösen Zeitungen auch zu wünschen übrig lässt und dass das den meisten Menschen nciht bewusst ist.
    Wenn Sie weiter über Bild berichten wollen von mir aus, aber meine Erfahrungen aus Jobs in Bauschlossereiein, Steinbrüchen und Autowerkstätten laufen darauf hinaus, dass sich die Leser sehr wohl bewusst sind, was sie da lesen. Das hat meiner Erfahrung auch etwas mit dem Alter zu tun.
    Am Rande möchte ich noch bemerken, dass in den Diskussionen, um die Zukunft der Zeitungen in Zeiten von Gratiskultur und Onlinejournalismus immer am bestehenden System festgehalten wird. Man ist bereit Vertriebsmodelle und Arbeitsbedingungen zu ändern, aber nicht das System wie Beiträge entstehen zu ändern.(Bspw. in der von der Zeit geführten Podiumsdiskussion mit dem aktuellen Springerchef leider finde ich den link grade nicht) Dabei ist allein ein Blick in den Wissenschaftsteil der Zeitungen ausreichend dafür, dass mehr Expertenwissen in den Redaktionen notwendig ist und da hat die Blogkultur einen haushohen Vorteil, wenn Experten die Artikel schreiben und der Journalist der einem alles schmackhaft machen muss wegfällt. Gute Beispiele sind: dieser Blog hier, der nebenbei bemerkt erstklassig ist, oder auch lawblog.de oder fefesblog.
    Entschuldigen sie die Ausschweifungen, aber mich würde interessieren was ihre Meinung dazu ist.

  7. Bike-Tour

    Leute, ich bitte Euch! Das Foto zeigt doch ganz eindeutig die Überreste eines Mountainbikes und nicht die eines Raumschiffs! Das kam so: Auf meiner letzten Bike-Tour durch den Marssand geriet ich unvermittelt in einen fiesen Sandsturm. Leider musste ich mein Bike zurück lassen und sein Titanrahmen wurde vom schmirgelnden Sand ratzefatz zerlegt. Schade! Aber prima, dass ich nun wenigstens einen Erinnerungs-Schnappschuss an diese schöne Radtour habe.

  8. Bild oder nicht Bild

    Also bis zum dritten Abschnitt habe ich geglaubt, der Artikel wurde ernsthaft veröffentlicht, und wollte schon eine Mail mit einer Beschwerde loswerden wie man so einen Unsinn schreiben kann.
    Dann kam die Erleuchtung. Erleichterung dass wenigstens Kosmologs von solchen (ernstgemeinten) Aussagen verschont blieb.

    Obwohl ich die positive Intention, einen solchen Artikel hier zu schreiben, muss ich sagen, dass ich bewusst nicht die Bild-Zeitung lese. Und das möchte ich auch nicht bei Kosmologs als sarkastische Zusammenfassung tun. Am liebsten würde ich dieses Blatt aus meinen Gedächnis komplett streichen.
    Für solche Artikel ist doch eher das Bildblog verantwortlich, welches ich genau aus diesem Grund ebenfalls meide.

    Ich denke wer Kosmologs liest, weiß um die Seriosität der Bild-Zeitung. Das muss man hier nicht mehr ins Lächerliche ziehen, sondern eher an anderer Stelle, wo die Leserschaft von Springer & Co. auch anzutreffen ist.
    Danke.

  9. Leute, jetzt kommt doch mal wieder runter. Ich glaube nicht, dass Michael Khan ab jetzt ein zweites Bildblog aufbauen will. Es war ein kurzweiliger Artikel, der den Leser- vermutlich – zum Schmunzeln bringen sollte. Hat bei mir zumindest hervorragend geklappt.

    In diesem Sinne

  10. @Ryo

    Lieber Herr „Ryo“. Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Es ist schon sehr nervig, wenn in einem Artikel Ironie eingesetzt wird, und dann auch noch ohne ausdruecklichen Hinweis oder Smileys. Wie soll man denn wissen, wann man grinsen soll?

    Nein, das geht wirklich nicht. An Ihrer Stelle wuerde ich „Go for Launch!“ einfach meiden. Der Kerl schreibt einfach nicht das, was Sie lesen wollen.

    Was meint der eigentlich, wofuer man ihn hier bezahlt? Tsss….

  11. anton @ khan

    ah verdammt, jetzt haben sie ja garnciht stellunggenommen, aber ich hab ja die diskussion auch breitgetreten
    was ich aber immernoch ncith verstanden habe wo denn bitte der zivilisationsrest sein soll

  12. @Anton

    Vielen Dank fuer die detaillierten Ausfuehrungen.

    Ich kann Ihnen allerdings nicht ganz folgen. Wenn wirklich keiner die Zeitung, um die es hier geht, Ernst nimmt, dann gaebe es auch kein Problem, wenn man diese Zeitung erwaehnt.

    Allerdings kann ich aber Ihre Vermutung nicht bestaetigen. Leute, die es besser wissen sollten, nehmen die Zeitungsente, von der wir hier reden, wie schon vorherige Artikel von dem Autor fuer bare Muenze. Ist einfach so.

    Deswegen ist es auch notwendig, dass jemand, der weiss, wovon er redet, dazu Stellung nimmt.

  13. „Äquator dramatisch verschoben“

    … so titelte diese Zeitung in einem heißen August vor ein paar Jahren – sehr zur Erheiterung der Teilnehmenden unseres Astronomischen Sommerlagers.

    Ich denke, dass solcher Oberschmarrn zur Erheiterung des gebildeten Publikums beiträgt (danke an Jan für den Kommentar, selten so gelacht!). Der Name des Blattes ist Programm: Sie verkauft BILDer, nicht fundierte Texte.

    Folglich ergibt sich die Klientel. (pretty pictures sind in erster Linie hübsch – wie man Bilder interpretiert, muss man aufwendig lernen, egal, ob als Kunsthistoriker oder als Naturwissenschaftler).

    nehmen wir’s also mit dem Linux-Motto:
    Have a lot fun!

    Susanne

  14. Cooler Blogpost!

    Und teilweise etwas seltsame Meta-Diskussion! Also, ich finde diesen Blogpost einfach klasse, bin froh, dass er geschrieben wurde und sehe mich auch nicht gezwungen, mir nicht gefallende Artikel zu lesen.

    Zu den UFO-Parallelrealitäten lässt sich m.E. nur sagen, dass hier eben auch uneingestanden religiöse Bedürfnisse pseudo-wissenschaftlich bedient werden. Letztes Jahr gab es sogar (wieder einmal) ein richtiges Apokalypse-Datum, das von abertausenden Internet-Usern (!) sehnlichst erwartet wurde:
    http://www.chronologs.de/…ezeiung-zum-14.10.2008

    Deswegen gehe ich nicht davon aus, dass solche Berichte verschwinden werden, sie finden auch weiter einen Markt. Aber wenn die googelnden dann wenigstens auch Blog-Richtigstellungen finden, kann das ggf. einige vor dem Abdriften bewahren. Und das ist doch schonmal was!

    Ich war gestern übrigens auf Pandora! Sah zumindest sehr real aus! 🙂

  15. Bedürfnisse

    Lieber Herr Dr. Blume,

    Es ist wohl eher so, dass es in menschlichen Gesellschaften ein Bedürfnis nach Irrationalität gibt.

    Dieses Bedürfnis nach Irrationalität wird von verschiedener Seite eifrig bedient, von den etablierten wie von den neuen Religionen ebenso wie von Esoterikern und vielen Anderen, und auch einem Teil der Medien.

    Die Unterscheidung zwischen allen Gruppierungen, die sich um diesen Trog drängen, fällt nicht leicht. Vielen sind mehr oder weniger religöse Merkmale gemein, aber auch der Drang, ihre zugrundeliegenden Theorien als wissenschaftlich fundiert zu definieren und sich energisch voneinander abzugrenzen.

    Manche erfreuen sich eines höheren Grads gesellschaftlicher Akzeptanz als andere, wobei diese Akzeptanz nicht unbedingt mit dem wirtschaftlichen Erfolg korreliert, auch die Korrelation mit dem Grad der wissenschaftlichen Fundiertheit ist zweifelhaft.

  16. Äquator dramatisch verschoben

    Das ist mir neu ! Wie denn ein Solches ? Also ein gewisser Unterhaltungswert kann einem solchen Beitrag nicht abgesprochen werden.
    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es sehr viele sind, die eine solche Meldung ( Eilmeldung ? ) für bare Münze nehmen.

  17. Sulfatanreicherungen

    Wieder typisch, dass die Sulfatanreicherungen in keinster Weise erwähnt werden. Aber es ist nunmal so, dass der Ottonormalverbraucher mit dieser Information nichts anfangen kann.

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