Asteroid 2005 YU55 von Deutschland aus beobachten?

Update 8.11.2011: Hier sind die neuesten Radarbilder des Asteroiden 2005 YU55, erstellt am 7.11.2011 u, 20:45 MEZ mit der 70-Meter-Antenne des NASA-Tracking-Netzwerks in Goldstone, Kalifornien. Heute wird das Arecibo-Radioteleskop für weitere Aufnahmen eingesetzt. +++

Bekanntlich wird der Asteroid 2005 YU55 uns morgen, am 8. November 2011, den Scheitel nachziehen … nun ja, nicht wirklich: 320000 km Abstand sind im Maßstab des Sonnensystems schon verflixt nahe, aber immer noch kein Anlass zur Besorgnis.

Jan Hattenbach hat in seinem Artikel bereits Vieles zum Thema gesagt und auch die Möglichkeit der Beobachtung angesprochen. Wie aus der Animation der relativen Bahn des Asteroiden in Jans Artikel zu ersehen ist, nähert sich der Asteroid der Erde fast genau aus Sonnenrichtung, was natürlich den Beobachter vor gewisse Probleme stellt.

In der folgenden Grafik habe ich die Elevation des Asteroiden, unter der er von verschiedenen Standorten in Deutschland aus erscheint, über einer Zeitskala dargestellt. Hier sieht man deutlich: Am Dienstag, dem 8. November 2011, haben wir in Deutschland am Abend eine Chance. Da steht der Asteroid allerdings schon arg tief überm Horizont. Achtung: Die Skala hier ist in UTC (GMT), MEZ ist eine Stunde später. Der Zeitpunkt der größten Annäherung liegt bei 23:28 UTC; da wird der Asteroid von Deutschland aus nicht mehr zu sehen sein.

In den folgenden Nächten dagegen ist zumindest geometrisch die ganze Nacht hindurch Sichtbarkeit gegeben und wir blicken dann auf die voll beleuchtete Seite des Asteroiden, allerdings stört der sehr helle Mond und der Abstand steigt in der Nacht vom 9. auf den 10. November schon auf mehr als eine Million km.

Für die genaue Berechnung der Ephemeriden von jedem Standort auf der Erde aus ist wie immer JPL Horizons nützlich und empfehlenswert.

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Verlauf der Elevation von 2005 YU55 von mehreren Lokationen in Deutschland vom 7.11.2011 bis zum 11.11.2011. Achtung: Zeitskala in UTC – für MEZ muss eine Stunde hinzugerechnet werden. Quelle: Michael Khan

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dark Side

    Frage zum Radarbild: Wieso zeigt es eine „Nachtseite“? Wird mit dem Radarstrahl nicht die ganze von uns aus sichtbare Seite abgetastet? Quasi ein Foto mit frontalem Blitzlicht. Wie kommt es dann zu der dunklen Seite?? Danke.

    [Antwort: Radar“bilder“ funktionieren so, dass man misst, was von der mit dem Radarstrahl „beleuchteten“ Oberfläche zurück zum Empfänger gestreut wird. Eine höhere Empfangsleistung entspricht in der grafischen Darstellung einem helleren Grauton. Wenn in einer bestimmten Abtastrichtung nichts oder nur wenig zurückgestreut wird, dann ist die entsprechende Stelle im Bild dunkel.

    Dass von einem Oberflächenelement viel zurückgestreut wird, kann daran liegen, dass die Oberfläche genau so angeordnet ist, dass viel vom einfallenden Strahl spiegelnd zum Empfänger gestreut wir. Es kan naber auch an einem hohen Grad von Rauigkeit an der betreffenden Stelle liegen. Bei einer Stelle, die im Bild dunkel erscheint, kann es sein, dass die Oberfläche so orientiert ist, dass von dort aus wenig spiegelnd zurückgestreut wird und/oder dieser Teil der Oberfläche auch glatt ist, also eine geringe Rauigkeit aufweist. MK]

  2. Wie Radar-

    Bei diesen Darstellungen handelt es sich keineswegs um Bilder der herkömmlichen Art: Es sind visualisierte „Delay-Doppler“-Daten. Die x-Achse entspricht der Frequenzverschiebung des Ping-Echos infolge der Rotation des Asteroiden (Dopplereffekt), die y-Achse der Signallaufzeit und damit tatsächlich einer Art linearen Entfernung. Aus mehreren solcher Datensätze kann allerdings ein 3D-Modell des Körpers rekonstruiert werden, das uns das JPL sicher in ein paar Tagen stolz präsentieren wird.

    Die visuellen Sichtbedingungen für Deutschland – exemplarisch für Bonn berechnet – habe ich übrigens in diese detaillierte Timeline des Vorbeiflugs eingeflochten: Da haben wir schon wesentlich ‚benutzerfreundlichere‘ NEA-Besuche in den vergangenen 10 Jahren erleben dürfen. Hat halt nur eine Albedo „wie ein Autoreifen“, der 2005 YU55, wie es in einem Artikel hieß …

    [ Vielen Dank für die Klarstellung und Erläuterung. Zum Thema „Relay Doppler Radar Imagery“ empfehle ich auch diesen Artikel von Emily Lakdawalla. MK]

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