Animismus und Kosmologie? Eine Betrachtung

Der Gastartikel im Rahmen der Aktion „Visite 2009“ im Blog „Einsteins Kosmos“ von Andreas Müller hat mich zu einer eigenen gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Thema Religion inspiriert.

Meine Gedanken möchte ich hiermit kundtun, bei möglichen Holprigkeiten der theologischen Darlegung eines Ingenieurs bitte ich um Nachsicht – im Gegenzug verspreche ich auch Toleranz gegenüber ingenieurstechnischen Überlegungen von Theologen.

Ich stimme der von Stephan Schleim sehr anschaulich beschrieben Sichtweise Einsteins fast vollinhaltlich zu. Nur die Reduzierung der frühen Formen von Religion auf die „Religion der Angst“ greift meines Erachtens zu kurz – im Gegenteil sehe ich gerade hier in der frühesten Form der Religionsausübung einen entscheidenen Schritt der menschlichen Entwicklung.

Gewiss ist nicht abzustreiten, dass Angst – die Angst vor dem Ausfall der Ernte, die Angst vor Bedrohlichem, die Angst vor dem Unverstandenen – ein integraler Bestandteil früher Religionsausübung war und bis heute geblieben ist. Damit verbunden ist natürlich auch ein Ansatzpunkt für die Machtausübung. Wer sich die Ängste der Menschen zunutze machen kann, der übt Macht über sie aus.

In den ersten Ansätzen von Religionsausübung findet sich jedoch schon ein weiterer wichtiger Aspekt. Diesen sehe ich als als wesentlichen Faktor der menschlichen Entwicklung und damit nicht zuletzt auch der Naturwissenschaften an.

Es klingt auf Anhieb erst einmal nach einem krassen Widerspruch. Animismus als Wiege der modernen Naturwissenschaft? Ich – obwohl Agnostiker – meine, dass dies in der Tat so ist:

Die allerfrüheste Form der Ausübung von Religion begann damit, dass sich menschliche Wesen damit befassten, was sie um sich herum beobachteten, und versuchten, dies in einen größeren Kontext einzuordnen, der über die eigentliche Beobachtung hinausging und gleichzeitig verschiedene Beobachtungen zueinander in Zusammenhang stellte.

Die Interpretation von Beobachtungen als Ausdruck übernatürlicher Vorgänge (seien es Geister, Götter, Naturgewalten), die hinter der direkt wahrnehmbaren Wirklichkeit stehen und damit auch nur indirekt wahrnehmbar sind, ist zunächst einmal etwas sehr wichtiges Merkmal menschlicher und vor allem wissenschaftlicher Denkweise:

Es handelt sich um eine Abstraktion.

Die Abstraktion liefert einen Erklärungsansatz, der wie beschrieben die Beobachtung in einen umfassenderen Kontext einordnet. Der Blitz, der einen Baum in Brand setzt, wird dadurch nicht mehr einfach nur als unbegreifliches Feuer wahrgenommen, das aus unbekannten Gründen vom Himmel fällt.

Die Annahme eines höheren Wesens, nennen wir ihn den Wolkengott, stellt eine Abstraktion dar, die einen Erklärungsansatz für die gemachte Beobachtung liefert. Gleichzeitig stellt sie die eine Beobachtung in einen Zusammenhang zu anderen gleichartigen Beobachtungen: Der Wolkengott wird wohl auch bei anderen Blitzeinschlägen seine Hand im Spiel haben?

Diese Abstraktion stellt aber auch einen Zusammenhang zu anderen Beobachtungen her: Hat der Wolkengott, der Blitze schleudert, vielleicht auch Kollegen, die für Regen, Sonnenschein, Wind oder Hagel zuständig sind?

Aus einer Abstraktion ergeben sich weitere, die zu einem Modell verbunden werden können: Warum schleudert der Wolkengott unter solchen Umständen Blitze, unter anderen nicht? Hängt es von seiner Stimmung ab? Kann der Mensch etwas tun, um die Stimmung dieses oder anderer Götter, Geister und Gewalten zu beeinflussen?

Schon ist man bei einem Modell, das Erklärungsansätze für weite Bereiche der beobachteten Wirklichkeit liefert. Es ist dabei erst einmal völlig nebensächlich, dass im Modell noch erhebliche Plausibilitätslücken klaffen und man rückblickend sieht – allemal mit dem Vorteil heutigen Wissens – dass animistische Gedankenmodelle mit naturwissenschaftlicher Kenntnis nur bedingt vereinbar sind.

Das ist deswegen nebensächlich, weil es wesentlich ist, überhaupt erst einmal ein Modell zu haben. Dieses kann man verfeinern, verbessern, oder auch ganz und gar widerlegen – ohne ein Modell und die dahinterstehende Abstraktionsleistung kann man das aber nicht.

Im Grundprinzip ist selbst der frühe Animismus in seinen wesentlichen Zügen vergleichbar mit der naturwissenschaftlichen Arbeitsweise: Aus Beobachtungen der Umwelt und der Abstraktion der gemachten Beobachtungen ergeben sich Theorien, die zu einem Modell verbunden werden. Die Theorien werden anhand ihrer Konsistenz mit weiteren Beobachtungen verifiziert oder widerlegt.

Insofern ist die Bedeutung der frühen Religion nicht zu unterschätzen. Als es noch gar nichts gab, keine Technik, keine Wissenschaft, da gab es schon Formen der Religionsausübung, die sich in ihren wesentlichen Grundzügen nicht von der wissenschaftlichen Vorgehensweise unterscheiden. Im Detail gibt es natürlich erhebliche Unterschiede, die aber bei einer grundsätzlichen Betrachtung zweitrangig sind.

Es handelt sich somit schon bei der allerfrühesten Religionsausübung – auch wenn es unzweifelhaft zutrifft, dass Götter als Lückenbüßer für alles fehlende Wissen herhalten mussten – um eine wesentliche Kulturleistung der gesamten Menschheit, denn irgendeine Religionsausübung ist ein Merkmal aller Kulturen. Animismus ist nicht selbst das Fundament der Naturwissenschaft, aber beide sind gleichermaßen Ausdruck einer grundlegenden menschlichen Eigenschaft: Wir weigern uns, Dinge einfach hinzunehmen, wir sind neugierig, was sich dahinter verbirgt, wir wollen verstehen, wir wollen beeinflussen, wir wollen steuern.

Würde ich zu schwülstiger Ausdrucksweise neigen – was natürlich nicht der Fall ist! – dann würde ich sogar sagen, dass diese kulturelle Leistung in gerader Linie zum modernen Menschen und seiner Wissenschaft geführt hat, die sich jetzt anschickt, die Entstehung des Universums selbst zu erforschen und sich somit mit der größten denkbaren Frage überhaupt auseinanderzusetzen.

Mein theologischer Exkurs in diesem Blog findet hier erst einmal ein jähes Ende, der nächste Artikel wird wieder mit beiden Füßen fest auf dem mir wesentlich vertrauteren Boden solider Ingenieurswissenschaft stehen.

Ich bin Luft- und Raumfahrtingenieur und arbeite bei einer Raumfahrtagentur als Missionsanalytiker. Alle in meinen Artikeln geäußerten sind aber meine eigenen und geben nicht notwendigerweise die Sichtweise meines Arbeitgebers wieder.

21 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist mit der Brille von heute auf die Vergangenheit geguckt. Sowas wie „Abstraktion“ kennen echte Animisten garnicht. Für sie _ist_ die Welt ganz konkret beseelt von Geistern.

  2. @benni: Abstraktion

    Die Annahme der Existenz übernatürlicher Wesen und ihrer Beeinflussung der fühlbaren, tastbaren, unmittelbar erfahrbaren Realität stellt bereits eine Abstraktion dar, einen Schritt über das bloße Akzeptieren des beobachteten, aber nicht unmittelbar zu vesrtehenden des Ereignisses hinaus.

    Die kulturelle Leistung bestand darin, dass dieser Schritt vollzogen wurde und damit die Abstraktion, die im Wesentlichen auch nichts anderes ist als das, was in der Naturwissenschaft geschieht, wenn aus der Beobachtung eine Theorie erwächst.

    Es ist unerheblich, ob eine Abstraktion auch als solche begriffen wird. Wesentlich ist, dass sie stattfindet.

    Für mich dagegen ist beispielsweise das Phänomen der Impulserhaltung nichts Abstraktes, sondern etwas ganz konkretes, das ich in einem dynamischen System ganz selbstverständlich erwarte und voraussetze.

    Aber dennoch stellt natürlich jegliche physikalische Theorie eine Abstraktion der Realität dar, mit der Verallgemeinerungen und Vorhersagen von Beobachtungen moeglich werden, die in Relation zu anderen Abstraktionen steht und zu weiteren Theorien führen kann.

    Das ist der wesentliche Punkt.

    „Mit der Brille von heute geguckt“ wäre eher, wenn man diese kulturelle Leistung, die die Frühmenschen vollbrachten, und mit der sie sich vielleicht deutlicher von ihren tierischen Vorfahren abgrenzten als mit der Nutzung primitiver Werkzeuge, als wenig bemerkenswert abtut – nur weil solche gedanklichen Leistungen uns heute alltäglich vorkommen.

  3. @classless: Kritik

    Meine Einlassungen sollen weder eine Kritik noch eine Befürwortung der kritischen Auseinandersetzung anderer mit den Voraussetzungen der Ausübung von Religion darstellen.

    Die Anerkennung der – nach meinem Dafürhalten wesentlichen und bemerkenswerten – kulturellen Leistung der intellektuellen Abstraktion beobachteter Ereignisse, die der frühe Animismus nun einmal objektiv gesehen darstellte, macht keinerlei Aussage zum Wert und zur Sinnhaftigkeit im gänzlich anderen gesellschaftlichen Kontext der Neuzeit.

    Daher sehe ich auch nicht, wie meine Ausführungen in Beziehung zu den Meinungen Herrn Dawkins gestellt werden koennten.

  4. Auch hier: Keine Religion!

    Ich muss auch hier ansinnen, doch bitte mit dem Thema Religion etwas „sparsamer“ umzugehen.

    Wie man an solch irrationalen Thesen glauben kann ist mir rätselhaft. Noch dazu halte ich es für extrem gefährlich. Doch was hat das alles mit KOSMOlogs zu tun? Eben, nichts.

    Ich denke Diskussionen über Religion sollte man an anderen Stellen führen.

  5. @Ryo: Rede-/Denkverbot?

    1.) Nicht einmal die Betreiber dieses Blogs schreiben mir vor, was ich hier von mir geben darf und was nicht (ebenso wie bei den anderen Bloggern der Kosmologs). Wieso sollte sich dann ein Außenstehender anmaßen, solche Vorschriften zu erlassen?

    2.) Wie ich ausdrücklich erwähnt habe – es ist eigentlich auch im Rahmen meiner Argumentation nicht wesentlich – bin ich Agnostiker. Es geht mir nicht darum, irgendeiner Religion oder dem Konzept der Religion selbst das Wort zu reden. An welcher meiner Aussagen meinen Sie wahrzunehmen, dass es darum ginge? Die Formulierung „solch irrationale Thesen“ ist arg allgemein und legt den Verdacht nahe, dass der Artikel gar nicht gelesen wurde – was ja auch in Ordnung ist, niemand ist gezwungen, Artikel zu lesen. Nur ist eine inhaltliche Kritik von jemandem, der der Inhalt gar nicht gelesen hat, umso unverständlicher.

    3.) Es handelt sich nicht um eine „Diskussion über Religion“. Was „das Ganze mit den Kosmologs zu tun hat“, ergibt sich aus der Überschrift und aus dem Text.

    4.) Das Wichtigste: Ob es einem passt oder nicht, die Ausübung von Religion im weitesten Sinne ist eine der ältesten menschlichen Aktivitäten. Eine andere bereits sehr alte menschliche Aktivität – ebenfalls unabhängig davon, ob einem das passt oder nicht – ist die organisierte Ausübung von Gewalt (auch bekannt als Krieg). Nur weil einem das eine wie das andere nicht passt, sich der Diskussion darüber zu verweigern, welchen Einfluß solche Aktivitäten auf die menschliche Entwicklung gehabt haben, ist nicht nur inakzeptabel – die menschliche Entwicklung wirklich verstehen werden wir nie, wenn wir wesentliche EInflussfaktoren willentlich ausklammern.

    Denkverbote sind etwas Schlimmes. Denkverbote im Namen einer Religion sind übel, und Denkverbote im Namen der Ablehnung von Religion ganz genauso. Zwischen beiden Ausprägungen des Denkverbots sehe ich keinen Unterschied.

    Wenn Sie konkret darauf eingehen möchten, welcher Punkt meiner Argumentation unzutreffend ist: bitteschön, das werde ich mit Interesse zur Kenntnis nehmen, ja möglicherweise sogar mit Zustimmung, falls ihre Gegenargumentation schlüssig ist.

    Aber etwas mehr Mühe dürfen Sie sich schon geben.

  6. Achduje…

    Es gibt wohl kaum ein Thema, das jahrtausendelang einen solchen sinnlosen Zank ausgelöst hat wie das R-Thema. Schade, dass es nun auch die Kosmologs heimsucht. Ich hoffe, dass der Spuk bald vorbei ist und verbleibe dazu ansonsten schweigend.

  7. Die Hypothese hat was. Eine wesentliche Funktion des Gehirn ist es nun mal, ein realistisches Modell der Umgebung zu bauen. Jedes Modell muss mangels Wissens auch auf Annahmen und Spekulationen bauen und sich im praktischen Betrieb bewähren. Ein Modell, das taugliches Handeln aus der Existenz von Übernatürlichen ableitet kann im Einzelfall so gut oder besser funktionieren wie ein naturwissenschaftliches Modell. Die Tauglichkeit misst sich aber nicht an mathematischen Wahrheiten, sondern allein am Überlebenserfolg.

  8. @Jan: Heimsuchung

    Ja, ich finde es auch schade, dass ein sinnloser Zank die Kosmologs „heimsucht“. Es wäre mir auch lieber, wenn auf Artikel, die sich durchaus differenziert mit einem einzigen Aspekt eines sicherlich kontroversen Themas auseinandersetzen, auch differenziert reagiert würde.

    Dies scheint allerdings nicht möglich zu sein, nicht in den Kosmologs und auch nicht anderswo. Dieser Artikel war eine Art Experiment, und das Ergebnis hat mich dann doch etwas überrascht.

  9. @adenosine

    Erst einmal freut es mich, dass wenigstens einer auf den Inhalt eingeht, anstatt gleich beim ersten Vorkommen des R-Worts in Schockstarre zu verfallen.

    Es ist eine interessante These, dass ein auf unbeweisbaren Annahmen (wie Aberglauben) basierendes Modell die Realität besser beschreiben kann als ein auf einer reproduzierbaren, verifizierbaren mathematisch-physikalisch Theorie beruhendes.

    Dies kann eigentlich nur in einer Übergangsphase der Fall sein.

    Das geozentrischen Weltbild war vielfach (z.B. mit komplizierten Epizyklen) „ausgebaut“ worden – man versuchte dem grundlegenden Problem zu begegnen, dass die Grundannahme einfach falsch war.

    Dennoch gelang es mit diesem falschen und deswegen unzufriedenstellenden Modell zunächst, die von der Erde aus sichtbaren Planetenpositionen mit besserer Genauigkeit vorherzusagen als mit dem neueren und prinzipiell richtigeren, aber noch unvollständigen heliozentrischen kopernikanischen Modell. Das änderte sich, als das heliozentrische Modell dahingehend verbessert werden konnte, dass es die Ezxentrizität und Neigung der Planetenbahnen einbezog.

    Das ist nur ein Beispiel – im Endeffekt ist es immer besser, alles verfügbare naturwissenschaftliche Wissen einzubeziehen und daraus Modelle zu entwickeln, die die Welt beschreiben, als sich mit dem im Endeffekt unbelegten und unbeweisbaren Fundamenten relioeser Theorien zufriedenzugeben.

    Die Meriten der frühen animistischen Religionsausübung liegen darin, überhaupt erst mal die Abstraktion vorzunehmen, die man braucht, um Modelle zu entwickeln. Dies ist so, unbeschadet irgendwelcher pikierter Reaktionen, die eine solche Aussage mir unverständlicherweise bei manchen hervorrufen mag.

    Dass die Grundannahmen des Animismus einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht standhalten (worin sich der Animismus nicht von anderen Religionen unterscheidet), schmälert die kulturelle Leistung nicht.

    Man kann daraus jedoch keinen Aussage ueber den Wert und Nutzen von Religionen in der Moderne ableiten.

    Für Kinder ist es wichtig, spielend die Welt zu erfahren. Ein Kind erwirbt im Sandkasten wichtige motorische Fähigkeiten. Wenn ein Kind nicht spielen mag, stimmt etwas nicht.

    Daraus folgt aber noch lange nicht, dass auch der Erwachsene noch im Sandkasten spielen will, für den gibt es andere und bessere Wege, seinen Geist zu schulen.

  10. Denkverbot?

    Nun ein Denkverbot will ich auf keinen Fall, da hat wohl jemand mehr hinein interpretiert als vorhanden ist.

    Nur wo ein Thema besprochen wird, sollte man bedenken. Um es mal in Neu-Deutsch auszudrücken: „Das Thema Religion finde ich bei KOSMOlogs off-topic“.

    Als Analogie könnte man sagen, dass man auch nicht in ein Theater geht, um dort über Astronomie zu diskutieren, sondern um die Vorstellung zu genießen. Entsprechend schaue ich auch nicht auf KOSMOlogs vorbei, um Theorien über Religion zu lesen.

    Das meinte ich damit. Nicht mehr und nciht weniger. Von einem Denkverbot kann ja wohl nicht die Rede sein. Überhaupt wüsste ich nicht wie ich jemanden hier überhaupt etwas verbieten sollte. Allerdings finde ich Kritik an unpassenden Themen durchaus für gerechtfertigt.

  11. @ Ryo

    Blogs sind thematisch nicht streng ausgerichtet. Und das ist doch hier ein Blog, oder nicht? Es darf und soll auch persönlich zugehen und hier soll auch Raum sein, um mal zu philosophieren. Wann kommt man denn sonst dazu? Wichtig ist nur eine klare Erkennbarkeit, worum es im Artikel geht. Ein Fachbeitrag, persönlich oder sinnierend. Und das ist hier gegeben, das wird schon in der Überschrift deutlich. Wem das Thema nicht behagt, der braucht es ja nicht zu lesen und sich auch weiter keine Gedanken zu machen.

    Es wundert mich, daß einige direkt so allergisch drauf reagieren.

  12. Ich glaube die Dinge gehen parallel

    Hallo Herr Khan, ich beschäftige mich auch nicht professionell mit Religionen, sehe aber natürlich auch im religiösen einen wichtigen Aspekt der Menschheitsentwicklung. Ich glaube, dass der Mensch sich schon immer zweigleisig verhalten hat, früher wie heute. Man kann sich das vorstellen in der Auseinandersetzung mit einem echten natürlichen Feind des frühen Menschen, zum Beispiel dem Leoparden (oder seiner Vorfahren), der ja gerne Nachts Affen jagt. Da gab es die Menschen, die ihre Angst vor dem unbekannten „Dämonen“ der Nacht in Geschichten verpackten. Diese Geschichten beruhigen, weil sie etwas erklären und haben eine erzieherische Funktion für die Kinder, die sich vor der Nacht fürchten sollen (ein bißchen wie heute in der Verkehrserziehung). Zugleich gab es aber auch immer Menschen, die fasziniert vom Leoparden waren, im tagsüber nachstellten, ihm Namen gaben und erforschen wollten (kam so der Mensch zum Hund?). Was ich an diesem Beispiel klar machen will, ist, dass wir Menschen, glaube ich, schon immer diese beiden Möglichkeiten in uns haben, um mit dem Unbekannten umzugehen. Ich glaube nicht, dass sich das eine aus dem anderen entwickelt hat. Religionen und Wissenschaft entwickeln sich unabhängig voneinander und es ist eine Frage von persönlicher Neigung und Charakter, was einem mehr zusagt. Das ist meine bescheidene Meingung zu dem Beitrag.

  13. On-Topic?

    Eine Diskussion über Religion an sich ist hier off-topic. Da stimme ich zu. Nur, wer führt denn eine solche Diskussion? In meinem Blog-Artikel geht es nicht darum.

    Ich finde es eher kritikwürdig, sich hinter einem Pseudonym zu verstecken. Wer mich direkt anspricht, sollte zu seinen Meinungen auch mit seinem Namen stehen. Aber es ist wohl nicht anzunehmen, dass meine Meinung in diesem Punkt Gehoer findet.

    Eine Diskussion ueber die Rolle der frühen Religionsausübung in der Entwicklung der menschlichen Eigenheit, seine Umgebung zu erforschen und Modelle zu entwickeln, die dazu führen, zu verstehen, was „die Welt im Innersten zusammenhält“, halte ich hier keineswegs fuer off-topic.

    Im Gegenteil, die Erforschung des Universums, aber auch die Gründe, warum wir es erforschen und warum überhaupt begonnen wurde, es zu erforschen, ist das eigentliche Thema der Kosmologs. Wenn das hier nicht on-topic ist, was denn dann bitteschoen on-topic?

    Irgendwelche Berührungsängste Einzelner bei Allem, was auch nur irgendwie mit dem Begriff „Religion“ zu tun hat, ist für mich nicht nachvollziehbar und interessiert mich auch nicht besonders.

    Mit solchen Begründungen dürfte man dann auch nicht ueber Stonehenge sprechen, nicht über den Tumulus in Newgrange und vielleicht nicht über die Himmelsscheibe von Nebra, denn wer weiß, vielleicht hat die ja auch eine kultische Verwendung erfahren und ist damit mit Religion „kontaminiert“.

    Wenn jemand meinen Blog nicht lesen moechte, weil ihn die Themen nicht interessieren, finde ich das bedauerlich, aber akzeptabel.

    Wenn jemand meine Thesen im Einzelnen kritisieren oder widerlegen wollen, auch gut, dazu kann ich mich äußern. Pauschale Aussagen, die einen konkreten Bezug zum Geschriebenen vermissen lassen, führen aber nicht weiter.

    An einer weiteren Meta-Diskussion ueber das Thema „Religion in den Kosmologs“, ohne sichtbaren Zusammenhang zu dem Inhalt meiner Blog-Artikel bin ich nicht interessiert.

    Ich werde mich nicht mehr an solchen Meta-Diskussionen beteiligen und ich bitte darum, diese Diskussion nicht in den Kommentaren zu meinem Blog zu führen.

  14. @ Martin Huhn

    Ja, ich hätte vermutlich den Artikel erst gar nicht lesen sollen :).

    Die Erklärung für die allergische Reaktion findet sich in den momentanen, sehr heftigen, Auseinandersetzung mit den Kreationisten in den USA. Ich muss zugeben, dass meine Empfindlichkeitsgrenze sehr herabgesetzt ist, da dies ein gefährliches Thema für die Wissenschaft ist. Wen dem nicht heftig begegnet wird, werden künftige Generationen sehr darunter zu leiden haben.

    Interessant auch, dass sich offenbar einige auch von meinem Kommentar angegriffen fühlen, was zeigt, dass hier ein Schwelbrand vorhanden ist. Der Author bezieht meine Aussage über „irrationale Thesen“ scheinbar sogar auf seinen Beitrag, was keineswegs in meiner Absicht lag. Ich meinte damit die Religionen allgemein. Doch sei es drum.

    Ich werde mir deinen Rat, lieber Martin, zu Herzen nehmen. Denn sich in den Kommentaren über religiöse Dinge aufzuregen, ist so wie die Religion selbst: Irrational.

  15. Religion

    Ich als Agnostiker lehne mich amüsiert zurück und stelle (wieder einmal) mit verwundertem Kopfschütteln fest, dass auch das vehemente Ablehnen von Religion durchaus Züge einer Religion annehmen kann.

  16. @Stefan Taube: Einige Zustimmung

    Herr Taube,

    Sicher haben Sie einen wichtigen Punkt angesprochen. Wir Menschen sind unterschiedlich, und der Animismus der einen Frühmenschen war ein ganz anderer als der anderer Frühmenschen.

    Das ist aber nicht ganz so wichtig denke ich – der wichtige Schritt bestand darin, überhaupt schon mal einen Schritt weg vom einfachen, unüberlegten Akzeptieren aller beobachteten Naturphänomene zu unternehmen und eine Theorie darüber aufzustellen, was es damit auf sich haben koennte. Diesen Vorgang halte ich für ein wesentliches Element der Menschwerdung.

    Alles weitere ist nicht Thema meines Artikels gewesen. Dennoch muss ich Ihnen zumindest in einem Punkt Ihres Kommentars widersprechen:

    Dass Religion und Wissenschaft sich unabhängig voneinander entwickelt haben sollen, ist an der historischen Entwicklung zumindest so nicht festzumachen. Diese Trennung ist ein sehr rezentes Phänomen, sie begann in Europa mit der Renaissance im Rahmen einer allgemeinen Säkularisierung.

    Aber wie kurz ist denn die Phase der Moderne im Vergleich mit der gesamten Menschheitsgeschichte? Einige Jahrhunderte sind gar nichts im Vergleich zu einigen Millionen Jahren seit den ersten Hominiden oder einigen Zehntausend Jahren seit der Mittelsteinzeit.

    Zuvor waren Astronomen auch Astrologen, die Wissenschaft lag im Christentum den Händen des Klerus, Alchemisten befassten sich auch mit jeder Art religoes-motivierter Pseudowissenschaft, Schamanen betrieben Heilkunst wie auch Geisterbeschwoerung. Megalithische Steinkreise wie Stonehenge hatten eine astronomische wie auch eine kultische Funktion; beides war nicht zu trennen. Praktisch jede wissenschaftliche Betätigung war fest in religioesem Glauben verwurzelt.

    Ich sage das ohne jede Wertung – welchen Sinn soll es haben, die Vergangenheit rückblickend bewerten zu wollen? – aber ich denke auch, man wird Schwierigkeiten haben, zu widerlegen, dass Religion und Wissenschaft einen gemeinsamen Weg gegangen sind.

    Über lange Zeit hinweg gingen sie Hand in Hand und genau das macht uns jetzt Probleme, weil moderne Wissenschaft nur funktionieren kann, wenn sie sauber von religioesem Dogma getrennt ist – deswegen sollte es eine saubere Trennung geben.

  17. @ Michael Khan

    Amüsant finde ich das Ganze mittlerweile auch. Aber aus anderen Gründen.

    Also sollte man einfach alles geschehen lassen? Nihilist bin ich jedenfalls nicht.

  18. @“Ryo“ Abschließende Bemerkung

    > Also sollte man einfach alles
    > geschehen lassen?

    Wenn Sie sich am Missstand des Kreationismus erzürnen, dann bietet es sich an, diesen dort zu bekämpfen, wo er sich zeigt, d.h., nicht hier – Sie werden mir ja wohl nicht auch noch vorwerfen wollen, ich hätte hier Kreationismus propagiert.

    Eigentlich ist mir nicht klar, was Ihnen nun konkret nicht passt. Die bis jetzt geäußerten Vorwürfe Ihrerseits waren zumindest objektiv unzutreffend.

  19. Ich bedaure, dass es dieses Hinweises bedarf, aber offensichtlich geht es nicht anders.

    Ich werde weitere Kommentare, sofern sie wirklich keinerlei erkennbaren Sachbezug zum Inhalt des Blog-Artikels aufweisen, auch im Interesse anderer Mitleser entfernen.

    Im Allgemeinen mache ich so etwas nicht, aber ich gehe davon aus, dass ich nicht der Einzige bin, der keine Lust hat, hier einen persönlich gefärbten Kleinkrieg oder eine endlose Metadiskussion mitzuverfolgen.

    Kommentare mit Sachbezug, mögen sie auch eine geharnischte Kritik oder eine völlige Ablehnung meiner im Artikel geäußerten Ansichten enthalten – was mich sogar sehr interessieren würde – verbleiben natürlich in der Kommentarliste. Es soll keine Zensur stattfinden.

    Wer wirklich meint, etwas mit mir persönlich auszufechten zu haben, möge dies per e-mail tun: mkk707@hotmail.com

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