Verschwörungen und ihre Theorien

Jedes Jahr im September erwacht wieder das allgemeine Interesse an Verschwörungen und Verschwörungstheorien. Immer wenn der Jahrestag der Zerstörung der Türme des World Trade Centers und der Angriffe auf das Pentagon naht, rücken erneut die Fragen nach dem genauen Ablauf der Ereignisse und eventueller unaufgeklärter Hintergründe ins Rampenlicht.

Was ist wirklich geschehen und was ist „nur eine Verschwörungstheorie“? Nun muss eine Verschwörungstheorie nicht grundsätzlich falsch sein. Die Welt ist voller Verschwörungen und voller Verschwörungsvermutungen, -legenden und Theorien. Wie kann man aber echte und eingebildete Verschwörungen voneinander unterscheiden?

Machiavellis Analyse der Verschwörungen

Vor fast genau fünfhundert Jahren, in den Jahren 1513-1517 verfasste der italienische Staatsmann Niccolò Machiavelli seine bekannten Werke Discorsi – Gedanken über Politik und Staatsführung und Der Fürst. Darin legt er ohne moralische Rücksichten seine Gedanken zur Ausübung von staatlicher Macht nieder. Die Stabilität eines Staates ist für ihn ein Wert an sich, die zum Wohle der Bürger ausgeübte Macht ist ohne den Verstoß gegen Moral und Recht nicht immer zu gewährleisten. Zu Machiavellis Zeit war Italien in einen Flickenteppich von Stadtstaaten zerfallen, die in ständig wechselnden Allianzen gegeneinander intrigierten und nicht selten Kriege führten. Dabei war ihnen jedes Mittel recht. Machiavelli selbst wurde im Jahre 1513 einer Verschwörung gegen das Herrscherhaus der Medicis beschuldigt. Man warf ihn ins Gefängnis und ließ ihn foltern. Die Vorwürfe waren höchstwahrscheinlich falsch. Ob sie einer Intrige gegen ihn entsprangen oder ob die echten Verschwörer lediglich seinen Namen benutzten, um Anhänger zu gewinnen, ist unklar.

Machiavelli wusste also genau, wovon er sprach, als er in seinen Büchern auch die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verschwörung abhandelte. Er schrieb:

„Der einzige Mittel, der Entdeckung zu entgehen, ist es, den Mitverschwörern keine Zeit zu lassen, das Komplott zu verraten.“

Eine Verschwörung gegen den Herrscher oder den Staat hat immer eine ausgeprägte zentrifugale Tendenz. Wer sich zuerst den Behörden offenbart, hat die Chance, mit einer geringen Strafe oder sogar einer Strafbefreiung davon zukommen. Allen anderen droht im Extremfall die Todesstrafe. Je länger also eine Verschwörung dauert, desto nervöser werden die Beteiligten und desto größer ist die Chance, dass sie sich unabsichtlich verraten oder einer zur Polizei geht. Daraus lässt sich auch eine weitere Regel ableiten:

„Vor der Entdeckung einer Verschwörung kann man sich nicht schützen, wenn die Anzahl der Mitwisser drei oder vier übersteigt.“

Es ist nicht gerade einfach eine Verschwörung erfolgreich abzuschließen. „Viele Verschwörungen werden unternommen, aber nur wenige gelingen“, schrieb Machiavelli. Das ist aber kein Grund zur Entwarnung.

„Durch sie [eine Verschwörung] haben mehr Fürsten Leben und Herrschaft verloren als durch offenen Krieg; denn offenen Krieg können nur wenige mit einem Fürsten führen, gegen ihn verschwören kann sich jeder.“

Das leuchtet soweit ein. Trotzdem führen zuweilen auch große Verschwörungen zum Erfolg. Julius Caesar wurde Opfer eines Komplotts, das mindestens 50 Römer über mehr als einen Monat vorbereitet hatten. Erst am Tage seiner Ermordung erhielt er eine Anzeige darüber, aber er kam nicht mehr dazu, sie zu lesen. Aber die Verschwörer erreichten nicht ihr eigentliches Ziel, die alte Republik wieder herzustellen. Caesars Gefolgsmann Marcus Antonius riss direkt nach Caesars Tod die Macht an sich, und die Verschwörer mussten aus der Stadt fliehen.

Die berühmte Pulververschwörung zur Sprengung des britischen Parlaments wurde erst in letzter Minute aufgedeckt. Eine Gruppe von katholischen Adeligen unter Führung von Robert Catesby hatte monatelang konspiriert, um nach der Ermordung des anglikanischen Königs und der meisten Abgeordneten eine katholischen Aufstand auszulösen. Erst in der Nacht vor dem geplanten Anschlag am 5.11.1605 flog das Komplott auf und Guy Fawkes, der Sprengstoffexperte der Gruppe, wurde verhaftet. Bis heute feiern die Briten das Misslingen des Anschlags mit der Verbrennung von Guy-Fawkes-Puppen und einem großen Feuerwerk.

Eine große Verschwörung scheitert also nicht zwangsläufig, aber man kann als Faustregel festhalten, dass sie um so wahrscheinlicher auffliegt, je größer sie ist und je länger sie dauert.

Eine Jahrhunderte dauernde Verschwörung von Geheimgesellschaften wie den von Dan Brown geschilderten lluminaten ist also in der Realität nahezu ausgeschlossen.

Verschwörungstheorien

Verschwörungen sind alltäglich, aber Verschwörungstheorien zeichnen meist kein realistisches Bild davon. Sie entstehen vielmehr aus dem Verdacht, dass andere Gruppen heimlich für Misserfolge, Unglücke oder Verbrechen verantwortlich sein könnten. Das ist keine Erscheinung der Neuzeit, oder gar eine Folge der Ausbreitung des Internet. Schon bei Naturvölkern sind Verschwörungstheorien gut bekannt. Warum erbeuten unsere Jäger seit Monaten kaum noch Wild? Ganz klar: der verfeindete Nachbarstamm hat das Wild vertrieben oder verhext. Jede Fußspur, oder jeder sonderbar geformte Stein wird als Beweis dafür gewertet. Und je mehr die Mitglieder des anderen Stamms ihre Schuld abstreiten, desto sicherer erscheint ihre Urheberschaft.

Nero beschuldigte die Christen, Rom angezündet zu haben. Sie revanchierten sich, indem sie ihm und seinen Schergen den Brand in die Schuhe schoben. Im Mittelalter mussten die Juden als Sündenböcke für Unglücke und ungeklärte Verbrechen herhalten.

Die 1785 aufgelöste Geheimgesellschaft der bayrischen Illuminaten sollte mit den gefährlichen Philosophen und Freimaurern angeblich für die französische Revolution verantwortlich sein. Der amerikanische Prediger Jedidiah Morse behauptete gar, sie seien Franzosen und wollten jetzt in den USA die Regierung stürzen. Offenbar hatte er die Verschwörungstheorien des schottischen Professors John Robison zwar gelesen, aber nicht recht verstanden. Von da an geistern die Illuminaten als „Illuminati“ durch die Verschwörungsbücher, wobei bis heute einer vom anderen abschreibt.

Die so entstehenden Vorwürfe sind monströs und kaum plausibel, aber sie bieten eine wohlfeile Erklärung für vieles, was böse und schlecht ist. Wenn sich fast Alle redlich bemühen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, warum funktioniert das dann nicht? Ganz einfach: Weil einige wenige Böse aus reinem Eigennutz jede Anstrengung sabotieren. Je nach Standpunkt können das die Banken, die transnationalen Konzerne, uralte Geheimgesellschaften, Juden oder amerikanische Geheimdienste sein.

Wenn man die Machiavellis Kriterien für erfolgreiche Verschwörungen anwendet, sind allerdings die wenigsten dieser Verdächtigungen plausibel. Sie sind vielmehr ein Auswuchs der menschlichen Eigenschaft, sich selbst und die eigene Gruppe für besser, moralischer, freundlicher und hilfsbereiter zu halten als andere Gruppen. Der starke Gruppenzusammenhalt bei gleichzeitiger Aggression gegen andere Gruppen ist in der Sozialpsychologie unter dem Stichwort „Parochial Altruism“ bekannt1,2. Dieser Begriff ist schwer zu übersetzen und bedeutet in etwa „fremdenfeindliche Selbstlosigkeit“. Er beschreibt die menschliche Eigenschaft, sich notfalls für die eigenen Leute aufzuopfern, gegenüber Fremden aber ein enormes Misstrauen zu zeigen. Das Phänomen ist lange bekannt, aber es war unklar, ob es evolutionär oder kulturell bedingt ist.

Eine 2007 in Science veröffentlichte Simulation zeigte, dass ein solches Gruppenverhalten tatsächlich einen evolutionären Vorteil bedeutet und es sich deshalb auf diesem Wege durchsetzen konnte2. Verschwörungstheorien sind sozusagen die geistige Grundlage dieses Verhaltens. Mit echten Verschwörungen haben sie darum kaum etwas zu tun.

 

Literatur

[1] Bernhard H, Fischbacher U, Fehr E (2006) Parochial altruism in humans. Nature 442, 912-915

[2] Choi JK & Bowles S (2007) The Coevolution of Parochial Altruism and War. Science 318, 636

 

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

51 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Verschwörungen

    Sehr schön unterschieden zwischen Verschwörungen und Verschwörungstheorien, sehr schön auch der Rückgriff auf Machiavelli.

    Wie es so ausschaut, taugen Verschwörungstheorien über Verschwörungen auch in voraufklärerischen Systemen wenig.
    Es entsteht oft eine Gefangendilemma-artige Situation oder ein dementsprechendes Kooperationsverhältnis – sofern die Ziele der Verschwörung rechtlich hart geahndet werden. (Ansonsten wäre es aber wohl auch keine Verschwörung.)

    MFG
    Dr. Webbaer

  2. Assassinen als perfekte Verschwörer?

    Wenn Verschwörungen – wie Machiavelli schon erkannt hat – viel wirkungsvoller sind als Kriege falls es nur darum geht einen Herrscher zu beseitigen, die Verschwörung aber meist entdeckt wird, weil schon ab einer Gruppe von mehr als 3 Leuten eine undichte Stelle droht, dann bildet die Gruppe der Assassinen das perfekte Modell für Verschwörungen mit hoher Erfolgsgarantie, handelt es sich doch um eine (Zitat)“ Sekte, die Haschisch konsumierte, orgiastische Feste feierte und Dolch- und Giftmorde an hochgestellten Persönlichkeiten verübte“ wobei die Assassinen meist als Selbstmordattentäter auftraten.

    Und Al-Kaida und andere Selbstmordattentate verübende Gruppen aus dem arabisch/islamischen Raum könnte man dann als moderne Nachfahren dieser zwischen 1080 und 1270 wirkenden Gruppe sehen.

  3. Assassinen die zweite

    Der folgende Wikipedia-Eintrag über die Assassinen erinnert in seiner Beschreibung dieser frühen Selbstmordattentäter aus dem arabischen und schon damals (1080) islamischen Raum an die heutigen religiös motivierten Selbstmorattentätter – immer noch aus dem islamisch/arabischen Raum:

    Marco Polo berichtete über Hasan-i Sabbah (den „Großen Assassin“), dass dieser junge Männer mit Opium betäubte und dann in eine an die Burg Alamut angeschlossene Gartenanlage brachte. Dort, bei guter Bewirtung und Betreuung durch Frauen, erging es ihnen wie im vom Propheten Mohammed versprochenen Paradies. Schließlich wurden sie wiederum betäubt und zum Burgherrn gebracht, der sie zu Fida’i ausbilden ließ. Nur durch ihren heldenhaften Tod, so die Erzählung, sollten sie zurück ins Paradies kommen.“

  4. Volle Zustimmung

    Lieber Thomas,

    dem Post kann ich nur zustimmen – und ergänzen, dass noch jede (!) Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaft, die mehr als eine Generation überdauerte, das Ziel von Verschwörungstheorien war. Es gab z.B. sogar einen „Anti-Shakerismus“ gegen eine gewaltfreie, kinderlose und zurück gezogene Gruppe…

    Sehr gut zum Thema fand ich ja Dein Buch dazu, das ich hier rezensiert hatte und dem ich weiterhin viele Lesende wünsche:
    http://scilogs.spektrum.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/vorurteile/2011-10-23/wie-verschw-rungstheorien-funktionieren-das-buch-von-thomas-gr-ter

    Herzliche Grüße

  5. Verschwörungstheorien und Religion …

    Nun hatte ich es eher so gesehen, dass die überdauernden Religionsgemeinschaften sich besonders als Stifter von Verschwörungstheorien hervorgetan haben: Es waren die Juden, die den christlichen Heiland umbrachten, obwohl doch die Römer das Sagen hatten (und Jesu Tod ohnehin zum göttlichen Plan gehörte) . Der römische Statthalter befragt das Volk, um dann seine Hände in Unschuld zu waschen … Ist das nicht der Anfang einer wunderbaren Verschwörungstheorie?
    Ist es nicht eines der wesentlichen Prinzipien vieler Religionsgemeinschaften, Verschwörungstheorien zu stricken?

  6. Aber herr WB… selbstverständlich muß man unterscheiden zwischen der verschwörung selbst und der Theorie darüber. Das ist nicht „sehr schön“ sondern banale Tatsache und Grundlage.

    Wer bitte unterscheidet denn nicht bezüglich?

    Ausserdem ist niemand auf dieser Welt ausreichend „aufgeklärt“, dass es z ueine trefflichen Theorie reichte. Wir wissen nämlich noch immer nicht, wie es möglich ist, dass wir ein Bewusstsein haben … und wie es uns täuschen kann. Allein diese Tatsache ist allen theoretisierens sehr abträglich – was sollte dabei denn auch richtiges herrauskommen, wenn wir uns das Weltbild „einbildeten“ und nicht wissen, was davon Realität ist?

    Zudem wissen wir nicht sicher, ob unser Bewusstsein in der multikausalen Alltagsumgebung auch konsistent genug ist, um genaue Abläufe und ihre Urachen zu erkennen und zuzuschreiben.

    In diesem Sinne ist auch die Widerlegung von verschwörungstheorien (oder der vermeintlich logische Ausschluß, wie oben) vielleicht wieder nur eine Verschwörungstheorie.

    ich finde, dass Maciavellis niederschriften durchaus interessant seien, aber vielleicht nicht meh rin die heutige Zeit transportiert werden können. Da hat sich doch einiges geändert.
    Allem vorran nämlich, dass jeder erklären kann, was er will. Daraus ergibt sich eine Art Informationsüberflutung, die dazu dient, dass man darin allerhand geheimer Wahrheiten verstecken kann. Niemanden aber würden sie auffallen.
    man könnte auch sagen, dass Wahrheiten in einer versschwörungstheorie gut versteckt sind, denn wie wir wissen, ist eine V-Theorie nicht glaubwürdig.
    Ausserdem ist sie ästhetisch dem Gemüt nicht genehm, also entsteht daraus auch eine Ablehnung und die Zuwendung zu „schönen“ Wahrheiten. Tatbestand der Verdrängung. Das kann man psychologisch auf die Spitze treiben, sodass die meisten Menschen wieder in den Zustand eines „Gläubigen“ aus ästhetischen Beweggründen einnehmen. merken tut dabei niemand mehr etwas. Deutungshoheit hat sich etabliert und Wahrheit über Realität besteht nicht mehr und ist also geheim. So werden dann alle „Teilnehmer“ zu unfreiwilligen „Schauspielern“ mit gut eingeübten Repertoire. man tut halt, was man kann (mit dem was man hat)…

    und wenn einem sein eigenes Bewusstsein die Übersicht über Realität vernebelt, dann kann es schon mal zu Theorien über Verschwörungstheorien über verschwörungen kommen, die sich notwendigerweise aus unvollständigen Informationen zusammensetzen.

  7. Ansonsten bin ich der Meinung, dass an einer verschwörungstheorie immer etwas Wahrheit dran ist.

    beispiel: Chemtrails… wo ja nichts drann (bzw. drinnen) ist. Jedoch wissen wir, dass da tatsächlich was drinnen ist – nämlich Abgase. O.k., … keine bewusstseinsverändernden Substanzen… zumindest uns nicht unbekannte hoffentlich.

    Andere bestehende verschwörungstheorien mögen ebenso an Wahrheiten reich sein. Nur sollte man ja sowieso niemanden wörtlich glauben, so nicht eine genaue kenntnis von über die aussagende Person und der Thematik vorhanden ist.

    So können auch Systemtheorien (etwa nach Luhmann) auch verschwörungstheorien sein, an denen irgendetwas wahr/falsch ist.

    Wahrheitsgehalte bildeten sich grundsätzlich fast zwingend aus der Notwendigkeit der relativen Wahrscheinlichkeit von Zusammenhängen herraus. Aus der Luft gegriffen kann man nichts erklären – was nicht irgendwo ein (systematisches) Vorbild hatte.
    Das Vorbild muß aber in einer Alltagserfahrung für jedermann zu erkennen sein. Ist es dass nicht, dann ist die Nachvollziehbarkeit nicht sicher möglich. Was aber eine Wahrheit daran nicht ausschliesst.

    zueltzt glt: Nicht alles wörtlich nehmen, was sich zusammengereimt wird. Dieses Reimen ist auch nur einer interpretation entstammt und erfordert eine erneute Interpretation in umgekehrter Richtung.

    Zitat (von irgendwo):

    „Das es eine Veschwörungstheorie gibt, heisst nicht, dass es keine Veschwörung gäbe“…

  8. Verschwörung vs. Verschwörungstheorie

    Verschwörungen, also die heimliche Verbündung mehrer Personen mit dem Zweck einen geheim gehaltenen, nur den Verschwörern bekannten, Täuschung und Hinterlist einschliessenden Plan auszuführen, üben auf die meisten Menschen Abscheu vermischt mit Faszination und Angst aus. Angst, weil viele das Gefühl kennen, es werde ihnen etwas vorgetäuscht und sie könnten Opfer einer Verschwörung sein oder werden. Im Wissen um dieses vielen vertraute und unheimliche Gefühl und die damit verbundenen nagenden Zweifel und Ahnungen eines drohenden Verrats greifen auch Literatur und Drama dieses Thema gern auf, wobei geschichtlich verbürgte Verschwörungen – wie die gegen Cäsar – nicht selten als Vorlage dienen, denn die reine Imagination einer Verschwörung kennen viele als heimliche Angst im Hinterkopf und dieser Angst verleihen tatsächlich stattgefundene Verschwörungen neue Nahrung (oder sie führen zur Katharsis?).
    Immerhin sind meist Berühmtheiten und Machtinhaber Opfer oder auch Verdächtigte von Verschwörungen und nicht etwa der Mann von der Strasse. Der Mann von der Strasse ist deshalb etwas abseits vom Schuss, kann sich aber meist gut in die Situation einfühlen – ein weiterer Grund warum Literatur und Kunst das Thema gern aufgreifen. Aus Literatur/Drama und Oper kennen wir das Verschwörungsthema beispielsweise aus den Figuren Cäsar und Macbeth ( Shakespeare ), Maria Stuart (Schiller), Fiesco („Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ von Schiller), Katilina (Catiline His Conspiracy von Ben Johnson, auch bei Brecht), Kaiser Titus („La clemenza di Tito“ von W.A.Mozart).

    Während historisch verbürgte und in Literatur und Kunst reflektierte Verschwörungen meist gegen Einzelpersonen gerichtet sind, haben Verschwörungstheorien typischerweise ganze Gruppen als Ziel und Akteure, wobei die Juden die Rangliste als vermutete Verschwörer wohl anführen.
    Wahrscheinlich haben wir es hier mit der auch an anderen Stellen beobachteten Tendenz zur Personifizierung von Gruppen zu tun. Man spricht vom Bankern, Faschisten, Neoliberalen und eben auch von „Juden“ oder sogar vom „Juden“ womit man eine ganze Menschengruppe in eine konstruierte Person hineinpackt. Diese grobschlächtige Form der Personifizierung, die wir, wenn sie nicht auf Banker oder Neoliberale, sondern auf Religionsangehörige oder Angehörige von bestimmten Ethnien angewendet wird, als Rassismus und als Ausdruck von Vorurteilen zu brandmarken pflegen, könnte bis zu einem gewissen Grade für uns eine Denknotwendigkeit sein: Wie wir uns kurzfristig nur 7 Dinge merken können sind wir auch sonst gezwungen viele Details unter den Tisch fallen zu lassen. Es fällt uns schwer eine andere Person sowohl als Individuum als auch als Mitglied einer Gruppe zu sehen und wir neigen deshalb dazu, entweder die Gruppenzugehörigkeit zu ignorieren oder aber die Individualität zu missachten.
    Um ein Beispiel zu geben: Wer die Juden der Weltverschwörung verdächtigt, konstruiert meist eine Person – einen Überjuden -, welche, da sie aus vielen Einzelindividuen besteht, dementsprechend üermächtig und gefährlich ist.
    Interessant nur, dass so einfach zu durchschauende Konstrukte wie es viele Verschwörungstheorien sind, trotzdem so viele Gläubige haben.

  9. Politik

    Wenn man den König durch einen Parteivorsitzenden oder Vorstandschef ersetzt, findet Machiavelli auch heute noch seine Bewunderer. Vormodern ist daran gar nichts, die Manager bekommen ein Unternehmen als Lehen, Politiker das Gemeinwesen. Wie zu Machiavellis Zeiten kommt es vor, dass der Lehensnehmer seinen Herrn betrügt und selbst nach der Krone greift.

  10. „Eine 2007 in Science veröffentlichte Simulation zeigte, dass ein solches Gruppenverhalten tatsächlich einen evolutionären Vorteil bedeutet und es sich deshalb auf diesem Wege durchsetzen konnte2.“

    Dises „Innen gut – außen-böse“ – Denken nimmt tendenziell immer mehr ab und gilt auch zunehmend als eher dämlich.

    Die dramatischste Folge dieses Denkens , die Berechtigung des kriegerischen Angriffs auf die fremde Gruppe ,ist zumindest im Westen weitgehend geächtet.

    Auch das Suchen von Sündenböcken gilt immer mehr als verwerflich und verschwindet zusehends , einzelne Rückfälle halten diese Entwicklung nicht auf.
    Das alles spricht nicht dafür , daß dieses Verhalten einen evolutionären Vorteil bietet , dann müßte es zu- und nicht abnehmen.

    Vielleicht ist diese Verhaltensform bei „Versuch und Irrtum“ nicht der schlechteste Versuch und konnte sich deshalb so lange halten , aber eben auch nicht der beste , und wird daher von einem sozial höherstehenden Verhalten peu a peu verdrängt , wenn auch im Schneckentempo.

  11. @ DH kein Betreff 06.09.2012, 17:11

    „Dieses „Innen gut – außen-böse“ – Denken nimmt tendenziell immer mehr ab und gilt auch zunehmend als eher dämlich.“

    -> Innen/Aussen gedacht als/aus einer Gruppe wird immer bestehen und einen relevanten Einfluß auf Konflikte haben. Wenn man zukünftig nicht mehr zwischen Nationen Differenziert, dann geschieht dies trotzem in irgend einer Weise. Globalisierung bedarf eh eine Umorientierung. In der Regel ist dann eine Gruppe natürlich unabhängig von geografischen Verortungen zu denken. und dafür gibt es weiterhin genügend „Anreize“ – etwa Hartz4-bezieher vs. alle anderen, Gleich wie „wir“ vs. alle andersartigen (in Verhaltensmustern und anderen Begebenheiten, wie Religion und das Gegenteil…)…

    Die Formierung der Gruppe ist dabei eine Frage der jeweiligen Deffinierung und Zuordung des einzelnen darin und geschieht fliessend und fast wie von selbst. Und … natürlich wird sich die größere Gruppe am effektivsten durchsetzen können.

    Also doch ein evolutionärer Vorteil..!?

    Das dabei Tolleranz nicht mehr viel geachtet werden wird, mag hoffentlich nur ein vorrübergehendes Symptom sein. Aber auch die kleine Verzögerung kann für jede Minderheit immer das Aus bedeuten.

    Und dass die Berechtigung eines kriegerischen Angriffs auf fremde Gruppen im Westen weitgehend geächtet ist, ist ein Irrtum. Bei „uns“ im Westen ist dabei inzwischen eine ganz besondere Strategie am Werk. Nämlich die, dass man nicht offensichtlich angreift, sondern sich wenn überhaupt nur sichtbar verteidigt. Das ist ein Resultat daraus, dass der Beste Sieg einer ist, den der Feind nicht als Niederlage empfinden kann. Denn … die Niederlage einer Gruppe aufgrund eines kriegerischen Angriffs ist der Anstoß für die nächste kriegerische Auseinandersetzung. Wenn aber kein Feind erkennbar wird, ist zudem auch gesichert, dass man bei einem Angriff gar nicht an eine Front gezwungen werden kann – der Gegner ist einseitig überhaupt nicht vorhanden. Niemand weiß überhaupt ,das gekämpft werden muß…geschweige denn gegen wenn oder was.

    Bessere Kriegsführung gibt es nicht.

    Deswegen sind Verschwörungstheorien auch so in Mode (und waren es immer schon). Denn bei ihnen ist nicht eindeutig zu erschliessen, wer eigendlich der Feind sei.

  12. Und die beste Verschwörung ist natürlich die, zu der es keine Theorie gibt.

    Was auch bedeutet, dass da, wo absolute Sicherheit herrscht, weil keine Zweifel aufkommen (etwa an Richtigkeit der Abläufe und BEweggründe), trotzdem eine verschwörung ablaufen könnte.
    Wir erinnern uns an so manche pädagogische Maßnahme und kleine Tricks, di eman an Kindern anwendet, die nicht so wollen, wie wir es wünschen…!
    Auch das ist eine verschwörung in dem Sinne. Und das Kind fällt unwissend darauf herrein – ohne dass ein zweifel aufgekommen sei.
    Und wer nun will sich tatsächlich sicher sein, dass wir als Erwachsene nun wirklich viel schlauer seien, als das Kind, das wir einmal waren? In Sachen verschwörungen hat uns jedenfall niemand ausgebildet.

  13. „Und die beste Verschwörung …

    … ist natürlich die, zu der es keine Theorie gibt.“

    Oh, da kann ich auch etwas dazu beitragen. Kennt jemand den Spruch: „Im Osten geht die Sonne auf, im Westen unter?

  14. Offtopic

    Habe gerade bei Scobel auf 3sat reingezappt.
    Für meinen Geschmack kamen Sie zu wenig zu Wort, stattdessen viel zu lange dieser von Bülow mit seinem cui bono und der Friedensforscher mit seinem Krieg ums Erdöl…

    Und jetzt verlosen die auch noch das Buch des Friedensforschers.
    Wenigstens habe ich Dank der Sendung Ihren Blog entdeckt.

    Viele Grüße

  15. Scobel…

    @ Thomas Grüter

    -> Scobel? und sie waren dort? Schade, nun ist die Überraschung dahin. Ich schaue mir gelegendlich Scobel im Podcast an – wenns Thema dazu taugt.

    Und das Thema hiess „Mythos verschwörung“…

  16. Verschwörungstheorien vs. Fakten

    Verschwörungen sind realer Bestandteil von Politik und Wirtschaft. Preisabsprachen, Insiderhandel oder Mauscheleien zur Besetzung wichtiger Posten sind bekannte Beispiele für ganz alltägliche Verschwörungen. Auch die operative Arbeit von Geheimdiensten besteht zum Teil aus der Planung und Durchführung von Verschwörungen. Einige werden der Öffentlichkeit bekannt, viele auch nicht.

    Verschwörungstheorien sind Vermutungen über Verschwörungen. Problematisch ist, dass in der Öffentlichkeit der Begriff „Verschwörungstheorie“ fast ausschließlich synonym mit „paranoider Unsinn“ verwendet wird. Eine solche Definition ist offensichtlich eine sprachliche Verfälschung.

    Diese Verfälschung ermöglicht es unter anderem, die journalistische und wissenschaftliche Untersuchung von Staatsterrorismus, also von Terroranschlägen, die durch staatliche Stellen durchgeführt wurden, pauschal als absurd und unsinnig zu diskreditieren. Dies ist gefährlich, da das Funktionieren von Demokratien von der kritischen öffentlichen Durchleuchtung staatlichen Handelns abhängt.

    Publizistische Beiträge, die zweifelhafte Theorien zum Beispiel über die Mondlandung, über Aliens oder über Lady Di mit sachlich fundierten Theorien zu möglichem Staatsterrorismus verknüpfen, tragen zur Verdummung der Menschen bei und erschweren ernsthaften Journalismus.

    Verschwörungstheorien zu gesellschaftlich relevanten Themen, wie zum Beispiel 9/11, sollten anhand der ihnen zugrunde liegenden Fakten diskutiert werden. Aufgabe von Journalisten ist es, relevante Fakten zu ermitteln und zu veröffentlichen, sodass eine informierte Öffentlichkeit zum Konsens über deren Richtigkeit finden kann.

    Nur so lässt sich auch der verbreitete Glauben an unsinnige Verschwörungstheorien eingrenzen.

  17. Meine Meinung

    Aufgabe von Verschwörungstheoretikern wäre es konkrete Indizien für die behauptete Verschwörung zu präsentieren anstelle von nebulösen Andeutungen.
    Die zweite Aufgabe von Verschwörungstheoretikern wäre, die Theorie wieder aufzugeben wenn die Indizien sich als irrig erweisen oder andere Fakten die Verschwörungstheorie falsifizieren.

    Sehr interessant finde ich die Beobachtung von Herrn Grüter, dass nicht-westliche Geheimdienste wie bspw. der russische oder der chinesische für Verschwörungstheorien so gut wie unbedeutend sind.
    Auch der iranische Geheimdienst ist in diesen Kreisen selten ein Thema.

  18. Krieg

    @ chris

    „Das dabei Tolleranz nicht mehr viel geachtet werden wird, mag hoffentlich nur ein vorrübergehendes Symptom sein. Aber auch die kleine Verzögerung kann für jede Minderheit immer das Aus bedeuten.“

    Vielleicht bin ich zu optimistisch , aber ich denke eigentlich nicht , daß die – völlig richtig – zunehmende Intoleranz dieselben Ausmaße annehmen wird wie im Gefolge der der heutigen sehr ähnlichen Wirtschaftskrise von 1929 ff.
    Leider haben Sie Recht , zwischendrin kann es zu schlimmen und regelrecht vernichtenden Rückfällen kommen.

    In der Entwicklung weg vom offenen Krieg hin zu subtileren Formen sehe ich aber schon einen relativen Fortschritt , zumal diese unterschwellige Kriegsführung – die es zweifelsohne gibt – von vielen Menschen immer kritischer betrachtet wird.

    Das war früher nicht so , Kriege galten als etwas Heroisches , als Chance , seinen Mann zu stehen und all das andere blabla , sie wurden nie prinzipiell in Frage gestellt von einer größeren Zahl von Menschen, was sich im 20.Jhd. aber dramatisch geändert hat.

  19. @Chris

    Wer bitte unterscheidet denn nicht bezüglich [zwischen Verschwörung und Verschwörungstheorie]?

    Die Theorie ist eine Sicht, die falsch sein kann, mit der man oft modellartig arbeitet und die man permanent hinterfragt, auch auf ihren Nutzen hin, nicht nur bezogen auf die Konsistenz, eben wegen ihrer Provisorienhaftigkeit.

    Dem Schreiber dieser Zeilen ist oft aufgefallen, dass zwischen der Sache, hier der Verschwörung, und der betreffenden Theorie nur unzureichend unterschieden wird, wenn überhaupt.

    Insofern fand der Webbaer die Unterscheidung lobenswert; gerne einmal mehr als einmal zu wenig.

    Bonusfrage: Glauben VTler eher an die Verschwörung selbst oder an die betreffende Theorie? [1]

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] Theorien darf oder muss man * glauben. Nichts gegen den Glauben!
    😉
    * „irgendwann“ oder „bedarfsweise“

  20. @Schreyer

    Verschwörungstheorien zu gesellschaftlich relevanten Themen, wie zum Beispiel 9/11, sollten anhand der ihnen zugrunde liegenden Fakten diskutiert werden.

    Korrekt, sehr wichtig ist der öffentliche Diskurs.

    Was meint man aber oft mit ‚Verschwörungstheorien‘? A: Theorien, die Verschwörungen behandeln und deren Beleglage ungenügend ist.

    Das ließe sich mit der Esoterik vergleichen, V-Theorien sind oft oder meist esoterisch, erschließen sich dem vernunftsbegabten Beobachter einfach nicht ausreichend.

    Und natürlich sind Verschwörungen selten, betreffen meist nur einen kleinen Personenkreis (sonst würden sie nicht funktionieren) und sind wohl auch in voraufklärerischen Systemen selten und in der Umsetzung schwierig, wie der Schreiber dieser Zeilen meint nun verstanden zu haben.

    MFG
    Dr. Webbaer

  21. Verschwörungsgrundlagen

    Sehr interessant finde ich die Beobachtung von Herrn Grüter, dass nicht-westliche Geheimdienste wie bspw. der russische oder der chinesische für Verschwörungstheorien so gut wie unbedeutend sind.

    Wenn staatliches oder systemisches Handeln nicht den Grundlagen einer Verschwörung entspricht, genannt seien hier insbesondere der Widerspruch zu den gesellschaftlich akzeptierten Werten und strafrechtliche Verstöße, liegt keine Verschwörung vor.

    Oder?

    Man kann sich diese Beobachtung annehmend in der Folge natürlich Gedanken machen, welche Maßstäbe eingefleischte Verschwörungstheoretiker so anlegen, wie deren Motivationsimperativ so im allgemeinen ist, korrekt!

    Und selbst Verschwörungen oder „Verschwörungen“, denen totalitär Herrschende zum Opfer fallen, Ben Ali und Mubarak seien hier genannt, beide ehemals und witzigerweise in der Sozialistischen Internationalen organisiert, sind schwierig einzuordnen. Denn derartige Machtwechsel [1] sind vielleicht ganz normal oder „Folklore“. Wie wird man derartig Herrschende sonst los?

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] btw, ein wichtiges Merkmal der Systeme der Europäischen Aufklärung: Machtwechsel finden ritualisiert und gewaltfrei statt

  22. Falsche Quellen…

    Aufgabe von Verschwörungstheorien könnte es ebenso sein, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Abseitig dann geht die eigendliche verschwörung vonstatten.

    Ausserdem in der Menge, wie sie aufteten, kommt es zudem auch zu einer entsprechenden Desensibilisierung gegen solche Theorien, sodass zukünftige „V-Theorien“ nicht mehr so ernst genommen werden – nach dem Motto: ist ja eh alles Schwachsinn.

    Zudem lässt sich in einer derzeit gängigen Verschwörungstheorie alles mögliche verstecken, weil fast keiner (der dafür auch die Möglichkeiten hat) genau genug hinsieht, weil…ist ja eh alles Schwachsinn.

    Und was hier von den Medien als Quellen berichtet wird … kann nicht wirklich ernst gemeint sein. Es gibt heute (fast) keinen gescheiten Journalismus mehr. Alle Nachrichten werden inzwischen von „Großhändlern“ bezogen. Und der Großhändler ist was? Richtig, auch nicht der Produzent, sodas hier fast nicht mehr nachvolziehbar ist, woher Informationen stammen. Die Annahme, eine Information komme aus erster Hand und selbst erfahren/gemacht … ist sehr unwahrscheinlich. Was dann noch als Quelle vor dem Großhändler relevant ist, wären diverse Pressemitteilungen von Institutionen und Organisationen – aber eben auch wieder nicht unabhängig.

    Die Alltagsmedien sind dafür nicht mehr zuständig. Sie sind nur noch in der Lage, dass zusammenzufassen, was irgendwo vorbereitet worden ist. Sie sind inzwischen nur noch dafür da, die „Verschwörungstheorien“ in die Menge zu bringen. Meinungsmacher, Indoktrinierung… aus den zu verfügung stehenden „Quellen“ … leider nicht selten genug aus dem Internet, wo eine gescheite Sicherheit der Quelle sowieso nicht mehr gegeben ist.

  23. @Chris

    Aufgabe von Verschwörungstheorien könnte es ebenso sein, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Abseitig dann geht die eigendliche verschwörung vonstatten.

    Wie meinen Sie das genau mit der ‚eigentlichen Verschwörung‘?

    MFG
    Wb

  24. @ WB

    „Glauben VTler eher an die Verschwörung selbst oder an die betreffende Theorie?“

    -> Mag sein, dass eine für jemanden glaubhafte Theorie auch die Wahrheit sein könnte. Ein weiterer Fakt aber wird übersehen. Wenn eine Theorie in der Sache auch nur möglich, anwendbar, durchführbar wäre, so ist es also von der Theorie nicht weit zur Realität / Umsetzung.

    Mir leuchtet gerade ein, warum es so wichtig war, zu unterschieden.

    Nebenbei:

    bei derzeit so kreativen „Verschwörungstheoretikern“ und ihren Output braucht sich kein Geheimdienst mehr eigene Gedanken machen, was sie so als nächstes anstellen. Die Vorschläge stehen weltweit abrufbar im Netz. Und die Tatsache, dass die verschwörungstheorien eh keiner ernst nimmt, hält sie dann auch nicht davon ab, sich damit aus zu probieren – die Sache ist öffentlich ja schon vorher für Nonsens erklärt worden und zwar mit der Zuschreibung, es sei eine Verschwörungstheorie.

    „Korrekt, sehr wichtig ist der öffentliche Diskurs.“

    -> Der öffentliche Diskurs (etwa über die Medien) erstellt „eine“ Wahrheit, die sich dann durchsetzt. „Reine“ Wahrheit muß dass aufgrund des öffentlichen Diskurses nicht sein.
    Wichtig ist der Diskurs deswegen, damit sich eben „eine“ Wahrheit daraus entwickelt.

    Ansonsten macht natürlich Sinn, wenn man viele Geister an einem Problem sich abarbeiten lässt – mögliche Theorieversionen können dann wengstens quantitativ von Wert sein, woraus sich dann die beste ausgesucht wird.

  25. @Chris

    „Korrekt, sehr wichtig ist der öffentliche Diskurs.“ (Dr. Webbaer)

    -> Der öffentliche Diskurs (etwa über die Medien) erstellt „eine“ Wahrheit, die sich dann durchsetzt.

    So ist es ja gerade nicht. Stattdessen wird eine bestimmte Sicht „mehrheitsfähig“ und wird dann in gesetzlichen Vorhaben implementiert (oder auch nicht, lol).

    BTW, entstammen Sie selbst dem VT-Spektrum, den „Infokriegern“ und wilden Libertären?

    Falls ja, sind Sie bei Dr. W genau richtig, der ergänzt dann gerne.

    MFG
    Dr. Webbaer (der aber auch sonst gerne ergänzt 🙂

  26. Mehrheitsfähig..?

    @ WB

    „entstammen Sie selbst dem VT-Spektrum, den „Infokriegern“ und wilden Libertären?“

    -> Ich weiß nicht, wovon sie reden.

    Nur soviel: Ich stoße mich ganz gerne an der offensichtlich reisserischen Aufmachung so mancher „verschwörungstheorien“. Aber um an die mediale Oberfläche zu kommen, muß das wohl so sein.

    Auf jeden Fall habe ich so einige Theorien über so manche Begebenheit von dieser Welt parat. Ich überlege aber noch, was es bringt, wenn ich davon sprechen würde.
    Wie man erkennen kann, ist niemand wirklich glücklich darüber, bestimmte Hintergründe tatsächlich zu erfahren. Die Ästhetik solcher Wahrheiten ist den meisten nicht genehm und man ist plötzlich selbst der Arsch. Sie wissen doch: Nicht der Verursacher der Tatsache, sondern der Übermittler der Nachricht wird gesteinigt. Das sagt auch viel über die „mehrheitsfähige“ Wahrheit/Sichtweise aus… nicht war?

  27. ‚eigentlichen Verschwörung

    @ WB

    „Wie meinen Sie das genau mit der ‚eigentlichen Verschwörung‘?“

    -> Das ist etwa, wie mit dem Sommermärchen in der Politik. Alle schauen da hin und nebenher geschieht irgendwas anderes, ohne dass es eine Resonanz in den Medien gibt.

    Streue eine obskure, aber fantastische verschwörungstheorie in die Öffentlichkeit, warte, bis sie öffentlich voll im gange ist und dann kannst du im Schatten der gerichteten Aufmerksamkeit alle möglichen Verschwörungen durchziehen, ohne, dass davon jemand Notiz nimmt.

  28. @Chris

    Um Verschwörungstheorien oder „Verschwörungstheorien“ erörtern zu können, ist ein Maßstab oder eine Kulturreferenz erforderlich.

    Am mangelnden Maßstab nagen viele, schauen Sie bspw. mal auf das hiesige religionswisschenaftliche Blog oder auf die Inhalteeinheit mit dem Namen ‚Context‘. – Ganz entgegengesetzt hierzu bemühen sich bspw. Herr Honerkamp, Herr Trepl und Herr Dahl auf das Beste.

    Man muss sich auf die Beine stellen, um etwas auf die Beine zu stellen.

    Das Fachwort heißt hier ‚Ideologie‘, bauen Sie gerne dbzgl. aus, wenn Sie zusammen mit diesem Kommentatorenfreund diese Sache („Verschwörungstheorien“) näher zu ergründen erwägen.

    Im Moment kann der Schreiber dieser Zeilen Ihnen nicht anders empfehlen, gut aber in jedem Fall, dass Sie nicht bestimmten im Web verfügbaren Inhalten anhängen, sondern frei denken.

    MFG
    Dr. Webbaer

  29. In der verhaltensforschung oder Psychologie nennt man dies glaube ich „priming“ oder so. Eine Voreinstellung der Erwartungshaltung. Aufmerksamkeit wird gerichtet auf ein bestimmtes Thema und Struktur. Alles, was ausserhalb dieser Erwartungshaltung geschieht, wird wenn überhaupt nur noch halbbewusst warhgenommen und viel zu leicht ignoriert.

    Wir sind eben (vor allem im Alltag) viel zu leicht an der Nase herum zu führen. Unser eigenes Bewusstsein ist dabei der mangelhafte Faktor.

  30. „Priming“

    In der verhaltensforschung oder Psychologie nennt man dies glaube ich „priming“ oder so. Eine Voreinstellung der Erwartungshaltung.

    Gut beobachtet. Darauf läuft es hinaus: aus einer bewusst eingenommen „festen“ (s.o.) Position heraus Wertzuweisungen vorzunehmen.

    Anders geht’s halt nicht.

    Sind Sie im zeitgenössischen SozPäd-Bereich investiert? Haben Sie deshalb Probleme sich zu erheben?

    Hmm, also da wüsste der Webbaer denn auch keinen direkten Rat unser Thema ‚Verschwörungen‘ und deren Theoretisierung zu bearbeiten.

    Klar, alle dbzgl. Einschätzungen sind letztlich wie oben beschrieben oder irgendwie wahlfrei.

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich nun ausklinkt)

  31. @WB

    „das hiesige religionswisschenaftliche Blog“

    -> … weiß ich wohl zu schätzen. Es tangiert mich gelegendlich ebenso, wie die eine oder andere Veschwörungstheorie… mehr kann man auch nicht verlangen. Und ich wäre beunruhigt, wenn es das täte. Ich müsste sonst meine Glaubenseinstellung etwas überdenken.

    „Das Fachwort heißt hier ‚Ideologie‘, bauen Sie gerne dbzgl. aus, wenn Sie zusammen mit diesem Kommentatorenfreund diese Sache („Verschwörungstheorien“) näher zu ergründen erwägen.“

    -> Mit „diesem“ Kommentatorenfreund sind wohl sie in der dritten Person gemeint…!? Dieser Person ist wohl langweilig, dass sie Muße hat, sich mit Ideologien zu beschäftigen. Oder mangelt es am sogenannten Brainstorming (welches allein nicht durchführbar ist, so man nicht souverän mit seiner dazu nützlichen Schizophrenie umgehen kann)…?

    Nichts für ungut… die kleine Animation ist angekommen, aber ich bin dafür nicht unbedingt brauchbar.

    Maßstäbe und Kulturreferenzen sind natürlich (ideologisch) relevant. Nur wer bei einer Referenz hängen bleibt, überblickt niemals Abläufe und deren Beweggründe. Der Bick von „Oben“ – also global betrachtet, ist dabei viel erkenntnisreicher. Unterstützender dabei seien in diesem Sinne „alle“ Kulturrefenzen und Maßstäbe. Leider ein utopisches Unterfangen, aber trotzdem immer besser, als gezwungenermaßen selektive wahrnehmung. Die „reine“ Wahrheit kennt nur einen Maßstab, der alle anderen unterwirft.

    „Sind Sie im zeitgenössischen SozPäd-Bereich investiert?“

    Ich halte es im „Netz“ in der Regel so, dass ich keinerlei Identität versichere. Das gibt jedem Leser meines Outputs die Gelegenheit sich ausschliesslich meinen Inhalten zu widmen – und nicht irgend einer ideologischen Qualifikation anheim zu fallen. Gehen sie also davon aus, dass ich ein niemand bin. Das ist mir gerade viel genug.

  32. @Chris

    Es geht ja nicht um die WAHRHEIT, die kennen nur Esoteriker und in tautologische Systeme Investierte, sondern um die Nützlichkeit und der empirischen Adäquatheit von Theorien.

    An diesen Kriterien hat sich alles bisher Ausgesagte zu messen – und bei den Verschwörungstheoretikern sieht es dbzgl. mau aus, man bemüht sich zwar, kann aber nicht ins Exoterische heraustreten.

    Denn sonst wäre es politische/gesellschaftstheoretische Analyse und kein reines Erzählen vom bösen Heinz oder vom Gehörnten.

    Der Webbaer rät weiterhin an einen kulturellen Kontext zu schaffen und distanziert bemüht, keinesfalls einem Wahrheitsdenken verpflichtet, Sache und Sachträger zu bearbeiten.

    Sie müssen ja nicht glauben richtig zu liegen, aber eine Kulturreferenz bleibt erforderlich, wenn Sie i.p. Ereignis, Sache, Verschwörung oder Theorie einordnen oder einordnen wollen.

    Man fragt Sie halt danach. Wenn dann nichts oder gar „Priming“ kommt, haben Sie es geschafft: im Negativen.

    HTH
    Dr. Webbaer (der Ihnen gar nicht widersprechen möchte, wenn Sie bspw. behaupten, dass bspw. Mandatsträger bestimmten und von einigen als nicht legitimiert erfassten Interessen folgen – es geht mehr um die Systematik)

  33. Scobel auf 3SAT

    Hier noch einmal der Link zu der Diskussion in der 3SAT-Sendung Scobel von gestern Abend:

    http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=32359

    @Kolar: Sicher kann man argumentieren, ich hätte vielleicht mehr sagen sollen, aber der Fairness halber sollen alle Teilnehmer ihre Meinung äußern können. So kann sich jeder ein Bild machen, wie zu dem Thema argumentiert wird.

    @ chris: Vielen Dank nochmal für die Erwähnung. Ich hätte vielleicht im Vorfeld noch einmal darauf hinweisen sollen. Beim nächsten Mal …

  34. @ WB

    -> Wahrheit … ja, nein. Natürlich geht es um Wahrheit. Und wenn sie die Kulturreferenz oder Maßstäbe als relevante Größe zugrunde legen, erhalten sie zwangsläufig eine „Vernunftswahrheit“. Sie ist natürlich auch eine Wahrheit. In der Regel eine, auf die sich eine Kutlurgemeinschaft in einem Prozess geeinigt hat – jedoch immer mit Referenzen, welche aus der selektiven Sicht der Kutlurgemeinschaft selbst nur entstehen konnte.

    Ich verstehe aber diese durch Kulturreferenz entstehende klare Linie, an der sich leichter eine Zielsetzung verfolgen lässt. Soviel Ordnung scheint natürlich sein zu müssen. Aber es ist natürlich auch eine Ideologie, welche sich aus Subjektivität erst formiert. Irgendwie alles Bedingungen, welche eigendlich überwunden geglaubt seien. Nun aber sollen sie doch wieder Fundament von Weltbilder sein…!?

    Aber keine Sorge, ich betrachte eine Kulturreferenz als einen wichtigen eEstandteil einer Erklärung von Abläufen und Bedingungen, ohne diese sich wenig erklären liesse.

    Apropos Kulturreferenz. Da hat der (gemeine) Deutsche so seine Defizite. Immerhin hat es ihn mit beginn des 20. Jahrhunderts besonders hart verwirrt – durch Weltkriege und ihre Ideologien und durch den kalten Krieg der Nachkriegszeit reduzierten sich seine Referenzen auf ein Minimum. Hier muß sogar unterstellt werden, dass in diesem Entstehungsprozess von Kulturreferenzen und Maßstäben erheblich manipuliert wurde. Als ungefähre Anhaltspunkte dafür möge man sich mit „nationbuilding“ einmal befassen und nicht davor zurückschrecken, dass dies angesichts der europäischen Gemeinschaft noch immer prozessiert wird. Die „kulturreferenz“ hierbei wäre natürlich die schwierige geografische und soziolgische Lage auf dem Kontinent. Es befinden sich für eine moderne Zivilisation zu viele unterschiedlich sich identifizierende Kulturen auf zu engem Raum und neue Welten stehen nicht mehr zur Verfügung. Eine Vernunftswahrheit musste her. …

  35. Zitat von Thomas Grüter aus Telepolis:

    „Eine erfolgversprechende Verschwörung sollte nie lange dauern und nur wenige Leute dürfen daran beteiligt sein. Wer daran glaubt, dass eine Verschwörung mit tausenden von Menschen über viele Jahre aufrechterhalten werden könnte, muss sich vorhalten lassen, dass das in der realen Welt kaum zu machen ist.“

    -> Es gibt Strategien, die die Einweihung von Teilnehmern an einer Verschwörung nicht notwendigerweise erfordern. Mann kann also Individuen dahingehend als ausführende Teilnehmer „benutzen“, die vom eigendlichen Ziel keine Idee haben. Ihre Tätigkeit, die sie dabei leisten, geschieht aufgrund ganz anderer Prämissen, Grundlagen und Zielführungen. Mann kann es in etwa mit dem Thema der „strukturellen Gewallt“ vergleichen – wobei die jeweilig daran involvierten und einbezogenen Individuen eine andere Sichtweise der Angelegenheiten erkennen.

    Man kann solche Teilnehmer auch als Helfershelfer bezeichnen, die im guten Glauben an die Rechtmässigkeit ihres Auftrages/Tätigkeit handeln und in einem ganz anderen Zusammenhang ihr Bewusstsein hegen, als es das eigendliche Ziel der dahinter sich verbergenden Veschwörung sei. das ist in der heutigen „arbeitsteiligen“ Gesellschaft inzwischen überhaupt kein Problem mehr. Eingeweihte Verschwörer braucht es dazu nur noch ganz wenige.

    Und anhand der Religionen lässt sich gut erkennen, dass sich verschwörungen doch über lange Zeit aufrecht erhalten lassen. Immerhin bestehen diese inzwischen über tausenden von Jahren hinweg ohne nennenswert bezweifelt zu werden. Das ist zumindest ein zeichen dafür, dass die verschwörung eine wirklich gute ist und sich in den alltäglichen Lebensrealitäten durchaus auch gut einfügen kann. Und deswegen ist die Religion (Gott und viele weitere religiöse Lebens- und Handlungsanweisungen) die erfolgreichste Verschwörung aller Zeiten.

    Natürlich aber gilt die zitierte Aussage in vielen kleineren Dimensionen durchaus. Mit Anzahl der bewusst aggierenden Teilnehmer und der Zeit ergibt sich unweigerlich das Problem der Geheimhaltung. Einschränkend aber muß erklärt werden, dass schon nach verstreichen einer kurzen Zeitspanne eine Gefahr durch Öffentlichwerdung von solchen „verschwörungen“ nicht mehr besteht. Das ergibt sich aus bestimmten Strukturen, nach denen die Verschwörung organisiert wird. Relevante Zeugen (mit Wissen darüber) erscheinen dabei nicht in der Öffentlichkeit – sodass niemand wenigstens eine Struktur ausmachen kann. Die Aufdeckung muß demnach noch während der verschwörungsaktivität geschehen. Sonst ist keine Nachvolziehbakeit/Rekonstruierbarkeit mehr möglich.

  36. Kollektivpsychosen

    @Chris

    Und deswegen ist die Religion (Gott und viele weitere religiöse Lebens- und Handlungsanweisungen) die erfolgreichste Verschwörung aller Zeiten.

    Daran musste Dr. Webbaer nach dem Lesen des Artikels auch denken. Es gibt Leute, die Religionen als Kollektivpsychosen verstehen. Der Schreiber dieser Zeilen tut das aber nicht, sieht auch ihren Nutzen und sieht – trotz des religionstypischen Brimboriums – eine Ähnlichkeit zu anderen Überzeugungen (politischer oder anderer Art, die sog. Statussymbole bzw. der Glaube daran fallen hierzu ein).

    Man muss also immer damit rechnen, dass die Gesellschaft irgendwie blind werden kann und bestimmte Fragen oder Probleme ausklammert. [1] Mit abnehmender Tendenz dank Internet. – Diese kollektiven Störungen wären aber keine Verschwörung, oder?

    MFG
    Wb

    [1] prominentes Beispiel: die Euro-Blindheit – ex post kann sich nun sicherlich jeder denken, dass die Zusammenlegung einer Währung für ganz unterschiedliche Gesellschaften, die nun nicht mehr eigene Währungen auf- oder abwerten können, hoch problematisch ist – btw: auch der Webbaer war hier blind

  37. @ WB

    „[1] Mit abnehmender Tendenz dank Internet. – Diese kollektiven Störungen wären aber keine Verschwörung, oder?“

    -> Information durch/über das Internet kann auch Desensibilisierend wirken. Informationsüberflutung, worauf die Folge wäre, das man diese Information nicht mehr gescheit in Beziehung setzen kann und daraufhin auf andere Informationen zurückgreift. Also doch eine Ausklammerung, die da möglich ist und wahrscheinlich angewandt wird.

    Diese kollektiven Störungen sind im Zweifel Folge von verschwörung(en). Sie können auber auch die veschwörung selbst sein, indem diese Zustände zur Normalität erklärt und Abweichungen als unerwünscht deklariert werden. Dabei entsteht dann der teilnehmer an einer Verschwörung, der von der verschwörung nichts weiß. Die verschwörung wird dann eine Kutlurtechnik, dessen tiefere Beweggründe niemand kennt. Thema Beschneidung/Zircumszission etwa sei eine solche Problematik. Alle (religiös oder anders) Motivierten (lassen es) machen, aber niemand kennt den eigendlichen Beweggrund. Das Wissen um die tatsächlichen Vorteile geht entweder verloren oder war nie richtig bekannt.

    Die europäische Union besteht nicht allein nur aus der gleichen Währung, dem Euro … dachte/hoffte ich eigendlich immer. Aber derzeit scheint es nur darauf anzukommen…!?

  38. @ WB

    Vielleicht reden wir anneinander vorbei, wenn wir „das hiesige religionswisschenaftliche Blog“ erwähnen? Meine Würdigung betraf das von Herrn Blume. Ihre auch?

  39. @Chris

    Ganz ehrlich: Der Webbaer kann Ihnen nicht immer folgen. Es wäre vielleicht gut, wenn Sie ein wenig konzentrierter vortragen.

    Zu den Verschwörungstheorien: Diese benötigen einen kulturellen Kontext, wenn es einzuordnen gilt [1], auf Seite des Betrachters; allgemein wird hier ziemlich weitgehend dem gefolgt, was Herr Grüter vorträgt.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] es gibt hier nur ein religionswissenschaftliches Blog bzw. nur ein Blog mit diesem Anspruch, andere Publizisten sind Theologen oder einfach nur: Gläubige – sofern dem Schreiber dieser Zeilen hier keine dementsprechend bemühte Inhalteeinheit entgangen ist

  40. @WB

    „Ganz ehrlich: Der Webbaer kann Ihnen nicht immer folgen.“

    -> Sie haben mein Argument damit bestätigt. Mir in diesem Fall nicht mehr folgen zu können, liegt daran, dass sie längst andere Informationsquellen be-/verarbeiten. Für dieses inzwischen schon einige Tage alte Thema haben sie inzwischen nicht mehr den „roten“ Faden im Sinn und keine Muße mehr, sich erneut in den Thread einzulesen. Das ist im heutigen „Imformationszeitalter“ eine sozusagen „normale“ Situation – etwa wie sie der Spitzer bemängelt, dass man sich nicht mehr auf ein Thema kann konzentrieren. Das war kein Vorwurf – nur eine Feststellung.

  41. Ungeklärtes

    Sehr geehrte Dr. Grüter,

    wenn die Geschehnisse um das WTC in NY keine Verschwörungstheorie provozieren, dann weiß ich auch nicht. Ich kenne den sozialen Konstruktivismus und bin Skeptiker, beides „schützt“ mich nicht, daran zu zweifeln, dass einzig Terroristen aus dem Arabischen Raum für die Anschläge verantwortlich sind. Im Gegenteil.
    Sie haben in ihrem Artikel versucht die Möglichkeit, einer von vielen gestützten Verschwörung, als unrealistisch zu widerlegen, unter der Vorraussetzung, dass es eine höhere Macht gibt, die die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht.
    So haben wir es bei den Ereignissen um den 11. September vielleicht gar nicht um eine Verschwörung zu tun. Sondern vielleicht um ganz natürlichen Machtmissbrauch, den niemand anzweifelt. Das sich nur wenige an den „Fakten“ stören, könnte ein Zeichen, des noch anhaltenden Machtmissbrauchs sein oder einfach systemimanent. Ich halte es auch für unwahrscheinlich, dass einzig die böse Regierung Bush und ihre Lobbyisten dafür verantwortlich sind. Ich kann aber auch nicht wissen welche Motive sie wirklich hatten und wie groß ihre Macht reicht. Aber ich kann logisch denken und gerate in einen Widerspruch mit der allgemein vertretenen Ansicht, die man von Staatschefs und ihrem Amt hat und dem was man als Skrupel bei Menschen kennt. Bush sagte, Gott hätte ihn geschickt, die Achse des Bösen zu vernichten. Ich will niemanden unterstellen, dass er nicht für das Gute ist. Aber ich kenne die Wirkung von Verblendung und da sehe ich uns alle drin verwickelt, nicht nur einzelne prominente Akteure. Wir alle verblenden und lassen uns verblenden, durch das beschränkte Fenster der Medien, die man uns anbietet. Ich kann mich da leider nicht ausnehmen.

    http://libertyforlife.com/images/911/wtc7an.gif

    Stellt dieses kleine Medium ihrer Meinung nach nun eine Lüge, eine Hysterie, eine Verschwörung, eine Verschwörungstheorie, etwas was man nicht wissen KANN oder gar die aufgezeichnete Wahrheit da?
    Welche Folgen ziehen sie daraus?

    Die freilich bequemste Art, wäre es, es als ungeklärtes Geheimnis oder falsche Darstellungsweise zu vergessen. Doch damit will ich mich nicht abfinden.

    Wenn die Motive eines Verschwörers, die sind, ein System gemeinsam zu stürzen, dann sind Verschwörungstheoretiker, die eine Verschwörung prognostizieren, ein Zeichen, das treue systemdenkende Menschen das System anzweifeln, um es vor den Verschwörern zu schützen.
    Das Problem für jeden Verschwörungstheoretiker ist doch, dass er über wenig Macht verfügt, kaum brauchbares Wissen zur Verfügung hat und dennoch versucht eine Antwort auf seine Frage zu erhalten. Dabei kommt es natürlich häufig vor, dass man anderen Menschen mit mehr Macht auch mehr Wissen um das zuspricht, was man selbst nicht wissen kann, vor allem, wenn diese sich unter dem Deckmantel des Geheimen zu schützen versuchen.

    Wenn man die offizielle Erklärung heranzieht, nach der Terroristen das WTC zum Einsturz gebracht haben, kann man dann nicht auch die Terroristen als Verschwörer begreifen? Wenige haben es geschafft, weil sie daran geglaubt haben.
    Die Aktion hat funktioniert. Eine Regierung ist zu groß, zu viele unterschiedliche Menschen können nicht alle an einer Verschwörung beteiligt sein. Ihr Artikel stützt damit die offizielle Version von Staat und öffentlichen Medien. Ist jemand der die Unfehlbarkeit dieser politischen Organe bezweifelt, generell schon ein verirrter Narr und Verschwörungsprophet?

    Was denken Sie?

    Und was halten Sie in diesem Zusammenhang von der Verschwörung um Julian Assange? Wer hat hier welche Motive?

    Ich bedauere die zu meist polemische und ignorante Art der Auseinandersetzung mit dem Thema und wünsche mir Antworten, die meiner natürlichen Skepsis gerecht werden und nicht mit „Experten sagen“ untermauert werden.

    Wie hier der Fall: http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/warum-stuerzte-wtc-7-ein-a-435684.html.

    Ich möchte nochmals wiederholen, ich bin kein Leichtgläubiger, paranoider und naiver Mensch. Wenn sich vor mir Widersprüche auftun, will ich versuchen, diese zu beseitigen. Dabei habe ich keine Angst mir vorzustellen, dass andere nach Macht suchen, wo ich nach Wahrheit strebe; ich erwäge es aber auch nicht, es als das Plausiblere anzunehmen. Des weiteren sehe ich Loose Change nicht als irrwitzig, sondern als ernste Bedrohung an. Mit 9/11 wurden viele Verletzungen menschlicher Freiheitsrechte und allgemeiner Menschenrechte gerechtfertigt und wenn sie jetzt mit Canetti argumentieren, dann erklären sie mir bitte, wie sonst sollte man heute noch medienwirksam und damit meinungsbildend, bei einer großen Masse an Menschen einen Krieg rechtfertigen?

    Wenn sie Verständnis für meinen persönlichen Wunsch nach sachlicher Argumentation, ein paar hilfreiche Tipps bei der Bewertung von vermeintlichen Sachlagen, die sich in unseren und internationalen Medien widerspiegeln, haben, wenn sie über historisches, soziales, politisches oder psychologisches Wissen verfügen das hilfreich zur Klärung meiner Fragen sein könnte und wenn sie nicht zuletzt die Zeit finden könnten, mir zu antworten, wäre ich Ihnen sehr verbunden. Ich schätze also ihre unabhängie Meinung in diesem Fall, im gleichen Maße, wie ich neugierig ihre anderen Artikel gelesen habe.

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen,

    Steve Mosch

  42. @Steve Mosch

    Ihr Beitrag wiederholt einige Diskussionspunkte, die schon in meinem Telepolis-Interview aufgetaucht sind. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie das Interview lesen. Der Wikipedia-Artikel zu „Loose Change“ ist übrigens auch sehr hilfreich. Ansonsten müsste ich sehr weit ausholen, um Ihre Fragen einigermaßen erschöpfend zu beantworten. Sie reißen in schneller Folge immer neue Themen an, ohne sie zu vertiefen. Zum Beispiel habe ich in meinem Blog-Beitrag Elias Canetti nicht erwähnt. In meinem Buch habe ich aus seinem Buch „Masse und Macht“ die Aussage zitiert, dass die Masse ein nicht zu zerstreuendes Misstrauen gegen Gruppen hegt, die irgendwann als Feinde betrachtet wurde. Diese Feinde werden dann als heimliche Drahtzieher für alle Missgeschicke und ungeklärte Verbrechen verantwortlich gemacht, ganz gleich, was sie sagen.
    Das habe ich aber niemals im Zusammenhang mit einer bestimmten Verschwörungstheorie gesagt, es dient lediglich dazu, die Entstehung von Verschwörungstheorien besser zu verstehen.
    Wenn es um Einzelheiten von Verschwörungstheorien geht, als zum Beispiel, warum die Gebäude des WTC so und nicht anders eingestürzt sind, wie man die Schlussbahnen der Kugeln bei Kennedys Ermordung richtig rekonstruiert, warum Area 51 immer noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist oder warum Lady Diana bei ihrem Tod genau diese und keine anderen Verletzungen hatte, dann muss ich passen. Ich bin kein Bauingenieur, kein Ballistikexperte und kein Sachverständiger für tödliche Verkehrsunfälle. Ich kann nur sicher sagen, dass sich zu diesen Themen mit ziemlicher Sicherheit auch dann Verschwörungstheorien bilden, wenn sie keine Verankerung in der Wirklichkeit haben. In meinem Buch und in verschiedenen Artikeln und in diesem Blog habe ich aufgezeigt, wie das geschieht.

  43. @Chris

    Mir in diesem Fall nicht mehr folgen zu können, liegt daran, dass sie längst andere Informationsquellen be-/verarbeiten.

    Unterfordern Sie Ihren Kommentatorenfreund bitte nicht. – Sicherlich ist das Web schneller und härter, man spricht auch von einer webtypischen Härte, aber der Schreiber dieser Zeilen hat schon Ihren Formulierungsbemühungen, was Verschwörungen sind und was nicht, auch was indirekt vorliegende Verschwörungen betrifft, ganz ohne Verschwörer, gelauscht.

    Es klappte dann nicht mit dem Folgen.

    MFG
    Dr. Webbaer (der’s aber auch nicht ausklamüsern muss)

  44. Machiavelli hatte recht

    Machiavelli: „Vor der Entdeckung einer Verschwörung kann man sich nicht schützen, wenn die Anzahl der Mitwisser drei oder vier übersteigt.“

    Die notwendigen Beteiligten, um das 9/11-Spektakel zu inszenieren:

    Der Präsident, sein Verteidigungsminister, der Bruder des Präsidenten und ein weiterer – der Rest der ungezählten Beteiligten, hat einfach nur: seine Pflicht erfüllt.

    Wen interessiert schon, warum er eigentlich tut, was er tut, wenn es von oben verordnet ist. Ausführende Organe sind an strikte Strukturen gewöhnt, sind es gewohnt, nicht nach Sinn und Zweck ihres Tuns zu fragen, mag es, bei Lichte betrachtet, auch noch so unsinnig erscheinen. Dafür sind sie ja da. Das fängt bei der Buchausleihe in der Stadtbibliothek an und findet beim Militär seine absurdeste Ausprägung.

  45. @ js 16.09.2012, 16:06

    Das meine ich ja. Der heutige strukturelle Organisationsumfang erübrigt viele Mitverschwörer.

    Das ganze System ist strukturelle GEwallt mit einer Prämisse, die sich missbrauchen lassen kann. Wir wissen schon, dass organisierte Strukturen notwendig und nützlich sind. Funktionieren sie aber „immer“ in unserem (persönlichen) Interesse? Nein, … nicht zwangsweise immer. Vielleicht wissen wir nicht, was unsere Interessen dabei sind, weil wir nicht alle Bedingungen kennen?

    So kann sich Psychiatrie auch gut zur Vertuschung von Gewallt/Zwangsmaßnahmen gegen politische Opposition eignen – wie es Gerüchteweise in der Sovjetunion unter Stalin war…

    „Politische Gefangene? Nein, die sind alle in der Psychiatrie.“

    Wer sagt denn, das das heute nicht immernoch und überall so ist/sein kann?

    Angenommen, es gäbe eine sichere Methode, einem Individuum neurologisch derart zu manipulieren, dass er psychiatrische Krankheitssysmptome entwickelt und die man nicht nachweisen kann, weil die struktur (Gesundheitssystem) einen solchen Nachweis nicht vorsieht…

    Niemand würde die Wahrheit kennen und an die These der Krankheit glauben müssen / nur können.

    In diesem (und anderen Fällen) wird dem Kind nur ein anderer Name (Bedeutung) gegeben und niemand kann einen Verdacht schöpfen.

    Noch ein Link:

    http://www.youtube.com/watch?v=O0ojAygpQCU&feature=g-u-u

    Nicht weltbewegend, aber auch nicht banal. Es ist durchaus vieles wahr und real, was der erzählt.
    Er spricht auch „Freiheit“ an… worüber man auch Verschwörungstheorien spinnen könnte, weil der Begriff oft falsch verwenet wird.

  46. Addendum

    Am meisten überrascht immer wieder die Agressivität, mit der vermeintlichen Verschwörungstheorien begegnet wird. Es gehört zum guten Ton, sich lustig zu machen, zu verhöhnen, zu spotten. Wer die offizielle Version anzweifelt, glaubt auch an Bachblüten, so der Tenor.

    Woran liegt das? Die Konsequenz der Bestätigung einer VT, nehmen wir 9/11, wäre in erster Linie, daß man nicht ganze Regionen jahrelang mit Krieg überziehen würde, weil man den offiziellen Aussagen, bezüglich der Umstände des Geschehens, die dieses Handeln „begründen“, schlicht nicht folgen würde, was empirisch naheliegend ist. Die einen werden in die Luft gesprengt, die anderen verdienen sich dämlich. Warum Zweifeln daher mit so offenkundiger Feindschaft und Attitüde begegnet wird, ist ein ausgesprochen interessantes soziologisches Phänomen.

  47. noch ein Letztes

    Ich muß gestehen, schon mit der Präsidentschaftskandidatur G.W.Bush’s einen faschistoiden Geist sich aufschwingen gesehen zu haben. Bias, mag sein. Die unsäglichen Umstände und Verbindungen der Bush-Familie mit Senatoren und Präsidenten, die gesamte Administration wirkte auf mich bedrohlich. Ein Reichstagsbrand – warum nicht? Massenvernichtungswaffen, Brutkasten-Mörder – wie man es gerade braucht. Hat jemand nachher noch eindringlich danach gefragt? Gab es entsprechende Konsequenzen?

    So bin ich also, um Logik gehe es, prima vista nicht geneigt, im informativen (Overkill-) Dickicht gerade der offiziellen Version glauben zu schenken (ist diese denn objektiv weniger VT?). Wer das albern findet, sollte einmal mit Bedacht einen wachen Blick in seine Geschichtsbücher werfen.

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