Stephen Hawking, das Gottesteilchen und der Weltuntergang

Nachdem im März schon fälschlich behauptet wurde, dass die NASA das Ende der Zivilisation berechnet habe, kursiert seit einigen Tagen wieder eine apokalyptische Warnung, die sich auf eine anerkannt seriöse Quelle beruft. Diesmal geht es sogar um mehr: Um die Vernichtung des gesamten Universums. Die Warnung stammt angeblich von Stephen Hawking, einem der besten Physiker unserer Zeit. Steht also diesmal wirklich das Ende der Welt bevor?

Auch wenn es in den Zeitungen anders steht: Der Weltuntergang ist genauso weit entfernt wie eh und je. Zunächst einmal hat Hawking nichts gesagt, sondern etwas geschrieben, und zwar im Vorwort des Sammelbandes „Starmus, 50 Years of Man in Space“, der die Vorträge des „Starmus-Festivals“ in Teneriffa wiedergibt. Das Festival, nach eigenen Angaben „the finest combination of science, art and music to be found anywhere in the world at this time“, startet am 22.9.2014 und dauert 6 Tage.

Handelt es sich also um einen PR-Coup? Das lässt sich nicht ausschließen. Eine Pressemitteilung vom 7.9. unter dem Titel „Starmus und Stephen Hawking stellen das Buch … vor“ findet sich jedenfalls auf der Site der Veranstalter. Vom Weltende ist da allerdings nicht die Rede. Aber genau dieser Absatz wird zur Zeit überall zitiert. Er lautet:

The Higgs potential has the worrisome feature that it might become metastable at energies above 100bn gigaelectronvolts. This could mean that the universe could undergo catastrophic vacuum decay, with a bubble of the true vacuum expanding at the speed of light. This could happen at any time and we wouldn’t see it coming.

Übersetzt heißt das:

Das Higgs-Potential hat die beunruhigende Eigenschaft, bei Energien über 100 Milliarden Gigaelektronenvolt möglicherweise metastabil zu werden. Das könnte bedeuten, dass das Universum einen katastrophalen Vakuumzerfall erleben könnte, wobei eine Blase des echten Vakuums sich mit Lichtgeschwindigkeit ausdehnt. Das könnte jederzeit geschehen und wir würden es nicht kommen sehen.

Starker Tobak, fürwahr.

Der Text enthält einige weitgehend unbekannte Vokabeln, die das Verständnis schwer machen. Was ist ein Higgs-Potential? Und was ist ein echtes Vakuum und warum sollte es sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten? Was bedeutet metastabil? Und was sind Gigaelektronenvolt?

Einige deutsche Zeitungen und Internetportale standen bei der Übersetzung offenbar vor einem Rätsel und haben es fertiggebracht, den kurzen Text völlig zu entstellen (Links am Ende). Ich schlage vor, Sie lesen erst diesen Text und genießen dann die erstaunlich freien Interpretationen.

Erläuterungen: Gigaelektronenvolt

Die Einheit Elektronenvolt, abgekürzt eV, ist ein Maß der Energie, das in der Teilchenphysik gerne benutzt wird. Die Wikipedia definiert: Ein Elektronenvolt ist die Energiemenge, um welche die kinetische Energie eines Elektrons zunimmt, wenn es eine Beschleunigungsspannung von 1Volt durchläuft. Es bezeichnet auch die Masse von Elementarteilchen, die sich aus der Energie nach der berühmten Einstein’schen Formel e = mc². Die Energie entspricht also der Masse multipliziert mit dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit. Aus vielen Gründen, die man z.B. in der Wikipedia gut nachlesen kann, ist die Verwendung dieser Einheit sehr praktisch. Die Ruheenergie eines Protons beträgt beispielsweise 0,94 Milliarden eV, oder 0,94 Gigaelektronenvolt (GeV). Kein Teilchenbeschleuniger kann bisher ein Proton oder einen Atomkern auf dem Wert von 100 Milliarden Gigaelektronenvolt (1020 eV) beschleunigen. Eine entsprechende Maschine müsste größer als die Erde sein. Das schreiben auch Hawking und meisten Zeitungen. Es gibt aber durchaus natürliche Prozesse im Universum, die so enorme Energien erzeugen können.

Vakuumzerfall

In einem idealen Vakuum findet man absolut nichts. Wenigstens würde man das annehmen. Wie kann es also zerfallen? Nach dem heutigen Stand der Quantenphysik und der Kosmologie enthält aber auch ein absolut leerer Raum noch Energie. Das Phänomen ist theoretisch aber bisher nicht recht erfassbar. Die Abschätzungen über die Energiemenge im Vakuum klaffen je nach Ansatz dermaßen weit auseinander, dass man unter Physikern von der „Vakuum-Katastrophe“ spricht.

In jedem Fall wäre es denkbar, dass die aktuelle Vakuumenergie nicht der niedrigsten möglichen Energie entspricht, sondern nur ein sogenanntes lokales Minimum darstellt. Wie käme man da heraus? Man müsste sehr viel Energie zuführen, um das Vakuum über die Wände des lokalen Minimums zu katapultieren. Dann würde es vielleicht in den echten Grundstand herunterrutschen. Wie gesagt: das muss nicht so sein, aber es könnte sein. In diesem Fall wäre unser Vakuum ein falsches Vakuum und das Vakuum im Grundzustand das von Hawking erwähnte echte Vakuum. Den Übergang würde man Vakuumzerfall nennen. Dabei würde die Energiedifferenz zwischen den beiden Zuständen frei. Sollte dieser Vorgang irgendwo in Gang kommen, könnte genug Energie frei werden, um auch den umgebenden Raum zum Vakuumzerfall anzuregen. Dann würde sich der Zerfall mit Lichtgeschwindigkeit kugelförmig ausbreiten. Weil aber nichts schneller reisen kann als das Licht, würden wir ohne Vorwarnung von dem explodierenden Feuerball verschluckt (vielleicht gibt es doch eine Warnung, siehe hier).

Im echten Vakuum würden andere Naturgesetze gelten, es gäbe andere Teilchen und Atome, oder aber überhaupt keine. Galaxien, Sonnen und Leben in unserem Sinne wäre unmöglich.

Dies ist eine Ultrakurzfassung für den Blog, in meinem Buch „Faszination Apokalypse“ habe ich das Thema ausführlicher diskutiert.

Wichtig ist, dass wir uns um das Phänomen wirklich keine Sorgen machen müssen. Das Konzept ist eine reine Spekulation. Einige Wissenschaftler halten nichts davon, andere verlegen das Phänomen in eine sehr fernen Zukunft, wenn die Sterne bereits erloschen sind.

Metastabil

Was instabil ist, zerfällt schnell, was stabil ist, hält quasi ewig. Als metastabil bezeichnet man Objekte, die eine Zeit lang stabil sind. Der Stuhl, auf dem Sie sitzen, das Haus, in dem Sie leben oder der Bildschirm, auf den sie diesen Text lesen, sind metastabil. Sie halten nicht ewig, sondern nur einige Jahre, bevor sie zerfallen.

Higgs-Potential

An dieser Stelle gerieten die meisten Zeitungen endgültig auf einen blind endenden Holzweg, weil sie Higgs-Potential mit Higgs-Boson verwechselten. Das Higgs-Boson, unsinnigerweise auch als Gottesteilchen bezeichnet, ist ein Elementarteilchen besonderer Art. Das Standardmodell der Teilchenphysik fordert ein sogenanntes Higgs-Feld (nach dem Physiker Peter Higgs), das eigentlich nur mathematisch sinnvoll beschrieben werden kann. Es erklärt sehr gut die beobachteten Phänomene der Teilchenphysik, vorausgesetzt, es durchzieht das gesamte Universum.

Dieses Higgs-Feld kann Energie aufnehmen und dann quasi ins Schwingen geraten (im Fachjargon es wird angeregt). Die energieärmste dieser Schwingungen manifestiert sich im Higgs-Boson. Verglichen mit dem Proton ist es aber immer noch sehr energiereich (ca. 126 GeV, Proton 0,94 GeV). Das Higgs-Feld hat ein Potential, eine Art innewohnende Energie. Wenn ich das Higgs-Feld mit sehr viel Energie auflade, könnte es tatsächlich in einen anderen Grundzustand überspringen und damit den beschriebenen Vakuumzerfall auslösen. Wenn die gegenwärtig vermuteten Massen des Higgs-Bosons stimmt , könnte das Higgs-Feld in der Tat metastabil sein. Wohlgemerkt: nicht das Teilchen ist metastabil, seine Eigenschaften deuten lediglich auf eine mögliche Metastabilität des Higgs-Feldes. Es ist ein Indiz, nicht ein Unglücksbote.

Das gilt aber nur, wenn der Teilchenzoo vollständig erforscht ist und keine Überraschungen mehr zu erwarten sind. So weit sind wir aber noch nicht. Beispielsweise könnte die Dunkle Materie aus bisher unbekannten Teilchen bestehen. Nicht umsonst hat Hawking seinen Absatz mit sehr vielen Konjunktiven unterlegt, denn tatsächlich wissen wir nicht, ob das Higgs-Feld metastabil oder stabil ist. Jede neue Entdeckung erweitert unser Wissen, und gerade zur Zeit ändert sich sehr viel.

Fazit: Hawking hat über das Universum spekuliert, und viele Zeitungen haben seinen kurzen Text gründlich missverstanden. Etwas mehr Recherche wäre hier sicherlich hilfreich gewesen. Einige Beispiele:

Kleine Artikelsammlung

Es ist schon erstaunlich, was man aus einem kurzen Absatz alles machen kann. Einige Beispiele:

Stimme Russlands bringt eine sinnlose Kurzmeldung, die sich liest, als sei der Originaltext über zehn Stationen stille Post gegangen. Unterhaltsam sind auch die teilweise bizarren Kommentare.

Der FOCUS kennt den Begriff „vacuum decay“ nicht und übersetzt ihn falsch mit „Vakuum-Abfall“ statt Vakuum-Zerfall. Auch verwechselt er das Higgs-Boson mit dem Higgs-Potential. Richtig ist der Hinweis, dass kein Beschleuniger derzeit auch nur annähernd genügend hohe Energien aufbringt, um das Higgs-Feld metastabil werden zu lassen.

Auch N24 spricht fälschlich von einem „Vakuum-Abfall“ und verwechselt Potential mit Boson. Der Artikel ist ähnlich aufgebaut wie der Focus-Artikel.

Die Huffington Post zitiert und verlinkt N24, einschließlich aller Fehler.

Der Berliner Kurier schreibt ebenfalls von einem „Vakuum-Abfall“, verlinkt aber nirgendwohin. Wie kommt es bloß, dass alle die gleichen Fehler machen?

Die australische Site news.com.au kann ebenfalls mit dem Begriff „Vakuumzerfall“ nichts anfangen und hält das Higgs-Boson für den Auslöser des Weltbrands. Aber der Autor des Artikels hat wenigstens den Experten Alan Duffy gefragt, wie realistisch das Szenario ist. Der stellte klar, dass eine Energie, die ein solches Ereignis eventuell triggern könnte, einen Beschleuniger in der Größe des Sonnensystems brauchen würde. „Sorry Hollywood, you’ll have to get a new desaster film plot“, fügte er hinzu.

cnet wiederum nimmt Stephen Hawking nicht ganz ernst und weist darauf hin, dass er bereits vor feindlichen Aliens und der Auslöschung der Menschen durch intelligente Maschinen gewarnt hat. Außerdem habe er eine Wette über 100$ zum Higgs-Boson verloren. Er hatte das Geld darauf gesetzt, dass es nicht nachzuweisen sei.

Die Tech Times bringt eine etwas skurrile Zusammenfassung, die mit dem Begriff des echten Vakuums nichts anzufangen weiß, und wieder das Boson statt des Potentials erwähnt. Der Link auf auf Livescience.com, der das belegen soll, beleuchtet in Wirklichkeit eine andere Facette des Problems. Für ein Technik-Portal eine schwache Vorstellung. Richtig ist der Hinweis, dass man sich keine Sorgen über das Szenario machen muss.

Am besten macht es NBC-News mit einem gut recherchierten, wenn auch etwas schwer verständlichen Artikel über Higgs-Bosonen, Higgs-Felder und den Vakuum-Zerfall. Geht doch! Nur die reißerischen Überschrift wäre nicht nötig gewesen.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

27 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Falls das Vakuum deutlich metastabil wäre, hätte es wohl schon längst zerfallen müssen, denn neben einer zufälligen Quantenfluktuation können auch hochenergetische Ereignisse den Übergang in ein „echtes“ Vakuum bewirken (Strahlung einer Energie von 10^18 eV wurde schon beobachtet). Im frühen Universum gab es wohl nicht nur mehr solcher hochenergetischer Ereignisse sondern auch solche von noch weit höherer Energie als heute je stattfinden (allerdings haben wir die Chance solche hochenergetischen Ereignisse aus der Frühzeit heute immer noch zu beobachten, weil wir ja (fast) bis auf den Ursprung des Universums zurückblicken können).
    Mit der Alterung des Universums werden hochenergetische Ereignisse wohl eher seltener, ausser viellleicht in der Nähe von schwarzen Löchern.

    Für gewisse Leute mag die Idee aber faszinierend sein, dass man mit einem genügend starken Beschleuniger von planetaren Aussmassen die hochenergetischen Ereignisse schaffen könnte, welche unser Universum auslöschen würde.

    • Anmerkung: „Das Vakuum hätte schon längst zerfallen müssen“ ist ein genauso fragwürdiger Ausdruck wie „der Weltuntergang“, denn physikalisch gesehen, gibt es den Weltuntergang und den Vakuumzerfall nicht – nicht als globales Ereignis jedenfalls. Das Vakuum zerfällt nur lokal – an einer bestimmten Stelle also -, und von dort breiten sich die Wirkungen mit der gemächlichen Geschwindigkeit des Lichts aus.

      • Das ganz Konzept ist rein spekulativ. Es ist nicht erwiesen, dass wir überhaupt in einem Universum mit „falschem Vakuum“ leben, und dass eine Tasche von „echtem Vakuum“ sich tatsächlich ausbreitet. Bisher ist auch völlig unklar, wieviel Energie eigentlich im Vakuum steckt.
        Die Aufregung in den Zeitungen ist deshalb nicht so recht nachvollziehbar.

        • Das stimmt natürlich. Man muss sich aber bewusst sein: Alles was eine Nachricht ist, ist nicht allein wegen dem Informationsinhalt eine Nachricht, sondern weil es uns Menschen anspricht, weil es uns etwas sagt, bei uns gewisse Reflexe auslöst, unseren Erwartungen entspricht oder widerspricht.

          Vielleicht gilt das übrigens auch noch auf andere Dinge wie die Intelligenz. Intelligenz ist möglicherweise ein zutiefst menschliches Konzept, welches primär für technische Geräte keinen Sinn macht. Wenn wir Intelligenz bei Maschinen feststellen könnte das also bedeuten, dass die Maschinen menschenähnlich geworden sind – mindestens in bestimmten Aspekten.

          • Zeitungen schreiben Artikel über solche Themen, die ihre Leser voraussichtlich ansprechen. Dazu müssen sie am besten auch Emotionen wecken. Weltuntergangsszenarien haben immer einen gewissen Gruseleffekt. Das funktioniert sogar dann, wenn man erst das Ende des Universums beschwört, um dann zu versichern, dass dir Voraussetzungen nicht gegeben sind. Aber es ist schon etwas verblüffend, dass viele Autoren von Artikeln offenbar nicht begriffen haben, was eigentlich den Weltuntergang auslösen soll und dann pseudowissenschaftlichen Unsinn schreiben, alles unter Berufung auf einen prominenten Wissenschaftler.
            Intelligenz ist leider ein viel zu schwammiges Konzept, um daraus weitergehende Schlüsse zu ziehen. Beispielsweise galt die Fähigkeit zum Schachspielen lange Zeit als Lackmustest der Intelligenz. Eine Maschine, die sehr gut Schach spielt, muss intelligent sein, dachten die meisten Gelehrten. Heute spielen Computer besser als ein Großmeister, aber deswegen sind sie nicht intelligent.

          • In der AI-Community spricht man heute von Artifiical General Intelligence um dies von Einzelleistungen wie gutem Schachspielen zu trennen. Tatsächlich erninnere ich mich noch wie ein früherere Professor Schachspiel als Lackmustest für Intelligenz bei Maschinen sehen wollte. Doch die Definition von AGI ist heute eine andere (Wikipedia) „Artificial general intelligence (AGI) is the intelligence of a (hypothetical) machine that could successfully perform any intellectual task that a human being can. „

        • Zustimmung: Sogar um überhaupt Spekulationen anzustellen wissen die Physiker zuwenig über das behauptete metastabile Vakuum und seinen energetischen Abstand zum „echten“ Vakuum. So gesehen wundert man sich, dass sogar Physiker bereitwillig mitmachen beim Spekulieren.

        • Zitat:
          „Die Aufregung in den Zeitungen ist deshalb nicht so recht nachvollziehbar.“

          -> Doch, finde ich schon. Das ist immer so, wenn die Fantasie durchgeht und daraus Science-fiktion entsteht, wie sie „toller“ nicht verfilmt werden könnte. Kleine Kinder machen das auch immer so!
          Allerdings bei wirklichen Kindern die Azenarien doch etwas gemäßigter abgehen – das erwachsene Kind offenbar „hochfunktional“ und sado-mäßig, Katastrophengeil veranlagt und fasziniert sich immer gleich das schlimmste ausdenkt.
          Vor 50 Jahren wäre darüber nicht ein Wort in den Medien erschienen. Sowas wollte man nicht lesen oder hören – höchstens in Spezial-Magazinen oder im Abendprogramm zur Grusel-time.

          Und schliesslich steht da ja auch: Es könnte jederzeit passieren“- Jederzeit ist eben auch jederzeit – also auch je

  2. Das Universum könnte schon heute einem Schweizer Käse gleichen mit grossen Blasen, in denen der Übergang vom falschen Vakuum zum echten Vakuum schon stattgefunden hat.
    Gründe:
    1) Der grösste Teil des Universums enternt sich bereits mit Überlichtgeschwindikeit von uns weg, denn ab einer bestimmten Distanz von uns überschreitet die Expansionsgeschwindigkeit die Lichtgeschwindigkeit. Nichts was dort passiert – auch nicht der Übergang in ein echtes Vakuum – wird uns je erreichen.
    2) Selbst wenn Teile des sichtbaren Universums bereits in ein echtes Vakuum übergegangen sind würden wir dies wohl nicht mitbekommen (wie im Artikel schon erwähnt).

    • Kleine Korrektur: Licht aus Gebieten, die sich mit Geschwindikeiten nur knapp oberhalb der Überlichtgeschwindikeit von uns entfernen, kann dennoch zu uns gelangen. Das beobachtbare Universum ist also grösser als die Kugel mit Radius 13.7 Milliarden Lichtjahre, die uns umgibt. In Wirklichkeit hört das beobachtbare Universum erst in 46,6 Milliarden Distanz von uns an. Der Grund liegt einfach daran, dass sich das Universum weiter ausdehnt während das Licht unterwegs ist.

  3. Das Problem wird anscheinend auch in einem Artikel in SdW (Sept. 2014) von Joseph Lykken und Maria Spiropulu angeschnitten. Auf S. 43 heißt es:
    „Ohne Supersymmetrie hängt die Stabilität des Vakuums empfindlich von der Higgs-Masse ab: In einem gewissen Massebereich stabilisiert das Higgs das Universum, während ein allzu leichtes oder allzu schweres das drohende Weltende bedeutet. Bemerkenswerterweise liegt die gemessene Higgs-Masse genau an der Kippe, was für ein langlebiges, aber letztlich instabiles Vakuum spricht.“

    Da ich keine Ahnung habe, spekuliere ich mal: Es gibt einen Mechanismus, der das Vakuum stabilisiert, aber die Forscher haben ihn noch nicht gefunden oder verstanden.

    Die Medien wollen ihren Reibach mit Katastrophen und Sensationen machen. Publish or perish.

    • Joseph Lykken vertritt die Theorie, dass die Masse des Higgs-Boson für ein metastabiles Higgs-Feld spricht. Hier noch ein Link: http://home.fnal.gov/~lykken/Physics_Today.pdf. Andere beziehen noch das Top-Quark in die Rechnung mit ein und sehen eher das Massenverhältnis der beiden Partikel als entscheidender Faktor an. Aber wie gesagt: Das gilt nur dann, wenn das gegenwärtige Standard-Modell vollständig ist, und keine weiteren Partikel hinzukommen. Die von der Theorie der Supersymmetrie vorhergesagten zusätzlichen Partikel konnten bisher übrigens nicht gefunden werden.

  4. Thomas Grüter schrieb (11. September 2014):
    > Die Einheit Elektronenvolt, abgekürzt eV, […]
    mit Hinweis auf
    > Wikipedia [ http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronenvolt ]
    .

    Da sich demnach das „e“ in „eV“ demnach (ohnehin, richtiger Weise) als Elementarladung versteht,
    (und sich Wikipedia und SciLogs wohl noch am ehesten als das verstehen, was im Wikipedia-Artikel „deutschsprachige Fachliteratur“ genannt wird),
    halte ich mich lieber an die (im WP-Artikel genannte) DIN-Norm 1301-1, die „die Form „Elektronvolt“ empfielt„“.

  5. Joachim Schulz schrieb (12. September 2014 14:08):
    > dass das „en“ in Elektronenvolt keine Mehrzahlendung, sondern schlicht ein Fugenlaut ist?

    Weiß man’s?
    Wer das besagte „en“ aber tatsächlich als [[Fugenlaut]] einsetzen sollte,
    der versteht demnach das Zusammengefügte („Elektronenvolt“) offenbar als echte Wordkomposition
    (z.B. im Sinne von „das Volt des/jedes Elektrons“, oder
    „jemand, dessen Volt ein Elektron hat“);

    und eben gerade nicht als schlichte Zusammennennung zweier Worte
    („Elektron“ als Kürzel/Jargon für „Elementarladung“, zusammen mit „Volt“).

    Benutzt etwa jemand einen Fugenlaut beim (deutschen) Aussprechen/Ausschreiben der Einheit „Ωm„? …

  6. Dazu Wikipedia (leicht off topic): Om ist eine Silbe, die nicht durch einen bestimmten ihr zugeordneten Wortsinn, sondern durch ihren Klang bedeutsam ist; im Hinduismus ist sie auch als eigenständiges Mantra sehr beliebt. Die abschließende Silbe hūṃ dient der Bekräftigung und wird manchmal mit „Heil!“ übersetzt; ihre Bedeutung liegt aber ebenso wie diejenige von oṃ nicht in einem bestimmten Wortsinn, sondern im Klang.

  7. So ähnlich hat der Schreiber dieser Nachricht die Hawking-Spekulation auch verstanden, es könnte Marketing vorliegen, danke für Ihren WebLog-Artikel,
    MFG
    Dr. W

  8. Joker schrieb (12. September 2014 17:25):
    > „Die Verwendung der Fugenlaute folgt dem Sprachgefühl und ist nicht immer einheitlich.“ (Wikipedia)

    Man muss das Vorhandensein oder Fehlen von Fugen nicht für Geschmackssache halten, um sich einen Spaß aus „Elektronervolt“ [sic] oder „Ohmesmeter“ [sic] zu machen.

    p.s.
    Thomas Grüter schrieb (11. September 2014):
    > Vakuumzerfall […] Die Abschätzungen über die Energiemenge im Vakuum klaffen je nach Ansatz dermaßen weit auseinander, dass man unter Physikern von der „Vakuum-Katastrophe“ [ http://en.wikipedia.org/wiki/Vacuum_catastrophe ] spricht.

    Das betrifft den Unterschied zwischen den (geringeren) Werten von „Abschätzungen“ im Sinne von Messungen mit endlichem Vertrauensbereich, und den (erheblich bis katastrophal größeren) Werten von „Abschätzungen“ im Sinne von gewissen Erwartungen (im Rahmen von Modellen, die mit Begriffen der Quantenfeldtheorie erstellt wurden).

    Wenn man mal Messwerte zugrundelegt, dann dürfte beim immerhin denkbaren Zerfall des vorhandenen, im Rahmen der Annahme vermeintlich metastabilen Vakuums in den vermeintlich „echten Vakuum-Grundzustand“ bestenfalls 10^14 GeV / m^3 =~= 16 Joule / Liter „umgesetzt“ werden. (WP-Angabe „inferred from data obtained from the Voyager spacecraft„.)

    Davon würde meine Maß Bier jedenfalls nicht (spürbar) warm …
    Deshalb hat die o.g. Pressemitteilung wohl wesentlich mit „vorglühen“ zu tun.

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