Klimawandel – gefährlich oder harmlos?

Der Weltklimarat IPCC (International Panel on Climate Change) hat seinen neuen Synthesebericht vorgestellt. Darin steht eigentlich nicht viel neues, aber prompt schreiben einige Journalisten wie z.B. Axel Bojanowski in Spiegel Online wieder von Alarmismus. Dabei sollten wir uns langsam wirklich Sorgen machen, denn die möglichen Folgen haben das Potential, unsere Zivilisation und unsere Lebensweise ernsthaft zu gefährden.

1000 Gigatonnen CO2-Ausstoß will der Klimarat den Menschen noch zugestehen, sonst müsse man befürchten, dass der Klimawandel bis 2100 außer Kontrolle gerät. Aber dieses Ziel wird schwer zu erreichen sein. Wenn der gegenwärtige Trend anhält, ist der Wert bereits in 20 – 25 Jahren erreicht. Das Problem ist: wenn wir den Trend umkehren wollen, müssten wir verhindern, dass sich immer mehr Chinesen und Inder ein Auto zulegen, und viele neue Kohle- und Gaskraftwerke müssten vorzeitig stillgelegt werden. Gerade in den Schwellenländern mit ihrem umgebremsen Hunger nach Energie wäre das kaum durchzusetzen. Da hilft es auch nichts, wenn sich die Europäer als Klassenprimus der Welt inszenieren und ihr Reduktionsprogramm durchziehen. Die EG verantwortet zur Zeit weniger als 15 % der weltweiten CO2-Emissionen, Tendenz stark sinkend. Wenn sich aber nichts Wesentliches ändert, werden die Temperaturen in der Welt wahrscheinlich um ca. 4° ansteigen. Der Meeresspiegel könnte 2100 sogar um mehr als einen Meter höher liegen. Die Washington Post meint, dass hier das IPCC sogar zu vorsichtig rechnet, wenn es von bis zu 82 cm ausgeht.

Na und? Sagen derzeit erstaunlich viele Zeitgenossen. 2100 ist weit weg, und dahin wird man sicher eine Lösung finden, aber vielleicht passiert ja auch gar nichts. Normalerweise versuchen gerade die Deutschen, möglichst jede Gefahr vorbeugend auszuschalten. Es gibt Notfallpläne für beinahe jedes denkbare Ereignis. Aber ausgerechnet bei der weltweit größtmöglichen Katastrophe bleiben die meisten merkwürdig unberührt.i

Was kann schlimmstenfalls passieren?

1. Weltweite Hungersnot

Bei meinen Recherchen zu meinem Buch „Offline!“ habe ich erstaunt feststellen müssen, dass die Welt (anders als der Pharao in der Bibel) keine Vorsorge für sieben magere Jahre getroffen hat. Tatsächlich reichen die Weltweizenvorräte nur maximal 4 Monate. In manchen Jahren enthalten die Scheunen weltweit auch deutlich weniger Reserven. Sollten zwei Jahre hintereinander die Erträge auf 80 % des Durchschnitts einbrechen, würde es knapp. Die Erdbevölkerung wird bis 2050 um 2,5 Milliarden Menschen zunehmen, eine neue grüne Revolution ist aber nicht in Sicht. Eine Verschiebung der Klimazonen verbunden mit einer Zunahme von Extremwetterlagen könnte deshalb leicht zu aufeinanderfolgenden Missernten führen. Das wäre alleine schon schlimm genug, aber Hungersnöte haben die unangenehme Eigenschaft, die staatliche Ordnung umzuwerfen. Die Französische Revolution entzündete sich nicht zuletzt an Protesten über die steigenden Brotpreise. Wir sehen ja im Moment schon, bei Rekordernten, wie zerbrechlich der Weltfrieden ist.

2. Flüchtlingsströme

Die EU hat etwa 500 Millionen Einwohner, Afrika derzeit etwa eine Milliarde. Bis 2050 wird sich die afrikanische Bevölkerung annähernd verdoppeln, in der EU wird sich nicht viel ändern. Der Klimawandel kann dazu führen, dass in Afrika größere Landstriche unfruchtbar werden. Dann wird die EU ein Flüchtlingsproblem bekommen, das sich mit dem Schließen von Grenzen nicht mehr lösen lässt. Wir haben also vielleicht 30 Jahre Zeit, Afrika politisch, wirtschaftlich und landwirtschaftlich auf einen guten Stand zu bringen. Das können wir nicht alleine schaffen, sondern nur in Zusammenarbeit mit den verantwortungsvollen Menschen dort. Die sind aber leider nur in wenigen Ländern an der Regierung beteiligt.

3. Der Zusammenbruch des Welthandels

Die gegenwärtige Wirtschaft braucht ein ständiges Wachstum, um stabil zu bleiben. Bereits heute haben wir in Europa und Japan einen Stillstand. Sollten Milliardenschäden durch Dürren, Stürme und Überschwemmungen hinzukommen, dann fehlten bald die Mittel für die Erhaltung der Infrastrukturen, die wiederum das Rückgrat der Wirtschaft bilden. Straßen, Kanäle oder Eisenbahnen oder Gebäude zerfallen relativ langsam, aber die elektronische Infrastruktur besteht aus kurzlebigen Produkten, die ständig nachgeliefert werden müssen. Je komplexer und beherrschender sie wird, desto wichtiger wird der nie verebbende weltumspannende Strom von Waren und Rohstoffen.

Je komplexer die Infrastruktur, desto höher der Erhaltungsaufwand. Jede größere wirtschaftliche Krise hat das Potential, den Zerfall der Infrastruktur einzuleiten. Der Klimawandel wird fast sicher zur Zerstörung von Werten und zu schweren wirtschaftlichen Verlusten führen.

Das Gebäude unserer Lebensweise

Das hört sich abstrakt an, hier ein konkretes Beispiel: Nehmen wir an, die Zivilisation sei ein Gebäude, an dem seit Jahrhunderten gebaut wird. Es hat Hundert Stockwerke, ist wegen der langen Bauzeit furchtbare verwinkelt und seine Statik schwer zu berechnen. Seine tragenden Elemente müssen deshalb sehr stark ausgelegt sein, damit sicher nichts zusammenstürzt. Und natürlich müssen sie ständig repariert werden. Innerhalb dieses Stützgerüsts liegen die Versorgungsleitungen: Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Kläranlagen, Abfallschächte, Fahrstühle, Klimatechnik. Auch sie brauchen ständige Reparaturen und Erneuerungen. Als letzte und wichtigste Errungenschaft kam die digitale Vernetzung hinzu. Tausende Kilometer Glasfaserleitungen, Überwachungskameras, Datencenter, Router, DV-Anlagen. Sie kontrollieren fast alles: Druck- und Feuchtigkeitssensoren erkennen Schwächen im Tragwerk, Spannungs- und Stromsensoren finden Probleme in den elektrischen Leitungen, und auch der Gas- und Wasserdurchfluss wird ständig kontrolliert. Jedes Problem wird im Ansatz erkannt und richtig angezeigt. Das spart Personal: Die erfahrenen und teuren Handwerker, die bereits am Flussgeräusch und einer leichten Verfärbung eine Wandschwäche in den Wasserrohren erkannten und durch Klopfen ein drohendes Gasleck fanden, sind in Rente gegangen. Niemand muss sich mehr durch endlose Versorgungsschächte schlängeln, ein drohender Fehler wird zusammen mit dem nächsten Einstiegspunkt angezeigt. Das Gebäude ist voll vermietet. Es bringt viel Geld ein, denn der Besitzer betreibt es jetzt mit einem Minimum an Personal, das außerdem meist keine Ausbildung hat. Die digitale Steuerung optimiert den Verbrauch von Gas und Strom. Aber irgendwann kommen Probleme auf: Die Mieter zahlen nicht pünktlich und Teile des Gebäudes stehen leer. Dort wird nicht geheizt, in den Leitungen fließt das Wasser nicht, es steht, so dass sich Ablagerungen bilden. Die Räume verfallen.

Die Elektronik muss ständig erneuert werden, die Software kostet eine horrende Miete, aber die laufenden Einnahmen erlauben kaum noch die nötigsten Reparaturen. Die Wartungsintervalle werden gestreckt, defekte Teile erst nach Tagen oder Wochen ersetzt. Das dichte Netz von Sensoren, das zum Betrieb unerlässlich ist, wird immer löcheriger. Wasserrohrbrüche können erst nach Tagen gefunden werden, jedes Gasleck führt dazu, dass ganze Stockwerke abgesperrt werden müssen. Die immer wieder ausfallenden Regelsysteme können den Stromverbrauch nicht mehr minimieren, er gerät außer Kontrolle. Die erfahrenen Handwerker sind längst in Rente, das ungelernte Personal aber meist überfordert. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem auch die tragenden Strukturen marode werden. Jetzt würde auch eine Vollvermietung nicht mehr genug Geld einbringen, um das Gebäude zu erhalten. Es ist rettungslos verloren.

Unsere Zivilisation ist natürlich viel komplexer. Aber bereits heute können Brücken und öffentliche Gebäude kaum noch erhalten werden. Die vielfach weltweit verknüpften Lieferketten haben kaum Reserven, das wäre zu teuer. Wenn der Stress durch zunehmende Wetterextreme, durch Hungersnöte und Kriege weiter wächst, wird unsere Internet-basierte Lebensweise noch vor dem Ende des Jahrhunderts zusammenbrechen.

Der Klimawandel hat das Potential, diesen Stress auszulösen. Statt uns zu überlegen, ob irgendein Wert im IPCC-Bericht vielleicht nicht bis auf das i-Tüpfelchen belegt ist, sollten wir uns besser Gedanken darum machen, wie wir die Auswirkungen vermeiden können.

Anmerkung

1 Auch für einen jederzeit möglichen flächendeckenden Stromausfall wird keine Vorsorge getroffen. Vielleicht gibt es Ereignisse, die so schrecklich sind, dass man sie lieber verdrängt.

Buch zum Beitrag:

Grüter: Offline

Thomas Grüter

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www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

49 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Voraussagewahrscheinlichkeit für die Horrormeldungen des IPCC liegt exakt bei 0%.
    Nur ein einziger physikalischer Experimentalbeweis, und es wären genau 100%, Ohne denselben bleiben es jedoch 0%, und das ist weltweit der naturwissenschaftliche Stand von heute.

    • Die Vorhersagewahrscheinlichkeit (so nennt man das übrigens) kann klarerweise nie 100% betragen ohne das gesamte System 1:1 abzubilden – und das wäre dann die sprichwörtliche Glaskugel.

      Wenn Sie also Prognosen basierend auf wissenschaftliche Erkenntnissen und physikalischen Experimentalbeweisen suchen (und was wollen Sie bitte mehr?), werden Sie beim IPCC natürlich fündig.

  2. Kanada, Russland und China profitieren ab 2070 vom Klimawandel, die Subsahara aber verliert massiv an landwirtschaftlich bebaubarer Fläche. Dies ist das Ergebnis der LMU-Studie Global Agricultural Land Resources – A High Resolution Suitability Evaluation and Its Perspectives until 2100 under Climate Change Conditions.
    Die Verschiebung ganzer Klimazonen lässt auch nichts anderes erwarten. Aufgefangen könnten solche Entwicklungen entweder durch erhöhte Mobilität oder durch noch mehr Welthandel und noch mehr Arbeitsteilung. Wo heute kaum Menschen wohnen, nämlich in Kanada, Mittel-und Nordrussland und in Teilen Chinas wird es in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts weit bessere Lebensbedingungen geben als heute und in dicht bevölkerten Gegenden wie Indien oder Bangladesh werden sich die Lebensbedingungen verschlechtern ( siehe Karte. Doch werden Kanada und Russland überhaupt Fremden, ja ganzen Völkerscharen eine Einwanderungsmöglichkeit gewähren? Oder wird die Verschiebung des gelobten Lands nach Norden Afrika und Indien ins Unglück stürzen oder dort für immer festhalten?

    • Das Problem Afrikas unter der Sahara ist schon jetzt nicht der Mangel an Landfläche sondern, dass der Import von Lebensmittel billiger ist als die Produktion (vor allem Dank Agrarsubventionen).

      Diejenigen welche noch Landwirtschaft betreiben werden ihre Waren nicht los und sind bei der Dürre die ersten die sterben (weil Hilfsorganisationen in den Ballungsräumen sind).

  3. Probleme, die durch eine überhöhte Bevölkerungszahl ausgelöst werden, kann man nur dadurch lösen, indem man durch Geburtenkontrolle die Anzahl der zukünftigen Menschen auf der Erde verringert. Aber ausgerechnet dieses Thema spielt in keiner Klimadiskussion eine Rolle. Und deshalb kann man diese Diskussionen vergessen.
    Für jede Zelle – und damit für unsere Existenz – wird Phosphat benötigt. Dieser Rohstoff wird immer knapper: http://www.iwkoeln.de/infodienste/iwd/archiv/beitrag/30167 – d.h. hier ist eine deutlich größere Gefahr für die Zukunft von Menschen, als bei der Klimaerwärmung. Auch die Rückgewinnung dieses Rohstoffes ist bis heute kein Thema in den Medien und der Wissenschaft.

    • @KRichard
      Bevölkerungswachstum:
      Das CO2 wird hauptsächlich von den industrialisierten Regionen ausgestoßen, d.h. in den Ländern, wo erstens eine Minderheit der Weltbevölkerung lebt und zweitens, wo das Bevölkerungswachstum sowieso schon endete oder bald enden wird. China überaltet nämlich auch schon.
      Zudem dauert es viel zu lange, das CO2-Problem über Geburtenkontrolle zu lösen und für fremde Länder Geburtenkontrolle zu fordern ist einfach, sie umzusetzen aber sehr schwierig. Das CO2-Problem ist nicht so sehr ein Problem des Bevölkerungswachstums, sondern vielmehr des Lebensstils der industrialisierten Länder.

      • Zitat: „Das CO2-Problem ist nicht so sehr ein Problem des Bevölkerungswachstums, sondern vielmehr des Lebensstils der industrialisierten Länder“ Genau. Und alle wollen diesen Lebensstil, den Lebensstil der industrialisierten und bald schon postindustriellen Länder (postindustriell: den Schmutz zu den Chinesen outsourcen) mit Auto, Haus, Ferienflug auf die Malediven. Solange dieser Lebensstil mit hohen CO2-Emissionen verbunden ist, bedeutet das Streben nach diesem Lebensstil mehr CO2-Emissionen und wenn die Bevölkerung wächst heisst dies, dass es mehr Menschen gibt die diesen Lebensstil anstreben. Es gibt nur eine Lösung für dieses Problem, solange es nur um die CO2-Emissionen geht. Auch der Lebensstil in den postindustriellen Gesellschaften darf keine CO2-Emissionen mehr beinhalten. Der Flug auf die Malediven ist nur noch erlaubt, wenn es ein Flug ohne CO2-Emissionen ist.
        Der Klimawandel ist natürlich nur eines von vielen Problemen der Menscheit. Viele dieser Probleme kommen aber von einer Mengenausweitung, vom Aufstieg von Hungerschluckern zu Verschwendern. Es kommt schon drauf an ob es 5 oder 10 Milliarden Verschwender auf dieser Erde gibt.

    • Das erinnert mich an eine Beschreibung oder Dokumentation, wo jemand irgendwo mitten in Afrika steht (nicht in der Wüste) und fragt: wo ist die Bevölkerungsexplosion? Und weit und breit ist kein Mensch zu sehen.

      Das Problem ist weniger die Bevölkerungsanzahl, sondern der immense Verbrauch an Ressourcen durch den bei weitem kleineren Teil. Und bezüglich des Kunstdüngerbedarfs ist natürlich die Tierfutterproduktion ein entscheidender Faktor. Es ist auch so, das Phosphor nicht einfach verschwindet, sondern in den Böden verbleibt und der Bedarf an neuem Phosphor dadurch wahrscheinlich sinkt.

      http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/heutiges-ackerland-koennte-vier-milliarden-menschen-mehr-ernaehren-a-914457.html
      http://www.n-tv.de/wissen/Weniger-Duenger-wird-benoetigt-article5842296.html

      Die Klimaerwärmung ist eine deutlich ernstere Sache, weil sie auf hunderte Jahre hinaus massive Einlüsse haben wird und angesichts der bereits heute vorhandenen Konzentrationen von CO2 und Methan in der Atmosphäre spielen wir jetzt schon russisches Roulett mit einem komplexen, dynamischen System.

      • Wo ist die Bevölkerungsexplosion in Afrika? Hier braucht es kein Fragezeichen. Nigeria hat heute 177 Mio Einwohner, im Jahr 2050 398 Millionnen Einwohner (mehr als dann die USA) und im Jahr 2100 752 Millionen Einwohner (mehr als die EU-27).

        Es ist auch falsch Afrika heute noch als menschenarm oder gar menschenleer zu bezeichnen. Mit 30 Einwohner pro Quadratkilometer hat es schon heute die gleichen Einwohnerdichte wie die USA. Im Jahr 2050 wird Afrika schon fast die gleiche Einwohnerdichte haben wie Europa und im Jahr 2100 wird jeder dritte bis jeder vierte Mensch ein Afrikaner sein und alle Europäer zusammen werden weniger als 10% der Weltbevölkerung ausmachen.

        Im langfristigen Trend streben alle Erdenbewohner nach einem ähnlichen Lebensstandard wie heute in Europa und den USA. Folgerung: Das Wachstum (Wirtschaft, Land- und überhaupt Resourcenverbrauch) ist noch lange nicht vorbei. Nein, es hat gerade erst begonnen

  4. Klimawandel – gefährlich oder harmlos?

    Ganz wertfrei angemerkt, wurden in der Überschrift Einschätzungen abgefragt, die Angst oder Nicht-Angst meinen, psychologischer Bauert sind.

    Ebenfalls derart angemerkt, legt die NASA-Datenlage (eine Textdatei, die fortlaufend aktualisiert wird) einen (Gesamt-)Erwämungstrend von ca. + 0,065 K / Dekade seit 1880/01 nahe, wobei die diesbezügliche Klimatologie bzw. deren Prognostikmodul Erwärmungsraten von durchschnittlich (dieser Durchschnitt ist wahlfrei gebildet, er hängt sehr stark von der sogenannten Klimasensensitivtät ab, die zwischen + 1 K bis + 8 K Erwärmung bei einer Verdoppelung des atmosphärischen CO2-Gehalts meint) + 0,3 K / Dekade fordert, die terrestrischen Oberflächentemperaturen betreffend und bis zum Jahr 2100.

    Datenlage und Theoretisierung passen vielleicht zurzeit am besten zusammen, wenn der ganz untere Bereich des o.g. Intervalls gewählt wird. – Womit keineswegs behauptet werden soll, dass dieser zu wählen ist, denn das o.g. Modul stellt Konfidenzintervalle bereit, wobei die Größe der Datenprobe 1 bleiben muss. Das heißt das Vorhaben ist per se schwierig und wird noch schwieriger, wenn berücksichtigt wird, dass ein hoch komplexes („chaotisches“ oder sich „chaotisch“ verhaltendes) System betrachtet wird.
    Plump formuliert: Man weiß nicht so recht den Kohlenstoffzyklus und die genaue Erwärmungswirkung des CO2 betreffend.

    Der Klimawandel hat das Potential, diesen Stress auszulösen. Statt uns zu überlegen, ob irgendein Wert im IPCC-Bericht vielleicht nicht bis auf das i-Tüpfelchen belegt ist, sollten wir uns besser Gedanken darum machen, wie wir die Auswirkungen vermeiden können.

    Vielleicht sollte bei dieser Herausforderung gar nicht in psychologischen Kategorien („Stress“ etc.) gedacht und kommuniziert werden?

    MFG
    Dr. W (der bei anderen politisch relevanten Themata oft nichts, aber auch gar nichts gegen die Psychologisierung hat)

    • Thomas Grüter

      „Stress“ ist hier als Synonym für eine zusätzliche Belastung eines nichtlinearen kybernetischen Systems gemeint. Verschiedene Größen werden eventuell aus dem Regelbereich getrieben und die Reaktion des Gesamtsystems wird unvorhersehbar.

  5. Klimawandel, etc… Wenn die Fliege plötzlich zum Elefanten wird
    Rohstoffverbrauch und Emissionen wachsen exponentiell, was bedeutet, dass die Menschheit heute in wenigen Jahrzehnten tut, wozu sie vorher Jarhunderte brauchte. Zwischen 2000 und 2013 wurden weltweit mehr als 300 Gigatonnen CO2 emittiert. Gleichviel wie vorher zwischen 1900 und dem Jahr 2000. Wir machen also heute in 13 Jahren wozu wir vorher 100 Jahre brauchten. Das gleiche gilt nicht nur für die CO2-Emissionen, sondern auch für den Verbrauch vieler Rohstoffe. Das bedeutet, dass der Mensch in vielen Bereichen erst seit kurzem einen globalen Einfluss gewonnen hat. Bis vor wenigen Jahrzehnte war der Mensch also für das Erdsystem in vielen Bereichen vernachlässigbar, doch da in immer kürzeren Zeiträumen ein bestimmtes Quantum an Rohstoffen verbraucht wird oder ein bestimmtes Quantum an Abfallstoffen emittiert wird, kann es nun passieren, dass wir nun von einem Tag auf den andern eine rote Linie überschreiten, die wir vorher gar nicht wahrgenommen haben.
    Eine Beschleunigung ist übrigens in fast allen Lebenbereichen festzustellen. Dauerte es noch viele Jahrzehnten bis die Pest durch ganz Europa gewandert war, ging es bei Aids nur noch wenige Jahre bis es die Welt erobert hatte und bei Kranheiten neueren Datums wie Ebola kann es noch einmal schneller gehen.

    Eine Krise kann sich heute also in sehr viel kürzer Zeit entfalten als noch vor 50 Jahren. Im allgemeinen klingt die Krise auch schneller ab als früher. Beim Klimawandel aber wird sich die Situation nicht schnelll entspannen. Selbst wenn wir heute die industriellen CO2-Emissionen auf Null zurückfahren würden würden die Temperaturen noch lange Zeit weiter steigen. Die CO2-Emissionen auf Null herunterfahren wiederum, das geht nicht in wenigen Jahren, dazu sind Verbrennungsprozesse viel zu wichtig für die industriellen Prozesse. Kommt dazu, dass es bis heute kein Modell für ein globales Handeln gibt. Vielmehr handelt jedes Land zuerst einmal für sich. Die Menschheit und ihre Organisationen sind also nicht für globale Probleme geschafffen. Ich bin überzeugt davon, dass sich das in diesem Jahrhundert noch ändern muss und dass gewisse Probleme globaler Natur auf der globalen Ebene angegangen werden müssen – und zwar in einer Weise, für die die UNO heute noch nicht gerüstet ist.

    • @ Herr Holzherr :

      Vielmehr handelt jedes Land zuerst einmal für sich. Die Menschheit und ihre Organisationen sind also nicht für globale Probleme geschaff[]en. Ich bin überzeugt davon, dass sich das in diesem Jahrhundert noch ändern muss und dass gewisse Probleme globaler Natur auf der globalen Ebene angegangen werden müssen – und zwar in einer Weise, für die die UNO heute noch nicht gerüstet ist.

      Globales einvernehmliches Handeln würde halt die Stärke des Primaten – aufklärerische Systeme vorausgesetzt, die die „Schwarmintelligenz“ mitnehmen und besonderen Mehrwert zu schaffen in der Lage sind; sebstverständlich ist die Erde demenstrechend nicht zivilisiert und wird sie womöglich auch nie werden, auch dies könnte Sinn ergeben – , nämlich dessen Diversität abwürgen.

      Kongruenz im Handeln und im Anstreben von Zielen bedeutet Stagnation.

      Es muss, im Sinne der wohlverstandenen Diversität jeder (repräsentiert auch als: jedes Land oder jede staatliche Einheit oder jede Einheit generell) ‚für sich handeln‘, so dass gebündelt Erfolg entsteht (wie er ansonsten nicht entstehen könnte).
      Internationalismus ist nicht cool.

      MFG
      Dr. W (der am Rande noch darauf hinweist, dass Sie die Vielfältigkeit der terrestrischen Kulturen verstanden haben, Sie ließen mehrfach dementsprechend kommentarisch durchblicken; der sich demzufolge Ihre zu diesem Thema oder zu vergleichbaren Themata regelmäßig ergebenden Verlautbarungsmengen nicht erklären kann

    • Korrektur: Zwischen 1900 und 2000 wurden total 900 Gigatonnen CO2 emittiert, zwischen 2000 und 2013 300 Gigatonnen und nicht wie von mir behauptet je 300 für beide Zeitspannen. Trotzdem bleibt meine Aussage qualitativ richtig: Die gleiche Menge CO2 wird in immer kürzeren Zeitabständen emittiert. Die Graphik IPCC: Cumulative total anthropogenic CO2 emissions from 1870 zeigt sogar, dass in gewissen Extremszenarien (rote Kurve) zwischen 2000 und 2100 8 Mal soviel CO2 emittiert wird wie zwischen 1900 und 2000.
      Wenn wir CO2 stellvertrend für viele Grössen nehmen, die der Mensch beeinflusst, so bleibt die Schlussfolgerung: Im 21. Jahrhundert ändert der Mensch die Erde mehr als in allen Jahrhunderten zuvor.

      • Wenn wir CO2 stellvertre[te]nd für viele Grössen nehmen, die der Mensch beeinflusst, so bleibt die Schlussfolgerung: Im 21. Jahrhundert ändert der Mensch die Erde mehr als in allen Jahrhunderten zuvor.

        Wäre auch schlecht, wenn dies nicht so wäre.

        MFG
        Dr. W

        • Was sagt uns der Graph Cumulative CO2 emissions from 1870
          1) Er gibt den Zusammenhang zwischen seit der Industrialisierung emittiertem CO2 (obere x-Achse CO2, untere x-Achse C) und dem Temperaturanstieg (y-Achse) wieder.
          2) Der braun getönte Bereich der von unten links nach oben rechts läuft gibt den durch die unterschiedlichen RCP-Szenarien ermittelten Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und totalen CO2-Emissionen wieder und zwar zusammen mit den Unsicherheiten (deshalb keine Linie sondern ein nach oben sich weitender Keil).
          3) Die ausgezogene schwarze Linie von unten links nach oben rechts gibt den historisch gemessenen Zusammenhang zwischen CO2 und Oberflächentemperatur wieder – linear extrapoliert hin zu grösseren totalen CO2-Emissionen
          4) die farbigen Linien mit den Punkten drauf von unten links nach oben rechts geben die einzelnen RCP (representative concentrations pahtways)-Szenarien wieder, wobei die Punkte auf diesen Linien bestimmten Jahren entsprechen. Den stärksten CO2-Anstieg in diesem Jahrhundert hat das Szenario RCP 8.5, bei dem bis ins Jahr 2100 8000 Gigatonnen CO2 ausgestossen werden relativ zum Beginn der Industrialisierung. Man beachte, dass für das 2°C-Ziel nur 2000 Gigatonnen CO2 seit der Industrialisierung ausgestossen werden dürfte.
          5) Der hellgrau markierte Keil zeigt den Zusammenhang emittitertes totales CO2 zu Temperaturanstieg für eine tiefere Klimasensitivität

          Nun zu einzelnen RCP-Interpretationen. Die blaue Linie, die für RCP2.6 steht, zeigt uns einen CO2-Anstieg bis etwa 2050, anschliessend wird praktisch kein CO2 mehr ausgestossen. Damit wird das 2°C-Ziel erreicht allerdings durch Einführung eines Wunders, bei dem die Menschheit plötzlich auf CO2-Emissionen verzichtet.

  6. Bevor die erste Welt tatsächlich einer Hungersnot ins Auge blicken muss, würde man wohl eher die riesigen Tierfarmen notschlachten und das Tierfutter an die Menschen austeilen. Geht der immense Bedarf an Mais und Zeuch der Fleischproduktion zurück kann man sicher jede menge Menschen davon ernähren.

    Einzig leiden wird wohl die dritte Welt, aber hey, ob die nun zuhause verhungern oder im Mittelmeer absaufen wird uns wohl egal sein…

    • Thomas Grüter

      Das Internet braucht sämtliche vorhandenen Infrastrukturen, und die sind jetzt schon schwer genug zu erhalten. Der Klimawandel belastet das System zusätzlich. Er gefährdet Ernährung und Wirtschaft, untergräbt die Stabilität der Politik und begünstigt die Ausbreitung von Seuchen.
      Weil die Weltwirtschaft zugleich immer mehr vom Internet abhängt, könnte eine Abwärtsspirale in Gang kommen die schwer zu stoppen ist. Das sollte man zumindest in Erwägung ziehen und überlegen, wie man eine fatale Kettenreaktion unterbinden kann.

    • Gott, wäre das schön! hab mit Atari und Commodore angefangen und steige jetzt gerade wieder aus. kein Smartphone, tablet, nur noch die alte Kiste mit Linux Ubuntu, Kaufe Bücher wieder im Buchladen , fotogaphiere wieder analog und schreibe selbstgestaltete Postkarten……
      Die Kiste mit der ich ^hier schreibe, schlag ich auch noch tot……..

      • ..vor dem Klimawandel habe ich weniger Angst als vor einer durch und durch digitalisierten Welt, deren Rationalisierungseffekte noch nicht ansatzweise freigesetzt wurden. Wir werden wohl in folge dieser Freisetzung menschlicher Arbeitskraft verstärkt Diskurse zu „überflüssigen“ Menschen bekommen. Im Ansatz ist da heute schon vorhanden- auch wenn immer wieder auf eine vermeintliche Überbevölkerung hingewiesen wird. Warum bringen sich die Apologeten dieser Diskussion eigentlich nicht selbst um? Sie sind doch auch zuviel?

        Der Klimawandel ist Teil der Evolution. Niemand wollte das Klima mit Beginn der industriellen Revolution aus dem Takt bringen aber es war eben ein Kollateralschaden kapitalistischen Wirtschaftens, der eben diese Wirtschaftsform auch beerdigen wird.
        Man sollte ihr nicht nachweinen. Der Sturz in die sekundäre Primitivität könnte der Menschheit eine dringend notwendige Denkpause verordnen.

        • Nein, „überflüssigen“ Menschen gab es früher viel häufiger als heute. Es gab früher häufig überzählige Kinder und es gab rechtlose, versklavte Menschen in Leibeigenschaft.
          Die heute gerade in Deutschland verbreitete Klage über Sozialabbau trifft auf den geschichtlich gesehen am besten ausgebauten Sozialstaat, den es je gab.

          Es stimmt sicher, dass die Arbeit abnimmt, dass eine nächste Automatisierungswelle auf uns zukommt. Mit grösster Wahrscheinlichkeit führt das aber nur dazu, dass in Zukunft viele Menschen ein Leben führen wie es früher die Oberschicht getan hat, wobei an die Stelle von Dienern Roboter treten.

          Wer Dinge sagt wie “ Der Sturz in die sekundäre Primitivität könnte der Menschheit eine dringend notwendige Denkpause verordnen“ zeigt nur, dass er keine Ahnung hat vom armseligen Leben das früher auch in Deutschland die Normalität war und es heute in vielen Entwicklungslländern immer noch ist. Solch ein Leben ist keine Denkpause sondern für die meisten – nie für alle, das ist klar – ein erbärmlicher Zustand.

          • Sie wissen aber viel, Respekt! Als Ethnologe habe ich viel Zeit in Brasilien und Angola mit Menschen verbracht, die vermutlich selbst nach ihrer Kategorie sehr ärmlich zu leben gezwungen sind. Im andinen Südamerika kultiviert man diese ressourcenarme Lebensweise- sofern man nicht Hunger leidet- als buen vivir oder angemessene Lebensweise. Sekundäre Primitivität ist nicht gleichzusetzen mit Elend. Es ist nur das Ende der angeblich unbeschränkten Möglichkeiten und die Ankunft im Reich der reinen Notwendigkeiten. Da ich damit erprobterweise gut zurecht komme, bleibe ich bei meiner oben getroffenen Aussage zur notwendigen Denkpause.

            Die sozialen Leistungen in weiten Teilen Europas sind immer noch überragend auch wenn man den Abbau bestehender Arbeits- und Sozialrechte seit Ende der 80iger Jahre zur Kenntnis nehmen sollte.

            Unvermögende und niedriggestellte Menschen waren in den vergangenen Jahrhunderten häufig rechtlos und zählten nicht viel. Dennoch gab es bis zu den Rasse- und Hygienediskursen des 19. Jhd nicht die Vorstellung von „überflüssigen“ oder gar „schädlichen“ Teilen einer Gesellschaft. Sie wissen ja, wie der Nationalsozialismus mit angeblich „überflüssigen und schädlichen“ Menschen umgegangen ist. Bei allem Elend des Feudalismus und der frühen Neuzeit—so etwas hat es vorher nicht gegeben. Die neu einsetzenden Verteilungskämpfe, die der Klimawandel verschärfen wird, könnten, wenn auch in abgemilderter Form,eine Neuauflage dieser menschenverachtenden Denkfiguren bringen. Diesmal nicht als Rassediskurs, sondern als ökonomischer Effizienzdiskurs.

          • Es stimmt sicher, dass die Arbeit abnimmt, dass eine nächste Automatisierungswelle auf uns zukommt. Mit grösster Wahrscheinlichkeit führt das aber nur dazu, dass in Zukunft viele Menschen ein Leben führen wie es früher die Oberschicht getan hat, wobei an die Stelle von Dienern Roboter treten.

            Welche Zuversicht. Maschinen können aber keine Wertschöpfung betreiben. Sie stellen wie die ganze Digitalisierung eine Prozessoptimierung der Produktion dar. Wer aber bezahlt die Maschinen, die Energie und die von ihnen hergestellten Produkte und zwar so, dass der Eigner der Maschinen auch Kapital generieren kann? Oder haben sie uns hier in wenigen Worten ein kommunistisches Technikparadies skizziert?

          • @lucca eyer: Arbeit und Kapital dienen den Menschen – mindestens den Menschen, die über Arbeit und Kapital verfügen. In einer Welt, in der es keine Konsumenten mehr gibt, weil es keine über Arbeit generiertes Einkommen mehr gibt, können auch Kapitalisten nicht mehr profitieren, sterben sogar die Kapitalisten aus.
            Wenn sozialistische und kommunistische Formen des Wirtschaftens den Menschen insgesamt mehr bringen würden als kapitalistische, dann lebten wir heute alle im Kommunismus.Die Geschichte, vor allem aber die früheren Bürger kommunistischer Staaten haben ihr Urteil über diese Form des Wirtschaftens gesprochen.

            In einer durchautomatisierten und roboterisierten Zukunft wird wohl nicht mehr die Güterproduktion im Zentrum der Gesellschaft stehen, sondern es werden andere Formen der Arbeit entstehen. Arbeit wird nicht mehr Lohnarbeit im heutigen Sinne sein, sondern eine in anderer Art gesellschaftlich wichtige Form der Beschäftigung beinhalten.

        • @lucca eyer, bezüglich „Überzähligen“ und Unwerten: Martin Luther hat grosse Teile des damaligen Bauernstands als Untermenschen aufgefasst und angesprochen – und war damit keineswegs eine Ausnahme. Ganze Gesellschaftsschichten wurden noch in der Frühmoderne als Untermenschen behandelt (unter Stalin waren es dann die Kulaken (wohlhabende Bauern), denen der Krieg erklärt wurde, was zeigt, dass es so etwas auch im 20.Jarhhundert gab):

          Luther geht sogar soweit, zu behaupten, dass die Bauern nur so in „Ordnung“ gehalten werden können, wenn eben die „Obrigkeit“ mit Gewalt regiert – von Gott gewollt:

          „Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wußte Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand.“

          Thomas Münzter und seine Bauern wurden im Mai 1525 bei der Schlacht von Frankenhausen geschlagen, gefangen genommen, später dann gefoltert und schließlich hingerichtet.

          • mhh auch hier viel Richtiges aber auch ein großes Durcheinander:
            Ja, Luther hielt nichts von revoltierenden Bauern. Dass er den Begriff des Untermenschen in einer seiner Schriften gebraucht hat, müssten Sie mir mit Quellennachweis belegen. Dann glaube ich es gerne.

            Ansonsten macht es für die frühe Neuzeit sic! keinen Sinn. Im Gegenteil, die Bauern waren keineswegs im ökonomischen Sinne überflüssig. Sie generierten die Grundlage feudaler Herrschaft im Rahmen einer gottgegebenen ständischen Ordnung, die als Teil der göttlichen Schöpfung aufgefasst wurde. Eine Revolte gegen diese Ordnung, war in den Augen der Herrschaften und des Klerus eine Auflehnung gegen Gottes Ordnung. Daher die harten Worte und die drastischen Leibstrafen.

          • @lucca eyer: „Untermensch“ beinhaltet für sie scheinbar ökonomische Wertlosigkeit, was dann die Eliminiation dieser Untermenschen nahelegt.
            Da mögen sie rein terminologisch – also von der Wortherkunft und -bedeutung her – richtig liegen,
            Wenn Luther aber vom Pöbel (Plebs) spricht und den Pöbel mit Gewalt regieren will, dann wird er wohl im Pöbel minderwertige Menschen sehen, nicht minderwertig im Sinne von „zu keiner Produktion zu gebrauchen“, sondern minderwertig im Sinne von „kann nicht selber denken, muss regiert und beherrscht werden“.

            Sie beziehen sich oben einige Mal auf die NS-Zeit. Das ist für mich aber kein Modell das irgendeine Zukunft hätte, ja nicht einmal ein Modell, das dazumal eine Gegenwart hatte. Es war ein Ausbruch von Irrationalität, der keinen längeren Bestand haben kann.

        • Noch etwas was sie – zusammen mit vielen anderen – nicht wissen oder nicht wahrhaben wollen. Sie schreiben: “ Der Sturz in die sekundäre Primitivität könnte der Menschheit eine dringend notwendige Denkpause verordnen.“
          Ein Zusammenbruch der Zivilisation und Technologie wäre das Todesurteil für mehrere Milliarden Menschen. Dinge wie die fossilen Energien, Dünger und effiziente Formen der Agrikultur haben es überhaupt erst möglich gemacht, dass heute 7 Milliarden leben können. Bis zum 17. Jahrhundert war die Weltbevölkerungl über Jahrhunderte fast konstant, jedenfalls stieg sie zwischen dem Jahr 1000 und dem Jahr 1700 um weniger als 2 Promille pro Jahr. Ein Zusammenbruch der Zivilisation (Sturz in die sekundäre Primitivität) würde uns wieder dorthin bringen, wo der Anstieg (und Aufstieg) begann.

          • ja vollkommen richtig. Ich weiß es also doch. Nur der Hinweis: Es passiert unter völlig neuen Bedingungen. Einfache historische Analogien tragen hier nicht weit.

            Im Übrigen gehe ich auch nicht von einem umfassenden Zusammenbruch aus, eher von so etwas, was die Archäologen als Dark Ages bezeichnen (etwa Übergang Bronzezeit, Eisenzeit, wo es beispielsweise im mykenisch-kretischen oder hethitischen Bereich nachweisbar zu einer sekundären Primitivität gekommen ist. Der Begriff ist übrigens ein wissenschaftlicher Terminus, der semantisch nicht einfach aufs Geradewohl zu gebrauchen ist.

          • „In einer durchautomatisierten und roboterisierten Zukunft wird wohl nicht mehr die Güterproduktion im Zentrum der Gesellschaft stehen, sondern es werden andere Formen der Arbeit entstehen. Arbeit wird nicht mehr Lohnarbeit im heutigen Sinne sein, sondern eine in anderer Art gesellschaftlich wichtige Form der Beschäftigung beinhalten.“

            Wie wollen Sie 8 Milliarden Menschen ernähren, kleiden und anderweitig ausstatten, wenn die Transformation von natürlichen Ressourcen in Güter nicht mehr im Zentrum steht? Mir klingt das ein bißchen, wie die Heilsversprechen der zivilen Atomenergie aus den 50igern,als vorausgesagt wurde dass bald jede Familie mit einem Heimsiedewasserraktor ausgestattet wird.

          • „Es war ein Ausbruch von Irrationalität, der keinen längeren Bestand haben kann.“

            Ich sehe allerorten Formen und Spielarten dieser politischen Irrationalität:
            Ungarn, Ukraine (Ost wie West), Rußland, der gesamte Nahe und Teile des Mittleren Ostens (IS und andere radikale Islamisten).
            Wenn diese Irrationalität „nur“ 12 Jahre Bestand hat, ist die Erschütterung groß genug, da müssen es keine 1000 Jahre sein 🙂

          • Güterproduktion ist wichtig und wird wichtig bleiben. Nur heisst das nicht, dass sich die Mehrzahl der Menschen auch in Zukunft damit beschäftigen wird. Auch für die antike oder mittelalterliche Oberschicht war Güterproduktion wichtig, aber sie haben das nicht selbst gemacht. Sie hatten Menschen, die das für sie machten.
            Schon heute ist das Gesundheitswesen in Europa und den USA mindestens ebenso wichtig wie die Güterproduktion. Früher waren 80% aller Menschen als Landwirte. Nur weil sie es nicht mehr tun, heisst das nicht, dass Landwirtschaft und Nahrung nun unwichtig geworden sind.

          • Zum Abschluss meiner Diskussionsbeiträge: Wir alle wissen, dass ein zivilisatorischer Hiatus bevorsteht. Wie umfangreich er sein wird, wen er wo stärker oder leidvoller betrifft, lässt sich nur schwer abschätzen, weil auch der klimawissenschaft nicht alle Variablen im großen Erdsystem bekannt sind und weil die Auswirkungen auf menschliche Gesellschaften unmöglich vorhergesagt werden können. Aber die Erschütterung hat längst begonnen.

            Ich gebe zu: Ich gehöre zu den zivilisationskritischen Zynikern, die sich längst ihr Popcorn genommen haben, um diesem größten, ironischerweise unbeabsichtigten Experiment namens anthropogener Klimawandel beizuwohnen- so lange es die Verhältnisse und meine Lebensspanne zulassen.

            In diesem Sinne Grüße an alle und ein gutes restliches Leben;)

  7. @Webbaer:
    „Kongruenz im Handeln und im Anstreben von Zielen bedeutet Stagnation.“

    Wie kommen Sie denn darauf? Im Gegenteil, es setzt zuerst Energie frei, ein Ziel zu erreichen. Ich würde solche Pauschalisierungen grundsätzlich vermeiden.
    Herr Holzherr hat Recht, die globale Erwärmung ist die erste Nagelprobe für die Menschheit als Gemeinschaft.

    PS: Passen Sie auf, dass bei Ihren Schachtelsätzen nicht die Syntax draufgeht.

    • @ Herr Stefan :
      Der Wunsch, dass die UN globale Probleme der Größenordnung Klimawandel vertraglich und zuverlässig bearbeiten kann, ist seine Erfüllung betreffend nicht nur utopisch, sondern auch wie oben versucht worden ist zu beschreiben: dystopisch.
      Die Kompetitivität würde unter der Kompromissformel zwingend und auf viele Jahre hin leiden.

      KA, wie sich derart gewünscht werden und was an dem bisher Geschrieben streitig sein kann. – In praxi wird ja versucht kleine Brötchen zu backen, im hiesigen WebBlog Umweltforsch steht dazu einiges, die (auch: verhandelnden) Kollegen scheinen sich der Problematik bewusst, nutzen die Spieltheorie, belauern sozusagen die Player oder Stakeholder, haben nichts Grundsätzliches gegen das Terra-Forming oder Geo-Engineering und nichts gegen multilaterale Lösungsansätze.

      Zurzeit versucht man wohl eine Zahlungsfolge Richtung Developing Countries durchzusetzen, auch um politischen Einfluss zu erhalten; schwierig, Vertragsabschlüsse bzw. deren Umsetzungen könnten auch kontraproduktiv ausfallen.

      MFG
      Dr. W

      • @Dr.Webbaer: Nein, ein globaler UN-Klimavertrag wäre nicht dystopisch, wie von Ihnen behauptet, sondern er wäre nützlich für die ganze Menschheit. Es gibt inzwischen globale Probleme, die die Fähigkeiten und das Interesse der einzelnen UNO-Mitgliedsstaaten übersteigen und das Klimaproblem gehört in diese Kategorie: Kein Land der Erde hat etwas davon, wenn es seinen CO2-Emissionen einstellt, aber alle Länder zusammen profitieren davon, wenn sie gemeinschaftliche die CO2-Emissionen zurückfahren.

  8. Klimawandel – gefährlich oder harmlos? Das wissen wir erst im Nachhinein, wenn wir auch schon mit ziemlicher Sicherheit sagen können, dass der menschengemachte Klimawandel unser Erdsystem nachhaltig verändern wird: Über Jarhzehnte hinweg wird die Erdoberfläche wärmer, das Meer saurer, Starkniederschlage und die Verdunstung (Evaporation) nehmen zu, über Jahrhunderte steigt der Meerespiegel. Sich nach Norden verschiebende Klimazonen verändern die Lebensbedingungen regional sehr stark.
    Ob sich all diese Veränderungen katastrophal auswirken oder ob wir mit einem blauen Auge davonkommen das wissen wir so wenig wie der Lastwagenfahrer, der unaufhaltsam auf eine Mauer zurast, in der es nur einen für den Lastwagen zu kleinen Durchlass gibt. Im günstigsten Fall wird bei der Passage nur die Karosserie beschädigt, es kann aber auch den ganzen Lastwagen auseinanderreissen.

    Mit dem Klimawandel ist die Menschheit in die Zone vorgestossen, in der sie das ganze Erdsystem verändert und wo sie weniger Handlungsmöglichkeiten hat, als sich viele einbilden, weil ein koordiniertes Vorgehen der ganzen Menschheit kein historisches Vorbild hat.

    Es gibt wahrscheinlich sogar noch grössere Gefahren für die Menschheit als den Klimawandel. Wir konzentrieren uns auf den Klimawandel, weil darüber schon viel geforscht und publiziert wurde, weil wir also schon viel darüber zu wissen meinen. Andere potenzielle Gefahren wie eine plötzlich auftretende Knappheit einer essentiellen Ressource könnte sich noch weit verheerender auf unsere Zivilisation auswirken, doch in diesem Bereich ist die Ungewissheit so gross, dass wir wohl – wenn schon – davon überrascht werden.

    Fazit: Die Menschheit beschreitet nicht nur was den Kliamwandel angeht Terra incognita, sondern in vielen Bereichen. Einfach dadurch, dass sie nun einen globalen Einfluss auf das Erdsystem gewonnen hat.

    • Thomas Grüter

      Ich denke, der wichtigste Faktor ist die Geschwindigkeit der kommenden Veränderungen. Die Menschheit kann auf viele Herausforderungen reagieren, aber sie braucht Zeit. Wenn alle Probleme binnen weniger Jahre riesengroß anwachsen, dann riskieren wir tatsächlich einen Zusammenbruch. Darüber werde ich wahrscheinlich in den nächsten Wochen noch einen Beitrag schreiben.

      • Die potentiell gefährlichen Veränderungen laufen auf verschiedenen Zeitskalen und können natürlich auch interagieren, d.h.,die Menschheit, kann plötzlich vor unangenehmen Überraschungen stehen und es gibt dann keinen zeitlichen „Puffer“ mehr, um die Eigenddynamik abzufedern.

  9. Erneuerbare können das Klima nicht retten. Zu diesem Schluss kommen die zwei ehemaligen Manager des Google-RE<C Projekts, welches 2011 eingestellt wurde, weil Larry Page nicht mehr davon überzeugt war, dass die Ungleichung RENEWABLE < COAL in naher Zukunft erfüllt werde, also Erneuerbare weniger kosten würden als Kohle.
    Noch schlimmer: Die beiden Manager dieses Projekts kamen gar zum Schluss, dass selbst wenn die Erneuerbaren kostengünstiger wären als Kohle, damit die Emissionen nicht gestoppt werden könnten. Als Begründung geben sie unter anderem an:

    That’s because today’s renewable energy sources are limited by suitable geography and their own intermittent power production. Wind farms, for example, make economic sense only in parts of the country with strong and steady winds. The study also showed continued fossil fuel use in transportation, agriculture, and construction.

    Die Idee hinter dem RE<C-Programm war es, emissionsfreie Energiequellen so billig zu machen, dass ohne Subventionen und ohne einen Preis auf CO2 emissionsfreie Energie den Markt erobert. Doch selbst mit einer äusserst kostengünstigen emissionsarmen Energiequelle würden bestehende Kohlekraftwerke nicht einfach abgeschaltet und als Ersatz neue emissionsarme Kraftwerke gebaut werden, allein schon wegen den nötigen Investitionen für das neue Kraftwerk und dem Verlust an Betriebszeit um das alte Kohlekraftwerk zu amortisieren, welches ja umso billigeren Strom liefert, je länger es läuft. Am ehesten sähen sie einen reinen Marktsieg durch einen emissionsarme Energiequelle, wenn diese abrufbaren (dispatchable) Strom liefern könnte, denn diese Form des Stroms ist am meisten begehrt, kann abrufbarer Strom doch Produktionslücken ausfüllen. Das ideale Kraftwerk, das Strom auf Knopfdruck erzeugen kann, ist in der Inkarnation als fossiles Kraftwerk ein Erdgaskraftwerk. In Deutschland übernehmen Kohlekraftwerke diese Rolle. Sie werden bei einer Flaute und in sonnenlosen Zeiten hochgefahren werden, wobei Wetterprognosen helfen, dies rechtzeitig zu tun. Es gibt kaum Aussicht auf eine erneuerbare Energiequelle welche abrufbaren Strom kostengünstig erzeugt – im Gegenteil: Wind-und Sonnenkraftwerke als wichtigste Inkarnationen von Kraftwerken die erneuerbaren Strom liefern, sind ja auf Wind und Sonne angewiesen, welche sich noch nie nach den Wünschen der Konsumenten gerichtet haben. Allenfalls blieben Biomassekraftwerke als Kraftwerke, welche abrufbar Strom erzeugen können. Doch Biomasse (Holz, Biotreibstoffe) ist alles andere als kostengünstig. Auch konventionelle Kernkraftwerke können der Kohle nicht wirklich das Wasser reichen, denn sie sind im Bau deutlich teurer als Kohlekraftwerke und benötigen genau gleich wie Kohlekraftwerke eine konventionelle Dampfturbine, einen der grössten Kostenblöcke in einem Kraftwerk. Allenfalls könnte diese Rolle noch von zukünftigen Fusionskraftwerken übernommen werden welche Strom direkt aus den erzeugten Fusionsprodukten generieren können. Darauf kann man hoffen, nicht aber bauen. Die beiden Autoren bleiben aber dabei, dass nur ein technologischer Durchbruch, der heute noch gar nicht abzusehen ist, die Lage grundsätzlich ändern kann.

    Ganz so pessimistisch bin ich nicht. Sogar mit Erneuerbaren als zukünftige Hauptenergiequelle können die Emissionen deutlich heruntergefahren werden, nur schon wenn eine kostengünstige kurzfristige Speicherung der erzeugten Elektrizität über ein paar Tage bis Wochen möglich wird. Dazu wären Batterien nötig, die Strom für weniger als 100 Dollar pro Kilowattstunde speichern können. Damit wären Batterien dann etwa gleich teuer wie heute Pumpspeicherkraftwerke. Strom durch Hinaufpumpen von Wasser in Stauseen zu speichern ist nämlich heute die kostengünstige Form der Stromspeicherung. Doch Pumpspeicher gibt es innerhalb Europas nur in Skandinavien und im Alpenraum genügend, nicht in Deutschland. Batterien könnten in 10 bis 20 Jahren aber eine noch bessere Lösung sein, denn die Speicherverluste sind geringer. Dazu müssten nur die Kosten von Batterien herunterkommen. Die zunehmende Elektromobilität könnte dafür sorgen.
    Bleiben noch die saisonalen Schwankungen, also das Stromloch im Winter. Solange dies nicht geschlossen werden kann, wird man kaum von der Überbrückung dieser Lücke mittels fossilen Kraftwerken vorbeikommen. Damit wird es auch sehr schwierig die CO2-Emissionen des Kraftwerksektors bis 2050 um bis zu 90% zu reduzieren wie das vom BMU (Bundesministerium für Umwelt) geplant ist.
    Mit Erneuerbaren und Energiesparen allein die CO2-Emissionen auf kostengünstige Art vollständig einzustellen dürfte deshalb schwierig sein. Es bliebe allenfalls noch ein elektrisches Supergrid, welches allerdings mehr als nur Europa umfassen müsste um Europa jederzeit mit dem benötigen Strom versorgen zu können.

    • Zur Ergänzung: Können sich CO2-arme Energien trotz ihrem höheren Preis im Vergleich zur Kohle weltweit durchsetzen? Ich zweifle daran. In Europa, vielleicht sogar in den USA ist das möglich, in China schon weniger, in Indien aber ist es kaum vorstellbar. Weil Indien billige Energie braucht um sich industriell entwickeln zu können. Allenfalls müsste man Indien für einen Verzicht auf Kohle entschädigen. Daraufhin zielt ja der Green Climate Fund. Ob die dafür vorgesehenen 100 Milliarden Dollar pro Jahr aber genügen – das möchte ich bezweifeln.
      Zur weiteren Begründung: Wenn von Erneuerbaren-Evangelisten immer wieder gesagt wird, Solar- und Windenergie sei bald billiger als Energie aus Kohle, so meinen sie damit den Kilowattstundenpreis. Doch für ein Industrieland ist nicht der Kilowattstundenpreis einer einzelnen Energiequelle entscheidend, sondern der Jahresdurchschnittspreis von Strom ist das was zählt. Und in diesen Preis muss man auch die Backupenergie und die Kosten für ein besseres Stromnetz einbeziehen, die es braucht um die Produktionsschwankungen von Wind- und Sonnenenergie auszugleichen. Die Produktionsschwankungen sind für Kleinverbraucher wie es die indischen noch nicht am Elektrizitätsnetz angeschlossenen Dörfer sind, ein weniger grosses Problem. Sie können das mit Speicherung in Batterien lösen. Für die Grossindustrie ist die Speicherung wohl zu teuer. Bis jetzt ist Indien noch wenig industrialisisert. Sollte das so bleiben, würde Indien mit wenig zusätzlichen Kraftwerken auskommen. Doch der neue indische Premier Narendra Modi wurde gerade deshalb gewählt um das Wachstum zu beschleunigen und im indischen Bundesstaat Guajarat wo Modi vorher Gouverneur war, hat er die Industrie massiv gefördert.
      Indien spielt heute noch eine untergeordnete Rolle auf der Landkarte der CO2-Emittenten. Das könnte sich schon bald ändern.

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