Die Zeit der Trickster

Sind Boris Johnson und Donald Trump Gestalten, wie sie nur unsere postfaktische, von Filterblasen verseuchte Gegenwart hervorbringen kann? Keineswegs, solche Figuren sind so alt wie die Menschheit, die Mythologie kennt sie unter dem Namen Trickster.

Boris Johnson amüsiert sich gerne. Und er führt seine Zeitgenossen gerne in die Irre. Seine umfassende klassische Bildung und seine unbestrittene Fähigkeit, wortgewaltige Artikel zu schreiben, erlauben ihm, seine beiden Vorlieben produktiv zu kombinieren.

Vor seiner Zeit als Politiker war der gelernte Altphilologe Journalist für die ehrwürdige Londoner Times. Nachdem er für einen Artikel ein Zitat seines Patenonkels frei erfand, wollte das Traditionsblatt seine Dienste nicht mehr. Und so heuerte er beim erzkonservativen Daily Telegraph an.

Weil er politisches Interesse mit französischen Sprachkenntnissen verband, schickte ihn die Redaktion nach Brüssel. Dort vermuteten die britischen Kritiker der EU einen Sumpf aus Korruption und byzantinisch anmutenden Verwaltungsvorschriften. Mit seinen fabelhaften Geschichten übertraf Johnson mühelos die schlimmsten Befürchtungen seiner Leser. Nur hatten einige seiner Reportagen mit der profanen Wirklichkeit allenfalls am Rande zu tun. Sein neuer Arbeitgeber sah das nicht so steif wie die Times. Wen interessiert die Wahrheit, wenn die Richtung stimmt? Als flammender Brexiteer log er schamlos über die Kosten der EU-Mitgliedschaft und zog damit die Mehrheit der Wähler auf seine Seite. Seine spätere Ernennung zum Außenminister kam nicht gut an. „Mich würde es nicht wundern, wenn man in Großbritannien demnächst Dracula zum Gesundheitsminister macht“, ätzte der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich.

Für Boris Johnson ist die Welt eine Spielwiese. Mit seinen geschliffenen Artikeln demonstriert er der Welt seine Brillanz. Genaue Recherche bedeutet hingegen ermüdende Kleinarbeit, und so etwas langweilt ihn unbeschreiblich.

Auch ein zweiter Prominenter ist schnell gelangweilt. Donald Trump habe „die Aufmerksamkeitsspanne eines Eichhörnchens“, bescheinigt ihm ein Ex-Geschäftspartner. Sein Wahlkampf zeichnete sich durch hohen Unterhaltungswert und eine Lügendichte von mindestens 9,5 auf der nach oben offenen Münchhausen-Skala aus. Das Vorgehen spaltete die USA in zwei unversöhnliche Lager. Begleitet wurde die Schlacht von einer beispiellosen Schmierkampagne auf Facebook und anderen sozialen Netzen. War es das wert? Der Kandidat verstand die Frage nicht recht. „Ich habe doch gewonnen.“

Victoria et pro victoria veritatem!1

Seine Gegnerin will er nicht weiter verfolgen. Der Kampf ist vorbei, und damit endet alle Feindschaft. Wie beim Wrestling hasst man sich nur fürs Publikum. Ob Trump damit durchkommt, ist eine andere Frage. Er hat Hillary Clinton als Hexe gebrandmarkt und seine Anhänger wollen sie jetzt brennen sehen. Er hat Geister gerufen, die sich jetzt auf seinen Nacken setzen.

In der ganzen Welt fragen sich Wissenschaftler, Journalisten und Politiker besorgt, ob die Mediengesellschaft die Demokratie zerfrisst, oder ob die Eliten das Volk vergessen haben. Viele glauben, der Sieg der Brexit-Kampage und von Donald Trump deute auf ein Siechtum der Demokratie, das mit dem Tode enden kann.

Trickster erzwingen den Wandel

Ich möchte hier eine Gegenrede halten. Boris Johnson und Donald Trump sind Vertreter einer uralten Gruppe von Gestalten, die in der Mythologie als Trickster bekannt sind. „Personifikation einer unberechenbaren, schelmenhaften und oft heimtückischen Macht“, nennt sie Knaurs Lexikon der Mythologie. Sie bringen Bewegung in festgefahrene Gesellschaften und lösen einen Wandel aus. Sie wirken schöpferisch und zerstörerisch, agieren rücksichtslos, spielerisch, unverantwortlich und hinterhältig. Zu ihren wichtigsten Eigenschaften gehören Gier, Lüge, Verstellung und die Freude am Chaos. Zu anderen Zeiten können sie aber auch gewinnend, charmant, hilfreich und großzügig auftreten. Sie geistern durch die Mythologie sämtlicher Völker der Erde.

Der zwiespältige germanische Gott Loki beispielsweise hilft den Göttern oder bekämpft sie, je nach Laune. In den letzten Jahren wurde er durch die Filme Thor und Marvel‘s The Avengers einem breiten Publikum bekannt. Dort tritt er aber eher als charismatischer Erzbösewicht auf, was seinen Charakter doch etwas verkürzt. Die biblische Paradiesschlange2 darf ebenfalls als typischer Trickster gelten. Wie war das doch?

Nun war die Schlange3 listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der HERR geschaffen hatte.

Und weiter:

Da erwiderte die Schlange dem Weibe: „Ihr werdet sicherlich nicht sterben [wenn ihr die verbotene Frucht esst]; sondern Gott weiß wohl, dass, sobald ihr davon esst, euch die Augen aufgehen werden und ihr wie Gott selbst sein werdet, indem ihr erkennt, was gut und was böse ist.“

Schon durch ihre Worte leitet die Schlange eine unwiderrufliche Veränderung ein. Schon nach seinen wenigen Worten erscheint die verbotene Frucht als unendlich begehrenswert, und damit ist nichts mehr wie vorher, die Vertreibung aus dem Paradies wird unvermeidlich.

Donald Trump ist noch nicht einmal ins Amt eingeführt, aber er hat schon jetzt das ehrwürdige Zweiparteiensystem zerschlagen. Er ist zwar auf dem Ticket der Republikaner in weiße Haus gekommen, aber als Passagier, nicht als Mitglied der Crew.

„Trump: Amerikas erster unabhängiger Präsident“ titelte die Washington Post. Er hat den Auswahlprozess gekapert und das Wahlsystem ad absurdum geführt (seine Gegnerin hat 1,27 Millionen Stimmen mehr erhalten). Die mühsam gepflegte Political Correctness liegt in Trümmern. Die USA werden sich neu erfinden müssen.

Der von Boris Johnson maßgeblich vorangetriebene Brexit hat die EU aus ihrer Lethargie aufgestört. Sie muss jetzt den Kampf um ihre Werte aufnehmen, oder sie zerfällt.

Trickster katalysieren den Wandel, ganz gleich, ob zum Besseren oder zum Schlechteren.4 Sie erzwingen eine Entscheidung, eine Bewegung, eine Reaktion. Damit sind sie gelegentlich notwendig. Ich meine das nicht in einem moralischen Sinn. Trickster kümmern sich nicht um Verluste, oft genug hinterlassen sie nichts als verbrannte Erde. Der Trickster Silvio Berlusconi hat Italien restlos heruntergewirtschaftet und die politische Kaste korrumpiert. Das neue Parteiensystem hatte einen holperigen Staat und muss sich erst bewähren.

Auf Messers Schneide

Trickster leben gefährlich. Die Paradiesschlange lief auf Beinen, bis Gott voller Wut verfügte: „Auf dem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen!“ Der Mensch soll sie auf den Kopf treten, und sie wird ihn die Ferse beißen.

Loki erwischte es deutlich schlimmer. Er brachte den blinden Gott Hödur dazu, seinen Bruder Baldur zu töten, und flüchtet dann, die Rache seiner Verwandten, der Asen fürchtend. Die wütenden Asen spüren Loki auf und binden ihn an drei Felsen. Eine Giftschlange träufelt Gift auf sein Gesicht. Seine Gattin Sigyn hält eine Schale dazwischen, um ihn zu schützen. Ab und zu muss sie die Schale ausgießen, dann trifft das Gift Lokis Gesicht. Es verursacht grausame Schmerzen und er windet sich derart in seinen Fesseln, dass in weitem Umkreis die Erde bebt. Erst zur Götterdämmerung wird er wieder frei.

Also, liebe Trickster: Ihr seid ein notwendiges Element der Belebung erstarrter Verhältnisse. Trotzdem könnt ihr übel enden. Nicht jeder entgeht seiner Strafe so glücklich wie Silvio Berlusconi.

Ihr seid gewarnt.

Anmerkungen

[1] Eigentlich als Grabinschrift: victoria et pro victoria vitam. Übersetzung: Sieg und für den Sieg (opferte er) sein Leben. Trump hat für seinen Sieg, ohne mit der Wimper zu zucken, die Wahrheit (veritas) geopfert.

[2] Mehr dazu bei bibelwissenschaft.de unter dem Stichwort „Schlange“.

[3] Im Hebräischen ist „Schlange“ ein männliches Wort, der Trickster erscheint also als ein männlicher Verführer.

[4] Putin oder Erdogan sind keine Trickster. Sie sind Agenten der Erstarrung. Unerbittlich und geduldig unterbinden sie jede eigenständige Regung im Land, bis sich nichts mehr bewegt.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

26 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es frägt sich wie weit der Begriff Trickster mit dem Begriff Demagoge zusammenfällt. Der Begriff „Trickster“ zielt wohl mehr auf den Charakter und das Verhalten einer Person, während „Demagoge“ die Rhetorik im Focus hat. In jedem Fall aber geht es hier um Personen, die die Macht mit gefühlt unfairen Mitteln an sich reissen wollen.
    Das führt zur allgemeiner Frage nach der Bedeutung von Personen und Persönlichkeiten in der Politik. Sind es mächtige, charismatische und visionäre Politiker die die Politik in neue Bahnen bringen und die den Weltverlauf prägen und ändern oder ist es komplizierter? Schwierig zu sagen. Dass einzelne Staatsmänner eine scheinbar solch grosse Bedeutung im politischen Geschehen haben könnte auch einfach daran liegen, dass die Regierten und die Geschichtsschreiber die Ereignisse an Personen festmachen oder gar auf Personen reduzieren wollen. Personen werden also überhöht und sie stehen für etwas, selbst wenn in Wirklichkeit die Person lediglich eine ihr zugewiesene Rolle ausfüllte. Die Gründungsväter der USA wollten ja mit den von ihnen eingeführten Checks and Balances ein Machtgleichewicht herstellen in dem auch eine einzelne Person (der Präsident) nicht völlig unkontrolliert und willkürlich handeln kann. Die Frsge ist wieweit ihnen das gelungen ist.

  2. @Martin Holzherr:
    Trickster beschreibt einen Charaktertyp, Demagoge eher eine Rolle, die jemand einnimmt. Hitler war ein Demagoge, aber weniger kein Trickster, denke ich.
    Man kann sich fragen, inwieweit der Trickster etwas mit dem puer robustus zu tun hat, den Trice irgendwo erwähnt hat.

    • Mit dem Puer Robustus hat ein Trickster eher wenig zu tun. Der Begriff ist von Dieter Thomä in die aktuelle Diskussion eingeführt worden, und steht eher für den Mann, der seine Konflikte immer noch wie auf dem Schulhof austrägt. Der aktuelle Roman Hool von Philipp Winkler wäre ein gutes Beispiel dafür. Trickster zeichnen sich dagegen durch ihre Unbeständigkeit aus. Sie sind fast unberechenbar und deshalb faszinierend. In der Mythologie erscheinen Trickster häufig als Gestaltwandler. Trickster haben das Talent, Menschen zu blenden und scheuen keine Lügen, um ihre Ziele zu erreichen. Sobald ein Ziel aber erreicht ist, erscheint es ihnen schon wieder uninteressant. Sie verändern und zerstören, aber die mühsame Aufbauarbeit ist nicht ihre Sache.

  3. Jemanden als Trickster zu bezeichnen ist auch nur eine Art und garnicht Weise des bewußtseinsschwachen Spiels im Tanz um das goldene Kalb, sozusagen die Vorausauswahl / das Vorurteil für den herkömmlich-gewohnten Sündenbock!

    Diese Welt- und „Werteordnung“ braucht eine Veränderung des seit der „Vertreibung aus dem Paradies“ mit konfusionierender Überproduktion von zeitgeistlich-reformistischem KOMMUNIKATIONSMÜLL gepflegtem geistigen Stillstandes!

  4. Kurze, einfache und sogar falsche Informationen werden leichter im Gedächtnis abgespeichert als komplizierte. Und wenn richtige und falsche Informationen gemeinsam kombiniert weiter gegeben werden, dann wird es noch schwieriger den Wahrheitsgehalt zu erkennen.
    Ein Erfolg – wieso Populisten (z.B. AfD, Trump) so erfolgreich sind, ist es. so simple Informationen zu verbreiten, dass immer irgend etwas im Gehirn der Medienkunden hängenbleibt.
    Unter http://www.sciencedaily.com/releases/2016/11/161122080756.htm ´Why we rely on inaccurate information´ wird dieser Mechanismus beschrieben.

    Eine Antwort gegen Demagogen/Trickster kann z.B. sein, bessere Information so einfach weiter zu geben, dass diese auch leicht verstanden werden kann.
    Eine weitere Antwort wäre es, sich selbst besser zu informieren.

    UND – ein weiterer wichtiger Grund warum Trickster/Populisten derzeit so erfolgreich sind, ist unsere politische Kultur: Wenn sich Politiker über Monate gegenseitig der Unfähigkeit bezichtigen – dann müssen sie nicht wundern, dass ihnen irgendwann geglaubt wird! Und dann ist z.B. die AfD kein Schreckgespenst mehr.
    Kurz gesagt: Der Umgangston unserer Politiker ist ein wesentlicher Grund, wieso sie an Einfluss verlieren werden.

    • Populisten und Trickster sind zwei unterschiedliche Kategorien. Die AfD und die Front National sind nationalistische Parteien, aber keine ihre Führungsfiguren ähnelt auch nur annähernd einem Trickster. Ein Trickster wie Boris Johnson oder Donald Trump springt schon mal auf einen populistischen Zug auf, aber er verlässt ihn dann auch wieder. Wie gesagt: Trickster zerstören Strukturen und erzwingen damit eine Veränderung, aber sie hängen meist keiner Ideologie an.

  5. „Trickster“ bezeichnet eine ambivalente Figur, die mit fragwürdigen Mitteln auch Gutes bewirken kann oder wie Thomas Grüter schreibt:

    Also, liebe Trickster: Ihr seid ein notwendiges Element der Belebung erstarrter Verhältnisse. Trotzdem könnt ihr übel enden. Nicht jeder entgeht seiner Strafe so glücklich wie Silvio Berlusconi.

    Für mich ist sekundär ob Trump oder Boris Johnson übel enden. Wichtiger ist ob die USA, Grossbritannien und Europa wegen dieser Trickster übel enden. Insbesondere scheint mir, dass die EU mit solchen Schocks wie dem Brexit, Trump, Orban und einer eventuellen französischen Präsidentin Marine Le Pen nicht gut umgehen kann. Es könnte jetzt schon sein, dass einige EU-Mitglieder nur noch aus Mangel an Alternativen mitmachen ohne wirklich von der EU überzeugt zu sein.

    • Trickster sind außerordentlich ambivalent. Sie fegen durch den Porzellanladen, versprechen, ihn zum besten Laden der Welt zu machen, und überlassen es anderen, die Scherben zusammenzukehren. Wenn einige EU-Mitglieder nur aus Mangel an Alternativen weitermachen, muss das nicht unbedingt schlecht sein. Sie werden sich dann endlich darüber im klaren, dass sie sich in der EU jetzt dauerhaft einrichten müssen. Dann werden sie an der Entwicklung der EU hoffentlich besser mitzuarbeiten.

  6. »Er [Trump] hat den Auswahlprozess gekapert und das Wahlsystem ad absurdum geführt (seine Gegnerin hat 1,27 Millionen Stimmen mehr erhalten).«

    Es wird noch ausgezählt, und die Differenz beläuft sich mittlerweile, bei steigender Tendenz, schon auf gut 2 Millionen Stimmen (aktuell: Clinton 64,226,121 vs. Trump 62,213,790).

    Und die notorisch unzuverlässigen voting machines rücken derweil auch einmal mehr in den Fokus.
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wahlcomputer-Experte-Besser-die-Stimmzettel-pruefen-3501607.html

    • Ich hatte die Zahl von 1,27 Millionen aus der New York Times. Aber das ist in der Tat nicht mehr der neueste Stand der Auszählung (wieso dauert das bloß so lange?). Das Problem mit den Wahlmaschinen ist nicht neu, aber offenbar haben die Verantwortlichen zu wenig getan, um einen Wahlbetrug sicher auszuschließen.

  7. Hierzu :

    Er hat den Auswahlprozess gekapert und das Wahlsystem ad absurdum geführt (seine Gegnerin hat 1,27 Millionen Stimmen mehr erhalten). Die mühsam gepflegte Political Correctness liegt in Trümmern. Die USA werden sich neu erfinden müssen.

    die Variante :

    Er habe den Auswahlprozess gekapert und das Wahlsystem ad absurdum geführt (seine Gegnerin hat 1,27 Millionen Stimmen mehr erhalten). Die mühsam gepflegte Political Correctness liege in Trümmern. Die USA werden sich neu erfinden müssen.


    Also es gibt schon Wahlsysteme, die nicht perfekt sind, eigentlich sind alle Wahlsysteme nicht perfekt, Beispiele:
    1.) Das EU-Wahlsystem ist total verhunzt, in Kleinstaaten haben Wähler drei- bis zwölffach (!) mehr Einfluss als Wähler der BRD beispielsweise.
    2.) Die 5-Prozent-Klausel, wie in der BRD geübt, ist undemokratisch, sie dient augenscheinlich der Machtbewahrung Etablierter.
    Bei der Bundestagswahl 2013 gingen ca. 15 % der Stimmen in den „Locus“, sehr unschön auch, wie eine moralisierende Kampagne die FDP wegbeißen konnte.
    3.) Sehr schlecht auch Ausnahmen von dieser 5-Prozent-Klausel.
    4.) Womöglich demokratisch ebenfalls schlecht derartige Verfahren:
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberhangmandat

    Sollte der hiesige werte Inhaltegeber sich dieser Sicht angeschlossen haben, was hier nicht geglaubt wird:

    Er hat den Auswahlprozess gekapert und das Wahlsystem ad absurdum geführt (seine Gegnerin hat 1,27 Millionen Stimmen mehr erhalten).

    … läge ein Denkfehler vor, und zwar kein netter.

    Selbstverständlich wäre Donald J. Trump dann nicht in sogenannte Battle States herumgereist und „wie verrückt“ aufgetreten (Hillary Clinton mangelte es hier womöglich an Staminia, >:-> ), sondern hätte konzentriert auch bspw. NY und Kalifornien bearbeitet.

    In einigen US-Staaten wählen Anhänger der US-Republikaner oft nicht – und reziprok auch US-Demokraten nicht.

    Trump hat nicht das sogenannte Popular Vote gewonnen, weil dies irrelevant ist, er ist zudem offen das US-Wahlsystem zu ändern, so dass dieses Popular Vote entscheidend wird.
    (Hinweis zu Historie: Das Wahlmännersystem ist seinerzeit, also vor langer, la-anger Zeit ausgehandelt worden, um sich gegenseitig misstrauenden US-Bundesstaaten klarzustellen, dass da in anderen Staaten -mengenmäßig- i.p. Wahlentscheid nichts „gedreht“ werden kann, mit Scheinstimmen und so…)

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Es haben inzwischen verschiedene Autoren darauf hingewiesen, dass die amerikanischen Demokratie nicht mehr, wie zur Zeit ihrer Gründung, das aufgeklärteste System der Welt ist, sondern in vielen seiner Ausprägungen reformbedürftig ist. Das hat Trump sehr deutlich klargemacht. Er hat sowohl die festgefahrenen Auswahlrituale niedergewalzt als auch gezeigt, dass man mit einer deutlichen Minderheit der Stimmen gewinnen kann, wenn man ihm glauben darf, hat er sogar darauf hingearbeitet. Er selbst bevorzugt, wie er jetzt noch einmal betont hat, die „popular vote“. In diesem Sinn hat er die Schwächen des System maximal ausgebeutet, den unausgesprochenen Konsens zu vielen Dingen nicht eingehalten, und damit ein Umdenken erzwungen. Über die Schwächen anderer Wahlsysteme sagt das nichts aus.

      • Hmja, lieber Herr Dr. Grüter, vgl. mit – ‚Er hat den Auswahlprozess gekapert und das Wahlsystem ad absurdum geführt (seine Gegnerin hat 1,27 Millionen Stimmen mehr erhalten).‘ – er hat sozusagen hier ‚ausgebeutet‘ (wäre bei anderen Wahlsystemen, als entscheidend das sog. Popular Vote meinend, anders vorgegangen, erklärtermaßen und glaubhaft, wie viele finden).
        Er hat auch ansonsten ‚ausgebeutet‘, er hat die Steuerbelastung seines Konzerns minimiert, er hat Steuervermeidung betrieben.
        Er hat auch die US-amerikanische Medienlage, die streng gegen in gestimmt war, ‚ausgebeutet‘, er hat eine hohe Media Coverage erhalten, vgl. bspw. mit :
        -> http://www.nytimes.com/2016/03/16/upshot/measuring-donald-trumps-mammoth-advantage-in-free-media.html
        …und er hat auch die sogenannte Politische Korrektheit ‚ausgebeutet‘, indem er sie gegen die politisch Linke, insbesondere die sog. progressive (manche meinen auch: regressive) gewendet hat – wenn Sie so wünschen auch: populistisch.

        Er erklärt dies witzigerweise auch öffentlich.

        Q:Was folgt daraus?
        A:Er hat sich, gerade auch gegenüber dem Establishment, auch US-Republikaner meinend, exponiert und sich auch gegenüber pers. zu erwartenden Gewaltmaßnahmen angreifbar gemacht,
        A) weil er ein guter Mann ist, der vielleicht auch seine Familie nicht derart exponieren / gefährden würde, auch mit einem pol. Misserfolg massiv schaden würde, wenn er es „versaut“?
        B) weil er Narzisst, vielleicht sogar abgeschwächter Autist oder sonstwie ein X-ist ist, in neg. Konnotation?


        Ansonsten, der Webbaer ist ja auch „Trumpologe“, blieb lange an O-Texten und O-Dokumenten hängen, ist hier auch befangen, weil er Trump sehr gut findet, hier ein einzigartiges pol. Talent erkennt, wie zuletzt bei Franz Josef Strauß, trotz „gelegentlich abweichender pol. Meinung,

        Verstanden ist doch wohl auch bei Ihnen, Herr Dr. Grüter, mittlerweile, dass Trump verständig und trotz seines Alters höchst adaptiv ist?!

        Der Mann hat mächtige Gegner im US-republikanischen Establishment, vgl. bspw. hiermit:
        -> http://www.theatlantic.com/politics/archive/2016/11/where-republicans-stand-on-donald-trump-a-cheat-sheet/481449/ (gerade hier bitte einmal reinschauen)

        … und wird nun eine Konsenslinie fahren, um überhaupt etwas umgesetzt zu bekommen.
        Es könnte sogar sein, dass er seinen Kumpel Rudy [1] hier zugunsten Mitt Romneys (den Trump wohl in etwa so mag, wie der Schreiber dieser Zeilen) fallen lässt.

        Vermutung:
        Trump wird Realpolitik betreiben, als moderater US-Republikaner auch sehr ausgleichend, aber, abär, im Sinne der Nationalstaatlichkeit und im Sinne eines „America first“.

        MFG
        Dr. Webbaer

        [1]
        Rudy ist womöglich sogar sein Haupt-Kumpel.
        Und wenn er ihn zum Außenminister (DoJ?= macht, wird er ihn „impfen“.

        • PS:
          Donald J. Trump will auch, indem er sich exponiert hat, als ‚Ausbeuter‘ reformieren.
          Sonst macht sein Betreiben kaum Sinn…

      • Das Hauptproblem der USA sehe ich in der Polarisation, welche die Anhänger der beiden Parteien zu Gläubigen zweier verfeindeter Systeme macht. Ist diese Polarisation durch das amerikanusche Wahlsystem entstanden? Wenn ja, müsste man es schleunigst ändern.
        Trump hat ja die republikanische Partei gekapert, er hat in vielerlei Hinsicht gegen den republikanischen Kattechismus verstossen. Doch es ist die typisch repuklianische Klientel, die ihn gewählt hat (plus noch die von den Demokraten vergessenen Arbeiter). Jedenfalls gibt es in den USA einen weit stärkeren Gegensatz zwischen einer städtisch/libertären und sozialen Kultur und einer ländlich/konservativ/religiös, antizentralistisch/antielitären Kultur als irgendwo sonst. Dieser Gegensatz geht so weit, dass die von den Gründungsvätern implementierten „checks and balances“ angesichts dieser Polarisation zur totalen Lähmung des Entscheidungsprozesses (mindestens auf der Ebene des Kongresses) geführt haben.

        • Vor einigen Monaten habe ich ein Buch zu diesem Thema gelesen. Es stammt vom Journalisten Bill Bishop und heißt „The big sort – why the clustering of like-minded America is tearing us apart. Das klingt hochaktuell, aber es ist bereits acht Jahre alt. Die Recherchen sind sogar noch etwas älter. Im Klappentext heißt es: „Our country has become so polarized, so ideologically inbred, that people don’t know and can’t understand those who live just a few miles away.“ Und wie gesagt: damit beschreibt er die Situation von vor etwa 10 Jahren. Bis heute hat sich die Situation eher weiter zugespitzt. Weil sich Wähler in den USA als Demokraten, Republikaner oder Unabhängige registrieren müssen, sind ganze Nachbarschaften oft genug auf eine Partei fixiert. Zumindest dieses Art der Wähler-Registrierung sollte man unbedingt abschaffen, weil sie die Zweiteilung quasi in das Wahlsystem integriert. Es bliebt abzuwarten, ob die Wahl von Trump diesen Gegensatz aufbrechen kann. Im besten Fall wäre das denkbar, im schlimmsten Fall stände die USA kurz vor einem Bürgerkrieg.

  8. Boris Johnson und Donald Trump sind erfolgreiche Politiker und werden von viele Menschen geschätzt und gewählt.Nur „Gestalten und Figuren“ wie Thomas Grüter wollen diese Realität nicht wahrhaben und bemühen dazu sogar die Mythologie (welche?wann?).Dazu erfindet oder entdeckt er sogar das neue Schlagwort „Trickster“, das mir bisher in Studium und Lektüre der Antike und ihren Sagen und Mythen noch nie begegnet ist.Vielleicht wurde der Begriff wirklich erst in unserer „postfaktischen, von Filterblasen verseuchten Gegenwart“ hervorgebracht und zwar von Gestalten und Figuren wie Thomas Grünter, die sich auf die mediale Bühne drängeln.Für den Blog Scilogs reicht es offensichtlich.

    • Ich würde gerne für mich in Anspruch in Anspruch nehmen, das Wort Trickster erfunden zu haben. Aber der Begriff ist in der Forschung bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts etabliert. Ein Blick in die deutsche oder englische Wikipedia (Stichwort Trickster) hätte Ihnen das gezeigt. Es gibt auch ausführliche wissenschaftliche Monographien über die mythologische Figur des Tricksters (z.B. Paul Radin: The Trickster (1955) oder William J. Hynes und William G.Doty (Hrg.): Mythical Trickster Figures von 1997), wenn Sie das Thema vertiefen möchten. Noch ein Hinweis: Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe oder Beleidigungen. Wie die anderen Kommentare zeigen, lässt sich das Thema problemlos sachlich diskutieren.

  9. „Also, liebe Trickster: Ihr seid ein notwendiges Element der Belebung erstarrter Verhältnisse. Trotzdem könnt ihr übel enden. Nicht jeder entgeht seiner Strafe so glücklich wie Silvio Berlusconi.“

    Was für ein Unsinn!!
    Vor kurzem hat der Kulturwissenschaftler und Philosoph Dieter Thomä diesen Menschen mit seinem Buch „Puer robustus“ ein Denkmal gesetzt. Mit Mythologie hat das nichts zu tun, sehr viel aber mit einer Grppe von Menschen, denen man heute das Etikett „ADHS“ aufpappt – daher auch die vermeintlich kurze Aufmerksamkeitsspanne von Trump.
    https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article159058384/Fuer-den-Fortschritt-braucht-es-ADHS.html

    Aber selbst diese Schublade, in die man die Störenfriede gern stecken möchte, trifft nicht den Kern der Sache. Tatsächlich unterscheidet uns – ich zähle auch dazu – nur unsere komplementäre Art der Informationsverarbeitung. Die Mathematikerin Inge Schwank, die als erste diesen Unterschied herausfand, nennt es die funktionale Art logischen Denkens – ein auf Funktionen aufgebautes Denken, bei dem sich die Aufmerksamkeit auf Prozesse und Wirkungsweisen richtet, im Unterschied zur wesentlich häufigeren Art prädikativen Denkens – die auf Prädikaten aufgebaut ist und deren Aufmerksamkeit sich auf Zustände und invariante Details richtet.
    http://www.fmd.uni-osnabrueck.de/ebooks/erme/cerme1-proceedings/papers_vol2/g5_schwank.pdf

    Inzwischen sehen selbst viele Psychiater und Psychologen, in deren Fachbereich die „Behandlung“ der angeblich aufmerksamkeitsgestörten Personen fällt – wir haben nur einen wesentlich besseren Überblick -, dass man diesem Personenkreis mit dieser Beurteilung nicht gerecht wird. Als im Februar 2001 an der Humboldt-Universität zu berlin eine Konferenz mitdem Titel „Hyperaktivität- Aufmerksamkeitsstörung oder Kreativitätszeichen“ stattfand, sagte die Philosophin Krista Merttens einleitend:
    „Betroffen sind und waren häufigauch hochintelligente Menschen, die Staunen und bewunderung über ihre neuen Ideen, überraschenden Lösungren bzw. Entdeckungen auslösten.Aus den Epochen des Mittelalters bis heute sind viele schausteller, Tierführer, Gaukler, Hofnarren, auch Pioniere und Eroberer neuer Welten beschrieben, bei denen mit Sicherheit Symptome der Hyperaktivität vorhanden waren(…) Man glaubt, ebenfalls bei Mozart, Kaiser Wilhelm dem II, oder auch Churchill ADHS erkann z haben. Solche kreativen menschen bergen in sich immer Überraschungen. Die Umtriebigkeit, überschießende Impulsivität Störung der Selbstkontrolle und mangelnde Steuerung der Aufmerksamkeit können die Umgebung zur Verzweiflung bringen.“ [1]
    Und sie lösen nicht selten Hass aus, eine Reaktion, die sie nicht verstehen.

    Es wäre mehr als angebracht, bevor man unreflektiert Gerüchte in die Welt setzt, sich erst einmal kundig zu machen, womit man es zu tun hat. Ich fühle mich jedenfalls persönlich gekränkt und beleidigt, wenn man mich als „Trickser“ bezeichnet, und das, ohne mich zu kennen. Wenn das die angeblich wertschätzende, die Menschenwürde achtende neue Weltordnung ist, dann bin ich froh und dankbar, den politisch Unkorrekten gezählt zu werden..

    Inzwischen werden neben Mozart und Churchill auch Goethe, Schiller, Edison, Newton, Hermann Hesse, Kennedy u.v.a. als „betroffen“ genannt. Und der große Psychologe William James meinte einmal: Genie ist vielleicht nur eine andere Art, wahrzunehmen. Genau das ist es!

    • Mit der inzwischen inflationären Ausdehnung der Diagnose ADHS auf alle möglichen historischen Figuren oder auf gegenwärtige Prominente bin ich nicht einverstanden. Genie ist nicht eine Untergruppe von ADHS. Auch die Definition des Puer Robustus überlappt vielleicht die ADHS-Diagnose, aber sie ist nicht deckungsgleich damit. Inzwischen gibt in der Hirnforschung erhebliche Zweifel, ob die Diagnose ADHS nicht viel zu häufig gestellt wird. Die mythologische Figur des Tricksters zeigt übrigens, dass es Menschen wie Donald Trump oder Boris Johnson immer schon gegeben hat und dass sie in allen Kulturen auftreten. Genau darum geht es mir: Ich will zeigen, dass die vielen und völlig divergenten Analysen des Wahlsiegs von Donald Trump zu wenig berücksichtigen, dass es solche Menschen schon immer gegeben hat, und sie ein belebendes, aber auch gefährliches Element in allen Kulturen sind.

      • Von Ludwig Erhard („Wirtschaftswunder“) bis Heute (die die „sozialen Errungenschaften“ als Geschenke auf Zeit entlarven und in zeitgemäßer Form wieder einsammeln und reformistisch ausbeuten, so daß nun das „Blaue Wunder“ …) alles nur Trickster, die zeitgeistlich-gepflegte Bewußtseinschwäche bestimmt dabei den Grad der Möglichkeiten in systemrationaler Verkommenheit dieser Welt- und „Werteordnung“!!!

        Vielleicht sollte man es mal so probieren: ADHS – Allgemeine Direktive Hierarchieschen Schwachsinns!?

      • „… dass es solche Menschen schon immer gegeben hat, und sie ein belebendes, …“

        – Trittbrettfahrer / Surfer auf dem stumpf-, blöd-, wahn- und schwachsinnigen Zeitgeist!!!

      • @Thomas Grüter

        „Mit der inzwischen inflationären Ausdehnung der Diagnose ADHS auf alle möglichen historischen Figuren oder auf gegenwärtige Prominente bin ich nicht einverstanden. “

        Deshalb hatte ich auf die Forschung und die Untersuchungsergebnisse von Schwank verwiesen. Frau Schwank unterscheidet zwischen prädikativem und funktionalem Denken, die auf zwei unterschiedlichen kognitiven Strukturen aufgebaut sind. Sie hat Untersuchungen dazu in Deutschland, Griechenland, China, Indonesien und Kanada durchgeführt – das Ergebnis war immer dasselbe: die Mehrheit der Menschen – ca. 3/4 -nimmt anders wahr und denkt anders als eine Minderheit – ca 1/4 – . Ich bin dreizehn Jahre nach ihr und unabhängig von ihr zu einem fast identischen Ergebnis gekommen, nur dass die Minderheit meiner Teilnehmer alle die Diagnose ADHS hatten. Inzwischen verwenden wir intern nur noch die Begriffe funktional und prädikativ, weil es ADHS nicht gibt.

        „Genie ist nicht eine Untergruppe von ADHS.“

        Nein, aber die Gruppe der funktionalen Menschen ist der Pool, aus dem ab und an ein Genie hervorgeht. Für die Gruppe der Prädikativen ist das nicht möglich, da der Unterschied zwischen beiden Gruppen auf der Regelung der Arbeitsweise des Gehirns beruht. Die Regelung prägt sich im Denken und Verhalten aus, das lässt sich untersuchen, sonst hätten weder Schwank noch ich darauf kommen können. Man muss nur wissen, wonach man sucht und entsprechende Kriterien nennen, an denen man den Unterschied festmachen kann. Und wenn man die kennt, kann man sie auch bei Menschen wie Mozart, Einstein oder Hesse in dem, was sie sagen und wie sie es sagen, wiederfinden.

        In einem Projekt, das wir gemeinsam durchgeführt haben, konnten wir zudem zeigen, dass wir von derselben Sache reden: Menschen, die als von ADHS betroffen gelten, gehören zur funktional-logisch denkenden Gruppe, sie leiden an keiner Aufmerksamkeitsstörung, sondern ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf Prozesse und nicht auf Zustände und Details.

        “ Auch die Definition des Puer Robustus überlappt vielleicht die ADHS-Diagnose, aber sie ist nicht deckungsgleich damit.“

        Der Puer robustus ist der Prototyp des funktional-logisch denkenden Menschen. Die derzeitigen Fehldiagnosen des Verhaltens haben ihren Grund darin, dass auf das Verhalten fokussiert wird, das Denken aber nicht untersucht wird oder wurde.

        „Inzwischen gibt in der Hirnforschung erhebliche Zweifel, ob die Diagnose ADHS nicht viel zu häufig gestellt wird.“

        Das liegt daran, dass immerhin ein Viertel aller Menschen funktional-logisch denkt. Da der Übergang zwischen funktionalem Denken ohne (rechtseindeutig?) und funktionalem Denken mit ADHS (linkstotal?) fließend ist, fallen, je nachdem, wie man untersucht, mal mehr mal weniger Menschen in die Kategorie mit der extremen Ausprägung.

        Menschen wie Trump und Johnson hat es tatsächlich schon immer gegeben. Die prädikative Gruppe hat sich vermutlich erst in der langen Periode der „Jäger und Sammler“ herausgebildet, da für die prädikative Art das Werkzeug Sprache für das Denken unabdingbar ist.
        Deshalb gibt es sie auch in allen Kulturen. Nur dass sie, dass wir keine gefährlichen Elemente sind, sondern die notwendige Ergänzung im Gegensatz, nämlich zur prädikativen Gruppe. Unsere Stärke ist die Fähigkeit zum optimalen Umgang mit komplexen Problemen. Diese Fähigkeit bzw. Eigenschaft wird Trump besitzen, wenn er Meinesgleichen ist. Wovon ich ausgehe.

        Das eigentliche Problem sind nicht wir, sondern die Mehrheit, die die Norm bestimmt und deshalb von uns Anpassung an die Norm fordert. Da man aus uns keine perfekten Prädikativen machen kann – die Arbeitsweise unseres Gehirns können wir nun mal nicht ändern – wird uns das als Widerstand und Opposition ausgelegt, mit dem Effekt, dass die Mehrheit sich infrage gestellt fühlt und uns mit Hass begegnet – der sich auch darin äußert, dass man uns alles Mögliche andichtet, je schlimmer, je besser:

        „Ein solches moralisch krankes Kind ist der Schrecken der Schule, die Qual der Familie; keine Erzieher, kein Lehrer kann es bessern, es bleibt der Sclave seiner Leidenschaften, die Plage seiner Umgebung“.
        L. Scherpf, 1881, kinderpsychiatrische Fachliteratur aus den Jahren 1809 – 1862

        Nichts Neues also.

  10. Nachtrag:

    Auf den Punkt gebracht heißt das: Weil Ihnen das Verhalten von zwei Leute nicht gefällt, desavouieren und verunglimpfen Sie eine Gruppe von Menschen, die Sie nicht kennen, die Ihnen nichts getan haben, deren Verhalten Sie nur nicht verstehen und das Sie auch nicht verstehen wollen.
    Das erinnert mich an Lehrer, denen ich auf Fortbildungen das Verhalten dieser Kinder erklärt und denen ich Hilfen für den Umgang mit ihnen angeboten habe, die aber so voller Hass waren, dass sie letztlich nur eins wollten: die Kinder vernichten!

    Dieser Hass, den diese Menschen auslösen, ist denen, die ihn empfinden und verbreiten, offensichtlich nicht bewusst und wird nicht bewusst gemacht, sondern verleugnet und umgedeutet.
    Wie ich schon schrieb: Die Gefährlichen, das sind nicht wir. Es sind die, die unsere Vernichtung wollen und meinen, dass sie damit im Recht sind, weil sie alles Übel auf uns als die vermeintlich Gefährlichen projizieren.

    Die Menschen ändern sich nicht …

  11. Literarische Vision: In seinem Cybersecurity Thriller The Lafayette Campaign: a Tale of Deception and Elections (Starboard Rock Press, 2015; Book Review) hatte der Autor Andrew Updegrove schon antizipiert, wie ein vermeintlich absolut inakzeptabler Kandidat die Wahl zum US Präsidenten zu seinen Gunsten entscheiden kann.

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