Wieviel Bisphenol A haben wir wirklich im Körper?

In den letzten Jahren hat sich ja, gestützt durch eine Reihe von Tierstudien und epidemiologischen Untersuchungen, die Hypothese verbreitet, dass BPA für eine ganze Liste von Gesundheitsproblemen wie Übergewicht, Diabetes und Entwicklungsstörungen verantwortlich ist. Dagegen steht andererseits ein Haufen anderer Studien, die keinen Zusammenhang erbracht haben – die Frage ist also, anders als uns allerlei Interessenvertreter weismachen wollen, derzeit noch offen. Klar ist allerdings, dass man Bisphenol A heutzutage praktisch nicht mehr entkommt, einfach weil das Zeug von Kunststoffflaschen (aber nicht PET) über Epoxidversiegelungen von Wassertanks bis hin zu Zahnfüllungen aus Kunststoff quasi überall drin ist.

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2,2-Bis-(4-hydroxyphenyl)-propan (Bisphenol A)

Dazu bindet BPA bekanntermaßen an die gängigen Östrogenrezeptoren und steht im Verdacht, hormonähnlich zu wirken – Grund genug, das Zeug im Auge zu behalten. Blöderweise helfen Epidemiologische Studien nur bedingt weiter: Gerade bei nahezu universell verbreiteten Substanzen lässt sich praktisch jeder beliebige Zusammenhang konstruieren, wenn man’s drauf anlegt (zur Verdeutlichung ist das Beispiel DHMO sehr instruktiv). Einen Überblick über die Feinheiten der Debatte gibt dieses Paper.

Jetzt behauptet auch noch ein Toxikologe in Diensten der US-Regierung mit dem schönen Name Justin Teeguarden, es gebe ein grundsätzliches Problem mit den Tierstudien zur BPA-Wirkung. Er kommt in einer (derzeit zur Veröffentlichung anstehenden) Studie zu dem Ergebnis, die in Tierstudien verwendeten Konzentrationen von BPA seien durch die Bank um mehrere Größenordnungen höher als die Menge, denen Menschen tatsächlich ausgesetzt sind.

Der Hintergrund ist folgender: Es gibt haufenweise Studien dazu, wieviel BPA Menschen tatsächlich im Körper haben, einerseits aus Blut- und Urinproben, andererseits indem man berechnet, wieviel von dem Zeug man über die Nahrung aufnimmt. Teeguarden hat sich nun all diese Studien vorgenommen, und die überwältigende Mehrzahl kommt nach seinen Angaben, unabhängig von der Methode, auf Konzentrationen im Pikomol-Bereich, das ist grob irgendwo zwischen 0,3 und ein paar Nanogramm pro Liter.

Die Zahl hat mich beim Lesen durchaus überrascht, denn in den Tierstudien geht es meistens um Konzentrationen im höheren Mikrogrammbereich und weit darüber hinaus, zum Beispiel von 0,1 bis 100 mg pro Kilo Körpergewicht (was ganz grob auf Milligramm pro Liter hinausläuft) – also die mehr als tausendfache Konzentration selbst des höheren Wertes. Die Erklärung liefert Teeguarden: Es gebe eine einzelne Blutanalyse, die diese höheren BPA-Konzentrationen liefert. Und an der orientieren sich dann auch die ganzen Tierstudien, laut denen BPA alle möglichen schädlichen Effekte hat.

Ein unüberschaubarer Datenwust

Nun bin ich selbst mal losgegangen und habe mich in der Literatur nach Expositionsdaten für BPA umgeguckt. Die Ergebnisse sind gemischt. Erstmal wäre ich der Fachwelt dankbar, wenn sie sich entscheiden könnte, ob sie Konzentrationen in Mol pro Liter, Gramm pro Liter oder Gramm pro Milliliter angeben möchte. Die ganze Umrechnerei macht einen ja irre. Und dann passt der Kram hinten und vorne nicht.

Auf den ersten Blick scheinen viele Literaturangaben die Dosierungen in den Tierversuchen zu bestätigen. Aber erstens nicht alle, und zweitens deuten theoretische Überlegungen, wieviel BPA in der Nahrung überhaupt maximal drin ist, darauf hin, dass das alles irgendwie nicht hinkommen kann. Zum Beispiel heißt es hier durchschnittlich 1,33 Mikrogramm pro Liter, das BfR wiederum kommt auf der Basis von Umweltdaten und Aufnahmebilanzen auf ein paar Nanogramm pro Liter. Und so weiter.  Teeguarden vermutet nun, dass das Zahlen-Chaos auf ein grundsätzliches Problem in der Analytik hindeutet: Demnach sind viele Proben von außen mit BPA kontaminiert. Unglücklicherweise ist diese Vermutung absolut nicht von der Hand zu weisen.

Kontamination als potenzielles Problem

Zur Illustration ein Beispiel aus einem völlig anderem Gebiet: Ihr erinnert euch an die Geschichte mit der Eisendüngung von Meeresgebieten, um Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu ziehen? Das funktioniert deswegen, weil das Wasser des offenen Ozeans extrem wenig Eisen enthält – so wenig, dass Algen aus Eisenmangel nicht wachsen können. Nur, das wussten Wissenschaftler lange nicht, denn in der Analytik zeigten sich zwar niedrige, aber doch fürs Algenwachstum ausreichende Eisenkonzentration. Das fehlende Phytoplankton im offenen Meer blieb ein Rätsel.

Irgendwann haben die Ozeanografen dann Verdacht geschöpft und mit gigantischem Aufwand Probenflaschen und Labore nahezu komplett von anhaftenden Eisenatomen befreit. Auskochen mit Königswasser und so. Und siehe da – das Wasser des Ozeans erwies sich tatsächlich als extrem arm an Eisen. Das Problem war nur, dass nahezu überall sonst Eisen ist: In den meisten Laborgeräten, Waschbecken, Staub und Hautflocken, das ganze Forschungschiff selbst natürlich auch. Wir baden quasi in Eisen, und deswegen muss man ziemlich viel Aufwand treiben, um extrem geringe Konzentrationen des Metalls zu messen.

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Blutentnahmeröhrchen aus transparentem Plastik: Eine potenzielle BPA-Quelle. Bild: Pflegewiki-User Würfel, CC BY-SA

Die potenzielle Parallele zum BPA ist offensichtlich: Das Zeug ist deswegen so weit verbreitet, weil es ein preiswerter, leicht herzustellender Baustein mit Alkoholgruppen an beiden Enden ist, und deswegen (und einiger anderer Feinheiten, die mit seiner Struktur zu tun haben) eignet es sich perfekt als Rohstoff für Polymere aller Art: Mit Phosgen erhält man Polycarbonat, mit Epichlorhydrin Epoxidharze, und das sind so ungefähr die beiden Materialien, aus denen unsere moderne Zivilisation aufgebaut ist. Gerade in der Medizintechnik gibt es inzwischen kaum noch etwas, was nicht aus Kunststoff ist. Nicht zuletzt die Ampullen, in die Blutproben reingezogen werden. Und aus vielen dieser Werkstoffe sickern kleine Mengen Bisphenol A aus.

Nicht alles was messbar ist, ist auch gefahrlich

Die Frage nach der Konzentration berührt einen ganz zentralen Punkt nicht nur der BPA-Diskussion, sondern der gesamten Toxikologie: Ab welchen Konzentrationen sind Giftstoffe überhaupt gefährlich? Die Frage ist heute umso dringlicher, da einerseits jedes Produkt kleine Mengen verschiedener Substanzen an die Umgebung abgibt (weiße Wandfarbe zum Beispiel Titandioxid-Nanopartikel) und andererseits die modernen Analyseverfahren schon winzigste Konzentrationen an Kontaminanten sicher detektieren können. Wenn man genau genug nachguckt, dürfte man so ziemlich alles finden.

Wenn es in der BPA-Analytik tatsächlich ein Problem mit von außen eingetragenem Bisphenol A gibt, steht hinter der gesamten Debatte plötzlich wieder ein großes Fragezeichen. Schließlich macht die Dosis das Gift – siehe zum Beispiel Vitamin A oder das Cyanid in Bittermandeln, beides potenzielle Gifte, allerdings in weit höheren als den normalerweise aufgenommenen Konzentrationen. Entsprechend müssen wir auch bei Bisphenol A die tatsächlich aufgenommenen Mengen kennen, damit wir überhaupt wissen, worüber wir da reden. Und dass wir das tun, ist absolut nicht klar.

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Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das mit der hormonellen Entwicklungsbeeinfussung ist natütlich plausibel und wenn man in die Menge schaut (in das Volk), wird man tausende mögliche Indizien dafür finden.

    Ich etwa habe an meinem Körper einige deutliche Anzeichen von unregelmässiger Entwicklung, die derart offensichtlich sind, dass man mich gar fast als Krüppel / Minderbemittelten bezeichnen kann (und … unbeweisbar wohl auch tut).

    Mein Haarwuchs am Körper ist regelmässig unregelmässig – am Oberkörper habe ich nahezu keine Haare, von dre Hüfte abwärts aber kann man es schon Fell nennen, was mir da gewachsen ist. Dem gemäß habe ich auch eine Halbglatze auf dem Kopf und dort schon immer ungewöhnlich dünnes Haar. Ein Arzt diagnostizierte einmal Trichotillomanie. Das ist schon eine harte Verhöhnung meiner Problematik. Ich habe eine symmetrische Halbglatze, wie sie durchaus oft genug überall zu sehen ist, je älter der Mann wird. Bei mir begann sie schon mit 20 Jahren deutlich hervorzustechen.

    Ich hatte (habe zuweilen noch heute) einen winzigen Ansatz von Brüsten. Der ist abhängig von gewissen Umgebungsbedingungen und mentaler Konstitution.

    Nicht nur mein Körper zeigte Unregelmässigkeiten in der Entwicklung, sondern auch Psychisch gab es Probleme. Ich fing erst spät an zu Kommunizieren und zu sprechen und dann auch nur selten. Den damaligen Zustand kann man ohne Widersprüche autistsisch nennen. Damals (in den siebzigern) hat das aber niemanden interessiert; war doch alles Bestens, wenn der Kleine so ruhig war und so habe ich erhebliche Defizite im Umgang und Übung in der sozialen Interaktion.

    Es gibt noch weitere sichtbare Unregelmässigkeiten an meinem Körper.

    Als ich Kind war gab es mal eine Situation, inder der Arzt darüber sprach, dass es eigendlich noch keinen hinreichenden Grund gab, eine Hormontherapie zu machen / mit Hormonen entgegen zu wirken. Für mich war diese Situation damals völlig unerschliesslich – heute habe ich eine andere Meinung und überhaupt Bewusstsein darüber, obwohl ich auch heute noch Hormonzuführungen von Extern kritisch sehe.

    Ich bin aber nicht der Meinung, dass nun gerade BPA dafür verantwortlich gewesen sein sollte. Für mich wäre das einfach zu einfach. Es ergäbe aber eine systematisch konsistente Begebenheit, die das erklären könnte.

    Ich glaube aber leider auch daran, dass in dieser Sache auch in zehn oder zwanzig Jahren nichts fasbares herrauskommen wird, was von absoluter Verlässlichkeit und unwiderlegbarkeit sei, damit man hier Klarheit bekommt.
    Es gäbe dann nämlich ein Problem, dass keine GEsellschaft bewältigen würde können. Wenn es sich herrausstellen würde, das BPA wäre für solche Entwicklungsstörungen verantwortlich, müsste man sich auch vergegenwärtigen, dass diese Belastung quasi systematisch und Flächendeckend gewesen war und also alle Menschen mindestbetroffen gewesen waren und „alle“ Menschen demnach eine Schädigung ihrer Entwicklung zu beklagen hätten. Man hätte also 100 % Geschädigte, denen null Prozent Gemeinschaft gegenüber steht, die entschädigen könnte. Ausserdem ist es nicht nur heute üblich, bei 100 % Geschädigten keinen Schaden mehr zu erkennen – denn der ist ja quasi-demokratisch auf alle verteilt vorhanden, also eigendlich gar nicht mehr vorhanden.
    Ausserdem ist ja alles auch genetisch bedingt, sodass man in der Ursachensuche regelmässig (bei unklarheiten und unangenehmen Wahrheiten) einfachst ausweichen kann – alles genetisch eben; Autismus, Haarausfall, Körpergröße, Längenverhältnis Ringfinger zu Zeigefinger, Haarwuchs, entwicklung der primären Sexualorgane… usw..

    Für mich ist das, was in der angewandten Schulmedizin letztlich ankommt, wenig glaubhaft und plausibel. Da wird auf dem wege der Entwicklung und Erkenntnis einfach zu viel strategisch bewertet und zu wenig auf das Individuum eingegangen. Unterm Strich: Alles Lüge, was uns erzählt wird. Und so wird mir auch die These bezüglich des BPA irgendwie spanisch vorkommen.

    Titandioxid fürt zur Aufhellung der Haut? Soll ja eine populäre Mode in Ostasien gewesen sein, sich damit zu behandeln, damit die Haut schön gleichmässig und vor allem hell wird.

    Neulich wunderte ich mich darüber, warum gerade in Europa (und in Ostasien) die Menscshen weis sind, aber bezogen auf der Out of Africa These in weiter entfernten Gegenden von Afrika immernoch braun. So sind sogar die Inuit nicht ganz weis, wie es unter zuhilfenahme der These, der nicht notwendigen Schutzfunktion der Haut aufgrund von Sonneneinstrahlung eigendlich anzunehmen und logisch schlüssig sei. Was ist in Europa und Ostasien oasiert, dass die Menscshen dort weisser geworden sind, als der Rest der Gattung?

  2. Nehme man an, es würde sich herrausstellen, dass dieses BPA (und seine Artverwandten) tatsächlich Auslöser für veränderungen im und am Menschen sind und also anstelle von Östrogenen im Körper wirkt (und vielleicht gar genauso). Würde dann die Bezeichnung „Weichmacher“ auch bezüglich der Wirkung auf Menschen zutreffen? (und nicht nur in Verbindung mit den Eigenschaften der damit hergestellten Kunststoffen?)…

    Angenommen, man würde einem Menschen mit Östrogenen von Extern „überfluten“ – also ein erhebliches Überangebot im Organismus verfügbar machen, sodass alle Rezeptoren nahezu zu jeder Zeit mit diesem Hormon belegt sind und also wirken können/werden. Wie würde sich das auswirken? Etwa so, dass diese Menschen dann etwa weiblich zurückhaltend und eheer Ängstlich seien? Dass sie Übersensibel auf präsentierte Reize reagieren und also in ihrer Psyche sich deutlich verändern? Dass sie sozusagen (im Volksmund) „Verweichlichen“?
    Würden alle Männer etwa unter diesen Umständen gar Schwul werden? Oder zumindest die stereotypen Eigenschaften zeigen?

    Insgesamt sind Hormone nicht zu verharmlosen. Da eröffneten sich in jüngster Zeit haufenweise Indizien zur Annahme von Korellationen mit Begebenheiten im Organismus und resultierender Entwicklung. Neulich las ich irgendwo, dass Fettgewebe untrennbar mit Östrogenen in Verbindung steht, was ohne weitere Erkenntnisse leicht den Schluß zulässt, es gäbe auch hier einen Zusammenhang zwischen Östrogenrezeption (und derivaten) und Adipositas/Fettleibigkeit.

    Das mit dem Haarausfall (Halbglatze) ergab in meinen Recherchen irgendwann einmal, es handle sich bei der Urasche um ein Abbauprodukt von Testosteron (etwa Dihydrotestosteron (DHT)). Und um es wieder zu erwähnen: dieser Umstand sei natürlich auch wieder genetisch bedingt und auf die Tatsache zurück zu führen, dass zuviel Testosteron im Körper sei. Ist dass denn so? Könnte es nicht so sein, dass es ein Zuviel gibt, weil das Testosteron im Organismus keine Aufnahme findet, da hier alle Rezeptoren durch andere Substanzen belegt sind, wie es beim östrogen und BPA angenommen wird?

    oder dass Testosteron abgebaut wird, weil sich ein für dasTestosteron ungünstiges Medium durch andere Bedingungen ergab, bevor es überhaupt an Reeptoren binden konnte…

    Tausende Fragen liessen sich stellen, aber bis heute hat sich darüber wohl niemand hinreichend Gedanken gemacht. Und das, trotzdem man durchaus weiß, dass Hormone wichtige Substanzen sind, um den Körper/Organismus zu steuern.

    Viel wichtiger scheint es auch zu sein, wenn man das Gehirn erforscht und womöglich nachbaut (und dafür eine schöne runde Milliarde aus dem Fenster schmeisst)..

  3. Mir ist auch nicht plausibel genug, warum Dihydrotestosteron (wenns denn verantwortlich sei) nicht alle Haare ausfallen lässt, sondern nur und vor allem symmetrisch auf der Oberseite des Kopfes.

  4. Mangel an kontrollierten Studien

    Wenn Bisphenol A sowieso fester Bestandteil unserer chemischen Umgebung ist, sind natürlich Studien über seine Auswirkungen gerade in den Mengen, denen wir sowieso täglich ausgesetzt sind, sehr schwierig bis unmöglich durchzuführen.

    Leider kann man aus der Tatsache von widersprüchlichen Studienergebnissen weder schliessen, dass Bisphenol A unproblematisch ist noch dass es ein Problem darstellt. Ich bin sowieso immer wieder überrascht wie lange es oft geht bis erkannt wird, was ein Stoff auf die menschliche Gesundheit für Wirkungen entfaltet. Als positives Beispiel möchte ich Acetylsalicylsäure erwähnden. Diesem als Aspirin bekannten Mittel, das von vielen Millionen Menschen seit Jahrzehnten immer wieder eingenommen wird, wird erst seit kurzem eine protektive Wirkung gegen verschiedene Krebserkrankungen zugeschrieben. So gesehen würde es mich nicht überraschen, wenn sich auch die Einschätzung der Wirkung von Bisphenol A in den nächsten Jahren noch deutlich ändern würde.

    Nur selten erhält man die Gelegenheit Studien an menschlichen Populationen unter wirklich kontrollierten Bedingungen durchzuführen. Ein Beispiel wo das gelungen ist ist die Studie über den Einfluss von salzarmer Ernährung auf den Kreislauf im Rahmen des Mars500 Projekts. Bei diesem simulierten Raumflug über 500 Tage erhielt die Mannschaft reduzierte Kochsalzmengen was zu einer Senkung des Blutdrucks führte – etwas was zwar schon lange vermutet wird, aber wozu kaum kontrollierte Studien beim Menschen existierten. Zudem konnten Biorhythmen und die Rolle der Hormone Aldosteron und Cortisol im Salzhaushalt untersucht werden.

    Am grundsätzlichen Problem, dass es nur wenige wirklich kontrollierte Studien über Auswirkungen von Pharmaka und normalen Substanzen unserer Umwelt gibt, wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern. Durch das immer bessere Verständnis der Physiologie und Genetik wird es wohl aber ein besseres Verständnis für mögliche Interaktionen und Wirkmechanismen geben was gezieltere Studien ermöglichen wird.

  5. @ Holzherr / Mars500 und Salzreduzierte Kost korelliert mit Blutdruck_

    -> Um das eindeutig so sagen zu können und hier darauf schliessen zu können, täten nicht nur ein Mars500 Versuch durchgeführt werden müssen, sondern mindestens zwei – eben eine Kontrollgruppe unter den selben Bedingungen bis auf die Salzarme Kost.

    Also ist die Studie Mars500 in dieser Hinsicht gar nicht so gelungen, wie von Holzherr intendiert. Sie ist unter strenger Anwendung wissenschaftlicher Standarts eigendlich völlig wertlos. Aber das ficht niemanden an und alle verwenden diese Ergebnisse in ihren Intentionen zu aufbauenden Forschungen.

  6. Ich habe mir ml den Artikel (jetzt erst) durchgelesen.

    O.k., so unbrauchbar und wertlos ist die Studie natürlich nicht. Sie ist angesichts der Kontrolle der Einflüsse auf den Organismus sogar weit mehr aussagekräftig, als alles bisher gemachte. Aber leider trotzdem nicht völlig unkritisierbar und unfehlbar in der Interpretation der Ergebnisse.

    Möglicherweise werden noch viele tausende immulierte Marsexoeditionen nötig sein, hier deutliche und unleugbare Fakten zu erhalten – die dann auch eine integrierbare Vision der Gesamtbedingungen ableiten lassen.

    Interessant: Die Teilnehmer waren nur Männer. Nun müsste es einen gleichen Versuch nur mit Fauen geben .. und natürlich einen (oder viele) mit gemischter Gruppe.

  7. An „schrittmachern“

    Ist das jetzt Ihr Ernst: „Ich habe mir mal den Artikel (jetzt erst) durchgelesen.“ ????? Und vorher vier Kommentare dazu schreiben?

  8. @Martin Holzherr: Kleine OT-Korrektur

    „Diesem als Aspirin bekannten Mittel, das von vielen Millionen Menschen seit Jahrzehnten immer wieder eingenommen wird, wird erst seit kurzem eine protektive Wirkung gegen verschiedene Krebserkrankungen zugeschrieben.“

    Die protektive Wirkung wird schon in Weinbergs Biology of Cancer aus dem Jahr 2000 eingehend diskutiert. Vielleicht ist es neu, daß sie in Massenmedien thematisiert wird.

    Ein sehr interessanter Artikel übrigens. Vielen Dank dafür, Lars.

  9. @ Richard Zinken

    Meine Aussage galt dem Kommentar (und darin enthaltenen Link zu einem Artikel zum Mars500 Experiment) und nicht zum Blogartikel oben.

    Hat das der Zinken in seiner Affektivität nicht aus der Aussage hinter meiner Erklärung über das Lesen erkennen können?

  10. Bisphenol A im Blut testen

    Guten Tag, wir können uns Ihren Ausführungen anschließen. Besonders Schwangere, die ihre Kinder stillen wollen, sollten gut über die BPA Aufnahme informiert sein. Leider aber, wird diese Gruppe kaum aufgeklärt. Wohlgemerkt: wir sind für das Stillen, aber bitte erst, wenn man weiß. ob die Muttermilch auch ok ist. In Fachkreisen wird der Thematik leider noch nicht nachgegangen. In Dänemark ist man da schon weiter und klärt jede Schwangere und Stillende über die Gefährlichkeit von Chemikalien auf und wie man sie vermeiden kann.
    Wir vertreiben einen Test zur Bestimmung von BPA im Blut aus der Fingerkuppe. Den kann jeder machen, der möchte und sich selbst Klarheit verschaffen.
    Bei uns bestellen besonders Psychotherapeuten, die bei den Kindern dem Verdacht auf ADHS nachgehen wollen.

  11. Versuchsperson

    Ich habe fast drei Jahrzehnte mit Epoxidharzen hantiert (und oft genug auf den Fingern gehabt) und auch mit purem BPA.
    Passiert ist…
    Nichts. Also keine Änderung an der Oberweite oder anderen Körperteilen.

    Allerdings ist eine Versuchsperson statistisch gesehen nicht relevant, und dass ich mir keine EP-Allergie geholt habe, ist Glückssache.

    Aber vielleicht erfahren wir nächste Woche, dass BPA vor Prostatakrebs schützt, und dann gibt es das bald als Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen. 😉

    Gruß,
    Franz Kass

  12. Hallo,
    mich würde interessieren ob bei Schilddrüsenerkrankungen, die Wahrscheinlichkeit größer ist eine erhöhten Dosis von BPA im Körper/Blut zu haben.
    Wie kann man den Körper davon reinigen? Gibt es hier irgendwelche Maßnahmen oder reguliert der Körper durch die normale Entgiftungsleistung dies selbst?

    lg,
    sonja

  13. Klar macht die Dosis das Gift, aber das gilt nicht für alle Substanzen. Manche Substanzen sollten in der Nahrung oder im menschlichen Körper einfach nicht vorkommen. Es ist ein künstlicher Stoff, erfunden von den Menschen. Die Gefahr die von BPA ausgeht ist nicht unerheblich. Außerdem finde ich die gesetzlichen Grenzen teilweise viel zu großzügig angesetzt. Es sollte nicht darum gehen welche Menge unschädlich ist, sondern eher darum ob dieser Stoff überhaupt dort rein gehört (Nahrung, Wasser, …)!

    Grüße
    Sabine

    • Nein, es kommt auf die Dosis an. Dioxin (Seveso) beispielsweise können sie im Abgas der besten Müllverbrennungsanlage nachweisen, denn beim Verbrennnen von Kunststoffen genügen schon kleine Mengen Chlor um Dioxin entstehen zu lassen (Zitat Wikipedia: „Sie entstehen als Nebenprodukte bei einer Vielzahl von thermischen Prozessen. Es gibt keinerlei technische Verwendung von Dioxinen.“).
      Heutige Nachweisverfahren sind äusserst empfindlich. So empfindlich, dass sie fast überall fast alles nachweisen können. Unterhalb einer gewissen Schwelle ist aber keine Wirkung mehr zu erwarten.

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