Quokka Rising

Der erste Teil unserer Expedition zu den Quokkas liegt hinter uns: Nach 22 Stunden Reisezeit (einschließlich 6 Zeitzonen) haben wir es einigermaßen heil nach Perth geschafft. Den heutigen Tag hattern wir eigentlich für den Jetlag eingeplant, aber von dem haben wir nichts mitbekommen. Stattdessen haben wir heute die lokale Flora und Fauna begutachtet – davon dann bald mehr: Morgen um halb zehn geht die Fähre nach Rottnest Island.

Die Innenstadt von Perth, von der Uferpromenade gesehen. Bild: Lars Fischer, CC BY-SA 2.0

Die Innenstadt von Perth, von der Uferpromenade gesehen. Bild: Lars Fischer, CC BY-SA 2.0


Unsere erste Begegnung mit der einheimischen Tierwelt hatten wir allerdings schon während des Fluges. Ein paar hundert Kilometer vor der Westküste des Kontinents nänlich trifft man auf die Viecher – man muss halt nur wissen wo. Unter drei Kilometern Wasser liegt dort als Hinterlassenschaft des aufbrechenden Superkontinent Gondwana das Wallaby-Plateau, eine untermeerische Plattform, die sich etwa anderthalb Kilometer über den umliegenden Meeresboden erhebt, und dessen westliche Fortsetzung heißt Quokka Rise.

Der Meeresboden vor Westaustralien. Rot markiert: Der Quokka Rise. Bild: NOAA

Der Meeresboden vor Westaustralien. Rot Markiert: Der Quokka Rise. Bild: NOAA

Die beiden untermeerischen Erhebungen stammen aus der Kreidezeit vor knapp 100 Millionen Jahren. Durch ihren Aufbau aus aufeinander geschichteten Lavaströ verraten sie sich als Flutbasalte: Gigantische Gesteinskomplexe, die sich über weite Bereiche der Erdoberfläche erstrecken, weil dort einst über hunderttausende Jahre flüssige Lava aus tiefen Schloten emporquoll.

Flutbasalte, auch LIP (Large Igneous Provinces) genannt, haben die Evolution des Lebens auf der Erde vermutlich maßgeblich geprägt. Die bekanntesten Ereignisse dieser Art, das Deccan-Plateau in Indien und die Sibirischen Trapps, entstanden zu Zeiten grosser Massenaussterben – vermutlich nicht ganz zufaellig.

Wallaby-Plateau und Quokka Rise allerdings waren wohl kleinere Lichter. Sie entstanden, als der Superkontinent Gondwana auseinander brach und sich vor etwa 135 Millionen Jahren Australien von Indien löste. Entlang der Westküste Australiens bildete sich damals ein System von Grabenbrüchen, aus denen dann später ein neuer Ozean entstand – ähnlich dem Ostafrikanischen Grabenbruch. Auch dort entstehen sehenswerte Landschaften mit eindrucksvollen Vulkanbauten, denen das gleiche Schichsal droht wie dem Wallaby-Plateau und Quokka Rise. Auch sie entstanden wohl einst über der Wasseroberfläche, um dann später für immer im gebildeten Ozean zu versinken.

Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben