Diamanten aus Tequila: Der Ignobel-Preis 2009

In Harvard fand gestern – traditionell wenige Tage vor Bekanntgabe der echten Nobelpreise – wieder einmal die Verleihung der Ignobel Prizes statt. Wie der Name schon sagt, ist das eine eher fragwürdige Ehrung für oft etwas unkonventionelle Forschungsergebnisse. Highlights der letzten Jahre waren Coca-Cola als Verhütungsmittel, die medizinischen Nebenwirkungen des Schwertschluckens oder die unvergessene "Gay Bomb" der U.S. Air Force.

Auch dieses Jahr sind wieder einige echte wissenschaftliche Großtaten dabei. Der Friedenspreis geht an vier Schweizer von der Universität Bern, die experimentell gezeigt haben, dass man jemandem mit vollen und leeren Bierflaschen den Schädel zertrümmern kann. Volle Bierflaschen brechen übrigens schneller. Da es kaum ein Experiment gibt, das derart offen zur unüberlegten Reproduktion einlädt, werden wir am Wochenende sicher reichlich besoffene Studenten mit mehr oder weniger schweren Kopfverletzungen sehen. Ich empfehle, auf Wohnheimpartys bis auf weiteres einen Helm zu tragen. Drei Amerikaner haben außerdem einen BH entworfen, der sich mit wenigen Handgriffen in zwei Gasmasken umfunktionieren lässt und die irische Polizei schreibt bei polnischen Verkehrssündern nicht den Namen auf, sondern das, was in den Papieren in Fettdruck ganz oben steht (Prawo Jazdy = Führerschein). Talentiert.

Uns interessiert natürlich ganz besonders der Ignobel-Preis für Chemie, und der geht dieses Jahr nach Mexiko, für die Herstellung von Diamant. Aus Tequila. Die Methode der Wahl dafür ist die Chemische Gasphasenabscheidung. Dabei trifft kohlenstoffhaltiges Gas, zum Beispiel Methan oder Ethylen, auf eine etwa 850 Grad heiße Oberfläche. Die Moleküle zersetzen sich durch die hohe Temperatur und die freiwerdenden Kohlenstoffatome Bilden kleine Diamantkristalle an der Oberfläche. Das passiert aber nicht immer, entscheidend ist die atomare Zusammensetzung des Gasgemisches. Enthält das Gas zu viel Kohlenstoff, entstehen keine Diamanten mehr, sondern bloß Ruß oder Graphit. Zu wenig Kohlenstoff, und es passiert gar nichts. Deswegen benutzt man normalerweise definierte Gasmischungen aus viel Wasserstoff und einer wie auch immer gearteten Kohlenstoffquelle.

Der Clou ist jetzt, dass handelsüblicher Tequila offenbar eine geeignete atomare Zusammensetzung hat, um Diamanten wachsen zu lassen. Wenn auch nur, wie wir in der Grafik sehen, gerade eben noch, und der Wachstumsbereich ist relativ schmal. Der Trick funktioniert also keineswegs grundsätzlich mit allen Getränken. Ich vermute, mit Bier würde man nur Ruß bekommen. Aber das würde eh die Düse verkleben.

Lars Fischer

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Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schlamperei

    Wie das Huhn wollte auch ich gerade anmerken, dass Du die deutsche Chemiebloggerszene offenbar nicht aufmerksam liest. Dabei hast Du ja sonst nichts zu tun =D

  2. @ Fischer

    Mein Verweis auf Claudias Beitrag ist auch gar nicht als negative Kritik an Deinem Beitrag zu werten, sondern viel mehr als Lob an Claudia. Darf man denn nicht mehr loben?

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