Adventskalender – 14. Türchen

Vor ein paar Tagen haben wir hier ja schon die Kohlenstoffschlange aus Zucker und Backpulver kennengelernt. Die Schlange des Pharaos entsteht nach einem sehr ähnlichen Prinzip, ist aber noch einmal ein ganzes Stück bizarrer, und vor allem chemisch weit interessanter.

Das farblose Ausgangsmaterial, das der Experimentator zu beginn des Films anzündet, ist Quecksilber(II)thiocyanat Hg(SCN)2. Beim Anzünden zersetzt es sich erst einmal zu Quecksilbersulfid, Schwefelkohlenstoff und Kohlenstoffnitrid (C3N4). Letzteres bildet den Hauptteil der gelb-braunen Masse. Das allerdings wäre für sich genommen noch nicht so wahnsinnig spektakulär. Aber es geht ja noch weiter: Aus dem Quecksilbersulfid entsteht mit dem Luftsauerstoff Schwefeldioxid und (bei den Temperaturen in der Reaktionszone gasförmiges) Quecksilber. Auch der Schwefelkohlenstoff verbrennt sofort zu SO2 und CO2. Insgesamt werden aus zwei Molekülen des Feststoffes mindestens sieben Moleküle Gas – mindestens, weil auch das Kohlenstoffnitrid zum Teil zerfällt und elementaren Stickstoff und das ebenfalls gasförmige Dicyan freisetzt. Genug also, um den verbleibenden Feststoff aufquellen zu lassen wie Bauschaum.

Angesichts der entstehenden giftigen Gase empfehle ich, die Finger von diesem Versuch zu lassen, oder zumindest einen Abzug aufzutreiben.

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Lars Fischer

Veröffentlicht von

www.fischblog.com

Ich bin gelernter Chemielaborant und habe ab 1999 in diesem Beruf gearbeitet. Anschliessend habe ich an der Uni Hamburg Chemie studiert. Seit dem Abschluss Ende 2006 veröffentliche ich Beiträge in meinem Fischblog und verkaufe Artikel an andere Publikationen. Seit 2008 wohne ich im Raum Heidelberg und bin bei Spektrum der Wissenschaft für das Blogportal Scilogs verantwortlich. Daneben arbeite ich als freier Journalist und Redakteur unter anderem für die digitalen Angebote von Spektrum, veröffentliche auf verschiedenen Social-Media-Plattformen und experimentiere mit Mobile Reporting. Zu meiner Webseite

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Zeigs gabs bis in die 70er auch als kleine Pllen die Anal in kleine
    Porzellanhündchen eingeführt und entzündet wurden . . .
    Das war lustig (Giftspass) für Kinder.
    Eine andere überzeugende „Anwendung“, bestand darin mit einen leicht angefeuchtetem Finger
    die blanke Pille, unauffällig (Hosentasche pp.) abzuwischen, dann mit jemandem zu
    wetten das er das mit dem präpariertem Fingers stramm zusammengefaltete
    Aluminiumfolienpäckchen nicht sehr lange zwischen zwei zusammengepressten Fingern
    festhalten kann. Diese Wette gewann immer. . .

    Das man sich danach die Hände seehr ordentlich wäscht sollte selbstversändlich sein.
    Viel Spaß . . .

  2. Mabuse,die muss es bis in die achtziger gegeben haben an genau die habe ich %Jahrgang 77nämlich als erstes denken müssen,als ic das Türchen öffnete und ich hoffe einfach mal stark,dass mich meine Eltern/Großeltern mit 1 bis 3 noch nicht haben mit Feuer spielen lassen 🙂

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