Ein kritischer Kommentar zum Umgang mit Japans Situation

Drüben im Blog "Graue Substanz" von Markus Dahlem gab es einen Artikelkommentar, der folgendes besagt:

Im Moment aber ist es vielleicht wichtiger, daß alle Blogger (gerade die Wissenschaftler) den Mut finden, einen Standpunkt zu beziehen, was die Lehren aus Fukushima und das kaum glaubwürdige, volatile Verhalten der Regierenden betrifft.

Wenn dies erwünscht ist, dann komme ich dem natürlich gerne nach. Ich habe mich bewusst aus dem Thema herausgehalten, da ich mich nicht wirklich als kompetent genug empfinde, die Fukushima-Situation in Japan zu besprechen. Die Argumentation des Kommentators kann ich allerdings gut nachempfinden, der genug von Experten, Ingenieuren und sonstigen Fachleuten hat. Was denken allgemein die Wissenschaftler zur derzeitigen Situation in Japan UND in Deutschland? Es wird nun politischer, als es in einem Wissenschaftsblog anzunehmen ist. Die Umstände rechtfertigen dies aber.

Ich möchte vorweg sagen, dass ich nicht auf dem aktuellsten Stand der Dinge bin und einiges vielleicht garnicht mitbekommen habe. Daher möge man meine eventuellen Wissenslücken bitte tolerieren, da ich eben als Nicht-Fachmann nur das Drumherum beurteilen kann.

Eine kurze Erinnerung, wie es in Japan losgegangen ist und was darauf folgte: Japan erlitt das stärkste Erdbeben aller Zeiten, worauf ein Tsunami folgte und die Ostküste Japans von einer Monsterwelle überschwemmt wurde. Landschaften wurden zerstört, Menschen ertranken und überall wütete eine gewaltige Mischung aus Schlamm, Wasser und Schutt. Durch den Tsunami wurde das Kernkraftwerk Fukushima I beschädigt und erlitt dadurch mehrere Explosionen. Radioaktivität tritt bereits aus, Brennstäbe liegen teilweise ungekühlt offen dar und es droht ein Super-Gau. Die letzte Aktion, Fukushima wieder unter Kontrolle zu kriegen, war die Kühlung der Brennstäbe mittels Meerwasser, welches von Hubschraubern abgeworfen werden sollte. Die Aktion wurde zu riskant und wurde schlussendlich abgebrochen. Nun soll eine fast reparierte Stromleitung das ausgefallene Kühlsystem wieder zum Laufen bringen. Nicht, das das schon genug ist, bricht der Vulkan Shinmoedake im Südwesten Japans aus. Es findet zudem ein Wintereinbruch statt, welcher die Aufräumarbeiten und die Reparatur des Kraftwerkes erschwert. Huntertausende Obdachlose erleiden die schlimmste Situation ihres Lebens, mehrere Tausende sind gestorben und das Chaos sorgt dafür, dass alles nur schleppend vorangeht. Solange müssen die Japaner ausharren.

Die Lage in Japan ist also mehr als katatrophal und wir hier im sicheren Deutschland, wo uns eine radioaktive Wolke nicht erreichen würde, haben nichts besseres zu tun, als hektisch gegen Atomkraft zu demonstrieren. Kein anderes Thema wird zur Zeit mehr und hitziger diskutiert als diese bösen Atomkraftwerke. Wir drohen dadurch unseren Blick auf Japan zu verlieren, wo zur Zeit immer noch Alarmstufe Rot herrscht. Wieso bleibt der Blick nicht erst einmal auf Japan gerichtet und man kümmert sich danach um Deutschland? Man muss einen kühlen Kopf bewahren!

Kritisieren möchte ich nun zuerst die Regierung Japans: Wieso gibt es keine detallierten Informationen über die Lage in Fukushima I? Wieso bitten Japaner über Facebook ihre Freunde im Ausland, ihnen Nachrichten über Fukushima zukommen zu lassen? Wieso lässt die Regierung keine Fachleute ins Land, die Erfahrung mit solchen drohenden nuklearen Katatrophen haben? Wieso bittet Japan nicht um Hilfe? Ist die japanische Regierung zu stolz, sich helfen zu lassen? Ich denke, diese Fragen treffen es auf den Kopf und legen die teilweise hilflose Situation von Japans Krisenmanagment offen. Für mich natürlich völlig unverständlich, wieso dies der Fall ist. Ist das mächtige Japan doch garnicht so mächtig, wie man dachte? Hat man mögliche Folgen solcher Naturkatastrophen vielleicht garnicht richtig durchgesprochen? Wurde in Fukushima I geschlampt? Provozierende Fragen, da hier deutliche Worte gewünscht waren.

Der Blick nun auf Deutschland: Atomkraft-Gegner stürmen die Straßen und demonstrieren gegen Kernkraft, schließlich wurde ihnen das Argument Japan auf dem Silbertablett serviert. Dass es in Deutschland keine Tsunamis gibt, müsste sich ja mittlerwiele rumgesprochen haben. Ebenso, dass solche starken Erdbeben hier nicht zu erwarten sind. Natürlich besteht aber immer das Risiko, dass in einem Kernkraftwerk etwas schief geht. Sei es menschlicher oder dann doch natürlicher Natur, wie etwa durch kleine Erdstöße. Das Volk und die Presse singt aber weiterhin vereint im Chor "Weg mit den AKW´s". Die potentielle Gefahr, die von Atomkraftwerken generell ausgeht, ist uns zu hoch, dabei leben wir mit ihr schon jahrelang und auf einmal soll sich prompt alles ändern.

Zudem musste uns mal wieder direkt vor Augen geführt werden, was passieren kann. Die Regierung will nun handeln, alte Kraftwerke abschalten und den regenerativen Energien früher eine Chance geben. Brückentechnologie adé heißt es und mal wieder wurde deutlich: Die Regierung handelt nur, wenn es meistens schon passiert ist.

Man sollte allerdings erst einmal ruhig bleiben, die Situation in Japan beobachten, alles mögliche dafür tun, dass es so glimpflich wie möglich ausgeht, um dann so objektiv und ruhigen Mutes das Thema Kernkraft in Deutschland anzugehen. Man möge bendenken, dass ein Atomausstieg sehr teuer ist, besonders, wenn noch nicht genug regenerative Energien zur Verfügung stehen. Ich höre jetzt schon die ersten Leute, die sich über die steigenden Strompreise beschweren. Der plötzliche Schwenk der Regierung ist natürlich unverständlich und zeigt mir wieder einmal, dass Deutschlands Politiker meistens das machen, was voreilig gefordert wird und nicht das, was vielleicht richtig ist.

 
 
 
 

Sebastian Reusch

Veröffentlicht von

Sebastian Reusch ist studierter Biologe und spezialisierte sich auf molekularbiologische Fächer wie Genetik und Zellbiologie. Seine Abschlussarbeit machte er am Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin, wo er an Prozessen in weißen Blutkörperchen forschte.

71 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Energie der Zukunft

    Das ist doch mal ein guter Text zum Thema. Denn leider wird zur Zeit alles extrem heiss serviert und so manch eine Entscheidung kann dann überstürzt gefällt werden.

    Vor allem gefällt mir der Satz „Man möge bendenken, dass ein Atomausstieg sehr teuer ist, besonders, wenn noch nicht genug regenerative Energien zur Verfügung stehen.“ Genauso ist es doch, nur leider vergessen das die meisten Menschen.

    Mein Vorschlag: macht mal für einen Monat alle KKW’s aus. Es dauert bestimmt weniger als drei Tage bis den Menschen klar wird, wie wichtig sie zur Zeit eben noch sind.

  2. @JanG: Danke! Ein Anliegen meinerseits ist auch, dass eine europaweite, wenn nicht weltweite Diskussion über Atomkraft erneut geführt werden muss. Denn was bringt es uns, wenn Deutschland seine AKWs abschaltet, aber um ums drumherum (besonders in Frankreich) weiterhin welche betrieben werden?

    Manche Leute meinen echt, man könnte die AKWs sofort abschalten und gut ist es. Aber so einfach ist es dann doch nicht, wie du ja sagst. Es dauert Jahre bis man effetiv von Kernkraft auf regenerative Energien umschalten kann. Ich hoffe aber auch, dass sich die Panik bald legen wird und Menschen dann an den richtigen Punkten sensibilisiert wurden, so dass man sich dann auf weitere Schritte einigen kann.

    Zudem frage ich mich auch, wie man überhaupt AKWs in Regionen bauen kann, die generell erdbebengefährdet sind. Da muss man sich dann nicht nur über Japan, sondern auch über die kalifornische Küste der USA Gedanken machen.

  3. Ich kann die Kritik an den Atomkraftgegnern nur bedingt nachvollziehen:

    „Das Volk und die Presse singt aber weiterhin vereint im Chor „Weg mit den AKW´s“. Die potentielle Gefahr, die von Atomkraftwerken generell ausgeht, ist uns zu hoch, dabei leben wir mit ihr schon jahrelang und auf einmal soll sich prompt alles ändern.“

    Ein beträchtlicher Teil der Protestler war schon vor Japan für einen schnellen Ausstieg. Dem anderen Teil wurde nun durch die Katastrophe die Augen geöffnet. Sie glaubten nun mal die gebetsmühlenartigen Beteuerungen der Atomindustrie, diese Technik absolut im Griff zu haben. Das ist – wie wir spätestens jetzt wissen – mitnichten der Fall und „das Volk“ reagiert nun darauf. Was ist daran verwerflich?

    „Man möge bendenken, dass ein Atomausstieg sehr teuer ist, besonders, wenn noch nicht genug regenerative Energien zur Verfügung stehen.“

    Das teuerste daran dürfte die Entsorgungsfrage für den Atommüll sein. Aber das ist kein Argument gegen einen Ausstieg. Deutschland bezieht gerade mal 22% Strom aus AKWs und hat insgesamt sogar Stromüberproduktion. Die Mär vom ach so teuren Ausstieg würde ich nicht blind glauben.

  4. Empahtie für sich selbst

    Japan’s tausende Katastrophentote scheinen tatsächlich Nebensache zu werden in Deutschland. Zur Hauptsache wird eine mögliche Bedrohung durch die eigenen Atomkraftwerke. Nicht einmal eine Karenzzeit für die eigenen Ängste gibt es, sie scheinen vielmehr an erster Stelle zu kommen.

    Nun vielleicht ist das nicht typisch für Deutschland, sondern vielmehr allgemeintypisch: Das eigene Haut ist einem am nächsten, die eigene Nation immer noch viel näher als die nächste Nachbarnation geschweige denn ein entferntes Land.

  5. Sebastian

    „was bringt es uns, wenn Deutschland seine AKWs abschaltet, aber um ums drumherum (besonders in Frankreich) weiterhin welche betrieben werden?“

    Hier wird immer wieder behauptet, dass die debatte nur in Deutschland statt findet, aber das ist nachweislich Falsch..
    Auch die vielen neuen Reaktoren sind ein Ammenmärchen, dass immer wieder genannt wird..

    Debatten im Ausland:
    Chinaobserver
    http://www.china-observer.de/…entry110316-155704
    (China wird ja immer genannt, und nun das, hoppela)
    Belgien
    VRT/BRF
    http://www.deredactie.be/…mediatheek_de/1.981697
    http://brf.be/nachrichten/national/190142/
    http://brf.be/nachrichten/national/192714/
    Prekäre.. der erste bericht des BRF, war vom 10.3.11, und hatte da schon eine Debatte vor dem Erdbeben ausgelöst..
    Nachdem Erdbeben, war man hier plötzlich so in der Deffensive, dass ein Rückwärtsrudern begann, und sogar N-VA, und Open VLD nicht mehr von AKW Neubauten reden..
    http://brf.be/nachrichten/national/192205/
    Spanien
    http://www.heise.de/tp/blogs/2/149466
    Selbst in Frankreich hat Sarko ernsthaft probleme, und in Amerika diskutiert man grade heftigst, über Berichte, dass zum Ende der Woche die Atomwolke kalifornien erreicht..
    http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=11642

    natürlich brauch man einen Differenziert Umgang damit, aber so zu tun, als ob wir nur über das Für und Wieder von Atomkraft diskutieren, ist schon erstaunlich..
    Welt weit gibt es da eine Heftige Debatte, und nicht nur wir sind so blöde, und debattieren über Ausstieg, oder Verlängerung..
    Energie der Zukunft ist Atomstrom nun wirklich nicht..

  6. Das Undenkbare wurde Realität

    was ich bei den vielen Diskussionen um das Thema Atomkraft festgestellt habe, dass in vielen wenn auch nicht in allen, die Folgen eines Unfalls völlig ausgeblendet werden.

    – Verstrahlung des betroffenen Landes, Region (Pflanzen und Tierwelt) mit den Folgen für die Ernährung, für Jahrhunderte oder Jahrtausende
    – Schwere Erkrankungen
    – Veränderung des Erbgut, was zu Missbildungen bei Neugeborenen führt.
    – Der Staat, die Gesellschaft werden für die Folgen eines (schweren) Unfalls aufkommen müssen. Den der Betreiber des AKW’s wird für Schäden nicht aufkommen und AKW’s kann man nicht versichern lassen, wie ich kürzlich erfahren habe.
    – Es gibt Erdbeben in Deutschland. Erst vor wenigen Wochen gab es eines in Hessen, Stärke 4,4.

    Was kostet es uns wenn wir nicht aussteigen? Wohin mit dem Atommüll? Wer ist dafür verantwortlich wenn auch hier das undenkbare Eintritt? Ist eine Abhängigkeit von Uranimporten weniger kritisch als die vom Erdöl? Unter welchen Umständen Uran abgebaut wird kann man sich in Nigeria mal anschauen. Die Menschen dort holen es mit bloßen Händen aus der Erde, salopp gesagt.
    Btw, unseren Atommüll verladen wir unter anderem nach Russland, dort wird er ahnungslosen Bauern auf den Acker gekippt – aus den Augen aus dem Sinn.

    Es ist nur vernünftig die ältesten AKW’s in Deutschland endlich und endgültig vom Netz zu nehmen. Offenbar brauchen wir die auch nicht, aus Regierungskreisen wurde bestätigt, dass die Abschaltung keinen Engpass verursacht.
    Also wem nützt eine längere Laufzeit dieser alten und gefährliche Meiler? Den Verbrauchern offenbar nicht denn die Strompreise sind nicht günstiger geworden, im Gegenteil.

    Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich gegen die vollständige und sofortige Abschaltung bin. Langfristig gesehen ist ein totaler Ausstieg unvermeidlich wenn wir die Probleme der Sicherheit und Müllentsorgung nicht in den Griff bekommen.

  7. Umgang mit der Situation

    Meine Zustimmung hat die Forderung nach überlegtem Handeln in dieser Frage. Die hysterischen Reaktionen hier kann ich bestenfalls unter dem Gesichtspunkt nachvollziehen, dass die Debatten hierzulande sehr emotional und oft ohne Sachverstand geführt werden. Zielführend ist das garantiert nicht.
    Aber das hier ist schon widersprüchlich: „Brückentechnologie adé heißt es und mal wieder wurde deutlich: Die Regierung handelt nur, wenn es meistens schon passiert ist.“…“ Der plötzliche Schwenk der Regierung ist natürlich unverständlich und zeigt mir wieder einmal, dass Deutschlands Politiker meistens das machen, was voreilig gefordert wird und nicht das, was vielleicht richtig ist.“ Ja wie soll es denn eine deutsche Regierung nun machen ? Sorgfältig abwägen mit dem Risiko, es passiert zwischendurch was, mit dem Vorwurf des zu späten Handelns oder sofort mit dem Vorwurf des Aktionismus ? Dieser Widerspruch zeigt eine gewisse Ratlosigkeit.

  8. Regierung im Atom – Dilema

    „Der plötzliche Schwenk der Regierung ist natürlich unverständlich und zeigt mir wieder einmal, dass Deutschlands Politiker meistens das machen, was voreilig gefordert wird und nicht das, was vielleicht richtig ist.“

    Sicher kann man den Schwenk der Regierung kritisieren. Aber man muss der Regierung auch zugestehen, dass sie sich in einem gewissen Dilema befindet. Ändert sie ihren Kurs, wird sie kritisiert(dass sie ihn ändert bzw. dass sie ihn zuwenig ändert), ändert sie ihn nicht wird sie auch kritisiert. In Sachen Atompolitik, kann man der Regierung eigentlich nicht vorwerfen grundweg populistisch gehandelt zu haben. Die Laufzeiten zu verlängern, war nicht populär, hat Sympathien gekostet und wurde gegen einen erheblichen politischen Widerstand durchgesetzt. Sie hätte es ruhiger haben können, wenn sie es beim rot-grünen Ausstiegsbeschluss gelassen hätte.
    Mit dem Moratorium ist ein richtiger Weg gewählt wurden, um zu einem Zeitpunkt, wenn sich die hitzige Aufregung und Panik gelegt haben, mit halbwegs kühlem Kopf und Verstand über den weiteren Weg entscheiden zu können. Politische Entscheidungen bestimmt durch Panik oder Kopflosigkeit, sind nicht die Klügsten.

  9. Anmerkung zum Hergang

    Durch den Tsunami wurde das Kernkraftwerk Fukushima I beschädigt und erlitt dadurch mehrere Explosionen.

    Ich denke nicht, dass dies den Hergang zutreffend beschreibt. Zwar ist da noch lange nicht alles aufgearbeitet, aber aus den Statusberichten von TEPCO, der IAEA und anderen Quellen scheint sich der Hergang anders darzustellen, was im Zusammenhang mit der Duskussion von Belang ist.

    Erstens ist wichtig, dass das Erdbeben der Stärke 9.0, d.h., wenn die Aussage zutrifft, dass der Auslegungsfall eine Magnitude von 8.0 war, eine ganze Größenordnung (ein Faktor von 10) mehr als das, was das Kraftwerk eigentlich aushalten können musste, noch nicht zu dem Störfall führte.

    Die drei Blöcke 1-3 des Komplexes Fukushima I gingen auslegungsgemäß in die Schnellabschaltung. Die anderen drei Blöcke waren gar nicht in Betrieb, Block 4 noch nicht einmal mit Brennelementen beschickt.

    Die Dieselgeneratoren des Notstromversorgungssystems sprangen an und die Kühlung des Kerns, damit die Abfuhr der Nachwärme fand statt.

    Dann kam der Tsunami und setzte sämtliche Dieselgeneratoren auser Betrieb. Die nachfolgende Problem- und Störfallkette lässt sich auf den Verlust der Notstromversorgung und die resultierenden Probleme mit dem Betrieb der Kühlmittelpumpen in dieser Zeit zurückführen.

    Weder die Reaktordruckbehälter noch Rohre und Pumpen waren durch das schwere Erdbeben beschädigt, noch hat das Erdbeben selbst zur Freisetzung von Radioaktivität geführt. Das ist ein wirklich wesentlicher Punkt, weil ja in der öffentlichen Diskussion fast schon so getan wird, als hätte das Erdbeben die Reaktoren gespalten wie Eierschalen.

    Wäre also die Notstromversorgung so gebaut worden, dass sie nicht durch einen von der nahen Küste heranrollenden Tsunami überschwemmt werden kann (beispielsweise durch stabile Aufständerung), dann wäre der ganze Störfall gar nicht eingetreten, und man wúrde jetzt wahrscheinlich bereits technische Vorbereitungen für ein baldiges Hochfahren der Anlage treffen können.

    Genau dieser Punkt der angeblichen Empfindlichkeit kerntechnischer Anlagen gegen Erdbeben ist wichtig. Treffen die Behauptungen, dass deutsche Anlagen einem besonderen Erdbebenrisiko ausgesetzt sind, vor diesem Hintergrund
    überhaupt zu?

  10. Widerspruch

    @ Torben und Sebstian

    „Die Regierung handelt nur, wenn es meistens schon passiert ist…
    … Der plötzliche Schwenk der Regierung ist natürlich unverständlich und zeigt mir wieder einmal, dass Deutschlands Politiker meistens das machen, was voreilig gefordert wird…“

    Der Widerspruch im Text es Autors ist mir auch aufgefallen. Eines von beiden geht nur. Entweder wird zuspät gehandelt oder voreilig.
    Vielleicht kannst Du uns, Sebestian, noch einmal erläutern wie sich nach dieser Handlungsanweisung ein Politiker verhalten soll.

  11. Böse Atomkraftwerke

    „Kein anderes Thema wird zur Zeit mehr und hitziger diskutiert als diese bösen Atomkraftwerke.“

    Da machen Sie sich lustig. Die „bösen“ Atomkraftwerke.

    Man könnte auch sagen: Kein anderes Thema hat so weitreichende Folgen wie die Atomkraft – daher gibt es zur Zeit eine entsprechend „hitzige“ Diskussion. Bzw. Reaktion. Da springt sogar ein Witz ins Auge.

    „Die potentielle Gefahr, die von Atomkraftwerken generell ausgeht, ist uns zu hoch, dabei leben wir mit ihr schon jahrelang und auf einmal soll sich prompt alles ändern.“

    Höchstens, bzw. hoffentlich die Einsicht, daß wir mit Atomkraft mutwillig bis dumm die statistische Macht großer Zahlen herausfordern. Zahlen, die nur deshalb so groß werden können, weil die Gefahr durch die künstlich hochkonzentrierten Radionucleide so absurd langwährend ist und definitiv länger währt als unsere Modelle sicher abzubilden imstande sind.

    „Man möge bedenken, dass ein Atomausstieg sehr teuer ist.“

    Geld. Muß das noch erwähnt werden? Geld setzt den Schlußpunkt und alles weitere außer Kraft. Auch die Physik.

    Die Geldfrage wäre es, über die Hamlet hätte sinnieren sollen. Sein oder Nichtsein?

  12. P.S. Die Kosten

    Apropos Kosten, die vielbeschworen.

    Gibt es eigentlich seriöse Berechnungen über die effektiven Kosten von Nuklearenergie?

    Wer übernimmt welche Kosten. Unter welchen Bedingungen? Und wer verdient daran/woran?

  13. Where facts are few, experts are many

    Erstens ist wichtig, dass das Erdbeben der Stärke 9.0, d.h., wenn die Aussage zutrifft, dass der Auslegungsfall eine Magnitude von 8.0 war, eine ganze Größenordnung (ein Faktor von 10) mehr als das, was das Kraftwerk eigentlich aushalten können musste, noch nicht zu dem Störfall führte.

    Das ist die offizielle Version. Ob die aber stimmt lässt sich gegenwärtig nicht mit Gewissheit sagen. Um die Sicherheit des Kraftwerks war es ja möglicherweise doch nicht so gut bestellt.
    http://www.taz.de/…ottreaktor-im-erdbebengebiet/

    Angesichts der obskuren Nachrichtenlage sind Bewertungen des Hergang im Moment doch sehr spekulativ.

  14. Also erstens war das Erdebeben in Japan nicht das stärkste Erdbeben aller Zeiten, wenn dann nur die Schäden.
    Zweitens gibt es einen großen Teil der Bevölkerung, welche schon vor der Katastrophe gegen die Atomkraft war.
    Das jetzt so viele Leute auf die Straße gehen ist nur verständlich.
    Wer etwas dagegen hat, dass Leute jetzt „hysterisch“ für den Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg demonstrieren, möge bitte auch gegen die jahrelangen, verlogenen Lobbyisten sein, welche die Bundesregierung dazu bewogen hat, die Laufzeitverlängerung zu beschließen.
    Zum Thema Geld:
    Wer definiert denn was „teuer“ ist?
    Ich möchte garnicht wissen, was die KKW-Betreiber jährlich an Subventionen kassieren und was uns die Endlagerfrage noch so an Kosten beschert.
    Von den Kosten eines GAUs mal ganz abgesehen.
    Wenn wir der Finanzbranche einfach so mal mehrere 100 Millarden Euro hinterherwerfen, warum können wir dann nicht die 230 Millarden € für einen schnellen Ausstieg (Quelle Spiegel Online) aufbringen???
    Also ich finde, dass ist im Vergleich nicht teuer.

  15. Gegen alle 😉

    „Wer etwas dagegen hat, dass Leute jetzt „hysterisch“ für den Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg demonstrieren, möge bitte auch gegen die jahrelangen, verlogenen Lobbyisten sein, welche die Bundesregierung dazu bewogen hat, die Laufzeitverlängerung zu beschließen.“

    Selbstverständlich! Wie ich auf meinem Blog geschrieben habe, bin ich für eine sachliche Diskussion, die die Gefahren der Atomkraft nicht verschleiert aber, die aber auch nicht unlauter mit Panikmache arbeitet.

  16. Japan Erdbeben Katastrophe

    Ein guter und sachlicher Artikel. Leider lesen das zu wenige, stattdessen lassen sich wieder Zigtausende von den Horrorschlagzeilen der Boulevarmedien aufwiegeln.

  17. Schön, das hier ordentlich diskutiert wird, auch wenn man oftmals anderer Meinung ist. Ich versuche nun die Kommentare, die sich an mich gerichtet haben, zu beantworten.

    @gwaihir: Stimmt, die Protestler waren natürlich schon vorher da und vielen wurde jetzt endgültig die Augen geöffnet. Ich finde daran garnichts verwerflich. Was für mich von Belangen ist, ist, wie emotional die derzeitige Diskussion geführt wird. Dabei drohen oft wesentliche Dinge aus den Augen zu geraten. Wenn ich daran denke, dass ich gestern mit meiner Großmutter telefoniert habe und sie mir sagte, wie gerade alle alten Leuten bei ihr im Heim in Panik geraten und ausflippen, dann kann ich der hitzigen Diskussion im Moment nur empfehlen, ein paar Gänge zurückzuschalten.

    Ich bin nicht gegen einen Ausstieg, sondern gegen einen unüberlegten Ausstieg. Teuer wird es so oder so, aber aussteigen muss man auf jeden Fall. Dieser Ausstieg muss aber gut geplant und organisiert werden.

    @mathias: Ich habe nicht behauptet, dass die Diskussion nur in Deutschland stattfindet. Ich habe mich in meinem Artikel lediglich nur auf Deutschland bezogen, weil wir nun einmal hier leben. Ganz klar, dass woanders auch heftig diskutiert wird und gut ist das allemal. Die Deutschen neigen allerdings dazu, sofort aus dem Häuschen zu geraten, wenn mal etwas kritischeres passiert und da hilft es eben nur einen kühlen Kopf zu bewahren.

    @Zadrah: Also in den anderen Artikeln hier auf den Scilogs zum Thema Erdbeben in Japan wurden auf diese Sachen durchaus eingegangen. Uns ist ja bewusst, dass die Umwelt verseucht wird und auf lange Zeit gesehen, kann da noch wesentlich mehr passieren (Stichwort Spätfolgen, z.B. Krebs).

    In Deutschland gibt es Erdstöße und kleinere Erdbeben, aber so eines wie in Japan ist eben nicht zu erwarten. Das habe ich so der Presse entnommen.

    @torben hoffmeister: Ratlos bin ich auf keinen Fall. Ich kritisiere, dass die Regierung die Laufzeit der Meiler verlängert hat und nun zurückschwenkt und sogar die ältesten AKWs bereits jetzt vom Netz nehmen möchte. Ein schnellerer Ausstieg der anderen AKWs soll folgen. Man schwenkt also nun komplett in die andere Richtung um. Eine Regierung, die so arbeitet, ist für mich sehr fragwürdig und instabil. Zum einen war es nicht richtig die Laufzeiten zu verlängern und zum anderen ist es nicht richtig jetzt alle vergangenen Taten revidieren zu wollen. Man hätte sich von Anfang an Gedanken machen müssen, wie man möglichst schnell regenerative Technologien zur Stromerzeugung einsetzt und nicht erst abwarten, bis so etwa sin Japan passiert, nur um so seine Meinung dann schnell zu ändern.

    @Daniel: Sie befindet sich durchaus in einem Dilema. Ein Dilema, dass dadurch entstanden ist, dass sie sich in der Vergangenheit keine richtigen Gedanken um das Thema Kernkraft gemacht hat. Wie man sieht, kann man ja die alten Meiler abschalten, wieso wurde dies also nicht schon früher gemacht? Ich kritisiere hier also vielmehr den Zick-Zack-Kurs der Regierung und halte damalige wie heutige Taten für unüberlegt.

    @Michael Khan: Vielen Dank für diese Informationen! Hinsichtlich deiner Frage, habe ich letztens im Fernsehen eine Reportage gesehen, die aufzeigte, in wie viele Regionen in Deutschland Erdstöße bis kleine Erdbeben stattfinden können. In der Nähe dieser Gebiete befanden sich auch AKWs.

    @Daniel: Ich sehe da keinen Widerspruch. Zum einen hätte Deutschland den Ausstieg aus der Atomkraft schon viel früher vollziehen können, da man ja sieht, wie es auf einmal möglich ist, alte Meiler still zu legen. Dies geschieht später als man es schon hätte machen können. Voreilig wird gehandelt, da der Druck der Gesellschaft und der Presse die Politiker zu einem populistischem Handeln zwingt. Wenn gewährleistet werden kann, dass die Stilllegung der alten Meiler in so kurzer Zeit korrekt vonstatten gehen kann, dann ist ja alle sin Ordnung. Aber man kann ja nicht ohne weiteres einen Aus-Knopf drücken und gut ist. Man muss einen Plan erstellen und nach und nach die AKWs abschalten. Schnelles Handeln ist verkehrt, wird aber gefordert.

    @tatoo94: Ja, ich habe dort bewusst provoziert, da ich überall nur lese, wie schlimm Atomkraftwerke doch sind.

    Das mit dem Geld habe ich so nicht gemeint, da es kein Argument gegen einen Ausstieg sein sollte. Meine Frage war, ob es überhaupt möglich ist, die Kosten für einen baldigen Ausstieg zu gewährleisten. Nicht, dass Deutschland auf einmal pleite ist und seine regenerativen Energien nicht mehr finanzieren kann.

  18. @Alex Büttner: Der Lobbyismus darf hier keineswegs verschwiegen werden, da hast du Recht. Schließlich ist es wohl ihm zu verdanken, dass die Laufzeit der AKWs überhaupt verlängert wurde (Vorsicht! Dies ist nur eine Spekulation!). Ich bin zwar kein Lobbyist, geht ja auch als Biologe irgendwie nicht…aber ich finde das Bild, was die Gesellschaft und ihre Diskussionen gerade abgibt, trotzdem zu hysterisch. Es geht hier schliesslich um einen gewaltigen Schritt, durch den Atomkraft durch regenerative Energien ausgetauscht werden soll. Das muss genauestens geplant und durchgeführt werden. Eine Kurzschlussreaktion, wie sie ja zum Teil vond er Regierung gefordert wird (möglichst schnelles Aussteigen), ist in meinen Augen nicht angebracht.

  19. Franzosen helfen gerne

    „Wie man sieht, kann man ja die alten Meiler abschalten, wieso wurde dies also nicht schon früher gemacht?“

    Richtig, aber es wäre auch schlimm, wenn unsere ganze Stromversorgung zusammenbrechen würde, wenn man 8 Kraftwerke vom Netz nimmt.
    Allerdings ist jetzt unsere eigener Puffer bei der Stromversorgung geringer. Aber so schnell brauchen wir uns keine Sorgen vor zu wenig Strom zu machen, wir sind ja in einem europäischen Netz und die Franzosen helfen uns bestimmt gern aus, wenn bei uns der Strom mal knapp wird.
    Ich hoffe aber auch, dass alle, die schnellst möglich aus der Kernkraft herauswollen schon ihr mögliches getan haben und schon auf „grünen“ Strom umgestiegen sind. Alles andere wäre auch wenig glaubwürdig.

  20. @Daniel

    Ja könnten sie, aber es ist voll kaum der Sinn der Sache, seine AKWs zu schließen und dafür seinen Strom von der Atommacht Frankreich zu beziehen, die je wesentlich mehr Strom mit ihren AKWs produziert. Deutschlands AKWs wären dann zwar abgeschaltet, aber die Gefahr noch keineswegs verschwunden. Schließlich kann auch in einem AKW in Frankreich etwas schief gehen. Daher, wie gesagt, muss eine gesamteuropäische Lösung her.

  21. Erstmal sind die Belgier sauer..
    http://www.deredactie.be/…stests%2BKernzentralen
    Ziat aus dem Link
    „Unterdessen zeigen Energieminister Paul Magnette (PS) und Innenministerin Annemie Turtelboom (Open VLD) wenig Verständnis für den Entschluss der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sieben vor 1980 in Betrieb gegangene Atommeiler vom Netz zu nehmen.

    Beide sind der Ansicht, dass dadurch die Stromversorgung unseres Landes benachteiligt wird, denn Belgien bezieht große Mengen an Elektrizität aus Deutschland.“

    @Sebastian:

    ich wollte das nur mal klarstellen, weil mir dieser Deutschzentrale Blick, bzw das Argument mit der typisch Deutschendebatte, da schlicht etwas aufstößt.
    Als Deutsch/Flame habe ich da nicht nur den Blick auf Deutschland, sondern beobachte da natürlich auch Belgien, zwar nur die Vlaamse und die Deutschbelgische Seite, da ich zu wenig Französisch kann, um mich da näher mit den Wallonen, oder Franzosen zu beschäftigen.
    Und in der Presse, geht es nicht minder heiß zu wie in Deutschland, und kann da in den Debatten kaum einen Unterschied erkennen. Wahlen stehen zwar nicht an, es sei den, dass da bald Neuwahlen anfallen, aber wenn man keine Regierung hat, ist es nicht minder putzig, auch was unsicherheit angeht..
    Die Debatten im Parlament, waren über dies ähnlich, und beide lustig 😉
    http://brf.be/nachrichten/national/192840/

  22. Zitat: „Die potentielle Gefahr, die von Atomkraftwerken generell ausgeht, ist uns zu hoch, dabei leben wir mit ihr schon jahrelang und auf einmal soll sich prompt alles ändern.“
    Sorry, aber das „auf einmal“ in Ihrer Darstellung (wie in der Darstellung vieler „Verteidiger“ der Atomkraft) ist, erneut sorry, gefährlicher Stuß, hinten wie vorn.
    Genauso gut könnte man Eltern, die sich seit Jahren gegen die Schnellstraße neben dem Schulhof wehren und deren Kind eines Tages auf der Schnellstraße überfahren wird, vorhalten, dass sie „schon jahrelang“ mit der Gefahr leben würden.
    Die Antiatombewegung ist seit den frühen 70er Jahren aktiv, und es wird nicht allein seligmachend nur vor der Technik gewarnt – sondern vor allem vor deren unabsehbaren und unbeherrschbaren Folgen im Falle eines Unfalls. Und Unfälle passieren, unweigerlich, das kann jeder Erwachsene mit Führerschein nur bestätigen, trotz StVO und Airbag.
    Es kommt auf das Ausmaß der Folgen an. Three Mile Island, Tschernobyl, Fukushima – Autounfall, Busunglück, Tanklaster explodiert neben dem Campingplatz: Unfälle passieren. Nur die Opferzahlen und das damit verbundene Leiden steigen.
    Wieso niemand über den unfassbar gefährlichen und unsere Zeitrechnung weit überdauernden Atommüll redet, wird mir ein ewig frustrierendes Rätsel bleiben.
    Habt Ihr keine Kinder? Interessiert Euch deren Zukunft nicht?
    (Disclaimer: Die Leiden der japanischen Bürger sind mir überhaupt nicht egal. Ich wünschte, meine Anti-Atomkrafthaltung hätte die Leiden zumindest mindern können. Ein Erdbeben und ein Tsunami sind genug – Atomkraftwerke mußten in der Situation und quasi zusätzlich echt nicht sein. Atomkraftwerke müssen nicht sein, nie wieder.)

  23. Aufgeworfene Fragen

    Ein schoner Beitrag mit dem ich auch weitestgehend konform gehen kann.
    Zu den angesprochenen Fragen habe ich aber eine eigene Meinung:

    Wieso gibt es keine detallierten Informationen über die Lage in Fukushima I?
    Mehr Details als aus den offiziellen Meldungen sind wegen der unbetretbarkeit der Gebäude auch nicht verfügbar.

    Wieso bitten Japaner über Facebook ihre Freunde im Ausland, ihnen Nachrichten über Fukushima zukommen zu lassen?
    Das weiss ich nicht, ich hole meine Informationen aus Japan.

    Wieso lässt die Regierung keine Fachleute ins Land, die Erfahrung mit solchen drohenden nuklearen Katatrophen haben?
    Russland hatte angeboten, die Tschernobyl-Spezialisten zu schicken. Japans (richtige) Anwort war: Wir haben hier nicht Tschernobyl.
    Alle bisherigen schweren Störfälle, hatten eine intakte Infrastruktur in der Umgebung, die nutzbar war (wenn auch zeitlich begrenzt wegen zu hoher Radioaktivität in Tschernobyl). Im Fall Fukushima sind die Straßen der Umgebung entweder verschüttet, oder zerstört. Stromleitungen funktionieren nicht bzw. sind auf kilometerweit verschwunden und das Kommunikationsnetz ist teilweise zusammengebrochen.
    Was für die Problemlösung notwendig ist, ist Kühlung, und dazu brauchen sie keine ausländischen Nuklearexperten.

    Wer hat denn Erfahrung mit einer solchen Situation?
    Eben keiner.

    Wieso bittet Japan nicht um Hilfe? Ist die japanische Regierung zu stolz, sich helfen zu lassen?
    Ja, ich denke schon. Aber wie sieht den die angebotene Hilfe zum Beispiel von Deutschland aus?
    Da fliegt das THW mit einer Rettungseinheit und 2t Ausrüstung nach Japan. Aber haben sie z.B. mobile WAsseraufbereitungsanlagen, Zelte und Decken oder ähnliches dabei. Nein. Es ist ein Sondierungsstab mit 3 oder 4 Rettungshunden. Sie wollen Verschüttete retten, das ist lobenswert. Aber ich glaube, Japan hat viel mehr Erfahrung im Umgang mit Erdbeben und seinen Folgen als der Sondierungsstab des THW.
    Und das ist auch noch folgendes. Japan hat da schon seit Jahrhunderten Organisationsformen entwickelt, die sich bewährt haben. Und dann kommen so ein paar gai-jin, die nur im Weg rumstehen und betreut werden müssen.
    Und ehrlich, die Außländer verlassen massenweise das Land. (den Pelztiervergleich spare ich mir)
    Ausser leeren Worten haben die Japaner noch nichts bekommen. Die Amerikanische Flotte, der größe Verbündete, hat auch fluchtartig die Gewässer verlassen.
    Vieleicht wäre ein Notstromdiesel eines Schiffes eine Hilfe gewesen.

    Ist das mächtige Japan doch garnicht so mächtig, wie man dachte?
    Es ist verzweifelt!!

    Hat man mögliche Folgen solcher Naturkatastrophen vielleicht garnicht richtig durchgesprochen?
    Die Kombination war verheerend. Die Lehren daraus müssen gezogen werden. Das ist richtig. Nur nicht durch panikhaftes Abschalten.

    Wurde in Fukushima I geschlampt?
    Ja, durch GE bei der Konstruktion des MARK I Containments. Seit Mitte der 80er Jahre gibt die USA dafür keine Baugenehmigung mehr.

    G.Heim

  24. @Kommentator

    Punkt 1: Ich bin kein „Verteidiger“ der Atomkraft. Ich bin für den Ausstieg. Für einen KONTROLLIERTEN Ausstieg.

    Punkt 2: Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Meinung wieder und die Meinung lautet, dass das was der Großteil der Gesellschaft gerade so vehement fordert, nicht auf die Schnelle umgesetzt werden kann. Dass es die Antiatombewegung schon länger gibt, ist mir auch klar. Sie hatte allerdings noch nie das Ausmaß, welches man heute und genau jetzt antrifft.

    Punkt 3: Über den Atommüll habe ich hier nicht gesprochen, da er hier nicht Thema des Artikels ist. Klar werden wir mit dem Atommüll noch ungeheure Probleme bekommen und ich verliere die Zukunft dabei auf keinen Fall aus dem Blick, aber darum geht es hier schlichtweg nicht.

    Punkt 4: Ich behaupte nicht, dass das Leiden der Japaner Ihnen egal sei, sondern ich sage, es wird dabei mehr oder weniger aus den Augen verloren, wenn wir nur noch den Atomausstieg in Deutschland diskutieren.

  25. @mathias @G. Heim

    @mathias: Danke für deinen Beitrag! Natürlich muss man das international betrachten, da stimme ich dir zu.

    @G.Heim: Danke für Ihre Sicht der Dinge. Wenn das alles so stimmt, was Sie sagen, dann sind meine Fragen überflüssig gewesen. Aber mir erscheint es im Moment zumindest nicht so. Ich habe mir meine Meinung durch das gebildet, was ich bisher in der Presse gelesen habe und ich denke zur Zeit immer noch, dass das Krisenmanagment von Japan falsch ist. Ob gewollt oder ungewollt, ist eine andere Frage. Mir scheinen die Japaner allerdings etwas zu verbergen. Ich kann mich natürlich irren.

  26. Frage

    @Sebastian
    „Ich habe mir meine Meinung durch das gebildet, was ich bisher in der Presse gelesen habe und ich denke zur Zeit immer noch, dass das Krisenmanagment von Japan falsch ist. Ob gewollt oder ungewollt, ist eine andere Frage. Mir scheinen die Japaner allerdings etwas zu verbergen. Ich kann mich natürlich irren.“
    Falls sich Deine Vermutung als falsch herausstellen sollten würdest Du dann auch einen Blogartikel schreiben in dem Du dies zugibst?
    Werden alle andere Spekulationen in der Presse dann auch durch die ersten 20 Überschriften auf der Startseite widerrufen?

  27. @Maulwurf: Antwort

    Wie gesagt, dies ist ja ein Artikel, der lediglich meine persönliche Meinung wiedergibt und Fachfragen unbeantwortet lässt. Wenn ich mich irre, dann würde ich das auf jeden Fall in den Kommentaren zum Artikel äußern oder eben einen neuen Artikel schreiben. Das würde ganz darauf ankommen, inwiefern das, was meine Fragen implizierten, sich als falsch herausstellt (dass Japans Krisenmanagment eben mangelhaft ist; hier möchte ich aber auch noch einmal sagen, dass ich auch andere Punkte im Artikel vertrete, schließlich rede ich auch von Deutschland). Da die Lage aber wirklich total unübersichtlich ist, wird wohl kaum zu rekonstruieren sein, was sich wirklich abgespielt hat. Die anderen Artikel zum Erdbeben hier auf den Scilogs befassen sich ja eher damit, die Lage dort einzuschätzen. Das ganze geschieht auf fachliche Art und Weise und soll die Leute aufklären. Wieso sollte man deren Inhalte also ändern? Es werden sicherlich weitere Artikel folgen, die neue Fakten zusammenfassen und so eine erneute Einschätzung der Situation erlauben.

  28. Ad 1.: Zu Ihrem „KONTROLLIERTEN Ausstieg“: Ist die aktuelle Atom“politik“ „kontrolliert“? Wo oder wie ist denn ein in fünf Tagen induzierter „Ausstieg aus dem Ausstieg“ „kontrolliert“?
    Ad2.: „Persönlich“ und „nicht auf die Schnelle“: Klar. Aber „auf die Schnelle“ seit den 70ern? Proteste seit den 80ern massiv? Zum Irrwitz „auf die Schnelle“: Wieso werden die fünf Tage Vorlauf für ein plötzliches „Moratorium“ des Ausstiegs der aktuellen Bundesregierung nicht erwähnt?
    Ad 3.: Wieso nicht über den Atommüll sprechen? Wieso nur über den aktuellen „Hype“, medial wie sozial induziert? Geht’s nur um den „Hype“? Wollen Sie das?
    Ad 4.: Wer verliert das Leid der japanischen Bevölkerung aus den Augen? Die „Atomaussteiger“? Die wollen solches und schlimmeres Leid schon lange verhindern. Wenn Japan nicht mit den katastrophalen Bedrohungen von irrlichternden Atomreaktoren umgehen müßte: Wieviel leichter wäre die Nothilfe in der aktullen Situation?
    Was, ganz ehrlich, wollen Sie?
    (PS: Ich will Sie nicht persönlich treffen. Aber es geht um Menschenleben, nicht „Meinungen“.)

  29. Hilfe aus D.

    @ G. Heim

    Das Deutsche Zentrum für Luft – und Raumfahrt in Oberpfaffen ist einen Tag nach der Katastrophe von ihren japanischen Kollegen um Hilfe gebeten worden:
    http://www.dlr.de/…aspx/tabid-11/129_read-29629/

    A bisserl was geht immer.

  30. PS: Und ich könnte sogar verstehen, dass es Sie „ankotzt“, von einem Atomgegner so angegangen zu werden.
    Aber wissen Sie was: Ahnen Sie, wie es einen Atomgegner „ankotzt“ und „angeht“, weil seine schlimmsten Alpträume wahr werden, dass nämlich so ein Sch…apparat alle Not der Zivilbevölkerung über“strahlt“, und dass viele notwendige Hilfeleistungen direkt am Menschen damit verhindert werden?
    Helikopter, Wasserpumpen, Ingenieure, Feuerwehr, Energie, Zeit, Menschenleben: Haben die sonst nix zu tun, als vier oder sechs Reaktoren an einer unkontrollierten Nuklear- oder Hitzeschmelze zu hindern? Gibt es das nicht einige Hunderttausend Menschen, die diese Aufwendungen eher verdient hätten?
    Klar ist eine „Energiewende“ nicht leicht zu haben – aber das? Was wird das am Ende kosten, an Zeit, an Geld, an Menschenleben?
    Genug. Ich würde mir wünschen, dass das alles nicht passiert sei. Und vor allem wünsche ich mir, dass das nie wieder passieren könnte.

  31. @Chrys

    Wenn die offizielle Lesart sein soll, dass dieses Unglück höhere Gewalt gewesen sein sollte, dann ist ihr zu widersprechen. Das habe ich auch getan. Es war ein schwerer Baufehler, die systemkritische Komponente Notstromversorgung nicht gegen eine Überschwemmung durch einen Tsunami zu sichern, womit angesichts der küstennahen Lage und der Häufigkeit von Tsunamis an japanischen Küstengebieten zu rechnen war.

    Was den taz-Artikel angeht, die kommen mit ihrem Kram immer durch, weil taz-Leser offenbar nie etwas hinterfragen und für schöne Verschwörungstheorien eine hohe Affinität zeigen.

    Da steht zu Beispiel:

    In Block 4 schwappte während des Bebens wahrscheinlich ein Tank mit Kühlwasser über den Reaktor. Durch die Verpuffung könnte später ein Feuer ausgebrochen sein, sagt Masashi. An der von ihm angegebenen Stelle hat sich tatsächlich aus Kühlwasser explosiver Wasserstoff abgespalten. Außerdem sei Reaktor 4, der mit einer Mischung aus Plutonium und Uran befeuert wurde, nicht für diesen Brennstoff ausgelegt.

    Soso. Dumm nur, dass der Block 4 zum, Zeitpunkt des Erdbebens – und darüber gibt es keinerlei Zweifel, es ist wohldokumentiert – nicht nur nicht in Betrieb war, sondern auuch noch sämtliche Brennelemente entladen und im Abklingbecken gelagert waren. Das kann also gar nicht so gewesen sein, bloß hat das natürlich kein taz-Redakteur für der Überprüfung würdig befunden. Die Meldung war wohl gar zu attraktiv.

    http://www.grs.de/…hi_1400_Uhr_am_17-03-2011.pdf

  32. @Kommentator

    Ich habe kein Problem damit, dass sie meine Meinung/meinen Artikel angreifen. Ich verstehe Ihren Standpunkt ja und schließlich ist die Kommentarfunktion dafür ja da. So, zurück zum Thema.

    1. Die Gesellschaft und die Presse fordert zur Zeit teilweise einen sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft, nach dem Motto „abschalten und gut ist“. Das ist so natürlich nicht möglich. Zuerst müssen die regenerativen Energien auf ein bestimmtes Niveau hochgefahren werden, um so die Abschaltung der Atomkraftwerke aufzufangen. Alternativ können wir auch Strom von Nachbarländern beziehen. So oder so, muss dies erst durchgesprochen und geplant werden. Dies kann seine Zeit dauern. Eine sofortiger Ausstieg ist also nicht möglich. Teilweise können ältere Meile schon schneller vom Netz genommen werden, ohne dass deren Leistung aufgefangen werden muss. Auch hier bedarf es aber einer gewissen Zeit, dies durchzuführen. Ich komme mir so vor, als ob ich ständig immer wieder das Gleich erzähle. Meine Standpunkt ist: Das, was zur Zeit auf die Schnelle verlangt wird, bedarf einer Planung und benötigt Zeit, um umgesetzt zu werden.

    2. Also, die Bundesregierung hat doch jetzt wohl offensichtlich eingelenkt. Sprich, sie hat etwas umgesetzt/ muss etwas umsetzen, was vorher so nicht geplant war. Ist doch klar, dass dies nicht auf die Schnelle geht. Dass Moratorium ist ja auch erst einmal vorläufig bis man sich dann weitergehende Gedanken gemacht hat.

    3.Nee, es geht mir nicht um den Hype. Ich bin gegen den Hype. Das steht doch glasklar im Artikel!

    4. Die ganze Medienlandschaft in Deutschland. Es ist doch offensichtlich! Überall lese ich nur noch über die Atomdebatte in Deutschland. Heute, da es neue Bilder und Videos gibt, gibt es auch mal wieder direkte Beiträge über Japan. Ansonsten war in den letzten Tagen nur noch die Rede von den AKWs in Deutschland.

    Was ich will? Ich will, dass die Menschen sich in Deutschland beruhigen und erst eine Kernkraftdebatte starten, wenn der Zeitpunkt angebracht ist. Bis dahin muss alles menschenmögliche getan werden, dass in Japan nichts Schlimmeres passiert und sich die Lage verbessert/normalisiert. Auch das hatte ich bereits gesagt. Wenn dies eingetreten ist und sich die Gemüter beruhigt haben, kann man über die Zukunft reden.

  33. Sebastian..

    Was Merkel da übrigens als Moratorium aufgelegt hat, heißt im übrigen Europa Stresstest. Nur das Deutschland wiederrum gleich mal meinte, dass man die AKWs dafür, zumindest die Älteren, vom Netz nehmen soll..
    Im EUoberver heißt es dazu
    http://euobserver.com/9/32011
    und im EuropeanVoices
    http://www.europeanvoice.com/…-review/70542.aspx
    Nächste Woche gibt es da einen EU Gipfel
    „The issue of safety standards for nuclear power stations has been hurriedly added to the agenda of the European Council to held in Brussels on 24-25 March. The leaders of the EU’s national governments will also discuss how to provide economic and humanitarian help to Japan, which suffered its biggest natural disaster on Friday (11 March).

    In the wake of an earthquake and a devastating tsunami, the nuclear reactors at Fukushima suffered a series of explosions and fires as their cooling systems failed.

    Günther Oettinger, the European commissioner for energy, told the European Parliament yesterday (16 March) that the Fukushima site was “out of control”, adding “we are somewhere between a disaster and a major disaster”. „

    Das Merkel da so überzieht, ist eindeutig den Wahlen geschuldet..
    Grade die Badenwürttenberg wahl steht auf messers schneide.
    Sachsen-Anhalt wird wohl so bleiben, und ansonsten sind da ja noch
    Rheinlandpflaz, Bremen, und Berlin, die in die 3 monatige Auszeit fallen 😉

  34. „Was ich will? Ich will, dass die Menschen sich in Deutschland beruhigen und erst eine Kernkraftdebatte starten, wenn der Zeitpunkt angebracht ist.“

    Und warum äußerst Du Dich dann so negativ zu dem Moratorium der Bundesregierung? Gerade dieses dreimonatig Moratorium gibt die Chance, dass sich der Pulverdampf und die Panik verzieht und dass man dann sachlicher analysieren kann. Und um wieder auf eine sachlichere Ebene zu kommen, muss man man vielleicht auch mal ein paar Kraftwerke vom Netz nehmen, um die Hysterie in der Debatte abzubauen.
    Jetzt wird geprüft und dann aufgrund neuer Erkenntnisse entschieden. Nichts anderes will das Moratorium.

  35. @Daniel

    Wo habe ich mich negativ über das Moratorium geäußert? Die Chance, dass sich damit dein angesprochener Pulverdampf und Panik verzieht, stimmt nur bedingt. Es besagt lediglich, dass die Laufzeitverlängerung ausgesetzt ist. Trotzdem wird weiter über die AKWs diskutiert, die schon älter sind und sofort abgeschaltet werden sollen. Die Diskussionen gehen also weiter.

  36. @Daniel:

    das muratorium ist einfach nur eine Wahlkampfpille, nicht mehr..
    Wenn sie es wirklich rational gemeint hätte, wäre sie dem Belgischen Weg gefolgt:

    „Das Kernkabinett der scheidenden belgischen Regierung traf sich am Dienstagabend mit Energieminister Magnette und Innenministerin Turtelboom, um über die Ereignisse in Japan zu beugen. Dabei wurde beschlossen, auf jeden Fall alle Atomkraftwerke des Landes einem Stresstest zu unterziehen.

    Dieser Test soll von unabhängigen internationalen Experten durchgeführt werden und wird auf Basis der Methodologie der EU vorgenommen. Die Resultate sollen bis Ende 2011 vorliegen und zu einer „objektiven“ Debatte führen, wie Energieminister Magnette in einer TV-Debatte deutlich machte.

    Diese Sicherheitstests (Flugzeugabstürze, Terroranschläge, technisches Versagen usw.) werden auf jeden Fall durchgeführt, auch wenn die Europäische Union kein gemeinsames Vorgehen auf den Weg bringen sollte.“

    Den wer führt in Deutschland eigenlich die Test durch?
    Auch unabhängige Dritte?
    Ich gebe dir brief und siegel, man wird eine Kommision berufen, die wird es machen, und dann wird man mit minimalen Auflagen, die AKWs weiter führen, natürlich erst nach den 5 Landtagswahlen, die in den nächsten 3 Monaten anstehen..

  37. @ Sebastian:
    Darf ich daran erinnern:
    „Die Regierung handelt nur, wenn es meistens schon passiert ist…
    … Der plötzliche Schwenk der Regierung ist natürlich unverständlich und zeigt mir wieder einmal, dass Deutschlands Politiker meistens das machen, was voreilig gefordert wird…“

    Das Moratorium beinhaltet mehr als nur ein Aussetzen der Laufzeitverlängerung. Die Zeit soll auch genutzt werden, um die neuen Erkenntnisse zu ordnen und zu prüfen und Schussfolgerungen und Konsequenzen daraus zu ziehen. Und um diese Debatte sachlich zu führen, wie Du es auch willst, braucht man Zeit.
    Und dass trotzdem weiter über die AKWs diskutiert wird, finde ich richtig! Diskussionen sollte und kann eine Regierung bei uns zum Glück nicht unterbinden. Es ist gut, dass die Diskussionen weiter gehen und mit der gewonnenen Zeit werden Sie auch wieder ein Stück sachlicher.

  38. Standpunkt, kein direkter Bezug

    Ich beobachte und kommentiere hier mehrere Blogs parallel und versuche mit sachlichen Fakten etwas Klarheit in die Situation um das AKW Fukushima zu bringen.
    Langsam komme ich aber auch an meine Belastungsgrenze, deshalb sorry wenn ich nicht immer gleich auf alle Fragen antworten konnte und kann. Ich werde aber weiter versuchen, sachliche Fragen nach bestem Wissen (leider ist das auch schon ein paar Jahre alt) zu beantworten.
    Ja, ich bin für Kernenergie, weil sie für mich eine Technologie wie jede andere ist. Sie birgt Gefahren, aber sie ist nach meiner Meinung beherrschbar.
    Vor allem aber stört mich die hohe Emotionalität der Argumentation. Man wird schon mal als DUMM bezeichnet wenn man Fakten präsentiert und im Endeffekt wird die „braune Keule“ geschwungen.
    (Ein Kommentator schrieb in Entgegnung zu einem meiner Beiträge: „Muss ich Sie wirklich daran erinnern, dass „sachliche Fakten“ alleine sowohl praktisch belanglos bis sogar Wahrheits- und Fakten-verzerrend sein können? Beispiel gefällig: „In Sachsenhausen sind weniger Menschen umgekommen als jährlich durch Verkehrsunfälle sterben“ Insofern bitte ich doch um nochmaliges Hinterfragen, ob Sie hier „Fakten“ in derartigem Kontext stehen lassen wollen.“).
    Ich ignoriere so etwas in der Regel, aber manchmal überkommen mich bei so was auch Gewaltphantasien.
    Die Diskussion ist so von den Medien aufgeheizt, das die sachliche Ebene in den Hintergrund gedrängt wird.
    Journalisten recherchieren kaum noch sondern reichern Meldungen anderer Agenturen um Vermutungen an.
    Es läuft fast wie bei der „stillen Post“: Vermutlich, wir haben gehört, er wird berichtet usw. usf.
    Heute früh im Morgenmagazin hat es mich fast zum Schreikrampf getrieben:
    „Die Arbeiter in Fukushima Helden? Na ja, wir können die Gesichter nicht zuordnen. Es könnte sein, das sich da mehrere andere in Schutzräumen befinden und die immer ausgetauscht werden. Und überhaupt, da wird versucht von Hubschraubern Wasser abzuwerfen. Wie weit soll die Groteske noch getrieben werden. Wir werden Tokio verlassen. Da man ja nicht weiß welche Radioaktivität auf die Stadt niedergehen wird und in der auftretenden Massenpanik das schnelle Verlassen der Stadt unmöglich einen kann. Wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeitern.“
    Oh Mann, natürlich sind die Arbeiter in Fukushima Helden. Sie gehen an ihre psychischen und physischen Grenzen! Und hoffentlich werden sie ständig ausgetauscht, wie es auch in Tschernobyl war.
    „Das war aber in einer Diktatur, da wurden Hunderttausende dazu gezwungen.“
    Ich kenne die Russen und die machen das, wie auch jetzt die Japaner freiwillig!
    Es k… mich an solche Kommentare zu hören. Das ist auch für mich, der mit den Arbeitern vor Ort mitfiebert und hofft, dass sie alles in den Griff bekommen, ein Schlag ins Gesicht.
    Außerdem ist das beleidigend. Nur die deutschen Journalisten (uns auch Politiker aller Couleur!) sind allwissend! Alle anderen sind dumm, ignorant usw.
    Es wird Zeit, dass wir uns mal endlich wieder auf eine progressive Streitkultur besinnen und der, welcher eine eigene Meinung vertritt, nicht ins Abseits gestellt wird (Sarrazin lässt grüßen).
    Weil es hier in den Wissenslogs erstaunlich sachlich zu geht, poste ich hier auch meine Kommentare. Ich hoffe damit etwas für eine positive Grundstimmung zu tun.
    Die Japaner brauchen jetzt vor allem unsere emotionale Unterstützung und nicht Politikergetöse. Auch finanzielle Hilfe für die Opfer wäre gut.

    Vieleicht helfen auch ein paar Spenden. Nähere Infos hier:
    http://www.de.emb-japan.go.jp/…10317spenden.html

    G.Heim

    PS: ich werde diesen Beitrag auch noch in anderen Blogs hier posten. Ich hoffe damit etwas mehr Sachlichkeit in die Diskussionen bringen zu können.

  39. Wer ist unabhängig?

    „Den wer führt in Deutschland eigenlich die Test durch?
    Auch unabhängige Dritte?“

    Ja, wer führt in Deutschland die Tests durch? Du scheinst die Namen derer in der Kommission schon zu kennen.
    Und wer ist unabhängig? Der NABU oder Greenpeace (die in solchen Zeiten wie diesen viel leichter Spenden aquirieren können), das Bundesamt für Strahlenschutz oder die Ärzte gegen den Atomkrieg oder die IAEA?

    @ G.Heim: Wieder ein sehr guter Beitrag!

  40. @Sebastian

    „[…]eine Kernkraftdebatte starten, wenn der Zeitpunkt angebracht ist.[…]“
    Sorry, aber diese Äußerung ist unangemessen und menschenverachtend. Und das meine ich so.
    Ich will Ihnen nicht zu nahe treten – immerhin gestatten Sie eine Diskussion, dafür danke ich Ihnen. Aber wie soll man Ihre Haltung einordnen? 30, 40, 50 Jahre nach den ersten Hinweisen auf die Gefahren der Atomenergie? (BTW: War nicht Albert Einstein, sogar viel früher, einer der ersten Kritiker?)
    Wann soll der „angebrachte“ Zeitpunkt sein? Wenn „AKW“ „durchbrennen“? Wenn Menschenleben geopfert werden, um „AKW“ am völligen Explodieren zu hindern, anstatt Erdbebenopfer zu unterstützen? Was brauchen Sie, um einen Zeitpunkt „angebracht“ zu finden?
    Die Mitbürger, die nun in Panik einen „sofortigen“ Ausstieg fordern oder wünschen, haben wenig bis garnichts verstanden – insoweit gehe ich mit Ihnen d’accord. Aber: „Das(s) Moratorium ist ja auch erst einmal vorläufig bis man sich dann weitergehende Gedanken gemacht hat.“ Wie lange dauert es denn, bis man sich „weitergehende Gedanken“ gemacht hat? Bis 2020? Bis 2050? Bis einer weint? Sch….
    Sebastian: Atomenergie ist vermutlich eine dolle Sache, wenn man die Risiken ausblendet und sich um die ukrainische und die japanische Bevölkerung keinen Deut schert – aber es bleibt beim ständigen Risiko, ganze Landschaften und Bevölkerungen zu vergiften.
    Butter bei die Fische: Wann ist in Ihrer Sicht – und in der Sicht anderer Kernkraftbefürworter, die sich ja zur Zeit allenthalben, auch hier, tummeln – für eine „Kernkraftdebatte“ der „Zeitpunkt angebracht“? Genügen 100.000 Tote, direkt oder indirekt? Oder brauchen Sie mehr?

  41. @Daniel:

    In der Europäischen Presse heißt es:
    „Alle Atomkraftwerke in der EU müssen sich einer Sicherheitsprüfung unterziehen. Darauf einigten sich die EU-Energieminister bei einem Treffen mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Dienstag in Brüssel. Oettinger kündigte eine Neubewertung aller Risiken der Anlagen bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hochwasser oder auch einem Terrorangriff an. Überprüft werden unter anderem die Kühl- und Notstromsysteme. In der EU stehen 143 Atomkraftwerke. Die Kommission hat Russland, der Türkei und der Schweiz die Zusammenarbeit bei Sicherheitstests angeboten.

    Bis Juni 2011 sollen die Kriterien der Stresstests feststehen. In der zweiten Jahreshälfte sollen die Prüfungen absolviert sein.

    Oettinger nahm am Dienstag in einer Öffnet externen Link in neuem FensterSondersitzung des Energie-Ausschusses im EU-Parlament (ITRE) Stellung. Der EU-Kommissar sagte, in den Reaktoren in Fukushima sei „nahezu alles außer Kontrolle“. Er könne die schlimmsten Entwicklungen nicht ausschließen. Man habe es in Japan mit einer „möglicherweise nur eingeschränkt handlungsfähigen Regierung“ zu tun. Der Expertenrat der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA sei erst vor wenigen Stunden von den Japanern angefordert worden. „
    http://www.euractiv.de/…as-atomkraftwerke-004508

    Das Muratorium geht über 3 Monate..
    16.3 – 16.6
    Wenn aber die EU-Kommission festgelegt hat, oder beschließen wird, dass die kreterien für den Stresstest erst im Juni 2011 festgelegt sind, dann stimmt hier doch was nicht..
    Sprich entweder, legt die Regierung hier eigene Standards fest, und läßt dann von ihren eignen Systemen prüfen, oder aber, sie hält sich an die EU–Absprache, und dann laufen die Test erst nach dem Muratotium an..
    Nun kann man sich seinen eignen Reim drauf machen, was davon zu halten ist..

  42. @ G. Heim

    Herr Heim, ich schätze manche Ihrer Kommentare sehr, aber dieser hier ist zu emotional und zu unsachlich. Ich zitiere Sie:

    1. „Oh Mann, natürlich sind die Arbeiter in Fukushima Helden. Sie gehen an ihre psychischen und physischen Grenzen! Und hoffentlich werden sie ständig ausgetauscht, wie es auch in Tschernobyl war.“

    1.a „Hoffentlich ausgetauscht“. — Genau. Nicht: „Sicherlich“. Nicht: „Mit Sicherheit“. Sondern: „Hoffentlich“. Hoffnung als die von Ingenieuren optimierte Hantierung eines Störfalls?
    1.b „[…], wie es auch in Tschernobyl war.“ — Wurden die in der Ukraine beteiligten „Liquidatoren“ wirklich ständig ausgetauscht? Was ist mit den „Fukushima 50“? Wieso drehen Hubschrauber ab, die kaum zwei Minuten über dem Laden kreisen, während die „50“ seit Tagen vor Ort sind? „Ständig ausgetauscht“?
    1.c „Sie gehen an ihre psychischen und physischen Grenzen!“ — Klingt wie ein Sportwettbewerb, ist aber Strahlung der harten Sorte. Sorry, Sie formulieren unsachgemäß, geradezu journalistenmäßig.

    2. „Ich kenne die Russen und die machen das, wie auch jetzt die Japaner freiwillig!“ — Herr Heim: „Freiwillig“? Ehrlich? So im Sinne von „Es gibt ja sonst nichts zu tun, also verstrahlen wir uns mal“? Und wieso „die Russen“ und „die Japaner“? Wieso nicht „die Atomprofiteure“? Es geht um Menschen, nicht um „die Russen“ und „die Japaner“. Herr Heim: „Freiwillig“? Wo sind die Manager?

    3. „Es k… mich an solche Kommentare zu hören. Das ist auch für mich, der mit den Arbeitern vor Ort mitfiebert und hofft, dass sie alles in den Griff bekommen, ein Schlag ins Gesicht.“ — Meinen Sie, dass sonst niemand sich wünscht, dass die Notsituation unter Kontrolle gerät? Unsachgemäße Einschätzungen verhindern Mitgefühl nicht – und unsachliche Anmaßungen sind ebenso anstößig. Die Kritiker sind nicht vor Ort – und Sie auch nicht.

    Mitfiebern, uns aufregen und solchen Sch… in Zukunft möglicherweise verhindern können wir alle – sehen wir uns auf der nächsten Anti-Atomdemo? Ich hoffe darauf. Sie hätten die Kompetenz, die Gefahren in aller Ausführlichkeit zu schildern. Ich baue auf Sie.

  43. Keine Energie ist ohne Risiko

    @ Kommentator:

    „Atomenergie ist vermutlich eine dolle Sache, wenn man die Risiken ausblendet und sich um die ukrainische und die japanische Bevölkerung keinen Deut schert – aber es bleibt beim ständigen Risiko, ganze Landschaften und Bevölkerungen zu vergiften.“

    Man könnte auch sagen:
    Off-shore-Anlagen sind vermutlich eine dolle Sache, wenn man die Risiken ausblendet (z.B. Kollisionen mit Tanker in der Nordsee bei denen Öl austreten kann) und sich um die nordeutsche oder dänische Bevölkerung keinen Deut schert – aber es bleibt beim ständigen Risiko, ganze Landschaften und Bevölkerungen zu vergiften.

    Oder man könnte sagen:
    Kohlekraftwerke sind vermutlich eine dolle Sache, wenn man die Risiken ausblendet (das sie CO2 Ausscheiden und zum Klimawandel beitragen) und sich um die Bevölkerung keinen Deut schert – aber es bleibt beim ständigen Risiko, dass ganze Landschaften und Bevölkerungen dem Klimawandel ausgesetzt sind.

    Oder man könnte sagen:
    Wasserkraft ist vermutlich eine dolle Sache, wenn man die Risiken ausblendet, die sich darausergeben, dass für sie Flüsse aufgestaut werden müssen und sich um die Bevölkerung an den Flüssen keinen Deut schert – aber es bleibt beim ständigen Risiko, dass ganze Landschaften und Bevölkerungen an den Flüssen den Gefahren durch aufgestaute Flüsse ausgesetzt sind.

    Jede Energiegewinnung ist nicht ohne Risiko. Und ich hoffe, Du willst jetzt nicht potentielle Tote gegeneinander aufrechnen. Das hielte ich für sehr bedenklich. Dem betroffenen ist relativ egal wo von er stirbt.

  44. Deutschland gehört zur EU

    @ mathias

    „Alle Atomkraftwerke in der EU müssen sich einer Sicherheitsprüfung unterziehen. Darauf einigten sich die EU-Energieminister bei einem Treffen mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Dienstag in Brüssel.“

    Ja und? So viel ich weiß, gehört Deutschland im Gegensatz zu der Schweiz mit all seinen Atomkraftwerken zur EU. Wenn das für alle Atomkraftwerke in der EU gilt, was die Energieminster (wohl incl. dem zustänigen minister aus Deutschland) mit dem Kommissar vereinbart haben, dann wird es auch für die in Deutschland gelten, wo ist das Problem?
    Und wenn ich mich recht entsinne, war die Regierung mit ihrem Moratorium vor der EU an der Öffentlichkeit, also kann das Moratorium nicht an die EU – Absprache angepasst sein.
    Ein bisschen Japanische Gelassenheit und nicht über all eine Verschörung in der Atomdebatte sehen und vermuten.

  45. @ Daniel

    Daniel: Tankerunglücke, Offshore-Anlagen, Staudammbrüche, Kohlekraftwerke:
    Sie bieten ein tatsächlich bedrückendes Szenario an tödlichen Unfallszenarien auf.

    Wenn das alles tödlich ist: Wann fahren Sie nach Nordjapan und räumen da strahlenden Schrott im AKW Fukushima I weg? Ich zahle Ihnen – kein Witz, sondern ernst gemeint – 1.000,00 Euro auf Ihr Konto, wenn Sie in den nächsten zwei Wochen nach Nordjapan fahren und dort mit eigenen Händen (und unter ausführlicher Dokumentation – bitte keine Analogkamera, die Filme werden nur schwarz) im Umkreis von 100 Metern um den Reaktor 4 radioaktiven Schrott wegräumen.

    Mein Angebot meine ich ernst. w’blogs hat meine E-Mailadresse, wir dokumentieren das Ganze hier – ich stehe zu meinem Wort.

    Wann geht’s los? Die 100 Meter und rechtzeitige (!) Doku nicht vergessen.

  46. @Kommentator: Ich glaub et hackt

    Wir verlieren uns hier in einer Diskussion, in der sie mich als umenschlich und menschenverachtend darstellen. Das finde ich absolut nicht OK! In meinem Artikel wollte ich zum Ausdruck bringen, dass die Debatte über Kernkraft derzeit sehr hohe Wellen schlägt und teilweise die Situation in Japan aus den Medien verdrängt. Erhitzte Gemüter diskutieren und können sich auf keinen Konsens einigen. Wie es auch hier der Fall ist. Ich möchte, dass man abwartet, bis sich die Lage in Japan beruhigt/verbessert und man so auch endlich in den Alltag zurückkehren kann. Alle anderen Handlungen, die jetzt in der Hitze des Gefechts gemacht werden, sind nicht objektiv genug. Können oder wollen Sie mich nicht verstehen? Der angebrachte Zeitpunkt zu handeln, ist, wenn sich alle an einen Tisch gesetzt haben und einen Plan ausgearbeitet haben, wie man Kernkraft reduziert und auf andere Energien umschwänkt. Wie sollen uns jetzige Diskussionen über Worst-Case-Szenarios in deutschen AKWs weiterbringen? Die weitergehenden Gedanken macht die Regierung sich wohl gerade jetzt und in den zukünftigen Tagen des Moratoriums. Was ich hier kritisiere, ist die öffentliche Diskussion, die wohl anscheinend die Meinung der Politiker im erheblichen Ausmaß beeinflusst. Deswegen fordere ich mehr Sachlichkeit!

    Ich habe ja eine sehr hohe Toleranz, wenn es um Kommentare in meinem Blog geht, aber mit Ihrer letzten Aussage des an mir gerichteten Kommentars haben Sie den Bogen überspannt. Ich fasse nicht, was ich da lesen muss. Entweder Sie reißen sich zusammen und unterstellen mir nichts mehr, halten Ihre obszönen und teilweise abstrakten Äußerungen zurück oder es schenkt Ihnen keiner mehr Aufmerksamkeit hier!

  47. @Daniel:

    Das hat nichts mit Verschwörung, sondern politischen Strategien zu tun..(als Risiko, und generell Strategiespiel fan, liebe ich sowas..)
    Wir haben Wahlkrampf, und nur darauf zielte das Muratoirum ab. Es ist ein politischer Winkelzug, damit der Wahlkampf nicht vollens verloren geht.
    Sieht man übrigens herrlich an Mappus, der noch 2009 einer der vehementesten Verfechter der Laufzeitverlägerung war, und nun den AKW-killer spielt…
    Eigentlich herrliche Realsatire, die einem da geboten wird, und das auch noch Kostenlos..
    In den 3 Monaten wird nichts innerhalb der Regierung abgehen, sondern die Arbeit wird die EU erledigen, sie wird die kriterien aufstellen, und dann wird man nach dem Wahlkrampf einen kriterienkatalog zusammen stellen, und Deutschland präsentieren, an hand man dann die Anlagen prüft. Das der von der EU-Kommission kommt, wird dann mal nebenher erwähnt, und man wird sich dann an die Prüfung machen..
    Das Muratorium ist dann zwar ausgelaufen, und die Meiler gehen wieder ans Netz, aber man prüft sie ja nun.. 😉

  48. @ Sebastian

    Ich habe mich schon mit echter Dankbarkeit geäußert, dass Sie eine Diskussion zulassen, und ich möchte um Entschuldigung dafür bitten, dass Sie sich angegriffen fühlen.
    Nur ich habe eine Meinung, und die mag auf Sie durchaus hart wirken – die ist aber vergleichsweise harmlos im Vergleich zu der Strahlung, die gerade aus berstenden Meilern dringt.

    Stellen Sie sich vor, wir beide wären Japaner, und ich würde in der aktuellen Situation die folgende Frage stellen:
    „Wie sollen uns jetzige Diskussionen über Worst-Case-Szenarios in japanischen AKWs weiterbringen?“

    Was würden Sie antworten?

  49. Kohle & potentielle Opfer

    @Daniel

    „Kohlekraftwerke sind vermutlich eine dolle Sache, wenn man die Risiken ausblendet (das sie CO2 Ausscheiden und zum Klimawandel beitragen) und sich um die Bevölkerung keinen Deut schert – aber es bleibt beim ständigen Risiko, dass ganze Landschaften und Bevölkerungen dem Klimawandel ausgesetzt sind.“

    Nicht zu vergessen: Die Radioaktivität aus Kohlekraftwerken.

    „Jede Energiegewinnung ist nicht ohne Risiko. Und ich hoffe, Du willst jetzt nicht potentielle Tote gegeneinander aufrechnen. Das hielte ich für sehr bedenklich.“

    Warum bedenklich? Sollten wir nicht wissen, welche Form der Energiegewinnung die sicherste ist?
    Und sollten wir daher nicht die Anzahl der bisherigen und potentiellen zukünftigen Opfer kennen?

  50. @Kommentator

    „zu emotional und zu unsachlich“
    Das kann ich so nicht stehen lassen: Auch ich habe Emotionen, natürlich und Emotionen sind in der Regel „unsachlich“ da es Emotionen sind.

    „hoffentlich ausgetauscht“
    Es ging mit primär um die Kommentare der Medien: ach die Tauschen ja, dann ist das nicht sio Schlimm! (K…)

    „Wurden die in der Ukraine beteiligten „Liquidatoren“ wirklich ständig ausgetauscht?“
    Ja, meine Schwägerin und andere Bekannte können da eigene Erfahrungen beisteuern. Ich habe Kernenergetik in Moskau Studiert und 6 Wochen selbst (1980) in Tschernobyl gearbeitet. Ich kenne Pripjat (habe dort gewohnt).
    Meine Frau ist Russin (Dipl.-Ing industrielle Wärmetechnik), wie auch mein Schwager (Dr. der Tieffsttemperaturphysik (KryoPhysik)), meine Schwägerin Dipl.Ing KryoPhysik und viele meiner Bekannten.
    Ich glaube im Gegenteil zu den Medien kann ich mir dazu eine doch wohl objektive Meinung erlauben. Die Ethik eines Ingenieurs war auch in der damaligen UdSSR kein Zwangprodukt.
    Wir haben immer getan, was getan werden musste!

    „Was ist mit den „Fukushima 50″?“ – Wir wissen es nicht.

    Wieso nicht „die Atomprofiteure“? – Die sitzen in der Strombörse. Die geht das nichts an.

    „Freiwillig“? Wo sind die Manager? – Was sollen die da? DIE können eh nichts tun.

    „sehen wir uns auf der nächsten Anti-Atomdemo?“
    Ich glaube nicht:
    Ich bin Pro 😉

    G.Heim

  51. @ mathias

    Erst kritisierst Du, dass die Bundesregierung nicht den Belgischen Weg geht und sich möglicherweise nicht den neuvereinbarten EU-Bestimmungen zur Kraftwerksüberprüfung unterzieht. Im lezten Betrag kritisierst Du aber nun, dass die Bundesregierung die Kraftwerke wohl möglich nach EU-Kriterien überprüft und das es zu lange dauert.

    Schlüssig ist das für mich nicht. Was forderst du denn nun von der Regierung?

  52. @ G. Heim

    Ihre Erfahrungen sind aller Ehren wert, und das respektiere ich – darf ich Sie (sozusagen „trotzdem“) bitten, an einer der nächsten Anti-Atomkraftdemos teilzunehmen und damit für den Wunsch nach einem friedlichen und sicheren Ausstieg aus der Atomkraft zu „demonstrieren“? Wir sind beide über die Lebensmitte hinaus (gestatten Sie mir bitte diese persönliche Äußerung, nur eine Vermutung, für meinen Teil stimmt es aber sicher), und wir hätten damit die Möglichkeit, den uns nachfolgenden Generationen den Weg in eine sicherere Zukunft zu weisen.

    Mein Angebot: Im Gegenzug würde ich mit Ihnen zusammen ein AKW besichtigen und damit demonstrieren, dass ich Ihnen vertraue – wenn auch (vielleicht wie Sie bei der Anti-Atomdemo? 🙂 mit Magengrummeln und keinem guten Gefühl. Immerhin wünsche ich mir, dass Sie mit Ihren Behauptungen zur Sicherheit der in Deutschland betriebenen AKW in allen Ehren recht haben und behalten – es würde unserem Land nur helfen.

    Mein Angebot steht. w’logs hat meine E-Mailadresse – lassen Sie mich bitte Ihre Antwort wissen.

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen,
    Ihr Kommentator

  53. „Jetzt nicht!“ heißt „Halts Maul!“

    Es sind immer wieder die selben Argumente: „Wir müssen und Zeit nehmen“, „es ist nicht richtig den Japanern gegenüber, wenn wir JETZT darüber reden“, „lasst uns doch vernünftig bleiben und nicht emotional diskutieren“, usw.
    Tatsache ist, dass Atomkraftgegener seit Beginn der Debatte das „Restrisiko“ für unverantwortbar gehalten haben. Daran hat sich durch das Beben in Japan nichts geändert. Die Gegener brauchen keine Zeit, um ihre Arguemnte neu zu überdenken. Für sie hat sich an der Sachlage doch nichts geändert. Sie wurden doch nur bestätigt.

    Wer jetzt die Diskussion abwürgen will, dessen Motivation ist sonnenklar. Er will, dass wieder Gras über die Sache wächst.
    Denn geholfen ist den Japanern kein bisschen, wenn wir hypnotisch auf ihr Leid starren, anstatt unsere eigenen Probleme aktiv anzugehen.

  54. @Daniel, @Kommentator, @Gerhard Höberth

    @Daniel: Entschuldigung, dass ich dir jetzt erst antworte! Ich wollte damit nicht das Moratorium kritisieren, sondern das allgemeine Verhalten der Regierung. Natürlich darf diskutiert werden, wenn man dabei sachlich bleib. Im Moment gewinne ich aber den Eindruck, dass dies durch die Emotionalität der Sache nicht möglich ist. Daher sollte man sich erst einmal „beruhigen“.

    @Kommentator: Was soll denn bitte Ihre Frage jetzt wieder implizieren? Wollen Sie mir ihre Meinung über Atomkraft aufzwingen bzw mir klarmachen, was für Risiken diese Technologie birgt? Ich erinnere Sie, ich bin für einen Ausstieg. Darum ging es mir in meinem Artikel aber schlichtweg nicht. Ich verstehe nicht, wieso man mir hier meine Worte im Mund umdreht und mich als Buh-Mann darstellt.

    @Gerhard Höberth: Und jetzt wieder zum Hundertsten Mal: Ich bin für einen Ausstieg, wenn dieser ordentlich geplant wurde und korrekt durchgeführt werden kann. Zeit muss sich natürlich genommen werden, um dies so umzusetzen.

  55. Danke für die sachliche Diskussion

    Ich freue mich über den hier geführten sachlichen Austausch von Argumenten. Danke erstmal dafür. Mein Mitgefühl ist beim japanischen Volk!

    Darf ich einen Apell richten? Ich bin stiller Atomkraftgegner, still deshalb, weil ich nie aktiv geworden bin. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir uns mit mehr Demut in der Natur bewegen sollten. Dazu gehört auch, die Meinung abzulegen, die Atomkraft bis zum Ausschluss des „Restrisikos“ beherrschen zu können. Es gibt keine 100%ige Sicherheit. Die hat es nie gegeben. Natürlich sollte uns aber auch allen bewußt sein, dass ein Ausstieg aus der Atomkraft Zeit braucht und nur europaweit/weltweit funktioniert. Insofern spricht unsere Regierung Klartext. Lernfähig zu sein ist eine hoch einzuschätzende Eigenschaft von Menschen. Man kann nicht davon ausgehen, dass wir in akuter Gefahr schweben durch die noch verbleibenden am Netz befindlichen AKW´s.

    Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass nach dem europaweiten Stresstest der heutigen Atomkraftwerke keines dauerhaft am Netz bleiben kann. Entweder, weil die Umrüstung zu teuer ist oder weil unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus Japan eben diese Verkettung unglücklicher Umstände nicht ausgeschlossen werden kann.

    Hat sich eigentlich mal jemand ausgerechnet, wie lange man radioaktiven Abfall mit einer Halbwertzeit (die Zeit, in der sich die Radioaktivität halbiert) von 24000 Jahren lagern muss, wenn man nach Expertenmeinungen davon ausgeht, dass man 10 Halbwertzeiten lange gesondert und geschützt lagern muss? Wie fließen denn diese Kosten in den heutigen Strompreis mit ein? Wer trägt diese Kosten eigentlich?

    Bei Abwägung aller Argumente für oder gegen Atomkraft muss und wird man sich am Ende für die Sicherheit entscheiden. Bis dahin würde ich es für sinnvoll halten, eine Einsatztruppe/Störfallzentrale mit aller Ausrüstung auf- oder auszubauen, die die letzten Jahre mit der höchstmöglichen Sicherheit gewährleistet, so dass im Störfall eben ganz schnell Stromaggregate, Kühlmittel, Räummittel usw. zur Vergügung steht. Bisher hatte ich eignetlich geglaubt, dass es sowas gibt und mich gewundert, warum nicht innerhalb von 24 Std im Kraftwerk eine zweite Stromversorgung steht.

    Un dam Ende sollt sich auch jeder fragen, wieviel elektrische Geräte notwendig sind, was man einsparen kann in der Industrie wie auch im privaten Haushalt.

    Mein Bangen und Hoffen leigt weiterhin in Japan und bei den Menschen dort, die unsägliche erleiden im Moment.

    Ich bitte meine Laienmeinung hier zu akteptieren – ich spreche sozusagen hier für das Volk, dass keine Einblicke in Kernphysik hat.

    Über die Beantwortung meiner Frage zu den Kosten der Endlagerung würde ich mich freuen. Übrigens sind Emotionen gut, sie helfen uns dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Verlassen wir uns doch endlich auf unser Bauchgefühl.

  56. @Michael Khan

    An den Gedanken, dass man dem Kraftwerk Fukushima-1 letztlich nicht nur hinsichtlich der Notstromversorgung konstruktive Defizite attestieren wird, sollten Sie sich vorsichtshalber gewöhnen. Inwiefern andere KKWs infolge des Erdbebens beschädigt sind, das wird sich auch erst durch eine genaue technische Überprüfung feststellen lassen, was allein einiges an Zeit braucht. Dass diese Anlagen ein derart starkes Beben völlig schadlos überstanden haben, ist keineswegs zu erwarten. Ihre Hoffnung auf ein baldiges Hochfahren erscheint mir da doch übertrieben optimistisch.

    Klar ist jedenfalls, dass allein der Totalausfall der Notstrom-Diesel ein hinreichender Grund ist, die Standards von Sicherheit für Nuklearanlagen neu zu überdenken, nicht nur in Japan. In Deutschland scheint es ja so, dass diese Standards im Rahmen der Laufzeitverlängerung an die Begehrlichkeiten der Betreiber angepasst wurden, und das ist schlecht. Eine Versachlichung der öffentlichen Debatte wäre wünschenswert, wird aber in absehbarer Zukunft wohl nicht zu erreichen sein.

  57. @ Strahlemann

    „Der unverzügliche Wechsel zu erneuerbaren Energien ist keine Last, sondern die größte greifbare soziale und wirtschaftliche Zukunftschance.“
    Hermann Scheer, Träger des Alternativen Nobelpreises

  58. @PaulineK

    Vielen Dank für deinen Kommentar und wir hören dich natürlich gerne! Zu entschuldigen brauchst du dich aber nicht, da jedem seine eigene Meinung zusteht. Auch ich bin nicht vom Fach und habe trotzdem diesen Artikel hier geschrieben. Mich freut es, dass du es ähnlich siehst wie ich. Immer mehr Leute kommentieren hier ja eifrig und sind zum Teil der gleichen Meinung, dass man Zeit braucht, um einen Ausstieg korrekt durchführen zu können. Im Kontrast stehen dazu hier einige Leute, die uns dafür vorwerfen, wir wären pro Atomkraft und würden so nur versuchen, die Debatte zu ersticken, was natürlich völliger Blödsinn ist. Mit deinen Fragen kann ich dir leider nicht helfen, da ich eben nicht vom Fach bin. Aber es lässt sich hier sicherlich jemanden finden, der dir weiterhelfen kann.

  59. @ Sebastian

    Es tut mir leid, dass mein erster Kommentar etwas hart klang. War auch nicht speziell gegen Sie gerichtet, sondern gegen viele Befürworter, die sich jetzt mit genau diesen Argumenten zu Wort melden.
    Ich habe mir vor dem Kommentiren nicht die Mühe gemaht, alle Kommentare zu lesen, sonst hätte ich Sie explizit von meinem Vorwurf ausgenommen.
    Das Problem, das ich aber an solchen Argumenten sehe ist, dass der Mensch reduziert wird.

    A) Entweder auf seine rationale Seite, indem von Politik gefordert wird, lediglich Sachargumente gelten zu lassen (wodurch einerseits der Erkenntnisgewinn holisitscher Intuitionen als Gefühlsdusselei diffamiert wird – man kann rational nur 7 Details im Kopfbehalten um eine Ganzheit zu beurteilen, intuitiv jedoch viele mehr – es handelt sich also keineswegs um „Esoterik-Kram“ sndern um Psychologie) oder

    B) auf Emotionen, indem die Ängste – egal wo sie her kommen, als wichtiger erachtet werden, als jeder Sachverstand.

    (Zu B: ich sehe es so, dass der Sachverstand den Atomausstieg fördern würde, die irrationalen Ängste vor „hohen Kosten“, „Unterversorgung“ oder „wirtschaftlicher Rückschritt“ die Sachargumente überdeckt.)

    Man sollte sich die „Revolution“ in Südafrika ansehen. Diese ging unblutig über die Bühne, weil zwei Psychologen eine Roadmap entworfen haben, welche den GANZEN (!) Menschen in den Blick nahm.

    Solch eine Roadmap würde ich mir auch für den (weltweiten) Atomausstieg und Umstieg in 100% Regenerative Energien wünschen.

  60. @Chrys

    Da Sie bereits selbst zurückrudern, hier nur kurze Kommentare:

    An den Gedanken, dass man dem Kraftwerk Fukushima-1 letztlich nicht nur hinsichtlich der Notstromversorgung konstruktive Defizite attestieren wird, sollten Sie sich vorsichtshalber gewöhnen.

    Das mag sehr wohl sein, und wenn sie diese konkretisieren können (allerdings bitte belastbarer als mit dem taz-Artikel, denn ich bin kein taz-Jünger und habe die uangenehme Angewohnheit, Fakten zu überprüfen, werde ich das sicher nicht in Abrede stellen. Wesentlich im gegebenen Kontext ist allerdings, inwieweit diese noch zu benennenden konstruktiven Mängel wesentlich zur beobachteten Störfallkette beitrugen. Alle verfügbaren Daten (konsultieren Sie auch seriösere Quellen als die taz, die aus ihrer tendenziösen Berichterstattung noch nicht einmal einen Hehl macht?) legen nahe, dass der Hergang der Unglücke in direkter Linie auf den Ausfall der Notstromversorgung zurückzuführen ist. Das wäre allerdings durch konstruktive Maßnahmen leicht vermeidbar gewesen.

    Inwiefern andere KKWs infolge des Erdbebens beschädigt sind, das wird sich auch erst durch eine genaue technische Überprüfung feststellen lassen, was allein einiges an Zeit braucht. Dass diese Anlagen ein derart starkes Beben völlig schadlos überstanden haben, ist keineswegs zu erwarten.

    Es ist im gegebenen Zeitpunkt vollkommen irrelevant, on die Reaktorbl&oumlcke anderer Kraftwerkskomplexe in der gegend (Fukushima dai-ni, Onagawa und Tokai, die ebenso dem Erdbeben ausgesetzt waren, aber nicht dem Tsunami) vollkommen unbeschädigt sind (das hat im übrigen auch niemand behauptet. hat Ihnen nie jemand erzählt, dass verfälschende Zitate schlechter Stil sind? dann hole ich das hiermit nach.)

    Wesentlich ist, dass diese Kraftwerke (immerhin 8 Blöcke) allesamt sicher heruntergefahren und sicher nachgekühlt werden konnten und dass es in keinem dieser Fälle zu einer nennenswerten Freisetzung von Radionukliden kam. Das belegt zumindest, schon einmnal eindrucksvoll, dass der Eintritt eines schweren Störfalls keineswegs zwangsläufig auf ein starkes Erdbeben weit jenseits des Auslegungsfalls folgt.

    http://www.grs.de/…awa%20Tokai_0800Uhr_MEZ_0.pdf

    Falls Sie oder die taz über anderslautende Informationen verfügen, bitte ich um die entsprechende Quelle.

    Falls nicht, sollten Sie sich vielleicht schon einmal vorbeugend mental auf die Bewahrheitung meiner Schlussfolgerung einstellen, auch wenn die der Mantra der Kernenergiegegnerlobby diametral zuwiderläuft.

    Klar ist jedenfalls, dass allein der Totalausfall der Notstrom-Diesel ein hinreichender Grund ist, die Standards von Sicherheit für Nuklearanlagen neu zu überdenken, nicht nur in Japan.

    Da bin ich sogar vollkommen einverstanden. Ich bin der Meinung, dass aus jedem Störfall gelernt werden muss. Obwohl die Beispiele Fukushima dai-ni, Onagawa und Tokai schon nahelegen, dass die Sicherheit kerntechnischer Anlagen durchaus mit dem Vorkommen schwerer Erdbeben in Einklang gebracht werden kann, zeigt das beispiel Fukushima dai-ichi, welche Folge grobe Patzer in der Sicherheitsplanung haben und welche Konsequenzen diese nach sich ziehen. Die Erkenntnisse sollten in entsprechende Nachrüstungsmaßnahmen umgesetzt werden.

    Auch in Deutschland sollten wir eine kühle Abwägung auf der Basis der Erfahrungen vornehmen, die die Japaner gemacht haben. Dabei ist einerseits schonungslos zu überprüfen, ob die Sicherheitsausstattung den Anforderungen genügt. Falls nicht, muss eine Änderung vorgenommen werden. Geschieht dies nicht, ist die Betriebserlaubnis zu entziehen.

    Andererseits sind auch Behauptungen infrage zu stellen, nach denen schwere Erdbeben grundsätzlich unvereinbar mit der Sicherheit sein sollen.

    „Weiter wie bisher“ – dass das nicht geht, sollt jedem klar sein.

  61. @Michael Khan

    Ein paar Bemerkungen zu Ihrem Kommentar.

    Erstens, wenn Sie ein Problem mit der taz haben, dann müssen Sie sich schon an die Redaktion wenden, ich kann Ihnen dabei nicht helfen. Mir wegen eines Links zu einer Website schon eine Affinität zu deren Betreiber zu unterstellen, ist nicht gerechtfertigt.

    Zweitens, es gibt durchaus Gründe, ernsthafte Zweifel an der Tadellosigkeit des Designs von Fukushima-1 zu hegen. Ich bin sogar überzeugt, dass kein KKW, dessen Entwurf aus den 1960er Jahren stammt, nach heutigen Bewertungskriterien ohne Beanstandungen bleibt. Ob dies für Fukushima-1 wesentlich war, kann nur durch eine technische Untersuchung geklärt werden, die einstweilen nicht stattfinden kann. Ohne genaue Kenntnis der Details den Ausfall der Notstromversorgung zur alleinige Ursache zu erklären, ist logisch unzulässig.

    Drittens, ich hatte Sie hier überhaupt nicht zitiert, sondern eine Ihrer Formulierungen aufgegriffen und folgende Behauptung angezweifelt (und dies ist ein Zitat):

    Wäre also die Notstromversorgung so gebaut worden, dass sie nicht durch einen von der nahen Küste heranrollenden Tsunami überschwemmt werden kann (beispielsweise durch stabile Aufständerung), dann wäre der ganze Störfall gar nicht eingetreten, und man wúrde jetzt wahrscheinlich bereits technische Vorbereitungen für ein baldiges Hochfahren der Anlage treffen können.

    Bezogen auf Fukushima-1 ist und bleibt das Spekulation. Für die anderen vom Erdbeben betroffenen Anlagen braucht es eine genaue Begutachtung möglicher Schäden, und die wird Monate dauern. Der von Ihnen verlinkte Zustandsbericht besagt lediglich, dass die Lage dort unter Kontrolle ist. Er besagt nicht, dass die Anlagen intakt und quasi betriebsbereit sind.

    Viertens, wo Sie Sachlichkeit fordern, da sollten Sie sich selbst auch formal unbedingt um Sachlichkeit bemühen und die Contenance selbst dann wahren, wenn Ihnen z.B. ein Link nicht gefällt oder jemand nicht zu 100% Ihre Meinung teilt. Das gelingt Ihnen nach meinem Eindruck nicht immer.

  62. @Chrys

    Wenn Sie mir nicht mehr die wirklich nicht gefallene Aussage unterstellen, die Reaktoren hatten ohne den Notstromausfall das Beben völlig schadlos überstanden, bin ich schon zufrieden.

    Die taz haben Sie als Quelle genannt – da muss ich davon ausgehen, dass Sie sie als seriös werten. Warum würden Sie sich sonst darauf berufen? Ich teile diese Einschätzung, die Tatsache, dass sich dort nachweislich eine Falschaussage fand, ist dazu ein hinreichender Grund.

    Dass ein altes Kraftwerk wie Fukushima 1, insbesondere Block 1 weitere Mängel aufweisen kann oder Schäden erlitten hat, die eine Inbetriebnahme ausgeschlossen hätten, auch wenn es nicht zu diesem Unglück gekommen wäre, mag sehr wohl sein.

    Meine bis jetzt mehrfach begründete Aussage war im Wesentlichen, dass es für die vielfach unterstellte Zwangsläufigkeit (in einigen Kommentaren hier und auch in den Medien) plausible Gegenargumente gibt.

    Meine Meinung nicht zu teilen ist eine Sache, verfälschend zu zitieren, eine andere. Ich kann mir kaum vorstellen, adss Ihnen der Unterschied nicht genau bewusst ist.

  63. Zitat M. Mittermeier im ZDF, Heute-Show

    “Wer glaubt, dass Atomkraft sicher ist, der glaubt wahrscheinlich auch, dass Kinder nur kacken, wenn sie Windeln anhaben.”

    #mittermeier #heuteshow (Twitter-Hashtags für die, die wissen wollen, was auf #ZDF los war)

    Videobeweis (extended): http://t.co/a80GF41

  64. @Michael Khan

    Die Worte „völlig schadlos“ hatte ich verwendet, aber durchaus nicht in der Absicht, Ihnen diese in den Mund legen zu wollen. Wenn Sie das so verstanden hatten, dann wäre das ein bedauerliches Missverständnis. Mir ist auch nicht entgangen, dass Sie das einschränkende Attribut „wahrscheinlich“ mit Bezug auf das angesprochene baldige Hochfahren verwendet hatten (wobei mir an dieser Stelle die Formulierung „möglicherweise“ zutreffender erscheint, dem liesse sich auch schwerlich widersprechen).

    Im übrigen betrachte ich mich weder als Kernkraftgegner noch als deren Befürworter. In diese Kategorien möchte ich mich nicht pressen lassen, und meine Einstellung ist da insgesamt eher ambivalent. Was am meisten Sorge bereitet, ist verantwortungsloser und fahrlässiger Umgang mit der Nukleartechnik und deren Folgen. Gerade mit Blick auf Deutschland kann man aber bezweifeln, dass derzeit die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft die hierfür erforderliche Kompetenz mitbringen.

  65. @chrys

    Was am meisten Sorge bereitet, ist verantwortungsloser und fahrlässiger Umgang mit der Nukleartechnik und deren Folgen. Gerade mit Blick auf Deutschland kann man aber bezweifeln, dass derzeit die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft die hierfür erforderliche Kompetenz mitbringen.

    Ich stimme Ihnen in diesen Punkten unbedingt und vollinhaltlich zu.

  66. >> Kritisieren möchte ich nun zuerst die Regierung Japans: Wieso gibt es keine detaillierten Informationen über die Lage in Fukushima I? Wieso bitten Japaner über Facebook ihre Freunde im Ausland, ihnen Nachrichten über Fukushima zukommen zu lassen? Wieso lässt die Regierung keine Fachleute ins Land, die Erfahrung mit solchen drohenden nuklearen Katastrophen haben? Wieso bittet Japan nicht um Hilfe? Ist die japanische Regierung zu stolz, sich helfen zu lassen? Ich denke, diese Fragen treffen es auf den Kopf und legen die teilweise hilflose Situation von Japans Krisenmanagement offen.

  67. Noch Mal zum Atomfilz in Japan

    Da meine vorangegangene Äußerung in der Wiedergabe verstümmelt wurde, hier noch ein Versuch.
    Vielleicht wird vielen verständlich, warum in Japan so blind ein Atomkurs gefahren wurde, wenn man den Artikel im Handelsblatt vom 2.8.11 liest: „SKANDAL UM JAPANISCHE ATOMAUFSICHT – Wenn Aufseher zu Anstiftern werden“.
    2.8.11 http://www.handelsblatt.com/politik/international/wenn-aufseher-zu-anstiftern-werden/4452312.html
    Raimund Kamm

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