EHEC-Ausbruchstamm identifiziert (Update)

Im Konsiliarlabor des Robert Koch-Instituts (RKI) am Institut für Hygiene der Universitätsklinik Münster konnte gestern Abend endlich der genaue Bakterienstamm identifiziert werden, der derzeit für den Ausbruch des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) verantwortlich ist. Es handelt sich nicht um einen neuen, sondern um einen "altbewährten" Stamm des Serotyps O104 (er besitzt also spezielle Oberflächenproteine), der hier auch als HUSEC 41 bekannt ist und zu den 42 bereits bekannten EHEC-Typen, die seit 1996 bisher in Deutschland kursierten, zählt. Seit 2007 sind in Deutschland zu den 42 Stämmen keine weiteren dazugekommen, weswegen man bisher bei der Aggresivität des Infektionsverlaufes daran dachte, man hätte es mit einem neuen Stamm zu tun, was sich ja jetzt als falsch herausgestellt hat. Das Genom des derzeit kursierenden Stammes wurde bisher noch nicht komplett entschlüsselt und so muss man weiterhin darauf warten, ob es nicht doch noch signifikante Mutationen aufweist, die den bisher unauffällig in Erscheinung getretenen Stamm so aggresiv machen. Solche Untersuchungen laufen aber schon, ebenso wie die Entwicklung eines Schnelltests, der bei Patienten bzw. Verdachtsfällen eine schnelle Bestätigung der neuen Erregervariante bieten soll.

Bisher kann man sagen, dass dem Ausbruchsstamm das eae-Gen fehlt, welches normalerweise für die Bildung des Enterohämolysins verantwortlich ist. Er besitzt dafür das für die Eisenaufnahme und Anheftung wichtige iha-Gen und schüttet das Shiga Toxin 2 aus, welches wesentlich giftiger als das Shiga Toxin 1 aus anderen Stämmen ist. Zudem konnte das für das Flagellin kodierende flicH4 Gen nachgewiesen werden, welches für ein Protein kodiert, das in den Flagellen des Bakteriums vorkommt. Der O104-Stamm ist zudem ein ESBL-Produzent ist, was bedeutet, dass Peniciline und Cephalosporine gegen diesen Stamm nicht wirksam sind. Zudem weist er eine breite Mehrfachresistenz u.a. gegen Trimethoprim/Sulfonamid und Tetrazykline auf. Es ist allerdings schon bekannt, dass die EHEC-Bakterien nicht mit Antibiotika abgetötet werden, sondern infizierte Personen nur symptomorientiert betreut werden können, meistens in Form einer Dialyse.

Gleichzeitig zu den Untersuchungen in Münster konnte am nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger des RKI in Wernigerode an zwei Patienten-Isolaten aus Hessen bzw. Bremerhaven der gleiche Stamm identifiziert werden, womit man sich nun sicher sein kann, dass der Serotyp O104 deutschlandweit für die Infektion verantwortlich ist. Die Infektionsquelle ist bisher leider noch unbekannt, aber vorläufige Ergebnisse aus der EHEC/HUS-Studie des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass betroffene Patienten aus Hamburg signifikant häufiger rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate verzehrt hatten als gesunde Studienteilnehmer. Demnach ist zu empfehlen, das bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren sind.

 
+++Update 14:50 Uhr+++
 
Mittlerweile hat das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt eine spanische Salatgurke als Träger der EHEC-Bakterien eindeutig identifiziert. Zwei weitere spanischen Gurken und einer Gurke bislang unbekannter Herkunft lieferten in Untersuchungen ebenfalls positive EHEC-Nachweise. Damit ist die Sache allerdings noch lange nicht geklärt, da der Ausbruchsgrund somit wahrscheinlich nur im norddeutschen Raum besser eingegrenzt werden kann. Infektionen sind aber noch in anderen Städten aufgetreten und somit dürfen weiterhin nicht nur allein Gurken für eine Infektion verantwortlich gemacht werden. Wie übrigens eine Analyse aussieht und wieso sie sich so schwierig gestaltet, kann man hier nachlesen.    
 
„Der Verzehr verunreinigter Gurken würde viele der HUS-Fälle in Hamburg erklären. Da die Studie jedoch bislang lediglich in Hamburg durchgeführt wurde, hat sie nur bedingt Aussagewert für andere betroffene Orte“, so die Gesundheitssenatorin Hamburgs Cornelia Prüfer-Storcks. „Es ist also nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle in Frage kommen.“
 

 


Quellen: 

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Sebastian Reusch ist studierter Biologe und spezialisierte sich auf molekularbiologische Fächer wie Genetik und Zellbiologie. Seine Abschlussarbeit machte er am Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin, wo er an Prozessen in weißen Blutkörperchen forschte.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ist es ernsthaft möglich so eine „Seuche“ auf einen einzelnen Erzeuger zurück zu führen?
    Und wie wahrscheinlich ist es, dass mehrere gleichzeitig solche Verunreinigungen haben?
    Ist das nicht alles sehr merkwürdig?

  2. @Horst

    Ist es ernsthaft möglich so eine „Seuche“ auf einen einzelnen Erzeuger zurück zu führen?

    Es wurde jetzt ja von mehereren Labors unabhängig voneinander bestätigt, dass es sich um den EHEC Serotypen O104 handelt. Diese Seuche geht also allein auf ihn zurück, natürlich ist das möglich. Die Frage, die natürlich noch immer geklärt werden muss, ist, wo und womit sich die betroffenen Patienten genau infiziert haben, da ist mit der spanischen Gurke noch keine ausreichende Antwort gefunden, da dies ja – wie es im Moment aussieht – nur auf die Infizierten aus Hamburg zutrifft.

    Und wie wahrscheinlich ist es, dass mehrere gleichzeitig solche Verunreinigungen haben?

    Sehr wahrscheinlich, wenn die Infektionsquelle überall die gleiche ist und sich deutschlandweit verteilt hat! Das weiß man aber leider noch nicht.

    Ist das nicht alles sehr merkwürdig?

    Solange die Suche nach der Quelle der Infektion deutschlandweit noch nicht abgeschlossenen ist, kann man natürlich viel spekulieren. Das bringt aber niemanden weiter.

  3. EHEC

    Es ist mal wieder typisch, unser Essen wird verseucht. Aber anstatt die Schuld bei anderen zu suchen sollten wir mal an unsere eigene Nase packen. Unsere Felder werden mit Gülle verseucht und diese Schweinerei geht in unsere Nahrungskette. In einem Dorf an der Schweizer Grenze wurde jahrelang Gülle auf die Felder entsorgt und das resultat war, die Leute erkrankten an der Leber. Man stellte fest, dass im Gründwasser Kolibakterien waren. Normaler weise wird die Gülle durch Regen in den Boden geschwämmt und so macht uns diese Sch…. auf andere Art krank, aber wir haben einen extrem trockenen Frühling und ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Sch… direkt auf dem Gemüse liegt und nur mit kaltem Wasser abspülen bringt nichts. Wenn ich denke was die Viecher alles zu fressen kriegen, Medikamente und und und. Den Sch… bekommen wir dann in unserem Gemüse zu essen. Ich wette, dass das Problem mit EHEC-Erreger daher stammt.
    MFG, Constanze Steegmiller

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