Setzt die Wissenschaft dem Populismus zu wenig entgegen? Ihre Meinung!

In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen fordert Joachim Müller-Jung auf Seite 1 in einem Leitartikel von den Wissenschaftlern und den wissenschaftlichen Institutionen, sich entschiedener gegen die „postfaktischen“ Behauptungen populistischer Rattenfänger zu wenden. Die „weltentrückten Wissenschaftler“ würden sich aber stattdessen nur mit sich selbst beschäftigen und passiv bleiben gegenüber den gesellschaftlichen Entwicklungen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Der Klimawandel, Evolutionstheorie, der Nutzen von Impfungen – all das und vieles mehr wird heute von Populisten geleugnet. Zugleich geht es wissenschaftlichen Institutionen an den Kragen: Die NASA soll die Klimaforschung und die Fernerkundung der Erde beenden und sich auf die Erforschung des Weltraums beschränken, wie es in dem Artikel aus der Umgebung des künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump heißt. Ich selbst habe erst in der letzten Woche mit Vertretern des US-amerikanischen National Endowment of the Humanities (NEH), einer Art DFG für die Geisteswissenschaften, gesprochen, die gerade ganz konkret die Schließung dieser Förderorganisation und ihre eigene Arbeitslosigkeit fürchten. Dass die NEH überflüssig sei und geschlossen werden müsse, war nämlich Programm der Republikaner und auch ihres Präsidentschaftskandidaten im letzten Wahlkampf. Der FAZ-Leitartikler wertet derartige Tendenzen als „Gift für die Gesellschaft“, weil sie das „Vertrauen auf eine bestimmte Art des Denkens“ zerstören würden, das nämlich „systematisch durch Experiment und Beobachtung die Zusammenhänge der Welt zu erfassen“ erlaube. „Volksverdummung“ werde zum Programm, und das Vertrauen in die Wissenschaft erodiere gefährlich schnell. Ein Symptom davon sei vor allem in Deutschland auch, dass beispielsweise Gentechnik und Big-Data-Analysen als Gefahren bekämpft und nicht etwa die Chancen darin gesehen werden.

Die Wissenschaftler haben, so Müller-Jung, dem nichts entgegen zu setzen. Ihnen fehlt eine passende Rhetorik, und die Wissenschaft sei ja per se nicht in die einfachen Schemata des Populismus zu pressen. Viel schlimmer jedoch sei die „Trägheit der Wissenschaftler und ihrer Institutionen“. Das Elitäre habe sie selbst in die Isolation getrieben. „Und wiewohl sie den Ruf nach mehr Transparenz, Offenheit und Bürgernähe seit Jahren hören und gelegentlich mit mehr Offenheit experimentieren, bleiben die Gelehrten gesellschaftlich passiv. Wenn sie sich empören, dann über fehlender Gelder und geplante Mittelkürzungen.“ Der Autor vermisst den „Aufschrei der unabhängigen Akademien und der politischen Würdenträger“, wenn das wissenschaftliche Denken von den Populisten attackiert wird. Sie seien als Gestalter der Zukunft in der Verantwortung, dem „populistischen Kokolores“ etwas entgegen zu setzen.

Kann man es sich so einfach machen? Ich selbst bin hin und her gerissen. Die Vermittlung von Wissenschaft in die Öffentlichkeit spielt heute eine große Rolle, auch an den Hochschulen und Forschungsinstitutionen, und nicht zuletzt zeigen die vielen Wissenschafterinnen und Wissenschaftler hier auf den SciLogs, wie wissenschaftliche Themen verständlich aufbereitet werden können. Es passierte und passiert also eine ganze Menge.

Auf der anderen Seite ist tatsächlich ein Defizit darin zu verzeichnen, sich mit den geschilderten Angriffen von populistischer Seite direkt auseinander zu setzen. Die Wissenschaft ist ja, wie man wohl zugeben muss, ein weitgehend in sich selbst zirkulierendes System aus sozialen Beziehungen, Institutionen, Anreizen und Reputationsmechanismen. Und viele Wissenschaftler kennen wohl das Gefühl, sich fragen zu müssen, was für einen Sinn dieses oder jene Projekt denn überhaupt hat oder ob ein Institut oder eine Abteilung das viele Geld, dass sie kosten, noch rechtfertigt. Aber der Blick aus diesem System heraus ist alles andere als einfach, wenn man sich erst einmal darin bewegt. Gerade an den Universitäten sind die Professorinnen und Professoren darüber hinaus mit einer kaum überschaubaren Menge an Verwaltungsaufgaben befasst, die es teilweise auf Tage und Wochen verhindern, sich intensiv mit fachlichen Inhalten zu befassen. Und die Exzellenzinitiative trimmt uns alle seit nunmehr zehn Jahren dazu, Exzellenz in der Grundlagenforschung anzustreben.

Da bleibt tatsächlich bei vielen keine Zeit für einen Zeitungsartikel, eine öffentliche Diskussion oder einen Blog-Beitrag. Und wenn wir derartiges doch einmal zustande bekommen, dann stellt sich die Frage, ob wir diejenigen, die durch populistische Stimmungsmache gegen die Vernunft aufgestachelt worden sind, mit einer wissenschaftlich ausgewogenen, abwägenden und problembewussten Rhetorik überhaupt noch erreichen können.

Was ist Ihre Meinung? Sind die Wissenschaftler und ihre Institutionen tatsächlich so weltentrückt, wie Müller-Jung es behauptet? Versteckt sich die Wissenschaft in ihrem Elfenbeinturm und beschäftigt sich zu sehr mit sich selbst, anstatt sich in die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen offensiv  einzuschalten?

 

Ergänzung am 27.11.2016: Der SciLogs-Kollege Markus Pössel befasst sich in einem aktuellen Beitrag in „Relativ einfach“ ebenfalls mit dem Artikel von Joachim Müller-Jung. Eine weitere Entgegnung aus Sicht des Wissenschaftsjournalismus ist im Blog von Jens Rehländer erschienen.

Beitragsbild: Die Elfenbeintürme der Maughan Library des King’s College London, Public Domain. Bearbeitung.

 

 

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www.lobin.de

Henning Lobin ist seit 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2007 bis 2016 leitete er dort das interdisziplinäre Zentrum für Medien und Interaktivität, in dem die Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen auf Wissenschaft, Kultur und Bildung untersucht werden. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Texttechnologie, die multimediale Wissenschaftskommunikation und der medienkulturelle Wandel durch die Digitalisierung. Gegenwärtig ist er u.a. Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim und des Fachkollegiums "Sprachwissenschaft" bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bei den SciLogs ist Henning Lobin Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis" und Gast-Autor im Blog "Wissenschaftskommunikation hoch 3" der ACATECH, für die er auch als externer Experte für Fragen der Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien fungiert. Lobin ist Autor von sieben Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben (Bücher bei Amazon, bei Buch.de und im Buchhandel). Zuletzt erschienen: Engelbarts Traum (Campus, 2014).

50 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Kritik ist in mancherlei Hinsicht berechtigt. Es gibt einerseits zwar (Geistes-) Wissenschaftler, die schon lange z. B. Gewerkschaften, Jugendorganisationen oder Lehrer bei deren Einsatz gegen all das beraten, was jetzt in den sozialen Medien seine stupiden Auswüchse zeigt. Andererseits aber belohnt das Wissenschaftsystem grundsätzlich nicht das Erzeugen von allgemeinverständlichen Erklärungspublikationen, sondern ausschließlich in elaborierter Fachsprache codierten Erkenntniszuwachs. Wissenschaft ist also nicht weltentrückt, sondern war schon immer weltanalysierend. Die Adressaten dieser Analyseergebnisse sind jedoch primär andere Wissenschaftler. Und es ist nicht deren Problem, dass grundlegende Mittlerinstanzen zwischen Wissenschaft und Bevölkerung entweder nicht hinreichend wahrgenommen werden (z.B. populärwiss. Zeitschriften), nicht hinreichen anspruchsvoll sind („Wissenschafts“-Magazine im TV/Youtube-Erklärvideos) oder nicht über die intellektuellen Ressourcen verfügen, wissenschaftliche Erkenntnisse angemessen zu verstehen (Berufspolitiker). Davon abgesehen würde das übliche Facebookdenken nach dem Motto „was meine Ansichten nicht stützt, wird nicht geteilt“ ohnehin jede faktenbasierte Argumentation, die nicht passt, als „Lügenwissenschaft“ ablehnen.

    • Diese Frage möchte ich nachdrücklich unterstützen. Der Begriff „Populismus“ wäre erst mal wissenschaftlich sauber zu definieren. Politiker benutzen ihn heute zur schnellen Abfertigung. Das sollten wir nicht nachmachen!

      • Wozu der Wunsch nach sauberer, wissenschaftlicher Definition?
        Wo es so ein Ding sowieso nicht gibt. Definitionen sind mal mehr, mal weniger präzise.
        Und wo es hier auch nicht um ein wissenschaftliches Thema geht, sondern um ein gesellschaftliches.

        So ein Wunsch ist dann eher Ablenkungs- und Diskursverhinderungsversuch.
        Populismus, wenn man so will… und kein Populismus, wenn man sich die Definition anders zurechtlegt.

        Aber es geht ja nicht primär um Populismus, sondern um Faktenverdreherei.
        Und dafür braucht es keine „saubere wissenschaftliche Definition“, die kann jeder selbst problemlos nachvollziehen.
        Wenn er denn will.

        • Derartige Traktate
          -> http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41192/was-ist-rechtspopulismus?p=all
          … meinen halt bestimmte, hier: bundesdeutsche Sicht, die nicht allgemein als gut, sachnah und verständig angenommen werden, auch bspw. diese Übung
          -> https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenbezogene_Menschenfeindlichkeit
          …so gut der Ansatz auch ist, Dr. W hätte hier abär gerne eine grundlegendere Systematik, finden international keine besondere Resonanz, auffällig auch, dass in der bekannten Online-Enzyklopädie keine anderssprachigen Texte bereit gestellt werden, eben nur dieses bundesdeutsches Dokument.

          Insofern könnte hier jeweils Schulungsmaßnahme vorliegen, die BRD betreffend.


          Populismus kann sinnhaft nur zusammen mit seinem Antonym, dem Elitismus, bearbeitet werden, beides kann gut oder schlecht sein, in den Extrema ist beides schlecht, aber ansonsten liegt womöglich nur eine Übung der sog. Politischen Korrektheit vor, auf bundesdeutsche Art.

          HTH („Hope this helps“)
          Dr. Webbaer

    • Gern: Ihre Aussage ist so nicht im Artikel enthalten. Vielmehr ist richtig, dass Populisten gern auch derartige un- oder antiwissenschaftliche Positionen beziehen. Der Umkehrschluss, dass also etwa „Klimaleugner“ automatisch Populisten wären, gilt selbstverständlich nicht.

  2. Die (leider meistens nur primär materiell fokussierte, Menschsein ausgeschlossen?) Wissenschaft hat ein paar ganz normale menschliche Probleme.
    Egal wie sie als heutige neue und absolute Erkenntnisquelle gehypt wird.

    1. sie weiß bisher das meiste schlicht nicht (Beweis: die Fragen werden auch heute eher immer mehr als weniger, ab 50% Wissen würden sie abnehmen), ist also noch stark unzuverlässig, also immer noch stark glauben und raten.
    Zumindest objektiv betrachtet.
    Kurzform… (Beweise für diesbezügliche ständige Gesinnungswechsel gibt’s ja wie Sand am Meer, ok, zumindest der, Bausand global, wird ja leider immer weniger)

    2. sie muß finanziert werden und man beißt eben ungern in die (auch eventuell nicht so neugierige) Hand die einen füttert.

    3. es menschelt auch in ihr ganz normal. Siehe nur zB Max Plancks Zitat über die Durchsetzung neuer Theorieen.

    Speziell die Historiker scheinen eine besonders lange Leitung zu haben.
    Siehe zB die wirkliche Ursachen der Kubakrise (die wird sogar „schon“ in Wikipedia genannt: vorherige US-Atom-Jupiterraketen in der Türkei) oder zB erstmal des ersten Weltkriegs.
    Wenn schon objektive Tatsachen wie nur zB Herr Schäubles Aussage 2011, dass Deutschland seit 1945 nicht mehr souverän ist (ist aus verschiedenen Gründen nur vernünftig) ist als Verschwörungstheorie abqualifiziert wird…

  3. Wissenschaft ist einfach Teil der Gesellschaft , mit allen positiven und negativen Seiten. Sie ist , wie oben beschrieben , genauso der Unbill der Ökonomisierung ausgesetzt wie andere Institutionen , und es dürfte alles andere als leicht sein , damit umzugehen.

    Es gibt aber auch Hausgemachtes. Teile der Wissenschaft sind hoffnungslos der politischen Korrektheit verfallen und damit einer modernen Form des Aberglaubens , mit gleich zwei gravierenden Folgen:

    Daß gerade Wissenschaftler eine solch irrationale Ideologie untermauern , wirkt sich katastrophal auf die Glaubwürdigkeit der gesamten W. aus , da kann an anderen Stellen dann noch so seriös gearbeitet werden.
    Darüberhinaus ist die politische Korrektheit einer der stärksten Motoren des Rechtspopulismus.

    Und noch etwas:
    Zu den „Fakten“ gehört auch , besser zu analysieren , daß es oft nicht um Fakten geht.
    Gerade die Pegida gibt oft Dinge über Flüchtlinge von sich , die eher in den Bereich der Psychiatrie gehören , aber mit Fakten ist da nichts zu wollen. Widerlegt man da 10 Fakten , denken die sich 10 neue aus.

    Die wollen zuerst hassen und denken sich hinterher die Gründe dafür aus , und nicht umgekehrt.
    Daß sie sich strategisch dabei ausgesprochen dämlich anstellen , wäre eigentlich eine Chance – aber Teile der Wissenschaft ziehen es vor , sich auf dem selbstgerechten Begriff des „Postfaktischen“ auszuruhen und damit zu zeigen , daß es Ihnen eigentlich nur darum geht , intellektuell ein bißchen die Nase zu rümpfen.

  4. Nicht weltentrückt, aber das Denken ist sehr kurzfristig.
    Langfristig denken z.B. Dynastien und Kirchen.
    Wenn der kontrollierende Herr nicht zahlt, gibt’s eben keine Publikation.
    Und die Wissenschaft wird ihm wohl gewogen sein müssen.

    Es gibt keine einzige demokratische Institution, die dem etwas entgegensetzen könnte.
    Volksherrschaften werden gelegentlich ausgebuht, verschwinden aus der Geschichte und all ihr Wissen mit. Königliche Annalisten sind schließlich nicht für Pöbel zuständig.

    Laden Sie ein paar Google-Übersetzungen dazu herunter (z.B. Josephus, dem keiner mehr glaubt, weil er so oft bearbeitet wurde), lesen Sie die Vorworte, prüfen Sie auch Versionen anderer Sprachen, dann bekommen Sie einen guten Einblick, was man für Wissenschaft halten kann. Und meißeln Sie das alles in einen Stein, der die nächsten Kalenderreformen überdauert.

    Eine andere Möglichkeit ist natürlich, dass es sich bei all dem um ein Zeitphänomen handelt, das die Wissenschaft noch nicht erforscht hat.

    Mit freundlichen Grüßen

  5. Das Fakten, selbst wenn sie eindeutig sind, was in der Wissenschaft nicht immer der Fall ist, gegen Irrationalität wirken, kann man nur glauben, wenn man in der Blase der Rationalität gefangen ist. Wie man bei den Anhängern der Homöopathie sieht, sind selbst Gebildete (d.h. mit Abitur, zumTeil mit Medizinstudium) faktenresistent.

  6. Wenn die Wissenschaft glaubt, sei für den öffentlichen Diskurs verantwortlich, geht sie in die gleichen Fallen wie die Literatur, die Philosophie, der Journalismus, die Pädagogik und praktisch alle politischen Ideologen:
    1. Den Glauben, ihr Verhalten wäre für den gesellschaftlichen Diskurs so wichtig, dass das einen grundsätzlichen und direkten Einfluss hat.
    2. Den Glauben, die Fachkompetenz würde sich auf die Kompetenz in allgemeingesellschaftlichen Fragen übertragen. Was, mit Verlaub gesagt, Blödsinn ist, Kompetenzen übertragen sich nicht automatisch, und die Kompetenzen der Wissenschaftler liegen im Bereich der Faktenfindung, während es hier um Politik geht, also den Bereich des Wünschenswerten.

    Es geht nicht um die Verantwortung der Wissenschaftler für die Gesellschaft.
    Es geht darum, was die Wissenschaftler zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen können – und bitteschön nicht als selbstangemaßte und ihnen von niemandem übertragene Verantwortung, sondern als Beitrag, der dem Publikum vorzustellen und von ihm in eigener(!) Verantwortung zu bewerten ist.

    Und die Wissenschaft kann bei den konkret vorgetragenen Lügen nicht viel Besonderes beitragen: Faktenchecks kann jeder im Grunde selbst durchführen.
    Sie kann für den kritischen und unvoreingenommenen Geist werben.
    Sie kann das Phänomen der Filterblase untersuchen.
    Die kann, und das ist besonders in den Sozialwissenschaften derzeit ein Problem, die eigene Forschung auf methodisch saubere Grundlagen stellen – ausgerechnet in diesem Bereich, wo die Politik tatsächlich mal berührt wird, ist gerade erst ein Skandal allererster Güte hochgepoppt, dass nämlich die statistischen Methoden offenbar jahrelang systematischen falsch angewandt worden sind und man einen Riesenhaufen Forschung einfach wegschmeißen kann. (Die Sozialwissenschaft haben das Vertrauen der Bevölkerung ohnehin schon lange verloren, weil bekanntgewordenen Ergebnisse sich ja in der Praxis auch nicht so recht bewährt haben – da wendet sich das Publikum irgendwann eben doch ab. Die Medizin hat übrigens ähnliche Probleme, zu jeder Studie findet man ja sofort das genaue Gegenteil, immerhin sind die Probleme benannt worden, aber Gegenmaßnahmen setzen sich immer noch nicht so recht durch – da muss „die Wissenschaft“ sich nicht wundern, wenn sie als interessengeleitet und wenig vertrauenswürdig wahrgenommen wird, ausgerechnet die am unmittelbarsten gesellschaftsrelevanten Zweige sind ziemlich korrumpiert.)

  7. Faktenresistenz beim Glauben an die anthropogene Kohlendioxidemission als Ursache des Klimawandels?
    Dazu ein paar wenige Fakten: Noch vor wenigen Jahrzehnten behauptete „Die Wissenschaft“ eine Abkühlung der Erdatmosphäre aufgrund der stark zugenommenen industriellen Umweltverschmutzung und durch den Individualverkehr.
    Wer versteht, sogar als einschlägiger Fachwissenschaftler, das komplexe Wettergeschehen? Zuverlässige Voraussagen über größere Gebiete und vor allem größere Zeiträume sind trotz aller Fortschritte der Messtechnik wie auch der Computertechnologie auch heute nicht möglich. Aber über das Weltklima will man mit Hilfe einiger Computermodelle, die ihrerseits nur auf einer für die komplexe Fragestellung viel zu dünnen Faktenlage verfügen, „wissenschaftliche“ Aussagen machen?
    Wissenschaft soll hier offensichtlich instrumentalisiert werden. War das in den Naturwissenschaften als den Königsdisziplinen moderner Wissenschaftlichkeit bisher kaum möglich – die keplerschen Gesetze sind auch nach vierhundert Jahren gültig und lassen sich durch Political Correctness nicht korrumpieren – , so scheinen die Einfallstore Meteorologie oder Humanmedizin aufgrund der weitgehend unverstandenen Komplexität ihres Forschungsgegenstandes (wer etwas anderes behauptet, ist seinerseits faktenresistent) geeignet, politische Forderungen mit scheinbar (natur-)wissenschaftlicher Autorität zu untermauern.
    Seriöse Wissenschaft bleibe lieber im geschmähten Elfenbeinturm, als sich durch Liebedienerei den Interessen ihrer Geldgeber zu unterwerfen, was sie sowieso schon in viel zu großem Ausmaß muss. Kopernikus, Kepler, Galilei, Redi (Lebendiges entsteht nur aus Lebendigem, es gibt keine Urzeugung aus Schlamm; Folge: Scheiterhaufen), Newton usw. bis hin zu Max Planck, Einstein, Heisenberg usw. hätten ihre bahnbrechenden Forschungen, die das hohe Ansehen moderner Naturforschung begründeten, nicht gemacht, hätten sie den Interessen der damaligen Geldschaufelmaschine „römische Kirche“ gedient, anstatt sich im vielgeschmähten Elfenbeinturm nur der Wahrheit und nicht einer wie auch immer von der herrschenden Klasse formulierten „gesellschaftlichen Verantwortung“ verpflichtet zu fühlen.
    Schon die im genannten Aufruf fälschlich als wissenschaftlich gesichert vorausgesetzte anthropogene Kohlendioxidemission als Ursache des Klimawandels ist ihrerseits faktenresistent. Um Goethe zu zitieren: Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt.
    Naturwissenschaftler aller Länder, bleibt bei der Wahrheit!

  8. Blogs, in denen man Beiträge nachträglich nicht mehr korrigieren kann, wenn man sie endlich in ihrer Endform zu Gesicht bekommt und noch einmal endgültig korrekturliest, sind unzeitgemäß und/oder infotechnisch unterbelichtet. – So werde ich diesen Blog in Zukunft ignorieren.

    • Tut mir leid, dass das auf dieser Plattform so eingerichtet ist. Das ist keine spezifisches Problem der „Engelbart-Galaxis“, und einige Blogger haben die Editierbarkeit der Kommentare durch die Verfasser bei den Verwaltern der Scilogs auch schon angemahnt. Bitte nicht zu sehr ärgern und trotzdem wieder hereinschauen!

      • Henning Lobin schrieb (27. November 2016 @ 13:13):
        > Tut mir leid, dass das auf dieser Plattform so eingerichtet ist. […]

        Von gewissen „Einrichtungen dieser Plattform“ bin ich selbst auch
        gerade wieder überrascht worden:
        nämlich dass dieser Kommentar(-Versuch)
        offenbar doch (wenn auch mit mehr-minütiger Verzögerung)
        veröffentlicht wurde, obwohl ich darin versehentlich mehr als die
        (gewohnter Weise tolerierten) zwei ULRs benutzt hatte;
        was ich aber erst bemerkte, als ich eine entsprechend modifizierte Kommentarversion eingereicht hatte (die dann auch gewohnt prompt veröffentlicht wurde).

        Das tut mir leid.
        Stünde eine entsprechende Kommentarvorschau in dieser Plattform zur Verfügung, wäre diese Kommentardoppelung und damit verbundene eventuelle Unannehmlichkeiten zu vermeiden gewesen.

        > einige Blogger haben die Editierbarkeit der Kommentare durch die Verfasser bei den Verwaltern der Scilogs auch schon angemahnt

        Oh! (Auch das noch! …)
        Hoffentlich nicht auf Kosten der auf dieser Plattform gewohnten, hochgeschätzten Barrierefreiheit beim Einreichen von Kommentaren!

        Dann doch wesentlich lieber, hiermit zum gefühlt hundertsten Male erbeten: bitte endlich eine Kommentarvorschau für diese Plattform!

        Oder womöglich noch besser:
        wahlweises Verwalten und Einrichten eigener „Plattformen“ für jeden, der sich textlich äußern wollte;
        insbesondere (natürlich auch wahlweise) einschl. der auffindbaren Dokumentierung öffentlicher Kommentare/Bezüge („What links here“).

        (Wie schon mehrfach erwähnt, würde ich für eine derartige allgemein nutzbare „Plattform“ auch gern einen angemessenen Anteil meines „Beitrags für Öffentlichkeitsteilhabe“ eingesetzt sehen …)

  9. Teile der Wissenschaft haben ihre Glaubwürdigkeit verloren, da ihre ´Erkenntnisse´ nicht mehr von Esoterik zu unterscheiden sind. Eine Abgrenzung zu ´Populismus´ ist daher nicht mehr möglich.

    zwei Beispiele – auf die ich hier bei SciLogs mehrfach aufmerksam gemacht habe:
    1) Der Buddhismus (seit 2500 Jahren) und Bischof Augustinus (vor 1600 Jahren, in ´Bekenntnisse´, Buch 11, Kapitel 13-29) gehen davon aus, dass ZUKUNFT und VERGANGENHEIT in der Realität nicht existieren – und dass GEGENWART nur als imaginärer Übergang passiert (ohne Dauer). Kurz gesagt: die Zeit-DAUER als 4. Dimension gibt es nicht.
    Die Physik hat bis heute keine nachvollziehbare Definition für das Wesen von Zeit vorgelegt. Schlimmer noch: Es wird eine 4D-Raumzeit und die Möglichkeit von Zeitreisen diskutiert (Aktuell wurde bei Spektrum.de ein Kommentar dazu veröffentlicht).
    Die Zeit-DAUER als wichtige Idee zu benutzen, ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, eine Definition für ZEIT vorzulegen – das ist Esoterik.

    2) Die sogenannte ´Nahtod-Erfahrung´(NTE) weist eine deutliche Struktur auf, die schon 1975 veröffentlicht wurde (Buch von Dr. Moody ´Life after Life/Leben nach dem Tod´). Obwohl nachvollziehbare STRUKTUREN eigentlich genau das sind, was ein seriöser Wissenschaftler für seine Arbeit benötigt, wurden die Strukturen von NTEs bis heute von Geisteswissenschaft und Gehirn-/Gedächtnisforschung komplett ignoriert.
    Ich bin weltweit der Erste und Einzige, der sich die Mühe gemacht hat – diese Struktur zu analysieren. Es gibt keine einzige wissenschaftliche Arbeit mit einer Strukturanalyse (Bitte nachprüfen!).
    Die Wissenschaft hat bei diesem Thema bis heute das Niveau der Esoterik nicht verlassen (z.B. ´The AWARE study´ von 2008-2014 war die größte Studie zu diesem Thema. Im Rahmen dieser Studie hat man teilweise Bilder mit der Bildseite nach oben im Operationssaal angebracht – um zu prüfen, ob herumfliegende Seelen diese Bilder erkennen können.)

    Wenn ein Mensch sich selbst und seine Umgebung so deutlich wahrnehmen kann, dass er darüber berichten kann – dann kann man davon ausgehen, dass er zu diesem Zeitpunkt geistig klar bei Bewusstsein ist. Das ist Allgemeinwissen der Grundschule.
    Bis heute gibt es keine einzige wissenschaftliche Arbeit mit der ausschließlichen Annahme, dass man zum Erlebniszeitpunkt einer NTE geistig klar bei Bewusstsein ist (Bitte nachprüfen !). Aber nur mit dieser Annahme lassen sich NTEs erklären (ein komplettes Erklärungsmodell für NTEs habe ich mit meinem Buch veröffentlicht – Kinseher Richard: Pfusch, Betrug, Nahtod-Erfahrung (die Vorwürfe im Titel beziehen sich auf die Qualität der bisherigen ´Forschung´ und journalistischer Berichte zu diesem Thema)).
    Bei NTEs kann man bewusst erleben, wie das Gehirn einen einzelnen Reiz systematisch und strukturiert verarbeitet. Dies wäre eigentlich ein einzigartigerZugang zur Arbeitsweise des Gehirns – aber ausgerechnet dieser wird von der Wissenschaft komplett ignoriert !!!

    Wenn es keinen Unterschied zwischen ´Wissenschaft´ und Esoterik mehr gibt, dann hat die Wissenschaft ihre Seriosität SELBST verspielt.

    • KRichard schrieb (27. November 2016 @ 05:30):
      > Die Physik hat bis heute keine nachvollziehbare Definition für das Wesen von Zeit vorgelegt.

      Immerhin liegen nachvollziehbare Definitionen physikalischer Messgrößen „von Zeit“ vor:

      – die Beurteilung jeweils eines Beteiligten, welche Wahrnehmungen koinzident (zusammen, als die selbe Anzeige bzw. „Zeit“) gemacht wurden,

      – die (aus Koinzidenzbeurteilungen mehrerer geeigneter Beteiligter konstruierte) Beurteilung der Reihenfolge der Anzeigen jeweils eines bestimmten Beteiligten (also für je drei verschiedene Anzeigen zu bewerten, welche eine davon „zwischen“ den verbleibenden zwei anderen „gewesen“ wäre),

      – die (aus Koinzidenzbeurteilungen mehrerer geeigneter Beteiligter konstruierte) Beurteilung der Verhältnisse von „(Zeit-)Dauern“ (jeweils eines bestimmten Teils der Anzeigenfolge eines bestimmten Beteiligten).

      Es erscheint fraglich, ob es darüber hinaus überhaupt Aufgabe der Physik wäre, (mindestens, oder genau) eine nachvollziehbare Definition für „das Wesen von Zeit“ zu erstellen.

      Hätte die Physik denn schon eine nachvollziehbare Definition für „das Wesen von“ Irgendetwas vorgelegt ??

      Liegt denn überhaupt eine nachvollziehbare Definition für
      das Wesen von“ Irgendetwas vor ??

      > Es wird eine 4D-Raumzeit […] diskutiert.
      Ja, auch: geometrische Beziehungen zwischen (Koinzidenz-)Ereignissen lassen sich anhand ihrer (geeignet definierten, verallgemeinerten) Abständsverhältnisse untereinander darstellen bzw. bewerten;
      die sich insgesamt wiederum als „(1 + n)“-dimensionaler („chrono“-)metrischer Raum bzw. „Raumzeit“ darstellen lassen.

      (Der Wertebereich des Parameters n, abgesehen davon, dass nur positive Zahlen dazu gehören sollten, spielt für unsere Korrespondenz wohl nur eine untergeordnete Rolle.)

      > Es wird […] die Möglichkeit von Zeitreisen diskutiert (Aktuell wurde bei Spektrum.de ein Kommentar dazu veröffentlicht).

      Letzteres meint offenbar den Artikel http://www.spektrum.de/kolumne/zu-besuch-in-der-vergangenheit/1430785
      von Vince Ebert, Kabarettist aus Frankfurt.

      Da stellt sich (sicherlich nicht nur mir) die Frage:
      Setzt die Wissenschaft solchen kabarettistischen Blödeleien zuwenig entgegen?

      Oder ist es vielleicht doch am besten, so zu tun, als hätten wir (wissenschaftlich ernsthaft Interessierte, Gewissenhafte) das nicht bemerkt? …

      p.s.
      KRichard schrieb (27. November 2016 @ 10:46):
      > […] aus nulldimensionalen Punkten […]

      Sicherlich gibt es eine gewisse Inkompatibilität zwischen der Bewertung von „geometrischen Beziehungen“ (wie z.B. „Ausdehnung“ und insbesondere mit dem Messwert „ausdehnungslos“) und der Bewertung von „(physischer) Individuierbarkeit“ (insbesondere mit dem Wert „der selbe Beteiligte“).

      (MBMN ist dadurch letztlich das Kommutatorprodukt, das dem Standardmodell zugrundeliegt motiviert. Ob wir uns aber ausgerechnet in diesem SciLog näher damit auseinandersetzen ? …)

    • KRichard schrieb (27. November 2016 @ 05:30):
      > Die Physik hat bis heute keine nachvollziehbare Definition für das Wesen von Zeit vorgelegt.

      Immerhin liegen nachvollziehbare Definitionen physikalischer Messgrößen „von Zeit“ vor:

      – die Beurteilung jeweils eines Beteiligten, welche Wahrnehmungen koinzident (zusammen, als die selbe Anzeige bzw. „Zeit“) gemacht wurden,

      – die (aus Koinzidenzbeurteilungen mehrerer geeigneter Beteiligter konstruierte) Beurteilung der Reihenfolge der Anzeigen jeweils eines bestimmten Beteiligten (also für je drei verschiedene Anzeigen zu bewerten, welche eine davon „zwischen“ den verbleibenden zwei anderen „gewesen“ wäre),

      – die (aus Koinzidenzbeurteilungen mehrerer geeigneter Beteiligter konstruierte) Beurteilung der Verhältnisse von „(Zeit-)Dauern“; jeweils eines bestimmten Teils der Anzeigenfolge eines bestimmten Beteiligten.

      Es erscheint fraglich, ob es darüber hinaus überhaupt ein Anliegen der Physik wäre, (mindestens, oder genau) eine nachvollziehbare Definition für „das Wesen von Zeit“ zu erstellen.

      Hätte die Physik denn schon eine nachvollziehbare Definition für „das Wesen von“ Irgendetwas vorgelegt ??

      Liegt denn überhaupt eine nachvollziehbare Definition für „das Wesen von“ Irgendetwas vor ??

      > Es wird eine 4D-Raumzeit […] diskutiert.

      Ja, auch: geometrische Beziehungen zwischen (Koinzidenz-)Ereignissen lassen sich anhand ihrer (geeignet definierten, verallgemeinerten) Abständsverhältnisse untereinander darstellen bzw. bewerten;
      die sich insgesamt wiederum als „(1 + n)“-dimensionaler („chrono“-)metrischer Raum bzw. „Raumzeit“ darstellen lassen.

      (Der Wert oder zumindest der Wertebereich des Parameters n, abgesehen davon, dass nur positive Zahlen dazu gehören sollten, spielt für unsere Korrespondenz wohl nur eine untergeordnete Rolle.)

      > Es wird […] die Möglichkeit von Zeitreisen diskutiert (Aktuell wurde bei Spektrum.de ein Kommentar dazu veröffentlicht).

      Letzteres meint offenbar den Artikel
      http://www.spektrum.de/kolumne/zu-besuch-in-der-vergangenheit/1430785
      von Vince Ebert, Kabarettist aus Frankfurt.

      Da stellt sich (sicherlich nicht nur mir) die Frage:
      Setzt die Wissenschaft solchen kabarettistischen Blödeleien zu wenig entgegen?

      Oder ist es vielleicht doch am (sprichwörtlich) besten, so zu tun, als hätten wir (wissenschaftlich ernsthaft Interessierte, Gewissenhafte) das nicht bemerkt? …

      p.s.
      KRichard schrieb (27. November 2016 @ 10:46):
      > […] aus nulldimensionalen Punkten

      Sicherlich gibt es eine gewisse Inkompatibilität zwischen der Bewertung von „geometrischen Beziehungen“ (wie z.B. „Ausdehnung“, insbesondere mit dem Messwert „ausdehnungslos“; oder „Dauer“, insbesondere mit dem Messwert „Null; koinzident“) und der Bewertung von „(physischer) Individuierbarkeit“ (insbesondere mit dem Wert „der selbe Beteiligte“; oder „die selbe Anzeige“ des in Frage stehenden Beteiligten).

      (MBMN ist dadurch letztlich das Kommutatorprodukt, das dem Standardmodell zugrundeliegt motiviert. Ob wir uns aber ausgerechnet in diesem SciLog näher damit auseinandersetzen sollten? …)

  10. Der Artikel in der Zeit stimmt leider auch nur wieder in das gewohnte Klagelied ein. Zudem schreibt der Autor: „Wer auch immer den Begriff „postfaktische Ära“ geprägt hat, muss an alles gedacht haben nur nicht an unseren Verstand.“ Hätte er etwas recherchiert, dann wäre er vermutlich auf das Buch „The Post-Truth Era“ von Ralph Keyes gestoßen. In dem beklagt wird, dass in der Politik die Unehrlichkeit rasant zunimmt und Fakten oft durch Narrative ersetzt werden.

    Wissenschaftler können durchaus zu einem seriösen politischen Diskurs beitragen. Die „politische Rattenfängerei“ wird sich dadurch jedoch nicht verhindern lassen, weil diese in erster Linie von einer ganz bestimmten Politik getragen wird. Bereits „Im Jahr 2013 identifiziert der deutsche Journalist Thomas Assheuer in einem Artikel in Die Zeit Elemente der sogenannten Post-Politik (entpolitisierte Form der Politik) in den Wahlkampfaussagen der politischen Parteien. Kontroversen um Ideen und Gesellschaftsentwürfe würden nicht mehr stattfinden, die Politik würde nur noch als „Produkt“ beworben.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Postfaktische_Politik

  11. Der Analyse des FAZ-Leitartikels kann ich nicht zustimmen. Die erste Frage wäre, wer zur Wissenschaft zählt. Sind es nur die Forscher an Universitäten und in Forschungsinstituten, sind es die anwendungsorientierten Wissenschaftler in Industrie, Wirtschaft, Medien, Politik, oder sind es die wissenschaftlich ausgebildeten Bürger?

    Forschungsresultate kommen heute viel früher in die öffentlichen Medien als es früher der Fall war. Vor allem werden die Bürger unfreiwillig damit konfrontiert, insbesondere durch wissenschaftliche Meldungen im Meer der Nachrichten des Fernsehens. Diese Meldungen sind jedoch auf Schlagworte und Schlagzeilen verkürzt, vielfach zur Sensation oder zum Spektakel konzentriert, so dass der Normalbürger nichts damit anfangen kann und mit Widerwillen reagiert, wenn er nicht zufällig ein Fachmann ist.

    Damit ist gerade das Gegenteil dessen wahr, was der FAZ-Leitartikel behauptet. Wissenschaftliche Meldungen in öffentlichen Medien, meist voreilige und unausgereifte Aussagen, widersprechen oftmals früheren Meldungen oder korrigieren sie. Für den Bürger wird die Wissenschaft dadurch scheinbar unglaubwürdig und irrelevant. Er zieht sich auf „einfache Wahrheiten“, seinen eigenen Interessen entsprechend, d.h. auf Populismus, zurück. Die Wissenschaft selber kann das Problem nicht lösen, es ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Hier sind Medien und Politik gefragt, auch Industrie und Wirtschaft mit besserer Information über ihre Produkte anstelle dümmlicher Werbung, und selbstverständlich die Eigenverantwortung der Bürger selber.

    • Sie sprechen einen wirklich wichtigen neuen Punkt an, der bei Müller-Jung unterbelichtet ist: der soziale Wandel im Bereich Wissenschaft selbst. Vermutlich hat es kaum jemals zuvor so viele wissenschaftliche ausgebildete Menschen in den westlichen Industrienationen gegeben wie heute. Außerdem werden Hierarchien, Ämter und die daraus abgeleitete Deutungsdominanz nicht mehr so klaglos anerkannt, wie das vielleicht vor 20 oder 40 Jahren noch der Fall gewesen ist. Der Einfluss der Wissenschaft muss deshalb heute wohl eher mit den Mitteln der Partizipation, als Auseinandersetzung mit der „Basis“, ausgeübt werden als in Gestalt von FAZ-Artikeln herausgehobener Wissenschaftsmanager.

  12. 3) Ein weiteres schönes Beispiel, wie Wissenschaft bzw. Wissenschaftsjournalismus den eigenen Ruf ruinieren ist die Idee ´Stringtheorie´. Für Rufschädigung braucht es keine ´Populisten´- das besorgen die Wissenschaftler/-journalisten schon selbst und vor allem gründlich.
    Wesentliche Grundlage der Stringtheorie sind eindimensionale Objekte/Strings.
    Die Basis dieser Idee ist aber schon seit 13 Jahrhunderten fragwürdig:
    Euklid ging zwar in der Antike davon aus, dass man aus nulldimensionalen Punkten Linien zusammensetzen, diese wiederum zu Flächen und diese wiederum zu Körpern zusammenfügen könne.
    Im 7. Jhdt. wurde aber festgelegt, dass die Division durch Null mathematisch nicht definiert ist (Indien: Brahmagupta) – und ab dem 17./18. Jhdt. kennt man den Grenzwertbegriff (´fast Null´). D.h. ab dem 7. Jhdt. ist Euklids Denkansatz fragwürdig. Denn Objekte (Linien, Flächen, Körper) können demnach als kleinste Größeneinheit nur einen dreidimensionalen Punkt haben (wobei Länge, Breite, Höhe sich dem Grenzwert Null annähern).
    Dies bedeutet, dass es keine eindimensionalen Objekte/Strings geben kann – zumindest dann nicht, wenn man mathematisch korrekt argumentiert. Dass die Division durch Null nicht zulässig ist, lernt man schon in der Grundschule.

    Kurz gesagt, bei so einer Mathematik, wie sie in der Stringtheorie diskutiert wird, braucht es keine Populisten mehr um dem Ruf der Physik zu schaden.

    • @KRichard bezüglich Stringtheorie: Ihre geometrischen Argumente gegen die Stringtheorie sind nicht stichhaltig. Es ist vielmehr so, dass die Stringtheorie – unter anderem – das Problem, das punktförmige Elemenarteilchen aufwerfen (die Enstehung von Unendlichkeiten nämlich durch das, was man Division durch 0 nennen könnte), lösen will, indem eben Elementarteilchen in der Stringtheorie keine Punkte mehr sind. Vielmehr sind die Elementarteilchen in der Stringtheorie vibrierende Strings.
      Letzlich aber ist eine rein geometrische Argumentation gegenüber der Stringtheorie nicht passend (ein Kategorienfehler), denn es geht hier um eine physikalische Theorie.
      Das Hauptproblem der Stringtheorie ist nicht , dass sie gegen bekannte Gesetze verstösst, sondern die, dass sie spekulativ und mit dem heutigen Instrumentarium wohl nicht belegbar, auch nicht falsifizierbar ist. Für die Stringtheorie aber spricht, dass sie erstmals die (Quanten-)Gravitation überzeugend in ihr Modell aufnimmt, etwas was dem Standardmodell der Elementarteilchenphysik bisher nicht gelungen ist.

  13. ‚Gentechnik und Big-Data-Analysen‘ [1] bspw. sind halt problematisch und demokratisch (diesbezüglich sind wohl auch die mittlerweile gerne verwendeten, aber aus Sicht einiger: destruktiven, Adjektivierungen ‚populistisch‘ (das Antonym hier: ‚elitistisch‘) und ‚postfaktisch‘ (gemeint wohl dumm, tumb, unfähig zu hören) zu verstehen, bei bestimmter Wissenschaft oder „Wissenschaft“, hier ist Kulturmarxistisches gemeint, Gender Studies und so, wird es noch klarer) in einem möglichst breiten gesellschaftlichen Diskurs zu bearbeiten.

    Der Wissenschaftler hat kein politisches Mandat und seine Aufgabe ist die Öffentlichkeitsarbeit nicht, für diese gibt es Journalisten, gerne auch Spezialisten, also Wissenschaftsjournalisten.

    Dass Sie sich hier, werter Herr Lobin, als Wissenschaftler oder Linguist oder Formalwissenschaftler (Linguisten müssen dies nicht sein, Sie sind’s erkennbar (nur) teilweise) hier öffentlich einbringen, ist natürlich höchst lobenswert und eine Extra-Leistung.
    Am Rande notiert: Die Humanities dürfen gerne ein wenig beschnitten werden, es gibt zu viel davon. Sie dienen wohl auch gelegentlich als eine Art Beschäftigungsprogramm, für das Steuergelder verwendet werden.

    MFG + schönen Tag des Herrn noch,
    Dr. Webbaer

    [1]
    i.p. Big Data kennt sich der Schreiber dieser Zeilen ein wenig aus, i.p. Gentechnik eher philosophisch: Eingriffe in die Gendatenhaltung sind insofern problematisch, weil letztlich nicht verstanden wird, verstanden werden kann, was getan wird, insofern sind hier zuvörderst Risk-Reward-Überlegungen anzulegen und zwar konservativ.

  14. Pingback: Elfenbeintürme oder ein Problem der Sichtbarkeit? Eine Antwort auf Joachim Müller-Jung » RELATIV EINFACH » SciLogs - Wissenschaftsblogs

  15. Tut mir leid, aber ich halte die Sache für etwas geheuchelt.
    Wer sind denn die Anhänger der sogenannten Populisten? Das sind Leute die sich u.a. von der Mainstream-Presse nicht ernstgenommen fühlen, die deren politischen Aussagen wie „Flüchtlinge bezahlen unsere Renten oder „Der Islam ist total friedlich“ etc nicht nachvollziehen können und daher sich jemand anderes suchen den sie im Bedarfsfall wählen. Diese anderen werden nun vom Establishment und der Mainstreampresse als Populisten tituliert, weil sie Wählerstimmen und Abonnenten verlieren. Dabei haben sie eben durch Ihre politisch motivierten Artikel mit einem permanentem Subtext doch selbst diese Stimmung erzeugt, in der eine erhebliche Zahl von Leuten der Presse ein so enormes Misstrauen entgegenbringt, dass selbst Sachverhalte die als „Fakten“ dargestellt werden nicht mehr geglaubt werden. Und genau diese Leute beklagten nun die Postfaktizität im Diskurs.

    Falls sich nun Wissenschaft vor eben diesen Karren spannen lässt, läuft sie Gefahr Glaubwürdigkeit zu verlieren, sie läuft Gefahr, Forschungsgelder nur dann bewilligt zu bekommen, wenn ein politisch korrekter Subtext erkennbar ist (statt kein Subtext) und damit an Objektivität zu verlieren. Ich kann nur davor warnen sich für politische Zwecke instrumentalisieren zu lassen. Immerhin sollen nun dem Volk von wissenschaftlicher Seite eingeredet werden was es denken soll – in der Tat ein Populismus der besonderen Art.

  16. Ich fühle mich ehrlich gesagt überhaupt nicht angesprochen durch den FAZ Artikel. Ich arbeite in meiner Wissenschaft mit Tieren und Public Outreach gehört dadurch zu meiner Arbeit mit dazu. Ich gehe in Schulen und zu öffentlichen Diskussionen und spreche mit Leuten über meine Arbeit mit den Tieren. Ich erkläre wie unsere Arbeit funktioniert, wie wir mit den Tieren umgehen, wie unsere Labore von Innen aussehen und versuche den Leuten klar zu machen, dass sich dieses Thema nicht so einfach in „gut/böse“ einteilen lässt und dass sie sich breiter informieren und nicht alles rückhaltlos glauben sollten, was Tierversuchsgegner erzählen, bevor sie ihre eigene Meinung bilden.

    Vielleicht sollten sich Wissenschaftler anderer Disziplinen mal ansehen wie Forscher, die Tierversuche machen, ihre Öffentlichkeitsarbeit gestalten. Immerhin haben diese ziemlich viel Erfahrung darin sich mit öffentlichen Meinungen, die oft auf Gefühlen und nicht Fakten beruhen, auseinanderzusetzen.

    • Vielen Dank für diesen Hinweis! Ich habe auch den Eindruck, dass Wissenschaftler, die sich für die Notwendigkeit von Tierversuchen einsetzen, geradezu als Veteranen von Auseinandersetzungen angesehen werden können, wie sie in verschiedenen anderen Bereichen erst in neuerer Zeit sich so richtig entfaltet haben.

  17. Nicht die Wissenschaft allein, auch der Journalismus und die Wissenschafts-PR sind aktuell herausgefordert. Vor allem aber: Bislang haben die Akteure in einer Blase kommuniziert; erreicht wurde nur, wer sich ohnehin für Wissenschaft interessiert, mindestens ein bisschen. Wie aber erreicht man jene, die man Wissenschaft bislang wenig anfangen können bzw. aufgrund von Risikoaversion ihr kritisch bis ablehnend gegenüberstehen? Deshalb mein Appell: „Raus aus den Echokammern der Wissenschaftskommunikation!“:
    https://jensrehlaender.com/2016/11/27/raus-aus-den-echokammern-der-wissenschaftskommunikation/?iframe=true&theme_preview=true

    • Ich muss Ihnen leider explizit zustimmen. Der Wissenschaftsjournalismus ist in einer schwierigen, in den Nachrichtenmedien marginalisierten Lage, und das nicht ganz unverschuldet. Insbesondere bei den naturwissenschaftlichen Themen, die zugleich in der Forschungsförderung die teuersten sind, wird zu selbstverständlich die Faszination für den Gegenstand vorausgesetzt. Die Verbindung zur Lebenswirklichkeit, wie auch immer diese hergestellt wird, ist bei vielen Beiträgen des „klassischen“ Wissenschaftsjournalismus zu schwach ausgeprägt.

  18. Jede Form von Wissenschaftskritik und Ablehnung gewisser wissenschaftlicher Theorien (wie der Evolution) oder der Nutzloserklärung von wissenschaftlichen Gebieten als Populismus zu qualifizieren ist eine Vereinfachung. Die Evolutionstheorie wird vor allem aus religiös-/weltanschaulichen Gründen abgelehnt. Auch bei der Ablehnung von Gentechnik oder dem Impfen spielt die Weltanschauung eine Rolle.
    Dann gibt es noch die Gruppe der (ich nenn sie mal so) Utilitaristen, die jede Investition in nicht direkt gesellschaftlich nützliche Gebiete ablehnen: keine Astronomie und Raumfahrt also, kein Geld für die Fusionsforschung (die aber auch von Leuten mit einer Anti-Nuclear-Anything Haltung abgelehnt wird), kein Geld für Genderforschung und allerhand geisteswissenschaftlichen Krimskrams. Dies als Antwort auf obigen (auch im FAZ-Artikel sinngemäss auftauchenden Satz):

    Der Klimawandel, Evolutionstheorie, der Nutzen von Impfungen – all das und vieles mehr wird heute von Populisten geleugnet.

    . Trotzdem ist die Stossrichtung und Hauptaussage des FAZ-Artikels richtig: Wer wissenschaftliche Fakten ablehnt, weil sie ihm nicht ins Konzept (ins Weltbild) passen, der verweigert sich in meinen Augen der Wahrheit, der negiert die Realität, der geht einen Irrweg und beginnt sich in einer Parallelwelt einzurichten. Je unbestrittener, je erhärterter die Fakten sind, gegen die er sich auflehnt, umso schlimmer. Nicht alle, die bestimmte wissenschaftliche Fakten in Frage stellen, lehnen sie aber darum ab, weil sie sie als falsch betrachten, nein, es gibt auch viele, die wissenschaftliche Erkenntnisse ignorieren oder ihnen widersprechen, weil sie die Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen nicht ziehen wollen, weil die daraus sich ergebenden Handlungsimperative ihnen gegen den Strich gehen. Bei der Alehnung des Klimawandels durch Donald Trump und die Republikaner spielt das eine wichtige Rolle. Trump und die Republikaner sehen (national-)wirtschaftliche Interessen in Gefahr, wenn die USA sich (als Konsequenz aus der Gefahr des Klimawandels) von den fossilen Energien verabschieden, zumal die USA weltweit die grössten oder aber doch sehr grosse Ressourcen an Kohle, Erdöl und Erdgas besitzen. Auch die Gegner der Evolutionstheorie lehnen die Evolution vor allem wegen den Konsequenzen ab, denn wenn nicht Gott die Schöpfung mitsamt allen Pflanzen und Tieren und dem Menschen hervorgebracht hat, dann ist es wohl auch nicht Gott, der die Welt lenkt und ein Auge auf seine Kinder hat. Je einfacher die Glaubensvorstellungen und das Gottesbild sind, desto mehr wird die Evolutionslehre von Anhängern monotheistischer Religionen agelehnt ( viele Christen, noch mehr Muslime und auch Juden lehnen sie ab).

    Wissenschaft kann aber auch aus gesellschaftlich-/utilitaristischen und finanziellen Gründen abgelehnt werden. Ich kenne selbst einige Akademiker, die sehr überzeugte „Utilitaristen“ sind, die Steuergeld nur für nützliche Dinge ausgeben wollen. Kein Geld für teure Superteleskope, kein Cent für Raumfahrt etc. Aber auch aus moralisch-ethischen Gründen wollen einige einflussreiche Gruppen ganze Forschungsrichtungen sanktionieren oder gar verbieten. Die Stammzellenforschung beispielsweise, deren öffentliche Förderung in den USA verboten ist (mindestens solange sie auf embryonale Stammzellen zurückgreift), die Gentechnikforschung oder Forschungen im Bereich Nukleartechnologie. Dann gibt es noch diejenigen, die von staatlicher Forschung ohnehin wenig halten, könne doch die Industrie viel besser entscheiden, was nachgefragt werde und wichtig sei. Dieser Meinung kann immerhin überzeugend entgegengetreten werden, sind doch viele für unser heutiges Leben fundamentale Technologien aus staatlicher Forschung hervorgegangen, beispielsweise die Internet- und Webtechnologien, die DNA-Technolgien (DNA-Sequenzierung, DNA-Editing) oder die Immunkrebstherapien.
    Es gibt einen wahren Kern hinter den Forderungen und Vorstellungen der letzten Gruppe. Forschung muss finanziert werden und nicht alle Forschungen sind für die weitere technologische und gesellschaftliche Entwicklung gleich relevant. Ich bin z.B. mit Bill Gates und vielen anderen überzeugt, dass viel zuwenig in die Energieforschung investiert wird obwohl die Ergebnisse der Energieforschung stark darüber entscheiden wie schnell unsere Zivilisation dekarbonisiert werden kann. Immerhin hat die USA mit ARPA-E ein ganzes Bündel von Projekten im Energiebereich, während für mich nicht sichtbar wird, was Europa in diesem Bereich tut. Jedenfalls kann nicht alle Forschung gemäss ihren eigenen Wünschen gefördert und finanziert werden, es gibt immer einen Verteilschlüssel und der unterliegt gesellschaftlich-/politischen Entscheiden.

    • Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Sie weisen auf zwei wichtige Punkte hin, die in der Diskussion unbedingt beachtet werden müssen: unhintergehbare weltanschauliche Differenzen und konsequenter Utilitarismus bei der Bewertung von Forschungstätigkeiten. Einen anderen Punkt aus der Diskussion aufgreifend könnte auch ein radikaler wissenschaftlicher Skeptizismus dazu führen, dass man bestimmte wissenschaftliche Positionen ablehnt, sofern diese nicht in jeder Hinsicht – also vor allem methodisch – überzeugen.

      • Zustimmung: Ein radikaler wissenschaftlicher Skeptizismus könnte auch ein Grund sein, wissenschaftliche Erkenntnisse abzulehnen – vor allem für (radikale) Philosophen und Theoretiker, weniger für im Leben stehende Menschen, denn die haben meist einen Realtätssinn, der ihnen solche Distanzierungen nicht erlaubt. Im Alltag stehende Leute neigen eher dazu gewisse wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren, weil sie für sie keine Rolle spielen. Diese Leute sind somit keine aktiven Leugner wissenschaftlicher Fakten.

      • Einen anderen Punkt aus der Diskussion aufgreifend könnte auch ein radikaler wissenschaftlicher Skeptizismus dazu führen, dass man bestimmte wissenschaftliche Positionen ablehnt, sofern diese nicht in jeder Hinsicht – also vor allem methodisch – überzeugen.

        Hierzu benötigt es nicht den Skeptizismus (wie ‚radikal‘ auch immer, der S. ist eigentlich eine Methode und nicht stufenweise aufzulösen), sondern die Ordentlichkeit naturwissenschaftlichen Handelns.

        • Darin steckt meiner Meinung nach eine rationalistische Überhöhung naturwissenschaftlicher Forschung. Auch bei dieser gibt es die soziale und die psychologische Komponente. Im Extremfall kommt es zur Fälschung von Ergebnissen, weil sich jemand einfach nicht vorstellen kann, dass die Empirie dem Modell, an das man felsenfest glaubt und es für abschließend richtig hält, nicht unterordnen will. Ich verweise nur etwa auf den Fall Jan Hendrik Schön.

    • @ Herr Holzherr :

      Wissenschaft kann aber auch aus gesellschaftlich-/utilitaristischen und finanziellen Gründen abgelehnt werden.

      Eigentlich nicht, sofern die Naturwissenschaften gemeint sind.
      ‚Ablehnung‘ würde ja Gegnerschaft bedeuten.

      Vielleicht war gemeint, dass bestimmte Förderung (mit Steuergeldern >:-> ) abgelehnt werden kann oder soll oder bestimmte Konsequenzen aus naturwissenschaftlicher Erkenntnis heraus, Naturwissenschaftler sind ja oft so freundlich Handlungsanregungen für die Politik gleich mitzuliefern.
      Bundesdeutsch skurril, für einige jedenfalls, die nicht der BRD zugehören, bspw. dieses Dokument:
      -> http://www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgutachten/jg2011/wbgu_jg2011_ZfE.pdf (hier die Zusammenfassung für Entscheider webverwiesen – so können in einigen Staaten außerhalb der BRD keine Hunde hinter dem Ofen hervorgelockt werden, auch weil dieses Dokument irgendwie undemokratisch und expertokratisch ausschaut)


      Hmmm [1], zum sogenannten Populismus noch kurz, auch weil die Wurzel ‚Populis‘ achtmal im dankenwerterweise zur Verfügung gestellten WebLog-Artikel vorkam, ‚Populismus‘ sogar zum Artikel verschlagwortet werden konnte, diese kleine Frage an Herrn Henning Lobin:

      Wie wird denn hier das Amöben- oder Wieselwort ‚populistisch‘ genau genutzt, mit welcher Definition wird gearbeitet?

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      Hier darf sich das Hmm des leicht näselnden Harald Schmidt vorgestellt werden.

          • @ Herr Lobin :

            Sie werden doch wohl in der Lage sein den Begriff ‚Populismus‘ kurz so zu erklären, wie Sie ihn gewohnt sind zu verwenden.
            Auch um keine pers. Macht abzugeben, müsste dies Ihnen möglich sein.

            In Debatten werden insofern oft unter Debattanten vorab Begriffsbestimmungen ausgetauscht, um dann gemeinsam Boden zu finden, Ihr Kommentatorenfreund ist oder war dies gewohnt, Opi W geht insofern an dieser Stelle beispielhaft in Vorleistung:

            Der Populismus meint eine Lehrmeinung, einen Ismus, der das Volk, den Populus, die Menge oder das Staatsvolk adressiert und sich im Politischen um dessen Handhabung bemüht, also wie diese Menge zu bearbeiten sei, aus Sicht der Herrschenden, hier insbesondere: aus Sicht der Mandatsträger.

            Positiv konnotiert ist hier ein Mandatsträger gemeint, der seinen Wahlauftrag ernst bis sehr ernst nimmt, fortlaufend der Menge lauscht, sich selbst mit seinen pol. Sichten auch ein wenig zurücknimmt, um seinem Auftrag möglichst nahe zu kommen.
            Auch leutselig ist.

            Negativ konnotiert ist hier ein Mandatsträger gemeint, der weitgehend frei von eigener pol. Überzeugung die Menge adressiert, sich ihr auch anbiedert, um seine Amtszeit oder Mandatsträgerschaft zu verlängern oder sich so verspricht höhere pol. Ämter erreichen zu können.
            Dieser wäre dann als böse einzuschätzen und idR meint der heutzutage oft verwendete Populismus-Vorhalt genau derartige Mandatsträger mit der beschriebenen Verfasstheit.


            Wobei dem derart aufgelösten Populismus der Elit(ar)ismus, als Antonym, entgegen zu stellen wäre, um die Sache sozusagen abzurunden.

            Dann, erst dann, könnte sich sinnhaft auseinandergesetzt werden, wie sich dieses zu jenem verhält, oder andersherum, finden Sie nicht, Herr Lobin?`

            MFG
            Dr. Webbaer

          • Tut mir leid, lieber Herr Webbaer, aber ich werde hier jetzt nicht in eine Grundsatzdiskussion zum Begriff „Populismus“ einsteigen. Ich habe den Begriff in der Weise und nicht anders verwendet, wie er von der BPB in der von mir zitierten und für mich plausiblen Bedeutung auf politikwissenschaftlicher Basis beschrieben oder, wenn Sie so wollen, definiert worden ist. Darauf verweise ich erneut, ohne damit „Macht abzugeben“, nur weil ich jetzt selbst nicht in diese Fragestellung einsteigen möchte. Sehen Sie es mir nach, dass dieser Gesprächsstrang für mich an dieser Stelle endet. Mit freundlichen Grüßen, HL

          • Das mit dem ‚Populismus‘ war schon zentral, Herr Lobin.
            Ansonsten: „Schwamm drüber“, das nächste, auch sprachwissenschaftlich zu belauernde, zu begleitende Objekt steht an der nächsten Ecke.

            MFG
            Dr. Webbaer (der in dieser Inhalteeinheit natürlich zuvörderst dankbar bleibt, sich insbes. auch freut, wenn es mal wieder in die Historie geht)

  19. Pingback: Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW47, 2016)

  20. Zum Thema Wissenschaft/Wissenschaftsvermittlung bzw. Populismus sollte man auch die Quälität von journalistischen Berichten diskutieren. Denn für viele Redakteure sind die Kunden nur ´Trottel´, denen man alles zumuten kann – hauptsache die Seiten sind voll oder die Sendezeit ist ausgefüllt.
    Bevor sich jemand über den Begriff ´Trottel´ aufregt – will ich diese Annahme mit einem konkreten Beispiel belegen:
    Ich habe ab 2006 das bisher einzige komplette Erkärungsmodell für das Phänomen ´Nahtod-Erfahrung´(NTE) entwickelt. (Weil man bei NTEs bewusst erleben kann, wie das Gehirn einen einzelnen Reiz verarbeitet – ermöglichen NTEs einen direkten introspektiven Zugang zur Arbeitsweise des Gehirns, der bisher von der Gehirnforschung ignoriert wird. D.h. die wissenschaftliche Bedeutung ist enorm.)
    Deshalb habe ich seit 2006 zahlreiche Redaktionen von Zeitschriften und Radio- bzw. Fernsehsendern kontaktiert. Mit dem Ergebnis, dass bisher noch nicht einmal eine kritische Rückfrage kam – und weiter die falsche Information verbreitet wird, dass NTEs nicht erklärbar seien. D.h. diese Redaktionen haben kein wirkliches Interesse an guter Information ihrer Kunden; dies zeigt, was man von den Kunden hält.
    Zumindest bei Zeitschriften habe ich Konseuenzen gezogen: Ich habe immer sehr viele Zeitschriften gelesen und 25-30 € pro Monat dafür ausgegeben. Seit ich persönlich erfahren habe, wie fragwürdig der Journalismus ist, meide ich diese Zeitschriften und spare so ca. 250 € pro Jahr.

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