Heut hab ich Vorlesung bei Stephen Hawking!

Glob’ste nich, wa? Gib’s aba! Zwar nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber dafür nördlich davon, in einem Land, wo eigentlich dem Namen nach keiner sein sollte: Kana da.

Jetzt isser aber bald da, der Hawking. Und es wird Tage geben, die einem Studi ein Hawking-Strahlerlächeln ins Gesicht zaubern. Solche Tage werden im Sommer 2010 am PI verlebt werden können.
PI – das  steht nicht etwa für eine transzendente Kreiszahl, sondern für einen hochpotenten Kreißsaal, in dem neue Ideen der theoretischen Physik geboren werden. Das PI ist das renommierte Perimeter-Institut für Theoretische Physik in Waterloo im Staat Ontario, Kanada.

Stephen Hawking ist eine lebende Legende. Der berühmte Kosmologe und theoretische Physiker leidet an der Krankheit ALS. Sie verursacht eine Lähmung, die Hawking schon 1968 in den Rollstuhl zwang. Hawking wird gleichermaßen von den Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit geschätzt. In der theoretischen Physik machte er sich verdient mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die Durchbrüche im Verständnis des Universums markieren – vor allem auf dem Gebiet der Schwarzen Löcher und der Quantenkosmologie. Sein populärwissenschaftliches Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" (1991 im rororo-Verlag; Original: "A Brief History of Time", 1988) handelt von sterbenden Sternen, Schwarzen Löcher, dem Kosmos und den ganzen Rest. Es  war ein Sachbuch-Bestseller und wurde mehr als neun Millionenmal verkauft. Davon haben eine Million Leser das Buch wirklich gelesen und davon wiederum haben nur 10.000 Leser den Inhalt des Buchs verstanden. Die restlichen acht Millionen Buchbesitzer haben das Buch nur zum Angeben im Bücherregal.

Noch vor einem Jahr hatten wir uns große Sorgen um Stephen Hawking gemacht. Es stand schlecht um seine Gesundheit, doch der Zustand besserte sich. Im Oktober 2009 machte Hawking wieder von sich Reden, weil er seinen Lehrstuhl im Cambridge abgeben musste. Seither klebt Michael Green an diesem Lukasischen Lehrstuhl und will auch gar nicht mehr weg.

So war es Zeit für einen neuen Stuhl und da Mundstuhl nicht wirklich erstrebenswert war, lockte das PI mit allerlei Sitzgelegenheiten. Hawking nahm Platz auf dem "Distinguished Research Chair". Das PI ist sozusagen das Mekka der Theoretischen Physik und startete vor gar nicht so langer Zeit im Herbst 2001. PI-Wissenschaftler erforschen Fundamentalphysik, insbesondere Themen wie Kosmologie, Grundlagen der Quantentheorie, Teilchenphysik, Quantengravitation, Stringtheorie und Quanteninformation. Das Institut wird gefördert sowohl vom Bundesstaat Ontario, als auch vom Land Kanada, aber auch von privaten Förderern. Direktor ist Neil Turok.

FOTO: Lieutenant Commander Tuvok. Das ist nicht Neil Turok. Credit: Paramount Pictures
Hawking wird im Juni und Juli 2010 am PI anzutreffen sein. Er wird den Besuch zur gemeinsamen Forschungsarbeit mit PI-Wissenschaftlern nutzen und sogar eine Vorlesung halten, die via Fernsehen vom kanadischen Sender TVO übertragen wird. Also bitte schonmal So., 20. Juni 2010, 20:00 EDT  vormerken (Eastern Daylight Time, EDT,  ist fünf Stunden früher als Mitteleuropäische Zeit, MEZ).

Die Sache hat allerdings einen Hawkin‘: Ein flüssiges Gespräch werden wir nicht erwarten können. Bei seinem Luftröhrenschnitt 1985 verlor Hawking die Sprache und benutzt seither einen Sprachcomputer. Angesteuert wird die moderne Variante durch Hawkings Wange, die von einem Infrarotstrahl abgetastet wird, der aus seiner Brille kommt. Mit diesem Hilfsmittel steuert er die Worte auf einem Bildschirm, was Kommunikation mühselig, aber möglich macht.

Ob uns Hawking endlich die Auflösung seiner verlorenen Wette erklären wird? Oder ob er die dann aktuellen Messdaten am LHC hinsichtlich der Schwarzen Mini-Löcher kommentieren wird? Anyway. Let it rock, Stephen!

Quelle: Pressemitteilung am PI

Andreas Müller

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Die Astronomie ist faszinierend und schön – und wichtig. Diese interdisziplinäre Naturwissenschaft finde ich so spannend, dass ich sie zu meinem Beruf gemacht habe. Ich bin promovierter Astrophysiker und befasse mich in meiner Forschungsarbeit vor allem mit Schwarzen Löchern und Allgemeiner Relativitätstheorie. Aktuell bin ich der Scientific Manager im Exzellenzcluster Universe der Technischen Universität München. In dieser Tätigkeit im Forschungsmanagement koordiniere ich die interdisziplinäre, physikalische Forschung in einem Institut mit dem Ziel, Ursprung und Entwicklung des Universums als Ganzes zu verstehen. Besonders wichtig war mir schon immer eine Vermittlung der astronomischen Erkenntnisse an eine breite Öffentlichkeit. Es macht einfach Spaß, die Faszination am Sternenhimmel und an den vielen erstaunlichen Dinge, die da oben geschehen, zu teilen. Daher schreibe ich Artikel (print, online) und Bücher, halte öffentliche Vorträge, besuche Schulen und veranstalte Lehrerfortbildungen zur Astronomie, Kosmologie und Relativitätstheorie. Ich schätze es sehr, in meinem Blog "Einsteins Kosmos" in den KosmoLogs auf aktuelle Ereignisse reagieren oder auch einfach meine Meinung abgeben zu können. Andreas Müller

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