Der „freie Wille“ eines Agenten

Eine mir sehr gut bekannte junge Familie hat sich einen Staubsauger-Roboter gekauft. Dieser manövriert geschickt zwischen Stuhlbeinen, besucht auch jede Ecke und erkennt Teppichfransen und Elektrokabel als ungenießbar.  Die Aufnahme dieses technischen Geschöpfes in die Familie durch die zwei kleinen Töchter war durchaus gemischt. Während die vier Jahre alte Rosalie in dem Roboter ein neues Spielzeug ihres Vater sah, hatte die zweijährige Thalia zunächst Angst vor dem Objekt, das sich da bewegt, obwohl es überhaupt nicht wie ein Mensch aussieht. Vielleicht dominiert in diesem Alter noch ein Verhalten, das sich im Laufe der Evolution als günstig erwiesen hat: Alles, was sich bewegt und nicht zur eigenen Art gehört, wird zunächst als Feind betrachtet. Natürlich konnte die Kleine ihre Angst bald überwinden, auch ohne dass der Vater ein Buch zum Thema: "Wir sind jetzt zu fünft" vorlesen musste. Der Roboter gehört in den Augen der Kinder doch jetzt irgendwie zur Familie, er heißt Marie und man redet über ihn wie über einen Menschen.

Wir kennen diesen Animismus auch bei uns Erwachsenen: Unser Rechner ist mal wieder "zu dumm", wenn er "nicht tut, was wir wollen", unser Auto "will" nicht anspringen, ein Elektron "weiß" nicht, durch welchen Spalt es bei einem Doppelspaltversuch gegangen ist. So harmlos diese spielerische Vorstellung von einem eigenen Willen unbelebter Objekte ist, bei Industrierobotern, die mitunter mit  großer Kraft und Präzision Bewegungen ausführen, die für Menschen ganz unmöglich sind und von ihnen deshalb auch gar nicht antizipiert werden können, kann dieses Hineinlegen von menschlichen Eigenschaften zu schlimmen Unfällen führen. So sind in dieser Szene animistische Vorstellungen streng verboten und man muss sich explizit und bewusst von ihnen frei machen.  
Aber der Hang, das Verhalten eines Roboters so zu beschreiben, als wenn es ein Mensch wäre, der da agiert oder auf äußere Reize reagiert, kommt ja nicht von ungefähr. Wie sehr das schon durch die Evolution vorgeprägt ist, mögen andere diskutieren, hier möchte ich einer anderen Frage nachgehen: Wie müsste man denn die Software eines Roboters gestalten, so dass sein Verhalten dem eines Menschen möglichst nahe kommt? Hinter dieser Frage steht nicht irgendeine Art von Menschenverachtung sondern die Hoffnung, etwas mehr Klarheit  über die Eigenarten unseres Verhaltens zu erhalten. Denn Lernen gelingt oft, wenn man neben Gleichheiten auch Unterschiede entdecken kann. 

Der Agent
Für ein Modell eines Wesens, sei es ein Lebewesen oder ein Roboter, das in einer Umwelt agiert, hat sich der Name "Agent" eingebürgert.  Ein Agent hat Sensoren, mit denen er Reize aus der Umwelt aufnimmt, er besitzt einen Rechner, mit dem der diese Reize verarbeitet und schließlich auch Aktoren, mit denen er, gesteuert  durch Befehle aus dem Rechner, in der Umwelt agiert.  Unsere Sinne, unser Gehirn und auch unsere  Arme und Beine werden so modelliert. Es gibt ganz primitive Agenten, solche die nur ein ganz kleines Repertoire von Aktionen oder von Reizverarbeitung kennen, auch solche die ziemlich "dumm" sind, weil sie stur nach Vorschrift arbeiten.  Solche Roboter sind in der Industrie natürlich besonders beliebt, da es bei den Aufgaben, die sie zu erledigen haben, besonders auf die Zuverlässigkeit ankommt. Aber auch das Verhalten niederer Lebewesen wie etwa das einer Fruchtfliege lässt sich oft gut mit Hilfe eines relativ primitiven Agentenmodells beschreiben und vorhersagen.
Es ist klar, dass allein schon die Entwicklung von geeigneten Sensoren und  Aktoren  für Roboter großes technologisches Können erfordert,  aber besonders interessant wird es bei der Gestaltung der Software für den Rechner, bei der Konstruktion des "Gehirns" des Agenten.

Die reine Strategie
Diese Software muss also für jeden Reiz aus der Umwelt, den die Sensoren melden, eine Antwort in Form einer Handlungsanweisung an die Aktoren finden. Der Agent muss also eine Strategie besitzen, mit Hilfe derer er jedem gegebenen Reiz eine Handlungsanweisung zuordnet.  Natürlich ist das nur interessant, wenn es mehrere Handlungsmöglichkeiten gibt. Die am nächsten liegende Methode, zu einer Entscheidung zu kommen, ist die, dass man den  verschiedenen Handlungen jeweils einen Wert zuordnet, um dann der Handlung mit dem größten Wert den Vorrang zu geben.
Der Agent muss somit ein Wertesystem in sich tragen. Bei einer Software kann das eine Tabelle oder eine Funktionsvorschrift sein, bei einem niederen Lebewesen ein genetisch bedingtes Verhalten, bei einem Menschen eine Gemisch aus ererbtem Verhaltensmuster, kulturellen Einflüssen und Wissen aus Erfahrung.  Auch kann dieses Wertesystem beeinflusst werden von einem Gesamtzustand des Agenten.  Als Menschen wissen wir, dass wir in verschiedenen Gemütszuständen in bestimmten Situationen ganz anders reagieren können: Hat man zu viel Alkohol getrunken und ist in besonders guter Stimmung, kann man auch mal sehr leichtsinnig werden und sich trotzdem ans Steuer eines Autos setzen. Aber die Berücksichtigung eines eigenen Zustandes des Agenten führt auf ein weites Feld, so dass wir hier davon absehen wollen. Wichtig ist hier nur, dass es in diesem Modell zunächst ein Wertesystem gibt, aufgrund dessen eindeutig klar ist, welche Handlung zu erfolgen hat und wie sie auch begründet werden kann. Das ist  also so etwas wie eine "reine" Strategie.

Ein Agent in Gesellschaft
So weit so gut – das reicht,  wenn der Agent sich nur in der Umwelt bewegt und nicht berücksichtigen muss, dass es in dieser Umwelt noch andere Agenten gibt. Dann nämlich kann der Wert einer Handlung davon abhängen, welche Handlungen die anderen Agenten danach oder zur gleichen Zeit tätigen. Damit kommt ein weiterer, ganz anderer Typus von Strategie ins Spiel. Das kann man verdeutlichen an einem Spiel, bei dem Umwelt und Zustand des Agenten gar keine Rolle spielen, nur die Handlung eines weiteren Agenten relevant wird: Zwei Spieler mögen je eine schwarze und weiße Murmel in den Händen haben und zur gleichen Zeit möge jeder eine dieser Murmel auf den Tisch legen müssen. Sind dann beide Murmeln von gleicher Farbe, hat Spieler A gewonnen, sonst B. Jeder merkt sofort, dass man hier mit einer reinen Strategie nur verlieren kann, wenn dieses Spiel viele Male wiederholt wird.  Eine reine Strategie wäre z.B. für A: Immer die weiße Kugel auf den Tisch legen. Das hätte B bald erkannt und würde entsprechend reagieren, er würde stets die andere Farbe wählen und A würde immer verlieren.  Wir sehen hier: Agent A wählt eine Strategie, die unabhängig vom Handeln von B ist. Agent B richtet sich in seinem Verhalten nach der Strategie von Agent A, und gewinnt in diesem Falle immer.
Entsprechendes gälte für die andere reine Strategie: Immer die schwarze Kugel auf den Tisch legen. Jede reine Strategie führt hier also zu einem Ergebnis des Spielers A, das für ihn nicht optimal ist.

Die gemischte Strategie
Denkbar wäre aber der Fall, dass das Spiel bei häufiger Wiederholung unentschieden ausgeht, d.h. beide Spieler im Mittel gleich häufig gewinnen bzw. verlieren. Man könnte das ein Gleichgewicht nennen.  Jedem ist sofort klar, mit welcher Strategie man solch ein Gleichgewicht erreichen könnte: Man muss mal die weiße, mal die schwarze Kugel auf den Tisch legen, "ganz zufällig" so zu sagen. Und der gesunde Menschenverstand wie auch eine mathematische Analyse des Spiels ergeben, dass man mit Wahrscheinlichkeit  1/2  jeweils die weiße bzw. die schwarze Kugel auswählen soll. Man spricht von einer gemischten Strategie, wenn man bei einer Entscheidung mehrere reine Strategien ins Kalkül zieht, diesen Wahrscheinlichkeiten zuordnet und dann gewissermaßen auswürfelt, welche man realisiert.
Interessant ist also, dass nun, sobald ein anderer Agent die Szene betritt, ein weiteres, ganz neues Verhaltensmuster bei Entscheidungen wichtig wird. Und in unserem menschlichen Leben sind diese gemischten Strategien eigentlich die Regel. Zwar haben wir alle unsere Prinzipien,  haben in vielen Situationen gute Gründe, um uns so oder so zu verhalten, unser Wertesystem gibt uns genügend Orientierung  und unser eigener Zustand ist in der Regel normal, wir sind z.B. meistens nicht so leichtsinnig, dass wir uns betrunken noch vor das Steuer eines Autos setzen. Aber oft auch ist es nicht klar, welche Strategie die bessere ist, im Hinblick auf die unmittelbare oder auf die fernere Zukunft.     
Dieses Auswürfeln einer bestimmten Handlung in dieser Situation kann für ganz Verschiedenes stehen.  Bei einem Roboter ist es wirklich so etwas wie ein Auswürfeln, das Erzeugen einer Zahl mit Hilfe eines Zufallsprozesses. In der Regel wird man bekannte mathematische Verfahren dazu benutzen, aber man könnte auch irgendwelche physikalischen Prozesse dazu nehmen, die so komplex und unübersichtlich sind, dass sie wie Zufallsprozesse aussehen und auch nur als solche beschrieben werden können, z.B. das Rauschen in bestimmten Signalen der Schaltkreise.  Beim niederen Tieren hat man auch so etwas wie gemischte Strategien festgestellt und es könnte auch dort wohl das elektrische Rauschen in Nervensystemen sein, das die Entscheidung triggert.   

Der Mensch als Agent
Bei uns Menschen, ja wie ist es da? Lernt man von diesem Modell eines Agenten etwas darüber, wie Menschen entscheiden?  Was ist ähnlich aber doch unterschiedlich? Was fehlt völlig?
Zunächst fällt einem ein, dass die Komplexität beim Menschen natürlich unvergleichlich größer ist als bei jedem bisher konstruiertem Roboter. Jede Beschreibung des Wertesystems und momentaner Zustände eines Individuums kann nur unvollständig bleiben: "der Mensch ist nicht berechenbar".  Der Mensch ist eben eine Schöpfung der Natur oder was immer man noch dahinter sehen will, der Roboter aber nur eine Schöpfung des Menschen. Die Herkunft und der Weg der Schöpfung ist aber ganz entscheidend und jeder Weg ist ein Unikat.  
Hier ist es gut, daran zu erinnern,  wie man verstehen kann, dass die meisten Prozesse in unserem alltäglichen Leben und allgemein in der mesoskopischen Natur nicht reversibel sind: Man hat keine Chance, in den schier unendlichen Weiten der Landschaft von möglichen Zuständen eines komplexen Systems aus etwa 10 hoch 23  Teilchen genau den Zustand zu konstruieren, den man sich wünscht oder der sich nach physikalischen Gesetzen zu einem gewünschten Ergebnis entwickelt. Man kann so ein Ei, das auf dem Boden zerplatzt ist, nicht wieder genau in den ursprünglichen Zustand zurück versetzen. Man kann keinen Menschen konstruieren, das nachmachen, was die Natur in Jahrmillionen über verschlungenste Pfade der Evolution entwickelt hat. So wird man auch kein künstliches Gehirn konstruieren können, das dem menschlichen Gehirnen in Form, Gestalt und Verhalten sehr ähnlich ist.  Das ist die schlechte Botschaft. Aber es gibt auch eine gute Botschaft, die man versteht, wenn man daran denkt, wie die Menschheit ihren Traum vom Fliegen realisiert hat. "Fliegen zu können wie ein Vogel" war zunächst der Wunsch und man hat viele Versuche gemacht, es den Vögeln gleich zu tun. Unsere Flieger heute fliegen aber ganz anders, zwar nach den gleichen physikalischen Gesetzen, aber sie nutzen diese etwas anders aus, sind so in vieler Hinsicht  besser, in manchen aber eben nicht. Man kann sozusagen im Zuge einer technologischen Entwicklung in der weiten Landschaft der möglichen Zustände komplexer Systeme zwar nicht einen bestimmten Zustand treffen, einen Vogel oder einen Menschen, aber andere Zustände konstruieren, die ähnliche Vorteile aus der Komplexität ziehen, z.B. Flieger oder Roboter.
So werden uns Roboter mit ihren künstlichen Gehirnen viele Arbeiten abnehmen können, die Intelligenz erfordern. Aber die menschliche Intelligenz wird immer ihre spezifische Eigenart behalten und es wird immer Nischen geben, in denen sie unschlagbar sein wird. Nur:  Ein Vogel denkt sich vielleicht nichts, wenn er einen Airbus sieht. Wir müssen die Überlegenheit der künstlichen autonomen Systeme auf immer mehr Feldern verkraften und auch mit einer solchen "Kränkung" leben können.

Der freie Wille
Da nun die Roboter als künstliche Agenten sich immer in Gesellschaft von anderen Agenten, ob nun künstlich oder menschlich, befinden, müssen sie mit der Fähigkeit zu gemischten Strategien ausgestattet sein. Zum Teil wird man dann nicht sofort nachvollziehen können, warum sie z.B. so und nicht anders agieren. Sieht es dann so aus, als wenn sie einen freien Willen haben?  Man könnte bei ihnen auch nachschauen, wie sie zu einer Entscheidung bei einer gemischten Strategie kommen, wie sie in ihrer Software erst  "Auswürfeln", dann mit Hilfe der Zufallszahl die Entscheidung fällen und die Handlungsanweisung an die Aktoren weitergeben (also eine Art  Libet-Experiment nachvollziehen).  
Vielleicht sieht alles von außen so aus. Aber hat der Roboter dann das "Gefühl", dass er einen freien Willen hat? Das hat er ja nur, wenn er auch ein Bewusstsein hat und zur Introspektion fähig ist. Ob sich so etwas bei genügender Komplexität der Rechnereinheit des Roboters einstellt? Vielleicht reicht ja ein Hauch von "Bewusstsein", um die Handlungen zu begründen. Wie werden dann wohl die Handlungen aufgrund einer gemischten Strategie begründet werden?
Nun, dazu kann man heute wohl nicht viel sagen. Nur so viel scheint mir klar zu sein: Selbst wenn man auf solche Weise auch einen Agenten konstruieren könnte, der in dem oben beschriebenen Sinne einen "freien Willen" besitzt. Wir Menschen sind immer noch anders, weil wir anders erschaffen sind.  Wir werden auf vielen Gebieten, die bisher den Menschen vorbehalten schienen, eine starke Konkurrenz erdulden müssen, aber unsere Herkunft aus einer Jahrmilliarden dauernden Schöpfung durch Evolution ist und bleibt (!) einzigartig, und damit auch unser Spektrum von Fähigkeiten und Gefühlen, im Guten wie allerdings auch im Schlechten. Aber so etwas, was selbst wieder autonome intelligente Systeme entwickeln kann, produziert die Natur nicht "alle Tage".  

P.S. Die Veröffentlichung dieses Beitrag wurde durch den Kommentar von Thomas Kuhn zu meinem vorherigen Artikel "Was kann ein Philosoph…" beschleunigt. Dort weist er u.a. auch auf  http://www.ted.com/talks/henry_markram_supercomputing_the_brain_s_secrets.html hin. Dort wird von dem Versuch berichtet, ein künstliches Gehirn zu konstruieren. Das ist die gleiche Methode: Nachmachen, auch wenn der Ausgang des Versuchs völlig unklar ist. Dann sieht man aber, was alles nötig ist und wo es hapert. Wer sich in irgendwelchen Künsten versucht, versteht diese auch besser und weiß die Meister noch besser zu schätzen.
 

Veröffentlicht von

Josef Honerkamp war mehr als 30 Jahre als Professor für Theoretische Physik tätig, zunächst an der Universität Bonn, dann viele Jahre an der Universität Freiburg. Er hat er auf den Gebieten Quantenfeldtheorie, Statistische Mechanik und Stochastische Dynamische Systeme gearbeitet und ist Autor mehrerer Lehrbücher sowie des Sachbuchs: "Die Entdeckung des Unvorstellbaren". Nach seiner Emeritierung im Jahre 2006 möchte er sich noch mehr dem interdisziplinären Gespräch widmen. Er interessiert sich insbesondere für das jeweilige Selbstverständnis einer Wissenschaft, für ihre Methoden sowie für ihre grundsätzlichen Ausgangspunkte und Fragestellungen und kann berichten, zu welchen Ansichten ein Physiker angesichts der Entwicklung seines Faches gelangt. In seiner "Freizeit" versucht er, im klassischen Stil zu komponieren und seine Kompositionen auch mit Hilfe moderner Software zu produzieren. Insgesamt versteht er sich heute als Physiker und "wirklich freier Schriftsteller und Tonsetzer".

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hervorragender Artikel!

    Vielen Dank dafür, der kommt nach dem „Emergenz“-Artikel gleich auf Platz 2 meiner Alltime-Favoriten hier! 🙂

    Die feinfühlig beschriebene Tendenz zum Animismus wird übrigens als ODA (Over-Detection of Agency, manchmal auch Hyper-Agency-Detection) als eine der Grundmodule von Religiosität diskutiert. Kommt dann noch unsere intuitive Tendenz zur Theory of Mind dazu (also Annahmen darüber, was ein anderer Agent sieht und wie er bzw. sie es bewertet), dann kann auf Basis einer Leiche, eines eindrucksvollen Bildes oder Berges etc. bereits die Vorstellung eines überempirischen Akteurs (Ahnen, Geistes, Gottes) entstehen. Genau solches vermutete übrigens schon Charles Darwin:
    http://www.scilogs.eu/…eligiosity-and-religion-s

    Für zukünftige Fragen in der Erforschung menschlichen (und generell: lebendigen) Verhaltens dürfte m.E. die Spieltheorie noch an Bedeutung gewinnen. Wird es dazu auch einmal einen Blogpost geben? *Hoffnung*

  2. Introspektion

    Gibt es denn schon Ideen, wie der Algorithmus für eine Introspektive in einem Roboter aussehen könnte?

  3. Blue Brain

    Ihr Artikel setzt viele der angesprochenen Konzepte im TED Talk in einen grösseren Zusammenhang in sehr stimmiger Weise für mich! Mir hat sich durch das Blue Brain Project auch eine neue Sichtweise auf die Hirnforschung eröffnet.

    zum „freien Willen“: da wir hier im Spekulations/-Ideenfindungsstadium sind will ich dies auch mal tun. Hervorstechend bei den Ausführugnen Markram war für mich, dass kein Neuron ist wie das andere, das Hirn trifft pausenlos Entscheidungen die durch ein Grundrauschen (Anästhesie) behindert werden können. In der Vergangenheit wurde ja mit quantemechanischen basierten Theorien/Erklärungsansätzen versucht so etwas wie Wahrscheinlichkeit/Zufall als physik. Eigenschaft ins Hirn einzuführen, um Hypothesen wie den freien Willen zu stützen, der solche Eigenschaften in einem deterministisch reduktionistischen Modell des Hirns bräuchte. Davon hat man sich aber mittlerweile wieder verabschiede imo, da QM Phänomene wie Superposition/Verschränkung auf der Meso Ebene nicht stattfinden im Hirn in vermuteten Zeitbereichen, das Hirn ist kein Quanten-Computer. Ein gutes Beispiel wie die phänomenlogische „Erkenntnis“ und Scheindebatten den Wissenschaftlern/Experimentatoren vorschreibt wo sie was zu suchen haben, mit wenig Erfolg bislang. Menschen Babys können sich im Gegensatz zu Schimpansen nicht im Spiegel selbst erkennen, muss Bewusstsein evtl. gelernt werden? Ist es überhaupt eine strukturell ausmachbare Eigenschaft oder nur ein temporärer Zustand? Der Grad der Selbstreflektion ist bei Menschen sehr sehr verschieden ausgeprägt imo. Beim freien Willen bin ich mir mehr als unsicher ob ich ihn nach jetztiger Def. allen Mitmenschen zubilligen würde. Autisten zeigen math. Ausnahmefähigkeiten, interessieren sich aber nur sehr selektiv für ihre Umwelt und verhalten sich meist vorhersagbar. Nimmt man noch wieitere Extrembeispiele von Savants/Hirngeschädigten hinzu folgt imo: Es gibt nicht das Hirn und die Eigenschaften die man ihm zuschreiben kann generell. Und gerade Blue Brain könnte klären, welches math. „Setup“ überhaupt möglich und sinnvoll ist um Interaktion von Neuronen zu emulieren und welche Eigenschaften sich daraus ableiten lassen. Man wird in dieser Hirn-Mathematik wohl keine Bruchstücke gemischter Strategien/Spieltheorie finden imo, aber die Fähigkeit dazu sich gemäss solcher Gesetzmässigkeiten zu verhalten, also Zufall, Rückkoppelung, Verstärkung, Gewichtung, Pfadabhängigkeit. Gemischte Strategien können wir ja nur im sozialen Spiel lernen und dann nur intuitiv und Step by Step. Mir sind keine Autisten und Savants bekannt die Pokerasse sind, Genies bei komplexen abstrakten Spielen, meist sind es eher rudimentäre spezielle Problemstellungen wo diese Personen auffallen. Ähnlich designt man auch Prozessoren für bestimmte math. Algorithmen. Nach den grossen Eigenschaften, die den Mensch vom Tier angeblich unterscheiden würd ich garnicht suchen, wäre ich Hirnwissenschaftler. Gene spielen offensichtlich eine Rolle, aber auch hier muten mir Ideen vom „Sprach-Gen“ sehr in die Irre oder gar Sackgasse führend an. Brille der Fachdisziplin…Der Reduktionismus und Strukturalismus der einzelnen Fachdisziplinen versagt beim Hirn bis jetzt, sind aber die wesentlichen Forschungsparadigmen, die jeder Student verinnerlicht, meist bekommen sie nur die Theorie beigebracht, die sich als die richtige herausgestellt haben, die unterschiedlichen Ansätze der Methodik bei best. Problemen wär mal eine interessante Idee für ein Fachbuch. Dies wär die ureigene Aufgabe der Philosophen als Meta-Wissenschaftler und der grösste und imo wichtige Beitrag, den sie leisten können/müssten statt Begriffsschöpfung.

    Bei Insekten/Affen ist man schon soweit die motorischen Funktionen über implantierte Elektroden gezielt steuern zu können ohne grösseres inneres Verständnis der Black Box http://www.ted.com/…uestion_bio_engineering.html
    Aber auch einem frei agierenden gewieften Pokerspieler kann man eine bestimmte Strategie aufoktroyieren, wenn man seine Spielweise durchschaut und ihm eine suboptimale Strategie als die richtige verkauft (man blufft geschickt) Er spielt dann wie an seidenen Fäden seines Gegenspielers hängend. Freiheit ist relativ, könnte man das vielleicht aphorisieren 🙂 Sie liegt im Auge des Betrachters, in der Art der Entscheidung, des Spiels und Abstraktionsvermögen des einzelnen. Gleich gute Pokerspieler nehmen sich oft nichts, Ist das Können differenter, wird der Entscheidungsraum grösser für den überlegenen Spieler, ist es sehr stark different, kann der überlegene die Strategie des Gegenüber nicht mehr modellieren, das Verhalten scheint irrational/zufällig nach eigenen Massstäben. Am ehesten könnte man sich noch darauf einigen, dass Freiheit die bewusste Wahl zwischen versch. Strategien vorraussetzt, aber ist das wiederum hinreichend? Zurückführen lässt sich wohl jegliches Verhalten auf einen math. Algorithmus, variiert man genügend Parameter. Meine Conclusio ist, freie Systeme sind lernende Systeme die unbegrenzt ihre Strategien verbessern können, inwieweit sich daraus ein math. Kriterium entwickeln lässt nach dem man bei Blue Brain Ausschau halten könnte ist ne andere Frage. Demnach hätte aber auch ein Ameisenhaufen Freiheit, man muss eben aufhören, dass Hirn zu vermenschlichen, dies fällt dem Experimentator natürlich leichter als dem Philosophen von Berufswegen 😉

    PS: Web-Akronyme möge man mir verzeihen, Mensch ist ein Gewohnheitstier http://de.wikipedia.org/…jargon-Abk%C3%BCrzungen

  4. Ist der freie Wille ein weltanschauliches Konzept?

    Der Artikel von Herrn Hohnerkamp wählt einen interessanten Pfad vom Animismus über Entscheidungsstrategien bis zum Konzept des freien Willens. Dabei geht es darum, was einen intelligenten, als Subjekt wahrnehmbaren Akteur ausmacht – unabhängig davon wie der Akteuer physisch realisiert ist – ob nun als Mensch, intelligentes Mitgeschöpf des Menschen, Extraterrestrier, Roboter oder völlig körperlos als blosse Software.

    Zum Animismus
    Die Neigung, unbelebten, aber irgendwie aktiven Objekten eine „Seele“ zuzusprechen, hat wahrscheinlich mit unserer ständigen Unterscheidung Subjekt (Ich) und Objekt (Anderes oder Anderer) zu tun. Wobei ein aktives Objekt sehr schnell zum Anderen wird, dem man zuspricht, seine eigenen Absichten zu verfolgen. Mit der „Seele“ des aktiven Objekts meinen wir oft die tieferen Motive für das Handeln. Bei Tieren also den Überlebenswillen als Grundlage für Flucht- und Angriffverhalten, die Nahrungssuche und den Nest-/Wohnungsbau; den Hunger als Motive für das Jagdverhalten und die Arterhalung durch Fortplanzung als Grund für die Brutpflege. Wenn wir also beim Staubsauger-Roboter eine Seele vermuten, dann nicht weil er ziellos mechanische Bewegungen vollführt, sondern weil er scheinbar Putzen als tieferen Lebenszweck verinnerlicht hat. Akteure als belebt zu betrachten und hinter jeder komplexeren Handlung einen beseelten Verursacher anzunehmen, scheint im menschlichen Denken tief verwurzelt zu sein.
    Wenn die Seele eines Objekts also durch seine inneren Motive und Antriebe und das dazugehörige mehr oder weniger komplexe Innenleben bestimmt wird, dann ist es gar nicht nötig, das menschliche Gehirn nachzubilden, um eine Kreatur zu erhalten, die wir für voll nehmen (es kann aber nützlich für die Selbserkundung des Menschen sein).

    Agent, Strategie, intelligenter+kompetenter Agent
    Überzeugende Agenten, denen wir eine gewisse Intelligenz zugestehen, gehen darüber hinaus, dass die (Zitat) „Software für jeden Reiz aus der Umwelt, den die Sensoren melden, eine Antwort in Form einer Handlungsanweisung an die Aktoren findet“. Nicht reflexhaftes Handeln, sondern überlegtes Handeln erwarten wir von einem Akteur, der das Prädikat intelligent erhalten soll. Überlegtes Handeln setzt eine (reiche) Innenwelt des Akteurs voraus. Er muss in der Lage sein, ein Modell seiner Umgebung aufzubauen und neue Erfahrungen mit diesem Modell zu „verstehen“ und das Modell eventuell an die gemachten Erfahrungen anzupassen.
    Einen erfolgreich mit einem Modell operierender Agenten nennen wir kompetent. „Professionelle“ Raubtiere haben eine Jagdkompetenz, die sich darin äussert, dass sie eine Vielfalt von Verhaltensweisen und Erfahrungen einsetzen um ihr Ziel zu erreichen und dass sie eine „Jägerpersönlichkeit“ aufgebaut haben: Charakterzüge also, die auch zum Vorschein kommen, wenn sie nicht unmittelbar der Jagd nachgehen.

    Der freie Wille
    Zitat: „Da nun die Roboter als künstliche Agenten sich immer in Gesellschaft von anderen Agenten, ob nun künstlich oder menschlich, befinden, müssen sie mit der Fähigkeit zu gemischten Strategien ausgestattet sein. Zum Teil wird man dann nicht sofort nachvollziehen können, warum sie z.B. so und nicht anders agieren. Sieht es dann so aus, als wenn sie einen freien Willen haben?“

    Ein intelligenter und kompetenter Agent operiert mit Modellen – und wenn er mehrere Kompetenzen besitzt, möglicherweise sogar mit mehreren interagierenden Modellen. Deswegen hat er jedoch noch keinen freien Willen wie das Beispiel des autonomen Fahrzeugs zeigt, welches schon bald zum Strassenalltag gehören wird.
    Ein solches autonomes Fahrzeug könnte beispielsweise zur Entscheidung kommen, dem Pasagier einen Umweg über eine Landstrasse mit herrlichem Ausblick auf einen See vorzuschlagen, weil er a) weiss, dass das Benzin auch mit Umweg noch reicht b) der Passagier schon bei früheren Fahrten Präferenzen für landschaftliche Juwelen gezeigt hat c) gerade die Sonne so schön scheint und d) er sich beim Parkplatz des Aussichtspunkts mit Kollegen (anderen autonomen Fahrzeugen) austauschen möchte. Es könnten dann nach Ablehnung des Vorschlags durch den Passagier klein beigeben oder ihn zu beeinflussen versuchen, indem es ihm mitteilt, dass eine Bekannte von ihm auch gerade unterwegs zu diesem Aussichtspunkt ist. Hat ein solches Auto deshalb einen freien Willen? Nicht unbedingt. Selbst wenn es Auskunft über seine Motive machen könnte – selbst wenn es dabei nicht ganz aufrichtig wäre, weil es weiss, dass der Passagier eine ehrliche Antwort übel nehmen würde. Ein solches Auto kann all das beschriebene „leisten“, ohne dass etwas wie ein freier Wille in seine Software eingebaut wäre – und vielleicht ist auch in den Menschen keine solche „Freie-Wille“-Software eingebaut.

  5. @Martin Holzherr

    »Ein intelligenter und kompetenter Agent operiert mit Modellen – und wenn er mehrere Kompetenzen besitzt, möglicherweise sogar mit mehreren interagierenden Modellen. Deswegen hat er jedoch noch keinen freien Willen wie das Beispiel des autonomen Fahrzeugs zeigt, welches schon bald zum Strassenalltag gehören wird. «

    Na, das kommt darauf an, wie man Willensfreiheit definiert. Wenn das Auto völlig selbstbestimmt aufgrund internen „Wissens“ entscheidet, wo es lang fährt, dann hat es meines Erachtens sehr wohl etwas, was dem (freien) Willen der Lebewesen analog ist. Für diese „Freiheit“, die aus der Selbstbestimmung resultiert, ist das Vorhandensein eines „Bewusstseins“ imho keine Voraussetzung.

  6. @Balanus : Willensfreiheit ist graduell

    Sie schreiben: „Wenn das Auto völlig selbstbestimmt aufgrund internen „Wissens“ entscheidet, wo es lang fährt, dann hat es meines Erachtens sehr wohl etwas, was dem (freien) Willen der Lebewesen analog ist.“¨

    Genau das wollte ich mit dem Titel „Ist der freie Wille ein weltanschauliches Konzept?“ andeuten.

    Vielleicht ist der freie Wille genau so eine Überhöhung wie die Idee eines allmächtigen Schöpfers wohl eine Überhöhung gewisser menschlicher Eigenschaften ist.

    Der freie Wille ist tatsächlich beschränkt durch die Beschränkung des Besitzers dieses freien Willens, denn was der nicht weiss, kann ihm auch nicht bei der Entscheidungsfindung helfen. Je mehr Optionen man hat, desto bessere Voraussetzungen hat man wohl um wirklich frei zu entscheiden. Freier Wille kann also auch eine Einbildung sein oder etwa bedeuten, dass man nur zwischen 2 Optionen entscheiden kann, weil man nicht mehr kennt oder einem die Ressourcen für mehr fehlen.

  7. Freiheit, die ich meine

    Am 18.März habe ich mit einer Gruppe Musik für eine Feier gespielt, die vor dem Brandenburger Tor und später noch einmal auf dem „Friedhof der Märzgefallenen“ in Friedrichshain stattfand, zu Ehren des 18.3.1848, dem Tag einer Revolution, die das schöne Lied „Die Gedanken sind frei“ zur Losung hatte.
    Wir haben dieses Lied auch gespielt und über die Melodie improvisiert wie im Jazz, jedes Melodieinstrument einen Chorus.
    Und da begegnete ich der Freiheit, nachdem ich die Melodie genau nach Vorschrift gespielt hatte, plötzlich konnte ich spielen, was ich wollte, eine Variation der Melodie, die ich nie zuvor gespielt hatte, die sich während des Spielens erst entwickelte, unvorhersehbar und unwiederholbar, eine freie Improvisation, die sofort in der Vergangenheit verschwand, für immer.
    Ich kann garantieren: Bei der nächsten Gelegenheit wird die Improvisation über dieses Thema völlig anders ausfallen, aber ich habe heute noch keine Ahnung, wie es dann klingen wird.
    So viel über meine Freiheit. Dazu gehört übrigens, daß ich es auch sein lassen könnte.

  8. Im Flow

    Wenn man als Teilnehmer einer Gruppe improvisierender Musiker über einige Zeit zusammen auf einem gleichmäßigen beat groovt oder swingt, nicht an Noten gebunden eine freie Entfaltung der musikalischen Phantasie zulässt und gerade mitten drin in einer Variation des Zyklus die neuesten Passagen erklingen läßt, dann ist ab und zu, „nolens volens“, der Zustand des „Flow“-Gefühls erreicht.

    Darunter versteht man unter Musikern ein Gefühl maximaler Wachheit, in dem die Zeit im Bewußtsein stark gedehnt erscheint und alle musikalischen Schwierigkeiten plötzlich aufgehoben sind. Der Körper spielt perfekt und völlig mühelos frei und das Ich ist hellwach dabei, gibt Impulse dazu, es ist eine vollkommene Einheit von Körper und Geist im Zeitlupentempo gegenwärtig.

    Nach meinen Erfahrungen sind diese Flow-Zustände nur von kurzer Dauer, kaum eine halbe Minute lang, weil diese Intensität des Erlebens über längere Zeit nicht aufrecht zu erhalten ist. Jeder Versuch, den Zustand rational zu analysieren, führt sofort zu seinem Verschwinden.

    Ich vermute eine Verwandschaft des „Flow“ mit den Ekstasen und Trancezuständen, die in afrikanischen Stammesbräuchen mit Trommelei und Tänzen angestrebt werden.
    Für die Hirnforschung zeigt sich in diesen Phänomenen die Notwendigkeit, den Rhythmen der cerebralen Tätigkeiten, dem bioelektrischen Pulsschlag des Geistes noch viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher, um den Geheimnissen des Bewußtseins auf die Spur zu kommen.

  9. Selbstbewusstsein

    Eine Voraussetzung für Willensentscheidungen ist der Rückbezug auf ein eigenes Selbst/Ich (= Selbstbewusstsein) und daraus ergebend, die Abgrenzung von anderen Wesen. Dieses ´ich will´ grenzt solche Entscheidungen von Reflexen oder Computerprogrammen ab. Außerdem muss die Entscheidung im Rahmen der eigenen Möglichkeiten frei sein – d.h. auch bewusst falsche Entscheidungen müssen möglich sein.
    Einen ´freien´ Willen kann es daher nie geben, da jede Entscheidung an vorhandene Möglichkeiten (Wissen) gebunden ist.

    Die Experimente von Benjamin Libet sind völlig ungeeignet um irgend etwas zum Thema ´Willensentscheidung´ auszusagen. Mit diesen Experimenten kann man lediglich messen, wann eine Entscheiung/Handlung bewusst wird. Darüber, wie sie entstanden ist, kann keine Aussage erhalten werden.

  10. @Holzherr:

    Soweit mir bekannt, kam das Konzept vom „freien Willen“ erst mit dem (Früh?)Christentum auf, als Übertragung einer theologischen Erklärungslücke: Gott habe mangels sonstiger Ursachen mittels seines „freien Willens“ den Kosmos zu einem bestimmten Zeitpunkt geschaffen, und nicht früher oder später. Erst im zweiten Schritt wurde dies Konzept auf (Gott strukturgleiche) Menschen übertragen. Ein paar dazu befragte Religionswissenschaftler hielten das für eine plausible Herleitung, allerdings hatte ich weder zeit noch Lust, genauer nachzuschauen. Insbesondere sind mir keine dem seitdem vorhandenen vergleichbare Konzepte „freien Willens“ aus älteren Quellen bekannt.

  11. @T: Freier Wille und Verantwortung

    Wenn ein „Freier Wille“ zuerst Gott, später auch dem Menschen zugeschrieben wird, so sind wir damit auch beim Begriff der Verantwortung angelangt. Gott hat die Welt aus freiem Willen geschaffen und verantwortet sie damit auch. Der Mensch, der über freien Willen verfügt, ist für seine Taten verantwortlich. Stellt man nun dieses überhöhte Konzept des freien Willen – vielleicht zu Recht – in Frage, so stellt sich sofort die Anschlussfrage, wo den die Verantwortung für die Taten eines Menschen bleibt. Das kann konkrete Auswirkungen haben: Ein Verbrecher, der seine Taten nicht aus freiem Willen, sondern aus einem nicht kontrollierbaren inneren Antrieb vollbracht hat, kann ja nicht die Verantwortung für seine Taten übernehmen und gehört in die Verwahrung anstatt ins Gefängnis. Doch eine derartige generelle Schlussfolgerung wäre wohl verheerend, denn sie würde uns alle zu Patienten machen – vielleicht auf Lebenszeit.

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