Gentechnik in Europa: BASF kapituliert

Nachdem sich in den letzten Jahren die Ablehnungshaltung der Europäer gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen in der Landwirtschaft verhärtete, schließt BASF nun alle entsprechenden Forschungseinrichtungen und richtet seinen Fokus auf andere Regionen. Deutschlands Äcker sind damit ab 2012 nun endgültig Gentechnik-frei. Greenpeace frohlockt und wiederholt mantraartig „Agro-Gentechnik ist keine Zukunftstechnologie“ und „Koexistenz ist nicht möglich“ – als wenn es dadurch wahr werden würde. NGOs wie Greenpeace oder Foodwatch haben maßgeblich dazu beigetragen, in der Bevölkerung und Politik eine nicht rational zu rechtfertigende Abwehrhaltung gegen alles was „Gen“ im Namen hat, aufzubauen. Der Abzug von BASF nach Nordamerika ist letztlich eine geschäftstaktische Reaktion, die ich nachvollziehen, aber nicht gutheißen kann, denn es ist eine Kapitulation vor der Unvernunft.

Demo

Nicht nur mit dieser Art von Protest musste sich BASF auseinandersetzen, Argumente spielen beim Fähnlein schwenken eine eher untergeordnete Rolle (Bildquelle: CC-BY-SA by Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg)

Ablehnung hat in den letzten Jahren zugenommen

Freilandversuche durchzuführen ist für Universitäten und Forschungsinstitute zu einem unkalkulierbaren Risiko geworden. Aktivisten zerstörten wiederholt Versuchsfelder und sabotierten damit öffentliche Forschung. Zuletzt richtete sich die Gewalt nicht nur gegen Versuchspflanzen, sondern auch gegen Menschen: Im Sommer 2011 brachen Aktivisten in den „Schaugarten Üplingen“ in Sachsen-Anhalt ein, bedrohten den Wachschutz mit Pfefferspray und zerstörten anschließend Gen-Weizen und Killer-Kartoffeln. Ein Jahr zuvor gab es Übergriffe auf das private Umfeld des ETH-Professors Wilhelm Gruissem, der Risikoforschung an gentechnisch veränderten Pflanzen betreibt. Die Militanz der Gentechnik-Gegner hatte damit definitiv ein neues Level erreicht. Damit sind die Felder inzwischen nicht nur ein finanzielles, sondern ein persönlich bedrohendes Risiko.

Von der Kommerzialisierung von gentechnisch veränderten Ackerpflanzen kann man hierzulande nur träumen: Kleinunternehmen haben es längst aufgegeben, auf diesem Gebiet zu arbeiten. Nur die Großkonzerne mit ihren prall gefüllten Kassen können darüber nachdenken, eine neue Pflanzensorte durch den Zulassungswahnsinn zu prügeln. Selbst nach erfolgreicher Zulassung sind die Firmen nich nicht sicher: Gegen Monsantos insektenresistenten Mais MON810 gibt es in vielen europäischen Ländern politisch begründete Anbauverbote.

BASF kapituliert – das falsche Signal

Nun hat BASF als das letzte Großunternehmen, das in europäische Agrar-Gentechnik zuletzt mehr als eine Milliarde Euro investiert haben will, endgültig das Handtuch vor der Ignoranz der Europäer geworfen. Der Konzern stampft damit auch alle auf den europäischen Markt ausgerichteten Projekte ein, wie die Papierstärke-Kartoffel Amflora, die nach 13 Jahren endlich eine EU-Zulassung bekam, oder auch die mit Wildkartoffelgenen versehene Fortuna, die resistent gegen Knollenfäule ist. Amflora wollte keiner haben und wurde nach nur zwei Jahren nicht mehr vermarktet. Die Pommes-Kartoffel Fortuna, deren Zulassung erst im November 2011 beantragt wurde, wird gar nicht erst am Markt eingeführt werden.

Damit ist auch nicht zu erwarten, dass die Bürger durch den Kontakt mit dem Produkt die Scheu vor ihm verlieren.

Auch aus anderen Gründen ist der BASF-Rückzug bedauerlich: Arbeitsplätze und damit auch Perspektiven für Jungforscher in Deutschland gehen verloren, und in der Konsequenz wandert das Know-How in das Ausland ab. Ein Kommentar, den ich vor kurzem von einer „nachwachsenden“ Pflanzengenetikerin gehört habe, lautete: „Naja, dann gehe ich halt auch in die USA, um da zu arbeiten“. Nicht zuletzt waren die schlechten Perspektiven auf dem Gebiet auch für mich der Hauptgrund, weshalb ich mich nach meiner Diplomarbeit am MPI für molekulare Pflanzenphysiologie von diesem Themenfeld abwandte, um am Forschungsinstitut für molekulare Pharmakologie an einem Projekt mit medizinischer Relevanz zu arbeiten.

Natürlich ist es auch ärgerlich, dass sich der Konzern nun unter dem öffentlichen Druck gebeugt hat und die Gentechnikgegner sich gegenseitig auf die Schultern klopfen können. Die Panikmache in der Öffentlichkeit war erfolgreich.

Wer hat Schuld an der Misere?

Ich glaube nicht, dass die Ablehnung bei entsprechender Aufklärung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten wäre – die existierenden Vorurteile richten sich meistens gar nicht gegen die Technologie an sich, und kann man sie dementsprechend auch abbauen. Leider wird der Themenkomplex von NGOs, vorgeblich „naturnah“ operierenden Unternehmen und nicht zuletzt die Politik für ihre Zwecke instrumentalisiert und missbraucht. Damit sind die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern verhärtet und die extremen Meinungen der Aktivisten beider Seiten sind in die öffentliche Meinung gesickert. Sicher kommt auch den Großkonzernen, die durch massive Lobbyarbeit und aggressive Patentpolitik auffallen, ein Teil der Schuld am Imageverlust der grünen Gentechnik zu.

Dabei liegt es auf der Hand, warum wir Gentechnik brauchen, auch in Europa. Eine Landwirtschaft, die in summa nachhaltiger ist, als die „konventionelle“ oder die „biologisch-organische“, wäre damit möglich. Ein Beispiel ist die bereits erwähnte BASF-Kartoffel Fortuna, die die Verwendung von giftigen Pilz-Pestiziden verringern könnte, deren erfolgreiche Marktzulassung nun aber wieder fraglich ist.

Stattdessen ziehen die Wohlstandsmaden am 21.01. wieder ums Rote Rathaus, demonstrieren gegen Gentechnik und für „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“. Macht dieser Slogan denn überhaupt Sinn?

 

Lesenswert

Martin Ballaschk ist Biologe, enthält Glutamat und ist auch noch stolz drauf! Er bloggt hier über Dinge, die ihn erstaunen, aufregen oder die er einfach für sich und seine Mitmenschen aufarbeiten möchte. Beruflich als Kommunikator an einem Berliner Forschungszentrum, hier privat.

29 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Gentechnikangst: Sieg des Irrationalen

    Genmanipulation ist etwas problematisches, weil sie im Prinzip fast alles ermöglicht. Doch wenn schon ist ein Eingriff in menschliche Gene das wovor man sich scheuen sollte, nicht aber die Veränderung von Pflanzen, die uns als Nahrungsmittel dienen, denn was wir essen ist schon das Resultat eines Design-Prozesses.

  2. Es ist schon sehr unverständlich, dass das was in der Medizin ein Segen ist, auf die Technik will keiner mehr verzichten, man läßt sich mit Hilf der gentechnik hergestellte Impfstoffe unter die Haut spritzen, ist in der Landwirtschaft Teufeszeug.
    Es ist bedauerlich, dass dieser widerspruch nicht genügend aufgeklärt werden konnte. Obwohl ich mittlerweile das dumpfe Gefühl haben, so einige Gruppen sind an Aufklärung, auch über die simpelnsten Grundlagen der Pflanzenzüchtung gar nicht interessiert.

  3. Wissenschaft in den Medien

    Ich bin kein Wissenschaftler, ich interessiere mich nur dafür. Wenn man danach sucht findet man solche Blogs wie diesen oder andere, es ist auch kein Problem direkt mit Wissenschaftlern per Twitter etc. in Verbindung zu treten. Dies ist allerdings Zeitaufwenig und man muss schon Interessen daran haben. Manches fällt einem nicht einfach in den Schoss.

    Worüber ich immer wieder stolpere sind die Probleme mit NGOs wie Greenpeace usw. Wenn die Wissenschaft es nicht schafft bessere Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, wird es auch nicht besser werden. Auf Mitarbeiter von Greenpeace oder Foodwatch ftrifft man in jedem Politktalk immer wieder, während das von der Wissenschaftsseite eher bei Null liegt.
    Woran liegt das ?

    Noch ein Wort zum Thema, Angst machen mir Firmen wie Monsanto nicht mit ihrer Technik, sondern mit ihren Patenten. Ich finde es höchstbedenklich wenn Patente auf Saatgut in der Hand von 1 oder 2 Firmen liegt.

  4. Patentierung ist eine rechtliche Frage

    „Angst machen mir Firmen wie Monsanto nicht mit ihrer Technik, sondern mit ihren Patenten.“

    Diese Bedenken teile ich. Aber das ist wie Du richtig angemerkt hast kein Problem der Gentechnik, sondern betrifft auch Sorten, die mit anderen Züchtungsmethoden gezüchtet wurden.
    Das sind rechtliche Fragen, aber keine Frage der Züchtungsmethode. Nur wurde das von den Gegnern der Gentechnik (bewußt?) genutzt, um gegen die Züchtungsmethode an sich Front zu machen.
    In Deutschland selber hat die Patentierung von Sorten auch nicht so eine große Bedeutung, da der Sortenschutz über das Sortenschutzgesetz geregelt ist, anders als in den USA.

  5. Gentechnik ist nicht pauschalisierbar

    Gentechnik lässt sich nicht pauschalisieren. Das zeigt schon der erste Beitrag von Daniel – der Vergleich zwischen grüner und roter oder auch grauer Gentechnik funktioniert nicht. Das sind z.T. fundamental unterschiedliche Technologien, die nur gemeinsam haben, dass sie auf Basis des Erbguts funktionieren. Nicht viel erfolgversprechender ist der Vergleich unterschiedlicher transgener Pflanzen. Auch hier kommen dermaßen unterschiedlicher Erzeugungsmethoden, vor allem aber so unterschiedliche Merkmale zur Anwendung, dass eine Pauschalisierung nicht zielführend sein kann.

    Dieses Problem haben Gegner wie Befürworter gleichermaßen.

    Es ist wissenschaftlich seriös dokumentierte Tatsache, dass transgene Pflanzen zu Umweltproblemen geführt haben. Das muss aber weder grundsätzlich an der Erzeugungsmethode liegen (Stichwort Herbizidresistenz und „Superunkräuter“), noch muss das schlimmer sein als bei konventioneller industrieller Landwirtschaft (Stichwort Biodiversität). Es bedeutet ebenso wenig, dass Ökolandbau frei von Problemen ist. Aber alle Seiten malen am liebsten schwarz-weiß. Und noch lieber kommunizieren sie selektiv.

    Die Trivialisierung der Koexistenz teile ich übrigens nicht. Auskreuzungen können sowohl ökologisch relevant sein wie ökonomisch. Das spüren zurzeit Imker, denen es aufgrund von Grenzwerten fast unmöglich wird, Biohonig zu produzieren. Natürlich sind Auskreuzungen ein Problem, dass durch genetische Sterilität gelöst werden kann – aber die heute angebauten Pflanzen sind noch nicht so weit. Und an solchen Punkten geraten dann schnell der Protest, gegen das, was heute zugelassen ist, und das, was erforscht wird (oder sogar reine Biosicherheitsforschung ist) durcheinander.

    Das Thema Lebensmittelsicherheit will ich nur streifen (weil es kein großes ist): Es gibt immer mal wieder Entwicklungen, die eingestampft werden, weil sie gesundheitlich (oder ökologisch) bedenklich sind. Ebenso gibt es Fälle, in denen noch nicht zugelassene Events aus der Forschung in kommerziellen Anbau oder Handel gelangen. Passiert so was mal für eine Entwicklung, die sich als problematisch herausstellt, kann das böse enden, vor allem bei fehlender Sterilität. – Nein, das muss man durchaus nicht überbewerten, aber ich finde, man darf so etwas auch nicht blind ignorieren.

    Für mich stellt sich daher immer die Frage, ob wir diese Technik benötigen. Meine Erfahrung als Biotechnologe und jemand, der das Thema Pflanzenforschung seit einem Jahrzehnt intensiv begleitet ist: weit seltener als von einer Handvoll Konzernen gern suggeriert wird. Die Eigenschaften, die agrarisch attraktiv sind und im Genpool der Wildverwandten nicht vorkommen – sprich: die sich nicht konventionell und markergestützt einkreuzen lassen – sind wenige. Resistenzen sind ja meist erst im Zuge der Kultivierung verloren gegangen und lassen sich so zurückgewinnen. Das eine Gen für noch höhere Erträge gibt es eh nicht. Es geht heute also viel mehr darum, die Funktion der natürlichen Gene einer Art zu entschlüsseln und die interessanten zusammenzuführen. Das gelingt mit markergestützter Selektion (oder schneller) als per Gentransfer, ohne dass ethische oder ökologische Einwände laut werden.

  6. @Björn

    Hallo Björn,

    danke für den ausführlichen und abwägenden Kommentar!

    Du hast absolut Recht – man kann Gentechnik nicht pauschalisieren, es läuft im Grunde immer auf eine Einzelfallentscheidung hinaus. Die Zulassungsverfahren pauschalisieren aber insofern, dass gentechnisch erzeugte Merkmale eine Sonderbehandlung erfahren.

    Inwiefern grüne Gentechnik „fundamental anders“ sein soll, erschließt sich mir nicht. Der einzige gravierende Unterschied ist die Exposition der Konstrukte ins Freiland.

    Es ist auch richtig, dass der Anbau von transgenen Pflanzen zu Problemem führen kann. Wie du sagst, sind diese Probleme aber nicht unbedingt von der Erzeugungsmethode abhängig.

    Was die „Trivialisierung“ der Koexistenz angeht: dass diese unter den gegebenen Rahmenbedingungen unmöglich ist, liegt auf der Hand. Die Ursache sind dabei die Grenzwerte, eine Nulltoleranzforderung ist meiner Meinung nicht zu rechtfertigen, da eine geringe Kontamination durch zugelassene GVOs keine größeren Risiken darstellt, als durch konventionelle Pflanzen. Asukreuzungen sind ebenso heute in den Griff zu bekommen, in den USA oder Kanada funktioniert es doch auch (bei entsprechend anderen Grenzwerten natürlich).

    Die Frage, ob man die Technologie benötigt, lässt sich schlecht im Vorhinein abschätzen. Sie hat sicher nicht den „silver bullet“-Status, den sie manchmal zugeschrieben bekommt. Selbstverständlich lassen sich viele komplexe Merkmale nicht durch die doch relativ primitive Gentechnik lösen, sie hat aber auf jeden Fall Potenzial für nachhaltigere und trotzdem produktivere Landwirtschaft. Die Fortuna-Kartoffel und transgene Cavendish-Bananen könnten den Einsatz von Fungiziden verringern und Verluste vermindern.

    Ob nun Marker-gestützte Züchtung immer besser sein muss, können wir beide vermutlich gar nicht abschätzen. Auch hier wird das vom Einzelfall – welche Pflanze, welches Merkmal, welche Ausgangsbedingungen – abhängen.

    Es sind auch bei weitem auch nicht nur Konzerne, die an angewandter Gentechnik forschen, schließlich geht es auch um weniger lukrative Biofortikations-Merkmale wie bei Golden Rice oder BioCassavaPlus. Natürlich braucht es dann für eine Kommerzialisierung einen finanziell starken Konzern, der die Zulassung schultern kann, außer Projekte werden von Non-Profit-Organisationen oder von staatlicher Seite getragen.

  7. schwieriges thema

    Hey martin,

    also wie schon gesagt, ich hatte noch letzte woche meine bewerbung zu basf geschickt, die ich mir aber wirklich haette schenken koennen 🙁 und so wie es aussieht geh ich dann sogar eher nach china als in die usa, da es da viel mehr staatliche stipendien for postdocs gibt.

    es mag ja eins sein, gegen gentechnisch veraenderte lebensmittel zu sein, aber forschungsarbeiten zu sabotieren find ich richtig gruselig.. und solche seiten hier find ich auch krass:http://www.gendreck-weg.de/

    aber kann ja jeder seine meinung sagen und sich dann von gaensebluemchen ernaehren :/

  8. „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“. Macht dieser Slogan denn überhaupt Sinn?

    Nein. Über 90% der landwirtschaftlichen Betriebe in D. sind Familienbetriebe in Form von Einzelunternehmungen. Der Großteil der landwirtschaftl. Nutzfläche in D. ist zwischen klein- und mittelständischen Betrieben aufgeteilt. Mit dem Begriff Agrarindustrie werden weiterhin verschiedene Produktionsabschnitte, wie Urproduktion oder Veredlungswirtschaft, miteinander vermischt und als ein Ganzes angesehen, um so den Eindruck einer, über alles stehenden, Maschinerie zu erwecken. Das ist aber natürlich nicht wahr.

  9. Niemand hinterfragt

    niemand hinterfragt die eigentlichen Motive von Foodwatch oder Greenpeace oder anderen „Nonprofits“. Sie machen sehr wohl Profit und zwar mit der Panikmache vor allen möglichen Umweltgefahren. Hier gibt es einen recht spannenden Artikel zu Greenpeaces Profitaktivitäten http://jetzt.sueddeutsche.de/…e/anzeigen/536460.

  10. Eine Laienperspektive

    Also grundsätzlich zähl ich mich ja auch zu den Gegnern der Gentechnik, lass mich allerdings durchaus überzeugen, wenn es irgendwo Bereiche gibt, wo sie nützlich erscheint. Allerdings bin ich da zur Zeit auch nicht vollstens informiert, weshalb ich mich zu den Details nicht qualifiziert äussern kann.

    Aber ich sehe bezüglich der Diskussion noch ein anderes Problem, das hier auch schon anklang: nämlich die Verwicklungen der Industrie mit der Politik und die ebenfalls in den letzten Jahren systematisch voran getriebenen Abhängigkeiten der Hochschulen von der Wirtschaft, die so langsam auch auf die Schulen davor übergreifen. Solange diesem Treiben kein Ende gesetzt wird, sehe ich keine Grundlage für eine wirklich zielführende Diskussion in der Gesellschaft, in der Pro und Contra sachlich diskutiert und abgewogen werden können, und man dann zu einer (hoffentlich) sinnvollen Enscheidung kommen kann. Das gilt übrigens nicht nur für die Gentechnik, sondern für jegliche Naturwissenschaft und Technik.
    Denn durch diese Verwicklungen bekommt man nur teilweise richtige Informationen, und weil das Thema sehr komplex ist und in weiten Teilen der Bevölkerung das notwendige Grundlagenwissen fehlt, das für eine sachliche Beschäftigung notwendig wäre, kann auch keine sinnvolle Diskussion und Meinungsbildung stattfinden. Von daher wundert mich diese Schwarz-weiss-malerei überhaupt nicht.

    Dazu kommt meine Ansicht, das manche Firmen anscheinend überhaupt kein Interesse an einer sachlichen Diskussion haben, weil sich dadurch ihre Profitmargen schmälern könnten. Anstatt frühzeitig in die Diskussion einzusteigen, um evtl. die Ausrichtung der Forschung noch rechtzeitig ändern zu können, wird stur an bestimmten Zielen festgehalten, weil man schon soviel Geld da rein gesteckt hat, das man nicht abschreiben will. So jedenfalls mein Eindruck.
    Und speziell das Geschäftsgebaren von Monsanto, die es schaffen, Landwirte vor Gericht verurteilen zu lassen, weil auf deren Feldern Pollen gefunden wurden, die von Nachbarfeldern stammen, ist in meinen Augen einfach nur kriminell. Da solche Fälle allerdings auch gezielt aufgebauscht werden, wundert es mich nicht, das man in Europa nichts von dieser Firma haben will.

    Von der Militanz einiger Gegner halte ich aber auch nichts, insbesondere dann, wenn wirklich Risikoforschung betrieben wird. Aber ob das tatsächlich der Fall ist, kann ich auch nicht beurteilen.

    Noch kurz zum Thema Patente: Abgesehen davon, dass ich das Patentrecht an sich für überholt halte, hat es meiner Ansicht nach in der Biologie im allgemeinen und in der Gentechnik im speziellen überhaupt nichts verloren. Die Gene sind ja schon da, im wesentlichen seit es die Lebewesen gibt, die sie in sich tragen, auch wenn sie sich im Laufe der Zeit verändert haben. Dem entsprechend gibt es da keine neuen Erfindungen, also auch nichts zu patentieren. Und Patente auf Arbeitsmethoden halte ich insgesamt für Innovationsbremsen.

    Soweit meine Laienperspektive.

  11. Patente

    Burbanks Wirken und seine Erfolge führten zur Einführung eines Gesetzes über die Patentierbarkeit von Pflanzensorten im Jahre 1930. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Schutz für Züchter davor, dass andere ihre Züchtungen vermehrten und verkauften.

    aus http://de.wikipedia.org/…bank#Kritik_und_Wirkung

    sowie in Deutschland wurden die ersten Sorten auch patentiert bevor der Sortenschutz eingeführt wurde (eine Onlinequelle finde ich gerade nicht).

    Somit ist die Patentierbarkeit von Pflanzen ein alter Hut und keine böse Monsantoerfindung

  12. @pfiffig

    Ich hab auch nicht behauptet, das die patentierbarkeit von Pflanzen, eine Erfindung von Monsanto ist, sondern das mir diese Firma hauptsächlich durch besonders miese Geschäftspraktiken in diesem Zusammenhang bekannt ist.
    Und schliesslich halte ich nicht nur nichts von der patentierbarkeit von Pflanzen, sondern ganz allgemein von Patenten auf irgendwelche Gene, seien sie nun in Pflanzen, Tieren oder Menschen zu finden. Denn die Gene sind schliesslich schon da, also kann sie niemand erfinden, sondern bestenfalls entdecken. Und auf Entdeckungen besteht kein Patentanspruch.

  13. Antwort

    Hallo @alle,

    entschuldigt bitte die späte Antwort. Ich hatte in den letzten Tagen wenig Zeit, hier reinzuschauen.

    @Maria:

    Schlimme Website … wenn die nur ihre Meinung sagen würden, hätte ich ja nichts dagegen, aber die haben sich ja „Feldbfreiungen“ ganz groß auf die Fahnen geschrieben.

    @Reuben:

    Das ist interessant, ich habe nie nach diesen Zahlen gesucht. Wo hast du sie gefunden?

    @D. Müller:

    In Europa sind es angeblich 140 Stellen, davon 57 in Gatersleben (d.h. in einer sowieso strukturschwachen Region in Sachsen-Anhalt) und 66 in Limburgerhof in der vormaligen Zentrale.

    @Frau Schmitz:

    Danke für den Link!
    Greenpeace und NGOs haben sicher Ziele, die nicht so offensichtlich sind, wie die aus der Satzung. Wenn man das Thema anspricht, dann wird man aber in der Regel schief angekuckt. Auch wenn es bei Greenpeace vielleicht nicht ums Geld geht, sind Macht und Einfluss, Prestige oder das schlichte „Sich-Besser-Als-Andere-Fühlen“ auch gute Motivatoren. Man kann eine Ideologie verfolgen, auch ohne davon irgendwie finanziell zu profitieren.

    Spätestens seit der Sache mit Brent Spar hat Greenpeace doch jede Glaubwürdigkeit verloren, dass sie trotzdem eine gewisse Meinungsautorität für die Bevölkerung besitzen, kann man fast nicht glauben.

    @Hans:

    Klar, das massive Lobbying und die mangelnde Transparenz der Verbindungen zwischen Wirtschaft und Politik sind sicher in jedem Wirtschaftszweig unerwünschte Dinge.

    Was die Patente angeht, bin ich zwiegespalten. Ich verstehe, dass viele Entwicklungen viel Geld kosten und dass die Erfinder – egal ob Privatleute oder große Firmen – davor geschützt werden müssen, dass man ihnen ihre Ideen „wegnimmt“. Man kann das aber auch missbrauchen, und die Entwicklung in Richtung Trivialpatente etc zeigt, dass da was schief läuft in letzter Zeit.

    Die Geschichte von Gerichtsverfahren, wo Monsanto Bauern verklagt, weil sie geringe Mengen ihres Saatguts auf deren Felder gefunden haben, halte ich für einen Mythos. Der Fall Percy Schmeiser zeigt, dass sehr viel Lügen von seiten der Anti-GMO-Aktionisten verbreitet werden. Er hat Monsantos Saatgut auf riesigen Flächen vermehrt, was natürlich gegen jedes Abkommen verstieß. 90% reiner GVO-Anbau ist keine „Verunreinigung“ mehr.

  14. Monsanto @Martin B.

    „Die Geschichte von Gerichtsverfahren, wo Monsanto Bauern verklagt, weil sie geringe Mengen ihres Saatguts auf deren Felder gefunden haben, halte ich für einen Mythos.“

    Eine Quellenangabe wäre aber überzeugender gewesen. Zumal es ja etliche Gerichtsverfahren gab, wo Monsanto Bauern verklagte oder selbst verklagt wurde.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto

  15. Was genau ist denn umstritten?

    Darf ich aus deinem Artikel zitieren?

    “ Auf etwa einem Hektar selektierte er durch Anwendung von Roundup Saatgut, welches zu mindestens 95 % die patentierte Technologie enthielt. Als er im Folgejahr auf einer Fläche von rund 400 ha dieses nachgebaute Saatgut aussäte, wurde er vom Herstellerkonzern wegen Patentverletzung verklagt. Diese Klage war mit einer Forderung von 200.000 Dollar verbunden.“

    Ich kann nur vermuten, aber wer glaubt denn, dass Schmeiser das getan hat, um sich verklagen zu lassen und gegen Monsanto Aufmerksamkeit zu erregen? Viel eher hat er doch gegen Monsantos Auflagen verstossen, um sich zu bereichern.

    Und auch wenn er im moralischen Sinne recht hätte (das finde ich nicht), so hat er auf jeden Fall diesen Prozess verloren.

  16. Wer darf sich bereichern und wer nicht?

    Er hat das Saatgut ja nicht gestohlen und auch nicht gekauft, gegen welche (vertraglichen) Auflagen hat er da verstoßen? Und wenn der Wind z.B. genverändertes Saatgut von einem Feld aufs andere weht, was in der Landwirtschaft nicht selten vorkommt, was hätte er dann tun sollen? Klar! Er hätte die Saat vernichten können, aber dadurch wäre er selbst zu Schaden gekommen. Außerdem sind genveränderte Pflanzen extrem widerspenstig: http://www.sueddeutsche.de/…derspenstig-1.263574

    In dem Wikipedia-Artikel steht: „Monsanto hatte ihn vor der Aussaat darauf hingewiesen, dass es sich um patentiertes Saatgut handelte, für das er keine Lizenz besaß. Der Konzern berief sich darauf, dass laut Patentrecht eine selbständige Gewinnung von Saatgut mit patentierten Eigenschaften durch die Landwirte ausgeschlossen und nur eigens dazu von Monsanto vertraglich berechtigten Vermehrern gestattet sei. Schmeiser hielt dagegen, dass Landwirte seit jeher das Recht gehabt hätten, Saatgut auf ihrem eigenen Land selbst zu vermehren. Es sei seiner Meinung nach unzulässig, dieses Recht in Form der von Monsanto oder anderen Agrochemie-Konzernen aufgeführten Patente zu beschneiden oder zu umgehen.“

    Sicher kann Monsanto behaupten er hätte dafür keine Lizenz gehabt, was ja auch stimmt. Aber es gibt noch krassere Beispiele und wenn Monsanto sich da durchsetzt, dann stehen eine Menge Bauern vor dem Ruin oder zumindest vor einer neuen modernen Leibeigenschaft: http://www.youtube.com/…6Kp4&feature=related

  17. Zahlen musste Schmeisser nicht …

    „In Kanada erregte ein Fall Aufsehen, der bis zum obersten Gerichtshof ausgefochten wurde. Monsanto beschuldigte 1998 den Landwirt Percy Schmeiser, unberechtigt und unter Verletzung eines Monsanto-Patents die genetisch modifizierte Raps-Variante „Roundup-Ready Canola“, die gegen das Herbizid Roundup resistent ist, angebaut zu haben. Nach Angaben Schmeisers war Raps von vorbeifahrenden Lastwagen gefallen oder von nahen Feldern anderer Bauern herübergeweht worden. Er hatte dies festgestellt, nachdem er auf etwa einem Hektar entlang der Straße Roundup ausbrachte und rund 60 Prozent der Pflanzen überlebten. Aus diesem Teil hatte er Saatgut gewonnen und danach auf 400 Hektar gezielt angebaut und kommerziell verwertet. Die 2004 gefallene höchstrichterliche Entscheidung legte dem Landwirt keine Lizenzzahlungen und keinen Strafschadensersatz auf, da er nicht von den besonderen Eigenschaften der Roundup-resistenten Rapssorte profitiert hatte, hielt aber fest, dass er prinzipiell nicht das Recht hatte, die patentierte Sorte wissentlich anzubauen, nur weil sie zufällig auf seinem Land aufgetaucht war.“
    Wikipedia.de zu Monsanto

  18. Martin B.

    Wem was zusteht regeln ja die Gesetze. Nach deutschem Recht z.B. gehören Früchte, die von Nachbars Garten auf das eigene Grundstück fallen, dem Finder. Er darf zwar nicht nachhelfen und den Baum schütteln, aber er darf die Früchte aufklauben und behalten.
    http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__911.html

    Was sagst Du denn zum Verhalten Monsantos in Bezug auf die Schweine (mein letzter Link oben)?

  19. @Mona

    Ich kann mir gerade keine Videos anschauen, und fuer eine Stunde Interviews habe ich in absehbarer Zeit keine Zeit. Hast du schriftliche Quellen?

    Wegen Schmeiser hat das Gericht ganz klar entschieden, dass der Bauer sich über Gesetze hinweggesetzt hat. Ob es so toll ist, dass man Saatgut schützen lassen kann, ist eine Frage, über die man streiten kann. Aber es geht nicht, dass man sich über bestehende Regeln hinwegsetzt und die Konsequenzen nicht tragen will.

    Also: inwiefern ist der Schmeiser-Fall umstritten?

  20. Der Fall Schmeiser

    Ein Text zum Fall Schmeiser findet sich auch hier:
    http://gute-gene-schlechte-gene.de/…nden-teil-2/
    Aus dem Faustrecht seit 50 Jahren sein eigenes Saatgut vermehrt zu haben (was ohnehin nicht stimmt, da er ja Canola anbaut, also eben nicht Raps, sondern 00-Linien, die erst Mitte der 80 iger Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden) kann nicht abgeleitet werden, das das auch gilt für Hochleistungssorten, für die hohe Investitionen getätigt werden, egal von welchem Anbieter.

  21. @Torben:

    Schmeiser war sich dessen sicher bewusst, IIRC hat er selbst Saatgut hergestellt bzw. gezüchtet. Er hat also von dem System vermutlich über Jahre.hinweg profitiert.

    @Mona:

    Was soll ich nun zu den Schweinen sagen? Sicher operiert so ein großer Konzern nicht immer moralisch einwandfrei. Was soll mir das sagen?

  22. @Martin B.

    „Was soll ich nun zu den Schweinen sagen? Sicher operiert so ein großer Konzern nicht immer moralisch einwandfrei. Was soll mir das sagen?“

    Na, genau das was Du sagst: Dass so ein großer Konzern nicht immer moralisch einwandfrei operiert. Dadurch kann sehr viel Schaden angerichtet werden. Es muss daher eine klare Trennung zwischen Entdeckung und Erfindung geben. Das haben inzwischen auch die Bundestagsfraktionen eingesehen:
    http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48835

  23. @Mona:

    Das ist doch jedem klar – die Frage ist aber, ob man diese Missverhältnisse nun der Gentechnik ankreidet, oder sie als Symptom einer komplexeren Problems sieht, bei der die Gentechnik nur eine Nebenrolle besitzt.

  24. Bezüglich dieser Situation:
    Anscheinend ist man in Südamerika inzwischen auch tief zerstritten, was man nun zulassen sollte oder nicht, bzw. welche langfristigen wirtschaftlichen Folgen bzw. Abhängigkeiten da entstehen können, wie dieser Artikel hier zeigt.

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben