Gentechnik und die Öffentlichkeit – das große Missverständnis?

Eine neue Meinungsstudie zeigt, dass öffentliche Meinung und wissenschaftlicher Fakt oft weit auseinanderklaffen. Das macht das Streitthema „Gentechnik“ keine Ausnahme. Die Ursachen sind vielfältig. 

Vielerorts ist es der Standard: Gentechnik auf dem Acker. Seit Jahren steigt der Anteil gentechnisch bewirtschafteter Flächen immer weiter an und es scheint kein Ende des Trends in Sicht zu sein. 2014 wurden 181 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderten Pflanzen bewirtschaftet – das entspricht etwa einem Achtel der gesamten globalen landwirtschaftlich nutzbaren Oberfläche. Spitzenreiter sind die USA, wo Soja, Mais und Raps flächendeckend in der „biotechnologisch verbesserten“ Variante angebaut werden.

Die Wissenschaft ist sich weitgehend einig, dass gentechnisch veränderte Sorten genauso sicher sind wie konventionelle Sorten. Das zeigen nicht nur mehrere tausend Studien, sondern auch eine Umfrage unter den Mitgliedern der größten wissenschaftlichen Gesellschaft, der amerikanischen AAAS. Das Pew Research Institute fragte 3700 Wissenschaftler aller Fachrichtungen: „Denken Sie, dass das Essen gentechnisch veränderter Lebensmittel im Allgemeinen sicher ist?“. Hier gibt es einen klaren Konsens – etwa neun von zehn Wissenschaftler/innen bejahten diese Frage. Die wissenschaftliche Gemeinschaft befindet Genfood für sicher.

Nicht nur die Vernunft entscheidet über unsere Meinung zur Gentechnik. CC-BY: Javier Pincemin

Nicht nur die Vernunft entscheidet über unsere Meinung zur Gentechnik. CC-BY: Javier Pincemin

Die US-Öffentlichkeit war da ganz anderer Meinung. Nur ein gutes Drittel vertraut in die Sicherheit von Genfood. Damit ist die Ablehnung etwa so stark wie in Europa, wo laut Eurobarometer-Umfrage ebenfalls nur ein Drittel denkt, dass „Gentechnik-Essen gut für sich selbst und die Familie“ sei. Der entscheidende Unterschied zwischen den USA und Europa: auf europäischen Äckern gibt es praktisch keine Gentechnik. Lediglich Spanien bebaut nennenswerte Flächen mit der alten Maissorte MON 810; Spaniens Meinungswerte zur Gentechnik unterscheiden sich nicht vom Gesamtbild.

Ob Gentechnik von der Bevölkerung akzeptiert wird, hängt also kaum davon ab, ob sie auf den eigenen Äckern eingesetzt wird. Es gibt einige kulturelle Unterschiede, die die unterschiedliche Herangehensweise an gentechnisch verändertes Essen erklären könnten, aber eine Gemeinsamkeit scheint es zu geben: Es muss eine gigantische Lücke in der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik geben.

Das ist vermutlich gar nicht so überraschend, schließlich haben Wissenschaftler und der Rest der Öffentlichkeit völlig unterschiedliche Erfahrungen mit der Gentechnik. In den Laboren sind gentechnisch veränderte Bakterien, Nager und Pflanzen völlig normal. Sie gehören zum Alltag, also zu den vertrauten Dingen, vor denen man keine Angst hat. Die Bauern, die Gentechnik-Saat einsetzen, haben ihre Berührungsängste ebenfalls überwunden.

Anders jedoch die breite Öffentlichkeit: sie hat keinen Kontakt zu der Technologie. Gentechnik wirkt allein durch seine Fremdheit als Bedrohung. Schulexperimente könnten diese irrationalen Ängste abbauen, aber Schülerlabore wie „HannoverGEN“ werden eingestellt und sind vom politischen Klima abhängig.

Sollte die Wissenschaft also gegensteuern, indem sie über Hintergründe, Chancen und Risiken aufklärt? Immerhin fühlen sich viele laut Eurobarometer schlecht informiert. Aber Risikokommunikation ist nicht einfach, wie die Studie „Öffentliche Wahrnehmung von landwirtschaftlicher Biotechnologie in Europa“ (PABE) schon vor 15 Jahren zeigte. „Offenbar gibt es eine Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der öffentlichen Meinung durch Institutionen und der Einstellung der Teilnehmer unserer Studie“ meint die an PABE beteiligte Soziologin Claire Marris. Sie und ihre Kollegen haben für das EU-Forschungsprojekt die öffentliche Meinung nicht nur in standardisierten Fragebögen, sondern auch in tiefergehenden Fokusgesprächen erfasst. Das Ergebnis: Die Probanden hatten Fragen, die der Großteil der traditionellen Wissenschaftskommunikation gar nicht oder nicht zufriedenstellend adressieren kann.

Warum brauchen wir Gentechnik? Wer profitiert von ihr? Wer entscheidet, welche Sorten entwickelt werden? Wie gut ist die Kontrolle der Behörden über die Gentechnik-Konzerne? Wie gut ist die Abschätzung von irreversiblen Langzeitfolgen? Wer ist verantwortlich, wenn etwas schiefgeht?

Wenige Projekte beschäftigen sich differenziert und integrativ mit sozialen, ökonomischen und ökologischen Fragen, wie es etwa das Webportal Pflanzen-Forschung-Ethik aus München tut. Hier stellen Agrar- und Umweltwissenschaftler, Philosophen und Theologen fachübergreifende Fragen und ordnen sie in das „große Bild“ ein.

Trotz dieser Informationsabgebote: Nicht mehr Information, sondern Vertrauen ist essentiell, wenn es um die Einschätzung von Risiken geht. Die Allgemeinbevölkerung besitzt nicht das Wissen und das wissenschaftliche Handwerkszeug, um die Risiken von neuen Technologien einzuschätzen. Also tritt Vertrauen an die Stelle des Wissens. Das Vertrauen in die Aussagen der Behörden ist jedoch erschüttert, denn deren Kontrollmechanismen haben in der Vergangenheit oft genug versagt. Möglicherweise ist auch das Vertrauen in die Wissenschaft – über Jahrzehnte stabil auf hohem Niveau – nach Plagiatsaffären und Fälschungsskandalen auf einem Tiefpunkt angekommen.

Als „wahr“ wird wahrgenommen, was sich „wahr anfühlt“ und sich mit dem eigenen Weltbild vereinbaren lässt. Die Öffentlichkeit verliert nicht nur das Vertrauen in Behörden und Wissenschaft, die Gentechnik ist zudem emotional stark negativ besetzt. Man verbindet sie mit Krankheiten, rücksichtslosen Agrarkonzernen und Umweltschäden – auch wenn das nicht der Realität entspricht. Den Großteil der Risikokommunikation übernehmen heute Naturschutzorganisationen wie Greenpeace oder BUND, die ausschließlich Genetchnik-Risiken thematisieren. Trockene Statistiken aus der Sicherheitsforschung können dieses Bild nicht verändern. Dabei ist es egal, dass sie von der öffentlichen Hand finanziert wurden.

Möglicherweise ändert sich auch mit dem Erscheinen der Pew-Studie das amerikanische Meinungsbild. Die Umfrage legt nahe, dass es beachtlichen Widerstand gegen die Technologie gibt. Zweiflern könnte das den nötigen Schubs geben, um sich gegen Gentechnik zu orientieren – dafür ist es nicht erforderlich, über sie Bescheid zu wissen. Die amerikanischen Initiativen zur Einführung von Gentechnik-Kennzeichnungen scheiterten in der Vergangenheit. Vielleicht ist das in Zukunft anders.

***

Hinweis:  Dan Kahan, Sozialpsychologe und Jura-Professor an der Yale Law School hat Bedenken, dass die Pew-Umfrage die Frage nach dem Vertrauen in die Gentechnik sehr ungünstig gestellt hat, sodass die Antworten negativ gefärbt werden mussten. Zum Beispiel wäre die Frage in einem Kontext von Pestizid-Sicherheit und „Manipulation von Genen“ gestellt worden – beides Themen, die ganz natürlich eine Abwehrreaktion hervorrufen würden. Die konkrete Umsetzung sei ein lehrbuchtaugliches Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Die Lücke zwischen kollektiver öffentlicher Meinung uns wissenschaftlichem Konsens existiert wohl wirklich, aber sie ist wahrscheinlich nicht so groß. Seine Zweifel erklärt in seinem an sein Forschungsprojekt angeschlossenem und im Übrigen sehr lesenswerten Blog „Cultural Cognition“.

Martin Ballaschk ist Biologe, enthält Glutamat und ist auch noch stolz drauf! Er bloggt hier über Dinge, die ihn erstaunen, aufregen oder die er einfach für sich und seine Mitmenschen aufarbeiten möchte. Beruflich als Kommunikator an einem Berliner Forschungszentrum, hier privat.

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  1. Zitat: „Es muss eine gigantische Lücke in der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik geben.“ Ja, die gibt es, wie der Artikel Die grosse Kluft aufzeigt. Dort finden sich folgende Meinungsdifferenzen zwischen Öffentlichkeit und Forschung
    – Gentechnisch veränderte Lebensmittel sind unbedenklich: US 37, Scienctist 88
    – Tierversuche sind für die Forschung nützlich:US 47, Scientist 89
    – Mit Pestiziden behandelte Lebensmittel sind sicher: US 50, Scientist 87
    – Klimawandel ist hauptsächlich durch den Mensch verursacht: US 50, Scientist 87
    – Die Menschheit hat sich evolutionär entwickelt: US 65, Scientist 98
    – Die wachsende Weltbevölkerung wird ein grosses Problem: US 59, Scientist 82
    – Es sollten mehr Kernkraftwerke gebaut werden: US 45, Scientist 65
    – Mehr Offshore-Bohrungen nach Öl und Gas sind erwünscht: US 52, Scientist 32
    – Kinder sollten gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft werden: US 68, Scientist 86:
    – Es sollte mehr Biotreibstoff verwendet werden: US 68, Scientist 78

    Zusammengefasst:; Fast alle US-Wissenschaftler glauben an die Evolution und den Klimawandel, an den Sinn von Gentechnik, von Tierversuchen, Pestizidanwendung und von Impfungen und fast alle Wissenschaftler sehen eine Gefahr im Weltbevölkerungswachstum. Dagegen erhalten diese Aussagen bei der US-Allgemeinbevölkerung fast durchgehend weniger als 50% Zustimmung. Deutlich mehr Wissenschaflter als Nicht-Wissenschaftler befürworten zudem Kernenergie und Biotreibstoffe und lehnen Offshoreborungen ab.

    Warum ist das so? Ganz klar ist es die Bewirtschaftung von Ängsten durch bestimmte Gruppen und durch die Medien (die den Stimmen der Angst ein Echo geben) welche beispielsweise die Gentechnik, das Impfen, die Pestizide und die Kernkraft in den Augen der Öffentlichkeit schlecht dastehen lässt. Die Öffentlichkeit ist auch konservativer als es die Wissenschafler sind. Viele glauben, dass das was früher gut war, auch heute gut ist, weswegen viele Offshorebohrungen, das Bevölkerungswachstum und den Klimawandel als unbedenklich betrachten.

    • – Tierversuche sind für die Forschung nützlich:US 47, Scientist 89

      Ein wichtiger Faktor ist wahrscheinlich, in wie weit der Befragte jemals mit dem Thema in Kontakt gekommen ist.

      Wer nichts mit der klinischen Forschung zu tun hat, niemanden kennt, der in der klinischen Forschung arbeitet und sich auch die mit dem Thema auseinandergesetzt hat, der assoziiert dieses Thema vielleicht unwillkürlich mit dem Stichwort „Tierquälerei“.

      Wenn aber jamand selbst schwerkrank war und durch Heilmittel gerettet wurde, die in der klinischen Forschung entwickelt wurden (bzw. jemanden kennt, der so gerettet wurde) der bildet andere Assoziationen.

  2. „Denken Sie, dass das Essen gentechnisch veränderter Lebensmittel im Allgemeinen sicher ist?“. Hier gibt es einen klaren Konsens – etwa einer von zehn Wissenschaftler/innen bejahten die Frage.

    Fehlt da ein „un-“ im Zitat?

  3. Ich möchte mal meine Bedenken als einer der „allgemeine Bevölkerung“ äußern. Evtl. gibt es dazu gute Widerlegungen:
    1. Wir leben in einer seit Millionen von Jahren perfekt abgestimmten Umwelt. Wenn man in einer Richtung etwas ändert um einen Vorteil zu erhalten, geschieht auf kurz oder lang am anderen Ende etwas negatives. Antibiotika? –> Multiresistente Keime // fossile Brennstoffe? –> globale Erwärmung // Atomkraft? –> atomare Unfälle, problematische Entsorgung // Weißbrot / raffinierter Zucker –> Mangelernährung. Zum anderen Verstehen wir gerade beim Thema Ernährung noch sehr wenig. Die Flora im Darm ist weitgehend unbekannt. Ich bin daher der festen Überzeugung, dass Genfood in 10-20 Jahren zu neuen Krankheiten der Pflanzen und zu neuen Krankheitsbildern der menschlichen Ernährung führen wird.
    2. Konzerne haben 2 Zielgrößen: Umsatz und Gewinn. Solange die Gesundheit der Umwelt und der Bevölkerung diese Werte nicht negativ beeinflussen, sind sie irrellevant. Insofern bin ich auch der festen Überzeugung, dass die Entwicklung der neuen Sorten nur auf Profit zielt und das, was man zu sich nehmen wird, weniger Gesund sein wird, als natürliche Originale.
    3. Refugium. Ich liebe ja Wissenschaft und Technik, aber manchmal ist es auch zu viel. Wenn man mal komplett abschalten will und zu sich kommen will, macht man TV, Radio, Internet etc. aus, geht in die Natur und trinkt Quellwasser. Aber ernähren muss man sich. Und wenn selbst Obst und Gemüse nicht mehr natürlich sind, hat man keinen Rückzugsort mehr. Das soll meinen Urenkeln nicht passieren.

    • Genfood unterscheidet sich nicht von anderem Food. Jeder Food, den wir essen – beispielsweise Reis – ist herangezüchtet und enthält zum Teil Gene, die es in den Wildpflanzen so nicht gibt. Der einzige Unterschied zwischen Genfood und anderen herangezüchteten Pflanzen ist der, dass bestimmte Gene bewusst an einer bestimmten Stell in das Pflanzengenom eingefügt wurden. Beim normalen Züchten wird dagegen gekreuzt und es werden zum Teil mit radioaktiven Stoffen (ja das ist konventionelle Züchtung) Mutationen ausgelöst um dann zu schauen, ob sich daraus ein sinnvolles neues Gen ergibt.

      • Da haben Sie einen guten Punkt. Darüber, dass wir heute schon durch Züchtungen weit von den Wildpflanzen entfernt sind, hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Demnach ist die Gentechnik also nur eine neues Werkzeug bei der Züchtung. Aber sind die Veränderungen, die durch Gentechnik erreicht werden können, nicht weitaus größer und damit mit einem größeren Risiko verbunden, als die durch bisherige Technologien?

        • Wir ernähren uns nicht von Wildpflanzen, eigentlich alles in unserer Ernährung sind kultivierte Pflanzen, daher spricht man auch von Kulturpflanzen. Weizen ist vor rund 10.000 Jahren aus mehreren Gräsern über zufällige Mutationen entstanden, die Gräser sind so nicht genießbar für den Mensch, Weizen schon.
          Die zu letzt gezüchtete Getreide Art, Triticale, ist eine Kreuzung von Weizen und Roggen, wäre heute wahrscheinlich nicht mehr möglich so eine Kulturpflanze neu auf den Markt zu bringen.

          zu
          1. die Natur betreibt keinen Plan bei der Evolution, perfekt abgestimmt? Sehe ich nirgends. Try and Error ist in der Natur an der Tagesordnung.

          2.“Konzerne“ nicht nur die denken an Profit, Arbeitnehmer bei diesen Konzernen denken auch an Profit und möchten am letzten Tag des Monats gerne ihr Gehalt. Da unterscheiden sich Arbeitnehmer, Konzerne und Kleinunternehmer nicht.
          Da das Thema immer wieder auftaucht und sicher im Hinterkopf Monsanto steckt, Monsanto macht 14 Milliarden Umsatz, im Bereich Grüne Gentechnik momentan Marktführer, BASF macht über 74 Milliarden Umsatz, Apple 180 Milliarden und die größte Bio-Handelskette der USA 13 Milliarden.
          So viel zum alles „beherrschenden“ Unternehmen Monsanto…

          Das Grüne Gentechnik ein „Konzerngeschäft“ ist liegt an den hohen Auflagen bei der Zulassung, um einen Trait zuzulassen Anbau- und Import-, Exportzulassungen werden die Kosten mit 100 Millionen angegeben.
          Damit haben die politischen Entscheidungsträger dem Druck der Gegner nachgegeben, damit werden kleine Unternehmen eigentlich komplett vom Markt ausgeschlossen. Dadurch wurde von den Gegnern ein Markt für die großen 6 Unternehmen exklusiv erschaffen.
          In der USA hat jetzt erstmals ein kleiner Züchter eine Apfelsorte zugelassen, mal sehen was daraus wird.

          3. Die Frage solltest Du genauer definieren, gentechnisch veränderte Pflanzen sind nichts anderes wie andere Kulturpflanzen, die werden innerhalb kürzester Zeit von Wildpflanzen unterdrückt, ein Überleben in der Natur eher unwahrscheinlich.
          Das die Wildpflanzen sich mit Kulturpflanzen kreuzen wäre ja nicht nur auf GVO beschränkt, dann muss man die ganze Art der Landwirtschaft in Frage stellen.

    • Zu 1.: Der Satz von der „seit Millionen von Jahren perfekt abgestimmten Umwelt“ ist meiner Meinung nach mindestens irreführend. Zunächst einmal hat sich in den letzten Millionen von Jahren sehr wohl einiges in der Umwelt verändert (schon lange bevor es Menschen gab die aktiv eingreifen konnten); von Perfektion ist die Umwelt also weit entfernt. Und wenn es an manchen Stellen den Eindruck einer perfekten Abgestimmtheit gibt (und das ist sicher nicht überall der Fall), so ist dieser Zustand dadurch entstanden, dass alles was nicht dazu gepasst hat, einfach ausgestorben ist (siehe Darwin).
      Interessant an den Beispielen die Sie aufzählen ist auch, dass trotz der negativen Langzeitfolgen der Netto-Effekt stets positiv ist. Antibiotika haben um mehrere Größenordnungen mehr Leben gerettet als multiresistente Keime getötet haben. (Letztere sind doch nur deshalb interessant, weil Antibiotika nichts gegen sie ausrichten können. Ohne Antibiotika würden wir die Unterscheidung in „normal“ und „multiresistent“ gar nicht machen, weil wir beiden ähnlich schutzlos ausgeliefert wären). Analog verhält es bei den anderen Beispielen.

      Zu 2.: Dass Konzerne eine Gewinnerzielungsabsicht haben, hat nichts mit der Technologie Gentechnik zu tun. Insofern greift dieses Argument grundsätzlich ins Leere. Nur ist es leider so, dass es in Deutschland politisch gewünscht kaum noch öffentlich finanzierte Forschung an grüner Gentechnik gibt. Ein Teil dieses Problems ist also selbstgemacht.

      Zu 3.: Tut mir leid, aber dieses „Argument“ verstehe ich nicht. Daher nur eine Anmerkung: Obst und Gemüse (jedenfalls die meisten Arten die üblicherweise gegessen werden) sind nicht natürlich sondern Ergebnis starker menschlicher Eingriffe (Züchtung).

      • zu 1.: Dass der Netto-Nutzen immer positiv ist, wage ich zu bezweifeln. Die Anzahl von Naturkatastrophen, atomaren Unfällen oder Zivilisationskrankheiten lässt sich schwer verrechnen.

        zu 2.: Hier habe ich das Thema vermutlich zu sehr verwischt. Da ging es nicht um Genfood als solches, sondern das damit einhergehende Bild: Großkonzerne, die patentierte Neuzüchtungen vertreiben, die nur auf bestimmte umsatzbringende Attribute optimiert sind, und dabei Aspekte für die gesunde Ernährung vernachlässigen. Irgendwann kann man es sich gar nicht leisten, gesunde Sorten anzubauen, da die Erträge nicht stimmen. Pralle, perfekt geformte und farblich ansprechende Pflanzen ohne Geschmack und Inhaltsstoffe. Und die Enkel wissen gar nicht mehr, wie Gurken, Tomaten und Äpfel früher mal geschmeckt haben.

        Zu 3.: Ja, das ist mir jetzt auch klar geworden.

        • zu 2
          Das ist so sicher nicht richtig. Beispiel Golden Rice, wäre eigentlich Marktfähig und bereit zum Anbau. Für eine Vermarktung mit Gewinnabsicht momentan sicher nicht interessant, aber für Millionen armer Menschen eine Möglichkeit versteckten Hunger zu bekämpfen.
          In der USA ist eine Kartoffelsorte zugelassen worden, die wesentlich geringere Acrylamid Gehalte aufweist, da entscheidet sich ob Gesundheit oder Angst zu Erfolg oder Misserfolg führen.

          Durch die alten Verfahren der Züchtung sind teilweise Vitamin Gehalte gesunken, Blausäure zum Problem geworden.
          Das der Geschmack einer Tomate wieder zurück kommt, daran arbeiten die Züchter seit einigen Jahren wieder, darauf ist in den letzten Jahrzehnten weniger geachtet worden, der Übergang von Liniensorten zu Hybriden hat hübsche nichtsschmeckendes Gemüse hervorgebracht.
          Es spricht nichts dagegen das durch Gentechnik wieder zu korrigieren, nur wie soll ein Züchter die enormen Kosten für Forschung und vor allem Zulassung wieder zurück bekommen?
          Dazu gibt es von Beda M. Stadler recht gut Ausführungen, wie man gerade mit Gentechnik wieder eine Tomate bekommt, die nach Tomate schmeckt.
          Und Vitamine oder andere Inhaltsstoffe sind sicher auch kein unüberwindbares Hindernis, nur dazu muss eine breite Akzeptanz herrschen und die Zulassung vereinfacht werden.
          Beim Thema Grüne Gentechnik wird immer übersehen, dass es momentan keine „Gen-Sorte“ gibt, es gibt Traits, die Züchter nennen die gerne Biotechnologie, die auf vorhandene Sorten angewendet werden.
          Anders würde das auch schlecht funktionieren, eine Sojabohne die im Klimaraum der USA gut wächst würde in Brasilien vermutlich ertraglich versagen.
          Wir bauen in Deutschland ganz andere Sorten an, wie die Farmer in der USA.
          Selbst in Europa unterscheiden sich die Anforderungen an die Sorte, Unterschiede zwischen französischen und deutschen Weizensorten sind teilweise gravierend.
          In Frankreich oder England gezüchtete Sorten haben in Deutschland meist das Problem, dass die nicht Frosttolerant sind, wenn wir denn mal einen Winter haben verfriert der Weizen.

          Patente sind nun mal wichtig, egal ob Grüne Gentechnik oder Kopfschmerzwirkstoff, die Entwicklung kostet Geld und würde zum Erliegen kommen wenn ein Unternehmen daran Verlust macht.
          Bringen nach Ablauf (20 Jahre) den Vorteil, das dann andere Unternehmen wissen wie es gemacht wird und sich große Forschung sparen können.
          Das Patent auf RoundUp Ready von Monsanto läuft im März diesen Jahres aus, dann hätte jeder Interessierte die Möglichkeit eine Traits anzubieten.

          Und Sorten unterliegen in Deutschland schon weit weit vor der Gentechnik dem Sortenschutz, der läuft nie aus.
          Beides muss man unterscheiden.
          Für klassische Kreuzzüchtungen gibt es den Sortenschutz, bei Hybriden gibt es schon Überschneidungen Sortenschutz und Patent.
          Gentechnik fällt nur unter die Patentierbarkeit.
          Patente können aber wie beim Goldenen Rice auch sinnvoll sein, man findet schneller die gewünschten Merkmale und muss sich mit dem Patenteigner einigen. Im Falle des Golden Rice hat Syngenta die Rechte für Golden Rice kostenlos freigegeben, Bedingung das Saatgut darf nicht mit Gewinnabsichten vermarktet werden.
          Patente sind nicht pauschal als schlecht zu bezeichnen.

          • sorry, der „goldene Reis“ soll nicht primär „für Millionen armer Menschen eine Möglichkeit versteckten Hunger zu bekämpfen“ sein. Dieser Reis wurde von Ingo Potrykus, einem Pflanzenforscher an der ETH, entwickelt, um dem Vitamin A-Mangel abzuhelfen. Die aktive Form des Vitamin A ist übrigens ein Hormon, das nicht nur für den Sehvorgang, sondern auch für Wachstum, Entwicklungund Regulierung des Immunsystems unabdingbar ist. Weltweit ist jedes 3. Kind von Vitamin A-Mangel betroffen.

            Die Einführung des „Goldenen Reis“ erscheint ist aus ethischen Gründen drigendst erforderlich!!!

            Wie «unsichtbarer Hunger» die Menschheit bedroht
            http://scienceblog.at/wie-%C2%ABunsichtbarer-hunger%C2%BB-die-menschheit-bedroht#

    • zu 1 würde mich ja mal eine Begründung interessieren. Vielleicht ließe sich die dann widerlegen. Welcher Mechanismus soll denn für eine perfekt abgestimmte Umwelt gesorgt und sie so lange stabil gehalten haben?

      • zu 1.: Der Zeitraum war willkürlich gewählt. Der gemeinte Mechanismus ist die Evolution. Da wir existieren, kann man davon ausgehen, dass wir sehr gut an die existierende Umwelt angepasst sind. Wenn durch Gentechnik Pflanzen geschaffen werden und großflächig angebaut werden, die durch natürliche Mutation und Auslese nicht so schnell und so verbreitet entstehen könnten – wie kann man mit Gewissheit behaupten, dass da keine Gefahren lauern und das Gleichgewicht stören?

        • >ähem< dir ist aber schon klar, dass dieses "Argument auch für die künstliche Auslese, also die konventionelle Zucht gilt? Kaum eine unserer Nutzpflanzen entspricht noch annähend ihrem natürlichen Vorfahren. Man schaue sich nur mal dem Mais oder unsere Getreide an. Oder unser Nutzvieh.
          Ich finde es immer wieder interessant, dass gegen GMo gerne das wie auch immer geartete "natürliche Gleichgewicht" angebracht wird, aber nie gegen konventionelle Zucht, bei der das Genom auch gehörig durcheinander gewirbelt wird.

  4. Gerade bei gesellschaftlich strittigen Themen – wie etwa Gentechnik oder Fracking – hat das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft (sofern sie nicht die mehrheitliche Meinung bestätigt) dramatisch abgenommen. Die aus meiner Sicht völlig ungelöste Frage ist doch, wie sich unter solchen Bedingungen Vertrauen aufbaut. Klar, Wissenschaftler sollten unabhängig, glaubwürdig und „wahrhaftig“ sein, aber allein daraus ensteht kein Vertrauen. Aus was dann?
    Bei der Roten Gentechnik war die Situation vor 20 Jahren ähnlich wie heute bei der Grünen. Dann wurde das Thema weniger wichtig und das Empörungspotenzial nahm deutlich ab. Und der Nutzen der Produkte (Medikamente) war am Ende ziemlich überzeugend. Mal etwa simpel ausgedrückt: Vertrauen entsteht, wenn das Misstrauen sich als unglaubwürdig erweist.

    • Ich frage mich mangels Erfahrungshorizont immer, ob und wie sich das Bild der Wissenschaft in der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Wenn man davon ausgeht, wer in TV-Sendungen als Experte bevorzugt zu Rate gezogen wird, dann sind das in der Regel Universitätswissenschaftler/innen.

      Ich glaube eigentlich nicht, dass das Vertrauen bei uns „dramatisch“ abgenommen hat, obwohl es mir manchmal so vorkommt. Ich habe bisher nur die Zahlen für die USA gesehen, dort scheint das Vertrauen in die Wissenschaft seit Jahrzehnten ungebrochen auf hohem Niveau zu liegen. Ich müsste die ganzen Zahlen aus den Eurobarometer-Umfragen auswerten, um ein Bild von der EU zu bekommen, ich vermute aber, dass es im Wesentlichen ganz ähnlich ist. Über die Entwicklung des Vertrauens der Öffentlichkeit in die Wissenschaft zB über die letzten 30 Jahre habe ich nichts finden können, fände das aber sehr interessant.

      Und klar – wenn die Realität die Skeptiker eingeholt hat, dann verliert sich die Panik. Wenn der Durchmarsch der Technologie so weiter geht, wird sich die EU früher oder später auch mit den Realitäten abfinden müssen.

      • “ Wenn der Durchmarsch der Technologie so weiter geht, wird sich die EU … auch mit den Realitäten abfinden müssen“
        Doch in den USA ist ja die Skepsis gegenüber GM-Pflanzen genau so gross wie in Europa, obwohl dort der Durchmarsch der Gentechnik schon stattgefunden hat.
        Übrigens haben die USA ebenfalls Impfgegner, wenn auch weniger als die Europäer (und speziell die Deutschsprachigen).

        Vielleicht sollte man die Technikskepsis, die gerade aktuellen Technikängste beispielsweise gegenüber dem Mobilfunk (Strahlen), den AKW’s (Strahlen), der Gentechnik, dem Impfen etc. nicht allein als Technikfeindlichkeit/Romantizismus betrachten, sondern auch einmal untersuchen, wie das mit der Neigung zu Verschwörungstheorien zusammenhängt. Verschwörungstheorien sind allgemein recht verbreitet, es gibt aber Länder wo sie besonders en Vogue sind. Es wäre interessant einmal den Zusammenhang zu untersuchen zwischen dem Glauben an Verschwörungstheorien und Ängsten vor Strahlen, Impfen, Gentechnik etc.

      • Bei der Grünen Gentechnik wage ich zu bezweifeln, dass es einen Durchmarsch in Europa in naher Zukunft (20 Jahren) geben wird.
        Selbst Grüne Politiker geben öffentlich zu, dass die keine gesundheitliches Risiko in GVO sehen, trotzdem wird mit anderen fadenscheinigen Begründungen die Technik abgelehnt.

        Vorgeschoben wird momentan immer der Pflanzenschutzeinsatz und da sind eher wieder andere Bereich gefragt, die der Bevölkerung klar macht, dass Glyphosat nicht das ist, wie es Medial dargestellt wird.
        Schaut man sich an was an Wirkstoffen für Gentechnik freies Soja zugelassen und eingesetzt wird, dann kann man nicht behaupten, gvSoja wäre ein Problem.
        Was in Brasilien oder der USA in nicht HT-Soja eingesetzt wird, das hat in Europa nie eine Zulassung erhalten, die Mittel entsprechen nicht den Umwelt- und Gesundheitsbedingungen für eine europäische Zulassung.

        Und die Masse an Gegnern aus der Bevölkerung glaubt, dass Mais oder Soja gegen Unkräuter nur mit Gentechnik behandelt werden kann…
        Das vor Gentechnik freien Kulturen wie Soja oder Mais trotzdem Glyphosat angewendet wird, um Mulch- oder Direktsaat zu betreiben ist auch gänzlich unbekannt.
        Auf HT-Technologien zu verzichten kann zu mehrfacher Unkrautregulierung führen, die nicht nötig wäre.
        Wie wird das in Deutschland gemacht bei Zuckerrüben?
        Im März wird Glyphosat gespritzt, um Altverunkrautung zu beseitigen,
        dann werden die Zuckerrüben ausgesät,
        und in den nächsten Wochen wird gegen neu auflaufende Unkräuter behandelt.
        Mit Glyphosat toleranten Zuckerrüben ließe sich einiges im Nachauflauf einsparen, die Vorsaatbehandlung kann entfallen.
        Die Bahndlungsmaßnahmen könnten um mindestens 50% entfallen.

        Grüne Gentechnik wird sich nur durchsetzen in Europa, wenn sie einen Nutzen für den Verbraucher bringt.
        RR oder Bt bringen für den Verbraucher keinen nachvollziehbaren Nutzen.

        Deutschland wird sein Verbot erst dann aufgeben, wenn es „gezwungen“ ist.
        Das kann an bestimmten geforderten Eigenschaften für die Vermarktung von Pflanzen liegen oder eben an fehlenden Resistenzen und Wirkstoffen bei Pilzkrankheiten.

        Selbst in der Landwirtschaft ist die Ablehnung sehr groß,
        was Gentechnik ist, dass versteht kaum einer (was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht)
        und die Angst von Konzernen bestimmt zu werden.

        Es gibt aus den Reihen der Landwirtschaft eigentlich keine Forderung zum Einsatz der Gentechnik in Deutschland, dort bekommt man in der Regel auch nur die „Informationen“ die Greenpeace verbreitet.
        Auch die Fachmagazine bringen eigentlich nur negativ Meldungen, ohne diese zu beleuchten. Da spielen eigentliche landwirtschaftliche Fehler wie fehlende Fruchtfolge keine Rolle bei der Bewertung von Glyphosatresistenten Unkräutern, dass dort die konventionellen Wirkstoffe vorher auch schon nicht mehr gewirkt haben wird nicht erwähnt.
        Falscher Einsatz von Wirkstoffen wird der Gentechnik angelastet.

        • Grüne Gentechnik wird sich nur durchsetzen in Europa, wenn sie einen Nutzen für den Verbraucher bringt.

          Mag sein. Die Leute sind nicht so dumm, wie sie immer dargestellt werden. Das Wort „Gentechnik“ mag negativ u.a. mit schlechter landwirtschaftlicher Praxis besetzt sein, aber PABE und die Eurobarometer-Erhebungen zeigen auch ganz deutlich, dass die meisten zur Differenzierung fähig sind und bestimmte gentechnisch veränderte Pflanzen auch akzeptieren würden.

          Jetzt hat in den USA der Arctic Apple die Zulassung bekommen, auch das erste Mal ein Verbraucherorientiertes Merkmal. Ich bin gespannt, ob der Apfel mit Gentechnik beworben wird und ob er gut in der Bevölkerung ankommt.

        • Zustimmung zur Meinung, auch unsinnige Ideen ohne Verankerung in der Realität könnte sich jahrzehntelang halten, solange nämlich bis der Druck von aussen unerträglich wird. Beispiele dafür gibt es in der Geschichte nämlich schon genug. Auch die Bedinugen im realen Sozialismus gehören dazu.

          • Die Kartoffel hat sich in Deutschland auch nur etabliert, weil der Anbau befohlen wurde 😉
            Ansonsten hätten wir Deutschen wohl heute noch Angst vor den Erdäpfeln.

  5. Das grosse Wehklagen über die Gentech ist schon von der Herstellungs-Methodik her kaum mehr zu verstehen: Es gibt auf der Prozess-Ebene keine Unterschiede zwischen der künstlichen Übertragung von Genen und natürlichen Mutationen, die Details in:

    Ammann, K. (2014). Genomic Misconception: a fresh look at the biosafety of transgenic and conventional crops. A plea for a process agnostic regulation. New Biotechnology, 31(1), pp. 1-17. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1871678413000605 AND http://dx.doi.org/10.1016/j.nbt.2013.04.008 AND open source: http://www.ask-force.org/web/NewBiotech/Ammann-Genomic-Misconception-printed-2014.pdf and with full text references for private use: http://www.ask-force.org/web/NewBiotech/Genomic-Misconception-20130415-names-links.pdf AND German Abstract http://www.ask-force.org/web/NewBiotech/Ammann-German-Abstract-Highlights-20130415.pdf

    mehr und mehr Regulatoren kommen deshalb zum Schluss, wie die Kanadier dies schon lange tun, produkteorientierte Biosicherheits-Prüfungen durchzuführen.

    Auch nimmt die Vielfalt der Übertragungsmethoden in den letzten Jahren deutlich zu: Bereits sind an die 20 Methoden zu unterscheiden: soll der Gesetzgeber dann immer wieder die Paragraphen anpassen? Das ist doch viel zu umständlich:

    Vogel Benno. (2012). Neue Pflanzenzuchtverfahren. Grundlagen für die Klärung offener Fragen bei der rechtlichen Regulierung neuer Pflanzenzuchtverfahren pp. 141 CH-3003 Bern: I. A. d. B. f. U. B. A.-G. Wust ISBN/ISSN Bundesamt fur Umwelt (BAFU), Abt. Boden und Biotechnologie, CH-3003 Bern Retrieved from http://www.biosicherheit.zh.ch AND http://www.ask-force.org/web/Regulation/Vogel-BAFU-Grundlagen-Regulierung-Pflanzenzucht-2014.pdf

    Die Stigmatisierung der Gentechnologie ist nur noch politisch zu begründen, mit Wissenschaft hat dies nix zu tun.

  6. Was ist mit einer: „…seit millionen von Jahren perfekt abgestimmten Umwelt…“ (Permalink) gemeint?
    Diese Umwelt gab es nie und kann es im Hinblick auf eine permanente Veränderung von Umwelt und Leben auf unserem Globus auch nicht geben.
    Das wäre dann der absulute Stillstand der evolutionären Entwicklung.
    Wenn dieser Zustand (Stillstand) seit millionen von Jahren angedauert hätte, würde es uns, den Homo sapiens sapiens und viele andere Lebewesen, die sich in den lezten 10 Mio Jahren entwickelt haben, nicht geben.
    Wie sind Veränderungen zu bewerten, die der Mensch seit Jahrtausenden durch Züchtungsarbeit an Nutzpflanzen vorgenommen hat und vornimmt?
    Nutzpflanzen, die eine große Bedeutung für die menschliche Ernährung haben, sehen ihren Ursprungsformen nicht mehr ähnlich, sind total verändert ( Weizen, Gerste…).
    Diese genetisch total veränderten Pflanzen werden in permanenz weiter verändert und inzwischen seit Jahrtausenden immer wieder „freigesetzt“ und dennoch exisiteren die „Urformen“ unserer Nutzpflanzen weiterhin. Und es gibt auch ein großes Interesse, diese Urformen in Samenbanken für die weitere Forschung und Nutzung zu erhalten.
    Damit kann man die Gegner von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen wahrscheinlich nicht beeindrucken. Dennoch bin ich davon überzeugt, daß auch gentechnisch veränderte Nutzpflanzen nicht anders zu bewerten sind wie die auf diversen anderen Wegen „künstlich hergestellten“, gezüchteten Nutzpflanzen. Das belegen jedenfalls die zahlreich vorliegenden Bewertungen.
    Inzwischen werden weltweit auf ca. 180 Mio ha gentechnisch veränderte Nutzpflanzen angebaut.
    Entgegen den bei uns verbreiteten Parolen profitieren ganz ausdrücklich auch die indischen Kleinbauern vom Anbau gentechnisch veränderte Pflanzen (Baumwolle)
    In „Entwicklungsländern“ wie Burkina Faso werden erfolgreich und nutzbringend gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut.
    Vor diesem Hintergrund ist es völlig wurscht, ob es in in Deutschland und Europa gentechnik freie Zonen gibt oder nicht.
    Der Kampf gegen „Gendreck“ der bekanntlich „weg muß“ ist eine außerordentliche Volksverblödungsattacke.
    Dafür erhalten die Initiatoren obendrein den Status der Gemeinnützigkeit.
    Und zahlreiche PolitikerInnen auch außerhalb der „Grünen-Atom-Aus-Partei“
    plappern die Parolen nach.

    • Ich meinte die normale evolutionäre Entwicklung. Sind die Veränderungen durch Gentechnik nicht größer als durch die Evolution und sind die Risiken nicht wenigstens genau so hoch wie bei Neobiotika?

      Profitieren tatsächlich die Kleinbauern? Ist Genfood nicht patentiert und lizenziert, so dass die neue Saat immer neu gekauft werden muss?

      • Die Patentierung betrifft auch konventionell gezüchtete Sorten. Ebenso die Notwendigkeit, sie stets hinzukaufen zu müssen. Stellt sich natürlich die Frage, warum das ein Argument _gegen_ GMO ist, und nicht auch gegen konventionelle Hybridsorten? Abgesehen davon sparen wohl nur die allerwenigsten Landwirte (zumindest in Europa) Saatgut der vorherigen Ernte auf, oder?

      • Der Eingriff mit Gentechnik ist minimal, es wird versucht eine Information (ein Gen) an eine bestimmt Stelle einzufügen.
        Die restliche Genetik soll sich dabei nicht verändern, tut sie es doch, dann ist der Eingriff gescheitert.
        Um das zu überprüfen wird ein Markergen mit eingebracht.

        RoundUp-tolerante Pflanzen klassisch zu züchten ist theoretisch nicht ausgeschlossen, würde aber wenn es gelingt Jahrzehnte dauern.
        Diesen Weg kann man abkürzen ohne andere Eigenschaften zu verändern oder verlieren.

        Gerade Kleinbauern können profitieren, im Falle von Bt-Mais (Insektizid) sparen sich die Kleinbauern die aufwendige Technik zur konventionellen Behandlung.
        Mais der an die 2m hoch ist kann nicht mit einfacher Technik behandelt werden,
        200.000$ hat wohl nicht jeder mal eben über für eine selbstfahrende Spritze, deren Fahrwerk auf die Höhe zur Überfahrt ausgefahren werden kann.
        Mit Schlepper und Spritze wird der Mais unter dem Schlepper zerstört, Ertragsausfall.
        Wird nicht behandelt so belaufen sich die durchschnittlichen Ertragsverluste beim Mais in Südamerika durch Schädlinge im Schnitt auf 30%.

        Das Saatgut immer neu gekauft werden muss stimmt so nicht, in Brasilien wird gvSoja nachgebaut, in wie fern, wie viel die Gauchos Nachbaugebühren zahlen müssen, darüber streiten sich Züchter, Regierung und Landwirte seit langem.
        Beim Soja auch nur möglich, weil es Linienzüchtungen sind.

        Mais wird in der Regel als Hybride angebaut, der Nachbau ist nicht wirtschaftlich. Daher spielt mit oder ohne Gentechnologie keine Rolle.
        Wer diese Sorten anbauen will, der muss jedes Jahr neues Saatgut kaufen.

        Und wie bei jedem Unternehmer auch wird eine Investition auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft.
        Greenpeace und Co stellen die 18 Millionen Landwirte, die GVO anbauen, als dumm hin, die nicht rechnen können.
        Wenn man für eine Technologie Geld ausgibt, dann muss sie sich nach der Ernte auch rechnen. Und ich würde 18 Millionen Menschen nicht pauschal absprechen rechnen zu können und meinen die fallen nur auf Werbung rein.
        Auch im Hinblick auf Hybride, deren Vorteil muss sich für den Landwirt rechnen, damit er die Mehrkosten im Einkauf am Ende wieder raus bekommt.

        Und die Landwirtschaft wird nicht abhängiger, den 99,99% der Landwirte züchten selber keine Sorten, dazu haben sich in den meisten Ländern der Welt eigene Zuchtunternehmen gebildet.
        Es ist auch ein sehr starkes Gefälle von Ländern mit Sortenschutz und starken Züchtern, zu Ländern wo es keinen Sortenschutz gibt.
        Die ergonomischen und ertraglichen Eigenschaften sind denen der „freien“ Länder in der Regel weit voraus.
        Es gibt einige Übersichten, die den durchschnittlich jährlichen Ertragszuwachs bei allen möglichen Kulturen aufzeigt. Deutschland mit seinem harten Sortenschutzgesetz liegt da seit Jahrzehnten vorne, während in Ländern ohne Sortenschutz die Entwicklung nicht mal immer positiv ist.

      • Hallo Micha,

        ich finde, wir sollten die Risiken der Gentechnik nicht mit der „natürlichen Evolution“ vergleichen, sondern mit der konventionellen Züchtung. Hier haben wir schon viel Erfahrung. Die Übergänge zwischen Gentechnik und Züchtung sind dabei fließend. Im Groben kann man sagen, dass die Werkzeugkiste der Gentechnik sehr viel präzisere Änderungen zulässt, als die klassische Züchtung. Ob eine GV-Pflanze nun gefährlicher ist als eine konventionelle gezüchtete Pflanze, ist immer eine Einzelfallentscheidung. Man kann nicht sagen, dass eine bestimmte Methode der Genveränderung mehr Risiken hat, als eine andere – es kommt ganz auf das Endprodukt an.

        Zur Frage nach der Schwere des Eingriffs in das genetische Material: Mit modernen Verfahren ist man recht flexibel. Man kann große und kleine Änderungen vornehmen. Zum Beispiel:

        1. ) Man kann kleine Änderungen durchführen und ein kleines Gen ausknipsen, hochregulieren oder herabregulieren. Beispiel: Der Arctic Apple, dessen Fruchtfleisch nicht mehr so schnell braun wird, weil ein Enzym herabreguliert wurde, das für die Bräunung verantwortlich ist. Das Ergebnis hätte man auch durch konventionelle Züchtung und Mutation erreicht, allerdings nicht so schnell und präzise.

        2.) Man kann ein einzelnes Gen aus einer verwandten Art transferieren. Beispiel: Eine Kartoffelsorte, die ein Wildkartoffel-Gen verpasst bekam, um sich gegen eine Erkrankung zu wehren. So muss man weniger spritzen. Hier hat man einige Jahrzehnte erfolglos versucht, die Wildkartoffeln mit den „normalen“ Sorten zu kreuzen; hier wirkt die Biotechnologie wieder als Beschleuniger.

        3.) Man transferiert ein einzelnes Gen aus einem anderen, verwandtschaftlich weit entfernten Organismus. Es macht keinen großen Unterschied, aus welchem Organismus das zu transferierende Gen stammt – also ähnelt dieser Punkt eigentlich Punkt 2.) Beispiel: die „klassischen“ Gentechnik-Pflanzen wie z.B. Bt-Mais. Hier stammt das Gen für das Insektengift Bt aus einem Bakterium. Das Bt-Gift ist übrigens ein sanftes Insektizid, das auch im Biolandbau verwendet wird.

        4.) Man mutiert klassisch ein einzelnes Gen. Das kann natürlich/evolutionär, durch „klassische“ Züchtung (wie ein Schrotschuss durch Chemikalien und radioaktive Strahlung) oder gezielt mit Gentechnik machen. Beispiel: Nektarinen sind mutierte Pfirsiche, Navel-Orangen mutierte Saftorangen; dazu kommen rosa Grapefruits, Hass-Avocados, kurzhalmige Reissorten, … .

        5.) Man kann auch ein ganzes (mitochondrales) Genom aus einer anderen Spezies einbringen. Das ist dann allerdings per Gesetz keine Gentechnik.

        6.) Oder man kombiniert einfach zwei Genome von verschiedenen Arten und würfelt alles durcheinander. Das nennt sich dann allerdings Kreuzung und es kommt so etwas wie Triticale (Roggen und Weizen kombiniert) dabei heraus. Oder unsere Banane: eine genetisch instabile und samenlose Kreuzung aus den Bananenarten Musa acuminata und M. balbisiana.

  7. Hier eine ältere Untersuchung, die Hans-Peter Peters zitiert: Schon damals war das Vertrauen in die Gentechnik-Experten ziemlich brüchig; http://www.diezeitschrift.de/22002/positionen2.htm Nach meinem Gefühl ist das Misstrauen seitdem größer geworden. Nicht allgemein in „die“ Wissenschaft, sondern bezogen auf strittige Themenfeldern, in denen auch Wertekonflikte ausgetragen werden.

  8. Genfood-Skepsis ist in den USA und Europa gleich gross, aber nur in Europa ist Genfood faktisch verboten. Auch Impfskepsitker, Homöopathieanhänger, etc gibt es in den USA und Europa aber nur in Europa sind auch Minister unter den Impskeptikern und Homöopathieanhängern.
    Vielleicht liegt hier der wesenltiche Unterschied zwischen den USA und Europa. In Europa können sich genügend entschlossene „Spinner“ durchsetzen, weil es nur noch wenige Europäer gibt, die bereit sind sich für ein rationales, seine Werte verteidigendes Europa einzustehen. Wer genügend entschlossen auftritt gewinnt in der Regel. Kürzlich las ich in der grössten Zeitung von Zürich im Zusammenhang mit den Verhandlungen zwischen Russlund und der Ukraine in Minsk, man müsse sich darauf gefasst machen, dass auch Konflikte um die russischen Minderheiten in den baltischen Ländern ausbrächen und der Autor mahnte gar zur Zurückhaltung. Mit andern Worten, der Autor war der Meinung, Putin könne durchaus seinen Einflussphärenpolitik in den heutigen Natoländern Litauen, Estland und Letland durchsetzen und der Westen müsse das sogar schlucken. Wenn die Nato nicht von den USA sondern von Euorpa geführt würde, wäre das wohl wirklich so, weil in Europa wenige für das gesamteuropäische Interesse eintreten, sondern die meisten nur für ihre Sonderinteressen.Auch das Buch von Michel Houlebec ist mit seiner terminalen Wendung nur in Europa möglich. Dort gewinnt eine islamische Partei die Wahlen in Frankreich und kurz darauf verschwinden Frauen von den Lehrstüheln und werden in jeder Hinsicht zu Dienerinnen des Mannes. Diese Vision ist in Europa gar nicht so abgwegig, nicht etwa weil die Muslime eine Gefahr wären, sondern weil die Europäer nicht genügend für Werte eintretten, die für die gesamte Gesellschaft in Europa von Belang sind.

  9. Durch Gentechnik kann einfach keine für den Menschen positives Erzeugnis geschaffen werden. Alles was auf unnatürlichem Weg produziert wird ist nicht gut für uns.

    • Humaninsulin ist eines von vielen für den Menschen positiven Erzeugnisse der Gentechnik. Der Mensch hat die Natur schon lange für sich zurechtgebogen – in Form von Nutzpflanzen und – tieren. Ohne diese Eingriffe in die Natur hätte es nie 7 Milliarden Menschen geben können.

    • Wie natürlich oder unnatürlich ist Grüne Gentechnik?
      BASF hat ein in einer Kartoffelsorte vorkommendes Gen, dass diese Krautfäuleresistent macht, per Gentechnik in eine andere Kartoffelsorte „verpflanzt“.
      Also ein natürlich vorkommendes Gen einer Kartoffelsorte in eine andere Kartoffelsorte.
      Auf klassischem Weg ist das zuvor in 50 Jahren Züchtung keinem Züchter gelungen.

      Kartoffeln werden im Jahr gegen Krautfäule 8 bis 12 mal gegen Krautfäule gespritzt, auch im Biolandbau, dort wird das Schwermetall Kupfer eingesetzt.
      Krautfäule kann bis zu 100% Ertragsausfall führen, Irland ist an der Krautfäule fast verhungert.

      Für die Umwelt und Menschen wäre die Akzeptanz der Gentechnik ein Gewinn.
      Niemand würde etwas „unnatürliches“ essen, dass es so nicht auch gibt.
      Und ein unnatürliches Gen würde in einem Organismus wohl nicht wachsen.

    • Das Einschleusen von Fremdgenen über Artgrenzen hinweg ist ein natürlicher Vorgang. Also die Gentechnik ist keine Erfindung des Menschen, sondern er nutzt dieses natürliche Phänomen.
      Beispiele für natürliche „Gentechnik“: Agrobacterium schleust über Plasmide Informationen in das Pflanzengenom, damit die Pflanze Substanzen herstellt, von denen das Bakterium lebt.- Immunglobuline stammen wahrscheinlich von Transposonen, die ursprünglich wahrscheinlich aus Viren über RNA in höhere Lebewesen während der Evolution eingeschleust wurden. Das menschliche Genom besteht zu ca. 45% aus Transposonen (springende Gene) !…….

  10. Es wäre sehr schön, wenn in TV-Sendungen zu Fragen wie Gentechnik, atomare Strahlung u.a. wichtige wissenschaftliche Themen UniversitätswissenschaftlerInnen zu Wort kämen (M. Ballack).
    Meine Wahrnehmung ist da eine ganz andere, weil in der Regel zu den o.g. Themen die Kreise zu Wort kommen, die in der Lage sind in kurzer Zeit einen maximalen Ausstoß an Worthülsen wie:
    „Der Gendreck, der bekanntlich weg muß“; oder: „Das Giftgas CO2“; oder: „Atome sind böse Strahlemonster“. Letzteres gipfelt dann in der Spruchblase der Partei Die Grünen: „Atom aus – Natur an“.
    Die Frage ist, wie eine Diskussion, so wie sie hier stattfindet auch im Fernsehen möglich wird.
    Im Fernsehjournalismus ist naturwissenschaftliches Faktenwissen nicht vorhanden. Solange Journalisten die banalsten naturwissenschaftlichen Fakten nicht kennen, also: Atome nicht von Molekülen, Arten nicht von Sorten, CO2 nicht von H2O, Eichen nicht von Pappeln zu unterscheiden wissen, wird sich an diesem miserablen Zustand auch nichts ändern. Die naturwissenschaftliche Ausbildung von Journalisten findet nämlich nicht statt. Es sei denn, es handelt sich um Naturwissenschaftler, die auch des journalistischen Schreibens befähigt sind.
    Noch eine letzte Anmerkung:
    Das die indischen Kleinbauern vom Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle tatsächlich profitieren ist bei Qaim, Uni Göttingen in sauber recherchierten, umfasenden Texten nachzulesen.

    • „Die naturwissenschaftliche Ausbildung von Journalisten findet nämlich nicht statt. “
      So sehr ich Ihnen generell zustimme, glaube ich nicht, dass das ein Problem ist. Wer sich wirklich über ein Thema informieren möchte, kann das heut zu Tage auch ohne akademische Ausbildung tun. Alle wichtigen Zahlen und Studien lassen sich im Internet finden. Zusammenhänge werden auf jedem Verständnislevel erklärt. Einem guten Journalisten stehen darüber hinaus noch direktere Informationsquellen zur Verfügung. Andersherum gibt es auch genügend naturwissenschaftlich ausgebildete Menschen welche (zumeist etwas abseits ihres Faches) vehement das Lager der „Skeptiker“ vertreten. Es hat wohl etwas damit zu tun wie man mit Angst umgeht. Aber auch mit liebgewordenen undifferenzierten Weltbildern, Gruppenzwang, Mainstream…..und anderen Dingen, die ich gerne wüsste:-)
      Insbesondere müssen Journalisten – genau wie Politiker auch ihre Klientel im Auge behalten. …….. Damit wären wir bei der Schulbildung. Das Fach Biologie wäre eigentlich dazu da solche Dinge zu besprechen. Bei „Grüner“ Regierungsbeteiligung auf Landesebene allerdings schwierig. Dogmatismus und Bildungszensur gehen ja Hand in Hand.

    • »Spruchblase der Partei Die Grünen: „Atom aus – Natur an“.«

      War das nicht zuletzt die gelernte Physikerin Frau A. Merkel (CDU), die das gesagt hat?

  11. Sehr instruktives Buch zu diesem Fragenkomplexen: Das Risikoparadox: Warum wir uns vor dem Falschen fürchten – Ortvin Renn … Risikowahrnehmung, Vertrauen, Rolle der Wissenschaft ….
    Wahr ist: Fast alle Risiken verringern sich tendeziell (Krankheiten, unnatürlicher Tod … u.v.m.) trotzdem fühlt ein großer Teil der Bevökerung eine Zunahme der Bedrohungen.

    • Objektiv nehmen die Risiken ab, subjektiv zu. Parallel dazu leiden heute viele unter Nahrungsmittel- und anderen Allergien in einem Mass das vor 30 Jahren unbekannt war (Verdoppelung der Ernussallergien allein in den letzten 10 Jahren). Gemäss Hygienehypothese nehmen die Allergien zu, weil das Immunsystem des modernen Menschen unterbeschäftigt ist und es als Folge des Fehlens von Bakterien, gegen die es anzukämpfen hat, die Immunabwehr gegen andere Stoffe wie Pollen oder gar gegen den eigenen Körper richtet.

      Das Risikoparadox könnte analog dazu mit der Behütetsein-Hypothese erklärt werden: Der moderne Mensch ist überbehütet und erfindet deshalb Risiken, die es gar nicht gibt. Vielleicht ist eine so grosse Sicherheit wie sie heute die Menschen in Deutschland täglich erleben von der Evolution für den Menschen gar nicht vorgesehen.
      Die Kinder im Schmutz spielen lassen wäre eine denkbare Antwort auf die Hygienehypothese. Die überbehüteten Menschen hin und wieder echte Risiken erleben lassen – beispielsweise bgei einem Hilfseinsatz in Syrien – wäre dann ein denkbare Antwort auf die BehütetSein-Hypothese.

    • Für Japaner mag es etwas anders aussehen als für Deutsche. Erdbeben und Tsunamis lassen sich nicht vollständig beherrschen oder vorhersehen und gehören zu Leben. Möglicherweise kommt ein japanischer Durchschnittsbürger dadurch zu einer realistischeren Risikoeinschätzung als ein deutscher.

  12. »Das Pew Research Institute fragte 3700 Wissenschaftler aller Fachrichtungen:“«

    Sind Mathematiker und Physiker da kompetenter als Lieschen Müller?

    • Es zeigt einfach nur den Graben zwischen zwei sozialen Kreisen auf. Es ist interessant, dass sich in der grundsätzlich recht liberalen und kritischen Gemeinschaft der Wissenschaftler bestimmte Dinge durchgesetzt haben, in der allgemeinen Bevölkerung („Lieschen Müller“) aber nicht.

    • In der Allgemeinbevölkerung gibt es eine recht grosse Bereitschaft an Irrationales zu glauben und sich als Objekt zu sehen, an dem Techniker und Wissenschaftler ihre Experimente ausführen. Das jedenfalls beobachte ich in meinem Bekanntenkreis. Selbst viele Menschen, die in technischen Berufen wie Informatik arbeiten, sind anfällig für Ängste wie die vor Mobilfunkstrahlung etc (auch aus eigener Erfahrung mit Anderen).
      Ich denke mir, Wissenschaftler haben – anders noch als Techniker – eine viel skeptischere Grundeinstellung. Keine Technikskepsis findet sich bei Ihnen, sondern eine Skepsis gegenüber Behauptungen ohne Belege. Auch diffuse Ängste findet man in Wissenschaftlerkreisen weniger.
      Ein Wissenschaftler sagt sich eben viel schneller: Wenn es eine Vermutung gibt, kann man sie überprüfen. Ohne sie zu überprüfen oder wenigstens ein Papier darüber zu lesen, hat die Vermutung nicht denselben Status wie etwas, was erwiesen ist.

  13. Pingback: Wie weit darf Maispollen fliegen? › Detritus › SciLogs - Wissenschaftsblogs

  14. Nach den vielen langen Kommentaren noch ein paar Worte hinterher. Grundsätzlich bin ich nicht dagegen im Bereich Gen-Technologie zu forschen. Ich habe auch nichts gegen das Kapital, Rendite und Gewinn und unternehmerischem Denken. Was mich durch die Decke gehen lässt sind die Falschspieler und Manipulaten in diesen Systemen – UND – wenn ich eine Entwicklung sehen an deren Ende meine Heimat, Politiker, als ICH persönlich ERPRESSBAR werde(n). Solche Spielchen sind gefährlich und bei dem geringsten Fehler im Labor oder Monsanto-Saatgut-Lagerstätten absolut tödlich – tödlicher als die schlimmste Pandemie – so einfach ist das … aber zum Schluss noch ein Ausblick – es wird in 30 Jahren einen neuen Beruf geben. Bestäuber – die mit kleinen Pinseln auf die Bäume klettern um die Arbeit der ausgestorbenen Bienen übernehmen 😉

  15. Pingback: Kopf hoch: Deutsche vertrauen Wissenschaftlern » Detritus » SciLogs - Wissenschaftsblogs

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